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27. Dezember 2016

Intrigen – Wenn die Seele weint

27. Dezember 2016|Psychologie|Kommentare deaktiviert für Intrigen – Wenn die Seele weint

Jeder von uns kennt sie: Menschen, denen man nicht traut, weil sie dazu neigen, ihnen zur Kenntnis Gelangtes nicht nur weiterzuerzählen, um sich damit wichtig oder bei anderen „lieb Kind“ zu machen, sondern dabei auch nach Belieben eigene Gedanken, Meinungen und Bewertungen hinzuzudichten, also auf Wort– und Sinntreue wenig geben.

Es macht uns betroffen, wütend oder traurig, wenn wir dann von dritter Seite erfahren, was diesen als wahr hinterbracht wurde und in welch übler Weise dabei die Wahrheit verzerrt, entstellt oder gar in ihr Gegenteil verkehrt wurde.

Empört versuchen wir dann, das dieserart falsch Übermittelte richtig zu stellen, zu erklären und nicht Erwähntes hinzuzufügen, um der Wahrheit wieder auf die Beine zu helfen. Wir fühlen uns betrogen und verraten, ins falsche Licht gerückt und hintergangen.

Nun beschließen wir, diesem Intriganten gegenüber vorsichtiger zu sein, ihm künftig mehr zu mißtrauen und weniger zu vertrauen. Nicht selten registrieren wir dann jedoch, daß dieser Intrigant nun beileibe nicht sein maliziöses Treiben einstellt oder zumindest reduziert; weit gefehlt – jetzt geht es erst richtig los, und sämtliche Drohungen und Abmahnungen helfen dabei wenig. Der Ertappte versucht nun umso subtiler, seine korruptiven Spielchen weiter zu verfolgen.

Gehen wir in die Offensive und stellen wir den Intriganten offen bloß und zur Rede, wird dieser – je nach Mentalität – entweder heftig und aufbrausend jeden Vorwurf von sich weisen oder (mehr oder weniger geschickt) abzulenken versuchen. Er kramt dann aus einem unsichtbaren, aber stets sorgsam geordneten und „griffbereit“ gehaltenen „Säckchen“ Einzelheiten, Erinnerungsbruchstücke und Geschehnisse (z.B.: „Du hast damals wörtlich gesagt …“), die mit seiner Intrige selbst überhaupt nichts zu tun haben. Sie verfolgen eigentlich nur einen Zweck: alle am Gespräch Beteiligten zu verwirren und von den – sehr wohl empfundenen – Schuldgefühlen des Intriganten abzulenken.

Das Zerwürfnis ist perfekt, die Verwirrung auch. Bis die Beteiligten an einem derartigen (offengelegten) Intrigenspiel wieder zueinander finden und in zweckmäßiger Weise wieder miteinander umgehen, können Wochen und Monate, mitunter sogar Jahre vergehen. Mißtrauen begleitet jeden der Beteiligten von nun an wie ein dunkler Schatten.

Warum intrigiert ein Mensch, obwohl er doch wissen muß, daß die Verbreitung falscher Informationen irgendwann doch ans Tageslicht kommt (und dies zumeist im denkbar ungünstigsten Moment)?

Nun, oftmals deshalb, weil dem Intriganten selbst überhaupt nicht klar ist, daß er intrigiert.

Noch paradoxer: Unterstellt man ihm intrigantes Treiben, würde ihn dieser Vorwurf unsäglich erschüttern und entweder wütend oder traurig machen. Er ist sich der fehlerhaft oder nur fragmentarisch übermittelten Botschaft und deren Inhalte selbst gar nicht bewußt. Er gibt einfach das weiter, was ihm dienlich erscheint. Nur in den seltensten Fällen intrigieren wir bewußt und vorsätzlich.

Dies ist auch der Grund dafür, daß selbst hochintelligente Menschen oftmals auf so verblüffend dumme Art und Weise intrigieren, daß die Gefahr der Entdeckung der Intrige beinahe unausweichlich vorprogrammiert ist.

Was sind die Motive eines Menschen, der intrigiert?

Zuvorderst sind dies Minderwertigkeitskomplexe, das Gefühl, hintangestellt zu sein, nicht der eigenen Leistung entsprechend honoriert und geachtet zu werden. Dahinter kann sich Eifersucht verbergen, verletzter Stolz, das Gefühl der Nichtbeachtung oder das vermeintliche Bewußtsein um eigene Schwächen, die auf diese Art und Weise kaschiert werden sollen.

Stellen Sie sich dazu ein Gesellschaftsspiel vor. Es gehört schon eine gewisse Charakterfestigkeit dazu, nicht zu schummeln, wenn sich einem dazu die Gelegenheit bietet. Auf der anderen Seite: Wir alle kennen das Gefühl, einen Sieg gar nicht richtig auskosten zu können, wenn wir ganz genau wissen, daß wir geschummelt, also betrogen haben.

Warum intrigieren wir dann aber oftmals gegen Menschen, die wir eigentlich lieb haben, deren Vertrauen uns wichtig ist und die wir um Himmels willen nicht verlieren wollen?

Hier könnten wir Altvater Goethe zitieren: „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft“. Doch das Problem ist damit nur unzulänglich erklärt.

Schon eher hilft uns der klassische Satz weiter: „Zwei Seelen leben – ach – in meiner Brust“. Und so ist es tatsächlich: In jedem von uns wohnt ein ICH, das höchst liebevoll und warmherzig, vertrauensvoll und menschlich-nahe mit seiner Umwelt korrespondieren möchte. Dieses ICH ist glaubensfähig und geradezu kindlich-naiv, heiter und lustvoll-lebendig, eben natürlich. Nennen wir dies das helle ICH.

Andererseits tragen wir in uns ein zweites ICH, welches von unerfüllten Träumen und Wünschen, Niederlagen und fiktiven Ängsten arg gebeutelt sein Unwesen treibt. Dieses zweite ICH, das dunkle, kennt den Schmerz des Verlustes, des Alleingelassen-Seins, der Zurückweisung und des Weniger-Wert-Seins. In diesem zweiten ICH finden wir all die negativen Bannbotschaften verankert, mit denen wir im Laufe unserer Erziehung in Kindheit und Jugend „vertraut“ gemacht wurden („das klappt sowieso nicht“ oder „das darfst/kannst Du nicht“, etc.), es ist das adaptierte und höchst un-natürliche genormte ICH.

In diesem zweiten ICH erarbeiten wir all die Umwege und (vermeintlichen) Abkürzungen, die   – so hoffen wir – uns an die erstrebten Ziele bringen, ohne daß wir Fehler machen (vor denen wir schon deshalb Angst haben, weil sie regelmäßig mit Strafe, Vorwurf, Mißachtung oder Spott aus unserem Umfeld geahndet werden). Beinahe jedes Mittel ist uns recht, wenn es darum geht, Verluste zu vermeiden, den eigenen Wert nicht hintangestellt zu sehen, nicht zweiter Sieger zu sein.

Gerade wenn uns Menschen lieb und teuer sind, versuchen wir, deren Nähe notfalls auch zu erzwingen, sie von anderen fernzuhalten, die wir als Bedrohung für uns selbst empfinden. Daß dabei auch der geliebte Mensch nicht selten getroffen und verletzt, ins schlechte Licht gerückt und regelrecht verraten wird, kommt uns in diesem Moment gar nicht zu Bewußtsein.

Wie findet der Intrigant willige Opfer seiner Intrigen?

Nun, der Intrigant beweist bei seinem Vorgehen oftmals ein erstaunlich gutes Gespür dafür, wem er mit welchen Falschmeldungen am besten zuleibe rückt. Intrigen gedeihen am besten als Dialog zwischen zwei (oder mehr) ICHs der dunklen Art. Das dunkle ICH des Intriganten adressiert also ganz intuitiv und höchst subtil das dunkle ICH seines Gegenüber, bei dem er spürt, wie gierig der korruptive Inhalt der Botschaft aufgesaugt und als wahr ins eigene Meinungsbild gebettet wird.

Man könnte sagen: Zwei verletzte ICHs korrespondieren herrlich miteinander, weil sie unter ähnlichen Verlust- bzw. Versagensängsten leiden.

Träfe nämlich der Intrigant auf einen freien, authentischen Gesprächspartner, würde dieser bereits beim geringsten Verdacht, daß es sich um Wichtigtuerei, Tratsch oder eine handfeste Intrige handelt, den Intriganten unterbrechen und entweder denjenigen ins Gespräch ziehen, um den gerade eine Intrige geflochten wird, oder er würde sich jede Art intriganten Geschwätzes tunlichst verbitten.

Welcher Mittel bedient sich der Intrigant?

Er appelliert, wie bereits erwähnt, an die fiktiven Ängste seines Gegenübers und dies vornehmlich unter dem „Siegel der Verschwiegenheit“. Er verkauft sein (angebliches) Wissen dabei entweder völlig „uneigennützig“ oder zeigt – diese „Verpackung“ wird besonders gerne genommen – eigene Bestürzung, Trauer oder Empörung ob des (angeblich) Gesagten oder Getanen.

Je verletzter und empörter der Intrigant ist, umso willkürlicher flicht er Einbildung und Wunschdenken, Trauer und Wut um die tatsächlichen Geschehnisse. Er reißt aus dem Zusammenhang, zitiert bruchstück- und fehlerhaft, verweist auf (scheinbar) logische Zusammenhänge mit anderen Ereignissen (die damit zumeist überhaupt nichts zu tun haben). Je bereitwilliger das dunkle ICH seines Gegenüber die maliziösen Inhalte der Intrige aufnimmt, desto mehr steigert sich der Intrigant in seine eigene Intrige.

Anthony Greenwald, ein Hirnforscher, spricht hier von einem „totalitären Ego, das durch Interpretationen die eigenen Erfolge unangemessen hervorhebt und den Anteil Anderer schmälert“. Hierbei werden Erinnerungen nicht von Fakten, sondern von Meinungen bestimmt und, wie der Psychologe Don McAdams von der North-Western University in Illinois bekräftigt, konstruiert die subjektive und ausschmückende Erzählung die Vergangenheit. Dieses totalitäre Ego geht bei der Weitergabe von derartigen „Informationen“ oft so geschickt vor, daß es höchst vertrauenswürdig wirkt und nur dann weitergegebene Halb- und Unwahrheiten ans Tageslicht kommen, wenn der mit Desinformationen versorgte Gesprächspartner diese zu hinterfragen die Gelegenheit hat und sich die Zeit nimmt – was oftmals nicht möglich ist – und versuchterweise eben dadurch unterbunden wird, daß man die weitergegebenen Botschaften unter das „Siegel der Heimlichkeit“ stellt. „Wissens“vorsprung suggeriert Macht, Überlegenheit und steigert das Eigenwertgefühl des totalitären Egos.

Wir versuchen, so der Psychologe John Koter, „unser Erwachsenenalter wie Künstler zu durchlaufen, indem wir ständig das Selbstportrait übermalen, das wir erstmals in der Jugend anlegten“.

