Perspektive  
11.11.08

Von: Hans-Wolff Graf


Nachstehende Gedanken sind Teil eines Seminar-Konzeptes, das sich – anhand des Gedankenmodells eines Dreiecks, bestehend aus Körper, Geist und Seele – mit der Entstehung von positivem und negativem Streß und dessen jeweiligen Folgen beschäftigt. Ziel dieser Seminare ist, sein Leben selbst zu gestalten, statt in Abhängigkeit zu leben.

Das „Lebens-Dreieck“

Wie negativer und positiver Streß entsteht und wie man lernt, damit umzugehen

 

 

Körper, Geist und Seele – das wissen wir ja alle längst – können nur dann in optimaler Weise arbeiten und eingesetzt werden, wenn sie ein gleichschenkliges Dreieck bilden. Die von den Eckpunkten auf die Gegenseite gefällten Lote (Brennpunkt) und die Seitenhalbierenden (Schwerpunkt) treffen sich dann in einem einzigen Punkt. Schwer- und Brennpunkt stimmen dann also überein. Hängt man dieses Dreieck in seinem Brennpunkt auf einen Nagel, dreht es sich „rund“ – es „eiert“ nicht und, wenn es sich schnell genug dreht, erscheint es wie ein Rad.

Daß sich unser „Dreieck“ eben zumeist nicht „rund“ dreht, sondern gehörig „eiert“, wissen wir alle nur zu genau.

Wir sind dann schnell dabei, Umstände, das Schicksal, Pech oder sogar das Wetter („Föhn“) dafür verantwortlich zu machen.

Um diese „Unrund-Phasen“ leichter zu ertragen, rotten wir uns am besten mit anderen zusammen, denen es ähnlich ergeht. (Sie wissen ja: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“) und bestärken uns gegenseitig in unseren Entschuldigungen.

Dies geschieht in kleinen Gruppen (z.B. einer Firma), aber auch in größeren sozialen Gruppen (Bürgerbewegungen, Protestgemeinschaften u.ä.). Da formieren sich dann z.B. Menschen unterschiedlichster Herkunft zu einem „Club der Dicken“, um sich gegenseitig Mut zu machen. Die meisten dieser Clubmitglieder versuchen aber nur zu verdrängen, daß sie seelische Probleme haben, vielfach undiszipliniert in sich hineinschlingen oder Probleme verdrängen.

Hausbesetzer und Kreditgeschädigte, soziale Randgruppen aller Couleur, Aktionsgemeinschaften und politische Außenseiter finden in ähnlicher Gemeinsameit auch gemeinsamen Trost. Sie übersehen dabei (bewußt und unbewußt), daß die eigentlichen Ursachen für ihre Problematik bei ihnen selbst und nicht in „Umständen“ liegen.

Daß diese Gruppen oftmals ein sehr geeigneter „Spielball“ für machtgierige Zeitgenossen – vor allem Politiker, Werbung und skrupellose Verkaufs“helden“ – werden, geschickt manipuliert und politisch ausgenutzt werden, merken diese Menschen dann zumeist erst viel zu spät.

Wenn wir ehrlich wären, müßten wir zugeben, daß wir uns in Ersatztätigkeiten engagieren. Trotz des dadurch geweckten schlechten Gewissens begehen wir diese Fehler tagtäglich und wider besseres Wissen. Das geht von Aufräumarbeiten im Haushalt über tägliche, banale „Allerwelts“-Tätigkeiten, das Verschieben von notwendigen Behördengängen, überfälligen Briefen und dem längst fälligen TÜV bis hin zu den unergiebigen Routinearbeiten im Berufsleben.

Es fehlt uns einfach der „Thrill“ als Impetus. Kaum jemand bemerkt ja die Erledigung dieser Tätigkeiten, und man bekommt daher selten bis nie ein Lob dafür. Das fehlende „Freude“-Empfinden (Mangel an Endorphinen) blockt diese Tätigkeiten ab.

Da wir ob dieser Versäumnisse jedoch andererseits ein schlechtes Gewissen haben, versuchen wir, diese „Nicht-Erledigung“ anderen Menschen gegenüber zu verheimlichen – notfalls auch mit „Not“-Lügen oder dem gequält-mitleidheischenden Hinweis: „Ich hatte dazu einfach noch keine Zeit“.

Nun erkennen wir (ebenso wie der Adressat dieser Ausreden), daß es sich um Halb- oder Unwahrheiten handelt. Hieraus erwächst das berühmte schlechte Gewissen.

Sofern es sich um berufliche „Verschiebeaktionen“ handelt, resultieren daraus eventuell sogar wirtschaftliche Nachteile. Diese Gefahr besteht besonders bei Selbständigen, die sich ihre Arbeit selbst suchen und einteilen müssen!

Natürlich schlagen diese Versäumnisse irgendwann auf uns zurück. Entweder verlieren wir Freunde und Bekannte oder Kunden und Mandanten, weil wir als unzuverlässig gelten, Zusagen nicht eingehalten oder unsere Pflichten nur oberflächlich erledigt haben. Es kommt zu Vorwürfen, Auseinandersetzungen, Streit – alles Dinge, mit denen wir uns (gegenseitig) das Leben schwer machen.

Leider treffen nun – nach einem uralten „Weltgesetz“ – die negativen Folgen lange aufgeschobener, aber nicht erledigter Tätigkeiten sehr oft zeitlich in unangenehmer Weise zusammen – und zwar genau zum falschen Zeitpunkt.

Der dann ausbrechende „General-Notstand“ gebiert ein hohes Maß an Unzufriedenheit, Trauer, Hektik und bisweilen sogar Panik. Nun stellen die nicht erledigten Dinge einen schier unübersehbaren Berg dar. Wir wissen nicht mehr „ein“ noch „aus“ – das Schicksal (woran eigentlich keiner so richtig glaubt) nimmt urgewaltig „Rache“.

Je nach Konfliktfähigkeit, Mut und Bereitschaft zur Selbstkritik zeigen wir uns einsichtig und legen „Großkampftage“ ein – sogar unter Verzicht auf geplantes Erfreuliches – oder wir fallen in grenzenloses Selbstmitleid, machen Gott und die Welt – auf jeden Fall Andere – für alle Unbill dieser Welt verantwortlich.

In gravierenden Fällen stehen dann Scheidungen und Trennungen, also eine abrupte (private oder berufliche) Veränderung des Umfeldes als „Notlösung“ ins Haus. Solche Momente stellen aber auch die Pforte zu Alkoholismus und Drogenkonsum sowie allen anderen Formen von Fluchtverhalten dar. Man wechselt die Firma, begräbt Freundschaften – Enttäuschung grassiert und macht sich kuhfladig breit.

Statt uns nun dem Problem – mit all seinem Schmerz – zu stellen, gehen wir wiederum ‚krumme’ Wege. Wir beschimpfen und verdammen Umstände und Personen, suchen Verbündete – je mehr desto besser – und buhlen um deren Mitleid. Selten haben wir das Glück, ehrliches Verständnis und wirkliche Hilfe zu bekommen.

 
     
  Bauen wir eine PERSPEKTIVE auf
mutig, engagiert, kraftvoll