DenkFühlHandeln

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27. Dezember 2016

‚Political Correctness‘ – Meinungsterror!

27. Dezember 2016|Gesellschaft, Kultur und Geschichte, Psychologie|Kommentare deaktiviert für ‚Political Correctness‘ – Meinungsterror!

Wir alle sind (als „Rudeltiere“) darauf hin erzogen, in Harmonie mit unserer Umwelt zu leben, um Konflikte möglichst zu meiden. Der „Preis“ dafür ist, daß wir uns dem Moralcodex – der Summe der Sprach- und Verhaltensmuster – anpassen, die unser Umfeld kennzeichnen. Soweit es sich hierbei um höfliches Benehmen, Eßsitten, etc. handelt, ist dies nur zu begrüßen. In diesem Artikel soll es aber mehr um unsere nach außen gezeigten Verhaltensmuster gehen, die sich in unserer Sprachlichkeit dokumentieren. Angepaßt und bequem lebt demnach, wer sich bestmöglich dem ‚codex generalis‘ unterwirft. Da man damit aber andererseits auch immer ‚unauffälliger‘ wird, versuchen wir, zumindest in Teilbereichen unseres Lebens eine Art ‚Originalität‘ zu entwickeln bzw. zu bewahren, um uns (zumindest partiell) zu unterscheiden, individuell und unverwechselbar zu bleiben. Gerade in der geistig-seelischen Pubertät kommt es deshalb regelmäßig zu Problemen, wenn der heranreifende Jugendliche sein eigenes Profil, seine individuelle Unverwechselbarkeit sucht und zu entwickeln bestrebt ist. Je ruhiger und gelassener Eltern und Umfeld mit Interesse und Verständnis (statt mit Vorschriften, Zwang, Verachtung und Spott, Versagens- und Verlustängsten) darauf reagieren, desto leichter fällt es, Spitzen in dieser Entwicklungsphase zu „glätten“, Übersprungsreaktionen zu vermeiden und dem Jugendlichen zu helfen, einerseits seine Individualität auszuprägen, andererseits den Konnex zu seinem Umfeld (und damit den ‚Boden unter den Füßen‘) nicht zu verlieren [also keine Angst vor Eskapaden – Piercing, grellem Auftritt, pubertärer Sprache, emotionalen Ausbrüchen, etc.]. Beugt sich der pubertätsgebeutelte Jugendliche nämlich dem Anpassungsdruck zu nachhaltig (z.B. durch eine allzu ausgeprägte Angepaßtheit der Eltern), gibt der Jugendliche seine Suche nach individueller Selbständigkeit auf und führt künftig ein unauffälliges Leben in der Masse. Nur in seiner Phantasie und der Pseudo-Realität von Filmen, Trash-TV (‚DSDS‘, ‚Dschungelcamp‘) oder heimlich (z.B. in ‚Swinger-Clubs‘ und SM-Studios), in Fußballstadien, Rockergruppen oder in „offiziellen“ Ausnahmesituationen „Fasching/Karneval“, „Oktoberfest“, etc.) lebt dieser Mensch dann die kärglichen Reste von Individualität aus, die ihm ansonsten probat abtrainiert wurden (bzw. die ihm nie gestattet waren, auszuleben). Manche kommen aus dieser inneren Protestphase für den Rest ihres Lebens nie heraus. Andere suchen dann ihr Heil in sakralen Zirkeln, Religionen und Sekten, exzessiven/rücksichtslosen Karrieren, Risikosportarten oder als Politiker.

Hinter all diesen Verhaltensweisen/-störungen und unterdrückten Individualitätsmustern stecken instinktive Bedürfnisse und damit in Konflikt stehende Versagens– und Verlustängste, die Angst vor Ausgrenzung und Vorwurf, Schuld und Vereinsamung.

Diese individuelle Problematik wird aber zu einer kollektiven Verhaltensstörung, wenn einer Gruppe von Menschen, gar einer Nation, Verhaltens-, Denk- und Sprachmuster übergestülpt werden, die einzig dem Zweck dienen, sie unter Kuratel zu zwingen und kollektive Schuldgefühle aufzubauen – kurz: Abhängigkeiten zu entwickeln und Kontrolle über sie zu erhalten/behalten. Beispielhaft seien hier sämtliche Religionen erwähnt, deren Vorgaben/Gebote kein Mensch zu 100% erfüllen kann (soll er ja auch gar nicht; sonst entzöge er sich dem kollektiven Schuldvorwurf). Aber auch nach Kriegen werden die Sieger jeweils zu Despoten über die Verlierer (Deutschland kann auch nach fast drei Generationen ein „Lied“ davon singen); den Juden werfen stramme Christen bis heute vor, einen gewissen Jesus ans Kreuz genagelt zu haben; die US-Regierung zahlt bis heute Indianern Renten für den Landraub der Weißen. Das ganze Arsenal von Vorurteilen, mit denen praktisch jedes Volk (zumeist von seinen Nachbarvölkern) belastet ist, grenzt ab und aus, kollektiviert die Masse, schafft und bewahrt Feindschaften und gerinnt zu ‚Meinungsterror‘. Sich dem zu entziehen, ist umso schwieriger, je des-individualisierter der Einzelne ist.

