Empfehlungen

//Empfehlungen
­

Unterseite Empfehlungen

12. Juni 2009

Für Sie gelesen – Handbuch Geldanlage

12. Juni 2009|Finanzen / Wirtschaft|0 Comments

Für Sie gelesen:

Handbuch Geldanlage

Ein Praxisratgeber mit CD-ROM

 

Autor: Vera Moll
Verlag:   Franz Vahlen GmbH, München
Preis: € 24,80
Umfang: 278 Seiten
ISBN: 978-3-8006-3584-9

 

Viele Menschen sind angesichts der vielfältigen Produkte und Dienstleistungen, neuer Vertriebswege und wechselnder Anbieter auf dem Finanzdienstleistungsmarkt überfordert und verunsichert. Auf der einen Seite wächst bei einer abnehmenden Leistungsfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme die Notwendigkeit der Eigenverantwortung und des selbständigen Handelns, auf der anderen Seite zwingen „moderne“ Lebensläufe zu häufigeren Anpassungen der finanziellen Situation an veränderte Lebensbedingungen.

Das Buch führt gut verständlich in die Welt der Anlageformen ein, vermittelt finanzielles Grundwissen, bespricht Sparpläne, Aktien, Fonds und mehr. Es gibt keine kurzfristigen Anlageempfehlungen, sondern will aufzeigen, worauf der Anleger grundsätzlich achten sollte.

Der Leser soll sich nach der Lektüre sicherer fühlen zu entscheiden, wie die persönliche Finanzplanung aussehen soll und worauf er achten kann.

Auf der CD befinden sich Muster zur Vermögensaufstellung, Entscheidungshilfen, Renditerechner.

Das Werk wendet sich an Angestellte und Selbständige zur optimalen Planung und Anlage des Vermögens.

Weitere Informationen zu dem Titel finden Sie unter: www.vahlen.de

19. Mai 2009

ADHS-Medikamente werden oft zu hoch dosiert

19. Mai 2009|Gesundheit, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für ADHS-Medikamente werden oft zu hoch dosiert

Experten kritisieren Ärzte und Eltern: Wenn das Mittel nicht mehr wirkt, wird einfach mehr gegeben. Doch das ist riskant, wie Praxisbeispiele zeigen.

Drei Jahre lang schluckte der 13-jährige Schüler das Zappelphilipp-Medikament ‚Methylphenidat’. Es sollte seine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bekämpfen. Bis zu dem Tag, als ihm nach der morgendlichen Tabletteneinnahme plötzlich schwindelig wurde, er seine Beine beim Gehen nicht mehr richtig kontrollieren konnte, die Augen zu drehen begannen, er apathisch auf Ansprache reagierte und Halluzinationen beschrieb. Experten nennen das „psychiatrische Ausfallerscheinungen“. Der Stationsarzt der Hagener Kinderklinik, dem der Junge noch am selben Abend vorgestellt wurde, führte die Symptome auf „eine arzneimittelinduzierte Psychose, ausgelöst durch Methylphenidat“, zurück.

Die Verbreitung des ADHS-Medikaments ‚Methylphenidat’ hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen. 1993 wurden in Deutschland 34 Kilogramm verbraucht, im vergangenen Jahr erreichte der Verbrauch laut Bundesopiumstelle einen neuen Rekordwert: 1429 Kilogramm. Das macht eine Steigerung um 4202 Prozent in 14 Jahren. In der Altersgruppe der 11- bis 14-Jährigen liegen ADHS-Mittel mittlerweile an der Spitze der Verschreibungen, offenbart der jüngste Arzneireport der Gmünder Ersatzkasse.

Über Wirkung und Nebenwirkungen von ‚Methylphenidat’ gibt es widersprüchliche Studien und Meinungen, über die so kontrovers gestritten wird wie um die grundsätzliche Diagnose ADHS. Die „Konferenz ADHS“ etwa, ein freier Zusammenschluß von Ärzten, Biologen, Pädagogen und Psychologen, hält ADHS nur für ein „medizinisches Konstrukt“.

Die Pharmakologin Christine Greiner von der Universitätsklinik Regensburg hat den Fall des 13-jährigen Jungen aus dem westfälischen Hagen genau analysiert. Ihre Arbeitsgruppe ist spezialisiert auf den Zusammenhang von Medikamenteneinnahme und Wirkstoffkonzentration im Blut. Sie stellt fest, wie der einzelne Patient auf ein bestimmtes Medikament – vor allem Psychopharmaka – reagiert, sprich: wie hoch es eigentlich für den Betreffenden dosiert sein müßte. Greiner kommt zu dem Schluß: Die ‚Methylphenidat’-Konzentration im Blut des Jungen war viel zu hoch. Zwar gebe es keine therapeutischen Referenzbereiche, betont sie. Aber: „Es gibt Literaturhinweise dafür, daß hohe Dosen ‚Methylphenidat’ psychotische Zustände im Sinne optischer und akustischer Halluzinationen hervorrufen können.“ Dabei hätten die in der Literatur beschriebenen Dosen noch um mehr als die Hälfte niedriger gelegen als im vorliegenden Fall des 13-jährigen Jungen aus Hagen, erklärt die Fachfrau. Das Kind sollte laut ärztlicher Verordnung täglich 90 Milligramm ‚Methylphenidat’ schlucken: eine 36-Milligramm-Tablette und eine 54-Milligramm-Tablette. ‚Concerta’, das handelsübliche ‚Methylphenidat’-Präparat, gibt es seit 2002 auf dem deutschen Markt mit den Wirkstoffmengen 18, 36 und 54 Milligramm. „Ob der Junge  versehentlich zwei 54-Milligramm-Tabletten geschluckt hat, wissen wir nicht“, sagt Greiner. „Prinzipiell wäre auch denkbar, daß Eltern eigenmächtig eine Höherdosierung vornehmen, da sie nicht mehr Herr der Situation werden.“