Speziell in Disstreß*-Situationen spielt uns unser Gedächtnis, bedingt durch die großen Mengen an ausgeschüttetem Cortisol (ein Streßhormon, das durch unsere Eingeweide tobt), einen Streich, wobei Isabella Heuser, Professorin am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim, den Verdacht äußert, daß eben dieses Cortisol Nervenzellen im Hippocampus, dem wichtigsten informationssteuernden Zentrum im Gehirn, nachhaltig schädigt – offensichtlich ein Hinweis darauf, daß negativer Dauerstreß für das Gedächtnis nicht gut ist. So kommt es speziell bei Trauer und nach Todesfällen zu einer Art Depression, die dann von einer erhöhten Cortisol-Ausschüttung begleitet wird. Es scheint also etwas daran zu sein, wenn der Volksmund sagt: „Streß macht alt“ – wobei hier präziser von negativem, also Disstreß, gesprochen werden muß. So erhöht sich unter Disstreß die Herzfrequenz, der Schlaf leidet, und es scheint, daß Disstreß-reiche Situationen den Alterungsprozeß beschleunigen. Zwanghafte Vorstellungen, die mit Versagens- und Verlustängsten einhergehen, können also buchstäblich Halluzinationen hervorrufen, die den davon Geplagten zwischen Wahrheit und Angst-stimulierten Irrealitäten nicht mehr unterscheiden lassen.

Zusammengefaßt: Hinter Intrigantentum, dem berühmten Hinter-dem-Rücken-Reden, dem Anschwärzen und Verleumden steckt also vornehmlich ein ganzes Arsenal von Versagens- und Verlustängsten, Autoritäts- und Minderwertigkeitskomplexen, Verlassenheitsphobien, manischen Selbstwertzwängen und anderen seelischen Traumata, deren Ursachen weit in die Kindheit zurückreichen, dort manifestiert und in unseren Lebensbaum eingegraben („engrammiert“) wurden. Diese Engramme wieder aufzuarbeiten und zu glätten ist insofern schwierig (manchmal sogar unmöglich), als dazu die Bereitschaft des Menschen gehört, sich auch dem Schmerz der Wiedererkennung zu stellen – vergleichbar mit der Angst vieler Menschen vor Spritzen, von denen wir zwar glauben (bzw. sogar wissen), daß sie uns helfen, deren Einstichschmerz (und das manchmal begleitende Druckgefühl, Übelkeit, etc.) wir jedoch beinahe noch mehr fürchten.

Viele dieser Menschen fühlen sich auch subjektiv „beschwerdefrei“ – wir kennen dies alle: Niemand hat Zahnschmerzen, wenn er im Wartezimmer des Zahnarztes sitzt.

Ein weiteres Problem ist die Tatsache, daß sich die meisten Intriganten – Intrige ist ja kein

24-Stunden-Job – oftmals auch sehr gewinnend und sympathisch, hilfsbereit und herzlich geben, man ihnen also ihr intrigantes Treiben (was ja spontan und in Schüben auftritt) eigentlich gar nicht zutrauen mag.

Schmerzlich beschämend ist für den Intriganten, der, wenn ihm seine Intrige brachial nachgewiesen wird, sich selbst nicht versteht, daß er sich und seiner Umwelt sein intrigantes Tun überhaupt nicht erklären kann. Die Einsicht darein, illoyal gewesen zu sein, unfair gehandelt zu haben und womöglich ihm liebe Menschen verraten und getäuscht zu haben, wirkt auf den Intriganten mitunter wie ein Schock. In der Folge zweifelt er an sich selbst, das Mißtrauen gegenüber der eigenen Urteilskraft, eigenem Tun und Handeln nimmt peu à peu zu und verunsichert ihn sogar noch zunehmend.

Intrigen wirken also – wenn sie nicht sauber erkannt, besprochen und offengelegt werden – wie ein Teufelskreis, durch den sich der Intrigant zunehmend selbst vergiftet – mit fatalen Folgen für sein eigenes System; früher oder später wird der Intrigant – abhängig von Häufigkeit und Grad seiner Intrigen – zwangsläufig körperlich, geistig oder seelisch ernsthaft erkranken, und der jeweils schwächste Teil seines Gesamtsystems wird dabei als erstes in Mitleidenschaft gezogen. Leider werden die daraus erwachsenden gesundheitlichen Schäden – seien dies Allergien oder Kreislaufstörungen, Ödeme oder Magengeschwüre bis hin zu verschiedenen Krebserkrankungen – dann nur medikamentös oder operativ (also exogen, d.h. von außen) therapiert, als daß – was äußerst schwierig ist und die meisten Humanmediziner auch völlig überfordert – auf die Ursachen der körperlichen Fehlfunktionen eingegangen wird.

Die Tendenz dazu, sich auf intriganten Pfaden Wohlwollen und Anerkennung, Liebe und Zuneigung, Dank und Lob zu sichern, erwächst aus Mustern, deren Ursachen bis weit in die Kindheit zurückreichen. Die Unfähigkeit vieler Eltern, Kindern gegenüber eigenes Versagen zu gestatten und einzugestehen, ihre Tendenz, sich dann lieber in Ausreden zu flüchten oder gar apodiktisch die eigene Schuld zu verklären („immerhin bin ich Deine Mutter“ oder „als Dein Vater werde ich wohl wissen, was richtig und falsch ist“), wird dem Kind die klare Meldung vermittelt, es gefährde die Nähe und Liebe seiner Eltern, wenn es nicht bereit sei, sich auf diese „Spielchen“ einzulassen. Da Eltern – zumindest für noch junge Familienmitglieder – per se Recht haben und nicht irren können, übernehmen die Kinder dann auch im späteren Leben diese Verhaltensmuster und nötigen damit ihren späteren Lebens- und Arbeitspartnern (sowie natürlich ihren Kindern) die gleichen Verhaltensweisen auf, deren tragische Pervertiertheit ihnen oftmals gar nicht klar ist.

Wiewohl sie spüren, daß hier etwas faul ist – bei Anderen empören sie sich ja sehr unzweideutig über deren Intrigen –, fürchten sie gleichwohl die Offenlegung ihrer eigenen Intrige, da ihnen schwant, daß sie durch die Offenlegung einer Intrige die Liebe des Anderen gänzlich verlieren (so wie ihre Liebe den eigenen Eltern gegenüber ja ebenfalls arge Einbußen erlitt, die sie sich jedoch – wiederum kultural bedingt – nicht einmal selbst einzugestehen wagen). Der eigene erlebte Vertrauensschwund (gegenüber den Eltern) wird dann auf die Umwelt projiziert, was weitere Ängste auslöst und den Intriganten immer weiter in die eigene Verhaltensweise treibt.

So gesehen ist der Intrigant ein beinahe bemitleidenswertes Opfer seines eigenen Fehl-DenkFühlHandelns. Wer im Rahmen einer Offenlegung dieser Verhaltensweisen aus diesem circulus vitiosus aussteigt – im Rahmen einer intensiven Psychoanalyse oder in psychologischen Seminaren –, kann mit diesem „Bann“ tatsächlich brechen. Er wird eine ungeheure Befreiung erleben, angstfrei zu vergeben lernen und die vormals oktroyierten Engramme auch vollständig glätten können. Selbstverachtung mündet dann in ein höchst befreiendes Selbstachtungsempfinden – vor allem wenn er registriert, daß seine Umwelt diese Wandlung nicht mit Häme und Spott begleitet, sondern diesen Umschwung ebenfalls erleichtert und freudvoll registriert.

Fazit: Je authentischer, d.h. ehrlicher und echter ein Mensch sein Leben lebt, er mit Siegen und Niederlagen gleichermaßen zu leben lernt und keine Zuflucht zu „Umwegen“ sucht, desto weniger Disstreß-behaftet wird er sein Leben führen – privat wie beruflich – und umso gesünder wird er sein System, seine „Triade“ aus Körper, Geist und Seele erhalten und genießen können.

Hans-Wolff Graf

* negativer Streß

27. Dezember 2016

Jeder Terror ist ein Akt gegen die Menschlichkeit.

27. Dezember 2016|Gesellschaft|Kommentare deaktiviert für Jeder Terror ist ein Akt gegen die Menschlichkeit.

Um es gleich vorwegzunehmen: Weder die Vereinigten Staaten von Amerika, noch sonst ein Staat, ein Volk oder eine Nation haben ‚den Terror’ oder ‚Terrorismus’ erfunden. Vielmehr leitet sich der Begriff ethymologisch vom lateinischen ‚terror’ (dtsch.: Angst, Schrecken) ab, mithilfe dessen Anwendung ggü. Dritten man zu erzwingen sucht, was man auf zivilisiertem Wege – durch Verhandlung, Überzeugung, Tausch – nicht zu erreichen vermag. Daraus darf grundsätzlich abgeleitet werden: Terror ist per se ein Akt der Hilflosigkeit, also ein eklatanter Beweis von Schwäche. Dabei ist Terror, den einer (als Einzelner wie auch als Gruppe/Staat) gegen einen anderen ausübt, beileibe nicht auf physische Gewalt beschränkt, vielmehr bedient sich der Terror Ausübende fallweise körperlicher (als Staat eben z.B. militärischer), aber auch emotionaler Mittel, der Androhung von unliebsamen Folgen und Strafen, um sein Ziel ggf. auch per Zwang durchzusetzen. Ob also ein Mensch dem anderen Gewalt androht, um dessen Brieftasche zu ergattern, oder George W. Bush dem Iran mit ‚ernsten Konsequenzen’ droht (für den Fall, daß dieser sein Atompropramm nicht aufgibt), ist prinzipiell dasselbe. Aber auch der Vater, der mit Prügeln sein Kind ‚zur Räson’ zu bringen versucht oder mit Essensentzug droht, übt damit Terror auf den mutmaßlich Schwächeren aus. Zumeist verkannt (zumindest jedoch unterschätzt) wird aber, daß auch die Inaussichtstellung von Ausgrenzung aus einer Gemeinschaft, deren Zugehörigkeit und Schutz man sucht, beim davon Betroffenen Ängste auslösen kann. Dieses Mittels – Liebesentzug, Schüren von Verlassenheitsängsten, Verlust des Arbeitsplatzes, etc. – bedienen sich Menschen und Sozialitäten/Sozialgemeinschaften unterschiedlicher Größe und Couleur (Familie, Bürogemeinschaft, Firma, Gewerkschaft, Partei), um den Willen des Individuums zu brechen, die systemische Ordnung aufrechtzuerhalten, Vorschläge (und allzu neue Ideen) abzublocken und drohende Veränderungen, d.h. Abweichungen von der bisher gültigen Norm zu unterbinden. Mit dem Mittel des Terrors versucht also eine Seite, ihren eigenen (vermeintlich bedrohten) Vorteil zu wahren – ohne Rücksicht auf die Interessen des Anderen.

Nun ließe sich einwenden, daß die Bedrohung eines Anderen geradezu ein ‚Naturgesetz’ sei – immerhin droht ein Löwe, dessen Fang sich Hyänen allzu frech nähern, auch mit physischer Gewalt. Dem ist allerdings zu entgegnen, daß ‚naturgebotene Gewalt’ nicht grundsätzlich Terror darstellt; ist nämlich der Hunger des Löwen gestillt – was er den Hyänen übrigens in seiner Körpersprache signalisiert –, kümmert es ihn in keiner Weise, wenn sich dann die Hyänen, die selbst wenig jagdtauglich sind, am Rest der Beute schadlos halten. Will sagen: Nicht jede Form der Gewaltanwendung ist eo ipso Terror; hingegen ist jede Art von Terror mit Gewalt verbunden, auch wenn diese nur theoretisch angewandt, also in Aussicht gestellt wird.

Hinzu kommt bei der Frage, wann Gewalt angebracht ist, ein nicht unerhebliches Unterscheidungsmerkmal: Das menschliche Gehirn, was uns (zumindest theoretisch) in die Lage versetzt, unsere Rechte als Individuum nicht nur mit Gewalt durchzusetzen, vor allem aber niemals mit jedweden Mitteln des Terrors.