All unser berufliches wie auch privates Tun und Handeln wird durch ein gemeinsames Faktum gebündelt – die Sprache. Mittels Sprache erfolgen alle Formen des Austauschs von Gedanken und Gefühlen, Meinungen und Ansichten, Wünschen und Forderungen, Angeboten und Befehlen. Unser gesamtes DenkFühlHandeln versammelt sich in unserer Sprachlichkeit, und insofern ist unsere Sprech-, Schreib- und Körpersprache das einzigartige und wichtigste „Instrument“, mit dem wir den Kontakt zu unserer Umwelt aufbauen und pflegen. Insofern ist leicht nachzuvollziehen, daß unsere Sprache – quasi der Spiegel unseres DenkFühlens – wie ein Ausweis unserer Personalität wirkt, und dementsprechend benutzen wir unsere Sprache: Wenn wir uns in Sicherheit, im familiären Umfeld, unter Freunden oder Gleichgesinnten wähnen, pflegen wir eine offenere Sprache; treffen wir auf Fremde, gehen wir sprachlich vorsichtiger vor (oder haben Scheu, uns überhaupt zu äußern). Ob wir Artikel schreiben oder Vorlesungen/Vorträge halten, Kundengespräche führen, neue Mandanten kennenlernen oder im Urlaub auf Unbekannte stoßen, wir versuchen, uns sprachlich auf die Situation einzustellen. Je selbstsicherer, freier und unverklemmter wir sind, desto autarker und authentischer ist auch unsere Sprache. Natürlich gilt es dabei gewisse Anstaltsregeln einzuhalten, aber unser Wunsch ist eigentlich, ehrlich zu sagen, was wir denkfühlen. Dennoch unterstellen wir uns sprachlich (mündlich wie schriftlich) unbewußt auch der verbalen Korrektheit („political correctness“), um nicht anzuecken, nicht gegen „Tabus“ zu verstoßen, nicht abgelehnt oder ausgegrenzt zu werden – je unsicherer und angepaßter wir sind, desto mehr.

Nicht selten führt diese sprachliche „Kastration“ dann aber auch zu Fehleinschätzungen (von beiden Seiten), Mißverständnissen und (zwangsläufig) späteren Enttäuschungen, wenn aus vormals Fremden allmählich Bekannte oder Freunde werden.

Fazit:Meinungsfreiheit‘ ist ein sehr ambivalenter Begriff. Es gilt, sorgsam zwischen individueller Empfindungswelt, Ansicht und Meinung einerseits sowie kollektiver Haltung andererseits abzuwägen. ‚Meinungsfreiheit‘ kann weder gesetzlich verordnet, noch politisch diktiert werden; sie ist ein individuelles Gut und ein personaler Wert, den sich niemand aufzwingen lassen sollte – man muß sich ja nicht zu allem äußern, zu allem eine Meinung haben. Insofern spiegel z.B. Umfragen zur Meinungsfreiheit zumeist mehr die Ängste der Befragten als eine faktische Entität wider. Ebenso wenig kann der Gesetzgeber eine Meinungs’freiheit‘ garantieren, denn der meisten Menschen ‚Meinung‘ ist ohnehin nicht ihre eigene, sondern der sprachliche Spiegel dessen, was sie als Ansicht von Dritten übernommen haben, denn eine (eigene) MEINung setzt eine intensive Auseinandersetzung mit thematischen Inhalten voraus, und dazu nehmen sich die meisten Menschen ohnehin nicht die Zeit. Deshalb „leihen“ sie sich lieber von Anderen, was sie dann als ihre (eigene) Meinung äußern und vertreten. Keiner muß Angst davor haben, eine (wirklich eigene) Meinung zu vertreten, wenn sie nicht gleichzeitig die Ehre, das Ansehen und die Freiheit eines Dritten verletzt. Gleichwohl gilt es, insofern achtsam mit kollektiven Ängsten/ Befindlichkeiten zu rechnen, denen sich derjenige aussetzt, der sich öffentlich zu brisanten Themen äußert. Hierbei gilt es einerseits, nicht über juristische Tretminen zu stolpern, andererseits aber auch nicht über eigene Ängste, auf Widerstand und Ablehnung zu stoßen – womit wir wieder bei der o.g. Frage angelangt sind, wie sich eine autarke, authentische Persönlichkeit von einer allen genehmen, angepaßten Person unterscheidet.

Hans-Wolff Graf

29. Juli 2016

“Psychische Erkrankungen” bei islamistischen Tätern: Epidemisches Auftreten eines Vorwandes für Terror

29. Juli 2016|Querdenker-Blog|Kommentare deaktiviert für “Psychische Erkrankungen” bei islamistischen Tätern: Epidemisches Auftreten eines Vorwandes für Terror

Wir sollten nicht nur die Auswirkungen diskutieren, sondern die Ursachen betrachten!

Psychische Erkrankung(en)`- wo beginnt dieser Begriff zu greifen? Ab wann hat er pathologische Struktur? Wo liegen deren Ursachen – im Elternhaus?, im individuellen Genpool?, im soziopathologischen Gedankengut jeder Religion/Ideologie?, in fehlender Alphabetisierung und mangelnder Intellektualität/Intelligenz?

Selbst schwere Unfälle/Krankheiten und sonstige Lebenskatastrophen lassen einen seelisch-geistig gesunden Menschen mit einem gewissen zeitlichen Abstand, in einem sozial „weichen“, empathisch getragenen Umfeld und mit der entsprechenden kompetenten Begleitung wieder gesunden, zu ursprünglicher Lebensfreude/-kraft zurückfinden, zu restabilisieren.
Ist jedoch die Basis – die Entwicklung in der pränatalen Phase sowie in den ersten etwa vier Jahren – defekt, fehlt diesem Menschen die originäre Rückbindung und das entscheidende Momentum, mit Lebenskrisen umzugehen, diese (inklusive völlig natürlicher Wut und Trauer) zu meistern und ‚bei sich selbst‘ zu bleiben.

Wird nun bereits das zarteste Kindesalter in einer entsprechend tradierten Kultur erlebt – geprägt von ideologischen/religiösen Grundmustern, einem entsprechenden Frauen-/Männerbild, eingemeißelten Hierarchien in Familie, Staat und Gesellschaft mit ihren entsprechenden Idolen, Protagonisten und edukativen Inhalten, so muß sich niemand wundern, wenn immer mehr „Zeitbomben“ auf zwei Beinen plötzlich, scheinbar aus heiterem Himmel (!), explodieren.