Dabei weist der ‚Concerta’-Hersteller Janssen-Cilag seit 2005 in seiner Sachinfo darauf hin, daß eine Tagesdosis von mehr als 54 Milligramm zu vermeiden sei. „Rein rechtlich sichert sich die Firma damit ab“, sagt Greiner. „Wenn Ärzte höhere Tagesdosen verschreiben, was nicht selten vorkommt, müssen sie sich deshalb gut rechtfertigen können.“ Daß der Junge anders als erwartet reagiert habe, zeige, daß die Überdosierung speziell für ihn schädlich war. Umso wichtiger sei „eine genaue Konzentrationsbestimmung von Psychopharmaka individuell auf den Patienten“. Viele Ärzte verschreiben das Medikament aber ohne ausreichende Diagnosestellung, kritisiert sie. „Wenn die Kinderpsychiater es verordnen, müssen die Kinder medizinisch kontrolliert werden. Auch die Eltern dürfen die Kinder dann nicht sich selbst überlassen oder das Medikament eigenmächtig höher dosieren in der Hoffnung, ihre Sprößlinge könnten sich dann noch besser konzentrieren.“

Von einem ähnlichen Fall berichtet Annette Streeck-Fischer, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Niedersächsischen Landeskrankenhaus Tiefenbrunn. „Ein 15-Jähriger kam vor einem Jahr zu uns, der seit seinem achten Lebensjahr ‚Concerta’ bekam, zuletzt täglich 150 Milligramm. Man hat im Lauf der Jahre immer höher dosiert, weil die Wirkung nachließ. Der Junge war völlig erstarrt, blaß und wirkte sehr angestrengt.“ In der Klinik wurde das Medikament sofort abgesetzt und man schaute, welches Problem sich hinter der angeblichen „Störung“ des Jungen verbarg, berichtet Streeck-Fischer.
Dabei stellte sich heraus: „Die Eltern hatten sich getrennt und den Jungen als Prellball in ihrer Mitte benutzt, um heftigste Konflikte auszutragen. Das hat ihn schlicht fertig gemacht.“ Heute lebt der Junge in einer Einrichtung der Jugendhilfe, besucht das Gymnasium und „will von Medikamenten nichts mehr wissen“, erzählt die Ärztin.

Verteufeln will Professor Otmar Kabat vel Job, Leiter des „Integrativen Zentrums zur Förderung hyperkinetischer Kinder“ (IZH) in Chemnitz, das Zappelphilipp-Medikament keineswegs. „Es kann am Anfang eine wichtige Krücke sein. Aber das Ziel muß immer sein, von ihm wieder loszukommen, denn es heilt ja nicht“, sagt der Professor für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie an der TU Chemnitz. „Das Problem ist: Der Anfangseffekt des Medikaments verpufft rasch. Das hat verheerende Wirkungen, denn man will dann immer höher dosieren. Das Kind denkt bald: Ich funktioniere nur, wenn ich das Medikament schlucke.“

Auch viele junge Erwachsene greifen deshalb zu ADHS-Medikamenten, obwohl es kein einziges ADHS-Präparat gibt, das in Deutschland für Erwachsene zugelassen ist. Sie nehmen es dann im so genannten Off-Label-Use. Viele schlucken es seit ihrer Jugendzeit und meinen, ohne Medikament nicht richtig funktionieren zu können.

Kabat vel Job setzt deshalb auf eine „multimodale Bewältigungsförderung“, von „Therapie“ mag er nicht sprechen. Sie zielt darauf ab, auf Dauer ohne Medikament auszukommen oder gar nicht erst eines zu benötigen. 135 Kinder betreut er zur bZeit. Die Hälfte davon hat bereits ‚Methylphenidat’ verschrieben bekommen, die andere Hälfte ist medikamentenfrei. „Die meisten Kinder können irgendwann mit dem Pillenschlucken aufhören.“ Der Psychologe bezieht auch das soziale Umfeld des Kindes mit ein: Familie, Schule und betreuende Ärzte. Dem Kind werden bestimmte Techniken zur Steuerung seiner Impulse und seines Selbstmanagements beigebracht. Insgesamt zweieinhalb Jahre veranschlagt er für die Maßnahme. „Evaluationen zeigen: Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt der Experte. „Eltern und Lehrer, die zunächst abblocken, empfinden Hilfsangebote oft als Vorwürfe. Sie tauen aber rasch auf, wenn sie merken, mit welch einfachen Mitteln sie die Atmosphäre in Familie oder Schule oft verbessern können.“

Wichtig ist Kabat vel Job, auch die „positiven Ressourcen“ dieser als „schwierig“ empfundenen Kinder in den Blick zu nehmen: „Sie sind oft besonders kreativ und haben spezielle Begabungen.“ Indem man lediglich die „Erregungsbalance“ dieser Kinder medikamentös auf ein ähnliches Niveau bringe wie bei Nicht-Betroffenen, zerstöre man dieses Potenzial aber zwangsläufig.

