Perspektive  
13.03.08

Von: Robert Soyka


Klimawirksamkeit von CO2

Extreme Klimaskeptiker behaupten, es sei nicht sicher, ob CO2 das Klima überhaupt beeinflußt. Auf der anderen Seite stehen die Verfechter einer anthropogen verursachten Klimakatastrophe und präsentieren Prognosen, in denen bei einem bestimmten Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration der Temperatur-Effekt auf das Grad genau bestimmt wird.

Beides ist unseriös und hochgradig irreführend. Unbestritten steht fest, daß CO2 das Klima beeinflußt. Die Stärke dieses Effektes ist jedoch keinesfalls sicher, und mit gleicher Sicherheit darf konstatiert werden, daß die unterschiedlichen Klimata wiederum auch den CO2-Wert beeinflussen. Die Schätzung der Klimasensitivität von CO2, die Aufschluß darüber gibt, welcher Temperaturanstieg durch eine Verdoppelung des Gehalts der Atmosphäre verursacht wird, ergibt eine sehr breite Spanne. Beim IPCC (‚Intergovernmental Panel on Climate Change’) reicht diese Spanne von 1,5°C bis 4,5°C. Der höchste Wert ist immerhin dreimal größer als der niedrigste. Selbst höhere oder niedrigere Werte werden für möglich, wenn auch für sehr unwahrscheinlich gehalten.

Ermittelt werden solche Werte beispielsweise durch statistische Methoden, etwa die Hauptkomponentenanalyse der Klimaschwankungen der Vergangenheit. Da aber über Zeiträume von Jahrhunderten überhaupt keine Meßdaten vorliegen, schon gar nicht weltweit, muß man sich dabei auf sogenannte Proxy-Daten stützen und verlassen. Also verfügbare Daten, aus denen indirekt die Klimadaten früherer Perioden geschätzt werden können - etwa Baumringe, Pollenfunde in Sedimenten oder Gaseinschlüsse in Gletschereis. Obwohl die dabei benutzten Statistik-Programme, z.B. SPSS, exakt arbeiten, können die Ergebnisse nie genauer sein als die dazu eingegeben Werte. Und noch eines ist zu diesen Statistik-Programmen zu sagen: Wenn man wichtige Faktoren nicht eingibt - gewollt oder unbeabsichtigt -, übertreibt oder unterdrückt die Berechnung Zusammenhänge.

Dieses Manko besteht auch bei der derzeitigen Klimaforschung. Denn ein Problem der heutigen Klimaforschung ist, daß derzeit nicht nur die Stärke einzelner Faktoren berechnet werden muß, vielmehr ist noch nicht einmal klar, ob man schon alle Einflußfaktoren kennt. Und so wetteifern gleichermaßen ideologisierte Klimaskeptiker und Vertreter der Klimakatastrophe darum, mit welcher Kombination betrachteter Faktoren und Auswertungsmethoden die Computer eine zur eigenen Vorstellung passende Klimasensitivität für Treibhausgase auswerfen. Man kann heute oft schon vor der Erarbeitung einer Studie ziemlich genau bestimmen, ob die letztendlich ermittelte Klimasensitivität über oder unter dem Wert der IPCC liegen wird. Man muss sich nur vorab über die Meinung der jeweils beteiligten Wissenschaftler informieren. Ebenso kann man schon vorhersagen, wer die Studie anschließend als fehlerhaft oder gar „unwissenschaftlich“ darstellen wird – eben die Fraktion mit der gegenteiligen Meinung. Und die Klimasensitivität ist nicht das einzige Forschungsfeld der Klimaforschung, für das dies gilt. Mit einem wissenschaftlichen Arbeitsethos – dem Auftrag objektiver Wahrheitsfindung - hat all dies nichts mehr zu tun.

So kamen Berechnungen der Klima-Skeptiker Nir Shaviv und Veizmann auf einen wahrscheinlichsten Wert von 2°C (deutlich innerhalb der Spanne, die das IPCC annimmt). Nachdem sie in ihren Berechnungen aber auch die kosmische Strahlung berücksichtigten, fiel dieser Wert auf 1,3°C. Von der Klimakatastrophe überzeugte Wissenschaftler, darunter z.B. Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK), befanden jedoch die Ergebnisse für wissenschaftlich schlecht begründet, unter anderem weil die Proxy-Daten von 50 Meteoriten für signifikante Statistiken nicht ausreichen. Dies könnte aufgrund des langen Zeitraums, um den es hierbei geht, durchaus stimmen. Zudem wurde Shaviv und Veizmann eine zu selektive Verwendung von Daten vorgeworfen. Rahmstorf nannte dies eine „Anpassung von Daten“.

Nun mag diese Kritik gerechtfertigt sein, doch zeigt sich hierbei auch eine selektive Wahrnehmung von Rahmstorf. Es ist inzwischen zu einem regelrechten „Hobby“ von Rahmstorf geworden, jede Kritik an der Klimakatastrophe im Keim zu ersticken und Gegenstudien zu unterstützen, selbst wenn es sich dabei um Themen handelt, die nicht in sein Spezialgebiet (Meeresströmungen) fallen. Geht es dabei jedoch um Studien, die für die Klimakatastrophe sprechen, spricht Rahmstorf diesen ungeprüft wissenschaftliche Signifikanz und Vertrauen aus (mehr dazu später unter „The day after tomorrow“).

Niemand kann heute genau sagen, wie stark der Einfluß des CO2 und anderer Treibhausgase wirklich ist. Klar ist nur, daß es ihn gibt. Die grundlegende Frage lautet daher nicht – wie von Vertretern der Klimakatastrophe und extremen Klimaskeptikern oft in den Raum gestellt –, ob menschliche oder natürliche Prozesse die Temperaturveränderung im 20. Jahrhundert bewirkt haben. Die Frage ist vielmehr: Wie groß sind die natürlichen und wie groß die menschlichen Anteile daran? Im Rückblick auf die Klimageschichte der vergangenen Jahrtausende halte ich den fast ausschließlich menschlichen Einfluß, von dem das IPCC und in noch höherem Maße die Klima-Fundamentalisten ausgeht für ebenso unwahrscheinlich wie die „nahe Null“-Aussagen extremer Klimaskeptiker. Dennoch ist eine bedenkenlose Freisetzung von CO2 ganz sicher nicht ratsam. Immerhin läßt sich nicht abschätzen, welche Konsequenzen eine Temperaturänderung hat – unabhängig davon, wie stark sie ist (siehe „Klimavorhersage oder -szenario?“ und „Heißhunger“).

Jedoch machen fast alle der jetzt unter massivem PR-Aufwand gestarteten staatlichen Maßnahmen, die unter hohen Kosten den CO2-Ausstoß senken sollen – die Entwicklung von CO2-Sequestrierung oder der zwangsweise Einsatz von Bio-Ethanol (siehe „Alkoholprobleme“) wenig Sinn. Eine gezielte CO2-Vermeidung ist ökologisch nur von Wert, wenn sie auch ökonomisch Sinn macht, etwa als Nebeneffekt anderer ökonomisch oder ökologisch sinnstiftender Maßnahmen (z.B. Wärmedämmung, Effizienzsteigerung von Maschinen, etc.). Ökonomisch unsinnige - weil zu teuer erkaufte - CO2-Vermeidung bindet hingegen Mittel, die an anderer Stelle in Umweltschutz- und Hilfsprojekten wesentlich wirkungsvoller eingesetzt werden könnten (siehe „Krank vor Wärme“ und „Einen Bären aufbinden“).

 
     
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