Der Wandel ist längst im Gange – Ausblick auf 2050

Der Wandel ist längst im Gange – Ausblick auf 2050

– und keinen scheint`s zu interessieren –

Alles Neue ist für uns interessant, sofern es uns und unseren Lebensstandard nicht gefährdet oder – denken Sie an Katastrophen jeglicher Art – weit genug von uns entfernt ist. An fünf Millionen Arbeitslose (nebst 3,5 weiteren Millionen kaschierter Arbeitsloser, die sich in teilweise höchst sinn-fremden „Umschulungs“maßnahmen, vorzeitigem Ruhestand oder von „hilfreichen“ Ärzten attestier-ter Berufsunfähigkeit befinden) haben wir uns längst gewöhnt, und auch daran, daß scheinbar keine Regierung(skoalition) in der Lage ist, hieran etwas zu ändern. Wen`s nicht betrifft, wer noch in Brot und Arbeit steht, nimmt die diesbezüglichen Meldungen allenfalls nebenbei zur Kenntnis, mehr aber auch nicht. Erst wenn am nächsten Morgen sein Arbeitgeber, mutmaßlich ein Konzern, bei dem er sich bis zur Rente sicher wähnte, die Notwendigkeit eines erheblichen Personalabbaus verkündet, sattelt der bislang nicht Betroffene emotional um, ruft nach den Gewerkschaften; schlagartig dringt in sein Bewußtsein, was als latente Gefahr bereits seit Jahren umläuft.

Nie wurden wir intensiver und weitgespannter über alles informiert, was sich zwischen Hammerfest und Kapstadt, Los Angeles und Tokio stündlich, ja minütlich ereignet. Doch die selektive Wahr-nehmung des Einzelnen blendet zielsicher aus, was sich nicht (s.o.) als gefahrenfreie Sensation darstellt. Dabei haben wir alle genügend Zugang zu Informationen, um deutliche Merkmale für eine sich völlig verwandelnde Welt zu erkennen:

  • die Kapital- und Handelsströme verselbständigen sich zunehmend und entziehen sich nationalen Regelungen; dienten Land- und Forstwirtschaft, Produktion und Handel, Dienstleistungen und Know-How, Erbfälle und große Vermögen ehedem noch als Grundlage dafür, daß Staaten Einkünfte und Gewinne entsprechend kreativ besteuern und abschöpfen konnten, um damit zum einen ihren sozialen Aufgaben, zum anderen ihren wahlpolitischen Versprechungen nachkommen zu können, die ihren Machterhalt ermöglichen und sichern sollten, so gehen nun den Politikern mehr und mehr eben diese Mittel aus. Gleichzeitig leiden sie unter akutem Kreativitätsmangel dahingehend, den völlig offensichtlichen Wandlungen kenntnisreich und festen Auges ins Gesicht zu sehen. Stattdessen beharren sie auf ihrer systemisch angestammten Steuerhoheit, negieren die Tatsachen und halten in unbeugsamer Sturheit an angestammtem Denken fest;
  • die von den Politikern so bequem hinters Licht geführten WählerInnen wissen zwar, daß sich Fachkompetenz selten in Parteispitzen verirrt und politische Karrieren Rangierbahnhöfen fachlicher (bisweilen auch menschlicher) Inkompetenz ähneln, gleichwohl schieben sie eben jenen Politikern, Parteien, Gewerkschaften und öffentlich-(un)rechtlichen Institutionen die Verant-wortung für ihre eigene Lebensgestaltung zu – in der durch nichts gerechtfertigten Erwartung, daß diese öffentlich-(un)rechtlichen Parasiten die Probleme zu lösen willens und imstande seien, mit denen sie sich gar nicht erst beschäftigen wollen;
  • verbleibt als dritte Gruppe das immer kleiner werdende Häuflein von Selbständigen und Freiberuflern, die es seit jeher nicht Anderen überlassen wollen, wie sie ihr Leben gestalten, den jeweils aufkommenden Umständen begegnen und ihr Alter finanzieren wollen.

Die wettbewerbsfernsten, autoritätshörigsten und ängstlichsten BürgerInnen machen es sich als Beamte und Angestellte im Öffentlichen Dienst bequem, wieder andere suchen (immer noch) Zuflucht bei großen, internationalen Konzernen, obwohl auch diese längst mehr als die Hälfte ihrer Arbeitsplätze ins produktionsgünstigere Ausland verlagert haben, wo sie außerdem das Gros ihrer Gewinne generieren, diese aber wohlweislich dem steuerlichen Zugriff im Heimatland zu entziehen wissen.

Natürlich pfeifen die Spatzen von den Dächern, daß innerhalb der nächsten 20 Jahre 90 % aller heutigen Arbeitsplätze verschwinden werden, weil die Automatisierung, Roboterisierung und die Internationalisierung es speziell den Firmen und Konzernen der hochentwickelten Industriestaaten verunmöglichen, den „Sozial“appellen der um ihre Pfründe fürchtenden Politiker Folge zu leisten, wenn sie nicht im internationalen Wettbewerb dramatisch zurückfallen wollen, um schließlich entweder übernommen zu werden oder aufgeben zu müssen. Nur ist das Verschieben von Verantwortlichkeiten, die Schuldzuweisung auf den jeweils opportunen Gegner eben ein probates Mittel, um die wirklich Betroffenen zu verwirren und in ihrer zunehmenden Hilflosigkeit erstarren zu lassen.

Die eher einer Farce denn realer, verantwortungsbewußter Politik entsprechende Diskussion um die betriebswirtschaftlich längst insolventen Sozial- und Altersversorgungssysteme; die Charade, die unter dem Begriff Krankenkassen-„Reform“ seit nunmehr 25 Jahren durch dieses Land geistert; die bereits kurz vor der Rente stehende Debatte um die Bildungsreform und sämtliche Steuerreformen“ müßten eigentlich jeden intelligenten Menschen zum Mittäter dabei werden lassen, sämtliche „Volks“parteien wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung vor Gericht zu zerren oder mit Schimpf und Schande aus dem Land zu jagen. Stattdessen üben wir uns in Wahlabstinenz, zucken resigniert mit den Schultern und warten auf Godot – der bekanntlich nie auftauchte.

Seit September 2005 lassen wir uns von einer Koalition „regieren“, die in toto gerade einmal 48 % aller wahlfähigen BürgerInnen repräsentiert – mit einer „Mickey-Mouse“-Opposition, die heute kritisiert, was sie vor weniger als einem Jahr noch vehement selbst vertrat.

Wie sieht denn wohl die Zukunft aus?

[….]