Mit anderen Worten: Die Verteidigung eigener Rechte mag zwar mitunter den Einsatz von Gewalt bedingen, zum Terror wird Gewalt aber erst, indem ich die (Verteidigungs-)Rechte eines Dritten mißachte und ihn zur Aufgabe dieser Rechte zu zwingen versuche, um daraus einen zusätzlichen Gewinn/Vorteil zu ziehen.

Ein weiterer Aspekt: Terror entspringt einem Mangel an Intelligenz (im Sinne der Unfähigkeit des Ersinnens eines alternativen Vorgehens). Wer Terror ausübt, ist entweder zu bequem oder geistig nicht dazu in der Lage, ein Ziel zu erreichen. Dementsprechend setzt er eigene Überlegenheit ein, um mittels Terror etwas zu erzwingen – z.B. per körperlicher Überlegenheit (als Räuber oder gar als Vergewaltiger) –, was ihm auf freiwilliger Basis verwehrt und verweigert würde. So würde ein mutiger, selbstbewußter Mann niemals zum Vergewaltiger; entweder er geht einen fairen Tauschhandel ein und zahlt für einen Bordellbesuch, oder er arbeitet an seiner Sozialkompetenz und Kommunikabilität, um sich dem Ziel seiner Begehrlichkeit freudvoll nähern zu dürfen – ohne Einsatz von Terror und unter Wahrung und Achtung der Rechte des anderen Individuums. Auf die psychologischen Aspekte und die psychopathologischen Hintergründe des Einsatzes von Terror komme ich im weiteren noch zu sprechen.

Aber auch den Eltern, die dem seine individuellen Grenzen ausforschenden (und dabei Vater und Mutter manchmal auf die Nerven gehenden) Kind mit strafbewehrter Befehlsgewalt begegnen, weil dies bequemer ist, als Erklärungen zu liefern, lösen damit bei ihrem Kind Angst und Schrecken (eben Terror) aus. Ein Verständnis um Zusammenhänge, ein sinnstiftender Lerneffekt dergestalt, daß das Kind den Sinn eines Verbots oder eines alternativen Verhaltens erkennt und bejaht, kann nur aus Erklärungen resultieren, die aber eben Zeit und ein kindgerechtes Heranführen an Probleme verlangen und voraussetzen. Zwar muß sich das Kind – physisch unterlegen und materiell wie auch seelisch völlig abhängig – dem ‚Recht des Stärkeren’ (und dessen Terror) beugen, aber tief in seiner Seele reißt dies eine Wunde, die ohne nachgereichte Erklärung nie ganz verheilt und deren Narben irgendwann wieder aufzubrechen drohen – dann nämlich, wenn dieses Kind selbst zum Stärkeren heranreift und dann mit den gleichen Mitteln gegen Andere (dann Schwächere) vorgeht, die es selbst zu spüren bekommen hat.

Und jetzt kommen wir auf den Kern des Übels ‚Terror’ – nämlich die Frage: Wodurch wird der Mensch eigentlich zum Terroristen, wo es sich dabei doch ganz offensichtlich um ein Verhaltensmuster handelt, was weder (im ursprünglichen Sinne des Wortes) natürlich ist, noch um ein Mittel, was geeignet ist, Probleme auf Dauer zu lösen?

Terror definiert sich als die Summe der fiktiven (Schmerz-, Versagens- und Verlust-)Ängste, die bereits während der Primärsozialisation in uns verankert werden. Sofern diese eingebildeten/fiktiven Ängste nicht mit Erklärungen unterfüttert und aufgelöst werden, erleben wir sie passiv auch in den nächsthöheren Sozialitäten, in die wir als Jugendliche und später als Erwachsene hineinwachsen, und verwenden sie aktiv gegenüber Dritten, um Anderen unseren Willen und unsere Überzeugungen aufzuzwingen. Damit verstoßen wir aber gegen jede natürliche Menschlichkeit und unser grundlegendes Ethos, egal, wodurch die Anwendung von Terror unter moralischen Gesichtspunkten (Staat, Religion, Political Correctness, etc.) scheinbar gerechtfertigt wird.

Wie bereits erwähnt, ist die Anwendung von Terror keine natürliche Verhaltensweise; ausschließlich der Mensch bedient sich des Terrors als Mittel zum Zweck zur Erzielung eines Vorteils, und dies unter bewußter Mißachtung der Rechte eines Dritten.

Nun hat die Bewußtheit von Terror in unserem Leben eine lange Tradition. Sie geht zurück bis in unsere Kindertage, also in das Stadium der Primärsozialisation – in der kleinsten Sozialität, die wir als Familie bezeichnen. Terror, respektive die Angst davor, Terror erleiden zu müssen, sich in seiner Klein- und Schwachheit terrorisiert zu fühlen und diesem Terror ausgesetzt zu sein, ohne sich wehren zu können, stellt eines der traumatischsten Erlebnisse in unserer Kindheit dar. Und hier läßt sich an einem guten Beispiel erklären, was der Unterschied zwischen (natürlichem) Erschrecken und (widernatürlichem) Terror bedeutet: Jedem Kind flößen bestimmte Ereignisse – lautes Türenschlagen, Blitz und Donner, das wütende Bellen eines Hundes – Schreck ein. Erhält es dafür eine Erklärung vonseiten der Eltern, kann es diesen Schrecken verarbeiten – ohne seelische Narben, eben weil es verstanden hat, was ihn erschreckt hat. Wird das Kind jedoch erklärungslos mit diesem Schrecken alleine gelassen oder das schreckeinflößende Moment sogar als drohende Strafe mißbraucht, so führt genau diese Bedrohung zu einer Verankerung des Schreckens – aus einem natürlichen Ereignis wird eine latente Bedrohung; ein natürliches Erschrecken erweitert sich zu einer ständig im Hinterkopf gehaltenen fiktiven Angst.

Nicht selten benutzen Eltern derartige Schreckmomente, um allzu temperamentvolle und kreative Kinder zur Raison zu rufen, ohne dabei zu bedenken, welchen enormen Schaden sie damit anrichten können.

In gleicher Weise wirkt die ständige Bedrohung des Kindes vonseiten der Eltern mit Prügeln, Essens- und Schlafentzug, Stubenarrest in einem dunklen Zimmer sowie die strikte Verweigerung des Miteinander-Sprechens, der Zuwendung von Liebe und menschlicher Wärme verheerend; die Angst vor diesen physischen und emotionalen Schmerzen kann tiefe Wunden in die noch junge Seele reißen, und wie bei einer Wunde, die nicht sorgsam gepflegt wird und deshalb narbenlos heilen kann, wirkt die ständig wiederkehrende Bedrohung dann auch zunehmend als dauerhafte Angst (wenn auch nur fiktive) – eben als Terror.

Eine von derartigen Momenten der Angst durchwirkte Erziehung mag zwar für die Eltern den Vorteil haben, daß sich das Kind bequemer kontrollieren und disziplinieren läßt, die Eltern legen damit aber den Grundstein dafür, daß ihr Kind ein Angsthase, Duckmäuser und Feigling wird, sich selbst einer an sich natürlichen Kreativität und Neugier enthält und später zum angepaßten Mitläufer wird. Darüber hinaus entwickelt sich damit eine ‚Terroranfälligkeit’, die das Kind im späteren Erwachsenenleben auch leichter zum Opfer anderer Terrorismen werden läßt. Alternativ lernt und übernimmt das Kind aber auch diese Mechanismen, um sie seinerseits im späteren Leben einzusetzen.

So ganz nebenbei erfährt das Kind, während es in die zweite Stufe der Sozialität (erweiterter Familienkreis, Nachbarschaft) hineinwächst, daß derart dauerhaft verankerte Ängste anscheinend irgendwie zum Leben dazugehören. Es erlebt die Angst der Älteren vor Krankheit und Arbeitslosigkeit, Unfällen und Überfällen, Krieg und Tod; das Moment des Erschreckens und Erschrecktwerdens gewinnt an Permanenz. Nach und nach gräbt sich ins Bewußtsein des Kindes/Jugendlichen die Überzeugung ein, daß das Leben insgesamt eine Aufeinanderfolge von Gefahren, Bedrohungen und schmerzvollen Augenblicken ist. Die eigentlich natürliche und unser Werden und Wachsen stimulierende Welt verdichtet und verdunkelt sich zunehmend zu einer permanenten Gefahrenzone.

Unter pädagogisch wertvoller Observation nehmen dies die Eltern wahr und können durch Gespräche, vor allem aber durch ein positives Vorleben, dem Kind früh- und rechtzeitig die aufkeimende ‚Angst vor dem Leben’ nehmen. Sind jedoch die Eltern mit ihren eigenen Ängsten zu sehr beschäftigt, und machen sie sich das Leben als Eltern allzu einfach, so fehlt ihnen der Blick für diesen pädagogisch wichtigen Aspekt der Erziehung. Sie verkennen dabei aber, daß gerade in der frühesten Kindheit dem kleinen Spatzen noch jede Möglichkeit fehlt, sich intellektuell und emotional mit diesen Bedrohungen auseinanderzusetzen. Gerade kleine Kinder ahmen instinktiv erst einmal das nach, was ihnen die Umwelt vorlebt. Insbesondere die Eltern, die frühesten Bezugspersonen des Kindes, spielen dabei die entscheidende Schlüsselrolle. Hinzu kommen weitere, dieses Problem nährende, tagtäglich erlebte Einflüsse aus den Medien – Kriegs-/Horrorfilme, tägliche, von Gewalt strotzende Berichte, Killerspiele.

Ob und in welchem Maße ein Kind als ängstlich und verschüchtert in seine Jugendzeit hineinwächst oder bereits als Kind lernt, mit Interesse, Neugier und Lebensfreude ins Leben zu stapfen, entscheidet sich daher in der frühesten Kindheit.

Verängstigte Kinder werden zu verängstigten Jugendlichen. Sie setzen damit das Erbe ihrer Kindheit und deren Inhalte fort. Ein mit gesunder Lebensfreude und einem natürlichen Umgang mit den Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Verhaltensweisen ausgerüstetes Kind wird auch als Jugendlicher weniger schnell zum Opfer von Terror und Einschüchterung. Sein natürliches Warnsystem wird es Gefahren schneller erkennen lassen und es wird lernen, diesen eher auszuweichen, als daß es zum naiven Opfer von Cliquen und schlechtem Umgang wird. Ein in der Kindheit nicht mißbrauchtes, sondern genährtes Vertrauen wird das Kind auch als Jugendlichen dazu befähigen, sich mit Neuem interessiert, aber auch kritisch auseinanderzusetzen. Es wird sich in natürlicher Homogenität in die nächstgrößeren Sozialitäten (Schule, kommunales Umfeld und Beruf) hineinarbeiten, über neue Eindrücke und Erlebnisse reflektieren und kommunizieren, Gemeinsamkeiten wie auch Widersprüche entdecken und angstfrei bewältigen.

Natürlich wird es auch Krankheiten und Unfälle als nicht zu vermeidende Geschehnisse im Leben begreifen – aber eben angstfrei. Es wird Mitgefühl mit davon Betroffenen empfinden, aber nicht in Mitleid verfallen und eigene, tief in der eigenen Erinnerung vergrabene Ängste wiederentdecken und davor erschrecken. Es wird Vorsicht walten lassen, nicht hingegen überängstlich an Neues, Unbekanntes herangehen. Und es wird sich seine natürliche Neugier, sein Interesse an Andersartigkeiten, fremden Kulturen und Lebensformen bewahren und diese suchen, näher kennenzulernen und zu verstehen.