Birgitta vom Lehn
17. Mai 2009

Schlaganfall-Kinder brauchen kontinuierlich Begleitung

17. Mai 2009|Gesundheit, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Schlaganfall-Kinder brauchen kontinuierlich Begleitung

Bremer Studie: Junge Patienten werden oft verhaltensauffällig, haben Schulprobleme und werden „durchgereicht“.

Als die dreijährige Pauline nachts plötzlich wie am Spieß schrie, tippte ihre Mutter auf eine Blasenentzündung. Das kleine Mädchen war aggressiv und ließ sich nur schlecht beruhigen. Erst Stunden später schlief es wieder ein. Am Morgen konnte Pauline  ihre linke Körperhälfte nicht mehr bewegen. Die Mutter fuhr mit ihr in die Klinik, wo man ihr sagte: Pauline habe womöglich einen Schlaganfall erlitten. Die anschließende Kernspintomographie bestätigte den Verdacht.

Rund 300 Kinder in Deutschland erleiden jährlich einen Schlaganfall. Am häufigsten ereignet er sich bei Neugeborenen: Eins von 4.000 ist betroffen. Ursachen können Herzfehler, Gefäßverletzungen oder -entzündungen sein. Rund ein Drittel trägt bleibende Schäden wie Lähmungserscheinungen oder epileptische Anfälle davon. Darüber hinaus haben sie auch oft Gedächtnisprobleme und Konzentrationsstörungen, denn ein früher Schlaganfall schädigt das reifende Gehirn, vor allem wenn die Hirnrinde betroffen ist, was meist bei Neugeborenen und älteren Kindern der Fall ist. Oft zeigen sich die Folgen erst in der Schule, wenn die Leistungsanforderungen steigen. Zusätzlich treten Verhaltensauffälligkeiten, emotionale Störungen und Depressionen auf.

Das Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation an der Universität Bremen sammelt seit sechs Jahren Daten im Rahmen des Projekts „Schlaganfälle im Kinder- und Jugendalter – neuropsychologische Störungen im Langzeitverlauf“. Im Fachblatt ‚Fortschritte der Neurologie und Psychiatrie’ haben die Bremer Forscher nun erste Ergebnisse vorgestellt. An dem Projekt beteiligen sich betroffene Familien aus dem gesamten Bundesgebiet. Insgesamt liegen mittlerweile Daten für 111 Familien vor und damit von 57 Jungen und 54 Mädchen zwischen drei und 18 Jahren. Davon haben 54 Kinder innerhalb des ersten Lebensmonats ihren Schlaganfall erlitten, 30 zwischen dem zweiten Lebensmonat und dem sechsten Lebensjahr und 27 zwischen dem siebten und 18. Lebensjahr.

Studienleiterin Monika Daseking und ihr Team verzeichnen bei den Probanden „besonders auffällige Werte“ für die Skalen „Soziale Probleme“ und „Aufmerksamkeitsprobleme“: 27 Prozent der Eltern berichteten von sozialen Problemen, 24 Prozent von Aufmerksamkeitsdefiziten. Zwölf Kinder zeigten dissoziales, 18 aggressives Verhalten und acht Kinder zeigten sich in beidem auffällig. Insgesamt bewegt sich ein Drittel der Kinder „im auffälligen Bereich“, stellen die Forscher fest.

Besonders betroffen von Aufmerksamkeitsproblemen und sozialen Konflikten scheinen Kinder zu sein, die den Schlaganfall unmittelbar nach der Geburt oder im späteren Kindesalter erlitten haben. Als „ängstlich“ und „aggressiv“ werden verstärkt Kinder mit dem Schlaganfall zu einem späteren Zeitpunkt eingeschätzt. Letztere klagen auch stärker über körperliche Beschwerden als Kinder nach perinatalen oder frühkindlichen Schlaganfällen.

Wie sich der Schlaganfall auf die allgemeine Intelligenzentwicklung auswirkt, hängt sowohl vom Alter zum Zeitpunkt der Schädigung als auch von der Lokalisation ab. Linkshemisphärische Schlaganfälle beim Neugeborenen oder in der späteren Kindheit scheinen den größten negativen Einfluß zu haben. „Kinder mit perinatalen Schlaganfällen zeigen auch insgesamt die niedrigsten Intelligenzwerte“, schreiben die Wissenschaftler.

Jedes zweite Schlaganfallkind besucht keine Regel-, sondern eine Förder- oder Sonderschule, weil es bereits eine Klasse wiederholt oder unterdurchschnittliche Leistungen gezeigt hat. Dabei seien viele dieser Kinder eigentlich nicht richtig auf der Sonderschule aufgehoben, weil sie nur Teilleistungsstörungen haben. „Sie haben visuelle oder motorische Probleme und brauchen oft einfach nur mehr Zeit für ihre Aufgaben. Das Schulsystem ist da zu unflexibel, um den Förderbedarf zu leisten“, klagt Daseking.

Diese Kinder verbringen auch weniger Zeit in Gruppen und Vereinen und haben weniger Freunde. Jungen und Mädchen sind gleich stark betroffen. Vielen fehlt im Kindergarten die sprachliche Kompetenz, sich angemessen mitteilen zu können. Stellt das Kind fest, daß es mit den gesunden Gleichaltrigen nicht mithalten kann, reagiert es aggressiv oder zieht sich zurück. Beides führt ins soziale Abseits. Die Erkenntnis, anders zu sein als andere Kinder, beginnt – gerade bei Einzelkindern – mit dem Eintritt in den Kindergarten.

