Perspektive  
13.03.08

Von: Robert Soyka


Krank vor Wärme

Man hört immer wieder, Krankheiten wie Malaria würden sich durch die globale Erwärmung ausbreiten; selbst Deutschland werde davon betroffen sein. Die steigende Zahl der Malariaerkrankungen in vielen Industrieländern wird als Indiz gezeigt. Als Beweis wird häufig auf das West-Nil-Fieber verwiesen, das sich seit 1999 in den USA ausbreitet.

Auch Al Gore verweist in „Eine unbequeme Wahrheit“ auf diese Krankheit als Folge des Klimawandels. Dazu erklärt er, daß sich durch den Klimawandel weitere, bereits unter Kontrolle geglaubte Krankheiten wieder ausbreiten werden. Untermalt werden seine Worte durch Bilder des Hanta-Virus, der Cholera, mehrfach-resistenter Tuberkulose, Legionellen und Coli-Bakterien.

Die Wahrheit ist, daß sich in den letzten Jahrzehnten Krankheiten, aber auch Tiere und Pflanzen zumeist nicht wegen Klimaveränderungen, sondern aufgrund immer schnellerer und häufigerer Langstreckentransporte und Fernreisen ausbreiten. Das von Gore beschriebene West-Nil-Fieber wurde mit großer Sicherheit durch ein israelisches Flugzeug aus Tel Aviv eingeschleppt. Die Epidemie begann in New York, danach breitete sich die Krankheit in alle Richtungen aus - im Norden bis nach Kanada, wo sogar aus Yukon Krankheitsfälle gemeldet worden - Aus der subpolaren Klimazone! Damit sollte klar sein, daß die Ausbreitung des West-Nil-Fiebers in den USA nichts mit dem Klimawandel zu tun hat – die Krankheit wurde schlicht und ergreifend per Flugzeug eingeschleppt.

Auch die meisten Krankheiten, deren Bilder Gore während des Vortrags seiner Schreckensvision zeigt , werden sich durch ein wärmeres Klima nicht ausbreiten. Das Hantavirus wird beispielsweise in Deutschland von Nagetieren übertragen, vor allem von den einheimischen Rötelmäusen, die selbst während der kleinen Eiszeit hier lebten. Cholera wiederum ist heute auch in kalten Gebieten Rußlands verbreitet, und nach dem 2. Weltkrieg gab es sie auch in Deutschland. Cholera-Epidemien sind eine Folge von Defiziten bei der Ernährung und Hygiene sowie im Gesundheitswesen, aber nicht aufgrund gestiegener Temperaturen. Das Auftauchen der mehrfach-resistenten Tuberkulose wiederum ist vermutlich dem übermäßigen Einsatzes von Antibiotika zu verdanken; im Zusammenhang mit dem Klimawandel wird die Krankheit nur von Al Gore gezeigt. Legionellen wiederum verbreiten sich vor allem in Schwimmbädern und Warmwasserleitungen. Schwimmbäder und Warmwasserleitungen verbreiten sich für Gore aber vermutlich nicht wegen des zunehmenden Wohlstands und Tourismus’, sondern ebenfalls wegen des Klimawandels.

Die kurz am Bildrand zu sehenden Coli-Bakterien wiederum sind der größte Witz des Klimapapstes Gore. Sie gehören zur natürlichen Darmflora von Menschen und Tieren. Lediglich einige Stämme sind krankheitserregend. Sie verbreiten sich vor allem durch mangelnde Hygiene und fehlenden Gewässerschutz, beispielsweise, wenn Flüsse als Entsorgungswege für mit Fäkalien verunreinigte Abwässer und gleichzeitig als direkte Trinkwasserquelle dienen. Leider ist dies in Entwicklungsländern üblich und eine der Hauptursachen der dort verbreiteten Durchfallerkrankungen. Durch Bau von einfachen Kläranlagen und Brunnen, die Wasser aus Uferfiltrat gewinnen, wäre hier übrigens leicht Abhilfe zu schaffen.

Alles in allem hat Gore in seinen Grafiken eine Ansammlung von Krankheiten gezeigt, die den Zuschauern bekannt sind und eine Atmosphäre der Angst erzeugen sollen. Einen Zusammenhang mit dem Klimawandel sucht man bei den meisten Krankheiten vergebens. Niemand kann die Ausbreitung im Darm des Menschen beheimateter Bakterien mit dem Klimawandel in Verbindung bringen, ohne ausgelacht zu werden - außer Al Gore. Der bekommt für solchen und ähnlichen unwissenschaftlichen Unsinn noch einen Nobelpreis. So weit reicht die Verdummung durch die Klimakatastrophe bereits.

Etwas komplizierter ist der Zusammenhang bei der Malaria. Die steigende Zahl der Malariakranken in vielen nicht-tropischen Regionen ist ebenfalls ein Resultat zunehmenden Flugverkehrs und von Abenteuerreisen in malariaverseuchte Gebiete der Schwellen- und Entwicklungsländer. Praktisch alle Betroffenen sind Fluggäste oder leben oder arbeiten in der Nähe von Flughäfen. Die Verbreitung der Malaria beschränkt sich heute weitestgehend auf die Tropen. Daher gilt Malaria heute als typische Tropenkrankheit. Dies verursacht bei Laien den Trugschluß, daß diese Krankheit von tropischen Temperaturen abhängig ist. Schaut man sich die Geschichte der Malaria an, stellt man fest, daß die Beschränkung der Malaria auf die Tropen einen völlig anderen Zusammenhang hat, als dies Al Gore und die Vertreter der Klimakatastrophe die Öffentlichkeit glauben machen wollen.

Malaria war selbst während der kleinen Eiszeit fast weltweit verbreitet. Die Krankheit war teilweise unter anderen Namen bekannt, etwa als Wechsel- Nerven-, Sumpf- oder Marschenfieber. Zu den prominenteren Opfern zählte neben Oliver Cromwell, der sich vermutlich 1658 in Irland ansteckte und auch Friedrich Schiller, der sich 1786 im damals noch sumpfigen Rheintal infizierte. Selbst Westsibirien – nicht gerade für ein tropisches Klima bekannt – war ein Malaria-Epidemiegebiet. Ich empfehle jedem, sich die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene Weltkarte der der dominanten Malaria-Vektoren (Überträger) anzusehen. Man sieht deutlich, daß selbst die gemäßigten Breiten bis an den Rand der Subpolaren Klimazone potentielle Malariagebiete sind.

Andererseits gibt es heute tropische und subtropische Gebiete die als malariafrei oder nur minimal gefährdet gelten. Beispielsweise die Nordküste Australiens, der Norden Venezuelas, Südost-Brasilien, Singapur oder Taiwan.

 
     
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