Fazit I: In unserer Kindheit werden also bereits die Weichen dafür gestellt, ob wir im späteren Leben mit Vorurteilen und Ressentiments an uns später begegnende Unterschiedlichkeiten in der Berufs- und Lebenswelt herangehen, oder diese mit hohem Interesse und natürlicher Neugier zu erfahren versuchen. In gleicher Weise wird aber schon in der Kindheit festgelegt, ob wir uns leicht erschrecken und ins Bockshorn jagen lassen. Ein von Terror unbelastetes Kind wird später aber auch nicht selbst zum Mittel des Terrors greifen, um sich damit einen Vorteil zu ergattern, den es auf andere Weise glaubt, nicht erzielen zu können.

Religiös und staatlich organisierter Terror

Die vorsätzliche Ausnutzung von fiktiven Ängsten ist jedoch beileibe nicht auf die Beziehung einzelner Menschen miteinander beschränkt; auch Organisationen bedienen sich fiktiver Ängste der Menschen, um diese möglichst umfassend und effektiv in ihrem DenkFühlHandeln unter Kuratel zu bringen und zu halten.

So lebt jede Religion davon, ihre Mitglieder (und potentielle neue) einerseits in einen Kranz von Lebens- und Verhaltensvorschriften für möglichst alle Belange des Lebens einzubinden und andererseits einen Katalog von Versprechungen für den Fall anzubieten, daß diese Regeln eingehalten werden, bzw. eine Liste von Drohungen parat zu halten, die denjenigen terrorisiert, der gegen diese “göttlichen” Verbote verstößt. Genau hieraus generieren die Religionen ihre Macht und ihren Einfluß. Ihr Fußvolk – hierarchisch sorgsam geordnet und trainiert wie ein Strukturvertrieb – spielt dabei perfekt auf dieser Klaviatur subtiler Ängste (Krankheit, Seuchen, Hunger, Tod, vor allem jedoch mit der Inaussichtstellung auf “ewige Qual ohne Erlösung” im Jenseits, auf dessen genauen Beschrieb sie gleich noch einen Alleinwissensanspruch erheben). Gleichzeitig offerieren sich diese Statthalter des jeweiligen Gottes als benevolente Vermittler für ein freudvolles Lebens und ewige postmortale Glückseligkeit. Einzige Bedingung dafür ist die widerspruchslose Akzeptanz ihres Regelkatalogs, der selbstredend göttlichen Ursprungs ist und in jeweils recht kreativer Weise seinen Weg zu uns Menschen gefunden hat.

Mithilfe dieser Drohkulisse, eines Katalogs von Strafen und Belohnungen festigt die jeweilige Religion ihre Systemik, hält ihre Mitglieder bei der Stange und genießt – insbesondere in Deutschland – ihre Privilegien. Das System selbst fußt also auf einer jeder Aufklärung spottenden, sich jeder Überprüfbarkeit verweigernden Desinformation – eben mithilfe des an die emotionalen Ängste appellierenden Terrors. Und da wir per se “allzumal Sünder” sind, verstößt Jeder täglich mehrmals gegen “göttliches Gebot”. Alleine dieser Satz grenzt mutmaßlich an Häresie und dürfte dem Autor postmortal Dekaden an Dunkelhaft bei Schwefeldampf und sonstiger Unbill einbringen.

Im Rahmen dieser ideologisch verquasten Terrorsystemik führ(t)en die Religionen – egozentrisch und intolerant gegen jedes andere religiöse Terrorsystem abgegrenzt – Kriege, erober(t)en Länder und ganze Kontinente, saug(t)en die Bevölkerung mit eigenen Steuergesetzen und Abgabenverpflichtungen aus, um ihrerseits ubiquitär Gotteshäuser zu errichten, Statthalter einzusetzen und Reichtümer anzuhäufen. Wo dies opportun war, arrangierten sich die Religionen problemarm mit Despoten und Diktatoren, Fürsten und Kaisern, heutzutage mit Staatsformen aller Couleur, deren Waffen sie segnen, Heere begleiten und Gesetze sanktionieren; kein Wunder, daß weltliche Potentaten immer auch die Nähe zur jeweils stärksten Religion suchten, um ihre Macht durch deren Placet auch göttlich abgesichert zu sehen. Wer sich diesem Gesetz widersetzte, verlor binnen kurzem auch seine Macht. Staat und Religion war also aus wechselseitigen Interessen stets an einem beiden Seiten dienlichen Miteinander in höchstem Maße gelegen.

Dem sakralen Terror steht der säkulare Terror – früher durch Gottkaiser und Pharaonen, später durch Fürsten und Könige (“von Gottes Gnaden”!), heute durch mehr oder minder undemokratische Regierungen – in nichts nach. Offiziell immer am Wohl des Volkes (“sozial“) und vor religiös fundiertem Hintergrund (“christlich“, “islamisch“, “hinduistisch“) herrscht die jeweilige weltliche Elite mithilfe eines breitfächrigen, möglichst undurchlässig-dichten Gesetzes- und Vorschriftenkatalogs, der einerseits Wohltaten und Sicherheit des Individuums zu sichern und zu garantieren vorgibt, andererseits aber jede Andersartigkeit, jedes Abweichen von einer obrigkeitlich verordneten Systemik mit Argwohn registriert oder unter Strafe zu stellen versucht. Die Enge dieses Gesetzeskatalogs einerseits und der Aufbau von Feindbildern (gegenüber anderen Staaten, inneren Feinden und möglicherweise drohenden Gefahren des Alltags) festigt und sichert die Macht des jeweiligen Staates bzw. der ihn regierenden “Eliten”. Je enger das Netz der Verordnungen und staatlichen Eingriffe und Kontrollen – natürlich alles zum Wohl der Bürgerschaft –, desto verunfreiheitlichter lebt die jeweilige Bevölkerung; man muß es ihr nur entsprechend euphemistisch verkaufen – die Kernaufgabe der jeweiligen Parteien und ihrer Fackelträger.

Darüber hinaus unterhält der Staat ein Millionenheer an Beamten und Bediensteten, Systemträgern der in alle Bereiche des Familien- und Arbeitslebens reichender [öffentlich-(un)rechtlicher] Organisationen – wiederum von unendlicher Fürsorge getrieben –, die nach offizieller Lesart nur dem Schutz der Bevölkerung nach innen und außen sowie dem “sozialen Ausgleich” dienen. In Wahrheit entmündigt der Staat seine BürgerInnen, verunfähigt sie ganz bewußt, ja vorsätzlich, und generiert damit eine – natürlich für viele recht bequeme – Abhängigkeit, mittels derer er seinen Machtanspruch sichert. Hierzu dienen Feindbilder und Drohkulissen aller Art: der böse Nachbarstaat als möglicher Angreifer, die Fährnisse der Umwelt, Krankheiten und alltägliche Gefahren des Lebens, die Folgen ungesunder Lebensführung und ausbeuterischer Arbeitsbedingungen, soziale Ungerechtigkeiten und ein gefährdeter Lebensabend – eine illustre Fülle drohender Momente, die zu begrenzen und zu bezwingen nur dem Staat und seinen willfährigen Bütteln, vor allem aber den Berufspolitikern in ihrer grenzenlosen Weitsicht und Weisheit obliegen kann. Auch diese Subsysteme des Staates bedienen sich des Vorschriften- und Ahndungskatalogs ihres obersten Heerführers, des Gesetzgebers, obgleich dessen “Chef”, die Bürgerschaft als (offiziell) oberster Souverän, dem Gros der Gesetze niemals zustimmen würde. Von Demokratie wird deshalb zwar offiziell und bei jeder sich bietenden Gelegenheit geschwafelt, realiter spielt sie jedoch nicht die mindeste Rolle.

Trefflich in die Hand spielt dem staatlichen System dabei das dichte Geflecht seiner Informationsnetze sowie die Fülle staatlich geführter Mediendienste, die den politischen Kurs, die ‘political correctness’ vorgeben. Sich dem Bevormundungs- und Überwachungsstaat zu versuchen zu entziehen, ist gefährlich, denn auch die Justiz ist alles andere als unabhängig; wer an eine Karriere als Richter oder Staatsanwalt denkt, wähle klugerweise die richtige Parteimitgliedschaft und befolge geflissentlich ‘interne Anweisungen’.

Im Namen der ihm obliegenden (in Wahrheit: hoheitlich angemaßten) Schutzfunktion bestimmt die Führungsclique über Krieg und Frieden, Militäreinsätze oder die Verwendung von Milliarden für Einsätze “befreundeter” Nationen und die Finanzierung von „befreundeten“ Diktatoren (vulgo:Entwicklungshilfe’). Sie verfeinert mit erheblichem Aufwand das staatliche Kontroll- und Überwachungsnetz, erläßt zusätzliche Gesetze und Verordnungen, fördert Systemdienliches und verunfreit, was sich ihr in den Weg stellt. Man müßte wort- und sinntreu von ‘Parteiendemokratur’ sprechen.

Der “Kampf gegen den Terror” ist in Wahrheit nur die systemische Abgrenzung gegenüber anders denkenden Religionen, Staaten und Nationen (die ihrerseits mit weltlichen und religiösen Terrorismen ihre Bevölkerung intellektuell und emotional verdummen und versklaven), ein subtiler Terror des Staates gegenüber der eigenen Bevölkerung, der damit die Kreation neuer Gesetze und Maßnahmen “legitimiert”, die seinen Machterhalt noch weiter zu sichern hilft, die Abhängigkeit der Bevölkerung noch weiter vorantreibt und das Verwaltungs- und Informationsnetz noch dichter werden läßt.

Hieraus wird ersichtlich, welchem Zweck Geheimdienste und unter Verschluß gehaltene Informationen tatsächlich dienen – beileibe nicht der Bevölkerung und deren Schutz, sondern ausschließlich dem Systemerhalt des jeweiligen politischen Klüngels. Spätestens hier entlarvt sich der Staat, respektive seine politische “Elite” selbst – weit jenseits jeglichen Demokratieverständnisses – als gefährlicher Terrorist, bzw. strafrechtlich potentiell als kriminelle Vereinigung.

Fazit II: Terror geht beileibe nicht primär von einzelnen Menschen aus; vielmehr benutzen sakrale wie säkulare Systeme vorsätzlich und filigran organisiert den ganzen Katalog fiktiver (und als real suggerierter) Ängste, um Feindbilder aufzubauen, ihre Macht zu sichern und auszubauen sowie zur Abwehr von jedwie anderem Denken. Religionen und Staaten ist dabei jedes Mittel recht, selbst das der Rechtsbeugung und eines Verfassungsbruchs – notfalls “geheilt” mithilfe von “Notgesetzen”, neuen Verordnungen oder geheim(dienstlich)en Aktivitäten. Hinter jedem Terrorakt, den uns Medien und Politiker als solchen verkaufen, steht eine weltliche oder religiöse Organisation, denn kein Einzelner käme je auf die Idee, einen Staat, eine andere Nation oder eine fremde Religionsgemeinschaft anzugreifen, wenn er nicht zuvor entsprechend desinformiert, manipuliert und emotional wie intellektuell korrumpiert wird. Er verstieße damit nämlich gegen jedes natürliche Ethos.

Terror setzt den “Segen” und ein entsprechendes Lohnversprechen vonseiten einer dahinterstenden systemischen Organisation voraus. Ob es sich dabei um Orden, Titel und Positionen oder ewiges Glück inmitten von Jungfrauen (zum einmaligen Gebrauch) und unsterblichen Ruhm handelt, ist primär ohne Belang. Ob wir uns i.p. Sprache (“political correctness“) und Lebensstil bzw. der Gestaltung unserer Arbeitswelt oder bei den Fragen der Sozial- und Altersvorsorge von einem allgegenwärtigen Staat kujonieren, entmündigen und zunehmend bevormunden lassen, dafür wird der Grundstock bereits in frühester Kindheit und Jugend gelegt.

