… stehen derzeit sowohl die maßgebenden Volkswirtschaften als auch die politischen Verhältnisse.
Zur Euro-Zone: In Italien hat der Bunga-Popanz Berlusconi die Zeichen der Zeit erkannt und seinen Einspruch gegen die Regierung Letta zurückgezogen. Gleichwohl wird das Bruttoinlandsprodukt auf dem „Stiefel“ das Jahr mit einem Minus von mehr als 5% abschließen; die Bevölkerung ist empört, sieht sich bezüglich der illegalen Einwanderer von Europa enttäuscht, und der Druck auf die Regierung wächst zusehends. Erstmals seit Juni letzten Jahres sind die ‚Anti-Europäer‘ wieder auf dem Vormarsch.
Frankreich sieht sich in einer ähnlichen Position, setzt lieber auf außenpolitische Themen und dürfte spätestens bei der Weihnachtsgratifikation (bis zu 2,5 Bruttozusatzgehälter!) für die öffentlich Bediensteten erneut innenpolitisch in Schwierigkeiten geraten, da die impliziten Schulden unaufhaltsam steigen, gleichzeitig aber die erhofften Steuer(mehr)einnahmen zum einen hinter der Erwartung zurückgeblieben sind, andererseits die Produktivität und der Außenhandel zum dritten Mal in diesem Jahr nach unten korrigiert werden müssen. In Spanien, Portugal, Griechenland, Slowenien sowie auf Zypern und Malta protestiert die Bevölkerung gegen Sparmaßnahmen, die sie nicht länger bereit sind, hinzunehmen.
Im Vereinigten Königreich grassiert (neben der allgemeinen Wirtschaftsflaute) das Problem Schottland, wo der Plan des regierenden Ministers, sich aus dem Commonwealth herauszulösen und ein unabhängiger Staat zu werden, wachsenden Zulauf erhält. [Sollte dies Realität werden, wird es – aus grundsätzlichen Gründen (EU-Basisverträge), nicht aufgrund des wirtschaftlichen Gewichts Schottlands – richtig spannend.]
In Deutschland werden sich Merkel und Gabriel wohl doch einig; Steuererhöhungen sind derzeit dem Volk nicht vermittelbar. Aber wenn der bayerische Kronprinz Horst I. seine PKW-Maut-Pläne wieder begräbt, steht einer lieblosen Zweck-Koalition Schwarz/Rot nicht mehr viel im Wege. Beide Vertragspartner fürchten nichts mehr als Neuwahlen, bei denen beide – zugunsten der AfD – verlieren würden. Und für Medienwind, der die eigentlichen Probleme hierzulande übertönt, sorgen der Limburger Prunk-Bischof und der Büroleiter der Grünen, der soeben als Päderast entlarvt wurde.

Der Haushaltsstreit in den USA sorgt für immer mehr Protest und Rage im Volk (interessant wird`s, wenn tatsächlich am Wochenende landesweit 400.000 Trucker ihren Protest auf die Straße tragen), denn 800.000 der 3,4 Millionen öffentlich Bediensteten sitzen unbezahlt zu Hause und leisten zwangsweisen Konsumverzicht, was die USA bis Ende des Jahres etwa 0,3% an Bruttoinlandsprodukt kosten würde. In Utah, was als erster Bundesstaat wieder Gold als Zahlungsmittel eingeführt hat, freuen sich die Pfandleiher auf ein einkömmliches Jahresendgeschäft, und mit der Ernennung von Janet Yellen als Nachfolgerin des FED-Chefs (‚Helikopter‘) Bernanke werden die USA auch weiterhin ein sehr lockeres Verhältnis zum weiteren Aufbau ihres Schuldenturms bekommen.

Aber die Märkte reagieren äußerst gelassen, und dies hat einen Grund: Artikel 4 des 14. Verfassungszusatzes (‚Amendment‘) der USA verbietet eine Staatspleite und bestimmt, daß ‚unabhängig von jedem Votum des Kongresses‘ die USA ihre Schulden bezahlen müssen. Zudem schaden sich die Republikaner mit ihrer Bockigkeit, die Schuldenobergrenze anzuheben selbst, denn im November stehen Kongreßwahlen an, und parlamentarische Erpressung kommt beim Wähler traditionell nicht gut an. Nicht zuletzt steht hinter Obama die US-Finanzindustrie, der nichts wichtiger ist als Ruhe und Berechenbarkeit auf dem Börsenparkett.
Aber wie Dutzende Male zuvor werden sich Dems und Reps kurz vor “Torschluß” (heute, um 24°°) auf eine ‘Übergangslösung’ einigen und dann bis Januar 2014 weiter streiten.

Auch in Japan druckt man munter weiter Geld, als gäbe es kein Morgen, wobei der Yen seine Talfahrt gegenüber den übrigen Weltwährungen zumindest spürbar bremsen konnte. Dennoch ist der „Aufschwung“ auf Sand gebaut. In China suchen immer mehr Mittelständler und Großkonzerne nach neuen Produktionsstätten in Südostasien (Malaysia, Vietnam, Kambodscha, Laos, etc.) oder Schwarzafrika, da dort inzwischen billiger zu produzieren ist als sogar im Westen Chinas. Die Zahl der Wanderarbeiter hat gegenüber dem Vorjahr um mehr als 3% zugenommen – kein Mut machendes Zeichen für den laufenden Fünf-Jahres-Plan der postkommunistischen Einheitspartei Chinas.

Generell darf konstatiert werden, daß sich die Mitte des Jahres noch gefeierte Euphorie an den Märkten allmählich verdüstert; so unerwartet stark sich der September gezeigt hat, so kalt, naß und (börsentechnisch) häßlich könnten sich der Oktober und der nahende Winter zeigen.

H.-W. Graf