Perspektive  
13.03.08

Von: Robert Soyka


Klima-Hurrikan

Bis vor einigen Jahren interessierte sich die lokale Presse nur am Rande für das Wetter außerhalb Europas. Als die USA 2005 dann vom Hurrikan Katrina getroffen wurden, überschlugen sich die Nachrichten. Und in den zahlreichen Artikel nur selten Andeutungen, der Sturm sei die „Quittung für mangelnden Klimaschutz“.

Vertreter der anthropogenen Klimakatastrophe gingen 2005 davon aus, daß es nun in dieser Form immer weitergehen würde und immer häufiger Stürme dieser Stärke Verwüstungen anrichten würden. Doch die erwartete Super-Hurrikan-Saison 2006 und 2007 gab es nicht, die Zahl der Hurrikans ging sogar stark zurück. Katrina scheint ein singuläres Ereignis gewesen zu sein, den Aussagen Gores zum Trotz. Heute sehnen sich Fundamentalisten der anthropogenen Klimakatastrophe nach der Aufmerksamkeit, die ihnen nach Katrina zukam. Aus dem Blog "Klima der Gerechtigkeit" der den Grünen nahestehenden Heinrich-Böll-Stifung: „Braucht die Welt einen zweiten Hurrikan Katrina? Ein “klimapolitisches Pearl Harbour“? Ich hoffe wirklich nicht, daß die Vereinigten Staaten erst aus Schaden klug werden. Doch wenn, dann brauchen wir solch einen Schock bald. Die Zeit läuft ab, in der wir noch die Chance haben, den gefährlichen Klimawandel zu vermeiden.“ Die Klima-Fundamentalisten wünschen sich die Katastrophe herbei, die sie angeblich verhindern wollen. Man will nicht, wie man vorgibt, Schäden von den Menschen abhalten. Man will Recht behalten und die den Rest der Bevölkerung zum eigenen Glauben bekehren, und wenn dies Tausende von Toten kostet. Es ist, als wünschten sich Vertreter von Brot für die Welt, daß möglichst bald wieder eine Hungersnot ausbricht.

Inzwischen zeigt sich, daß derKlimawandel nicht der Haupteinflußfaktor für die Sturmhäufigkeit in der Karibik ist. Folglich dürfte die CO2-Emmission der USA keinen nennenswerten Einfluß auf die Hurrikan-Häufigkeit in der Karibik haben. Die Erkenntnis stammt im übrigen nicht von einem Klimaskeptiker, sondern von Mojib Latif, der fairerweise auch dann Ergebnisse veröffentlicht, wenn sie nicht für die Klimakatastrophe sprechen.

Tatsächlich ist man in den USA jedoch für die Sturmschäden teilweise selbst verantwortlich, jedoch nicht wegen mangelnden „Klimaschutzes“. Die Bevölkerung der USA verlagert sich seit Jahrzehnten aus dem durch Schwerindustrie geprägten „Rust Belt“ des Nordostens in Richtung Südstaaten und Westküste, oftmals „Sun Belt“ genannt. Neben Entlassungen in der Kohle-, Stahl- und Automobilindustrie des Rust Belts ist hierfür vor allem das veränderte Freizeitverhalten verantwortlich. Ein warmes, sonniges Klima wurde den US-Bürgern wichtiger als Sicherheit - beispielsweise vor Erdbeben, die regelmäßig Kalifornien heimsuchen. Oder vor Stürmen, die seit jeher die südlichen Bundesstaaten der USA heimsuchen.

Doch die übliche Leichtbauweise aus Holz wurde fortgeführt. Dank milder Winter, geringer Preise und hoher Mobilität sind auch Wohnwagen und Wohnmobile als Eigenheime weit verbreitet. Den örtlichen Gegebenheiten ist dies nicht angepaßt: Trifft ein schwerer Sturm auf eine solche Leichtbau-Siedlung, bleibt meist nichts als ein Trümmerfeld übrig.

Auch die lokale Infrastruktur hätte an die steigende Bevölkerungszahl angepaßt werden müssen. Dicht besiedelte Gebiete wie New Orleans hätten ausreichend eingedeicht werden müssen. Doch die weit entfernte Regierung in Washington stopfte in den vergangenen 20 Jahren lieber Billionen Dollar an Steuermitteln in Panzer, Flugzeuge und Militärinterventionen statt in Bagger, LKWs und Deichbau. Eine Sturmflut, wie sie 2005 durch Hurrikan Katrina ausgelöst wurde, hätte in den Niederlanden nur wenig Schaden angerichtet, obwohl dort weite Gebiete deutlich tiefer liegen als New Orleans (siehe „Horrorprognosen und Pseudoexperten“).

Waterworld

In seinem Film „Eine Unbequeme Wahrheit“ redet Al Gore von einem Anstieg des Meeresspiegels um sechs Meter. Er spricht von untergehenden Küstenstädten und erwähnt dabei Städte wie London oder New York. Seine Grafiken zeigen einen seit Jahrtausenden stabilen Meeresspiegel, der seit etwa 100 Jahren plötzlich steigt.

Was steckt dahinter? Der Anstieg des Meeresspiegels ist ein langfristiger Trend, der mit kurzen Unterbrechungen seit dem Ende der letzten Eiszeit anhält. Auslöser ist die noch immer anhaltende Freisetzung der seit der letzten Eiszeit in Gletschern, Inlandeis und Permafrostböden gebundenen Wassermassen, aber auch die thermische Ausbreitung des Meerwassers. Lediglich kurze Kälteperioden, wie etwa die „kleine Eiszeit“ zwischen 1400 und 1850, sorgten zwischenzeitlich für einen Stopp oder gar eine Umkehrung dieser Prozesse.