Aufgabe einer pädagogisch wertvollen Erziehung durch Eltern und Lehrer sollte also sein, selbst auf Terrorismen jeglicher Art zu verzichten und dem Kind/Jugendlichen eine terrorresistente Lebensführung vorzuleben. Nur damit entwickeln Kinder/Jugendliche auch ein feines Gespür dafür, was falsch und echt, manipulativ oder motivatorisch, korruptiv oder kooperativ ist. Nur: Wer lehrt dies erst einmal die Eltern und Erzieher? Etwa unser (wiederum) staatliches “Bildungs”system?!?

Nein, dafür müssen wir schon selbst sorgen – so unbequem und zeitaufwendig dies auch sein mag.

Hans-Wolff Graf

27. Dezember 2016

‚Political Correctness‘ – Meinungsterror!

27. Dezember 2016|Gesellschaft, Kultur und Geschichte, Psychologie|Kommentare deaktiviert für ‚Political Correctness‘ – Meinungsterror!

Wir alle sind (als „Rudeltiere“) darauf hin erzogen, in Harmonie mit unserer Umwelt zu leben, um Konflikte möglichst zu meiden. Der „Preis“ dafür ist, daß wir uns dem Moralcodex – der Summe der Sprach- und Verhaltensmuster – anpassen, die unser Umfeld kennzeichnen. Soweit es sich hierbei um höfliches Benehmen, Eßsitten, etc. handelt, ist dies nur zu begrüßen. In diesem Artikel soll es aber mehr um unsere nach außen gezeigten Verhaltensmuster gehen, die sich in unserer Sprachlichkeit dokumentieren. Angepaßt und bequem lebt demnach, wer sich bestmöglich dem ‚codex generalis‘ unterwirft. Da man damit aber andererseits auch immer ‚unauffälliger‘ wird, versuchen wir, zumindest in Teilbereichen unseres Lebens eine Art ‚Originalität‘ zu entwickeln bzw. zu bewahren, um uns (zumindest partiell) zu unterscheiden, individuell und unverwechselbar zu bleiben. Gerade in der geistig-seelischen Pubertät kommt es deshalb regelmäßig zu Problemen, wenn der heranreifende Jugendliche sein eigenes Profil, seine individuelle Unverwechselbarkeit sucht und zu entwickeln bestrebt ist. Je ruhiger und gelassener Eltern und Umfeld mit Interesse und Verständnis (statt mit Vorschriften, Zwang, Verachtung und Spott, Versagens- und Verlustängsten) darauf reagieren, desto leichter fällt es, Spitzen in dieser Entwicklungsphase zu „glätten“, Übersprungsreaktionen zu vermeiden und dem Jugendlichen zu helfen, einerseits seine Individualität auszuprägen, andererseits den Konnex zu seinem Umfeld (und damit den ‚Boden unter den Füßen‘) nicht zu verlieren [also keine Angst vor Eskapaden – Piercing, grellem Auftritt, pubertärer Sprache, emotionalen Ausbrüchen, etc.]. Beugt sich der pubertätsgebeutelte Jugendliche nämlich dem Anpassungsdruck zu nachhaltig (z.B. durch eine allzu ausgeprägte Angepaßtheit der Eltern), gibt der Jugendliche seine Suche nach individueller Selbständigkeit auf und führt künftig ein unauffälliges Leben in der Masse. Nur in seiner Phantasie und der Pseudo-Realität von Filmen, Trash-TV (‚DSDS‘, ‚Dschungelcamp‘) oder heimlich (z.B. in ‚Swinger-Clubs‘ und SM-Studios), in Fußballstadien, Rockergruppen oder in „offiziellen“ Ausnahmesituationen „Fasching/Karneval“, „Oktoberfest“, etc.) lebt dieser Mensch dann die kärglichen Reste von Individualität aus, die ihm ansonsten probat abtrainiert wurden (bzw. die ihm nie gestattet waren, auszuleben). Manche kommen aus dieser inneren Protestphase für den Rest ihres Lebens nie heraus. Andere suchen dann ihr Heil in sakralen Zirkeln, Religionen und Sekten, exzessiven/rücksichtslosen Karrieren, Risikosportarten oder als Politiker.

Hinter all diesen Verhaltensweisen/-störungen und unterdrückten Individualitätsmustern stecken instinktive Bedürfnisse und damit in Konflikt stehende Versagens– und Verlustängste, die Angst vor Ausgrenzung und Vorwurf, Schuld und Vereinsamung.

Diese individuelle Problematik wird aber zu einer kollektiven Verhaltensstörung, wenn einer Gruppe von Menschen, gar einer Nation, Verhaltens-, Denk- und Sprachmuster übergestülpt werden, die einzig dem Zweck dienen, sie unter Kuratel zu zwingen und kollektive Schuldgefühle aufzubauen – kurz: Abhängigkeiten zu entwickeln und Kontrolle über sie zu erhalten/behalten. Beispielhaft seien hier sämtliche Religionen erwähnt, deren Vorgaben/Gebote kein Mensch zu 100% erfüllen kann (soll er ja auch gar nicht; sonst entzöge er sich dem kollektiven Schuldvorwurf). Aber auch nach Kriegen werden die Sieger jeweils zu Despoten über die Verlierer (Deutschland kann auch nach fast drei Generationen ein „Lied“ davon singen); den Juden werfen stramme Christen bis heute vor, einen gewissen Jesus ans Kreuz genagelt zu haben; die US-Regierung zahlt bis heute Indianern Renten für den Landraub der Weißen. Das ganze Arsenal von Vorurteilen, mit denen praktisch jedes Volk (zumeist von seinen Nachbarvölkern) belastet ist, grenzt ab und aus, kollektiviert die Masse, schafft und bewahrt Feindschaften und gerinnt zu ‚Meinungsterror‘. Sich dem zu entziehen, ist umso schwieriger, je des-individualisierter der Einzelne ist.

All unser berufliches wie auch privates Tun und Handeln wird durch ein gemeinsames Faktum gebündelt – die Sprache. Mittels Sprache erfolgen alle Formen des Austauschs von Gedanken und Gefühlen, Meinungen und Ansichten, Wünschen und Forderungen, Angeboten und Befehlen. Unser gesamtes DenkFühlHandeln versammelt sich in unserer Sprachlichkeit, und insofern ist unsere Sprech-, Schreib- und Körpersprache das einzigartige und wichtigste „Instrument“, mit dem wir den Kontakt zu unserer Umwelt aufbauen und pflegen. Insofern ist leicht nachzuvollziehen, daß unsere Sprache – quasi der Spiegel unseres DenkFühlens – wie ein Ausweis unserer Personalität wirkt, und dementsprechend benutzen wir unsere Sprache: Wenn wir uns in Sicherheit, im familiären Umfeld, unter Freunden oder Gleichgesinnten wähnen, pflegen wir eine offenere Sprache; treffen wir auf Fremde, gehen wir sprachlich vorsichtiger vor (oder haben Scheu, uns überhaupt zu äußern). Ob wir Artikel schreiben oder Vorlesungen/Vorträge halten, Kundengespräche führen, neue Mandanten kennenlernen oder im Urlaub auf Unbekannte stoßen, wir versuchen, uns sprachlich auf die Situation einzustellen. Je selbstsicherer, freier und unverklemmter wir sind, desto autarker und authentischer ist auch unsere Sprache. Natürlich gilt es dabei gewisse Anstaltsregeln einzuhalten, aber unser Wunsch ist eigentlich, ehrlich zu sagen, was wir denkfühlen. Dennoch unterstellen wir uns sprachlich (mündlich wie schriftlich) unbewußt auch der verbalen Korrektheit („political correctness“), um nicht anzuecken, nicht gegen „Tabus“ zu verstoßen, nicht abgelehnt oder ausgegrenzt zu werden – je unsicherer und angepaßter wir sind, desto mehr.

Nicht selten führt diese sprachliche „Kastration“ dann aber auch zu Fehleinschätzungen (von beiden Seiten), Mißverständnissen und (zwangsläufig) späteren Enttäuschungen, wenn aus vormals Fremden allmählich Bekannte oder Freunde werden.

Fazit:Meinungsfreiheit‘ ist ein sehr ambivalenter Begriff. Es gilt, sorgsam zwischen individueller Empfindungswelt, Ansicht und Meinung einerseits sowie kollektiver Haltung andererseits abzuwägen. ‚Meinungsfreiheit‘ kann weder gesetzlich verordnet, noch politisch diktiert werden; sie ist ein individuelles Gut und ein personaler Wert, den sich niemand aufzwingen lassen sollte – man muß sich ja nicht zu allem äußern, zu allem eine Meinung haben. Insofern spiegel z.B. Umfragen zur Meinungsfreiheit zumeist mehr die Ängste der Befragten als eine faktische Entität wider. Ebenso wenig kann der Gesetzgeber eine Meinungs’freiheit‘ garantieren, denn der meisten Menschen ‚Meinung‘ ist ohnehin nicht ihre eigene, sondern der sprachliche Spiegel dessen, was sie als Ansicht von Dritten übernommen haben, denn eine (eigene) MEINung setzt eine intensive Auseinandersetzung mit thematischen Inhalten voraus, und dazu nehmen sich die meisten Menschen ohnehin nicht die Zeit. Deshalb „leihen“ sie sich lieber von Anderen, was sie dann als ihre (eigene) Meinung äußern und vertreten. Keiner muß Angst davor haben, eine (wirklich eigene) Meinung zu vertreten, wenn sie nicht gleichzeitig die Ehre, das Ansehen und die Freiheit eines Dritten verletzt. Gleichwohl gilt es, insofern achtsam mit kollektiven Ängsten/ Befindlichkeiten zu rechnen, denen sich derjenige aussetzt, der sich öffentlich zu brisanten Themen äußert. Hierbei gilt es einerseits, nicht über juristische Tretminen zu stolpern, andererseits aber auch nicht über eigene Ängste, auf Widerstand und Ablehnung zu stoßen – womit wir wieder bei der o.g. Frage angelangt sind, wie sich eine autarke, authentische Persönlichkeit von einer allen genehmen, angepaßten Person unterscheidet.

Hans-Wolff Graf

15. März 2015

Für Sie gelesen: Wir sind das Kapital

15. März 2015|Finanzen / Wirtschaft, Gesellschaftssystem, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen: Wir sind das Kapital

Erkenne den Entrepreneur in Dir – Aufbruch in eine intelligentere Ökonomie

In „Wir sind das Kapital“ geht Faltin der Frage nach, welchen Beitrag wir alle und nicht nur wenige Spezialisten zum Thema innovatives Entrepreneurship leisten können, und wie wir Potentiale erkennen und nutzen.

Autor: Günter Faltin
Verlag: Murmann Publishers, Hamburg
Preis: € 22,00
Umfang: 288 Seiten
ISBN: 978-3-86774-419-5

„Wenn wir uns darauf einlassen, Entrepreneure zu sein, steht uns die Welt offen. (…) Wir brauchen Entrepreneure, um die Problemberge, die vor uns liegen, anzugehen. Die althergebrachten Denkweisen und Institutionen haben die Probleme verursacht. Wir sollten nicht darauf vertrauen, daß die Verursacher der Probleme nun die geeigneten Lösungswege finden werden.“

Günter Faltin, überzeugter Gründer und Wegbegleiter von Start-Ups sowie Autor des Bestsellers „Kopf schlägt Kapital“ legt mit „Wir sind das Kapital – Erkenne den Entrepreneur in Dir. Aufbruch in eine intelligentere Ökonomie“ sein zweites Buch vor und entwickelt darin seine Gründungslehre entscheidend weiter.

