– Der unfehlbare Weg ins Geschichtsbuch –

Vorwort:

In der Tat, das Leben ist hart und der Weg durch die knapp acht Jahrzehnte, die man/frau in diesem Lande als durchschnittliche Lebenserwartung gewärtigt, ist voller Schwierigkeiten, gepflastert mit Stolpersteinen aller Art; man muß tatsächlich kämpfen, um einigermaßen vernünftig zu leben.

Irgendwann ist die Zeit des Spielens und die darauf folgende Zeitverschwendung an Schulen aller Art vorbei; es gilt, sich nach einem Broterwerb umzusehen – vulgo: Beruf. Schon Nietzsche ließ uns wissen: “Der Beruf ist das Rückgrat des menschlichen Lebens”.

Nun kann man es mit fleißigem Lernen und ehrlicher Arbeit tatsächlich schaffen, eine einigermaßen gemütliche Wohnung zu finanzieren und ein paar Mal pro Tag mehr oder weniger gesunde Nahrung zu sich zu nehmen, sich halbwegs sauber zu halten und adrett zu kleiden. Über die Jahre hinweg gibt`s die eine oder andere Gehaltserhöhung; man klettert – behäbig oder behende – die Stufen der beruflichen Karriereleiter nach oben – wenn man denn unbedingt will. Ansonsten gibt`s ja genügend “Sozialleistungen”, also öffentlich-(un)rechtliche Versorgungstöpfchen, aus denen man, wenn man clever genug ist, die Gehaltsteile abgreifen kann, die man zu faul ist, selbst zu erarbeiten. Selbst Kinder kann man sich hierzulande so viele anschaffen, wie man möchte – ohne die hausbackene Ansicht, diese selbst ernähren zu müssen; auch für die zahlt der Staat. Tja, wir haben`s weit gebracht mit dem, was wir ‚Sozialstaat’ nennen.

Daß man sich alle “Leistungen” des “Sozialstaats” im Grunde genommen auf dem Wege über Steuern und Sozialabgaben, Solidaritätszuschläge und andere Zwangsgebühren, die einem der Staat stiehlt, selbst bezahlt, oder aber andere Mitmenschen, die auf Lernen und fleißiges Arbeiten weniger Wert legen, mitfinanziert, ist den meisten Menschen weder bewußt, noch unterziehen sie sich der Mühe, darüber nachzudenken.

Der “Sozialstaat” bundesdeutscher Prägung ist also in Wahrheit nichts anderes als eine gigantische Umverteilungsmaschine, in der rund 7 % der eigentlich arbeitsfähigen Bevölkerung als öffentlich-(un)rechtliche Bedienstete beschäftigt werden, um die übrigen 93 % auszuhalten, zu berauben und kraft ihres öffentlich-(un)rechtlichen Auftrags zu schikanieren und zu bevormunden.

Wer also wirklich clever ist, verzichtet gerne auf den oben beschriebenen, beschwerlichen Weg der Gestaltung des eigenen Lebens; er geht zum Staat, also an die Quelle selbst und wird öffentlich-(un)rechtlicher Arbeitnehmer oder – noch besser – gleich Beamter. [Kluge Wehrdienstpflichtige wissen: Der beste Job bei der Bundeswehr ist in der Küche – dort, an der Quelle, ist die Verpflegung optimal!]

Noch cleverere Zeitgenossen werden Politiker. Kein anderer “Berufsstand” ist mit derartig vielen Privilegien, Vergünstigungen und steuerfreien Einnahmen gesegnet. Vor allem aber winkt eine Altersversorgung, die zu erlangen man in keinem anderen Beruf auch nur annäherend die Chance hat.

Das Beste aber ist, daß man für eine Karriere als Politiker völlig talentfrei sein kann; weder muß man sich (wie Sportler) tagtäglich im Training abschwitzen, noch (wie Showstars) singend, tanzend oder Instrumente quälend durchs Leben quälen.

Nein, wer tatsächlich ohne mühsamen Wissenserwerb oder wunder Hände Werk, das Drangsalieren seiner Neuronen und profane, ehrliche Arbeit durchs Leben marschieren möchte und der intelligenten Prämisse folgt: größtmöglicher Ertrag aus geringstmöglichem Einsatz, der wird Politiker.

Nun besinnen Sie sich mal kurz und überprüfen, ob diese Überlegungen Ihren eigenen Gedanken, Ihrer Idee von einem weitgehend bequemen und angenehmen Leben entsprechen. Wenn nein, unterziehen Sie sich nicht der Mühe, die nächsten Seiten zu lesen. Wenn ja, dann gehen Sie ganz ehrlich mit sich selbst ins Gericht:

  • Haben Sie das Gefühl, mit keinerlei Talenten ausgestattet zu sein?
  • Überkommt Sie schon bei dem Gedanken, die nächsten 40 Jahre mindestens 40 Stunden pro Woche mit profaner Arbeit Ihren Lebensunterhalt selbst verdienen zu müssen, ein unwiderstehlicher Brechreiz?
  • Wollen Sie mit möglichst wenig intellektuellem und physischem Einsatz dennoch ganz nach oben, ins Rampenlicht der Bedeutsamkeit, aus der Mittelmäßigkeit der Masse heraus und an die Fleischtöpfe, die gefälligst Andere mit harter Arbeit zu füllen haben?
  • Wollen Sie berühmt und mächtig werden – auf Kosten und mithilfe Anderer?

Wenn Sie alle diese Fragen aus tiefster Seele und ehrlichen Herzens mit einem fröhlichen Ja beantworten können, so sind Sie genau aus dem Holz, aus dem Politiker geschnitzt sein müssen. [Wenn ich im folgenden geschlechtsneutral von Politiker schreibe, dann aus zwei Gründen: Zum einen bin auch ich zu faul, mich der Mühe zu unterziehen, ständig zwischen männlichem und weiblichem Politiker zu unterscheiden, zum anderen ist ein wirklich tief ins politische System verstrickter Mensch ohnehin geschlechtsneutral. Ob Sie also männlich oder weiblich, schwul oder lesbisch, Transvestit oder Transgender sind, ist mir völlig egal. Es gilt ja heutzutage geradezu als chic, als bekennender Homosexueller Parteivorsitzender oder Oberbürgermeister, Minister oder sogar Bundespräsident zu werden.]

Seien Sie konsequent: Lassen Sie die Drecksarbeit von Anderen erledigen; Ihre Vorgänger haben dafür gesorgt, daß 99 % der Bevölkerung im Schatten Hunderttausender von Gesetzen, Verordnungen, Vorschriften und einem dichten Netz an Zwängen und Durchführungsbestimmungen dafür sorgen, daß die politische „Elite“ bestens versorgt und umsorgt ein angenehmes Leben führen kann. Schminken Sie sich ganz schnell jedes eventuell aufkommende Mitleid für diejenigen ab, die für Ihr künftiges Luxusleben als Politiker tatsächlich hart arbeiten müssen; Bauernopfer gibt`s in jedem Krieg.

Sie müssen nur lernen, sich die Masse dieser Komparsen von der Wiege bis zur Bahre devot und gefügig zu halten. Aber das lernen Sie auf dem Weg nach oben ganz automatisch von den erfahrenen Politikern in Ihrer Partei.

Außerdem lesen Sie dafür ja gerade dieses Brevier!

Schärfen Sie Ihren politischen Instinkt und lernen Sie, Ihre Ziele rücksichtslos und unbeugsam zu gehen.

Sie gelten dann als konsequent, und solche Führer braucht die dröge Masse, die selbst zu feige ist, politische „Verantwortung“ zu übernehmen.

So, und nun wollen wir uns Ihrer Karriere als systemisch angepaßter Nutznießer der Freuden der bundesdeutschen Parteiendemokratur widmen.

Wohlan, hurtig aufs Pferd gesetzt, und los geht`s – Ihre Karriere als Politiker hat soeben begonnen.

Einleitung:

So so, Sie haben also reinen Herzens beschlossen, Politiker zu werden.

Nun, das ist doch wenigstens ein Beruf mit Zukunft. Wir müssen uns jetzt nur noch über Ihre Motive und, daraus abgeleitet, die entsprechende Strategie unterhalten, mittels derer Sie möglichst geräusch- und widerstandsarm den Weg nach oben schaffen – ganz nach oben, denn wer sich zu niedrige Ziele setzt, endet rasch in irgendeinem Ortsverband oder als nichtssagendes Mitglied eines Bezirksausschusses.

In den folgenden Kapiteln will ich versuchen, Sie zielsicher anzuleiten, alle Widerstände, seien sie personeller, institutioneller oder fachlicher Art, aus dem Wege zu räumen oder zu umgehen. Ich zeige Ihnen, wie Sie Nebensächlichkeiten von wirklich Wichtigem zu unterscheiden lernen, wie Sie sich geistig und emotional ohne großen Zeitverlust durch das Labyrinth der Intrigen bewegen und möglichst rasch an die Fleischtöpfe der Macht gelangen.

