Statt eines (üblichen) Vorwortes

This brilliant essay breaks revolutionary new ground. In high degree it is, from my point of view as a psychotherapist, a seminal contribution to the liberation of humankind from either outwardly enforced or unconsciously assimilated behaviour patterns which for untold genera­tions have impeded – even prevented – our cultural evolution toward hitherto seldom achieved inner freedom and growth into genuinely independent creativity.

Graf’s
invention of the word “exformation” and all that it connotes will, if given full effect, be of substantial assistance in the direction of our escaping from the tight corset of systems which, for the most part unwittingly, bind us to – or absorb us into – themselves. To a degree wholly unsuspected by the vast majority of human beings most people in all cultures existing today are held hostage to such systems in the sense explained by Graf. Only if we succeed in liberating ourselves from this bondage (the word “IF” must be emphasized!) we may at last attain to infinitely more far-reaching awareness of our potential creativity, both individually and collectively.

Resulting from experience in the psychotherapy of neuroses deriving from inadequate or impaired ego-development due to (largely unconscious) authoritarian “over-parenting” by mothers and/or fathers caught in conventional patterns, I am convinced that Graf’s insistence upon the urgent need for a transition from “systems” to “schema” and from “pragmaticism” to “praxis” is destined to be recognized as perhaps the only possibility of avoiding a total collapse of our globalizing cleptocapitalistic economy and the ultimate disappearance of our species from a planet which only we have plundered.

Freiburg, 10.März 2OOO

E. Field Horine,
Fachpsychologe für
Psychoanalytische Therapie
Weierweg 10, 79111 Freiburg i.Br.

Übersetzung aus dem Englischen von Fabio Bossi

Dieses brillante Essay betritt revolutionäres Neuland. Aus meiner Sicht als Psychotherapeut trägt er in hohem Maße dazu bei, einen Samen zu setzen für die Befreiung der Menschheit aus entweder exogen aufgezwungenen oder unbewußt angesammelten Verhaltensmustern, die unsere kulturelle Entwicklung zu bisher selten erreichter innerer Freiheit und ein Hineinwachsen in wirklich unabhängige Kreativität über unzählige Generationen hinweg be- wenn nicht sogar verhindert haben.

Graf’s Erfindung des Wortes Exformation wird mit all dem, was der Begriff beinhaltet, und wenn er seine volle Wirkung entfaltet, von grundlegender Hilfe bei unserer Befreiung aus dem engen Korsett der Systeme sein, die uns, zumeist ohne daß wir dies merken, an sich binden oder in sich aufsaugen. Die meisten Menschen in allen heute existierenden Kulturen befinden sich nämlich in einem von der Mehrheit unvermuteten Ausmaß in einer Art systemischer Geiselhaft, mit eben den Auswirkungen, wie Graf sie erklärt. Nur wenn es uns gelingt, uns aus diesen Fesseln zu befreien (die Betonung liegt auf dem Wort WENN!), könnten wir wirklich die unendlich weiterreichende Bewußtheit unserer potentiellen Kreativität realisieren, sowohl individuell als auch als Gemein­schaft.

Aus meinen Erfahrungen in der Psychotherapie von Neurosen, die aus einer unzureichenden oder beeinträchtig­ten Ich-Entwicklung herrühren, verursacht durch die (weitgehend unbewußte) autoritäre Über-Bemutterung (respektive Über-Bevaterung) durch Eltern, die in konventionellen
Erziehungsmustern gefangen sind, bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß Graf’s Betonung der dringenden Notwendigkeit eines Übergangs von Systemen zu Schemata und vom Pragmatismus zur Praxis dazu bestimmt ist, als der vielleicht einzige Weg anerkannt zu werden, den totalen Kollaps unseres klepto-kapitalistischen Wirtschaftssystems und das endgültige Verschwin­den unserer Spezies von der Oberfläche eines Planeten, den nur wir ausgeplündert haben, zu verhindern.

Wer Informationen[1] sprachlich sauber sortiert und (sich) von Desinformationen[2] abgrenzt, kann ob des heutigen täglichen Zuwachses der Informationsmöglichkeiten wie auch der quantitativen Zunahme an Informationen nur jubeln.

War früher der Gang zur nächstbelegenen Bibliothek noch mit einem entsprechenden Aufwand an Zeit und Geld, mühsamem Suchen und gelegentlichem Warten (wenn gerade genau das gesuchte Buch nicht verfügbar war) verbunden, so bieten die heutigen Computerprogramme jederzeit alle nur denkbaren Informationsmöglichkeiten – in allen Sprachen und auf allen Gebie­ten.

Dem früher gegebenen Problem – wie kann ich mir gewünschte Informationen beschaffen – steht heute das nicht minder große Problem – wie sortiere ich, was ich an Informationen bekomme – gegenüber. Die Technik der Informationssortierung und -auswertung will im anbrechenden „Informationszeitalter“ erst noch gelernt und künftige Generationen gelehrt werden. Diesem Problemkreis sollen jedoch die folgenden Gedanken nicht vornehmlich gewidmet sein, vielmehr soll untersucht und dargelegt werden, daß und in welch hohem Maße Informationen tatsächlich formgebend wirken und wie behutsam hierbei zwischen der systemischen Wirkung einerseits und der Entwicklung von (offenen) Schemata andererseits unterschieden werden muß. Ersteres birgt (mitunter höchst fatale) Gefahren in sich, letzteres verlangt bei aller sich bietender Freiheit ein hohes Maß an Disziplin.

Erfahrungen, Erkenntnisse, ein Zugewinn an Lebensfähigkeit wie auch -freude wachsen uns qualitativ und quantitativ durch Informationen zu, die wir unbewußt/instinktuell oder bewußt durch unsere fünf Sinne aufnehmen. Es gehört zum (Über-)Lebensprogramm allen organischen Lebens, die es umge­bende Welt zu erfahren und neugierig zu erforschen, um daraus zu lernen. Nur wenigen Lebensformen ist jedoch vorbehalten, Informationen zu hinterfragen, geistig einzuordnen und qualitativ/quantitativ zu sortieren. Dem Menschen ist es – lassen wir morphogenetische Informationsübertragung, radi­ästhetische und radionische Informationabilität einmal außer acht – vorbehalten, Informationen nicht nur aus seinem unmittelbaren Umfeld zu ziehen, sondern sich zur Informationsübertragung und -beschaffung auch einer Sprache zu bedienen, die – auch über weite Entfernungen (Telefon, Medien etc.) – unabhängig von jeglichem konkreten Vorhandensein beschreiben und analysieren, ja sogar abstrahieren und erörtern kann. Somit kann der Mensch nicht nur seine Gegenwart erleben, sondern auch die Vergangenheit analysieren und die Zukunft planvoll gestalten.

Diese das menschliche Leben so ungeheuer bereichernde Möglichkeit ist andererseits jedoch damit verbunden, daß wir uns – über den Instinkt hinaus – sorgen können, zu Vorbehalten und Skepsis, Ahnungen und Vorfreude, Bedenken und Kreativität fähig sind und die Gestaltung unserer Zukunft gestalten können. All dies fußt auf den Informationen, die wir (passiv) erhalten oder die wir uns (aktiv) beschaffen, wobei wir aus vielerlei Gründen und Motiven (Erfahrung und Ziel, Bequemlichkeit und fiktive Angst[3]) unsere Bewußtheit darauf programmiert sehen, Informationen – wo wir sie bewußt aufnehmen und uns dazu in der Lage sehen – schnellstmöglich qualitativ und quantitativ einzuordnen, auf ihre nötige/mögliche Umsetzbarkeit/Nutzbarkeit hin untersuchen und dementsprechend als für uns förderlich oder hinderlich, verwertbar oder unwichtig dann nutzen oder außer acht lassen, wobei keine uns erreichende Information – egal über welches Sinnesorgan wir diese aufnehmen – verloren geht; die meisten der Millionen von Informationen wandern als (derzeit) nicht relevant in unser Unbewußtes oder zumindest ins Vorbewußtsein (nach C.G. Jung), um mitunter plötzlich aus dem „Keller der Vergessenheit“ wieder hervorgeholt, also uns bewußt zu werden.