Unser ‚DenkFühlen‘ ist in (mindestens!) gleicher Weise Entwicklungs- und Entfaltungsprozessen unterworfen, wie unsere physische Befindlichkeit; defizitäre Ernährung, körperliche Über- oder Unterforderung, unreines Wasser und mangelnde (oder zu viel) Hygiene führen früher oder später zu entsprechenden Krankheitsbildern. Nicht anders verhält es sich bei der Entwicklung unserer Emotionalität und unserem Intellekt; Unter-/Überforderung, falsche Vorbilder und fehlende kompetente Begleitung generieren Pseudowissen, Irritationen, eine hohe Anfälligkeit für Manipulation und (geistig-seelische) Korruption, die in Kombination früher oder später in Hilflosigkeit und Resignation münden, und entweder flüchtet der davon Betroffene – introvers – in eigene Pathologien/Krankheiten (und stirbt mitunter vorzeitig), oder er bricht irgendwann – extrovers – aus seiner „Gefangenschaft“ aus und läuft Amok*.

Sämtliche sakrale wie säkulare Amokläufe und Selbstmordattentate sind nicht schiere (quasi „natürliche“) Krankheitsphänomene, die eine Gesellschaft eben (wenngleich mit Bedauern) zu ertragen hat, sondern (pscho)“logische“ Auswirkungen falscher Einflüsse, fataler Prägungen und entsprechend starker Defizite in der emotionalen und intellektuellen Primär- und Sekundärentwicklung – also vor allem der Familie (zu der beileibe nicht nur Vater, Mutter und Geschwister gehören). Ein starkes, kraftvolles, sozioempathisches lebensbejahendes, positives und autonom-bestimmtes DenkFühlHandeln ist (in 99% aller Fälle) kein genetisch determiniertes Phänomen, sondern das Resultat des emotionalen, intellektuellen und valeologischen Früherlebens in Kindheit und Jugend.
Diesen Zusammenhängen gilt es, ohne falsche Scham und Moralzwänge [„political correctness“(!)] ins Auge zu sehen; diese Zusammenhänge müssen in Bildung und Gesellschaft thematisiert werden. Ansonsten werden sich bei der weltweit zunehmenden Verstädterung immer mehr kulturelle, religiöse, rassistische und ideologisch-extremistische Ghettos bilden, deren autogene Faktoren unser Leben immer unkontrollierbarer bestimmen werden.

H.-W. Graf

* Näheres hierzu in ‚Korruption – die Entschlüsselung eines universellen Phänomens‘ [erhältlich über die ‚pAS – private Akademie für die Selbständigkeit‘, www.private-akademie.com, € 18,- (incl. Versand)].

Lesen Sie hierzu:

www.juedischerundschau.de | 02. Juni 2016
„Psychische Erkrankungen“ bei islamistischen Tätern?
Ein moslemischer Terrorist stach an einem Bahnhof nahe München auf vier Menschen ein, während er „Allahu Akbar“ (Allah ist größer) schrie. Während er den Ruhm Allahs verkündete, rief er, dass all seine Opfer „Ungläubige“ seien. Eine Frau hörte ihn „Ungläubiger, du musst sterben!“ rufen. Die deutschen Behörden kamen zu der unausweichlichen Erkenntnis, dass dieser Angriff nichts mit dem Islam zu tun habe. Stattdessen war der Messerstecher „psychisch krank“ und wahrscheinlich nicht einmal verhandlungsfähig. Der Koran ist nicht verantwortlich. Der Mordanschlag war in seinen seelischen Problemen begründet…

www.juedischerundschau.de/psychische-erkrankungen-bei-islamistischen-taetern-135910535

25. Februar 2014

Freiheit für Gedanken und Gefühle

25. Februar 2014|Querdenker-Blog|Kommentare deaktiviert für Freiheit für Gedanken und Gefühle

Vielleicht regt Sie der beiliegende Artikel dazu an, Ihr eigenes DenkFühlHandeln neugierig und interessiert zu hinterfragen.

Freiheit für Gedanken und Gefühle.pdf

18. November 2012

Alsfelder Beschlüsse – mein Erlebnis I

18. November 2012|Querdenker-Blog|Kommentare deaktiviert für Alsfelder Beschlüsse – mein Erlebnis I

Liebe QuerdenkerInnen,

noch Tage vor dem Alsfelder Kongreß bangten die Veranstalter Jo Conrad und Prof. Michael Vogt, ob ihr Aufruf überhaupt genügend Teilnehmer mobilisieren könnte. Nun, diese Sorge war schnell verflogen; geschätzt mehr als 400 Teilnehmer jeden Alters, aller Berufe und quer aus ganz Deutschland erlebten einen von großartiger Toleranz getragenen Kongreßverlauf, der von Jo und Michael sehr freiheitlich und humorvoll, aber dennoch höchst diszipliniert geleitet wurde.

Nachstehend das Protokoll eines fleißigen Teilnehmers, der sichtlich bemüht war, alle Gedanken, Ideen und Beiträge – völlig unzensiert – aufzulisten.
Stören Sie sich weder an grammatikalischen Fehlern, Sie fremd anmutenden Beiträgen und mangelnder Sortiertheit; all das spielte bei dieser Menge an freier Assoziation nicht die mindeste Rolle, denn es ging um eine ungebremste Sammlung (ungefiltertes “brainstorming”) als Grundlage für die weitere Arbeit an den wichtigsten, uns alle betreffenden Themen. Und um es gleich vorwegzunehmen: Hier waren keine esoterischen Spinner oder fanatische Deutschtümler, “Rechte” oder “Linke” am Werk, sondern unglaublich zart, verbindlich und sauber miteinander umgehende Menschen, die bereitwillig einen Tag opferten, um selbst, frei von jeglicher Ideologie, nach zukunftsfähigen Lösungen und Alternativen zu suchen, statt dies Staatslakaien und selbsternannten Eliten zu überlassen.

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7. Juni 2012

Wer Reichtum auf finanzielle Fülle reduziert, ist arm dran!