Daseking rät daher Eltern, bei wichtigen Einschnitten im Leben ihres Kindes – Kindergarteneintritt, Schuleintritt oder Schulwechsel – besonders wachsam zu sein. Wichtig sei, „immer am Ball zu bleiben“ und sich „nicht abwimmeln zu lassen“. Die Kinder bräuchten eine langfristige fachkundige Begleitung. Häufig sei es aber so, daß die Zuständigkeiten wechseln und die Kinder „durchgereicht“ würden. Daseking: „Man fokussiert sich meist zu spät auf das Reparieren der Schäden. Dabei kann man bei Kindern viel präventiv machen, wenn man früh übt und trainiert, nicht nur die motorischen Defizite, sondern auch das kognitive Verhalten.“ Ideal sei eine neuropsychologische Therapie. Doch die zahle die Kasse nicht. Stattdessen werde meist  Ergotherapie gemacht. Daseking bezeichnet das als „schlechte Alternative“ – es sei denn, der Ergotherapeut arbeite mit einem Psychologen zusammen. „Schlimm ist, wenn unspezifisch gefördert wird“, warnt die Psychologin. Medikamente wie Methylphenidat könnten wirksam eingesetzt werden – aber nur, wenn genau kontrolliert werde, ob keine Gerinnungsstörung vorliege und dies in enger Abstimmung mit einem Kinder- und Jugendpsychiater geschehe.

Pauline hat übrigens Glück gehabt. Sie hat sich bis auf leichte feinmotorische Störungen in der linken Hand und im linken Fuß fast vollständig von ihrem Schlaganfall erholt. Dennoch bleibt sie unter weiterer Beobachtung. Die Ursache für den Schlaganfall konnte an der Universitätsklinik Münster geklärt werden, wo ebenfalls eine Langzeitstudie läuft und es eine Spezialsprechstunde für junge Schlaganfallpatienten gibt: Pauline hatte vor fünf Wochen Windpocken. Dabei haben sich die Hirngefäße entzündet.

Birgitta vom Lehn
22. April 2009

Für Sie gelesen – Warum wir alle reich sein könnten und wie unsere Politik das verhindert

22. April 2009|Staatswesen, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen – Warum wir alle reich sein könnten und wie unsere Politik das verhindert

Autor: Carlos A. Gebauer
Verlag: Lichtschlag Buchverlag, Grevenbroich
Preis: € 14,90
Umfang: 240 Seiten
ISBN: 978-3-939562-12-2

Was mich schon an dem Titel ansprach war, daß der Autor von „unserer Politik“ und nicht von den „Politikern“ im allgemeinen sprach, und in dem Buch fand ich (oft erschreckend) nachvollziehbar dargestellt, was denn „unsere Politik“ so alles tut.

Carlos A. Gebauer zeigt auf, daß die allgemeine Überzeugung der Bevölkerung, daß es mit dem deutschen Abgaben-, Steuer- und Zuteilungsstaat schon irgendwie seine Richtigkeit habe, auf einem sehr brüchigen Fundament von Informationen steht.

Was kostet uns das Phänomen „Staat“? Wie und wo ist der Begriff „Ausbeutung“ angebracht? Für die meisten Deutschen sind es die Unternehmer, die Arbeitgeber oder „die Reichen“. Das Ausmaß der Ausbeutung durch den Staat/die Politik ist den meisten jedoch weder kognitiv noch emotional bewußt. Z.B. das Thema „Abgabenquote“: Wie viele Tage im Jahr arbeiten wir für unser eigenes Portemonnaie und wie viele Tage für das Finanzamt und die Sozialkassen? Oder – in anderen Worten – wie viele Finger gehören noch mir und wie viele arbeiten schon für andere? Mathematik kennt keine Gnade: Mit nachvollziehbaren Zahlen rechnet der Autor uns vor, was sonst in den Medien nebulös statistisch unverständlich erklärt wird.

Um die Richtigkeit des Ausrufes, „der Staat tut ja auch etwas für das Geld, das er mir abnimmt“, zu prüfen, schlägt Gebauer dem Leser vor, während der Lektüre auf einem Zettel all das festzuhalten, was der Staat unentgeltlich und zufriedenstellend für ihn erledigt.

(Also, mein Zettel ist leer geblieben bzw. füllte sich mit dem Text für diese Buchempfehlung).

Carlos Gebauer sucht nach einer Definition von „Geld“, d.h. er sucht danach, was „Geld“ eigentlich ist. Eine Definition im rechtlichen Sinne gibt es nicht bzw. ist nicht zu finden. Er kommt auf einem logischen und spannenden Weg zur Erkenntnis: Geld = Schulden. Geld hat den Charakter einer Ware verloren und ist nichts weiter als Papier. Die Zentralbank kann den Wert des Geldes (so es denn einen hat) nach Belieben durch die Menge des Geldes verändern; das ist vergleichsweise so, als wenn z.B. 100 cm plötzlich 60 cm wären. Was durch die Eichämter geprüft und bei Nichtbeachtung bestraft wird, ist für die Zentralbanken nicht gültig. Bei den Zentralbanken sagen wir aber, daß das doch „anerkannte“ Experten sind; nur von wem anerkannt, steht meist nicht dabei. „Im gängigen (Medien-)Sprachgebrauch werden Experten zu ‚anerkannten’ Experten, wenn sie auf der Gehaltsliste des Staates stehen …“

Weiterhin geht Carlos Gebauer den Themen „Schwarzarbeit“ und „Scheinselbständigkeit“ auf den Grund. Er zeigt auf, inwieweit der Staat in die individuelle Gestaltung von Verträgen eingreift, ja sie sogar verbietet.