Nun hüten wir die uns vermittelten Informationen beileibe nicht nur in uns, vielfach geben wir sie, angereichert durch unsere eigenen Empfindungen und Erfahrungen, unsere qualitative Wertung[4] und die Muster unseres „Erkennens“4, sehr schnell weiter – im positiven Falle zur Bereicherung unserer Umwelt (Erkenntnisse, Wissen und Erfahrungen) als konstruktives Element kooperativen Lehrens, oder wir mißbrauchen sie destruktiv (Gerüchte und Verbote, Drohungen und als Abschreckung gegen­über Dritten).

Zur Verdeutlichung von Pragma und Praxis: Nehmen wir an, Sie sitzen am Rhein und beobachten einen Lastkahn, der Steine flußaufwärts transportiert. Nun die simple Frage: Welche Kraft führt diesen Kahn flußaufwärts?

Antwort: Für den Pragmatiker sind es die Motoren des Kahns. Für den Praktiker ist es die Idee, die in den Steinen und dem Sinn ihres Transportes flußaufwärts liegt.

Diese Weitergabe von Informationen dient dem Aufbau von Sicherheit, nach der wir sowohl aus instinktiven, aber auch aus sehr pragmatischen (ökonomischen) Gründen suchen. Ein gleiches Infor­mationslevel einer möglichst großen Gruppe von Men­schen schafft näm­lich gleichzeitig für jedes einzelne Mit­glied dieser Gruppe ein stei­gendes Maß an Berechenbarkeit, Konformität[5], innerhalb derer man sich verstan­den und erkannt fühlen, gegenseitig beschützen und damit vor Unwäg­barkeiten (die ja ein erneutes Über­denken des eigenen Denkfühlhandelns[6] notwendig machen könnten) bewahren kann.

Hier verrät sich besonders deutlich, in welch verwunderlich hohem Maße gerade der Mensch auf die Gruppe, die „Herde“, das „Rudel“ angewiesen ist. Hier liegt auch der Schlüssel, weshalb der Mensch sozial, sprachlich, ökonomisch und auch auf mystisch-religiösem Gebiet so sehr – und mehr als jede andere organische Lebensform – auf Zuwachs, Zugewinn, Vermehrung, Reichtum, die Ausweitung seines Lebensraumes, die (notfalls sogar zwangsweise) Übertragung seiner Überzeugungsmuster auf sein Umfeld und das aggressive Auftreten gegenüber ihm fremden Lebensmustern bedacht ist. Seine Fähigkeit, die Vergangenheit gedanklich aufzuarbeiten, die Gegenwart auch abstrakt zu analysieren und die Zukunft zu planen, bescherte dem Menschen nämlich gleichzeitig auch den Katalog von fikti­ven (also nicht lebensbewahrend-instinktiven) Ängsten, denen er nun dadurch zu begegnen sucht, daß er Denk- und Handlungsstrukturen auf möglichst viele Menschen und weite Bereiche in seinem Umfeld zu übertragen versucht, um durch eben diese Gleichschaltung ein (gewünschtes) Höchstmaß an (erhoffter) Sicherheit aufzubauen.

Genau hierin finden wir aber auch die Erklärung dafür, warum die Menschen in einem Maße zur Vermassung tendieren, was eigentlich jeder übrigen Lebensform fremd ist, weil sie (ab einem bestimmten kritischen Punkt) damit die Existenz und Überlebenschance des Einzelnen gefährden würde. Völlig überfüllte U-Bahnen im Stoßverkehr (aus ökonomischen/zeitlichen Zwängen), die zunehmende Flucht in die Stadt (speziell in den ärmsten Ländern[7]), obwohl dies die Chance auf einen Arbeitsplatz für das Gros der Bevölkerung eher reduziert, aber auch Massenveranstaltungen (Discos, Fußballarenen) oder Massenbewegungen (Nationalismus, Kommunismus, Faschismus, Sozialismus und viele andere -ismen) sind hieraus ebenso verständlich wie die Tatsache, daß sich Menschen in großer Zahl zu Aktivitäten zusammenfinden, die eigentlich jeder Menschlichkeit, dem instinktiven Gefühl für Fairneß und der Zugewandtheit gegenüber dem Leben, nachgerade aber auch menschlicher Intelligenz völlig zuwider stehen – Box-, Hunde- und Hahnenkämpfe, Bären- und Stierkämpfe, Jagd„sport“veranstaltungen und ähnliche Idiotien.

Hieraus wird auch verständlich, warum die Menschen einen scheinbar unwiderstehlichen Drang zu Ideologien, Traditionen und wissenschaftlichen Überzeugungen („Denk“-Schulen), Verbänden und Vereinen, Gewerkschaften und Kammern verspüren: Masse suggeriert Sicherheit, gleiches Denken impliziert Rechtmäßigkeit, während Vielfältigkeit als Gefahr gewittert und Andersartigkeit von Unsicherheit und Fragwürdigkeit begleitet wird.

Damit sind wir bei einem nur dem Menschen eigenen „Ordnungsprinzip“ – quasi als quantitativer Richtschnur des Denkfühlhandelns des Einzelnen – angelangt, welches nur dem Menschen eigen ist. Während sich nämlich Pflanzen und Tiere nur solange und insoweit vergruppen, wie sie dies zu ihrem Schutz gegenüber Feinden und natürlicherweise (instinktiv gesteuert) nötig haben, darüber hinaus jedoch ihren eigenen Lebensraum nicht einschränken lassen, tut dies der Mensch weit über seine realen Bedürfnisse hinaus – mit der Folge, daß er die eigene Existenz sogar mehr oder weniger erheb­lich gefährdet und das vorgebliche Motiv (ökonomisches Denken) sogar ins Gegenteil pervertiert.

Dies dürfte übrigens auch der Grund dafür sein, daß in über 60 % der Fusionen der letzten fünf Jahre beileibe nicht die eigentlich angestrebten Vorteile, sondern – allen Rationalisierungsversuchen zum Trotz – die Nachteile mehr oder weniger deutlich überwogen. Nur in 27 % traten die erhofften Vorteile (höhere Produktivität, Shareholder Value und höhere Konkurrenzfähigkeit am Markt) tatsächlich ein.

Mit allem bisher Gesagten ist das Phänomen des Systems[8] beschrieben, dem sich der Mensch in faktisch allen Lebensbereichen – und seit der Antike in exponentiell steigendem Maße – gegenüber­sieht. Hieraus wird auch verständlich, warum der Mensch nicht nur mehr als jedes andere Lebewesen in die Gestaltung der Natur – und oftmals eben zu ihrem Schaden – eingegriffen hat, sondern sogar (ebenfalls mehr als jedes andere Lebewesen) seine eigene Art – Rassen, Völker und Nationen – in brutalster Weise bekämpft und entweder zu bekehren oder zu vernichten sucht, wobei nahezu uner­heblich ist, ob er dies aus religiösen, ökonomischen, nationalistischen oder ideologischen Gründen tut. Der natürliche Wettkampf der Lebensformen, die Wahrung und der Ausbau der Konkurrenzfähigkeit, die natürliche Auslese und Verbesserung des Genmaterials zur Wahrung der eigenen Lebensform – beim Menschen zeigt sich all dies völlig pervertiert, wobei (leider) nicht nur der Mensch damit seine eigene Überlebensfähigkeit als Spezies gefährdet, sondern sich dieser nur vom Menschen gepflegte Destruktivismus auch auf alle übrigen Formen organischen Lebens auswirkt.

Die Mechanismen des Systems

Der Begriff des Systems geht auf das griechische systema[9] zurück und beschreibt ein Ordnungs-, Glie­derungs- und Aufbauprinzip, was zu einem einheitlich geordneten Ganzen führen soll. Dies kann eine Regierungs-/Staatsform, ein Lehrgebäude oder andere Formen zusammengefügter Einzelteile (z.B. Maschinen) sein.