Sicherlich müssen Sie dafür Opfer bringen. Sie müssen lernen, sich über moralische Grenzen hinwegzusetzen, hinderliche Skrupel abzubauen oder diese erst gar nicht in sich aufkommen zu lassen. Sie werden sich mit unangenehmen Zeitgenossen und unliebsamen Themen beschäftigen müssen und auch Durststrecken zu bewältigen haben.

Sie werden Freunde verlieren, die Sie aber am besten gleich in die Kategorie „Verlierer“ einordnen sollten; zumeist haben diese Besserwisser ohnehin keine Ziele; die meisten sind Schwächlinge oder Opfer ihrer eigenen Skrupel und Ängste. Über derartige „Weicheier“ dürfen Sie sich bedenkenarm hinwegsetzen; Ihnen geht es immerhin um alles: einen warmen
Platz an der Sonne; Sie fühlen sich auserkoren, dem Gros, der unmündigen Masse, den bis zur Halskrause in der Üblichkeit versumpften Mittelmäßigen Ihre Einzigartigkeit, Ihre Auserwähltheit entgegenzusetzen.

Wohlan, widmen wir uns gemeinsam Ihrer Karriere. Lassen Sie mich Ihnen in aller Demut dabei behilflich sein, dieses Land durch Sie als Führungs- und Leitfigur wieder auf den richtigen Weg, zu Ruhm, Ehre und internationaler Anerkennung zu führen.

Nur gerecht ist dann, daß endlich Ihre Fähigkeiten in entsprechender Weise gewürdigt und anerkannt werden.

I. Hinterfragen Sie Ihre Motive

Politik ist ein weites Feld. Im Grunde genommen ist ja jeder Mensch (als Teil der Polis, also der Gemeinschaft Aller) politisch relevant und tätig – er formt durch seine schiere Existenz und Teilhabe die Polis mit. Tatsächlich sind sogar Kinder schon in der pränatalen Phase insoweit politisch relevant, als die werdenden Eltern ihr Konsumverhalten ändern, Umstellungen in der Karriere- und Familienplanung vornehmen und letztlich die werdende Mutter in den wohlverdienten Mutterschaftsurlaub geht, womit sich die Schwangerschaft über den privaten und Freundeskreis hinaus auch für den Arbeitgeber als relevant erweist.

Auch wenn Sie mit Kindern und den damit verbundenen Störungen und Einschränkungen der eigenen Lebensumstände wenig am Hut haben, so müssen Ihnen diese Gedanken bereits insofern wichtig sein, als werdende Eltern ein schlummerndes Reservoir potentieller Wähler darstellen, auf die Sie künftig ein stets waches Auge haben, um die Sie buhlen müssen, damit sie Ihrer Karriere nützen können.

Politisch sind aber auch alle Schüler und Studenten relevant. Ihre Gedanken und politischen Beweggründe gilt es von vornherein im Auge zu haben; nicht nur, daß daraus potentielle spätere Wähler erwachsen, sondern diese Kinder und Jugendlichen gilt es auch bereits in den ersten 1 ½ Jahrzehnten immer wieder als mögliche Sprossen Ihrer Karriereleiter zu adressieren und auf ganz subtiler Basis positiv zu infiltrieren.

Denken Sie mal zurück: Schon als Kind und Jugendlicher sind Ihnen bestimmte politische Figuren noch in deutlicher Erinnerung. Wer bereits Kinder und Jugendliche als politisch relevante Figuren auf dem Schachbrett der Politik zu erkennen weiß, handelt vorausschauend. Vergessen Sie auch nicht, sich bereits bei dieser Klientel entsprechend Liebkind zu machen; eine wirklich hochkarätige Politikerkarriere dauert viele Jahre, und in der Zwischenzeit werden aus Kindern und Jugendlichen wahlfähige Verehrer oder Ablehner Ihrer Person. Jedes Kind, das Sie auch nur einmal (immer in die Kamera lächeln) im Arm gehalten haben, wird Sie zeitlebens ebenso verehren wie dessen Mutti.

Dies im Hinterkopf, sollten Sie sich über Ihre eigenen Motive, sich für eine Karriere als Politiker entschieden zu haben, klar werden. Wenn Sie nämlich nur auf lokaler oder regionaler Ebene politisch verantwortlich wirken wollen, bedarf dies einer gänzlich anderen Karriereplanung, als wenn Sie wirklich politisch ins ‚Big Business’ einsteigen wollen.

Um in Ihren Gemeinderat zu kommen oder Ihre Zeit im Stadtrat zu verschwenden, genügt es, wenn Sie sich als Experte in irgendeinem, lokal/regional relevanten Feld entwickeln und auf lokaler Ebene Kinder herzen.

Dafür genügt es dann, sich einer Partei anzuschließen, die traditionell genügend Stallgeruch in der Mitte der jeweiligen Bevölkerung aufweist.

Hierbei können Sie sich auch noch den Luxus erlauben, eigene politische Befindlichkeiten ins Spiel zu bringen und als Überzeugungen in die Waagschale zu werfen.

Stehen Sie gut mit Ihren Eltern, dann nützen Sie deren gute Beziehungen vor Ort, um sich entsprechend politisch protegieren zu lassen; Außenstehende, die Sie ja zuerst einmal als wählbar erkennen und akzeptieren lernen müssen, werden Sie dann auch schneller als Sohn/Tochter von dem und dem identifizieren.

Klappt`s mit den Eltern nicht ganz so gut, läßt sich auch das wunderbar „vermarkten“; erwähnen Sie oft genug, daß Sie – diametral zu den Erfahrungen im Elternhaus – einen eigenen politischen Weg „aus Überzeugung“ gefunden haben und verdeutlichen Sie damit Ihre emanzipatorische Selbständigkeit, auch wenn weder das Eine, noch das Andere stimmt. Seien Sie nicht so zimperlich.

Mit derartigen niederen Motiven als Handlungsmaximen wollen wir uns aber nicht lange aufhalten; uns geht es um höhere politische Weihen. Wer sich diese aufs Panier geschrieben und zum Ziel gesetzt hat, muß aus härterem Holz sein. Ihr Ziel ist doch der Bundestag – und auch der nur als Zwischenstation!

Dennoch müssen wir uns mit den Bonsai-Politikern auf lokaler/regionaler Ebene, den Gemeindefürsten und Stadträten, noch etwas näher befassen. Sie bilden immerhin die „Maische“ aller Parteien, die Ihnen als Verbindungsvektor, als Draht zum einfachen Volk, später wertvolle Dienste leisten kann. Vor Ort sitzen die jeweiligen politischen Kleingärtner, die direkten Einfluß auf die Menschen der 12.483 Gemeinden und 80 Großstädte in unserem Lande haben, die letztlich – zumindest offiziell – alle vier bzw. fünf Jahre ihr Kreuzchen an der richtigen Stelle auf dem Wahlzettel machen müssen, damit Sie es ganz nach oben schaffen.

Halten Sie sich diese politischen Lokalfürstchen deshalb warm und suggerieren Sie ein Höchstmaß an tiefem Verständnis für die Belange derjenigen Gemeinde eines Bundeslandes, von dem Sie, wie auf Wolken gebettet, dann in Richtung ‚politischem Olymp’ getragen werden wollen.

Ich erwähnte ja schon, daß wir vor einer Ochsentour stehen, und deshalb ist es wichtig, daß Sie die lokalen Politgrößen als Ihnen gewogene Steigbügelhalter für eine positive öffentliche Meinung benutzen.

Aber darauf kommen wir später noch zu sprechen.

Noch ein Gedanke ist wichtig: Als politischer Leithammel auf lokaler oder regionaler Ebene sind moralische Integrität und ein der Masse nahestehendes Image unabdingbar. Diese politischen Kleingärtner sind nämlich – im Gegensatz zu den politisch wirklich Mächtigen – tagtäglich und unmittelbar vor Ort; man kann sie noch persönlich adressieren und hautnah als Mitglied einer Gemeinde oder Stadt erleben. Sie müssen sich durch Integrität und Zuverlässigkeit auszeichnen.

All dies haben Sie nicht nötig, wenn Sie den Sprung auf die höheren Ebenen der Politik vorziehen und nicht so viel Zeit in den Niederungen der Politik verschwenden.

Dazu ein Beispiel: Der Meister, als Ausbilder in einem Betrieb, ist auf den täglichen, persönlichen Umgang mit seinen Lehrlingen und Gesellen angewiesen. Er muß sich tagtäglich sowohl als Mensch als auch als fachliches Vorbild erweisen. Als Mitglied des Vorstandes in einem Großkonzern muß Sie jedoch die Befindlichkeit der Lehrlinge und Gesellen in diesem Konzern nicht weiter belasten. Dennoch ist es wichtig, daß die jeweiligen Meister oder Abteilungsleiter in diesem Konzern als „Transformatoren“ positiv auf jede Ihrer Äußerungen und Handlungen reagieren, da davon deren Meinungsweitergabe an die Mitarbeiter in ihren Abteilungen abhängt.