Zudem weist er auf das daraus resultierende „Phänomen“ der steuerlichen Gestaltung und die Ignoranz gegenüber dem Willen des Bürgers hin.

Er vergleicht den für die meisten Bürger immer unverständlicher und verwirrender gewordenen „Gesetzesdschungel“ mit den Mechanismen, die den Machterhalt von Adel und Klerus im Mittelalter sicherstellten: die lateinische Sprache verdonnerte die Menschen, die ihrer nicht mächtig waren, zu „glaubenden Schäfchen“. Unser Gesetzesdschungel ist kompliziert. Er ist unverständlich. Er muß ständig verändert werden. Und wir sind „die glaubenden Schäfchen“.

“Für unsere Generation bleibt vorerst nur die traurige Erkenntnis, daß der berufstätige Fleiß von Millionen Steuer- und Sozialabgabenzahlern einen äußerst lukrativen Steinbruch für den Gewinn von Staatsbürokratie darstellt … Jeder produktive Akt eines einzelnen fleißigen Menschen zieht sogleich eine Unzahl unproduktiver Staatsverwaltungsakte nach sich.”

Von den Früchten unseres Fleißes bleiben nach allen staatlichen Abgaben allenfalls 20% in unserem eigenen Besitz. Und selbst vor dem Tod eines Mitmenschen kennt der Fiskus keinen Halt. Die Erbschaftssteuer, als „finaler Schlag der Besteuerung des Todes“, wird damit gerechtfertigt, daß der Erbe dafür ja nichts geleistet hat. (Hallo?!?!?! Da geht mir ja die Hutschnur hoch …) Was hat denn der Fiskus dafür geleistet? Im Gegenteil, er hat vorher schon verhindert, daß der Familie des Verstorbenen oder der Gemeinschaft, die er unterstützen möchte, mehr übrig bleibt.

Fehlt es unseren Politikern an Phantasie und/oder Kenntnis, daß die eine erwerbstätige Hälfte der Menschen in Deutschland die andere nicht erwerbstätige Hälfte auch ohne diesen Abgaben- und Verwaltungsdschungel vor Verarmung schützen könnte? Oder sogar besser und vor allem billiger?!

Wie aber kommt es/kam es zu einem solchen System, wie wir es heute haben? Im Kapitel „Herrscher und Beherrschte in der Bequemlichkeitsfalle“ beschreibt Carlos Gebauer den Komplementär-Mechanismus zwischen „Die machen das schon“ und „Das ist unsere Aufgabe“, der uns in dieses Sackgassen-System getrieben hat und immer noch treibt. Er schildert auch die ernüchternde Tatsache, daß die Ausweitung, das Wachstum unseres Beamtenapparates als Wertezuwachs in der Wachstumsbilanz dargestellt wird. Hierzu zitiert er Gabor Steingart, der beschreibt, mit welchen Tricks die Statistiken arbeiten: „Die rapide steigende Staatsverschuldung wird als Fortschritt dargestellt.“

Viele weitere Themen werden vom Nebel, der sie verschleiert, befreit.

Unser „Bauchgefühl“ (meins zumindest), daß da was nicht stimmt, daß wir arbeiten wie die Besessenen und es nichts dabei rauskommt, endet nach dem Lesen des Buches in der „Vision“ (es gibt durchaus schönere von mir): „Wer wird Sieger im Hamsterrad, wer hält am längsten durch, für immer mehr Menschen, den Lebensunterhalt und für die Verwaltung unseres Staates zu arbeiten“ – egal, ob selbständig oder angestellt?

Mit vielen interessanten, neugierig machenden Fragen gespickt, in einer jedermann verständlichen Sprache und mit Verweisen auf weiterführende bzw. vertiefende Literatur führt uns Carlos Gebauer in seinem Buch durch unser Politik-System. Es liest sich spannend wie ein Krimi und wirkt zugleich äußerst aufschlußreich und aufklärend auf unser vages „Da-kann-doch-was-nicht-stimmen-Bauchgefühl“.

Carlos A. Gebauer studierte Philosophie, neuere Geschichte, Sprach-, Rechts- und Musikwissenschaften. Er arbeitet als Rechtsanwalt in Duisburg.

Seine Homepage: www.MAKE-LOVE-NOT-LAW.com

Nicola Trautner
21. April 2009

Für Sie gelesen – Crashkurs

21. April 2009|Finanzen / Wirtschaft|0 Comments

Für Sie gelesen:

Crashkurs

Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance?
Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen

 

Autor: Dirk Müller
Verlag: Droemer Verlag, München
Preis: € 18,00
Umfang: 256 Seiten
ISBN: 978-3-426-27506-1

 

Dirk Müller, besser bekannt als „Mr. Dax“, ist Deutschlands prominentester Kursmakler. Er ist nicht nur der Medienstar der Frankfurter Börse, „er war der erste hier auf dem Parkett, der den Fall des Marktes vor Monaten voraus ahnte“, sagen konkurrierende Makler respektvoll über ihn.

In „Crashkurs“ schildert Dirk Müller die Hintergründe und Folgen des Einbruchs der Finanzmärkte seit 2007 und zeigt, was mit unserem Geld passiert: wie die Inflation heruntergerechnet wird, wie Arbeitslosenzahlen manipuliert werden, wer ein Interesse daran hat, die Menschen mit solchen Fehlinformationen zu täuschen, wer daran verdient.

