Perspektive  
13.03.08

Von: Robert Soyka


Tuvalu

In einer Szene von „Eine unbequeme Wahrheit“ wird Tuvalu gezeigt, ein Staat dessen Territorium aus einigen flachen Atollen im Pazifik besteht. Verzweifelte Bewohner der Inseln waten im Salzwasser, das bereits ihre Felder überflutet hat. Man klagt die Industriestaaten an, die für die Flut auf Tuvalus Atollen verantwortlich sind.

Was hat es mit der von Al Gore gezeigten „Flut“ auf sich? Das Wetter auf den gezeigten Aufnahmen ist sonnig und es ist nahezu windstill. Um eine Sturmflut kann es sich nicht handeln. Wie kommt das Wasser auf die Felder, wenn der Anstieg des Meeresspiegels gar nicht so stark ist?

Die Antwort liegt in der örtlichen Klimatologie und Ozeanographie, die jedoch kaum einem seiner Zuschauer bekannt sein dürfte. Die Inseln unterliegen einem Phänomen namens King Tide („Königsflut“). Diese Flut ist rund einen halben Meter höher als die normale Flut und überspült periodisch große Teile der flachen Inseln. Al Gore verwendet in „Eine unbequeme Wahrheit“ Aufnahmen einer solchen Flut, reißt diese jedoch völlig aus dem Zusammenhang, indem er impliziert, die gezeigte Flut sei ein Zeichen des weltweiten Anstiegs des Meeresspiegels. Und wieder wurden Millionen Zuschauer vom Klimapapst an der Nase herumgeführt. Daß ein Anstieg des Meeresspiegels von derzeit rund drei Millimetern im Jahr visuell nicht wahrnehmbar ist, sollte einleuchten. Selbst bei Windstille sind die Wellen im Pazifik hundertmal höher. Pflanzen wären aufgrund des ansteigenden salzhaltigen Wassers im Boden bereits seit Jahrzehnten abgestorben, ehe sie vom Salzwasser überflutet würden.

Was bedeutet dies alles nun für die Zukunft Tuvalus? Der steigende Meeresspiegel und die Erosion, die bei jeder Welle, jedem Regen und jeder Flut etwas Boden der Insel abträgt, werden die Inseln weiter schrumpfen lassen. Als erstes wird die Landwirtschaft immer stärker eingeschränkt und schließlich unmöglich. Schlußendlich bleibt nur noch eine Sandbank wie das Kingmanriff übrig. Nichts kann diesen Prozess stoppen, vorausgesetzt, es gibt keine neue Eiszeit. Jedoch dauert es bis dahin noch viele Jahrzehnte, eventuell sogar Jahrhunderte.

Nun kann man zurecht sagen „Wir müssen alles tun, um zu helfen“. Doch die Frage ist, wie diese Hilfe aussehen soll. Al Gore und andere Klimaschutz-Lobbyisten meinen, wir müßten Billionen in die Vermeidung von CO2 stecken, um Tuvalu und andere Inseln zu retten. Doch der Untergang Tuvalus und einiger anderer flacher Atolle in den nächsten Jahrzehnten bis Jahrhunderten läßt sich ebensowenig verhindern wie ein Sturm, ein Vulkanausbruch, ein Erdbeben oder ein Tsunami. Der Mensch ist nicht allmächtig. Er kann den Meeresspiegel auf subtile Weise beeinflussen, aber er kann ihn nicht so weit kontrollieren, daß flache Atolle dauerhaft zu retten wären.

Was also tun? Ein Vorschlag des sozial-romantisch angehauchten Don Kennedy, der aus Tuvalu stammt, sieht vor, die Inselbewohner schnellstmöglich als Ganzes auf die Fidschi-Insel Kioa zu evakuieren, um die Kultur zu bewahren. In der deutschen Presse und auch von der Klima-Lobby wird dies als erklärter Wille ganz Tuvalus dargestellt. Doch viele der Inselbewohner sind von diesem Plan gar nicht begeistert. Denn die von der Klima-Lobby verbreitete Untergangspanik bei der Bevölkerung gibt es gar nicht. Die lästige King Tide kommt, aber sie geht auch wieder. Auch Tuvalus Premierminister Maatia Toafa sieht den steigenden Meeresspiegel aktuell nicht als Bedrohung an, deretwegen man die Menschen evakuieren müßte. Schon gar nicht auf eine Insel ohne ausreichende Infrastruktur. Viele lieber würde er für die Bevölkerung in Neuseeland oder Australien Land kaufen und, wenn es denn irgendwann so weit ist, dorthin umsiedeln. Nicht verwunderlich, denn Tuvalu ist ein ärmliches Entwicklungsland fast ohne Infrastruktur, dessen Ökonomie fast ausschließlich auf Entwicklungshilfe, Briefmarkenexport, Landwirtschaft, Fischerei und der Vermarktung der Top-Level-Domain „.tv“ beruht, wobei letzteres das Bruttosozialprodukt verdoppelte. So erklärt sich auch das Interesse vieler, besser heute als morgen in die entwickelten, wohlhabenden Staaten Neuseeland oder Australien auszuwandern. Man ist daher auf der Suche nach ausreichend Geld und Unterstützung, um sich in Australien oder Neuseeland einkaufen und ansiedeln zu können. Die Unterstützung der Klima-Lobby kommt da wie gerufen. Selbst eine Klage gegen die entwickelten Länder erwähnt man – um später mit dem Schadenersatz in einem dieser Länder leben zu können...

Die oft in den Medien kursierende Zahl von jährlich 75 Flüchtlingen, die derzeit von Neuseeland wegen des Klimawandels und aus Schuldgefühlen aufgenommen werden, ist wiederum eine von der Klimakatastrophen-Lobby gepuschte Zeitungsente. Es handelt sich nicht um ein Sonderprogramm wegen des drohenden Untergangs, sondern um die üblichen Einwanderungsquoten, die Neuseeland für jedes pazifische Entwicklungsland vergibt. Da Einwanderungsquoten am anderen Ende der Welt aber keine Story machen, wurde wieder einmal eine Verbindung zur Klimakatastrophe gesponnen.

Was aus Tuvalu wird, bleibt abzuwarten. Nach einem schnellen Untergang sieht es derzeit jedoch nicht aus. Bleibt es bei 3 mm Anstieg im Jahr, sollten die meisten Atolle Tuvalus nach Schätzungen von Geographen noch rund 100 Jahre bewohnbar bleiben, ehe eine Evakuierung notwendig wird.

 
     
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