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13.03.08
HeißhungerVom IPCC bis hin zur Presse hagelt es Negativ-Prognosen zu den Auswirkung der Erwärmung auf die Landwirtschaft. Die Erträge der Landwirtschaft werden sinken, Hungersnöte werden die Folge sein, besonders in der 3. Welt. Al Gore beschreibt beispielsweise in „Eine unbequeme Wahrheit“, daß höhere Temperaturen zur Verwüstung führen, da sie den Boden austrocknen. Interessanterweise erfährt man so gut wie nie etwas über die Vorteile der globalen Erwärmung. Man ist geradezu erpicht darauf, daß jede Region durch die Erwärmung mehr Nachteile als Vorteile hat. Wie ein chaotisches System, wie es das Klima darstellt, derartig selektiv vorgehen kann, wird natürlich nicht erklärt. Selbst in Regionen, bei denen dies in keiner Weise einleuchtet - wie beispielsweise Skandinavien, Kanada oder Sibirien - sollen durch die Erwärmung mehr Nach- als Vorteile entstehen. So wird in den Prognosen für Skandinavien angemerkt „zusätzliche Hochwasser“ würden die Vorteile einer längeren Wachstumsperiode wieder zunichte machen. Um wie viel Prozent müßten die Hochwasserschäden wohl steigen, um eine Ausdehnung der Wachstumszeit hunderttausender Quadratkilometer Wald, Weide und Ackerland sowie die Reduktion von Heizkosten für mehrere Millionen Haushalte zu kompensieren? 100%? 1.000%? 10.000%? Nein, viele Regionen in den gemäßigten und subpolaren Klimazone werden profitieren, so viel ist sicher. Schon jetzt beginnt man auf Grönland versuchsweise wieder Landwirtschaft zu betreiben - zum ersten Mal seit dem mittelalterlichen Klimaoptimum, als die Grænlendingar dies in geringem Umfang taten. Doch was hat es nun mit der Ausbreitung der Wüsten in den subtropischen und tropischen Zonen auf sich? Nach ihren Ursachen unterteilt gibt es viele Arten von Wüsten. Angefangen von edaphischen Wüsten über Wendekreis-, Relief-, Binnen- bis hin zu Küsten-, Wind-, Kälte- und Eiswüsten. Nur nach einer Wärmewüste werden Sie vergeblich suchen. Was der Allgemeinheit kaum bekannt ist: Wärme ist nicht der Auslöser einer Wüstenbildung. Es gibt keine Region auf der Erde, in der eine hohe Lufttemperatur das Pflanzenwachstum verhindert. Zwar stimmt natürlich Gores (banale) Aussage, daß durch höhere Temperaturen die Verdunstung aus den Böden steigt. Doch daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, daß dadurch automatisch mehr Wüsten entstehen, ist ein Trugschluß. Höhere Temperaturen führen zu mehr Verdunstung - insbesondere über den Meeren -, und dies wiederum führt zu höheren Niederschlägen. Es sei denn, bestimmte Faktoren – wie etwa die Planetarische Zirkulation, Gebirge oder eine große Entfernung zum Meer – stehen dem im Wege. Da diese Faktoren aber wenig (Planetarische Zirkulation) bis gar nicht (Gebirge, Meeresferne) von der globalen Durchschnittstemperatur abhängen, dürften sich die Wüsten weit weniger ausbreiten, als von vielen befürchtet. Falls sie dies überhaupt tun, denn die Ungunsträume, die nicht von den erhöhten Niederschlägen profitieren können, sind zumeist bereits jetzt Wüsten. Schaut man auf die Niederschlagsverteilung der Erde, sieht man deutlich, daß - abgesehen von den erwähnten Wendekreis- und Binnenwüsten - die Niederschläge zur wärmeren Äquatorregion hin zunehmen. Beobachtungen der Warmperioden der Vergangenheit zeigen dann vielerorts das genaue Gegenteil der heutigen Drohszenarien. Viele Regionen hatten bei einem wärmeren Klima eine dichtere Vegetation. Die Kaltzeiten waren hingegen zumeist trocken und in jedem