Nun klingt dies grundsätzlich ja noch nicht verdächtig. Sich unter Gleichen zusammenzufinden (Einigkeit macht stark) muß ja per se noch nicht schädlich oder verwerflich sein. Vielmehr macht es (scheinbar) Sinn, gleiche Interessen und Ziele zu bündeln, um daraus Stabilität und Berechenbarkeit synergetische Effekte und damit wiederum Vorteile für alle im System Stehenden zu entwickeln. Wer so argumentiert, hat den grundsätzlichen Unterschied zwischen einem System und einem Schema noch nicht verstanden – kein Wunder, werden beide Begriffe doch ähnlich unsauber (aber fälsch­licherweise) synonym verwandt wie Moral und Ethik[10]. Ein Schema ist nämlich – aus dem griech. schema (Haltung, Stellung, Gestalt, Figur, Form) entlehnt – nur ein Muster, ein Entwurf, quasi eine Urform, die sich biologisch (evolutionär) chemisch, physikalisch oder (mit der Entwicklung des Menschen) gedanklich bildet, deren weitere Entwicklung jedoch nicht zu einer Eingrenzung der eige­nen Entität[11], Abschottung nach außen und Kampf gegen alles Andersartige fortentwickelt, sondern dem Außen zugewandt, für das Äußere offen lebt und wirkt. Man könnte auch vergleichend unter­scheiden: Das System ist dem Außen gegenüber feindlich eingestellt und hat introversiven Charakter, während das Schema im Äußeren seine Weiterentwicklung und eine Bereicherung der eigenen Entität sieht, auf Kooperation und tatsächliche Synergie bedacht ist, also extraversiven Charakter zeigt.

Während systematisieren also vereinheitlichen und (notfalls sogar unter Zwang) zusammenschließen will, bedeutet schematisieren, etwas in seinen Grundzügen darzustellen, anschaulich zusammen zu fassen und zu verdeutlichen.

Dementsprechend verzichtet das Schema auf Ideologien und starre Überzeugungen. In beinahe spiele­rischer Form sucht es im Austausch mit seiner Umwelt und anderen Entitäten nach Erweiterung und Fortentwicklung, ohne dazu mit Gewalt (Kreuzrittertum, Überzeugungstäterschaft) seine Umwelt gnadenlos und brutal dem eigenen Denkfühlhandeln zu unterwerfen und Zwang auszuüben.[12] Kurz gesagt: Während ein Schema spielerisch dynamisch, undogmatisch und neugierig-interessiert lebt und wirkt, scheut ein System den Wandel und die Unsicherheit einer möglichen („drohenden“) Verände­rung. Es nutzt dabei die (nur dem Menschen eigenen) fiktiven Ängste insofern aus, als es Sicherheit und Stabilität, Berechenbarkeit und Konstanz suggeriert (und dem Schema Labilität und Unberechen­barkeit vorwirft).

Die Aggressivität[13] des Systems gegenüber dem Äußeren ist also nicht zugewandt und kooperativ, sondern destruktiv und nur der eigenen Bereicherung dienend, während das Schema dem Äußeren positiv zugewandt („positive Form der Aggressivität“) ist.

Alles bisher Ausgeführte führt uns geradewegs zu einem Verständnis einer Vielzahl von Organisatio­nen und Institutionen, die allsamt nur ein Ziel, einen Lebenszweck und dementsprechend eine (auto­suggestive) Existenzberechtigung haben: Die Wahrung und Verteidigung eines einmal entwickelten Systems, notfalls mit allen Mitteln, mitunter gegen jede Vernunft, Einsicht und sogar unter Hintan­stellung der soviel gepriesenen Humanität. Ich spreche von sämtlichen fundamentalistischen Strö­mungen, den mosaischen Religionen, Gewerkschaften und systemisch operierenden Verbänden, Vereinigungen und Institutionen, faschistoiden Gruppen (auch wenn sie unter der Flagge des Anti­faschismus randalieren!) sowie den Industrie- und Handelskammern bzw. Handwerkskammern, den berufständischen Kammern der freien Berufe, den etablierten Parteien und allen anderen Formen zen­tralistischer Organisationen (zentralisieren – lat.:ins Innere gerichtet, in centrum ire, in die Mitte gehen/streben), wozu auch Kassen(Zahn)ärztliche Vereinigungen und ähnliche Wirrheiten unseres „Sozial“Staates gehören. Auf dem Altar der Systematisierung liegen auch längst das Rechtswesen unserer Gesellschaft, das staatliche (Zwangs-)Bildungswesen, die ebenso zwanghafte (und alles andere als soziale) Sozialversicherung wie auch sämtliche anderen staatlich-“hoheitliche“ Eingriffe in die Wirtschaft eines Landes und die komplette Regulierung faktisch aller Bereiche des Lebens.

Zur Verteidigung des Systems bedient sich dieses einer Vielzahl sorgsam überwachter Mechanismen, die es, wo immer dies möglich ist, auch ständig zu erweitern, auszubauen und gegen jede Form der Infragestellung zu sichern sucht (Ausbau der Beamtenschaft, schwellender Gesetzes-, Verordnungs- und Verwaltungsmoloch). Das System lebt von vertikalen (institutionalisierten) Hierarchien[14], während Kompetenz und Kreativität, Führungsqualitäten und das viel zitierte Neue Denken[15], also alles, was das System in Frage stellen könnte, a priori und von Anbeginn an argwöhnisch beäugt und – wenn es sich durchzusetzen „droht“ – gnadenlos und radikal bekämpft wird. Die stringentest wirkende „Waffe“ des Systems ist dabei die Hermeneutik[16], die als „sich selbst erklärende Wissenschaft(lichkeit)“ ausschließlich den Zweck verfolgt, wissenschaftlich-fundiert (d.h.: Widerstand ist zwecklos, jede andere Meinung unwissenschaftliche Häresie) zu beweisen, warum das System Recht hat. Die Hermeneutik wirkt – ihre „Sklaven“ sind 99 % aller Wissenschaftler (die natürlich gar kein Wissen schaffen, sondern bisheriges Wissen und Geglaubtes verwalten und verteidigen). Sie beherrscht unser Schul- und Bildungssystem, unser Denken und Handeln. Sie liefert die Überzeugungsparameter, auf denen unsere Gesellschaft gründet und bestraft jedes Anders-Denken/-Handeln gnadenlos durch die Androhung des Ausschlusses oder – per Rechtssystem – durch Verurteilung.

Auch die Moral – ist es nicht erstaunlich, wie viele Moralitäten es unter 6 Milliarden Menschen, in knapp 200 Ländern, auf 6 Kontinenten und bei den dominanten fünf Religionen dieser Welt gibt ?! -, die (ebenfalls hermeneutisch-gestützte) Geisel derer, denen die Suggestion der Sicherheit des jewei­ligen Systems mehr Vorteile verspricht, als das Vertrauen in die eigene Ethik (wer unterscheidet auch schon zwischen den beiden Begriffen?!), quasi der Zerberus der Systematik, mit der sich die Systeme gegen jeden drohenden „Ausbruch“ zu sichern suchen, dient dem System gar trefflich.

Kurzum: Das (Ihnen vielleicht bekannte) Kooperations-/Korruptionsschema auf Seite 6 ist insofern zu erweitern, als der Begriff Schema dem kooperativen (oberen) Abschnitt zuzuordnen ist, wohin­gegen das System ein inhärent-korruptives Moment darstellt.

Die Hermeneutik kann als Hüterin (besser: Gefängniswärterin) des Systems identifiziert werden, wo- hingegen Freiheit der generelle Metaforand des Schemas ist.

Das System verarmt inzestiv immer mehr, es erstarrt zur Unbeweglichkeit, frißt seine eigenen Wirte (dem Krebs vergleichbar, der ja auch seine eigene Lebensgrundlage sukzessive zerstört), um irgendwann in sich selbst zusammenzustürzen, oder – das Fusionsfieber in der Weltwirtschaft läßt grüßen – von einem stärkeren System aufgefressen zu werden. Genau dies führen uns übrigens im Bereich der Medien die Vereinigten Staaten von Amerika in living colour geradezu beispielhaft vor, indem sie nach 1945 Europa und Japan sowie seit der Perestroika, dem Mauerfall und dem Zusammenbruch des Sozialismus auch Osteuropa mit ihrer dümmlich-pubertären[17] Medien- und Unterhaltungs“kultur“ überzogen haben (und wir haben es geschehen lassen!).