Oft wird von Verfechtern der Klimakatastrophe der stagnierende bis rückläufige Meeresspiegel vom 18. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als Beweis angeführt. Oder man zeigt Grafiken, deren Zeitraum sich über 12.000 Jahre erstrecken, so daß der Anstieg der letzten fünf Jahrtausende vom 120 Meter-Anstieg am Ende der Eiszeit völlig überdeckt wird. Dadurch wird wiederum der Eindruck erweckt, der Meeresspiegel sei seit Jahrtausenden konstant. Beide Darstellungszeiträume verschleiern die wirkliche Entwicklung. Sie implizieren beim Laien den falschen Schluß, der Meeresspiegel würde zum ersten Mal seit mehreren Jahrtausenden wieder ansteigen. Schaut man sich jedoch Grafiken über einen Zeitraum von 7.000 Jahren an, kommt man zu ganz anderen Schlüssen:

(Quelle: Behre, Karl Ernst; Die Schwankungen des mittleren Tidehochwassers an der deutschen Nordseeküste in den letzten 3000 Jahren nach archäologischen Daten)

 

Man sieht in diesem Maßstab die Auswirkungen mehrerer Wärme- und Kälteperioden (letztere grau hinterlegt) im Detail. So etwa wie die „Kleine Eiszeit“, eine Kälteperiode zwischen 1400 und 1850, die den Meeresspiegel sogar um rund einen Meter zurückgehen ließ. Die Grafik zeigt aber vor allem, daß der Meeresspiegel vor 3.000 Jahren noch immer vier Meter unter dem heutigen Niveau lag. Mit Schwankungen – bedingt durch Warm- und Kaltzeiten - stieg das Meer auch danach im Schnitt um rund elf Zentimeter pro Jahrhundert. 5% des Meeresspiegelanstiegs der letzten 3.000 Jahre entfallen auf die 5% des Zeitraums nach der Industriellen Revolution: Dieser Zeitraum ist also keineswegs außergewöhnlich, vielmehr war der stagnierende oder rückläufige Meersspiegel der vorherigen „kleinen Eiszeit“ eine Ausnahmeerscheinung. Wir werden also mit einem Anstieg des Meeresspiegels leben müssen, wenn keine neue Kaltzeit ausbricht.

Durch Archäologie, Geomorphologie und Geologie lassen sich die Folgen des Meeresspiegelanstiegs vor der kleinen Eiszeit recht genau nachvollziehen. Ein gutes Beispiel ist Helgoland. Noch vor etwa 6.000 Jahren war Helgoland Teil des Festlands, wurde jedoch in den folgenden 2.500 Jahren durch den steigenden Meeresspiegel zu einer Insel. Auch das heutige Watt ist zu großen Teilen erst in den letzten 6.000 Jahren entstanden, als ehemalige Landflächen überflutet wurden.

Vor rund 1.200 Jahren hatte Helgoland noch eine Fläche von rund 200 Quadratkilometern. Auf Mittelalterlichen Karten ist zwischen Sylt, Helgoland und Dietmarschen noch mehr Land als Wasser eingezeichnet. Doch diese Landflächen existieren nicht mehr oder sind durch den steigenden Meeresspiegel zu kleinen Inselchen zerstückelt worden. Das heutige Helgoland ist nur noch ein zwei Quadratkilometer großer Felsen, der früher die Insel überragte. Ohne diesen hoch aufragenden Sandsteinblock wäre Helgoland – wie so viele flache Inseln in der Nordsee – bereits während des Meeresspiegelanstiegs in Folge der mittelalterlichen Wärmeperiode vollends verschwunden.

Doch wie hoch wird der kommende Anstieg des Meeresspiegels ausfallen? Selbst die pessimistischsten Prognosen des IPCC gehen nur von einem Anstieg des Meeresspiegels von 58 cm aus, optimistischere Prognosen des IPCC rechnen mit 19 cm. Nicht berücksichtigt sind hierbei die Antarktis und Grönland, wobei derzeit die Eismenge der Arktis einen Zuwachs aufweist, der den Verlust auf Grönland ausgleicht.

Zum Vergleich: Der Anstieg des Meeresspiegels zwischen 1850 und 2000 betrug etwa 18,5 cm. Keine Stadt ist dadurch versunken; außer ein paar Wissenschaftlern und vielleicht Fischern bekam kaum jemand den Anstieg mit. Gores sechs Meter sind ein Szenario, das selbst nach pessimistischsten Szenarien des IPCC erst in mehreren Jahrhunderten eintreten dürften. Gore macht bewußt keine Angabe zum Zeitraum, von dem er spricht. Alle anderen gemachten Angaben im Film beziehen sich auf eine Zeitspanne von nur 100 Jahren, womit er beim Zuschauer impliziert, diese sechs Meter bezögen sich ebenfalls auf diese Zeitspanne. Auch weitere Angaben Gores sind völlig unwissenschaftlicher Humbug. So erwartet niemand in absehbarer Zeit ein komplettes Abschmelzen oder gar Abrutschen des grönländischen Inlandeises. Sie erinnern sich sicherlich noch an Rahmstorfs Aussage zu Gores Film?

 
     
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