Als Unternehmer und Initiator der Teekampagne gilt Faltin als Wegweiser, Vordenker und Vernetzer einer neuen Bewegung von Entrepreneuren, die sich eine bessere Welt und eine intelligentere Ökonomie auf die Fahnen geschrieben haben.

In „Wir sind das Kapital“ geht Faltin der Frage nach, welchen Beitrag wir alle und nicht nur wenige Spezialisten zum Thema innovatives Entrepreneurship leisten können, und wie wir Potentiale erkennen und nutzen. Er fächert minutiös eine höchst systematische Methode zur Unternehmensgründung auf und stellt dabei die Wichtigkeit eines tragfähigen Unternehmenskonzepts für erfolgreiches Entrepreneurship heraus.

Faltins Forderung an die Unternehmer: Unsere Gesellschaft benötigt einen modernen Typus des Entrepreneurs, der auf innovative Produkte setzt, die unsere Ressourcen schonen und zivilgesellschaftliches Engagement einer aggressiven, alle Bereiche unseres Lebens vereinnahmenden Ökonomie entgegensetzt. Denn die wachsenden Probleme unserer Zeit sind mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr zu lösen. „Wir müssen selbst aktiv werden. Als Entrepreneure, Künstler, als genügsame, aber zukunftsfähige Handelnde. Bescheidener, was den Verbrauch an Ressourcen angeht, anspruchsvoller, wenn es um geglücktes Leben geht.“

Über den Autor:
Günter Faltin baute den Arbeitsbereich Entrepreneurship an der FU Berlin auf. Vor 30 Jahren gründete er die Teekampagne – eine einzigartige Erfolgsgeschichte – und begleitet heute als Business Angel zahlreiche Unternehmen. Sein letztes Buch „Kopf schlägt Kapital“ war ein Bestseller, der in acht Sprachen übersetzt wurde. Er lebt und arbeitet in Berlin und Chiang Mai.

20. Februar 2015

Die Lösung der Euro-Krise – eine völlig neue Sichtweise

20. Februar 2015|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Die Lösung der Euro-Krise – eine völlig neue Sichtweise

Das auslaufende „Ultimatum“ für die neue griechische Regierung wird, kein Wunder, ausgehen wie das ‚Hornberger Schießen‘ – ohne Verlierer und Gewinner; Tsipras, Varoufakis & Co dürfen ihr Gesicht nicht verlieren und wissen zudem, daß sie niemand gewaltsam aus der EU werfen kann; Junker, Schäuble & Co sitzen zwar am Geldhahn, haben aber längst verlautbart, daß sie den EURO retten würden, koste es, was es wolle.
Dabei ist jedem politisch unabhängigen Wirtschafts- und Währungsexperten seit Jahren klar, daß der EURO irreparable Geburtsfehler in sich trägt – ein böses Erbe der Kohl-Mitterand-Ära -, schlicht mit Gewalt (und jenseits aller Demokratie!) „vereint“ werden sollte, was unter sozial-, fiskal-, steuer-, kultur- und rechtspolitischen Aspekten noch bei weitem nicht zusammenpaßte – woran sich bis heute wenig, teilweise sogar überhaupt nichts geändert hat.

Nein, der EURO (und damit die Eurozone) ist mit noch so viel Geld, blinder Wut, Verbissenheit, noch mehr Kandidaten, Märchen und leeren Versprechungen zu retten. Vielmehr bedarf es einer völlig neuen Sichtweise – jenseits aller politischer Grabenkämpfe und parteilicher Profilierungsversuche; einzig getragen von der ehrlichen Absicht, Europa zu einer zukunfts- und wettbewerbsfähigen Kraft zu formen, ohne nationale Identitäten zu zerstören.

Mit besten Grüßen

H.-W. Graf

Lesen Sie hierzu:

Die Lösung der EURO-Krise
Die EURO-Finanz-, Banken-, Wirtschafts- und Sozialkrise kann nur gesamtheitlich gelöst werden
www.d-perspektive.de/konzepte/loesung-der-euro-krise

13. Januar 2015

Der Koran beweist es: Der Islam ist so “friedlich” wie das alttestamentarische Christentum!

13. Januar 2015|Gesellschaftssystem, Kultur und Geschichte|Kommentare deaktiviert für Der Koran beweist es: Der Islam ist so “friedlich” wie das alttestamentarische Christentum!

Wer anderes behauptet, hat entweder keine Ahnung (und den Koran nie gelesen), oder er/sie lügt, oder ergeht sich (feige) in ‚politischer Korrektheit‘.

  1. Muslim(a), egal welcher Art, wird man nicht per ‚Taufe‘, sondern qua Geburt. Wenn der größte Teil der Muslime tatsächlich friedliebend ist, so nicht wegen der Friedliebigkeit des Islam, sondern entgegen der klaren Weisung des Koran, Nicht-Islamisten aktiv zu bekämpfen (notfalls zu töten). De facto handeln sie also wider den klaren Befehl des Propheten.
  2. Ebenso barer Unsinn ist die Behauptung (unserer Politiker und auf Ausgleich bedachter Gutmenschen), es gäbe einen demokratischen Islam. Der Koran ist Allahs Wort, gilt absolut und jenseits aller staatlicher Gewalt und Lehre. Ein (demokratisches) Mitspracherecht weltlicher Art ist per se ausgeschlossen; darüber helfen auch alle dialektischen Klimmzüge nicht hinweg – ob sie von Herrn Özdemir, Frau Merkel, Bundespfarrer Gauck oder sonst wem kommen.
  3. Der Islam (bzw. der Koran) ist – nimmt man ihn, wie verlangt, ernst – nicht nur frauenfeindlich (in dem Sinne, daß Frauen alles andere als gleichberechtigt sind), sondern (siehe 2.) verfassungswidrig; er erfüllt (an fast 200 Stellen im Koran) klar den Tatbestand der Bildung einer kriminellen Vereinigung, müßte also de facto längst den Generalstaatsanwalt und den Verfassungsschutz auf den Plan rufen, da er zur Spaltung der Gesellschaft, zu Gewalt, Zwang, Nötigung, Betrug (an Ungläubigen), Intoleranz und sogar zu Mord aufruft. Doch welcher (General-)Staatsanwalt hätte den Mut, hier einzuschreiten.

Der Koran ist im gesellschaftlichen Gedankenfeld einer Wüstenreligion des 7. Jahrhunderts verhaftet und enthält den klaren Befehl, sich ausschließlich den Weisungen des Propheten zu unterwerfen, Allahs Wort aktiv und kompromißlos(!) weiterzuverbreiten – ohne ‚wenn‘ und ‚aber‘. Da ist für moderne soziologische Überlegungen, Toleranz, Verständnis und alternative Strukturen nicht der geringste Platz. Talmud (Tora) und die (neuen) Evangelien, ja selbst Buddhismus und Hinduismus haben sich diesbezüglich geistig und inhaltlich (etwas) weiterentwickelt, im Sinne einer Modernität auf sich verändernde Zeiten reagiert. Nicht so der Islam, dessen doktrinärer ‚ductus generalis‘ absolutistisch und „ewig“(vorgestrig) geblieben ist. image001 ………….. ich bin dessen sogar sicher. H.-W. Graf PS I: Erlauben Sie mir – eine drohende Fatwa irgendeiner Madhhab hin oder her -, Ihnen einige generelle Gedanken zum Thema ‚Religionen‘ beizulegen: – Wider die Religion.pdfBrief Martin B an Merkel.pdf Im übrigen würde es sich (insbesondere für unsere Politiker und meine Kollegen Journalisten) dringend empfehlen, den Talmud sowie das Alte und Neue Testament (incl der Exegesen) und den Koran zu lesen, um zu wissen, wovon sie überhaupt sprechen! PS II: Unsere beiden Vereine www.anthropos-ev.de und www.d-perspektive.de laden Sie herzlich dazu ein, die anhängenden websites anzusehen und unsere Friedenserklärungen zu zeichnen. Sie haben fünf Stimmen, und jede zählt. Um aktive Weitergabe wird gebeten; Sie helfen uns damit sehr. www.friedenserklaerung.de www.declaraciondepaz.eu www.declarationdepaix.eu www.deklaracijamira.eu www.peacedeclaration.eu

19. Dezember 2014

Rußland – hier bahnt sich ein ernsthaftes Problem an

19. Dezember 2014|Außenpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Rußland – hier bahnt sich ein ernsthaftes Problem an

Das größte Land der Welt (13 Zeitzonen von Kamtschatka bis Kaliningrad) steht unter Schock; innerhalb von sechs Monaten verlor der russische Rubel gegenüber Euro, US-Dollar, britischem Pfund und Schweizer Franken zwischen 45% und 60% seines Wertes. Dies betrifft vor allem den ärmsten Teil der Bevölkerung, betagte Rentner, die zum Teil von Altersrenten von monatlich 150 € und weniger (über)leben sollen, sowie Klein(st)gewerbetreibende – nachgerade, wenn sie auf den Import von Waren aus dem Westen (Polen, die baltischen Länder, Skandinavien, Deutschland, Holland, die Türkei und Griechenland) angewiesen sind. Letzteres betrifft vor allem die russische Exklave Kaliningrad (das frühere Königsberg, Ostpreußen), das zwischen Litauen und Polen (beides EU-Länder) eingezwängt an der Ostsee liegt und deshalb in hohem Maße von Importen (insbesondere Lebensmittel) aus dem „Westen“ abhängig ist.

Da Rußland zu über 70% seines Staatshaushaltes aus Förderung, Handel und Export von Erdgas und -öl angewiesen ist, schlägt der vom Westen bewußt niedrig gehaltene Öl- und Gaspreis fatal auf den russischen Staatshaushalt durch. Da auch die verbleibenden Exportgüter – Buntmetalle, strategische Metalle und Edelmetalle sowie, in geringen Mengen, Primärenergieträger (Kohle und Holz) – ebenfalls seit nun fast zwei Jahren erhebliche Preisrückgänge verzeichnen, fehlen im russischen Haushalt für 2014 etwa 40 Milliarden US-Dollar, für 2015 wird sogar mit einem Minus von 100 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Hierbei arbeitet die OPEC auf Geheiß und in Übereinstimmung mit den USA, deren Shale-Oil- Fracking auch längst unter die Rentabilitätsgrenzen gerutscht ist, in engem Schulterschluß zusammen. Offiziell will man damit Rußland für seine Rolle in der Ukraine-Krise abstrafen und in die Knie zwingen.
Bei Licht betrachtet handelt es sich hierbei um ein einerseits verlogenes, andererseits reichlich dummes und gefährliches ‚Spiel mit dem Feuer‘; verlogen insofern, als das beständige Ausweiten der NATO nach Osten – seit 1989 (Mauerfall) um 14 Länder (demnächst 17) den russischen „Bären“ nunmehr geradezu logischerweise zum Handeln zwang. Diese strategische Einkreisung Rußlands führt auch innenpolitisch – auf wirtschaftlicher, vor allem aber auf militärischer Ebene – zu einem rasant wachsenden Druck auf Wladimir Putin.
Hinzu kommt, daß Putin auf der Krim nicht nur vertraglich vereinbarte territoriale Pachtverhältnisse verteidigt, sondern auch Leben und Existenz von Hunderttausenden von Russen (und russischen Tataren), die dort zum Teil seit Generationen leben.
Man überlege nur, was geschähe, wenn sich die mexikanische Regierung entschlösse, Bündnisverträge mit Rußland oder China einzugehen; binnen 24 Stunden würde wohl eine halbe Million US-Soldaten im Süden Kaliforniens und an der texanischen Grenze zusammengezogen, um das Leben und die Interessen von Millionen US-Bürgern zu schützen, die im südlichen Nachbarland der USA leben und wirtschaftlich tätig sind.
Rußland schiebt man die Schuld für die Ukraine-Krise in die Schuhe, daß aber private US-Truppen (‚Blackwater‘) und ‚Berater‘ bereits seit 2005 im Westen der Ukraine stationiert und tätig sind, habe ich zumindest noch in keinem westlichen Medium gelesen oder gehört.