7. Juni 2012|Querdenker-Blog|Kommentare deaktiviert für Wer Reichtum auf finanzielle Fülle reduziert, ist arm dran!

Kommentar von H.-W. Graf zum ‚WELT-ONLINE’-Artikel
„In Deutschland steigt Zahl der Millionärshaushalte“:

http://www.welt.de/wirtschaft/article106400829/In-Deutschland-steigt-Zahl-der-Millionaershaushalte.html#dsq-reply

Lassen Sie doch mal Ihre Freunde, Bekannten und Kollegen vor Ihrem geistigen Auge Revue passieren und korrelieren Sie deren finanziellen Reichtum mit ihrem ‘Glücksvermögen‘, d.h. ihrer Lebensfreude, Genußfähigkeit und Zufriedenheit, der Intensität, mit der sie ihre schiere Existenz als tägliche Bereicherung für sich selbst und ihre Umwelt gewärtigen.

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9. Februar 2010

Freiheit und Reichtum

9. Februar 2010|Gesellschaft, Philosophie|Kommentare deaktiviert für Freiheit und Reichtum

Wer sich mit diesen beiden Begriffen inhaltlich auseinandersetzt, stößt in kürzester Zeit an emotionale und intellektuelle Grenzen.
Nur wenige Worte dürften – und dies über Jahrhunderte hinweg – so kontrovers diskutiert und mannigfach interpretiert worden sein. Wohlan, wagen wir uns in die diskutative „Höhle des Löwen“.
Von beiden Begriffen geht eine zeitlose Faszination aus; wer wäre nicht gerne reich und frei? Wir beneiden oder bewundern Menschen, die wir für das eine oder das andere halten – nicht ohne dann sofort, beinahe im Sinne einer reflexartigen Verteidigung, uns selbst erklären zu wollen, warum die es sind, wir jedoch nicht.
Oftmals stellen wir (beinahe erleichtert) fest, daß dieser oder jener Zeitgenosse vielleicht reich, aber eigentlich nicht frei (im Sinne von glücklich) sei, und jeder kennt das Klischee vom genügsamen Bergbauern, dem Schäfer oder dem Eingeborenen in Haiti, den wir zwar als frei wähnen, ganz sicher jedoch nicht als reich.

Gibt es überhaupt einen Zusammenhang zwischen Freiheit und Reichtum?

Ich erinnere mich noch zu gut daran, wie reich ich mich als siebenjähriger Knirps fühlte, als ich zum ersten Mal genügend Münzen gesammelt hatte, um diese in einen Fünf-Mark-Schein umtauschen zu können. Ich war stolz darauf, denn immerhin hatte ich dafür stundenlang Obstkisten beim jüdischen Kramer um die Ecke aufeinander geschichtet – 25 Pfennig pro Stunde, am Samstag gab es 50 Pfennig.
Später nützte ich jede Möglichkeit, um nach der Schule, mitunter auch statt derselben, Botendienste zu verrichten, Zeitungen auszutragen, als Sänger aufzutreten, auf dem Frühlingsfest zu helfen, Werbezettel zu verteilen, Schülerlotse zu spielen, diverse Jobs bei der Post und im Paketpostamt zu ergattern, als Bademeister meine Ferienaufenthalte zu finanzieren, Gitarren- oder Nachhilfestunden zu geben u.v.m.
Hinter all diesen Aktivitäten stand der Wunsch, mir auf finanziellem Wege Reichtum, Freiheit und Unabhängigkeit zu verschaffen.
Und dennoch wuchs hinter jedem erreichten und verwirklichten Ziel sofort ein neuer Wunsch, den ich verwirklichen und befriedigen wollte. Sehr früh stieß ich dabei auf eine Erkenntnis: Geschenke empfand ich nie als wirkliche Befriedigung, denn dahinter stand keine eigene Leistung, kein eigenes Bemühen – sicherlich eine Folge der wirtschaftlich recht engen Verhältnisse, in denen ich aufwuchs. Geschenken wohnte auch nie der Zauber erworbener Freiheit inne, den ich regelmäßig nur dann empfand, wenn ich mir durch eigene Leistung einen (finanziellen) Zugewinn erarbeitet hatte. Und so sehr ich unter den wirtschaftlichen Einschränkungen meiner Kindheit und Jugend oftmals litt, neidisch auf meine Spiel- und Klassenkameraden schielte und mit meinem Schicksal haderte, so dankbar bin ich heute für die daraus gewonnene Einsicht, daß letztlich weder Reichtum mit Geld gleichzusetzen, noch Freiheit irgendetwas mit der Höhe des Einkommens oder des vorhandenen Vermögens zu tun hat.

Wer sich mit den letzten 2.500 Jahren Geistesgeschichte und Philosophie auseinandersetzt, den mag erstaunen, in welch hohem Maße gerade diese beiden Begriffe durch die Zeiten geister(t)en, ohne daß auch nur einem der größten Dichter und Denker letztlich eine allgemeingültige Definition gelungen wäre, die zweifels- und widerspruchslos zu akzeptieren wäre.
Dies mag wohl vor allem daran liegen, daß beide Begriffe sich weder jeglicher politisch-ideologischen Systemik oder gerade gültigen Moral zuordnen, noch qualitativ oder quantitativ – und damit letztlich „erfüllbar“ – messen lassen.

Wenn wir – ganz klassisch – die Freiheit als Abwesenheit von Zwängen definieren, dann stellt sich umgekehrt die Frage, was der Einzelne als Zwang empfindet, wohinter der Andere nicht die Spur eines Zwanges sieht. Daraus läßt sich vermuten und ableiten, daß Freiheit weder verordnet, noch gewährt werden kann, mögen uns dies auch noch so gerne Politiker, Religionen oder die Werbung versprechen und anbieten.
Nein, Freiheit basiert auf einem höchst individuellen DenkFühlen, welches dann in entsprechendem Handeln mündet. Und auch die Zwänge, unter die wir uns gestellt sehen, beschränken unsere Freiheit erst dann und in dem Maße, wie wir ihnen gestatten, unser DenkFühlen zu beeinflussen und zu beherrschen. Kein Mensch käme ja auf die Idee, sich deshalb als unfrei und unter Zwängen stehend zu sehen, weil er tagtäglich dazu „gezwungen“ ist, zu atmen und zu schlafen, zu essen und zu trinken.