Den Broker aus Leidenschaft ärgert es, wenn die Finanzwelt durch solche Praktiken in Verruf kommt. Deshalb klärt er auf, macht Zusammenhänge deutlich und scheut sich nicht, auf direkten Konfrontationskurs zu gehen.

Doch „Dirk of the Dax“ bleibt bei der Analyse und Anklage nicht stehen. Er zeigt nicht nur die Risiken, sondern plädiert auch dafür, die Jahrhundertchance zu erkennen, die in der derzeitigen Entwicklung liegt. Ganz ohne wirtschaftswissenschaftliche Phrasen und verwirrende Formeln, sondern unter Anwendung des gesunden Menschenverstandes zeigt Dirk Müller, wie Sie jetzt das Beste aus Ihrem Geld machen.

Dirk Müller wird oft als „das Gesicht der Börse“ bezeichnet. Nach dem Abitur und einer Bankausbildung begann 1992 seine Karriere an der Frankfurter Börse. Zunächst arbeitete er als Rentenhändler für diverse Unternehmen, bevor er 1998 amtlich vereidigter Kursmaklerstellvertreter und später Skontroführer wurde. Sein Wissen und seine Erfahrung werden allseits geschätzt; er ist ein gefragter Experte bei Presse und Fernsehen.

1. April 2009

Für Sie gelesen – Unter Bankstern

1. April 2009|Finanzen / Wirtschaft|0 Comments

Für Sie gelesen:

Unter Bankstern

 

Autor: Artur P. Schmidt
Verlag:   EWK Verlag, Kühbach-Unterbernbach
Preis: € 14,90
Umfang: 240 Seiten
ISBN: 978-3-938175-48-4

 

Die Banken haben den Planeten in ein riesiges globales Ponzi-Schema verwandelt. Sie werden fragen, was dies ist? Nun, es ist ein Schneeballsystem, bei dem diese immer mehr Geld von den Kunden einsammeln, Ihnen damit Produkte verkaufen, mit denen nur sie selbst verdienen, wobei sie darauf hoffen, daß der Kunde die ihm angedrehten Produkte möglichst für immer behält und sie, falls das ganze Kartenhaus dennoch zusammenbricht, den Staat um Hilfe rufen.

In diesem Buch erfahren Sie in ungeschminkter Form, wie Banken Geld aus dem Nichts schöpfen, wie sie als Wiederholungstäter eine Krise nach der anderen produzieren und wie sie mit kriminellen Praktiken alles tun, um ihre Kunden über den Tisch zu ziehen.

Sie erfahren, wie Banken Krisen ausnutzen, um Geld zu horten und lieber Eigenhandel tätigen, als innovativen Firmen Kredite zu geben.

Banken haben sich in den letzten Jahrzehnten zu den schlimmsten Machiavellisten der Ökonomie gemausert, schlimmer noch als die berüchtigten Räuberbarone zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei kennen sie keine Moral, schieben die Verantwortung auf den Steuerzahler ab und sind in ihrer Gier nach Geld in nichts zu übertreffen. Es läßt sich deshalb vortrefflich von einer Parade der Lügenbarone sprechen, vor denen selbst ein Freiherr von Münchhausen erblassen würde.

Die gefährliche Mischung aus Gangster und Bankier hat zur Reinkarnation des „Banksters“ geführt, einer Berufsbezeichnung, die Bankiers wegen ihres korrupten Verhaltens und Mißmanagements bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bekamen.

Gepaart wird das Unvermögen der Banken mit völlig fahrlässig agierenden Notenbanken, die, anstatt das Übel einer jeden Blase, nämlich zu niedrige Zinsen, wie einst der US-Notenbanker Paul Volcker, mit hohen Zinsen auszutreiben, die Rettung lieber in immer neuen Blasen suchen.

Wenn diesem Treiben nicht durch eine radikale Reformation des Bankwesens Einhalt geboten wird, werden am Ende dieses Treibens eine Hyperinflation und der Staatsbankrott stehen. Es scheint in der heutigen Zeit in Vergessenheit geraten zu sein, daß frühere Krisen auch ohne Eingriffe von Notenbanken und Politikern zu Ende gingen.

Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Krisen um so schlimmer und länger ausfielen, je mehr der notwendige Strukturwandel – Schumpeter hätte von der kreativen Zerstörung alter Industrien gesprochen – verhindert wird.

Genau aus diesem Grunde sind inflationssteigernde Konjunkturprogramme für sich genommen das falsche Mittel, um Krisen zu bekämpfen, da sie die Schuldenwirtschaft weiter forcieren. Vielmehr geht es vor allem darum, durch Innovationen neue gewinnbringende Branchen zu erschaffen.

Da dies in erkennbarer Weise nicht oder nur unzureichend durchgeführt wird, ebenso wie eine unabdingbare Erneuerung des Geldsystems, werden die Steuerzahler die Zeche der Weltwirtschaftskrise bezahlen und deren Verursacher, die Banken, werden, weil sie fälschlicherweise als systemrelevant angesehen werden, wieder einmal ungeschoren davonkommen.

Durch eine inflationstreibende Wirtschaftspolitik besteht die akute Gefahr, daß große Teile der Mittelschicht der Bundesrepublik Deutschland durch Massenarbeitslosigkeit unter die Armutsschwelle rutschen werden, die natürlich dann sofort abgesenkt werden muß, getreu dem Motto aller Ökonomen: Glaube nur der Statistik, die Du selbst gefälscht hast.

Ein im wahrsten Sinne des Wortes „aufregendes“ Buch von größter Aktualität.