Dumm ist das belligeristische Verhalten des Westens insofern, als sich die „Strategen“ der NATO (nicht nur, aber vor allem Washington) entweder überhaupt nicht realisieren, welche Gefahr für den Weltfrieden sie hierdurch heraufbeschwören oder sie diese Gefahren bewußt eingehen – hierbei könnte man von geradezu krimineller Dummheit sprechen.
Putin ist nämlich derzeit wohl der einzige Russe, der in der Lage ist, das eurasische Riesenreich zusammenzuhalten – nicht zuletzt durch sein intrinsisches Informationsnetz (als ehemaliger FSB- Chef) und klare Abmachungen, die er sowohl mit den Oligarchen als auch mit den Militärs getroffen hat. Eben diese klaren Regeln, die Putin auch unnachgiebig durchsetzt, verhindern bislang, daß die Rivalitäten und eifersüchtigen Intrigen, die sowohl unter den Militärs als auch unter den Oligarchen herrschen, zu einer völligen Zersplitterung des Sozial- und Wirtschaftsgefüges Rußlands führten.
Wird nun die Position Putins aufgrund der wachsenden Probleme in seinem Herrschaftsbereich, ausgelöst durch die o.g. Verlogenheit und Dummheit des Westens, nachhaltig geschwächt, und Putin unter Umständen sogar zu einem Rücktritt gezwungen, würde dieses höchst fragile System wohl binnen kürzester Zeit implodieren und zersplittern – mit unabsehbaren Folgen nicht nur in Rußland selbst, sondern auch in den angrenzenden Ländern sowie auf den internationalen Finanzmärkten, denn Rußlands Auslandsguthaben liegen bei etwa 400 Milliarden US-Dollar und westliche Banken sind mit etwa 200 Milliarden US-Dollar in Rußland und seiner Wirtschaft involviert.

In Rußland selbst spielen sich gespenstische Szenen ab: Ganze Sortimentreihen sind schlagartig aus den Kaufhäusern verschwunden; vor Billigketten und Ramschläden bilden sich lange Schlangen; der Kurs für den Euro schwankt – von Bank zu Bank verschieden – zwischen 120 : 1 und 80 : 1, wobei der Wechselkurs buchstäblich minütlich Veränderungen erfährt. Die Hälfte der Klein(st)betriebe hat erst mal den Betrieb eingestellt; man wartet wohl ab, wie sich die Verhältnisse in den nächsten Tagen entwickeln werden. Hunderte haben bereits ganz aufgegeben; sogar die Selbstmordraten steigen bereits. Offizielle Stellen, Behörden und Ämter erhielten Eildepeschen mit klaren Anweisungen, vor einem striktem Auskunftsverbot zu allem, was die politische Lage anbelangt; alle mit der inneren Sicherheit des Landes befaßten Dienste und Behörden wurden in Alarmbereitschaft versetzt, und ein besonderes Augenmerk gilt den wenigen noch verbliebenen (teil)unabhängigen Medien.

Leider geht man in der Öffentlichkeit und den Medien NATO-Europas und den USA zu ignorant und mit völlig einseitiger Schuldzuweisung gegenüber Rußland bezüglich der sich zuspitzenden Krise in der Ukraine um. Als ‚Putin-Versteher‘ wird jeder diffamiert, der sich um eine ausgewogene, beider Seiten Interesse und Situationen berücksichtigenden Weise bemüht. Wohl mangelndem Intellekt geschuldet setzt man dabei Putin-‚Versteher‘ mit Putin-‚Anhänger‘ synonym, wobei letztere dann natürlich automatisch Gegner und Feinde des Westens, Europas und der USA sind. Es geht eben nichts über ein einfaches Weltbild!

Schon im alten Rom galt der juristische Grundsatz ‚audiator et altera pars‘ 1, aber davon wollen westliche Ignoranz, Agnoranz und Arroganz – nachgerade in den offiziell gesteuerten, beileibe nicht meinungsfreien Medien – natürlich nichts wissen.
Dieser offensichtliche Mangel an Bereitschaft, in bemühtem Verständnis um Zusammenhänge und Hintergründe aufeinander zuzugehen, stellt keine sonderlich Mut machende Basis für das gerade so feierlich-beschworene Jahresend-Fest (vulgo: ‚Weihnachten‘) dar.
Vielleicht sollten wir unsere Politiker sowie alle die „Heilsbotschaft“ so innig kündenden Journalisten mal nachhaltig darauf hinweisen, daß die Bevölkerung mehr von ihren Politikern und Medien erwartet als laue Weihnachtsansprachen einer Pfarrerstochter und eines ausrangierten evangelischen „Geist“lichen.

Ich wünsche allen Zeitgenossen in West und Ost, Nord und Süd ein paar Minuten ruhigen Nachdenkens in den vor uns liegenden letzten Tagen dieses Jahres und ein möglichst friedliches nächstes Jahr – getragen von der Bereitschaft, sich den Standpunkten des jeweils Anderen mit Interesse und Neugier zu nähern; Grundlage dessen, was wir Verständnis und Vertrauen nennen.

Hans-Wolff Graf

1 Lat.: Auch die andere Seite muß gehört werden.

14. November 2014

Herbstzeit

14. November 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Herbstzeit

Mit süffisantem Lächeln und der reichlich überheblichen Bemerkung, „das hätte sich noch vor drei Jahren niemand vorstellen können“, eröffnete uns Reichsverweser Schäuble am Mittwoch in Berlin, daß das ‚Bankgeheimnis‘ ab 2017 faktisch Geschichte sei. 51 Staaten hätten schon unterzeichnet, und weitere 86 seien „quasi mit an Bord“, weil sie dem uneingeschränkten Informationsaustausch bereits zugestimmt hätten.
Nicht teilnehmen an diesem Informationskarussell werden übrigens die USA, die zwar von allen anderen Ländern Unterwerfung unter internationales Recht verlangen, sich selbst aber regelmäßig Nichteinmischung und Sonderrechte ausbedingen. Nun, für uns Normalsterbliche galt das „Bankgeheimnis“ bereits seit Jahren nicht mehr; PINs und TANs, GPS und WLan-traffic, online-banking sowie das ungezügelte aktive und passive Informationsbedürfnis hunderter Millionen rund um den Globus haben uns längst zu völlig gläsernen Bürgern werden lassen.
Nun ging es vielmehr darum, Firmen künftig zu verunmöglichen, durch Verlagerungen ihrer Zentralen, bzw. Auslagerungen gewinnträchtiger Teilbereiche in steuergünstige Drittländer Steuern zu umgehen. 37 Milliarden Euro verspricht sich allein der deutsche Fiskus, weltweit rechnen Steuerexperten mit mehr als 2,1 Billionen US-$ Mehreinnahmen – pro Jahr! Bezahlen werden diesen ‚Coup‘ wiederum die Bürger – entweder durch entsprechend höhere Preise oder durch steigende Arbeitslosenzahlen, wenn sich nämlich (durch Austrocknung der Steueroasen) viele Produktionsströme nicht mehr rechnen.

Nun droht zudem (wohl bereits im ersten Halbjahr 2015) ein sanfter, aber spürbarer Anstieg der Zinsen, da sich die neue FED-Chefin Yellen zuversichtlich zeigt, angesichts der robusten Konjunktur in den USA die seit sechs Jahren andauernde „Subventions“politik der US-Notenbank nach und nach vollends einstellen zu können.
Abgesehen davon, daß wir den Optimismus der FED-Professorin nicht teilen, könnte ein derartiges Bremsen des Schuldenrades Europa härter treffen als die USA; zum einen würde der Niedergang des Euro, der sich auf den Schuldenstand der EU-Länder positiv auswirkt, dadurch umgekehrt – was speziell die schwächeren Kandidaten (incl. Spanien, Italien und Frankreich) vor wachsende Probleme stellen dürfte –, zum anderen träfe es die (noch) starken Volkswirtschaften (D, NL, SF und A), da die Euroländer – anders als die 50 Bundesstaaten der USA – füreinander haften.
In summa: Es bleibt spannend, denn in einem Punkt laufen EU und USA stramm in die gleiche Richtung: Der Auf- und Ausbau des öffentlich-(un)rechtlichen Sektors schreitet munter voran; immer mehr Teile der Bevölkerung arbeiten völlig unproduktiv und leistungslos auf Kosten der realen Leistungserbringer ihrer Volkswirtschaften. Früher erweiterten Fürsten permanent ihren Hofstaat und versorgten ihre Klientel mit extra geschaffenen (oftmals völlig unsinnigen) Pöstchen, um Abhängigkeiten zu schaffen, die eigene Glorie sichtbar zu mehren sowie aus einem steigenden Kontrollbedürfnis – gerade in schwierigeren Zeiten. Heute tun dies Ministerien, Behörden und Ämter – aus gleichen Motiven und ebenso sinn- wie rücksichtslos. Es gilt, den Bürger immer stärker unter Kuratel zu zwingen, da man ihm mißtraut und ihn als „natürlichen“ Gefährder des staatlichen Systems ansieht.

Die Märkte scheinen noch weiter „Luft“ abzulassen (sh. die letzten Freitags-Newsletter); die politischen Unwägbarkeiten sind momentan schwer einzuschätzen und reichen von Ebola, Ukraine-Krise und zwei „ungeklärten“ Flugunfällen bis zur unsäglichen Mautdiskussion und dem europaweiten Banken-Streßtest. Insgesamt bleiben wir aber verhalten optimistisch. Ob wir an den Wertpapiermärkten einen ‚Goldenen Herbst‘ erleben oder einen frühen kalten Wintereinbruch, vermag zur Stunde niemand zu sagen. Aber da geht es uns nicht besser als den „Wetterfröschen“; auch die können sich nur auf langfristige Erfahrungswerte verlassen und kurzfristige Prognosen abgeben – womit sie oft genug danebenliegen.

Lassen Sie sich weder die Laune oder den Appetit auf Lebkuchen und Glühwein nehmen, noch von der Herbstgrippe erwischen.
Eins ist sicher: Nichts ist sicher; und nicht mal das ist sicher!

H.-W. Graf

6. Oktober 2014

Eurokrise 2.0

6. Oktober 2014|Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Eurokrise 2.0

Einmal mehr war es Axel Weber, heute Präsident der UBS, früher Chef der Bundesbank, der die Situation trefflich umschrieb: „Die EZB entwickelt sich immer mehr zur ‚eierlegenden Wollmilchsau‘, die all die Probleme lösen soll, die Brüssel nicht lösen kann“, – und, so möchte man hinzufügen, nationale Politiker nicht lösen wollen, obwohl sie ursächlich dafür verantwortlich sind.

