Der üble Gestank des Populismus

Der üble Gestank des Populismus

Welch Freude noch vor wenigen Wochen in dieser Republik; nachdem selbst das traditionell dunkelrote Nordrhein-Westfalen Kanzler Schröder von der Fahne gesprungen war und das innerparteiliche Murren in der SPD immer vernehmlicher wurde, entschloß sich das SPD-Spitzenduo zum geordneten Rückzug und für Neuwahlen.

So bereitwillig sich die Mehrheit der Wähler von Schröder abwandte, nun sahen sie sich mit der Tatsache konfrontiert, den ‚Wendeengel’ Merkel künftig als Kanzlerin ertragen zu müssen. Zudem quollen aus längst versiegelt geglaubten Höhlen die populistischen Ungeister nicht ausrottbarer SED-Zeiten, zu denen sich der teuerste Frührentner der Nation, Lafontaine, flugs gesellte. Vergessen die Tage, an denen Lafontaine noch den verfassungsrechtlich bedenklichen SED-Geist im neuen PDS-Gewande mit üblen Worten belegte. Vergessen auch sein Versprechen, politisch Deutschland nicht mehr schaden zu wollen; nun wittert er, der ewig Un- und Mißverstandene wieder Morgenluft – sei es auch um den Preis, sich bei jedem halbwegs intelligenten Menschen vollends unglaubwürdig zu machen. Wenigstens die „Ossis“ (zumindest diejenigen, die sich von den etablierten Parteien wie von ihren eigenen Wende-hälsen restlos verkauft und verraten fühlen) glauben ihm auch den perversesten Unsinn. Gibt Gysi wenigstens noch zu, daß er von Wirtschaft keinen blassen Schimmer hat, tönt Oskar umso vollmundiger vom real-wiederbelebten Sozialismus, Arbeitsplatz- und Lehrstellengarantien, zu denen ein wirklich sozialer Staat verpflichtet sei und einem Mindesteinkommen für Jeden, egal ob er arbeiten will oder nicht, ob er sich auf eine veränderte Arbeits- und Lebenswelt einlassen möchte oder nicht.

Da kommen ihm Gelegenheiten, wie General Schönbohm sie ihm gerade lieferte, nur recht. Dabei hatte der grimmige Jörg im Kern durchaus Recht, als er anmerkte, daß der Sozialismus über Jahrzehnte hinweg die Menschen zu einer geradezu asozialen Gleichgültigkeit erzogen hatte. Das gleiche Phänomen ist in sämtlichen sozialistischen Gesellschaften zu beobachten: So emsig, bisweilen geradezu klandestin, sich die zum Sozialismus verdammten Bürger um ihre eigene Behausung kümmerten, so völlig egal war ihnen, wie es bei ihnen vor der Haustür aussah – für die sozialistischen Häuser und Gärten, Straßen und Plätze war, wie für jedes Gemeingut, der Staat zuständig, nicht hingegen sie selbst.

Nun, daraus läßt sich doch für die LaFoGysis sattsam Honig saugen, und daß dies der auflagen- und quotendominierten Presse- und Medienlandschaft ebenso gut zupaß kommt, kann nur noch Gutgläubige verwundern, die in den Medien ein um Informationen bemühtes Organ einer demokratischen Gesellschaft vermuten.

Ob Christiansen oder Maischberger – die pathologisch-populistische Quoten- und Auflagen-zunft hechelt nach jedem Krähen des Polit-Pinocchios Lafontaine und überschlägt sich mit immer wilderen Spekulationen über inzwischen zweistellige Wahlprognosen für das blutrote Bündnis, das im September den Osten der Republik neosozialistisch erglühen lassen soll. Links ist geil, rechts lauert der Satan!

Kein Populismus ist den noch vor wenigen Jahren Spinnefeinden zu dumm, jetzt eint die LaFoGysis populistische Aalglätte. Sie bauen ausschließlich auf das Kurzzeit-Gedächtnis der sich von den „Wessis“ verraten und verkauft fühlenden „Ossis“. Dabei ist ihnen in guter sozialistischer Manier schnurzegal, wer den „Chefsalat à la Marx“ bezahlen, wer für die aberwitzigen Versprechungen zukünftig gerade stehen soll. Natürlich würden SPD und Grüne auch die Kröte schlucken, Frau Pau als bunte Außenministerin, Gysi als Pseudo-Sozialminister und O. LaF. als inkompetenten Wirtschaftsminister zu ertragen; um des schieren Machterhalts willen ist diesen Popanzen jedes Mittel recht.

Noch, so scheint es, haben die WählerInnen nicht realisiert, wohin die Reise geht, in welch morastiges Gelände die Systemparteien wie auch die ebenso systemisch verkeilten Medien sie führen – bar jeden Verantwortungsbewußtseins, ohne die geringsten Skrupel und jenseits real-politischer Tatsachen.

Wie hoch müssen die Schuldentürme und die Zahl der Arbeitslosen eigentlich noch werden, bis die Einsicht beim Souverän, dem Volk, reift, daß wir weder ‚liberal’ und ‚demokratisch’, noch ‚sozial’ oder ‚christlich’ geführt, sondern parasitär und unerbittlich ausgesaugt, verkauft und verraten werden.

Erst dann wird im Zuge des kollabierenden Systems der Schmerz groß genug sein, um Alternativen – und die gibt es tatsächlich (siehe: www.d-perspektive.de/konzepte/) – Ohr und Auge, Herz und Hirn zu schenken und die populistische Mischpoke aus ihren Tempeln zu jagen. Tempora mutabuntur.

H.-W. Graf