Gerard Radnitzky und das verdammte 20. Jahrhundert

Gerard Radnitzky und das verdammte 20. Jahrhundert

Erinnerungen eines politisch Unkorrekten

– Warum Revisionismus Pflicht für Freiheitsfreunde ist –

Die nachfolgenden Auszüge aus der Autobiographie des im März 2006 verstorbenen Prof. Dr. Gerard Radnitzky („Das verdammte 20. Jahrhundert – Erinnerungen und Reflexionen eines politisch Unkorrekten“) erschienen in der April-Ausgabe von ‚eigentümlich frei’. Wir danken sowohl dem Herausgeber André F. Lichtschlag als auch dem Georg Olms Verlag für die freundliche Druckgenehmigung.

Uns ging es darum, mit dem nachfolgenden Artikel Prof. Radnitzky, der ja auch mehrfach Autor von Artikeln im Zeitreport war, ein ehrenvolles Andenken zu bewahren. Ihm und seinen klaren Gedanken verdankt dieses Land mehr, als es weiß.

Lesen Sie das Folgende aufmerksam – Sie werden staunen!

H.-W. Graf

 

Gerard Radnitzky und das verdammte 20. Jahrhundert

Erinnerungen eines politisch Unkorrekten

– Warum Revisionismus Pflicht für Freiheitsfreunde ist –

Alles verliert sich allmählich und zuletzt auch das Verlorene. Darauf kann man sich verlassen. Auch das Vergehen vergeht – im Nichts. Es gibt wenige Sätze, auf die man sich verlassen kann, von deren Wahrheit man überzeugt sein darf, ohne unvernünftig zu sein. Und der Spruch ist so tröstend. Beweisen läßt sich ein Satz über „Alles“ selbstverständlich nicht. Wird das Wort „beweisen“ genaugenommen, dann läßt sich außerhalb von Mathematik und Logik überhaupt nichts beweisen, und dort gelten die Beweise immer nur innerhalb eines bestimmten Systems. Wird diese Relativität nicht beachtet, der Zusatz nicht gemacht, stößt man sogleich auf semantische Paradoxien. Überzeugt von dieser durchgehenden Ungewißheit habe ich den oben stehenden Spruch als Motto gewählt.

Es ist den deutschen Politikern gelungen, eine geschichtslose Generation heranzuziehen, und die Generation der Zeitzeugen, die noch Selbsterlebtes korrigierend einbringen könnte, tritt langsam ab – genauer, sie ist fast schon im Jenseits verschwunden. Ich bin eine Art Über-bleibsel. Allgemeines Interesse kann die Schilderung von Selbsterlebtem jedoch nur dann haben, wenn sie sich in die wissenschaftliche (Zeit-)Historiographie einfügt und somit selbst zur Zeitgeschichte wird. Auch für ein besseres Verstehen des Selbsterlebten ist eine enge Verknüpfung mit der wissenschaftlichen Historiographie unentbehrlich. Daraus ergibt sich die Struktur: Man muß zeigen, was das Selbsterlebte mit den gleichzeitig eingetretenen „großen Ereignissen“ der Geschichte verbindet. Ich erzähle erlebte Geschichten und bestimme immer wieder meine Position im „Zeitstrahl“ anhand von Orientierungspunkten der „objektiven Geschichte“: Das Erlebte soll durch synchron zugeordnete Schlüsselereignisse der Zeitge-schichte in diese eingebracht werden.

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