Ein „Fahrplan“ für die Liebe

Ein „Fahrplan“ für die Liebe

Wohl kein Thema beschäftigt unser DenkFühlen so häufig und intensiv wie das der Liebe. Kein Roman oder Film, in dem sie nicht thematisiert und dramaturgisch abgehandelt wird. Andererseits bereitet uns auch kaum ein Thema so viel Kopfzerbrechen und Probleme, denn Liebe auch wirklich zu leben will gelernt sein.
Versuchen wir es einmal mit einer Art „Fahrplan“.

1. Verliebtheit ist ein herrlicher Rausch – der einzige gesunde und ungefährliche.

Wir verlieben uns in Menschen, Tiere, Länder und Kulturen, Landschaften und Gegenstände, die wir sinnlich wahrnehmen, wobei wir uns im Folgenden auf die Liebe unter Menschen beschränken wollen.

Um uns zu verlieben, bedarf es nur Sekundenbruchteile; uns fasziniert ein hübsches Gesicht, eine appetitliche Figur, eine Stimme oder auch der Bühnenauftritt oder Vortrag eines Menschen. Aber Vorsicht: Verliebtheit hat noch nichts mit Liebe zu tun; wer an die ‚Liebe auf den ersten Blick‘ glaubt, sollte die Brille aufsetzen oder seinen Augenarzt konsultieren.

Sofern wir die Gelegenheit dazu haben, versuchen wir nun, mit weiteren Sinnen (z.B. dem Geruchs- und Tastsinn) den Anderen näher kennenzulernen, um den Ersteindruck zu verstärken und zu bestätigen. Unsere Faszination ist geweckt. Der Himmel scheint sich aufzutun; wir geraten ins Schwärmen, werden anderen Dingen gegenüber vielleicht etwas vergeßlicher und nachlässiger, konzentrieren uns auf das „Objekt“ unserer Verliebtheit und versuchen, dieses Gefühl nach besten Kräften zu erleben, zu empfinden und wenn möglich noch zu steigern. Aus Verliebtheit wird dann vielleicht Liebe.

2. Liebe ist ein Geschenk auf Zeit.

Wir sollten dabei aber nicht vergessen, daß Liebe, eine besonders tiefe Freundschaft, ein Geschenk auf Zeit ist, uns also niemand eine Garantie darauf geben kann, wie lange diese Liebe anhält. Und noch so hehre Liebesschwüre (oder gar Verlobung und Heirat) können als Garanten dafür angesehen werden, daß diese wundervolle Liebe auch ewig hält. Denn Liebe ist zerbrechlich und zart, möchte nicht in bequemer Üblichkeit verstanden, sondern immer wieder als gegenseitiges Geschenk erlebt und gelebt werden.

3. Liebe ist kein Recht auf Eigentum.

Wer glaubt, sich auf der Basis einer bestimmten Kultur oder Religion Eigentum an einem anderen Menschen erwerben zu können, ist ein paar Jahrhunderte zu spät geboren. Vielmehr gilt es, den Anderen in freiheitlicher Autarkie und als Partner – Teilhaber an einem gemeinsamen Lebensabschnitt – neben sich zu wissen, nicht mehr und nicht weniger. Dazu gilt es, sich für die Interessen und Neigungen des Anderen zu interessieren, diese zu achten und vielleicht auch zu teilen, nicht jedoch dem Anderen Verhaltensmuster und Sichtweisen aufzuoktroyieren.

4. Die Liebe muß wie ein Handwerk gelernt werden.

Wer sein Leben (und dessen Inhalte) mit einem anderen Menschen teilen will, sollte    [….]