Während die kriegerische Wortakrobatik, mit der wir, die grundsätzlich für alles haftenden BürgerInnen, noch vor einem halben Jahr medial laufend zugeschüttet wurden, allmählich abebbt, brodelt und gärt im Untergrund weiter, was von einer Lösung meilenweit entfernt ist – die Eurokrise.
Während nämlich vor allem Irland, aber auch Spanien und Griechenland inzwischen wieder die ‚Nase über Wasser‘ haben, laufen die Volkswirtschaften Frankreichs und Italiens weiterhin ins Minus; beider Länder Politiker sehen sich nicht in der Lage, den wirklichen Gründen für den desolaten Zustand ihrer Volkswirtschaften – zu hohe Löhne, viel zu viel Bürokratie- und Verwaltungskosten, 35-Stunden-Woche (Frankreich) – mit harten Reformen konsequent zu begegnen. Kein Wunder, welchen Italiener interessiert schon, was in Rom ausgekungelt wird, und die Franzosen strafen ihre politischen Glühwürmchen geradezu hobbymäßig ab.

Nach wie vor können sich die 18 Mitgliedsstaaten nicht darüber einigen, welche (aus Sicht der Deutschen Bundesbank einzige) Lösung sie präferieren – entweder eine „Fiskalunion“, also eine Vereinheitlichung der gesamten Steuerpolitik aller beteiligten Länder, unter der Führung Brüssels, oder eine „Maastricht 2.0“-Variante, derzufolge die einzelnen Mitgliedsländer strikt die von Brüssel vorgegebenen und strafbewehrten Regeln einzuhalten haben. An letzterem darf man als wirklich probater Lösung insofern zweifeln, als bereits Maastricht I nach und nach immer mehr aufgeweicht und von immer mehr Mitgliedsländern immer unbedenklicher verletzt wurde, schlußendlich nicht mehr das Papier wert war, auf dem es verewigt wurde.

Die (unserer Meinung nach einzig vernünftige) dritte Lösung, die Rückkehr zu konkurrierenden Währungen, steht weder für Brüssel noch für die Politiker aller involvierten Länder oder deren Notenbankenchefs überhaupt zur Debatte. Einzig die ‚AfD‘ in Deutschland und Nigel Farage, der Chef der ‚UK Independence Party‘, scheinen den Schuß gehört zu haben und den wahren Kern des Problems zu verstehen. Sie werden dafür prompt als ‚rechts‘ verteufelt und gefemt.
Dabei lernt jeder Volkswirt im ersten Semester, daß die Hauptfunktion unterschiedlicher Währungen darin liegt, als Bindeglied oder Gelenk zwischen unterschiedlich strukturierten Volkswirtschaften und deren Leistungsfähigkeiten zu agieren.
[Wer sich dafür interessiert: s.o.; so sähe unser Lösungsvorschlag aus:
Die Lösung der Euro-Krise, H.-W. Graf, Sept. 2013.pdf ]

Eine größere Kluft zwischen politischer Welt (und deren „elitären“ Bewohnern – Politiker und Parteien) und den soziologischen Strukturen, die man früher als Völker und Nationen bezeichnete, bestand wohl noch nie; den etwa drei Dutzend Unabhängigkeits-bestrebungen, die wir alleine im Raum der Eurozone haben, stehen die Verfechter einer Vereinheitlichung von allem – Löhne, Gehälter, soziale Verhältnisse, Renten- und Sozialversicherung, Arbeitszeiten und -umfelder, und all dies bei gleichen Bildungsvoraussetzungen, identischen (Lebens-)arbeitszeiten, Produktabilität und Lebensstilen – gegenüber.

Ich warte nur darauf, daß nach der Vereinheitlichung der Durchlaufgeschwindigkeit von Duschköpfen irgendwann auch die Vereinheitlichung von Reproduktionsquoten für alle Frauen innerhalb der Eurozone gesetzlich manifestiert wird.

Wer die Eurokrise bereits für beendet und als historisches ‚fait accompli‘ ansieht, sollte sich auf ein böses Erwachen einrichten. Wer sich jedoch wachhält, auch vor einigen Jahren rezessiver wirtschaftlicher Entwicklung und den berühmten „japanischen Verhältnissen“ keine Angst hat, wird auch diese Krise unfähiger und unwilliger Finanz- und Wirtschaftspolitiker problemarm überstehen.

H.-W. Graf

29. September 2014

AfD – Ausgrenzung, Feindbild, Schreckgespenst!

29. September 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für AfD – Ausgrenzung, Feindbild, Schreckgespenst!

Den größten Schock erlebten am vergangenen Wochenende sicherlich die Grünen. Da marschierte doch eine ganze „Horde“ politischer Renegaten an ihnen vorbei, eroberten doppelt so viele Stimmen wie sie und besetzten sowohl in Thüringen als auch in Brandenburg den vermeintlich angestammten vierten Platz in der Wählergunst. In Thüringen hätte nicht viel gefehlt und die AfD wäre sogar noch an der SPD vorbeigezogen, und die Grünen hätten beinahe den Einzug ins Parlament verpaßt.

Ein Schreckgespenst geht um in Deutschland, dem sämtliche anderen Parteien so gerne das braune Mäntelchen überstülpen würden. Da erfrechen sich diese politischen Hasardeure doch, an der Deutungshoheit der Etablierten zu rütteln. Immerhin steht – das weiß doch wohl jeder – die CDU für konservativ, die SPD für Soziales, die Linken fürs Sozialistische und die Grünen fürs Brave und Gute. Und noch aus der Urne erhebt die FDP den Anspruch, für Liberalität und Freiheitlichkeit stehen zu dürfen.
Da erstaunte es schon, daß in Brandenburg fast 110.000 Stammwähler der fünf bisherigen Parteien und in Thüringen fast 85.000 ihre Stimme der AfD gaben. Und das sollen alles rechtsradikale Irrlichter gewesen sein?

Anstatt sich selbstkritisch und ehrlich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, daß die BürgerInnen augenfällig aufzuwachen beginnen und sich nicht länger gängeln und bevormunden lassen wollen, die berühmte „Schnauze“ voll haben von der selbstgefälligen Bereicherung und der pfauenhaften Eitelkeit der politischen „Elite“ und nach neuen Wegen in eine andere Zukunft lugen, eint die Hofschranzen des politischen Systems die Angst vor dem Katalog von Forderungen, mit dem die AfD nach der Wahl in Sachsen nun auch in Thüringen und Brandenburg um Wählers Stimme buhlte.
Fröhlich und leichtfüßig stellen sie die Besitzansprüche der etablierten Parteien nicht nur in Frage, vielmehr entlarven sie mit kaum wiederlegbarer Logik die schwarzen (dunkel)roten und grünen Märchenerzähler. Die wiederum flüchten sich, bar besserer Argumente, in politische Drohgesänge und beschwören empört ultra-nationalistische Politgespenster. Dabei gibt es in den Reihen der CDU/CSU mehr als genügend dunkelbraune Gestalten, in der SPD und insbesondere unter den Linken kommunistische Rotkäppchen, und unter den Grünen leben beileibe nicht nur friedliche Körnchen-Fetischisten, sondern mindestens so viele Asoziale, Leistungsverweigerer und Päderasten wie in allen anderen Parteien auch.

Nur so ein Gedanke: Wenn sich CDU/CSU ihrer Worthülse „konservativ“ beraubt sehen und (Dunkel)Rote wie Grüne um ihr verbales Privileg des Sozial(istisch)en fürchten, wie wär`s denn dann mit den noch jungfräulichen Begriffen wie verantwortungsbereit, pluralistisch, tolerant, modern und zukunftsfähig? Tatsächlich ist mit der AfD eine wirkliche Alternative in die düsteren Gemäuer der deutschen Politik eingebrochen, und jeder Versuch, hieraus einen großväterlich-intellektuellen Spuk zu konstruieren oder ein dunkelbraunes Gespenst an die Wand zu malen, scheitert an der Wut, dem Frust und der Intelligenz der Bürger, die überhaupt noch bereit sind, zur Wahl zu gehen. Aber gerade durch ihre Angst- und Haßtiraden gegenüber der AfD zeigen die etablierten Parteien, wie abgehoben und realitätsfremd sie sind, wie fatal sie den gesunden Menschenverstand ihrer Wähler unterschätzen.

Das Phänomen der deutschen AfD spiegelt sich in rund drei Dutzend Bewegungen innerhalb der EU(rozone) und Ländern, die entweder in die EU(rozone) aufgenommen werden oder sie verlassen wollen; die nach Unabhängigkeit von ihren derzeitigen Hauptstädten streben und eigenständige nationale Entitäten zu errichten trachten – u.a. Belgien (gleich mehrfach) und (Nord-)Italien bzw. Südtirol, Spanien (Katalonien und das Baskenland) und Großbritannien (Schottland), Makedonien und Serbien, Slowenien und Zypern, die Ukraine, Ungarn und Slowakei. Und hinter all dem steht das Aufbegehren einer nicht mehr einseitig durch Medien desinformierten, sondern sich unabhängiger Medien im Internet bedienender Menschen, die sich auch nicht mehr durch staatliche Gewalt und politischen Zwang, übermäßige Bürokratie und monopolistische Konzentration auf politische Wasserköpfe und egozentrische Parteistrukturen in ihren Freiheitsrechten einschränken lassen wollen. Sie haben es satt, den Parteifeudalismus finanziell auszuhalten, der nichts Besseres zu tun hat, als sie in ihrer privaten und beruflichen Sphäre unablässig zu kujonieren und mit ständig neuen Gesetzen zuzuschütten.

Man mag hoffen, daß wir vor dem Beginn einer völlig neuen politischen Kultur in Europa stehen, und genau damit sollten wir auch Osteuropa beliefern, nicht mit Waffen und verlogenen Heilsgesängen.

Zwang und Gewalt wendet derjenige an, dessen Argumentation, Überzeugungskraft, natürliche Autorität und Vorbild als Macht nicht ausreichen.

J.-L. Earl

Trotz der ultimativen Senkung des Leitzinses verdüstern sich die Wolken über dem Euro und der EU, wozu nicht zuletzt das oben beschriebene politische Wechselszenario beiträgt. Sämtliche 18 Mitgliedsländer mußten ihre hoffnungsvollen Prognosen über die Entwicklung des Jahres 2014 inzwischen revidieren. Selbst „Musterknabe“ Deutschland wird seine angestrebten 1,5% Wachstum des BIP wohl kaum erreichen, und die Volkswirtschaften Nr. 2 (Frankreich) und 3 (Italien) taumeln gar einem Minus entgegen. Das weitere Abbröckeln des Euro gegenüber dem US-Dollar und allen maßgebenden Währungen der Welt mag zwar den Export befördern, Importe werden jedoch entsprechend teurer. Und wer glaubt, die enorme Schuldenlast der Euro-Zone könnte durch einen weiterhin schwächelnden Euro nachhaltig saniert werden, dem darf ins Gedächtnis gerufen werden, daß in früheren Zeiten weder die dauerhaft schwache Lira, noch der stets kränkelnde Franc den grundsätzlichen Schwächen beider Volkswirtschaften Abhilfe leisten konnten. Die bewußt gesteuerte Abwertung einer Währung kann mangelnde Leistungsfähigkeit weder kompensieren noch kaschieren. Wenn nun in absehbarer Zeit auch noch die Zinsen wieder ansteigen, könnte es für Zehntausende von Kommunen und Städte, aber auch einige Länder der Euro-Zone sehr eng werden; und mutmaßlich auch für den Euro.

Die derzeitige Seitwärtsbewegung an nahezu allen Börsen ist der real- und finanzpolitischen Gemengelage (beinahe rund um den Globus) geschuldet. Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis sich nicht nur die finanzpolitischen, sondern auch die realpolitischen und realwirtschaftlichen Fronten klären und verläßliche Tendenzen zeitigen werden. Der „Verfall“ des Euro kommt unserem Währungsdepot sehr zupaß, ansonsten warten wir unaufgeregt ab.

H.-W. Graf