Das Schema hingegen birgt (und fordert/fördert) Dynamik und Fortentwicklung. Es zeigt sich tagtäg­lich daran interessiert, seine eigenen Grenzen auszuloten und diese, wo möglich, zu erweitern. Die Freiheit des Schemas lebt von der Neugier und dem Interesse, der Kreativität und dem Forscherdrang derjenigen, die eben nicht ihre Eigenständigkeit, Autarkie und Authentizität auf dem Altar bequemen Sicherheitsdenkens und willfähriger Entmündigung zu opfern bereit sind.

Das Schema atmet Leben, das System umgibt der Hauch des Todes.

Informationen sind also zwar grundsätzlich als Einstieg in die Kooperation zu sehen (Kooperationa­bilität), erst ihre Verwendung – entweder systemisch oder schematisch – bestimmt jedoch, ob sie in korruptiver[18] oder kooperativer Weise Verwendung finden.

Die Kanalisierung der Information (Adaption an bestehendes Denken, hermeneutisch „bewahrheite­tes“ Wissen) wandelt deren Inhalte zum Zwecke der Bereicherung der bestehenden Denkmuster und Überzeugungen (und zur persönlichen Bereicherung (Karriere) ihrer „Sklaven“) und macht sie damit für das bestehende System dienstbar – ohne Rücksicht auf die Qualität der inhärenten Inhalte, deren Nutzbarmachung und (vor allem) ihre Anwender/Nutzer.

Hierbei gehört es zu den Schutz-Mechanismen des Systems, Informationen jeweils nur an diejenigen abzugeben, die (und soweit sie) dem Erhalt des Systems dienen. Hiermit lüftet sich auch das Geheim­nis, warum Manager[19] (die ja beileibe keine Führungskräfte sein dürfen, sondern Popanze des Systems, Erlediger zu sein haben) und Spitzensportler, Schauspieler und andere „Helden“ unserer Zeit derart exorbitante Gagen einstreichen; sie sind die Super-Systembewahrer, halten die Bevölkerung in Atem, bei Laune und in Spannung – Brot und Spiele für das Volk – und hindern sie an eigenem, kreativem Denkfühlhandeln.

Von oben nach unten (vom Topmanager bis zum Pförtner) werden Informationen nun jeweils in der quantitativ-qualitativen „Dosis“ weitergegeben, wie dies dem System nützlich ist. Damit wird der Informationsvorsprung des in der Hierarchie jeweils höher Stehenden gewahrt, was wiederum die Hierarchie vor jeder, das System in Frage stellenden Veränderung schützt.

Um andererseits den in hierarchischen Systemen (Hierarchien) arbeitenden Menschen dennoch eine mutmachende Perspektive zu geben, bedient man sich gerne der Methode der Beförderung nach dem Anciennitätsprinzip – nicht Kompetenz sondern schiere Zugehörigkeitsdauer entscheidet. Am ausge­prägtesten findet man dies in der Beamtenhierarchie.

Jede Hierarchiestufe im System schottet sich also informationell nach unten hermetisch ab, in dem es bestimmte Informationen nicht weiter gibt, oder aber sogar durch (gezielte) Desinformationen, die auf den jeweils unteren Rängen dann Abhängigkeiten schaffen, Verwirrung und zunehmende Hilf­losigkeit verbreiten.

Auf all dies – den Aufbau und die Wahrung vertikaler Hierarchien – verzichtet das Schema völlig. Ausschließlich nach realen Kompetenzen entwickeln sich in schematisch geführten Unternehmen horizontale Teil-Hierarchien, von deren Qualität jeder einzelne Partner im Team jederzeit profitieren kann.

Dementsprechend leben derart geführte Unternehmen nicht in Ängsten und Unsicherheiten. Sie kennen keine Gerüchte (und wenn, sind diese blitzartig entlarvt und ihres „Sinns“ beraubt). Anderer­seits entscheidet in derart geführten Unternehmen ausschließlich fachliche und menschliche Kompe­tenz, die – weil Aller gemeinsamer Nutzen davon abhängt – auch ständig ausgebaut und erweitert wird.

Wichtig zum Verständnis: Wenn in dieser Arbeit von Systemen und einer systematisierten Lebensführung gesprochen wird, so sind damit nicht die natürlichen Lebensräume und -inhalte, instinktuelle und archaische Überlebensmuster, die ja genau genommen auch systemischen Charakter tragen, gemeint.

Es geht ausschließlich um Formen systemischen Denkens, Fühlens und Handelns, die aus den (nur dem Menschen eigenen) Erziehungsparametern und Adaptionen erwachsen, die also nicht seit Jahrmillionen in unseren Überlebensprogrammen verankert sind. Gemeint sind also unsere systemischen Muster im Denkfühlhandeln, die – geradezu widernatürlich – unserem eigenen Egoismus dienen – ungeachtet aller Schäden, die wir damit unserem Umfeld (Mensch, Tier und Umwelt) gegenüber anrichten.

Beispiele für die Entwicklung von Systemen und deren Folge

Systeme entstehen immer nach dem gleichen Muster, wobei deren originärer Ausgangspunkt jeweils völlig un-systemisch ist.

Aus Wahrnehmungen und Erlebtem erwächst ein Gedanke und, diesem folgend, eine Idee. Die formu­liert weitergegebene Idee mag deren erste Zuhörer noch verblüffen und erstaunen, mitunter sogar wie eine Utopie anmuten. Durch die Neugier, das Interesse und den Mut – also die emotionale, rationale und funktionale Beschäftigung -, mit der diese originäre Idee ausprobiert und weiterverfolgt wird, transformiert die Utopie zur Vision und im weiteren – oftmals gegen die Vorurteile, Bedenken und Warnungen der Umwelt – zu einer Erfindung oder Entdeckung, die zu einer Veränderung des Beste­henden, neuen Formen im Leben der Menschen, bei Arbeitsprozessen, Funktionsweisen o.ä. führt.

Auf diese Weise – nach dem Prinzip von trial and error[20] – mag der Urmensch herausgefunden haben, welche Pflanzen und Tiere eßbar oder giftig sind, daß abgerundete Gegenstände leichter transportiert werden können und gebratenes Fleisch (z.B. durch ein nach einem Buschfeuer gefundenes Stück Wild) besser schmeckt als rohes. Ebenso fußen aber auch alle anderen Erkenntnisse und Erfindungen der Astronomie, Chemie, Physik, Medizin, Biologie und Technik auf vorher Dagewesenem, als Folge des Weiterdenkens und Ausprobierens.

Setzt sich eine Entdeckung/Erfindung als praktisch, verwendbar, ästhetisch oder nützlich durch, wägt der Mensch als nächstes den ökonomischen Aspekt ab. Überwiegt der Zugewinn (Zeit- und Kosten­ersparnis, Lustgewinn, Bequemlichkeit oder das Erregen von Aufmerksamkeit), erfährt eine Erfin­dung/Entdeckung ihre gesellschaftliche Anerkennung – neudeutsch: sie wird zum Hit.

Anderenfalls gereicht sie zum Flop und verschwindet in der Versenkung der Vergangenheit.

Die Geburt einer neuen Idee und deren Integration in das menschliche Denkfühlhandeln ist jedoch zumeist damit verbunden, daß etwas anderes, bisher Dagewesenes, verschwindet oder zumindest an Wert und Nutzen verliert. So verlor beispielsweise das Pferd, mit Hilfe dessen Ägypter und Mongolen ihre Reiche erschufen und die Römer den größten Teil Westeuropas eroberten, sowohl seinen militä­rischen wie auch seinen zivilen (Post, Landwirtschaft) Wert als Transportmittel, nachdem Ende des 19. Jahrhunderts das Auto und später das Flugzeug erfunden wurde.

Demzufolge sind Innovationen jeder Art auch immer mit Veränderungen in der Gesellschaft verbun­den. Der entstehende Mehrwert ist mit Veränderungen der Produktionsprozesse und der Entstehung neuer wie auch der Vernichtung alter Arbeitsplätze verbunden, und je massiver derartige Veränderun­gen wirken, desto vehementer wehren sich (verständlicherweise) diejenigen dagegen, denen diese Innovation mehr Schaden (Verlust von Arbeitsplätzen, Privilegien, Gewinn, Rechten u.ä.) als Nutzen bringt.