Auch darauf kommen wir später noch einmal zu sprechen.

Nun gut, Sie wollen höher hinaus. Dann sollten Sie sich aber als allererstes von Ihrem vielleicht noch vorhandenen politischen Sentiment, also dem innerlichen Zugehörigkeitsgefühl zu einer bestimmten Partei und deren offiziell verlautbaren Programmen ganz schnell verabschieden. Wer wirklich ganz nach oben kommen möchte, darf sich nicht von inneren Haltungen und Überzeugungen irritieren, beeinflussen und beschränken lassen.

Natürlich dürfen Sie das nicht laut äußern; stets zur Schau getragene, unverbrüchliche Loyalität zur Partei, ihren Leistungen und deren Granden aus Vergangenheit und Gegenwart sind ungeheuer wichtig. Es könnte ja sein, daß Sie nicht direkt gewählt werden – wie mehr als die Hälfte aller Bundestagsabgeordneten (!) – und deshalb über die Parteien-/Landeslisten ins Hohe Haus gelangen.

Da der schnellste und sicherste Weg ins Parlament nur entweder über den Landtag oder über den inneren Kern einer Partei geht, sollten Sie es wie Gerhard Schröder machen: Suchen Sie sich zuallererst diejenige Partei aus, die in Ihrem Bundesland das Sagen hat.

Suchen Sie im personellen Labyrinth Ihres jeweiligen Landesverbandes diejenigen Personen, die zum Establishment, zur alten Garde gehören. Hier gilt es, Protegement und personelle Förderer zu gewinnen. Sie wollen doch schließlich nicht die gesamte Ochsentour vom Plakatkleber zum Haustür- ramper für Parteiflyer und -aufkleber machen, oder?

Nein, schleimen Sie sich ohne falsche Skrupel an diejenigen „alten Hasen“ heran, die entweder bereits früher wichtige Posten besetzt oder in der Partei als Meinungsmacher und Manipulateure bereits den entsprechenden Ruf erworben hatten. Finden Sie deren Hobbys und spezielle Interessen heraus, kitzeln Sie deren Eitelkeit und Ego, oder hinterfragen Sie deren Schwächen, vielleicht finden Sie sogar die ein oder andere „Leiche im Keller“. Das kann später höchst nützlich sein!

Diese Politveteranen sind einerseits keine Konkurrenz mehr für Sie, andererseits können sie – und auch das kitzelt deren Eitelkeit – zum Schlüssel für Ihren Erfolg als Aufsteiger und kommenden Star am Polithimmel werden.

Ob Sie den (etwas längeren und beschwerlichen) Weg über den entsprechenden Landtag wählen, oder – wozu ich rate – den Kadereinstieg über die Bundespartei, hängt natürlich auch von der politischen Großwetterlage ab. So macht es wenig Sinn, sich einer Partei anzuschließen, die allenfalls auf regionaler Ebene oder vielleicht nur im jeweiligen Bundesland eine entsprechende Rolle spielt.

Nein, Sie wollen ganz nach oben, und dementsprechend zählt nur eine auf Bundesebene entsprechend gewichtige Partei.

Machen Sie es wie Gerhard Schröder, der (in seiner Eitelkeit vielleicht ein bißchen zu früh) freimütig zugab, sich bei dem Wunsch, seiner politischen Berufung zu folgen, schlicht daran orientierte, welche Partei ihm aufgrund seiner Herkunft und seines Geburtslandes mutmaßlich die besten Chancen offerierte. So, und beileibe nicht aufgrund innerer Überzeugung, landete er bei der SPD.

Na bitte – so geht`s doch! Nach irgendwelchen Parteiprogrammen brauchen Sie sich dabei nicht im mindesten zu richten, denn die sind ohnehin völlig austauschbar – zumindest in den wichtigsten Aussagen: Allen geht es „ausschließlich um die Menschen“, Gerechtigkeit,„Wohlstand“, „Bildung“ und – bitte nie vergessen! – „die Zukunft dieses Landes“.

Fazit: Ihr Motiv bestimmt Ihre Vorgehensweise.

Mitmenschlichkeit, persönliche Überzeugung und Integrität dürfen Sie sich allenfalls auf lokaler Ebene leisten. Gehen Ihre Ziele darüber hinaus, müssen Sie lernen, mit den Wölfen zu heulen und auf eigene Befindlichkeiten ebenso wenig Rücksicht nehmen, wie auf diejenigen, die ohnehin nur als dröge, inkompetente Masse unter uns weilen.

II.  Formen Sie Ihr Image

Lösen Sie sich zu allererst (und so schnell Sie können) von der Vorstellung, für den politischen Weg nach ganz oben käme es auf Fachwissen an; nichts benötigt ein Politiker weniger.

Dafür gibt es Redenschreiber, Einflüsterer und willige Lakaien auf allen Ebenen der Politik und in der Partei, außerdem – sofern das Lesen Sie nicht überanstrengt – Wikipedia und Google. Die liefern Ihnen das unbedingt notwendige Hintergrundwissen, und mit mehr sollten Sie weder Ihre Parteikollegen mißmutig stimmen, noch den potentiellen Wähler vergraulen und nerven. Ein, zwei fachkundig klingende Sentenzen – geschickt variiert – genügen völlig. Das genügt, um in Fachausschüsse zu kommen, in den Medien als ‚Experte’ zu gelten und in Talkshows herumgereicht zu werden.

Natürlich wäre es probat, wenn Sie wenigstens einen abgeschlossenen Beruf, vielleicht sogar ein Diplom besäßen – Doktortitel oder gar eine Professur sind schon wieder verdächtig und sogar hinderlich; man unterstellt Ihnen dann unbotmäßige Intellektualität und eine volksferne Überheblichkeit. Zudem legen Sie sich damit fachlich fest und kommen aus dieser Schiene mutmaßlich auch nicht mehr heraus. Ihre Karriere ist dann beim Ministerposten für Kultus und Wissenschaft, dem Post- und Fernmeldewesen oder für Technik zu Ende. Allenfalls können Sie Landwirtschafts- oder Bildungsminister werden – das war`s dann.

Aber wirklich wichtig ist eine Berufsausbildung nicht –mehr als ein Drittel der Bundestagsmitglieder hat auch keine. Und Minister können Sie auch als Dachdecker, Müllermeister oder Berufsloser werden.

Was verstand Müllermeister Glos denn von Wirtschaft, Frau Künast von Ackerbau und Viehzucht, Tritt(h)in von Umweltschutz, beide Schmidts vom Gesundheitswesen – soll ich endlos fortfahren – als sie ihre Ämter besetzten? Übernehmen Sie einfach jeden Posten, den Sie krallen können; die Arbeit und das nötige Fachwissen überlassen Sie einfach Anderen. Und das Wichtigste lernen Sie dann in den nächsten vier Jahren schon.

Nein, Sie müssen omnipotent und multifunktional erscheinen – ein Politiker für jedermann, ein „Mensch wie Du und ich“.

Natürlich sollten Sie es dann auch nicht übertreiben. Ein Image vom Schlage eines immer schmuddelig wirkenden Kurt Beck oder eines pausbäckigen Sigmar Gabriel oder eines Zausel aus dem Riesengebirge wie Wolfgang Thierse paßt allenfalls in die Zeiten einer Wiedervereinigung – da wurde alles aus dem Osten genommen, was sich entsprechend anschleimte und das Fähnchen flugs und bedenkenlos zu drehen verstand.

Auch das allzu drastische Hervorkehren des unbedarften, ein wenig trottelig wirkenden Biedermanns (à la Scharping) bringt gar nichts.

Fett und massiv übergewichtig dürfen Sie erst im Amt werden (siehe Helmut Kohl, Joschka Fischer sowie die schon erwähnten Beck und Gabriel).

Und auch mit einer zu heimatverwurzelten Provinzbackigkeit à la Erwin Huber, dem so verzweifelt mit jenseits Aschaffenburg verständlichem Deutsch kämpfenden Bayern, oder eines Günther Oettinger, der allenfalls in Schwaben noch halbwegs verständliche Sätze herunterbricht, ist auf höherem politischen Parkett kein Blumentopf zu gewinnen.

Andererseits dürfen Sie auch nicht zu intellektuell rüberkommen, sonst ergeht es Ihnen wie Friedrich Merz, dessen Sachverstand zwar der CDU Hunderttausende an Stimmen brachte, der aber seine Chefs – erst Kohl dann Merkel – intellektuell um Lichtjahre überragte und deshalb auf Eis gelegt und, als er sich damit nicht abfinden wollte, kaltgestellt wurde.

Nein, Sie müssen zum Image-Chamäleon werden: hemdsärmelig und jovial, gleichzeitig aber auch Vertrauen heischend seriös; Ihnen muß Volkes Sprache genauso locker von der Lippe kommen, wie Sie würdevoll getragene Sätze von historischer Größe fehlerfrei herunterzubeten lernen müssen.

