Bitter und schmerzlich – Ein Briefwechsel

Bitter und schmerzlich – Ein Briefwechsel

Bitter und schmerzlich, aber leider zutreffend!
Aufwachen! Nachdenken!

Sonst will’s wieder keiner gewesen sein, niemand davon gewußt haben …

Link zur Website von KenFM

Lieber Herr Graf!
Vielen Dank für diesen Link hier unten.
Ich habe ihn mit angesehen (ca. 30 Minuten).
Er hat mich so berührt, dass ich danach für meine Frau 10 Jahre gealtert ausgesehen habe. Und meine Stimmung war für ca. 2 Stunden dahin.
(Obwohl mir ja keiner seiner Gedanken fremd war)
Den Link hatte ich weitergeschickt und heute zufällig einen Empfäger beim Spaziergang getroffen. Auch ihm ist der Film nicht gut bekommen.
Jetzt meine Frage an Sie:
Wie bleiben wir informiert, ohne darunter zu leiden.
Was können wir selber tun, um im Sinne der Menschlichkeit zu wirken.
Was kann man gegen die allgemeine Hysterie tun, die sich an so „billigen“ Sachen zeigt wie beim Klopapier hamstern. Wenn die Bevölkerung schon beim Klopapier „ausrastet“, kann man sich kaum vorstellen, wie man zur Vernunft kommen kann.
Und auch daran sieht man, dass man die Bevölkerung unglaublich leicht manipulieren kann, wenn man es nur geschickt genug macht.

Für mich ist am unverständlichsten, wie die ganze Welt und (fast) alle Regierungen in gleicher Weise auf Corona reagieren.

[Übrigens meine Mathe-„Vorlesungen“ per e-mail und Korrektur der eingesandten Übungsaufgaben funktionieren gut. Ja, auf den einzelnen Studenten kann ich sogar stärker eingehen als bei den Präsenz-Vorlesungen. Was allerdings gegenüber einer echten Vorlesung ein Vielfaches an Zeit kostet – aber die Zeit habe ich ja.]

Viele Grüße und Bewunderung Ihrer Aktivitäten
Ihr W. R.
(Name der Redaktion bekannt)

ANTWORT

Lieber W. R.,

Ihre Empfindungen nach Sichtung/Lektüre dieser (und vieler anderer) Videos, Artikel und Informationen kann ich durchaus nachvollziehen, und wie Ihnen (und auch mir) geht es vielen, die nach Informationen suchen, um Orientierung zu gewinnen.
Dieses Suchen mag oftmals desillusionieren, schmerzen, Wut auslösen und Hoffnungen einschränken und Träume zertrümmern. Gleichzeitig ermöglicht es aber, Irrwege zu vermeiden und enorme Verluste und Enttäuschungen einzuschränken, bzw. zu mindern oder gar zu vermeiden – als Lohn der Mühen.
Selbstredend steht es Jedem frei, Augen und Ohren zu verschließen, sich ausschließlich mit den (wunder)schönen Aspekten, Angeboten und Inhalten dieser Welt und des Lebens zu beschäftigen, glücklich darüber zu sein, daß es einem deutlich besser geht als vielen/den meisten anderen Zweibeinern (und Ländern) auf diesem Planeten und zu hoffen, daß Andere – der Staat, die Politiker, Wissenschaftler usw. – die Probleme dieser Welt schon richten werden. Doch wenn dieser geistig-emotionale „Hedonismus“ dann – hier hilft der Blick zurück in die Geschichte – durch Krisen gestört oder gänzlich verunmöglicht wird, trifft es regelmäßig diejenigen am härtesten, die sich den Gegebenheiten, Umbrüchen, Veränderungen, Irrtümern, fatalen Entwicklungen und von Menschen ausgelösten Katastrophen ungeschützt ausgeliefert sehen, weil sie den heraufziehenden „Wolken“, den ‚Zeichen an der Wand‘ keine Beachtung schenken, in ihrer „Komfortzone“ nicht gestört werden wollten.