28. Februar 2009

Für Sie gelesen – Ach, der Himmel ist leer

28. Februar 2009|Psychologie / Philosophie, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen – Ach, der Himmel ist leer

Lauter gute Gründe gegen Gott und Glauben

Autor: Peter Henkel
Verlag: Frieling-Verlag, Berlin
Preis: € 10,90
Umfang: 175 Seiten
ISBN: 978-3-8280-2703-9

Mit seiner Neuerscheinung „Ach, der Himmel ist leer“, aktuell erschienen im Frieling-Verlag Berlin, wendet sich der politische Journalist und Philosoph Peter Henkel an überzeugte Atheisten, Schwankende und Gläubige, die mutig genug sind, ihre Religion zu hinterfragen.

Ob es um das erfolgreiche Volksbegehren „Pro Reli“ geht, um eine zweifelhafte Haltung des Papstes oder um politische Karikaturen – immer wieder neu erhitzen religiöse Themen die Gemüter, unabhängig von Glaubensrichtung und Religionszugehörigkeit.

Der Autor Peter Henkel stellt mit bestechenden Argumenten zu Gott, Bibel, Tod und Teufel den Glauben selbst in Frage und zitiert gekonnt berühmte Religionskritiker wie Schopenhauer, Dawkins, Freud und Feuerbach.

Entstanden ist das Buch in dem Bewußtsein eines unauflösbaren Dilemmas. Denn viele sagen, Gott sei doch längst tot, wozu also ihn und den Glauben bekriegen? Andere meinen: Eine Streitschrift wider Gott, das ist wie eine Polemik gegen die Schwerkraft. Dritte fragen den forschen Gottesleugner stirnrunzelnd, wie es denn um seine Toleranz gegenüber Andersdenkenden bestellt sei oder um sein Mitgefühl gegenüber denjenigen, denen eine offene Konfrontation mit dem Unglauben Schmerzen bereitet.
Eine Lesefibel für Gottlose, Gläubige und Schwankende, die der Autor zur Diskussion aufstellt.

Dabei zeichnet Henkel aus, daß er offen für die Bedürfnisse und Motive Gläubiger ist und den Dialog sucht. Gleichgesinnte sollen sich mit seinem Werk wappnen können. Religiösen Menschen bietet es viele inspirierende Ansätze zur Auseinandersetzung mit den eigenen Überzeugungen.

Peter Henkel, 1942 in Dortmund geboren, studierte in Bonn Germanistik und Philosophie und wurde dann Journalist mit dem Schwerpunkt Politik. Zuletzt war er fast drei Jahrzehnte Korrespondent der ‚Frankfurter Rundschau’. Heute lebt er als freier Autor in Stuttgart und im Salzkammergut.

28. Februar 2009

Für Sie gelesen – Mafialand Deutschland

28. Februar 2009|Gesellschaftssystem|0 Comments

Für Sie gelesen:

Mafialand Deutschland

 

Autor: Jürgen Roth
Verlag: OPPO-Verlag, Berlin
Preis: € 19,95
Umfang: 320 Seiten
ISBN: 978-3-8218-5632-2

 

„Die italienische Erfahrung wiederholt sich auch in Deutschland. Die Mafia verwandelt wirtschaftliche Macht und kriminelle Energie in politischen Einfluß.“

Roberto Scarpinato, Oberstaatsanwalt aus Palermo

Seit den Morden von Duisbug ist die kalabresische ‚Ndrangheta’ in Deutschland in der Öffentlichkeit bekannt. Was als Fehde verfeindeter Clans dargestellt wird, ist in Wahrheit nur ein „Betriebsunfall“ bei der Unterwanderung Deutschlands durch Mafiaorganisationen – egal ob durch italienische oder russische Clans. Denn es geht längst nicht mehr nur um Schutzgelderpressung, Prostitution oder Drogenhandel, sondern um Macht und Einfluß auf politische und wirtschaftliche Entscheidungen, die man sich durch milliardenschwere Investitionen erkauft. Williger Türöffner beim Eintritt in die ehrenwerte deutsche Gesellschaft spielt eine illustre Seilschaft aus Politikern, Wirtschaftsbossen und Justiz, die auf beiden Augen blind ist – solange die Kasse stimmt, denn: der Umsatz der Mafia in Deutschland beträgt pro Jahr immerhin ca. 150 Milliarden Euro.

Seit Jahren beschäftigt sich der renommierte Journalist Jürgen Roth mit den Strukturen der Mafia und der Organisierten Kriminalität in Deutschland. Für sein aktuelles Buch hat er italienische Mafiosi in Deutschland und Italien interviewt, italienische Mafiaermittler befragt, die Berichte italienischer und deutscher Geheimdienste ausgewertet, Finanzfachleute konsultiert und Einsicht in die aktuellsten Erkenntnisse von Ermittlern im Bereich Wirtschaftskriminalität und Organisierte Kriminalität bekommen. Sein Fazit lautet: Die „Mafia“ ist in der Mitte der deutschen Gesellschaft angekommen – strukturell in der Verquickung legaler und illegaler Operationsbereiche, organisatorisch in der Vereinnahmung von Wirtschaft und Politik und in der Legislative bzw. Judikative „verdrängt“ als „nicht existent“.