Gestatten Sie mir, Ihnen meine ganz persönliche Definition von Freiheit anzubieten – quasi als derzeitigen Stand meiner eigenen Erkenntnis:
Frei ist der, der sich in seinem DenkFühlHandeln durch nichts und niemanden von seiner ethischen Grundhaltung abbringen läßt; er ist unabhängig, nicht korrumpierbar und authentisch.

Aber was hat all dies mit Reichtum zu tun?
Nun, Reichtum ist keine Frage der Höhe des Einkommens oder des Vermögens – egal, in welcher Form.
Auch hierzu möchte ich Ihnen (m)eine (ganz persönliche) Definition anbieten:

Reich ist derjenige, der sich körperlich, geistig und seelisch ein Höchstmaß an Lebensfreude, Interesse und Neugier leisten und damit seine Lebenszeit zu füllen vermag.
Mit anderen Worten: Je größer die Vielzahl der Interessen ist, desto intensiver können wir – unter vollem Einsatz unseres Intellekts, natürlicher Emotionalität und unserer physischen Möglichkeiten die uns geschenkten Jahr(zehnt)e nutzen, leben und erleben.

Und hier schließt sich der Kreis: Je freier ich mich von exogenen Zwängen mache – nicht zuletzt durch eigene Leistung und ohne mich – sei`s auch noch so bequem – beschenken und „kaufen“ zu lassen, desto unbeschwerter und freier kann ich meine individuelle Lebenszeit mit der Vielfalt dessen, was unser Leben zu bieten vermag, füllen und genießen.

Freiheit und Reichtum – in der oben stehenden Weise definiert – bedingen und verschränken sich also. Beide bedürfen weder eines ordnungspolitischen Rahmens noch einer gesellschaftlichen Übereinkunft, vielmehr stellen sie das qualitative und quantitative Ergebnis eigener Entwicklung und eingeübter Lebensgestaltung dar. Wer also darauf wartet, sich ab einer gewissen Einkommenshöhe oder eines nachweislich vorhandenen Vermögens als reich zu empfinden, oder wer darauf wartet, welches politische System und welche dieses repräsentierende Figur ihm Freiheit gewährt, hat nicht begriffen, daß wir selbst – und ausschließlich wir selbst – die Verantwortung zur Entwicklung der Fähigkeit zu übernehmen haben, ein Leben in Reichtum und Freiheit zu genießen.

Ein Artikel kann immer nur eine beschränkte Anzahl von Gedankensplittern beinhalten. Er kann und soll – kürzer und prägnanter als ein Buch – eine Essenz individueller Auseinandersetzung sein.
Was dies bei Ihnen an Gedanken und Ideen, Widerspruch und Kritik und möglichem Interesse auszulösen vermag, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich wäre jedoch interessiert daran und neugierig darauf, zu erfahren, wie Sie zu diesen Gedanken stehen.

H.-W. Graf

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Lesen Sie hierzu auch “Freiheit – Illusion oder Utopie”
im Online-Magazin ‘zeitreport online’

18. Dezember 2003

DenkFühlHandeln in Netzwerken

18. Dezember 2003|Psychologie|Kommentare deaktiviert für DenkFühlHandeln in Netzwerken

Schier unvorstellbar: Vor kurzem berichtete die University of Virginia, daß sie 1100 Macintosh-Computer zu einem „Cluster“ zusammengeballt und damit den drittschnellsten Supercomputer der Welt gebaut habe – mit einer Leistung von 10,3 Billionen Rechenoperationen (Teraflops) pro Sekunde.

Die derzeitige Nummer 1 bringt es sogar auf 33,9 Teraflops, und bis 2005 will IBM (‚blue gene’) mit einer Spitzenleistung von 360 Teraflops mehr als 10 mal so schnell sein wie der derzeitige NEC-Spitzenreiter „Earth Simulator“.

So beeindruckend die (theoretische) Operabilität derartiger Riesencomputer ist, so stehen sie alle noch weit im Schatten der Leistungsfähigkeit unseres menschlichen „Computers“ – des etwa 1450 g schweren Gehirns, dessen sich der Mensch laufend bedienen kann.

Theoretisch, und dessen sind sich die meisten Menschen gar nicht bewußt, läge die Leistungsfähigkeit dieses „Computers“ bedeutend über der Summe der 100 schnellsten Supercomputer, die bisher konstruiert wurden. Aber so wie die meisten Menschen nicht einmal in der Lage sind, mehr als 1 bis 3 % ihres komplizierten Taschenrechners regelmäßig zu nutzen, liegt auch die praktische Leistungsnutzung des menschlichen Gehirns nur bei maximal 10 % seines realen Vermögens – der Durchschnitt mutmaßlich noch deutlich darunter. Hinzu kommt, daß unser menschliches Gehirn insofern bio-ökonomisch zweckmäßiger arbeitet, als es zwar – einem Staubsauger ähnlich – alle Eindrücke und Impulse aufnimmt, die ihm durch einen unserer fünf Sinne übermittelt werden, das Gros dieser Informationseinheiten jedoch gleich in den „Keller“ unserer Unterbewußtheit einlagert, wenn nicht ein zweiter Impuls ihm eine Werthaltigkeit dieser Information signalisiert, durch den entweder Ähnlichkeiten mit bereits empfangenen Impulsen konnektiert werden oder andere Signale dem Gehirn aufgeben, diese Information ins Kurz-, Mittel- oder Langzeitgedächtnis „einzulesen“, da möglicherweise ein zweckdienlicher Wiederabruf dieser Information vermutet wird.