Fall die Zeiten mit der geringsten Biomasse-Produktion. Während des ersten Holozänen Optimums - die Temperaturen lagen teilweise über den heutigen - waren große Teile der heutigen Sahara noch Savannen- und Steppengebiete. Sedimente, Isotopenuntersuchungen, Pollenanalysen und sogar Höhlenzeichnungen der steinzeitlichen Bewohner belegen dies. Auch die heutige Wüste Thar in Indien beherbergte damals eine Hochkultur. Selbst die heute lebensfeindliche Wüste Rub al-Chali auf der Arabischen Halbinsel war teilweise von Vegetation bedeckt. Auch die meisten Gebiete Mittelmeerraums (einschließlich des südlichen Spaniens) waren noch vor 5.000 Jahren von Laubwäldern bedeckt. All diese Regionen wurden erst durch Prähistorische Klimaänderungen, Entwaldung, Überweidung oder eine Kombination daraus verwüstet. Auch die Wüstenbildungen des vergangenen Jahrhunderts wurden nicht durch den Klimawandel verursacht, sondern durch unangepaßte Landnutzung (Abholzung, Überweidung, ungeeignete Ackerbaumethoden in Halbwüsten etc.). Hinzu kam in den letzten Jahrzehnten ein eklatantes Mißmanagement mit ober- und unterirdischen Wasservorkommen. Auch das gerne ins Feld geführte Verschwinden des Tschadsee und des Aralsee gehört dazu - ihre Zuflüsse wurden in überdimensionierte Bewässerungsprojekte (vor allem für Baumwolle) umgeleitet, wodurch fast das gesamte Wasser verdunstet, bevor es die Seen erreicht. Darüber hinaus wurde im Einzugsbereich des Tschadsees eine massive Überweidung betrieben, was sich ebenfalls negativ auf den Wasserhaushalt auswirkte. Abflußlose Seen reagieren dabei bereits auf kleine Schwankungen des Zufluß mit erheblichen Änderungen des Wasserspiegels, so auch das Kaspische Meer. Unter dem Strich läßt sich kaum sagen, ob durch eine globale Erwärmung das Nahrungspotential der Erde eher zu- oder abnehmen wird. Sicher ist jedoch, daß das Nahrungspotential in Zukunft vor allem davon abhängt, wie gut die regionale Landwirtschaft an die gegebenen Verhältnisse angepaßt wird. Der Versuch, bei einem extremen Bevölkerungszuwachs traditionelle Viehwirtschaft (Sahelzone) oder Brandrodungswanderfeldbau (Afrika, Südamerika) fortzuführen hat in der Vergangenheit ebenso zu großflächiger Verwüstungen geführt wie der Versuch, auf mitteleuropäische Verhältnisse zugeschnittene Ackerwirtschaft in Halbwüsten (Zentralasien) oder Regenwaldgebieten (Amazonasbecken) zu etablieren. Die Zukunft der Nahrungsversorgung – insbesondere der Entwicklungsländer - wird daher davon abhängen, angepasste Nutzungsformen zu entwickeln oder wiederzuentdecken und der Bevölkerung zu vermitteln. Beispiele, wie diese aussehen kann sind die Nutzung von Terra Preta oder Agroforstwirtschaft. Solche Nutzungsformen führen nicht nur zu einer Sicherung der Nahrungsversorgung, sondern machen durch ihre Nachhaltigkeit auch die ständige Zerstörung weiterer Gebiete überflüssig. Es wäre es also die falsche Entscheidung, zur Verbesserung der Nahrungssicherheit in Entwicklungsländern in den Klimaschutz investieren. Durch Klimaschutz wird in der 3. Welt niemand satt und es schafft der Bevölkerung vor Ort auch keine Alternative zu Überweidung, Abholzung und Armut. Stattdessen muß vor Ort in die technische und ökologische Bildung der Bevölkerung investiert werden. Im Gegensatz zu den nicht nachweisbaren Effekten der Treibhausgas-Vermeidung macht es sich langfristig in vielen Bereichen bezahlt - von der Umwelt über die Ernährung und Wirtschaft bis hin zum Gesundheitssystem. |
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