Wer dieses schwierige Metier geradezu vorbildlich beherrschte, war z.B. Norbert Blüm; mit seriösester Ernsthaftigkeit bot er uns die Lügen von den ‚gesicherten Renten’ dar, während er sich in Talkshows, Ratesendungen und Karnevalssitzungen bereitwillig zum Affen machte. Von ähnlichem Kaliber sind Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und Joschka Fischer. Letzterer ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, wie man mit absolutem Null-Wissen, aber der Geschmeidigkeit einer überfressenen Python ganz nach oben kommt. Übertreibt man es jedoch – siehe Beck, Scharping, Gabriel, Huber, Blüm oder Günther Krause in eine Richtung – zu jovial oder arrogant –, läßt einen irgendwann sogar der wohlmeinendste Ziehvater, in dessen Darm man behende gekrochen ist, zum ungelegensten Zeitpunkt fallen.

Geradezu meisterlich verstand diese Kunst Angela Merkel, die vor dem Fall der Mauer – dank ihrer Beziehungen und mithilfe der Stelle ihres sakralen Papas – bereits Washington und Moskau ebenso kennenlernen durfte wie Kiew und andere Bruderstaaten. Sie gerierte sich vor dem 9. November 1989 als eifrige SED-Politagitatorin, um nach dem „Fall der Mauer“ genauso problemlos auf Kapitalismus und das Pferd CDU zu setzen und dafür zu sorgen, daß sie Helmut Kohl in angenehmster Weise auffiel. Letzterer trainierte sie dann im parteiinternen Intrigen-Nahkampf – nichtsahnend, daß sie ihm dann – kaum daß sie sich des Herrn Schröder entledigt hatte – in den Rücken fallen und ihm sogar die Unterstützung für die Nominierung zum Friedensnobelpreis versagen würde.

Fazit: Auch wenn Ihnen die BürgerInnen und ihre Träume, Ziele, Wünsche und Befindlichkeiten an sich völlig egal sind, so ist es elementar, sich dem Volk, also dem Wahlpöbel, in entsprechendem Licht zu zeigen.

Wenn Sie wirklich ganz nach oben wollen, müssen Sie für jeden Bürger – von Flensburg bis Garmisch und von Selb bis Remagen – ein höchst menschliches Motiv bieten, irgendetwas an Ihnen muß man gut und positiv finden.

Sie müssen lernen, mithilfe Ihrer Flüsterkomparsen und kluger Redenschreiber (die sind ohnehin das Wichtigste auf Ihrem Weg nach oben!) vor jedem Auditorium und in jedem Landkreis den lokalen Nerv zu treffen. In einer bayerischen Bierhöhle müssen Sie die Maß genauso gekonnt zu stemmen wissen, wie in Frankfurt ein Bembel zum guten Ton gehört. Lernen Sie, in Berlin eine noch so eklige Portion Eisbein gekonnt herunterzuwürgen, wie Sie in Stuttgart Kässpatzen zu genießen wissen sollten.

Schauen Sie – ganz im Sinne Luthers‚dem Volk aufs Maul’ und solidarisieren Sie sich – auf Gedeih und Verderb und jenseits Ihrer ehrlichen Befindlichkeit – mit Allen und Jedem, egal auf welchem Niveau und in welcher Umgebung auch immer.

III.  Die Medien

Mit den Medien teilen Sie eine ganze Menge: Sie wie jene sind „Huren der Öffentlichkeit“ und deren (fehlender) Meinung.

Dementsprechend wichtig ist, daß Sie sich von Ihren Zuflüsterern vor jedem Kontakt mit den sendenden oder schreibenden Medien dahingehend briefen lassen, wer Ihnen gerade gegenübersteht/sitzt. Alle Medienvertreter – insbesonders die der sendenden – haben ihre spezifische Eitelkeit, ihren Dollpunkt; diesen gilt es zu kennen und jeweils anzurühren.

Sie müssen lernen, mit dem Moderator eines Politmagazins anders zu sprechen als mit einem Nachrichtensprecher, der in der Hierarchie seines Senders schon so weit reüssiert ist, daß er selbständig Interviews mit Prominenten – und dazu wollen Sie ja bereits gehören – führen darf.

Gefährlich ist es, ohne Kenntnis des Redakteurs, Moderators oder Interviewers in ein Gespräch zu gehen. Am besten werden die Fragen bereits vorab eingefordert.

Medienvertreter wandern zumeist auf sehr dünnem Eis – hinter ihnen stehen Intendanten, Chefredakteure und Verlagsleiter –, und jeder Medienvertreter weiß, wie schnell er von Pressekonferenzen ausgeschlossen oder seines Postens enthoben wird, wenn es zu einem Eklat kommt. Medienvertreter und Politiker gehen also eine Art „Spiel“ ein; auf der einen Seite muß der Medienvertreter einigermaßen intelligente Fragen stellen, die den Eindruck erwecken, er fühle ihnen „auf den Zahn“, andererseits weiß er, daß er es sich mit Ihnen auch nicht verderben darf. Er braucht Sie für seine Karriere wie Sie ihn!

Besondere Beachtung verdienen Talkshows. Gestehen Sie dem Medienfuzzi zu, daß er selbst auch einmal punkten muß, er Sie also scheinbar in die Ecke drängen darf. Zum anderen: Sind Sie nicht der einzige Gast in der Talkshow, dann ist es geradezu Pflicht des Moderators, beide (oder weitere) Kontrahenten jeweils Pluspunkte sammeln zu lassen, aber auch Abstriche machen zu sehen. Keine Sorge: Der Moderator hat klare Anweisungen, wann er wem auch einmal Brücken bauen muß, um die viel beschworene ‚Ausgeglichenheit’, ‚mediale Fairneß’ und ‚journalistische Unabhängigkeit’ (zumindest nach außen) zu wahren.

Gewonnen haben Sie, wenn Sie in eine Gesprächsrunde eingeladen werden, bei der ein Kontrahent schon im vorhinein als ‚Opfer’ ausgewählt wurde – z.B. der Vertreter einer extremistischen Partei oder ein ansonsten bereits öffentlich geschaßter Kandidat. Über den dürfen Sie dann in all Ihrer Brillianz genüßlich herfallen, wobei Sie sich – vorher bitte genau absprechen! – der wohlwollenden Zustimmung des Medienvertreters gewiß sein dürfen.

Deshalb ist es so wichtig, sich maßgebende Vertreter der Medien regelrecht zu Freunden zu machen.

Grundsätzlich sollten Sie zu allem, was den Durchschnittsbürger und die öffentliche Meinung so vehement bewegt, eine klare Meinung haben. Das muß nicht Ihre eigene sein. Vielmehr gilt es, feinfühlig und höchst subtil die Meinung der Mehrheit – sowohl Ihrer Partei als auch des gemeinen Volkes wiederzugeben.

Überhaupt sollten Sie sich abgewöhnen, zu irgendeinem Thema eine eigene Meinung zu entwickeln; das belastet nur Sie selbst und die Reste Ihres Gewissens. Noch viel wichtiger ist jedoch, daß Sie von einer allzu vehement geäußerten eigenen Überzeugung nicht mehr loskommen und damit dem politischen Gegner – parteiintern, aber auch aus dem gegnerischen Lager – eine Achillesferse bieten, in die irgendwann irgendwer bösartigerweise stechen wird.

Nein, zur idealen und jederzeit einsetzbaren Allzweckwaffe werden Sie nur ohne eigene Meinung. Achten Sie allenfalls darauf, daß – dies gilt bei öffentlichen Reden – nicht ein und derselbe Zuhörer in zwei verschiedenen Versammlungen sitzt und sich wundert, wenn Sie dem gestern Gesagten heute diametral widersprechen.

Machen Sie es wie Frau Merkel: Bleiben Sie flexibel wie eine Fahne im Wind; lassen Sie sich auf keinen endgültigen Standpunkt ein und bekunden Sie in jeder Rede immer auch ein gerüttelt Maß an Verständnis für die jeweils andere Meinung.

Speziell im Umgang mit den Medien und bei öffentlichen Auftritten ist es wichtig, ein möglichst umfassendes Arsenal von jederzeit verwendbaren, beim Gros der Bevölkerung auch einigermaßen gut ankommenden Schlagworten zu verwenden.

Dazu kommen wir später noch ausführlich. Selbst ausländische Begriffe oder sogar mitunter ein lateinisches oder griechisches Zitat machen sich dabei ganz prima, nur müssen Sie dieses natürlich dann auch gleich mit-übersetzen, um keinem Ihrer Zuhörer das Gefühl zu geben, er sei so dumm, wie er tatsächlich ist.

Und hier sind wir bei der Bedeutung Ihres Redenschreibers: Er ist der wichtigste Partner in Ihrem Team, und zu ihm müssen Sie eine höchst vertrauensvolle, beinahe intime Beziehung aufbauen. Er ist Ihr Mund, Ihr Gehirn, Ihr Alter Ego’.