Aus eben diesem Grunde – quasi als vorbeugende Maßnahme – geht mit einer Innovation auch einher, daß die vornehmlich von ihr Profitierenden auch von vornherein darauf bedacht sind, diese Innovation einerseits gegen deren Missbrauch durch andere abzuschirmen, andererseits zur Wahrung ihres Vor­sprungs Schutzmechanismen entwickeln, die einem möglichst lange währenden Bestehen dieser Inno­vation dienen sollen. Hierzu entwickelte der Mensch den gesamten Katalog von Gesetzen, Verordnun­gen und Durchführungsbestimmungen. Da aber wiederum derjenige die Oberhoheit gewinnt, der das Recht hat, derartige Gesetze und Regularien zu erlassen und ihre Einhaltung zu überwachen, war (und ist) es den jeweiligen Herrschern wichtig, jegliche Änderung des Bestehenden unter ihre Kontrolle zu bekommen und dort zu halten.

Hieraus wird klar, warum es zwar einzelne innovative Geister waren, die vor etlichen tausend Jahren das gesprochene Wort transportierbar machten (das Schrifttum und den Papyrus erfanden), in der Folge aber schnellstmöglich ihre jeweiligen Herrscher diejenigen unter staatliche Kuratel zwangen, die des Schreibens kundig waren. Gleiches geschah mit dem Telegraphen und dem Telefon, Schiff und Auto, Eisenbahn und Flugzeug, Bergwerkswesen und Handel, dem Patentwesen und allen übrigen Zweigen der Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum es – je zivilisierter das Land, desto mehr – öffentlich-rechtliche Ämter für nahezu alles gibt, was den Menschen von der Wiege bis zur Bahre begleitet. Der Staat als omnipotentes, alle Bereiche des Lebens hoheitlich beherrschendes Supersystem ist das (bisherige) Endprodukt der Menschheitsentwicklung.

War es in früheren Zeiten durchaus noch möglich, daß einzelne Menschen (weltliche oder geistliche Herrscher) das gesamte Leben ihres Herrschaftsbereiches unter Kontrolle halten konnten, so erwies sich dies im Laufe der Jahrtausende (und exponentiell steigend in der jüngsten Geschichte) als zuneh­mend unmöglich. Genau dies kennzeichnet die Entwicklung vom wenige Dutzend Köpfe umfassenden Stamm zum Millionen Menschen umfassenden Staat; mit der Komplexität des Lebens und seiner Inhalte wuchsen die Probleme, die im jeweiligen Herrschaftsbereich lebenden Menschen unter Kuratel zu halten. Friedrich der Große war sicherlich einer der gebildetsten Menschen im preußischen Staats­gebiet (notfalls holte er sich Rat bei den Kapazitäten, die er an seinen Hof geholt hatte), was man von einem Bundeskanzler oder den Präsidenten moderner Staaten weder erwarten noch behaupten kann.

Mit dem Grad der Zivilisation stieg also für die jeweils Herrschenden die Notwendigkeit, das staatliche Monopol durch die Einführung weiterer Subsysteme zu sichern. Die Leitung derartiger Subsysteme (Ministerien) wurde entsprechenden System-Verwaltern (Ministern) übertragen, die ihrerseits Sub-Minister (Staatssekretäre) und eine stringente Hierarchie von Leitern hunderter von Ämtern und Behörden installierten. Dabei richtete sich die Bezahlung und der „Wert“ (Ansehen, Macht, Einfluß und Prestige) der verschiedenen Subsysteme zumeist nach der Anzahl der jeweils darunter angesiedelten Subsysteme, der Masse der davon betroffenen Menschen und dem volkswirtschaftlichen Wert, der in diesem System erwirtschaftet, gehandelt oder verwaltet wurde.

Kein Wunder, daß das Streben nach der Macht in der Beamtenhierarchie (heute mehr denn je zuvor) bisweilen groteske Ausmaße annahm und viele Menschen hemmungs- und skrupellos nach staatlich-hierarchischer Macht in diesem System streben. Nirgendwo ist nämlich sowohl die Bezahlung wie auch die Beförderung (nach dem Altersprinzip und dem Grad der Bereitschaft, dem System zu dienen) sowie die Arbeitsplatzgarantie (Beamter auf Lebenszeit) verlockender und mit höherer Rechtssicherheit geboten, als (bereits seit der Antike) im Beamtenwesen.

Systeme suggerieren Vertrauen und bauen auf Glauben. Wirkliches Wissen beargwöhnen, meiden oder verteufeln und bekämpfen sie, da sie sich potentiell gefährdet sehen. Daher richten sich die Inhalte des Bildungssystems (in Kirche und Staat) ausschließlich danach, was ihnen, den alles kontrol­lierenden Supersystemen, dient und nützlich ist. Privatschulen, kammerfreie Berufsausübung, freier Handel, Aufklärung (z.B. über die wahren Zusammenhänge, die zum Ersten und Zweiten Weltkrieg führten), eine wirklich freie Presse, Direktwahlen, Volksabstimmungen und die Aufhebung staatlicher Monopole – all dies würde das Supersystem stören, in seiner Einflußnahme behindern oder gar hoch­gradig gefährden.

Das System versucht sich durch die Schaffung von Gleichheiten (Vergleichheitlichung) auf möglichst vielen Ebenen gegen Andersartigkeiten abzuschotten[21]. Dementsprechend ist ihm die Individuation (nach C.G. Jung), also die Ausprägung einer individueller Einzigartigkeit der in ihm lebenden Menschen eine dräuende Gefahr, ein „Dorn im Fleisch“ seiner Existenz. Wenn aber (ganz im Sinne des Systems) zunehmend alles gleich gültig ist, wird auch alles sehr rasch gleichgültig.

Wie passen nun aber Organisationen wie Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände sowie viele andere Institutionen, die scheinbar frei von staatlicher Vormundschaft sind, in dieses System?

Nun, hierbei handelt es sich um nichts anderes als das intelligente Vortäuschen einer (staatlich-hoheit­lichen) Unabhängigkeit. Weder die Bundesbank, noch die obersten Gremien der Gerichtsbarkeit (inkl. Staatsanwaltschaften), der Landesbanken, der öffentlich-rechtlichen Medien, der Industrie- und Handelskammern/Handwerkskammern, der Universitäten und höchster kultureller Einrichtungen (Theater, Museen etc.), kurz: aller maßgebenden Strukturen und Organisationen in diesem Lande, sind in Wahrheit staatlich kontrolliert und höchst systemisch geordnet. Der „Leim“, der dieses gesamte System zusammenhält, sind die Parteien, die nach dem Zweiten Weltkrieg – beileibe nicht nur in Deutschland – das gesamte System Staat erobert und vereinnahmt haben. Sie halten dieses staatliche System unter Kontrolle, wobei sie sich ihres absoluten Herrschaftsanspruches inzwischen derart sicher sind, daß sie, ohne auch nur im mindesten Skrupel oder Scham zu empfinden, sogar offensichtliche Verfassungsbrüche begehen (z.B. gegen Art. 38 GG sowie Dutzender weiterer), da sie sich in dem sicheren Glauben wähnen, von niemandem dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Wer sollte dies auch tun? Die obersten Gerichte sind von systemischen Heloten besetzt. Durch die Leiter ihrer Subsysteme werden sie hermetisch abgeschirmt, und Gesetzesvorlagen dürfen (gesetzlich-geregelter Weise!) nur von Parteien eingebracht werden. Mit höhnischem Grinsen begleiten die etablierten fünf Parteien[22] die verzweifelten Versuche einiger Systemstörer, die als „Rufer in der Wüste“, Warner oder Gründer von Initiativen, neuen Parteien oder Volksbegehren wider den Stachel zu löcken meinen.

Die Parteien haben alles unter Kontrolle, indem sie alle wichtigen Positionen mit willfährigen Lakaien aus den eigenen Reihen besetzt halten, und wenn das Wahlvolk zunehmend resigniert, dann kann dies den Parteien wahrlich nur recht und billig sein – je weniger Wähler, desto bequemer für die Profiteure des Systems.

