Die Macht der Information

Die Macht der Information

Statt eines (üblichen) Vorwortes

Übersetzung aus dem Englischen von Fabio Bossi

Dieses brillante Essay betritt revolutionäres Neuland. Aus meiner Sicht als Psychotherapeut trägt er in hohem Maße dazu bei, einen Samen zu setzen für die Befreiung der Menschheit aus entweder exogen aufgezwungenen oder unbewußt angesammelten Verhaltensmustern, die unsere kulturelle Entwicklung zu bisher selten erreichter innerer Freiheit und ein Hineinwachsen in wirklich unabhängige Kreativität über unzählige Generationen hinweg be- wenn nicht sogar verhindert haben.

Graf’s Erfindung des Wortes Exformation wird mit all dem, was der Begriff beinhaltet, und wenn er seine volle Wirkung entfaltet, von grundlegender Hilfe bei unserer Befreiung aus dem engen Korsett der Systeme sein, die uns, zumeist ohne daß wir dies merken, an sich binden oder in sich aufsaugen. Die meisten Menschen in allen heute existierenden Kulturen befinden sich nämlich in einem von der Mehrheit unvermuteten Ausmaß in einer Art systemischer Geiselhaft, mit eben den Auswirkungen, wie Graf sie erklärt. Nur wenn es uns gelingt, uns aus diesen Fesseln zu befreien (die Betonung liegt auf dem Wort WENN!), könnten wir wirklich die unendlich weiterreichende Bewußtheit unserer potentiellen Kreativität realisieren, sowohl individuell als auch als Gemein­schaft.

Aus meinen Erfahrungen in der Psychotherapie von Neurosen, die aus einer unzureichenden oder beeinträchtig­ten Ich-Entwicklung herrühren, verursacht durch die (weitgehend unbewußte) autoritäre Über-Bemutterung (respektive Über-Bevaterung) durch Eltern, die in konventionellen Erziehungs-mustern gefangen sind, bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß Graf’s Betonung der dringenden Notwendigkeit eines Übergangs von Systemen zu Schemata und vom Pragmatismus zur Praxis dazu bestimmt ist, als der vielleicht einzige Weg anerkannt zu werden, den totalen Kollaps unseres klepto-kapitalistischen Wirtschaftssystems und das endgültige Verschwin­den unserer Spezies von der Oberfläche eines Planeten, den nur wir ausgeplündert haben, zu verhindern.


This brilliant essay breaks revolutionary new ground. In high degree it is, from my point of view as a psychotherapist, a seminal contribution to the liberation of humankind from either outwardly enforced or unconsciously assimilated behaviour patterns which for untold genera­tions have impeded – even prevented – our cultural evolution toward hitherto seldom achieved inner freedom and growth into genuinely independent creativity.

Graf’s invention of the word “exformation” and all that it connotes will, if given full effect, be of substantial assistance in the direction of our escaping from the tight corset of systems which, for the most part unwittingly, bind us to – or absorb us into – themselves. To a degree wholly unsuspected by the vast majority of human beings most people in all cultures existing today are held hostage to such systems in the sense explained by Graf. Only if we succeed in liberating ourselves from this bondage (the word “IF” must be emphasized!) we may at last attain to infinitely more far-reaching awareness of our potential creativity, both individually and collectively.

Resulting from experience in the psychotherapy of neuroses deriving from inadequate or impaired ego-development due to (largely unconscious) authoritarian “over-parenting” by mothers and/or fathers caught in conventional patterns, I am convinced that Graf’s insistence upon the urgent need for a transition from “systems” to “schema” and from “pragmaticism” to “praxis” is destined to be recognized as perhaps the only possibility of avoiding a total collapse of our globalizing cleptocapitalistic economy and the ultimate disappearance of our species from a planet which only we have plundered.

Freiburg, 10.März 2OOO

E. Field Horine,
Fachpsychologe für
Psychoanalytische Therapie


 

Wer Informationen sprachlich sauber sortiert und (sich) von Desinformationen abgrenzt, kann ob des heutigen täglichen Zuwachses der Informationsmöglichkeiten wie auch der quantitativen Zunahme an Informationen nur jubeln.

War früher der Gang zur nächstbelegenen Bibliothek noch mit einem entsprechenden Aufwand an Zeit und Geld, mühsamem Suchen und gelegentlichem Warten (wenn gerade genau das gesuchte Buch nicht verfügbar war) verbunden, so bieten die heutigen Computerprogramme jederzeit alle nur denkbaren Informationsmöglichkeiten – in allen Sprachen und auf allen Gebie­ten.

Dem früher gegebenen Problem – wie kann ich mir gewünschte Informationen beschaffen – steht heute das nicht minder große Problem – wie sortiere ich, was ich an Informationen bekomme – gegenüber. Die Technik der Informationssortierung und -auswertung will im anbrechenden „Informationszeitalter“ erst noch gelernt und künftige Generationen gelehrt werden. Diesem Problemkreis sollen jedoch die folgenden Gedanken nicht vornehmlich gewidmet sein, vielmehr soll untersucht und dargelegt werden, daß und in welch hohem Maße Informationen tatsächlich formgebend wirken und wie behutsam hierbei zwischen der systemischen Wirkung einerseits und der Entwicklung von (offenen) Schemata andererseits unterschieden werden muß. Ersteres birgt (mitunter höchst fatale) Gefahren in sich, letzteres verlangt bei aller sich bietender Freiheit ein hohes Maß an Disziplin.