Wir können heute geschichtswissenschaftlich wunderbar erklären, was zu Kriegen und Völkerwanderungen, den Kreuzzügen, Pogromen unterschiedlicher Art, den Weltkriegen und anthropogenen Katastrophen aller Couleur geführt haben. Allen ursächlich gemein ist nur eines: Die Unwissenheit der Massen und deren Mangel an Informationabilität! Erst dies ermöglichte vielen Verbrechern der Menschheitsgeschichte, die wir irrerweise bis heute als Helden feiern, wenn sie siegten(!), Kriege zu führen, Völker gegeneinander aufzuwiegeln, Millionen von Menschen auf dem Altar ihres Größenwahns, im Namen irgendeines „Gottes“ oder aus schierer Gewinnsucht zu opfern.
Heutzutage müssen wir lernen, mit einer nie zuvor in der Menschheitsgeschichte vorhandenen Informationsflut zurechtzukommen, INformationen von DESinformationen zu unterscheiden – was nur durch Recherche, Einsatz von Zeit, Interesse und Neugier (nicht Sensationsheische) und die ständige Kontrollfrage: „Wem nützt es (‚cui bono‘)?“ möglich ist –, denn die ungleich größere Diversität des heutigen Lebens (im Vergleich zur Welt der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit bis zum Ende des 19.Jhrts) stellt unser DenkFühlen vor immense Herausforderungen, die nicht zum Bildungskanon unserer Schulen gehören. Und so wissenstief die Ausbildung an unseren Universitäten sicherlich ist, so wenig (und immer weniger) lernen StudentInnen, das Konglomerat aus Theorie und Praxis von hunderten von Fachgebieten mit tausenden von Untergliederungen denk- und empfindungslogisch zu verknüpfen, um daraus einen „Fahrplan“ für das eigene Leben zu erarbeiten. Kein Wunder, daß die meisten Menschen ob der Vielfalt der sie umgebenden Welt schlicht resignieren und auf Geschehnisse aller Art nur reagieren, statt vorausschauend sich mit Zusammenhängen zu beschäftigen, um sinnstiftend zu planen, vorzusorgen, um nicht unliebsam überrascht zu werden. Die Welt der Unterhaltung ist sicherlich bequemer.

Ich versuche immer wieder meinen Studenten zu vermitteln, was mir meine weise Großmutter auf den Weg gab: „Wer sich vorbereitet, ist im Vorteil“ und „lieber weiß ich um Zusammenhänge, auch wenn sie mich stören und vielleicht sogar unerfreulich sind, als daß ich überrascht werde, weil ich mich nicht vorbereitet, lieber weggesehen habe“.

Bei der Weitergabe von Bild- und Textmaterial versuche ich, herauszufiltern, was wertstiftend und sinnvoll erscheint – auch wenn ich nicht mit allen Inhalten 100% übereinstimme; davon lebt der Diskurs, die Meinungs- und Informationsvielfalt, die ‚Demokratie des Denkens‘.
Verantwortlich zeichne ich nur für selbst-verfaßte Texte, und es steht jedem Leser/Seher frei, sich interessiert/kritisch damit auseinanderzusetzen, Meldungen zu löschen, weiterzugeben, auszudrucken oder – aus welchem Grunde auch immer – sich vom Querdenker-Verteiler nehmen zu lassen. Aber aus Angst vor Widerspruch, Hohn oder Vorwurf kuschen darf/werde ich sicherlich nie – solange wir über das ‚Recht auf freie Meinungsäußerung‘ verfügen –, denn einen Vorwurf möchte ich nie ertragen müssen: „Warum hast Du das nicht gesehen, nicht gehört, nicht gewußt, mir nicht gesagt“.

Sich breit zu informieren, immer wieder zu hinterfragen mag Zeit kosten, anstrengen, mitunter auch aufrütteln, sogar trauern lassen, aber es schützt vor dem Gift der Bequemlichkeit und dessen Folgen!

Mit sehr herzlichem Gruß
H.-W. Graf