Natürlich muß eine Mindestquote gewahrt werden, um wenigstens nach außen den Augenschein der „Demokratie[23]“ zu wahren. Nur diesem Gedanken gelten die mahnenden Hinweise einiger (meist älte­rer) Politiker. Auch bei den Kammerwahlen der „freien“ Berufe, den „Sozial“wahlen der Kassen und bei den Industrie- und Handelskammern/Handwerkskammern macht sich allmählich Sorge breit, da die Wahlbeteiligung hier teilweise bereits unter 30 % liegt.

Das größte Problem des Systems Staat droht in der heutigen Zeit jedoch aus einer ganz anderen Ecke: Die Informations- und Handelswege (z.B. durch das Internet) sowie die Geldströme und der Zusam­menschluß ehemals gut kontrollierbarer großer Unternehmen kennen keine staatlichen Grenzen mehr. Die Globalisierung in dem Maße, wie sie vor etwa 10 Jahren begann und sich mit zunehmender Geschwindigkeit entwickelt, hat buchstäblich das Ende des Systems Staat eingeläutet.

Daß dies den meisten Bürgern überhaupt noch nicht klar ist, hängt mit deren politischer Askese und inneren Abgewandtheit zusammen, aber auch damit, daß die Thematik der Globalisierung und die in dieser Ausarbeitung beschriebenen Zusammenhänge natürlich nie Gegenstand der Bildung in Schulen und Universitäten sein durften.

Die in der Geschichte beispiellosen Veränderungen der letzten 15 Jahre – der Zusammenbruch der Marx’schen Fiktion, der Mauerfall, die sozial- und wirtschaftspolitischen Verwerfungen in nahezu allen Ländern der Welt, das Aufbrechen von fundamentalistischen Strömungen, die Zunahme der alle Grenzen überschreitenden organisierten Kriminalität, die Unkontrollierbarkeit des Austausches von Informationen u.v.m. – trafen das System Staat an seiner größten Schwachstelle: seiner Starre, einer fehlenden Flexibilität, die grundsätzlich eine Gefahr jedes Systems ist, hier jedoch längst ein tödliches Ausmaß angenommen hat.

Zur Kriminalität: Um diesen „gängigen“ Vorwurf ans System näher zu erläutern: Der Mensch erkennt zwar zumeist nicht die Zwanghaftigkeit des Systems, aber er spürt das in ihm wachsende Unwohlsein, ein Nichtverstehen, die aufkeimende Renitenz – eine nicht begründete, innerlich nicht anerkannte aber erzwungene (institutionelle) Autorität wird innerlich abgelehnt. Wer sich zu dieser Ablehnung nicht offen bekennen kann (Korruption[24]), wird entweder – passiv-reaktives Verhalten – psychisch oder physisch krank, oder er bäumt sich – aggressiv-aktiv – dagegen auf. In schweren Fällen kommt es dann zu massiven pathologischen Erscheinungen (passiv-reaktiv) wie Phobien, Manien, Neurosen, Psycho­sen, Depressionen, Verwahrlosung (Selbst-Verneinung) bzw. schizoiden Erscheinungen (in äußersten Fällen zum Suizid) oder zu asozialen Verhaltensmustern – bis hin zur Kriminalität, zum Amoklauf und Terrorismus.

Werden nun – z.B. via Telemedien – bestimmte aggressiv-aktive Verhaltensmuster heroisiert bzw. durch häufige Wahrnehmung vergewöhnlicht und damit normiert (= als normal empfunden), werden sie zu allgemein akzeptierten Verhaltensweisen – bei Erwachsenen mit unausgereiften Persönlichkeits­strukturen, vor allem aber bei Kindern und Jugendlichen.

Hiermit sind sowohl die Zunahme der (gewaltunterstützten) Kriminalität – speziell bei Kindern/Jugendlichen (und nicht nur, aber vor allem in den USA, dem psychologisch wohl kränksten Land der Welt) – als auch der rapide Anstieg psychosomatischer und psychischer Krankheiten erklärt. Beides sind Symptome der Hilflosigkeit immer größerer Teile der Bevölkerung gegen die immer zwanghafter wirkende Systematisierung durch den Staat, seine Subsysteme [zu denen auch die Religi­onen und ihre Subsysteme (Kirchen) gehören] und die dadurch immer mehr (widernatürlich) ver­systematisierte Gesellschaft.

Buchstäblich um zu retten, was (ohnehin nicht mehr) zu retten ist, verfielen die Systeme unterschied­licher Staaten darauf, Über-Systeme (EWWU, NAFTA, ASEAN, Währungsunion, Europol, EuGH u.v.a.) zu installieren. Das ist der tatsächliche Grund, warum es den Herrschern der großen europä­ischen Staaten so hektisch darum zu tun war, den Euro einzuführen (der ursprünglich erst dann einge­führt werden sollte, wenn alle übrigen sozial-, wirtschafts-, steuer- und rechtspolitischen Teilbereiche vergemeinsamt wurden).

Hieraus erklärt sich auch (was der Autor bereits vor 10 Jahren präzise voraussagte), warum der Euro – entgegen allen Verlautbarungen und Versprechungen seiner Protagonisten – einen (klar vorherseh­baren) Niedergang dieser Größenordnung erfuhr.

Ebenfalls verständlich wird hieraus, warum die um ihr Leben bangenden Systeme der europäischen Staaten in ihren Herrschaftsbereichen das Aufkommen nationalistischer Strömungen erleben. Das Gros der Bevölkerungen hat zwar wenig (bis kein) Wissen um die wirklichen Zusammenhänge, es ahnt aber, was hier tatsächlich geschieht.

Eben aus diesem Grunde kämpfen diese Staaten auch nicht gegen linke Strömungen (die sich heutzu­tage beinahe alles erlauben dürfen, ohne für wenig mehr als allenfalls „Ruhestörung“ gemahnt zu werden), sondern gegen alles, was nationalistische Tendenzen zeigt. „Links“ ist längst ins System aufgesaugt, versystematisiert worden (nahezu alle europäischen Staaten segeln heute unter sozial„demokratischer“, roter oder grüner Flagge). Deshalb wird alles System-bedrohende unter den furcht- und grauenerregenden Begriff „rechts“ gestellt (Haider, LePen u.a.).

Das Schreckgespenst der staatlichen Systeme Europas – übrigens innerhalb der nächsten 10 Jahre auch außereuropäischer – ist die Globalisierung. Die längst dem Tode geweihten staatlichen Systeme wissen aber überhaupt noch nicht, wie sie damit umzugehen haben. Diese Unfähigkeit, das Ende der eigenen Existenz zu erkennen, setzt sich auf allen Ebenen fort. So werden z.B. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Förderprogramme entwickelt und ausgelobt, deren Inhalt die regionalen Sub­systeme (Arbeitsministerien der Länder, Arbeitsämter usw.) weder kennen, noch begreifen und umzu­setzen vermögen. Es darf vorausgesagt werden, daß die Folgen der Globalisierung – entgegen der Argumentation vieler Organisationen, die vorgeblich (oder gar ehrlich) das Wohl der Schwellen- und Entwicklungsländer auf dem Banner tragen – die hypersystematisierten Staaten des Westens/Nordens wesentlich fundamentaler treffen werden, als die Länder der sog. Dritten Welt.

Die staatlichen Subsysteme sind längst nur noch eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr funktions­tüchtig: Die Zahl der funktionalen Analphabeten steigt besorgniserregend; der Bildungsstand sinkt – Internet zum Trotz – immer mehr; die Kriminalität schwillt (vor allem die Schwer- und die organisierte Kriminalität); die staatlichen Versorgungssysteme (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungen) stehen vor dem Bankrott. Binnen kurzem wird die bereits gefährlich wankende Alterspyramide kippen und die Arbeitslosigkeit gefährlich steigen, was obige Mißstände dann noch zusätzlich beschleunigen wird.

Auch die Systemträger – die etablierten Parteien – stehen dem Zusammenbruch des Systems Staat völlig agnostisch und hilflos gegenüber. Sie spüren, daß das staatliche Bildungsmonopol, die gesetz­liche Sozialversicherung, die pseudo-autonome Tarif„partnerschaft“, ja selbst das Kartellrecht und länderübergreifende Vereinbarungen längst ihren System-wahrenden Monopolcharakter verloren haben.