Dieser Mechanismus fehlt originär den nur auf Technik beschränkten Supercomputern – auch wenn durch ‚Memoriser’-Schleifen durch spezielle Programme ein entsprechender Speicher-Effekt programmiert wird (womit man in der Nanotechnik bereits autoprogrammatische Biochips sich selbst programmieren lassen will). Im Gegensatz zu den technischen Wunderwerken unserer Zeit besitzt nämlich der Mensch noch ein weiteres, das sogenannte ‚Bauchhirn’ – „stimulus rector“ unserer ‚emotionalen Intelligenz’ –, quasi ein von der Natur programmiertes, im Laufe der Evolution ständig erweitertes Programm, dem wir zum einen alle automatisierten Lebensvorgänge des vegetativen Nervensystems verdanken[1], andererseits regelt dieses ‚Bauchhirn’ aber auch unser soziales Verhalten. Dieses ‚Bauchhirn’ steuert unser Bedürfnis nach menschlicher Nähe ebenso wie die natürliche Neugier (die uns bereits in Kindertagen so vehement abdressiert wird), Lebensfreude und Lernbereitschaft, kurz: alle Bedürfnisse und Funktionen, die unser Überleben im Umfeld unserer Artgenossen ermöglichen und sichern.

Beide Gehirne – das ‚Bauch-’ wie auch das ‚Kopf-Hirn’ (symbolhaft verbunden durch die Energietransportsysteme) – sind potenzielle ‚Kooperationspartner’ im Sinne und Dienste des Individuums, dessen Lebensfunktionen sie wahrnehmen und dessen Sinneseindrücke sie speichern, zur Verfügung stellen und nutzbar machen. Solange diese beiden Funktionsträger und Wahrer unserer Existenz in sauberer Weise miteinander kommunizieren (nennen wir es ‚Inneren Monolog’), lebt, lernt und liebt dieser Mensch lustvoll, authentisch und selbstbestimmt. Wir können auch davon ausgehen, daß dies die natürliche Lebensweise des früheren Homo erectus war.

Bedauerlicherweise trug ein evolutionärer Umstand – der Schluß der Hirnbrücke, den die Neurologie als vor etwa 10.000 Jahren als abgeschlossen mutmaßt – dazu bei, daß das ‚Kopfhirn’ mehr und mehr die Oberhand gewann. Mit den ihm damit neuerdings zur Verfügung stehenden Möglichkeiten begann der Mensch nun zu „spielen“. Das Ganze ist vergleichbar mit einem Jugendlichen, der einen Gameboy zum Geburtstag geschenkt bekommt und nun nur noch mit diesem beschäftigt ist, darüber aber andere wichtige Aufgaben – im Haushalt, Schularbeiten, etc. – zunehmend verabsäumt, sich im Extremfall sogar lieber mit seinem Gameboy beschäftigt, als sich um Freunde und sonstige, früher für ihn bedeutende Tätigkeiten zu kümmern.

So kennt jeder von uns Menschen, die anscheinend nur noch im ‚Kopfhirn’ leben, deren Gefühlsleben in einer Art Koma zu liegen scheint, und die sich zunehmend von ihrer Umwelt abschotten. Wir nennen diese Zeitgenossen „Kopfmenschen“ und begegnen ihnen mit kopfschüttelndem Bedauern. Oft verschlampen sie körperlich und verkümmern seelisch zusehends.

Diese Phänomenologie soll aber hier nur gestreift werden (Näheres dazu unter www.innenweltschutz.de/artikel/souverae.doc).

Uns geht es in diesem Artikel um einen ganz anderen Gedanken: Wenn schon der einzelne Mensch dank dieses Doppel-Gehirns Kapazitäten, Funktionabilitäten und Möglichkeiten hat, die weit über sämtliche bisher konstruierte Supercomputer hinausgehen, dann kann man sich unschwer vorstellen, wie exponentiell, nahezu unvorstellbar uns Menschen Möglichkeiten gegeben wären, wenn wir uns miteinander vernetzen würden. Eigentlich, so könnten Sie einwenden, tun die Menschen dies ja bereits, indem sie Familien, Kommunen und Staaten bilden, in Clubs und Vereinen, Berufen und Verbänden, Parteien und Gewerkschaften zusammen leben und arbeiten. Theoretisch stimmt dies. Wir beobachten aber zunehmend eine immer engere Spezialisierung auf Teilbereiche des Lebens – im privaten wie im beruflichen -, die zunehmende Tendenz zu Kleinfamilien, einem Dasein als Single und damit einhergehend auch eine Singularisierung der Interessen, also der Belange, mit denen wir uns zu beschäftigen bereit sind, dem wir Zeit, Energie und Gedanken widmen. Zudem beschränkt sich die Vernetzung in den meisten Fällen auf Funktionalitäten und wirtschaftlich meßbare Belange.

Unter einem ständig exponentiell wachsenden Bombardement von Informationen und Eindrücken – dank Internet und Medien sogar aus allen Teilen der Welt – schotten wir uns einerseits seelisch (‚Bauchhirn’) immer mehr ab und gieren andererseits danach, nichts „Wichtiges“ zu verpassen.

Mehr und mehr arbeiten unsere beiden Gehirne unabhängig voneinander, quasi an verschiedenen „Projekten“ und finden kaum noch Zeit, sich miteinander (‚Innerer Monolog’) auszutauschen und das Erlebte zu reflektieren.

In gleicher Weise sucht sich unser ‚Kopfhirn’ Personen und Gruppen, mit denen wir uns auch vornehmlich (bis ausschließlich) auf ‚Kopfhirn’-Ebene verständigen, während wir mit anderen Menschen, die ‚Bauchhirn’-Kommunikation pflegen. Nur mit ganz wenigen Menschen haben wir eine „beidhirnige“ Kommunikation – sie bezeichnen wir dann als besonders enge Freunde und sprechen von Liebe.

Für den Rest der uns umgebenden Menschen hegen wir allenfalls zweckdienliche Interessen und verbleiben in unserem Umgang, in unserer Kommunikation und Interaktion auch zumeist auf diese wenigen Belange beschränkt.