Glauben Sie tatsächlich, Kohl und Westerwelle, Köhler und Merkel brächten auch nur einen einigermaßen vernünftigen, eventuell sogar aussagekräftigen Satz alleine zu Papier?

Nein, hofieren Sie Ihre(n) Redenschreiber(in) nach allen Regeln der Kunst, dann wird er/sie Sie auf rhetorischen Flügeln geradewegs in den politischen Olymp führen.

Diese(r) Redenschreiber(in) sollte gute journalistische Kontakte zu allen maßgebenden Rundfunk-, Fernsehanstalten und Redaktionen der wichtigsten Medien unterhalten. Damit ist auch sichergestellt, daß Sie tagtäglich zitiert oder zumindest über Sie berichtet wird. Mit gezielten „Indiskretionen“ können Sie sich medial omnipräsent den Wählern ins Hirn brennen. Wenn Sie wirklich ganz nach oben wollen, darf es keinen Tag geben, an dem nicht über Sie berichtet, von Ihnen gesprochen, Sie nicht erwähnt werden.

Fazit: Politiker und Medien sind „Huren der öffentlichen Meinung“ und haben sich entsprechend zu zeigen, zu äußern und zu geben!

Verbinden, ja verbrüdern Sie sich mit ihnen. Sprechen Sie ihre Sprache. Stellen Sie sich ruhig ein wenig naiv (Medienprofis schätzen das) und lassen Sie sich telegen inszenieren und medial formen.

IV.  Beziehungen

Damit sind wir bei einem ganz wichtigen Thema. Wohlgemerkt: Es geht nicht um ethisch wertvolle Menschen und menschliche Wärme, sondern schlicht und ergreifend um einen „Kuhhandel“: Überlegen Sie, welchem Prominenten und welcher Schlüsselbranche Sie den wertvollsten Dienst erweisen können, dann wird Ihnen Ihr Beziehungspartner seinerseits entsprechend Steigbügeldienste zu erweisen bereit sein.

Die wichtigsten Branchen in einer hoch entwickelten Volkswirtschaft wie der unseren sind neben den Medien die Pharmaindustrie, Banken und Versicherungen, das Militärwesen, Transport und Verkehr, die verarbeitende sowie die Autoindustrie. Aber auch die Energiewirtschaft, Nachrichtentechnik und das Bauwesen sind von größter Bedeutung.

Alle diese Schlüsselbranchen zeichnen sich nachgerade dadurch aus, daß sie – übrigens bereits seit Jahrzehnten, und nicht erst seit der Globalisierung – international aufgestellt sind. Genau das aber müssen sie – parteiintern wie auch gegenüber dem tumben Volk – ausstrahlen: internationale Bedeutsamkeit und Größe.

Geradezu genial exerziert auch dies unsere derzeitige Kanzlerin. So harmlos, bieder und pummelig-ungefährlich sie erscheinen mag, so zielsicher verstand sie es – ehedem hinter der Mauer, nunmehr beim früheren Klassenfeind – sich ganz behende denen auf den Schoß zu setzen, die in der breiten Öffentlichkeit den Ton angeben, und dies im wahrsten Sinne des Wortes.

Kaum jemand weiß zum Beispiel, daß sie sich zum regelmäßigen Plausch (bösartige Lästermäuler sprechen von „Kaffeekränzchen“) mit den beiden wichtigsten Frauen der deutschen Medienwelt trifft, Liz Mohn (der Chefin von Bertelsmann, dem mächtigsten Medienkonzern Europas) und Frieda Springer (Chefin des Springer-Verlags, dem die auflagenstärksten Tages- und Wochenzeitungen Deutschlands angehören).

Merken Sie etwas? Neben den Öffentlich-(Un)rechtlichen (ARD, ZDF, 3Sat und den Regionalsendern) werden auch RTL, n-tv sowie BILD, WELT, WELT am Sonntag, BILD am Sonntag und Hunderte anderer lokaler Postillen nie müde, unser aller Kanzlerin in liebevollster Weise medial in Szene zu setzen.

Und gegen diese Meisterin der Anpassung will ein schmuddelig unrasierter plumper Beck als Kanzlerkandidat antreten? Ein echter Treppenwitz!

Schröder galt als Autokanzler und eitler Popanz – aufgeblasen, mit dicken Zigarren und teuren Brioni-Anzügen. Aber in Angela fand er bei weitem seine Meisterin.

Aber auch die Pharma-Industrie, die Kernkraft-Lobby, Banken, Versicherungen, Bausparkassen, Finanz- und Strukturvertriebe, die sich ungestraft vollmundig „Vermögensberatungsgesellschaften“ nennen, bieten –natürlich nach Ihrer politischen Topkarriere – genügend wohldotierte Posten in Aufsichts- und Beiräten an – vorausgesetzt, Sie zeigen sich während Ihrer Amtszeit genügend willig und „partnerschaftlich“. So verband z.B. den ehemaligen Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann und den Chef der größten „Vermögensberatungsgesellschaft“ Europas, Reinfried Pohl, eine jahrzehntelange innige Freundschaft. Wen wundert`s, daß Wallmann Pohl bei Kontakten zu Kohl – Sie erinnern sich an den Drei-Zentner-Kanzler? – hilfreiche Kontakte zu knüpfen half. Dafür wechselte dieser später in den Beirat der DVAG. Für Pohl sprang dafür sogar der Titel eines Professors heraus. AWD-Chef Maschmeyer zählte Herrn em>Schröder zu seinen „persönlichen Freunden“, auch wenn ihm dies nie half, das Niveau zu erreichen, was er sich so innig erträumte. Dafür war Schröders Verbindung zu den Familien Porsche und Piëch umso erfolgreicher – für beide Seiten. Oder denken Sie an Kohls hervorragende Beziehung zu Leo Kirch, bis dieser über seine eigene Eitelkeit stolperte und im öffentlichen Nirwana versank. Mehr Bauernschläue bewies Schröder mit seinen guten Beziehungen zu Putin (den er ja als „lupenreinen Demokraten“ titulierte und der westlichen Politik anpries). Joschka Fischer mümmelte sich lieber auf Madeline Albrights Schoß, was ihm – wohlgemerkt: ohne Hauptschulabschluß – sogar eine Professur an einer renommierten US-Universität einbrachte.

Sie sehen schon: So werden Beziehungen zu wertvollen Katapulten ins Rampenlicht und auf den Asgard internationaler Bedeutung und Größe.

Es gilt also, ein feines Gespür dafür zu entwickeln, in welcher Branche und im Kreise welcher Prominenter Sie sich breitmachen. Dabei geht es nicht um menschliche Werte, sondern ausschließlich um den Nutzen, den Ihnen diese Zugehörigkeit zur „Crème de la Pudding“ einbringt.

In Bayern gibt es den schönen Spruch: „Du muaßt a Sau sein!“ So unfein und derb dies klingen mag – es stimmt.

Legen Sie also alle menschlichen und intellektuellen Skrupel ab; der Zweck heiligt die Mittel, und nur wenn Sie lernen, mit „den Wölfen zu heulen“, schaffen Sie es ganz nach oben.

Probate Eingangspforten bilden Beziehungen, durch die Sie z.B. Mitglied der ‚Atlantikbrücke’ werden, aber auch Einladungen zur ‚Bilderberger Konferenz’ oder eine Mitgliedschaft im ‚Club of Rome’ (na ja, der ist schon etwas verstaubt) oder als Gastredner bei einem Treffen der ‚Trilateralen Kommission’ oder des ‚Council on Foreign Relations’ machen sich wunderbar; dort treffen Sie die wirklich Mächtigen, die Meinungsmacher unserer Zeit, die Gestalter der ‚New World Order’. Dort werden die wirklich bedeutenden Karrieren ausgerufen, dort sitzen Sie am ‚Nabel der Welt’, denn hinter diesen Organisationen stecken die reichsten und mächtigsten Familien auf diesem Planeten, und sie bestimmen, wer in welchem Land die absoluten Spitzenpositionen einnimmt. Ohne sie läuft gar nichts, also haben Sie zu lernen, in deren Tonart zu pfeifen und deren Lieder – manchmal dezent, bisweilen auch lauthals – zu singen.

Gerade die jüngsten Treffen der politischen „Eliten“ (Heiligendamm, Evians, Lissabon) im Kreise der G8 lieferten ein Paradebeispiel dafür, von welchem Schlage man sein muß, um sein Land entsprechend bedeutungsschwanger zu vertreten: Merkel, Sarkozy, Bush, etc. – ein Catwalk schreiender Eitelkeit, prall gefüllt mit völlig nichtssagenden Floskeln, begleitet von hochoffiziellem Tamtam (gestellt vom Musikchor der jeweiligen Armee), umwieselt von Hunderten sensationsgeiler Reporter, garniert mit Showstars und hermetisch abgeschirmt von ein paar Dutzend Protestierern.
Sicherheitsstufe 1 für die mutmaßlich nutzlosesten Zweibeiner, die dieser Planet derzeit zu bieten hat.

