Perspektive  
21.05.09

Von: Karl-August Hansen


Wie konnte es dahin kommen? Politik und Presse behaupten, die Banken hätten Kredite ohne ausreichende Sicherheiten vergeben.

Im allgemeinen verlangt ein Gläubiger, bevor er sein Geld aus der Hand gibt, Auskünfte von seinem Kunden. Dazu gehört, ob der Bittsteller eine feste Anstellung hat, ob er anderweitig verschuldet ist und welche Sicherheit er bietet für den Fall, daß er seine Schuld nicht begleichen kann.

Es besteht keine Veranlassung anzunehmen, daß die Banken in den USA diese Regeln nicht beachtet hätten. Bei den Kreditnehmern, um die es hier geht, handelt es sich überwiegend um Käufer von Grundstücken oder Immobilien oder Erbauer von Häusern. Als Sicherheit gaben sie die Grundstücke oder die Gebäude.

Für gewöhnlich kann einem Gläubiger, wenn er so verfährt, kein Schaden erwachsen. Denn platzt der Kredit, veräußert er die Immobilie – ein Vorgang, der normalerweise nicht zu nennenswerten Verlusten führt.

In den USA indessen konnten plötzlich Schuldner in Massen ihre Kredite nicht mehr bedienen. Das wäre immer noch ohne Belang geblieben, wenn sich für die angebotenen Immobilien Käufer gefunden hätten. Doch das war nicht der Fall. Zwar gab es nach wie vor genügend Interessenten für Wohneigentum, aber es gab immer weniger Leute, die sich den Kauf leisten konnten – selbst nicht zu den rapide gefallenen Preisen.

Das wirft die Frage auf, was die Kaufkraft derart dramatisch einbrechen ließ. Dafür kommen nur geminderte Einkünfte oder erhöhte Kosten in Betracht. Arbeitsplätze aber waren (dank Bush's Kriegen) genügend vorhanden, auch Lohnkürzungen blieben aus. So kommen als Ursachen nur vermehrte Steuern und/oder Geldentwertung in Betracht.

An dieser Stelle ist festzuhalten, daß die Banken oder „der Markt“ die Krise nicht herbeigeführt haben. Schuld trägt der Staat, der entweder die Steuern erhöht oder das Geld entwertet hat oder beides.

Über die Steuerprogression während der Bush-Präsidentschaft habe ich eine Zusammenstellung in der wissenschaftlichen Literatur nicht gefunden.

Die Geldentwertung dagegen ist reichlich dokumentiert: In den USA betrug die Teuerung 2007 angeblich (dargelegt vom Bureau of Labor and Statistics (BLS), aufgrund eines willkürlich gefüllten Warenkorbs) CPI-U 2,9 Prozent. Die nicht nur gefühlte, sondern tatsächliche Geldentwertung (Differenz aus vermehrter Geldmenge M3 und Bruttoinlandsprodukt), berechnet vom Shadow Government Statistics (SGS), betrug jedoch für den gleichen Zeitraum 10,5 Prozent. Für Februar 2008 stellten sich die unterschiedlichen Werte wie folgt dar: CPI-U ca. 4 Prozent, SGS-Alternate CPI ca. 11,8 Prozent.

Der Verlust der Kaufkraft führt inzwischen zu einer Verbilligung vieler Waren. Daran ist folgendes bemerkenswert. Auf dem Markt befindet sich erheblich mehr Geld als geschaffene Produkte. Das müßte normalerweise zu Teuerung führen. Doch offensichtlich befindet sich das viele Geld nicht in der Hand der Kaufinteressenten.

Mit manchem Dollar werden Iraker und Afghanen getötet. Die meisten freilich dürften in den Tresoren und schwarzen Kassen derer verschwunden sein, die jene Wetten gewonnen haben, die die Banken um ihr Kapital brachten. Viel Geld jedenfalls wird dem Wirtschaftskreislauf entzogen, weil es, hervorgeholt, deren Besitzer ins Gefängnis brächte. Einige Billionen Dollar überdies hortet der chinesische Staat, vielleicht als Faustpfand dafür, daß die USA Taiwan nicht länger schützen.

Das geparkte Geld ist nicht ohne Brisanz. Es stellt eine ständige Bedrohung dar. Denn würden die zurückbehaltenen Scheine auf den Markt geworfen, führte das zu einer Hyperinflation.

Einstweilen also muß noch mehr Geld auf den Markt gebracht werden, damit die Kaufkraft anspringt. Das FED vergibt es zu null Prozent, die EZB zu einem Prozent Zinsen. Noch nie waren Kredite so billig.

Dennoch greifen die Banken nur zögernd zu. Ihnen fehlen potente Kreditnehmer. Die Produktion muß zurückgefahren werden. Der Absatz kommt nicht in Schwung.

Denn den potentiellen Käufern gehen weiterhin zunehmend die Mittel aus. Sie werden auf Kurzarbeit gesetzt oder verlieren ihren Arbeitsplatz. An Lohn- und Gehaltserhöhungen ist nicht zu denken. Die Versicherungen dagegen heben ihre Beiträge an. Die Steuern bleiben hoch.

 
     
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