Wir beurteilen den Wert der meisten Menschen dann entweder nach ihrem ‚Kopfhirn’-Wert – ausgewiesen durch Positionen und Funktionen, Titel und Diplome – oder wir beschränken uns auf die sogenannte menschliche Ebene (‚Bauchhirn’-Kommunikation), wobei uns dann völlig egal ist, wie intelligent oder intellektuell er/sie ist. Mit anderen Worten: So sehr wir selbst in der Gefahr stehen, daß sich unser eigener ‚Innerer Monolog’ aufzulösen beginnt, weil wir ihn mehr und mehr vernachlässigen, desto deutlicher zeigt sich die Tendenz der Menschen – als Einzelne wie auch in Gruppen – sich nicht mehr mit dem Gegenüber als Ganzes zu beschäftigen, sondern den Anderen jeweils nur in Teilbereichen wahrzunehmen und nur auf Teilebenen mit ihm zu kommunizieren und zu interagieren.

Umso überraschter sind wir dann, wenn wir etwa nach vielen Jahren des Einander-Kennens plötzlich uns bislang völlig unbekannte Aspekte bei unserem Gegenüber kennenlernen – positive und negative. In das Überraschen, die Enttäuschung oder das Staunen über den erstmals wahrgenommenen Wesenszug des Anderen, den man ja eigentlich (gut) zu kennen vermeinte, mischt sich dann die eigene Verblüffung darüber, daß man diesen Wesenszug nicht schon wesentlich früher bemerkt hatte.

Natürlich leben wir damit nach außen und anderen Mitmenschen gegenüber nur das gleiche Phänomen aus, womit wir auch bei und in uns selbst erhebliche (und zunehmende) Schwierigkeiten haben – die zunehmende Problematik eines störungsfreien ‚Inneren Monologs’. Und wir begründen diese „innere Sprachlosigkeit“ dann sogar noch mit der Behauptung, man müsse „privat von beruflich trennen“ – genau genommen ein reichlich unsinniges Unterfangen, da wir dies ebenso wenig können wie jedes andere Lebewesen auf diesem Planeten.

Und dieses Abschotten, diese Trennung von Kopf und Bauch – bei uns wie auch im Zusammenleben mit unserer Umwelt – scheint sogar eine gewisse „Schutzfunktion“ zu haben: Wenn wir unserer Umwelt nur Teile unseres Selbst offenbaren, bleiben die Schwächen, die wir so sorgsam zu verstecken bemüht sind, für den anderen unsichtbar. Zumindest erhoffen wir das. Insofern ist es uns gar nicht so unrecht, wenn uns unsere Mitmenschen nur jeweils partiell kennen; ansonsten könnten wir in Erklärungsnotstand geraten und würden mutmaßlich in den Augen des Anderen an Wert verlieren. Das Problem ist nur, daß dieses von Versagens- und Verlustängsten getragene „Versteckspiel“ auch von unserem Gegenüber benutzt wird. Damit drängt sich der fatale Schluß auf, daß je mehr Menschen auf immer engerem Raum miteinander leben, privat und beruflich umgehen und kommunizieren, der Einzelne immer mehr vereinsamt und damit die eigentlich möglichen Kapazitäten, die sich aus einer gegenseitigen ‚Kopf-’ und ‚Bauchhirn’-Vernetzung ergeben könnten, sinnlos vergeudet werden.

Stellen Sie sich nur für einen Moment vor, daß alle Menschen auf diesem Planeten miteinander (beidhirnig) vernetzt wären. Glauben Sie, daß dann irgendein Mensch – Diktator oder pseudodemokratisch gewählter Präsident – in der Lage wäre, zu Krieg und Zerstörung, Völkermord oder einem Überfall auf das Nachbarland aufzurufen?

Zehntausende von Gesetzen und Verordnungen, Tausende von Organisationen, Verbänden und „Sicherungsmaßnahmen“ verdanken ihre Existenz ausschließlich der (zunehmenden) Unfähigkeit des Menschen, mit sich selbst sauber-vernetzt umzugehen und in friedlicher Koexistenz (= Achtung, Verständnis und gegenseitiger ‚beidhirniger’ Vernetzung) miteinander zu leben.

Wachten wir Menschen endlich auf und würden wir uns der eigentlich in uns schlummernden Vernetzungs-Kapazitäten bewußt, so ließen wir uns ganz sicher nicht von völlig unqualifizierten Politikern und Gewerkschaftlern regieren. Keiner dieser machtgierigen Egomanen wäre in der Lage, sein Volk zu belügen, zu betrügen und in Kriege zu hetzen. Unsere private und berufliche Welt wäre von allseits dienlicher Aktivität, Lern- und Lehrfreude, Interesse und Lebensfreude geprägt. An (immer wieder auftretenden) Problemen würde gemeinsam (und damit weitaus schneller) gearbeitet, statt daß man Lösungen bei „übergeordneten“ Instanzen sucht, diesen also Macht und Entscheidungsbefugnis zumißt, auch wenn sie von den dahinterstehenden Fragen, Problemen und Differenzen wenig bis gar nichts wissen/verstehen.

Wir Menschen werden erst dann beginnen, sozial und human mit uns selber und unseren Mitmenschen sowie mit Natur und Umwelt in sauberer Weise umzugehen, wenn wir den Wert des ‚Inneren Monologs’ in uns und der Vernetzung (und Vernetztheit) mit unseren Mitmenschen zu erkennen und zu nutzen bereit und in der Lage sind. Dies gilt für das Leben in der Familie und im engeren Freundeskreis ebenso wie für Schule und Lehre, Berufs- und Arbeitswelt, (inter)regional und (inter)national, zwischen Alt und Jung, Menschen aller Hautfarbe und Sprache.

Der Grad derartiger Vernetztheit würde aus dem heutigen Stadium der Sklaverei und der hilflosen Abhängigkeit von Informationen aller Art, mit denen wir kaum noch umzugehen in der Lage sind, zu einer Autarkie führen, innerhalb derer sich die uns umgebende Welt aktiv erleben und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zum Wohle aller sinnvoll nutzen ließen.

Nun kann man von Theorien alleine schlecht leben. Wie sähe also die Praxis aus? Zuallererst gilt es, dafür die eigenen Ängste und Hemmungen abzulegen. Hierzu wiederum unabdingbar nötig ist, diese erst einmal mutig zu hinterfragen, d.h. sich klar darüber zu werden, woher diese eigenen Ängste kommen und inwieweit sie unseren eigenen ‚Inneren Monolog’ boykottieren.