Ganz wichtig ist aber auch, daß Sie den Organisationen, die sich dem Volk als besonders benevolent und menschlich zeigen, größte Aufmerksamkeit widmen und ihnen ein stets offenes Ohr bieten. Ob ‚UNICEF’ oder ‚Brot für die Welt’, ‚Welthungerhilfe’ oder ‚Weltklimarat’ – auch dies muß zu Ihrem Image in der Öffentlichkeit gehören, auch wenn Sie von den wirklichen Zusammenhängen nicht die geringste Ahnung haben. Hier gilt es, getragen und ernsthaft, der Bedeutung des Augenblicks vollends bewußt, so häufig wie möglich von „internationaler Verantwortung“, „tiefer Verbundenheit“ und „menschlichen Werten“ zu schwafeln.

Lassen Sie sich medial vereinnahmen und umarmen, wo immer sich Ihnen hierzu die Gelegenheit bietet. Sie treffen dort die Prominenten aller Couleur aus Wirtschaft, Sport und Medien. Nichts darf Ihnen zu blöde, unangenehm oder albern sein, denn hier gilt es, öffentlich Präsenz, innerliche Betroffenheit und staatstragende Größe zu zeigen.

Und genau hier kommen Ihre intimsten Karrierebegleiter – Redenschreiber, Berater und Einflüsterer, Medien- und Öffentlichkeitsberater – so richtig zum Zuge. Sie müssen Ihnen als Coaches zur Seite stehen, Ihnen Tricks und Kniffe zeigen, Sie so richtig in Szene setzen. Highlights Ihrer Karriere sind dann z.B. Audienzen beim Papst, Auftritte vor gekrönten Herrschern (solange es die noch gibt) oder ein Kniefall zur rechten Zeit (denken Sie an Willi Brandt).

Kommen Sie bloß nicht auf die Idee, sich dabei albern oder künstlich vorzukommen. Nein, genau das will die Öffentlichkeit sehen, und Sie müssen inszeniert und öffentlichkeits-wirksam aufgebaut und vermarktet werden.

Sie haben es erraten: Ihre Karriere besteht zumeist darin, sich als Puppe instrumentalisieren und als Marionette benützen zu lassen. Nun, das ist der Preis, den Sie zu zahlen haben.

Aber denken Sie daran, welch üppiger Lohn Sie dafür erwartet; Sie werden Ihrer kümmerlichen Unbedeutsamkeit enthoben, stehen plötzlich wie Cinderella im Märchen im Rampenlicht der Medien und der Öffentlichkeit. Man bewundert und verehrt Sie – zumindest für ein paar Wochen, Monate und Jahre.

Und bei Licht betrachtet: Wo können Sie mit weniger Qualifikation und weniger wirklicher Leistung auch nur annähernd so bedeutend werden, Einkommen in einem Maße erzielen, wie Sie es mit redlicher Arbeit niemals könnten?

Fazit: Gute Beziehungen sind das A und O für eine politische Karriere. Der dafür notwendige Einsatz ist eben nun mal Ihre Verformung zu einer transpersonellen Kunstfigur. Und das muß es Ihnen schon wert sein.

Also: Ab ins Trainingslager. Lassen Sie sich unter Hintanstellung aller Skrupel zu eben dieser Kunstfigur formen, die Ihre Partei ebenso sehnsüchtig sucht, wie die Massen der Wähler und die auflagen- und quotengeilen Medien. Nur so erringt man ohne wirkliche Leistung öffentliche Anerkennung. Nur so erzwingt man den Weg in die Geschichtsbücher.

V. Ihre Rhetorik

Zu jeder politischen Spitzenkarriere gehört selbstverständlich auch Ihr personelles Auftreten.

Natürlich geht es dabei auch um Ihre Physiognomie, aber dafür gibt es entsprechende Stilisten. Selbst figurelle Makel kann man – bis zu einem gewissen Grad – gut vermarkten. Und auch Ihre Mimik und Gestik sollten Sie unter fachkundiger Anleitung sorgfältig trainieren.

Das Wichtigste ist jedoch Ihre Rhetorik.

Wir sprachen schon darüber, daß Sie für jedes Publikum und jeden Anlaß die entsprechende Tonlage und Sprache einüben müssen. So empfiehlt sich beispielsweise nicht, bei den Weltmeisterschaften im Frikadellen-Weitwurf oder der örtlichen Zuchtbullenschau über die Köpfe der Anwesenden hinwegzureden und allzu intellektuell aufzutreten. Nein, hier ist eine gewisse hemdsärmelige Jovialität gefragt.

Beim Umgang mit gekrönten Häuptern oder zur Eröffnung einer internationalen Ausstellung hingegen gilt es, entsprechend würdevoll aufzutreten und tragende Sätze abzusondern, die den anwesenden Ehrengästen ein anerkennendes Mundwinkelzucken abnötigen müssen.

All dies gilt es entsprechend zu trainieren – es muß ja echt aussehen und den Eindruck vermitteln, Sie meinten tatsächlich, was Sie da von sich geben.

Flechten Sie in solchen Momenten in jedem Fall bestimmte Sätze ein, die just zu diesem Anlaß unbedingt gesagt werden müssen, denn wenn Sie es nicht tun, tut es ein Anderer, mutmaßlich Ihr politischer Gegner.

Die Kunst der politischen Rhetorik besteht vor allem darin, selbst hohle, geradezu banale Sätze völlig allgemeinen Inhalts mimisch und gestisch so gekonnt (und der Situation angemessen) der an Ihren Lippen hängenden Masse anzubieten, daß der nichtssagende Inhalt ins geradezu Unermeßliche erhöht wird und Sie dafür medial geadelt werden.

Ich biete Ihnen dafür im Anhang einige Floskeln an, die Sie sicherlich rasch internalisieren und auswendig lernen werden. An Gestik und Mimik müssen Sie dann eben mit Ihrem Öffentlichkeitsberater arbeiten, denn bloß immer rhythmisch das (oder die) Pfötchen – zur Faust geballt wie Steinbrück, Fräulein Roth, Merkel oder Erwin, der Bayer – zu schwingen, ist lächerlich.

Ihre Rhetorik, zu der auch Mimik und Gestik im Sinne eines „Gesamtkunstwerks“ gehören, ist Ihre politische Visitenkarte. Sie wollen doch nicht wie dereinst Wilhelm Lübke, der Komiker unter den bundesdeutschen Präsidenten der Nachkriegszeit, in Erinnerung bleiben, oder sich auf dem rhetorischen Niveau eines George W. Bush bewegen, nicht wahr?

Sollen Ihre Wähler fassungslos die Hände zusammenschlagen, wie dereinst die Österreicher über Herrn Sinowatz oder die Polen über ihre politischen Fettaugen, die Kaczynski-Zwillinge, oder sich schämen wie die Russen ob der Entgleisungen ihres debilen Alkoholikers Jelzin

Nein, Sie stehen für Millionen von Menschen, die – im Gegensatz zu Ihnen – niemals den Mut hätten, ihre eigene Unfähigkeit derart unverfroren zur Schau zu stellen.

Sie verkörpern den Mangel an ehrlichem Engagement, den Millionen Ihrer Wähler als tägliche Belastung ihres eigenen Lebens, als Komplex ihrer Unbedeutsamkeit durchs Leben schleppen.

Fazit: Werden Sie sich der fiktiven Größe bewußt, zu der Sie sich – tapfer fremdbestimmt und mutig-inkompetent – haben hochstilisieren lassen.

Zeigen Sie der Welt, wohin entschlossene Machtgier und wollüstig ausgelebte Hybris einen Menschen zu führen vermögen. Werden Sie zum interglobalen und intermedialen Kunstgeschöpf, in dessen Schatten Batman und Superman, Spider-Man und Hulk ebenso verblassen wie die klassischen Heroen Herakles und Jason.

Mag man Sie der Eitelkeit, ja sogar der Schizophrenie zeihen – all dies darf Sie auf Ihrem Weg nach ganz oben weder menschlich berühren, noch abschrecken. Dies sind von Neid getragene Auswüchse minderwertigen Denkens und Empfindens.

In der heutigen Spitzenpolitik haben Ethik und ehrliche Menschlichkeit nichts mehr verloren. Was zählt, ist die jeweils gültige Moral der politischen Korrektheit, und die gilt es nach außen zu tragen und als eigene Haltung zu verkörpern.

Nun aber noch schnell zum Katalog der Floskeln und nichtssagenden Worthülsen, die Sie möglichst behende und geschickt in jede Ihrer Reden einbauen sollten.

Sollte Sie dies überfordern, machen Sie es einfach wie ehedem in der Schule: Schreiben Sie sich einen Spickzettel und befestigen Sie diesen an einem Gummiband, das Sie in Ihrem Ärmel jederzeit „unsichtbar“ werden lassen können.