Das System Staat ist unwiderruflich am Ende, und sein Zusammenbruch wird klar vorhersehbar zu enormen sozialpolitischen Verwerfungen führen – um so mehr, je brutaler, verknöcherter und freiheits­feindlicher sich das jeweilige staatliche System entwickelt hat. Um so wichtiger wird es aber, daß diese Zusammenhänge von möglichst vielen Menschen ehestmöglich verstanden werden. Es hat wenig Sinn, den Aufrufen der Band zum Tanz zu folgen, wenn die „Titanic“ längst im Sinken begriffen ist.

Das System hat sich in seiner Hybris zu sicher gewähnt. Es hat – wie Rom, Athen und hunderte anderer Weltreiche vor ihm – die Zeichen der Zeit nicht erkannt und wird endgültig auseinanderbrechen und untergehen, weil es nie gelernt hat – und scheinbar nicht nötig zu haben schien -, zwischen prag­matisch und praktisch, systematisch und schematisch zu unterscheiden.

Aus allem bisher Gesagten wird deutlich, welch ungeheure Energie Informationen in sich bergen – entweder (schematisch und praktisch) wertvoll und konstruktiv, oder aber (systemisch und pragma­tisch benutzt) nur zum eigenen, kurzsichtigen Vorteil, auf lange Sicht jedoch höchst gefährlich und destruktiv.

Gar nicht wichtig genug kann die Bedeutung des „Transportmittels“ von Informationen herausgestellt werden: Die Sprache – in schriftlicher und mündlicher Form!

So bemerkte der Sprachforscher Nebrija in seinem Vorwort zur (ersten) spanischen Grammatik, die er anno 1492 (!) der spanischen Königin Isabella widmete: „Wenn man ein Land wirklich erobern will, muß man ihm die eigene Sprache bringen und mit dieser Sprache verbunden die eigenen Gesetze, die wiederum erst mittels der zu erlernenden neuen Sprache voll verstanden werden können.“

Hieraus wird zweierlei klar:

  1. Völker besiegten einander zwar im ersten Schritt auf militärischem Wege, aber erst dadurch, daß sie dem Unterlegenen ihre eigene Sprache (das Denken und das Medium des Transportes von Informationen) aufzwangen, konnten die Sieger ihre Herrschaft auf Dauer sichern. Erst im nächsten Schritt [und auf die sprachlich-geistige (also informationelle) Inbesitznahme] erfolgte dann die Eroberung in mythisch-religiösem Sinne (durch den Austausch der Götter bzw. der Gottesvorstellung).Dieses Eroberungsmuster läßt sich bis in die jüngste Zeit verfolgen: Die Unterwerfung Latein­amerikas durch Spanier und Portugiesen (und die römisch-katholische Kirche), die sprachliche (und damit geistige) Vergewaltigung von zwei Dutzend afrikanischen Ländern durch die Franzosen (erneut von Rom „segensreich“ begleitet) sowie die Veramerikanisierung faktisch aller Länder der freien Welt nach 1945 (und seit der Perestroika und dem Mauerfall auch Osteuropas und der neuen Bundesländer).
  2. Je niedriger das Sprachniveau einer Kulturgemeinschaft, eines Volkes und einer Nation ist, desto leichter kann man deren Bevölkerung informationell unter Kuratel halten. Zwar gilt es, die eigene Bevölkerung (schon als Beweis guten Willens und sozialer Fortschrittlichkeit) zu alpha­betisieren, an einer wirklich hohen Sprachkultur mit entsprechend differenzierten Ausformungs­möglichkeiten von Gedanken kann jedoch die Gruppe der Herrscher kein wirkliches Interesse haben, wenn es darum geht, ihre Untertanen möglichst gefügig zu halten.Vereinfacht ausgedrückt: Je dümmer (ungebildeter) die Menschen sind und je flacher sie denken und sprechen, desto leichter sind sie informationell zu kontrollieren. Hierauf wiesen bereits Wilhelm von Humboldt und Jacob Grimm wie auch der deutsch-jüdische Philosoph Ernst Cassirer (in seinem Buch: „Freiheit und Form“) treffend hin.Nun betrachte man diesbezüglich die heutige Üblichkeit der Vermittlung von Sprache in Wort und Schrift (die heutige Medien- und Unterhaltungs„kultur“). Sie spiegelt das gefährlich sinkende Niveau der Informationabilität und damit den Inhalt und Wert der auf diese Weise übermittelten Informationen wider.

Exformation – Der Weg aus dem System ins Schema

Wer aus dem System, der entmündigenden Versklavung seines eigenen Denkfühlhandelns aussteigen und den Rubikon zum Schema, in ein erfülltes, freiheitliches Leben voller Dynamik und Kreativität, persönlicher Weiterentwicklung und authentischer Lebensführung gehen möchte, steht – je älter desto mehr – vor dem Problem, mit faktisch allem brechen zu müssen, was seine bisherige Lebensführung, sein Denkfühlhandeln, ausmachte. Wieviel Mut und Kraft dies kostet, wie viele Zweifel und Ängste es hierbei zu überwinden gilt, weiß jeder, der es jemals versucht hat.

Mit „Augen zu und durch“ hat zwar schon mancher sein Leben radikal und in den verschiedensten Bereichen total umgekrempelt, meist war dies jedoch mit erheblicher Kraftanstrengung, Schmerzen, Verlusten und bitteren Erfahrungen verbunden.

Ich biete Ihnen, wenn Sie sich bis hierher durchgekämpft haben, eine Überlegung an, die Ihnen auf dem Wege aus dem System ins Schema mutmaßlich hilfreich sein kann.

Gehen sie hierzu noch einmal auf den semantischen Inhalt des Wortes Information zurück, und nun tauschen Sie das Präfix „in“ durch sein Gegenstück „ex“ aus.

Information wird damit zur Exformation, wobei Sie sich nicht daran stoßen sollten, daß es dieses Wort bislang nicht gibt. Seit 5. März 2000 gibt es diesen Begriff!

Was soll Exformation nun tatsächlich bedeuten? Wenn ich Informationen dazu benutze, das Grund­muster einer Entität zu legen und mir über die Grundsätzlichkeit eines Gedankens, eines Planes, eines Ziels klar geworden bin, gebe ich – eben bevor das Grundmuster an Dogmatik gewinnt und sich selbst ver-systematisiert – durch Exformation die forma frei (im Sinne von auf) und damit dem Inhalt der Information die Möglichkeit, sich schematisch weiter zu entwickeln. Ich befreie damit die forma, also den Inhalt der Information, in gleicher Weise, wie Eltern im Tierreich ihre Babys nur so lange versorgen, wie dies ihnen die Natur aufgibt, und sie dann (notfalls sogar recht unduldsam) aus der Kinderstube zu scheuchen, wenn sie flügge, reif und erwachsen sind.

Ich wählte hierbei bewußt nicht das menschliche Beispiel, da das Gros der Eltern den Moment des Erwachsenwerdens ihrer Kinder regelrecht fürchten (Verlustängste) und in der Regel alles daran setzen, ihre Kinder nicht nur im System zu erziehen („guter Junge, braves Mädchen“), sonders auch um nichts in der Welt aus der Elterlichkeit entlassen wollen. Diese lebenslange Gefangenschaft, in der viele Eltern ihre Kinder geistig und seelisch, bisweilen sogar physisch (finanziell) halten, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als nahezu perfekte Dienstbarkeit im Sinne des übergeordneten (staat­lichen) Systems. Eltern werden damit – durch Weitergabe von Bannbotschaften[25], Lebensregeln und den gesamten Anforderungskatalog (an ein Kind, auf das man stolz sein kann) – zu perfekten Hand­langern des Staates und seiner Organe. Deshalb hofiert der Staat auch den Begriff der „Familie als kleinste Zelle(!) des Staates“ sogar im Grundgesetz.

Zu freiheitlicher, kreativer, authentischer und selbstbewußter Lebensführung werden die meisten Kinder nie erzogen. Wer seinen Eltern zuwider denkt oder handelt, spürt unbewußt ein Schuldgefühl, dessen er sich ohne Exformation der früher verabreichten Desinformationen nicht erwehren kann. Die wirkliche Befreiung von Über-Müttern/-Vätern gehört zu den problematischsten Phasen in der Entwicklung des Menschen.