Erst im nächsten Schritt – und in dem Maße, wie wir wieder Souveränität über uns selbst gewinnen – können wir daran gehen, unserem Umfeld, unseren Mitmenschen einen offenen Dialog und ein vernetztes DenkFühlHandeln anzubieten. Dabei dürfen wir sicher sein, daß wir unserer Umwelt zuerst einmal recht verdächtig erscheinen, wenn wir uns den inzwischen weitestgehend konventionalisierten Verhaltensmustern entziehen, uns also nicht mehr von der öffentlich ausgegebenen Moral bestimmen lassen, sondern aus einem ehrlichen, geradezu universellen Ethos handeln. Der Unterschied ist schnell erklärt: Moral ist die Summe der Vorschriften und Verhaltensmuster, auf die sich einzelne Sozialitäten im Laufe ihrer Entwicklung verständigt haben. Deshalb gibt es auch Hunderttausende (vielleicht mehr) „Moralitäten“, die sich zum Teil – denken Sie an die Religionen – gegenseitig ausgrenzen, höchst intolerant miteinander umgehen und (bisweilen sogar gezielt) die Grundlage für Kriege, Haß und regelrechte Bandenbildung darstellen. Das Ethos, die Ausformung einer natürlichen, menschlichen Ethik hingegen ist allen Menschen gemeinsam – unabhängig von Herkunft, Sprache, Nationalität oder sonstigen Unterschieden.

Die hier als Utopie in den Raum gestellte universelle Vernetzung des DenkFühlHandelns basiert also auf einer Dominanz des Ethos über die Moral.

Daß, wie schon erwähnt, diese Wandlung und die Entwicklung einer universellen Vernetzung nicht nur mühsam (und auch nicht von Heute auf Morgen) zu verwirklichen ist, liegt auf der Hand. Zum einen verlangt es eine gehörige Portion Mut, mit bisher gepflegten Lebens- und Verhaltensweisen zu brechen bzw. sie auch nur zu hinterfragen, zum anderen wird dem Gros der Menschen auch erst nach einer gewissen Vorlaufzeit der Wert dieser beidhirnigen Vernetzung der Individuen in den Sozialitäten unterschiedlicher Zusammensetzung und Größe bewußt werden. Da die Masse der Menschen nach Vorbildern und Führungsgestalten hungert, gilt es für diejenigen, die sich dieser Utopie bereit sind zu nähern, Ausschau nach denen zu halten, die bereits heute den Mut und die Bereitschaft aufzubringen in der Lage und bereit sind. Notgedrungenermaßen führen zu Beginn dieser „Erkundungsreise“ die allermeisten Gespräche erst einmal zu einem „Nein“; erst im Laufe der Zeit verbessert der „Reisende in Sachen Vernetzung“ sein Gespür dafür, bei wem er mit seinen Gedanken auf Offenheit, Zustimmung und Bereitschaft stößt.

Wem dieser Weg zu mühsam ist, der möge nicht vergessen, daß er nicht nur seine Verantwortung gegenüber seiner Umwelt vernachlässigt, vielmehr geht es auch um die Wahrung der Verantwortung sich selbst gegenüber.

Was hier vielleicht ein bißchen überdimensional und geradezu idealistisch klingt, kann mit ganz kleinen Schritten beginnen: Es hilft sehr, wenn man weiß, daß man nicht allein ist; daß es also Mitmenschen gibt, die aneinander denken und sich dies auch gegenseitig wissen lassen. Nun haben wir alle ein wundervolles Werk der Technik zur Verfügung – das Telefon. Statt nun aber täglich (eventuell sogar mehrmals) unter hohem Zeit- und Kostenaufwand quer durch Städte, Länder und Kontinente zu telefonieren, genügt es völlig, denjenigen mit einem einzigen Klingelzeichen zu bedenken, an den man gerade gedacht hat und dem man dies auch mitteilen möchte. So rufe ich selbst Menschen, an die ich gerade denke, denen ich Kraft geben möchte, an und lasse es jeweils nur einmal klingeln. Zumeist erkennt der Angerufene auf seinem Display, wer ihn angerufen hat. Und wenn dies unter den „Netz-Partnern“ vereinbart ist, besteht auch kein Grund, zurückzurufen. Es bleibt einfach bei einem kurzen liebevollen Gedanken, einem Funken an Freude und Kraft, den man dem anderen damit schenkt.

Sie werden überrascht sein, welche Wirkung dies bei Ihren Netzwerk-Partnern (und auch bei Ihnen selbst) hat. Gerade wenn man sich aus der Masse zu lösen beginnt, ist es wichtig, zu wissen, daß man eben nicht einsam ist, sondern daß es bereits mehrere Menschen gibt, die den Sinn, den Wert und die unglaubliche Kraft erkannt haben, die in einer sich allmählich entwickelnden universellen Vernetzung unseres DenkFühlHandelns liegen.

Haben Sie Lust, es einmal zu probieren? Dann beginnen Sie mit dem Aufbau Ihres eigenen Netzwerkes, erweitern Sie dieses sukzessive, vernetzen Sie im nächsten Schritt auch Netzwerke untereinander und lassen Sie sich dabei nicht beirren von denjenigen, die immer noch meinen, die Entwicklung der Menschen obliege Wissenschaftlern und Politikern, Parteien und Gewerkschaften, Kirchen und Verbänden sonstiger Art.

Nein, wir sind es, die diese Verantwortung selbst übernehmen müssen, da sie weder delegierbar, noch in Gesetzestexten festgelegt werden kann.

Für Kommentare und Kritik, Ideen und weiterführende Gedanken stehe ich gerne zur Verfügung.

H.-W. Graf


[1] Wir spüren Hunger und Durst, müssen andererseits keine Angst davor haben, nachts plötzlich mit dem Atmen
aufzuhören, und ebenso automatisch erfolgen die Selektions- und Verdauungsprozesse.