VI.  Tragende Sätze für politische Führer

Vorweg: Die mimische und gestische Begleitung steht jeweils in Klammern dahinter. Bringen Sie da nichts durcheinander, sonst entlarven Sie sich ganz schnell als komische Witzfigur.

Anmerkung 2: Wenn Sie die nachfolgenden Sätze bravourös beherrschen und gänzlich verinnerlicht haben, können Sie diese sogar variieren. Üben Sie Gestik und Mimik vor dem Spiegel und unter Anleitung Ihres Medienberaters ein. Dessen müssen Sie sich nicht schämen; von Hitler und Goebbels, Jacques Chirac und Helmut Kohl, Winston Churchill und Herrn Sarkozy ist das sogar biografisch überliefert.

  1. „Wir müssen uns der Verantwortung bewußt werden, daß …“ (ernst, mit beschwörendem Timbre in der Stimme und relativ gestenarm, maximal von einer offenen Hand begleitet)
  2. „Wir dürfen keinesfalls zulassen, daß …“ (von leichter Empörung getragen; Kinn etwas nach vorne recken, entschlossen, keinen
    Widerspruch duldend).
  3. „Immerhin waren wir es, die schon immer darauf bestanden haben, daß …“ (selbstsicher,
    leicht triumphierend, mit beiden Händen das Volk liebevoll umfassend)
  4. „Es kann doch nicht angehen, daß immer nur …“ (deutliche Vorwurfshaltung einnehmen; einen Fuß nach vorne setzen – Kampfbereitschaft symbolisieren, das Gesicht leicht verfinstert, Faust ballen)
  5. „Wo kämen wir denn hin, wenn …“ um Zustimmung buhlend; leicht verächtliche Handbewegung – bitte mit   links!)
  6. „Wir alle müssen doch …“ (weit ausholend, alle Anwesenden einladend, minimales Lächeln andeutend)
  7. „Wir hatten bereits damals immer wieder betont, daß …“(Triumph in die Stimme legen; hier geht`s um die Ausgrenzung der Opposition und aller Andersdenkenden).
  8. „Sie können sich darauf verlassen, daß wir immer …“ (feste Stimme, Hände entschlossen zur Faust geballt, leicht drohender Unterton – in Richtung der Opposition)
  9. „Und wenn die Opposition meint, daß wir uns etwa dafür hergeben, …“ (scharfer Unterton, Oberkörper leicht nach vorne gebeugt – wilde   Entschlossenheit demonstrieren)
  10. „Ich appelliere an die Vernunft und den guten Willen …“ (versöhnlich, aber eindeutig,
    Hände breit aus- und einladend wie der Papst, lächeln – nicht lauthals loslachen!)

Möglichst oft sollten Sie in Ihren Reden folgende Vokabeln bejahend, positiv und emphatisch zugewandt einbauen:

„die Menschen (in unserem Lande)“, „Kinder“, „die Hilflosen“, „unsere Mitmenschen“, „Natur“, „Umwelt“, „Zukunft“, „künftige Generationen“, „verantwortlich“, „moralisch“ (wechselnd mit „ethisch“ – die allermeisten Zuhörer kennen den Unterschied genauso wenig wie Sie selbst), „humanistisch“ (nicht zu oft – kann schon zu intellektuell wirken), „sozial“ (als linker Politiker können Sie auch „sozialistisch“ verwenden – auch den Unterschied kennen die allerwenigsten Ihrer Zuhörer), „menschlich“, „Hilfe“, „bestmöglich“, „Wunsch“, „Ziel“, „Freiheit“ und „Gerechtigkeit“.

Vermeiden sollten Sie auf jeden Fall:

„immer“, „nie“, „Jeder“, „alle“ – diese Vokabeln bieten dem politischen Gegner ein Einfallstor für noch so kleine Minderheiten. Außerdem legen Sie sich dann – Gift für jeden Politiker – eindeutig fest. Politiker müssen immer schön flexibel bleiben, und nicht vergessen: Eine eigene Meinung dürfen Sie als Politiker ohnehin nicht haben!

Folgende Vokabeln sollten Sie immer in einen Zusammenhang mit Ihren politischen Gegnern stellen: „ausgrenzen“, „Gegner“, „Feind(e)“, „Unsinn“, „Hirngespinst“ – Sie merken schon, negative Begrifflichkeiten schieben Sie am besten immer in Richtung Opposition; da sind sie besser aufgehoben. Sie stehen für „Ordnung“, „Berechenbarkeit“, „Zuverlässigkeit“, „Anstand“, „Ehre“ und „Gewissen“.

Na, so schwierig war`s doch gar nicht. Wie ich schon eingangs erwähnte: Als Politiker muß man über keine Talente verfügen. Sie müssen weder durch Intelligenz noch durch jedwedes Fachwissen glänzen; das schreiben Ihnen die Medien zu, wenn Sie mit ihnen kooperieren.

Hie und da die eine oder andere fachliche Bemerkung, da und dort eine statistische Zahl in den Raum geworfen und ansonsten für jeden Zuhörer leichtverständliche Allgemeinplätze – das genügt schon, damit ist das Volk in seinem Glauben an Sie als Lichtgestalt und vertrauenswürdiger Garant für eine gesicherte Zukunft schon bestätigt und zufrieden.

Vergessen Sie nicht: Das Volk denkt einfach und schmiegt sich bereitwillig in Ihre Arme, wenn Sie ihm das vorbeten, was es selbst in seiner edukativ erworbenen Hilflosigkeit nicht zu leisten vermag.

Versprechen Sie ruhig dem Volk den Himmel auf Erden, gaukeln Sie ihm Sicherheit und Zukunftsfähigkeit vor. Um die Kosten dessen, was Sie der Masse – nicht vergessen: Das sind Ihre Wähler! – versprechen, müssen Sie sich nicht groß sorgen; das geht „aufs Haus“, wird also vom Volk bezahlt. Sie müssen es als Politiker nur verteilen.

Eigene Entscheidungsbefugnis hat das Volk sowieso nicht, denn dafür haben die Väter unseres Grundgesetzes hinter jeden Artikel den schlauen Satz gesetzt: „Das Nähere regelt ein Gesetz“. Damit war allen Regierungen seit Konrad Adenauer eine wunderbare Chance geboten, das Grundgesetz nach Belieben umzugestalten und zu verformen (böse Zungen sprechen von brechen), wie es ihnen gerade beliebte.

Den Inhalt der Gesetze, die in der Spitze der Partei beschlossen und dann vom parlamentarischen Fußvolk abgenickt wird, haben Ihre Kollegen im Bundestag ohnehin weder gelesen noch verstanden. Das war auch gar nicht nötig, denn das Volk versteht die Gesetze ebenso wenig, und den Kopf über Durchführungsverordnungen müßten sich die unteren Ebenen in der parlamentarischen Beamtenschaft zerbrechen.

Peinlich ist bisweilen, wenn die Bundesrichter, die ja eigentlich von den Parteien eingesetzt werden, um diesen den Rücken freizuhalten, dann rebellieren und ein Gesetz für verfassungswidrig erklären, wenn es die Politiker gar zu bunt getrieben haben.

Aber auch das kann wieder positiv umgemünzt werden, stellt es doch die „Unabhängigkeit“ der Judikative so trefflich und publikumswirksam unter Beweis.

Und wenn Finanzministern der Duktus der obersten Finanzrichter nicht paßt, beschließen sie einen „Nichtanwendungserlaß“; d.h.: Die Entscheidung des Bundesfinanzhofs geht ins Leere. Soweit zur Unabhängigkeit der „Dritten Gewalt“ in unserem Lande.

Für Sie ist nur wichtig, daß Sie sich als entschlossener Kämpfer für die „Rechte“ Ihrer Wähler zeigen, aber auch als dem Volk innig zugewandt, kompetent und fleißig – auch wenn Sie beides weder sind, noch im Traum daran denken, es jemals zu sein.

Fazit: Je gekonnter und überzeugender Sie lügen, desto ehrlicher erscheinen Sie. Warnen Sie mit entsprechend rohendem Unterton in der Stimme, wenn sich Aufmüpfigkeit breitmacht, wirken Sie aber auch begütigend und milde, wenn Sie entsprechende Zustimmung wittern und Ihnen die Masse sichtlich zugetan ist.

VII. Was Sie als erfolgreicher Politiker unbedingt wissen müssen

 

Keine Sorge, da kommt nicht viel, was Sie sich merken müssen.

Am besten sprechen Sie es sich auf den iPod und hören Sie es ab, wann immer Sie von Ihrem Chauffeur herumkutschiert werden, alleine im Flugzeug sitzen oder nach dem letzten Gastmahl (hoffentlich zu Ihren Ehren!) völlig abgefüllt und entkräftet herumliegen.