Das Fehl-Denken des Menschen, seine Angst davor, über nicht genügend Informationen zu verfügen (wodurch er nachgerade so oft zum Opfer von Desinformationen wird), läßt ihn krumme Umwege beschreiten – obgleich ihn dies wiederum mit einem Schuldgefühl belädt, weil er gegen seine eigene Ethik verstößt. Gerade mit dieser Taktik des Ausweichens – verbunden mit Schwindeleien und Lügen, vor deren Entdeckung man dann wiederum Angst hat – gerät der Mensch jedoch immer mehr in den Schlund der Systematik und des davon lebenden Systems.

Der kleine Trick, eine Information nicht ver-systematisiert zu sehen, liegt also darin, die Information erst einmal qualitativ und quantitativ abzugleichen – nicht an systemischen Vorgaben (Normen, Bann­botschaften), sondern in schematischer Weise (von Neugier und Interesse begleitet) – und sie dann exformativ weiter zu entwickeln, statt sie dem Katalog der im Schlund des Systems versackten Infor­mationen zuzuordnen.

Die Information wird im Zuge ihrer Exformation weder verwandelt, noch gesiebt. Sie dient vielmehr dem Schatz an Einsichten, Erfahrungen und Erkenntnissen, aus dem das Schema seine Kraft, sein Leben und seine bunte Vielfalt schöpft – zum Wohl und zur Entwicklung des Einzelnen wie des Ganzen.

Daß dies gelehrt, gelernt und geübt werden muß, steht außer Frage, und hier setzt wirkliche Pädagogik an. Hierin zeigt sich der Wert, hierin liegt die Chance pädagogischer Erziehung, wahrer Lebens­ertüchtigung, der Grundstein der Verantwortung von Eltern und Erziehern, Lehrern, Dozenten und verantwortungsbewußten Vorbildern.

Willens- und Wesensfreiheit kann es für den einzelnen Menschen lediglich in dem Maße geben, wie daraufhin sein Bewußtsein entwickelt wird. Exformation wird damit zum Durchbruch zu einer entwickelten Persönlichkeit, Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit.

Der Wechsel vom System zum Schema, von der Pragmatik zur Praxis ist der Schlüssel zur Authentizität.

Zur Unterscheidung

System

Schema

Pragma Praxis
Moral Ethik
Gleichheit Freiheit
Ideologie Philosophie
Sozialismus Freie Marktwirtschaft
Gleichmacherei Chancenfreiheit
Regelungswut Wettbewerb
Korruption Kooperation
Gewalt/Zwang Macht
Wahrung Reform
Stillstand/Rückschritt Fortschritt
Management Leadership
Dogma Standpunkt
Konventionell Innovativ
Alt Neu
Hohe Entropie Geringe Entropie
Verlust Zuwachs
Verwalten Entfalten
Behindern Fördern
Reduzieren Entwickeln
Gewöhnung Kreativität
Unlust Spielfreude
Abschottung Interesse
Introvers Extravers
Impulsiv Explosiv
Geschlossen Offen
Erfüllungszwang Ziel
Ängstlichkeit Mut
Fauler Kompromiß Synergie
Vorspiegeln Hinterfragen
Schein Sein
Clever Klug
List Idee
Heimlichkeit Offenheit
Devot Loyal
Lauernd Arglos
Bedenken Vorfreude
Skepsis Begeisterung
Verneinung Bejahung
Ablehnung Bereitschaft
Lebensangst Lebensfreude
Starr Flexibel
Passiv Aktiv

H.-W. Graf

Auch als Broschüre erhältlich gegen eine Übersendung von 5,-€ inkl. Porto an den PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V.


[1] in formam ire / formam dare = lat.: (sich) in eine (feste) Form bringen / (etwas) eine Form geben

[2] (un)bewußte Weitergabe von Fehl-/Falschinformationen – die Eingangsstufe zu Korruption und Manipulation

[3] Gemeint sind dabei die fiktiven Ängste, also durch falsche Erziehung und Bannbotschaften aufgebaute irreale Ängste, die auf den Menschen handlungsreduzierend – körperlich, geistig und seelisch – wirken.

[4] Vom Erlebnis zur Erfahrung (zeitreport Nr. 111, Mai/Juni 1998)

[5] gemeinsame Denk- und Handlungsmuster

[6] Aktives und reaktives Denkfühlhandeln (zeitreport Nr. 114, Nov./Dez. 1998)

[7] Studie „UNSERE WELT“, DBSFS e.V., 1992, Update 1993

[8] Als System kann hierbei sowohl der einzelne Mensch (im Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele) als auch eine Gruppe oder funktionale Einheit (z.B. eine Firma oder ein Volk) verstanden werden.

[9] griech.: synistanai – zusammenstellen, -fügen, verknüpfen, verein(ig)en, gebildet aus syn (griech.: zusammen) und hystanai (griech.: hin-/auf-stellen)

[10] korruptive Sprachverwirrung, siehe: Korruption – Die Entschlüsselung eines universellen Phänomens“, H.-W. Graf, Fouqué Verlag, ISBN 3-8267-4544-2

[11] Dasein im Unterschied zum Wesen eines Dinges, (gegebene) Größe, Seinshaftigkeit

[12] wenig überraschend: schematisch bedeutet im Griechischen u.a. auch gedankenlos, unvoreingenommen

[13] lat.: gredi, ad gredi, aggressiv = (schnell) auf etwas zugehen, sich auf etwas zubewegen

[14] Hierarchie (griech.) im ursprünglichen Sinne als „Ordnung“ verstanden.

[15] Um Neues Denken zu erklären, nehmen wir am besten das Ihnen vielleicht schon bekannte Lebensdreieck, bestehend aus K (dem körperlichen Element, was für alles steht, was funktionaler und operativer Art ist), G – dem Geist-orientierten Element [hierzu gehören Wissen und Bildung, das Verständnis um Zusammenhänge, intellektuelle Fähigkeiten (u.a. auch die Selektion von Informationen), also die Summe unserer geistigen Fähigkeiten] und S (der seelisch-emotionale Aspekt, unsere Glaubens- und Gefühlswelt).

[16] Hermeneutik (griech.:), metaphysische Methode des Verstehens menschlichen Daseins (Existenzphilosophie) und kritische Theorie der Interpretation philosophischer und geisteswissenschaftlicher Darlegung und Erklärung menschlicher Wirklichkeit und daraus resultierender Handlungsweisen und Geschehnisse

[17] Mir ist ein Rätsel, warum sich der Begriff „Pubertät“ für die meisten Menschen ausschließlich auf die körperliche Umbruchphase bezieht. Man sollte den unterschiedlichen Phasenverläufen der körperlichen, geistigen und seelischen Pubertät sowie deren Ineinanderwirken viel mehr Aufmerksamkeit widmen.

[18] corrumpere – lat.: zerbrechen, beschädigen, verletzen, verderben, zugrunde gehen, zusammenbrechen, entstellen, verunstalten, bestechen, verleiten, fälschen, verführen

[19] Manager sind Erlediger in und Wahrer eines Systems, die – in Laufgittern patroullierenden Hunden ähnlich – ein System bewachen und zu wahren versuchen, da jede Veränderung des Systems für sie eine systemische Störung darstellt, die es – auftragsgemäß – zu verhindern gilt.

[20] Versuch und Irrtum

[21] Haben Sie sich über den wirklichen Sinn des Wortes „Uniform“ – alles in eine gemeinsame Form(haftigkeit) zwängen – schon einmal Gedanken gemacht?

[22] Die PDS, als Stumpf der Amputation des explodierten SED-Regimes darf man getrost vergessen.

[23] Demokratie – Volksherrschaft oder Volksbeherrschung (zeitreport Nr. 121, Jan./Febr. 2000)

[24] korruptive Sprachverwirrung, siehe: Korruption – Die Entschlüsselung eines universellen Phänomens“, H.-W. Graf, Fouqué Verlag, ISBN 3-8267-4544-2

[25] Bannbotschaften sind „Befehle“, die wir im Laufe der Erziehung mitbekommen haben und die unser Verhalten deutlich prägen, z.B.: „Das geht doch nicht“, „das tut man nicht“, „wie kannst Du nur“, „das schaffst Du nicht“, usw.