Konkret geht es in diesem durch Quellen belegten und recherchierten Buch vor allem um die italienische bzw. die kalabresische Mafia und hier insbesondere die ‚Ndrangheta’, um die russische Mafia bzw. die osteuropäische Mafia und ihre Oligarchen, die eng eingebunden sind in die traditionellen Strukturen der Organisierten Kriminalität sowie um die Mafia-Strukturen, die durch ehemalige Stasi- und SED-Seilschaften vor allem in Ostdeutschland etabliert worden sind. Betroffen und mit zahlreichen Fällen belegt sind insbesondere die Bundesläder Sachsen und Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Thüringen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sowie im Umfeld Österreich und die Schweiz.

Jürgen Roth, geboren 1945, ist einer der bekanntesten investigativen Journalisten in Deutschland. Seit 1971 veröffentlicht er brisante TV-Dokumentationen und erfolgreiche Bücher wie „Der Oligarch“ (2002) und
die „Die Gangster aus dem Osten“ (2004). Bei Eichborn erschienen „Ermitteln verboten!“ (2004), „Der Deutschland-Clan“ (2006) und „Anklage unerwünscht“ (2007), die allesamt Bestseller waren.

18. Dezember 2008

Für Sie gelesen – Parousia – Angekommen in der Freiheit

18. Dezember 2008|Gesellschaftssystem|0 Comments

Für Sie gelesen:

Parousia

Angekommen in der Freiheit

 

Autor: Karl-August Hansen
Verlag: OPPO-Verlag, Berlin
Preis: € 19,-
Umfang: 196 Seiten
ISBN: 978-3-926880-18-5

 

Wie ist zu bewältigen, was Gegenwart und Zukunft der Menschheit aufbürden? Der Autor meint, daß es sich bei Freiheit und Geborgenheit um diejenigen Grundbedürfnisse handelt, die für den Menschen auf Dauer unverzichtbar sind. Er schlägt daher vor, die Menschen in die Selbstbestimmung zu entlassen.

In diesem Buch schildert er eine Welt, aus der Bestimmung, Bevormundung und Betreuung verbannt sind. Die Menschen leben in selbständigen Gemeinden, von denen keine aussieht wie die andere. Um zu regeln, was sie aus sich selbst nicht regeln können, haben sie sich zu Zweckbündnissen bis zum Weltbund zusammengeschlossen.

Indem der Autor den Protagonisten sich an den gegebenen Verhältnissen reiben läßt, wird deutlich, daß es sich bei der geschilderten keineswegs um eine heile Welt handelt. Zugleich wird offenbar, daß das Leben in Freiheit zwar das Verhalten des Menschen ändert, nicht jedoch sein Wesen. Er bleibt weiterhin Anfechtungen ausgesetzt und bewältigt sie nicht immer zufriedenstellend.

Friede und Ordnung sind nötig. Der Autor schließt sich jener Meinung an, die davon ausgeht, daß jeder Zwang ihnen entgegensteht. Demzufolge sind die sozialen Probleme von oben nicht zu lösen. Von den Machern, Beglückern und Wohltätern kann nur Schädliches kommen.

28. November 2008

Für Sie gelesen – Blackwater – Der Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der Welt

28. November 2008|Staatswesen, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen – Blackwater – Der Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der Welt

Autor: Jeremy Scahill
Verlag: Verlag Antje Kunstmann, München
Preis: € 22,-
Umfang: 320 Seiten
ISBN: 978-3-88897-512-7

Kein Land der Welt ist ob seiner militärischen Interventionen derart verhaßt wie die USA. Kein Wunder, unterhalten die Vereinigten Staaten doch in mehr als der Hälfte sämtlicher in der UNO versammelten Nationen Militärbasen, und der jährliche Militär-Etat der USA übertrifft den der nächstgrößeren 25 Länder der Welt zusammen.

Aber nicht nur im Ausland regt sich Widerstand; mehr und mehr Amerikaner ekelt ihr Image in der Welt mittlerweile an – allen heroischen Erfolgsmeldungen und Hunderten von glorifizierenden Hollywood-Filmen zum Trotz.
Da kamen die Chefstrategen im Pentagon auf eine „geniale“ Idee: Sie gründeten Privatarmeen (nach dem Vorbild der französischen Fremdenlegion), die sie mit geheimen Aktionen und besonders gewagten Kampfeinsätzen betrauten – nicht zuletzt deshalb, weil sie dann offiziell ihre Hände in Unschuld waschen und sich von den teilweise gesetzeswidrigen Einsätzen dieser Privatarmeen distanzieren konnten.

Jeremy Scahill beschreibt in seinem Buch ‚Blackwater – Der Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der Welt’ den Aufstieg und die Vorgehensweise der größten dieser privaten Killertruppen, deren zum Teil völlig illegale und bedenkenlose Vorgehensweise sogar insofern von Washington gedeckt wird, als bei „Problemen“ die beteiligten Mitarbeiter dieser Armee nicht etwa vor ordentliche Gerichte kommen, sondern nach Hause beordert werden und dort untertauchen. Schonungslos und mit vielen Beispielen erläutert Scahill, wie menschenverachtend hierbei vorgegangen wird und wie diese Firma – mit inoffizieller Rückendeckung ihres Auftraggebers, der sich ständig als ‚Verteidiger der Freiheit, des Rechts und der Demokratie’ berühmenden Vereinigten Staaten von Amerika – das Recht der Länder, in denen sie operieren, bedenkenlos mit Füßen tritt.

Dieses Buch bestürzt und läßt ahnen, in welch pathologischem Zustand sich das System der USA befindet, aber auch, wie weit der hegemoniale Größenwahn der letzten verbliebenen Weltmacht eigentlich bereits gediehen ist.

H.-W. Graf