  1. Rußland und China liegen im Osten, Indien im Südosten, hingegen die USA und Frankreich im Westen.
  2. Legen Sie sich niemals mit Religionen an. Besonders
    der Katholizismus und alles Jüdische sind gefährliche Tretminen, die Sie
    geschickt umgehen sollten.
  3. Die Erde dreht sich um die Sonne – auch wenn dies die
    Kreationisten in den USA anders sehen –, und sie ist (inzwischen sogar vom
    Vatikan konzidiert)auch keine Scheibe.
  4. Neokons gehören nicht der Spezies der Saurier
    an, auch wenn sie inzwischen zu den größten und mächtigsten Säugetieren auf
    diesem Planeten gehören.
  5. Natürlich ist die drohende CO-Katastrophe ein Riesen-Schwindel, aber solange
    das Volk daran glaubt, und da Al Gore dafür schon den zweiten Nobelpreis
    bekam, sollten Sie Ihr Wissen besser für sich behalten.
  6. In Lateinamerika wird Spanisch und Portugiesisch
    gesprochen, nicht etwa (wie Mr. Bush wähnte) Lateinisch.
  7. Politikern ist straflos gestattet, ‚normal’ und
    ‚natürlich’
    ebenso synonym zu verwenden wie ‚moralisch’ und ‚ethisch’, ‚sozial’ und
    ‚sozialistisch’, ‚praktisch’ und ‚pragmatisch’, ‚Manager’ und ‚Führungskraft’
    (neu-hochdenglisch: ‚Leader’).
  8. Brutto“ bedeutet inklusive Tara (also vor
    Abzug der Steuern), „netto“ beschreibt den Rest, den das Finanzamt dem
    Bürger als Prämie für seine Arbeit beläßt.
  9. „Es allen gut und recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann“, sagt der Dichter, und selbst Sie als Politiker können das nicht.Nein, schielen Sie immer nach der Masse, aber nicht
    nach den Randgruppen.   Wo immer Ihnen Extremisten und Kriminelle, Chaoten und
    Morbide,   Idealisten, Chronisten, Marxisten, Cineasten, Hornisten, Perverse, Sodomisten,
    Rassisten, Extraterrestrische, Terroristen, Asylanten, Sextanten, Flagellanten,
    Schizophrene, Pedanten, Querulanten, Boliden, Pederasten, Mutanten,
    Oktanten, Hydranten, Süffisante, Simulanten, Okkultisten, Quadranten o.ä. –
    Sie sehen, das Heer Ihrer potentiellen Gegner ist beeindruckend – in die
    Quere kommen, schützen Sie Zeitmangel vor und vermeiden Sie, mit diesem
    Abschaum gesehen oder gar fotografiert zu werden. Hier ist schärfster Bushismus
    angesagt, denn diese ‚…isten’, ‚…iden’, ‚…anten’ und ‚…oten’ sind zwar
    zumeist nicht sonderlich intelligent, aber fürchterlich brutal und zu
    allem entschlossene, ideologieverseuchte Verlierer der Gesellschaft. Da muß geschäublet
    werden; je paranoider desto besser. Wie man verheimlicht, kungelt,
    verschiebt und verdunkelt, zynisch verhöhnt und Gegner ausgrenzt, weiß der
    Typ, den viele so respektvoll/-los „Rollstuhl-Göbbels“ nennen,
    (nota bene: als Jurist) am besten. Solche Stellvertreter müssen Sie sich
    suchen – das schirmt Sie ab, und notfalls können Sie ihn als Bauernopfer über
    Bord werfen; ‚Entsorgung von abgenutzten Brennstäben’ heißt das im
    Fachjargon.
  10. Deutschland liegt mitten in Europa. Daneben gibt es
    noch Asien, Australien, zwei Amerikas (beide gehören den USA), Afrika (teilen
    sich USA, Frankreich, England, Südafrika und China) und die Antarktis. Der
    Nordpol ist kein Kontinent und Atlantis auch nicht.

So, das wär`s auch schon. Mehr müssen Sie als Politiker gar nicht wissen. Schwierige Begriffe wie ‚Prozent’ sollten Sie am besten gar nicht verwenden, sonst geht`s Ihnen wie Madame Merkel, die doch bis heute glatt behauptet, die Mehrwertsteuer sei um 3 % erhöht worden. In Wahrheit wurde sie natürlich um 18,75 % erhöht, denn eine Steigerung von 16 auf 19 % bedeutet eine
Anhebung um 3 %-Punkte, und jeder Volksschüler lernt dies unter dem Zauberwort „Dreisatz“ irgendwann in seiner Schulzeit mal kennen. Aber als Politiker sollten Sie sich aus derartigem intellektuellem Gestrüpp einfach möglichst heraushalten.

Fazit: Einfache Leerformeln – das genügt. Belasten Sie weder sich noch das Wahlvolk intellektuell!

Zusammenfassung:

Sie sind nun, nach sorgfältiger Lektüre dieses kleinen Breviers bedenkenlos genug, um auf dem politischen Hochseil zu reüssieren.

Blicken Sie nicht nach unten – ins Jammertal bedeutungsloser Unmündigkeit.

Werden Sie sich der absoluten Einzigartigkeit bewußt, mit der Sie fortan Ihre Wähler beglücken und Ihre Parteifreunde frenetisch applaudieren lassen, und loben Sie sich mit dem täglichen Mantra Ihrer Auserwähltheit.

Sie haben es ganz nach oben geschafft, und Generationen späterer Schüler werden im Geschichtsunterricht Ihren Namen schwärmerisch preisen und Ihre außergewöhnlichen Taten zu würdigen wissen.

Wie Sie es nach oben geschafft haben, welche Leichen Ihren Weg an die Spitze pflastern, danach frägt in 100 Jahren kein Mensch mehr. Seien Sie sich dessen ganz sicher.

Und noch etwas: Für all den Unsinn, den Sie anrühren, können Sie nie zur Verantwortung gezogen werden. Denken Sie an Kohl, Schäuble, Waigel, Bohl und sogar den ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts und späteren Bundespräse Herzog: Zwar durfte der Staat als Ganzes der Staatshehlerei bezichtigt werden (wegen des Handels mit widerrechtlich enteigneten Grundstücken und Betrieben aus früheren SED-Zeiten), die dafür verantwortlichen Politiker hingegen konnten aufgrund ihrer Immunität nie vor Gericht gezerrt werden. Kohl belog – Stichwort: Restitionslüge– das Volk und den Bundestag, flankiert von den Herren Schäuble, Waigel, Bohlund de Maizière und höchstrichterlich begleitet von Herrn Herzog, aber dafür bestraft wurde keiner von ihnen. Kohl verschwieg die Herkunft von Millionen und die Namen der Spender, wofür jeder Andere in Beugehaft genommen worden wäre.

Generationen von Politikern und Regierungen beugten das Grundgesetz beliebig und nach Strich und Faden; dafür wird doch aber kein Politiker juristisch zur Rechenschaft gezogen. Ganz im Gegenteil: Dem Volk wird das Märchen von den „drei Gewalten im Staate“ vorgebetet, in Wahrheit aber werden die obersten Richter nach dem Parteienproporz ausgekungelt, und Staatsanwälte haben in Innen- und Justizministern ihre obersten Dienstherren.

Das schon erwähnte Grundgesetz ist theoretisch das weltweit anerkannteste, in der Praxis ist es jedoch seit Jahrzehnten zur Lachnummer verkommen. Sie wissen ja: Alles (außer einem Schatten) hat zwei Seiten, und mit Worten können Sie alles (außer einer Zitrone) ausdrücken.

Politiker können dem Volk sogar Exkremente als Brotaufstrich verkaufen – unter dem Hinweis, daß an Geschmack und Farbe noch gearbeitet wird.

Nachwort

Die Metamorphose ist nunmehr geglückt; aus einem natürlichen Wesen, wie Sie es ehedem waren, ist nunmehr ein strahlender Held, ein Star auf der politischen Ebene geworden.

Leben Sie diesen Traum, in den Sie sich selbst hineingezaubert haben, nach besten Kräften aus – solange Ihnen diejenigen, die an Ihren Platz, auf Ihren Thron wollen, dies gestatten.

Ehrlich dürfen Sie erst nach dem Ende Ihrer politischen Karriere werden. Das macht sich prima – z.B. auf Vortragstourneen oder in Ihrer Autobiographie (die Sie sich aber besser von einem Ghostwriter schreiben lassen!).

 

Das Gedächtnis des Volkes ist sehr eng begrenzt, und Ihr späteres Wirken als ‚elder states(wo)man’ ist dann der krönende (und gut-dotierte) Abschluß Ihrer einzigartigen Karriere – das Einfallstor ins Buch der Geschichte.

Na, hat doch Spaß gemacht, Sie alter Schaumschläger!

J.-L. Comte

P.S.:

Und ich geh jetzt auf die nächste Toilette, um mich ‚nach bestem Wissen und Gewissen’ zu übergeben.

Auch als Broschüre erhältlich gegen eine Übersendung von 5,-€ inkl. Porto an den PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V.