Flucht in Sachwerte
Das Sachwertphantom
Nachdem zwischenzeitlich
auch die sogenannten Leitmedien immer häufiger auf den fahrenden Zug
aufspringen und eine ‚Flucht in Sachwerte’
entweder konstatieren oder gar nachdrücklich empfehlen, wird es Zeit, die
Dinge einmal etwas tiefgehender zu betrachten.
Der Befund: Einem immer
größer werdenden Teil der Bevölkerung scheint nach und nach bewußt zu werden,
daß sich das Tausch- und Hortungsmittel ‚Geld’
ernstzunehmenden Gefahren gegenübersieht. Simbabwe-Dollar, Hyperinflation 1923,
Währungsreform 1948, Staatsbankrott Argentinien u.a. - das sind die medial immer
häufiger eingestreuten Schlaglichter bzw.
historischen Bezugsgrößen, wenn es um das Thema Geld (neuerdings gerne auch abwertend ‚
Papiergeld’ genannt) geht.
Die Angst geht um, daß
der Geldschein in der Hand oder das Spargeld auf der Bank seinen Wert entweder
schleichend oder aber gar auf einen Schlag verlieren könnte.
Doch woher kommt unser
heutiges GELD, diese Rechnungseinheit in Papier und digitaler Form, das sich so
gut aufbewahren läßt und mit dem sich auf Knopfdruck auch große
(Tausch-)Transaktionen bewerkstelligen lassen?
Es „entsteht“ durch die
einst von Staaten/Regierungen eigens dafür geschaffenen Zentralbanken, die
damit betraut wurden, Geld zu „schöpfen“ (= schaffen), zu verwalten und zu „hüten“,
also - grob gesagt - dafür zu sorgen, daß durch Verknappung oder
Erweiterung des „Kreditrahmens“ (via Banken) der Geldverkehr seiner Bürger
gesteuert wird.
Verständlicherweise wird
der Wert des Geldes von den meisten Menschen in Bezug zu den Preisen der
Umgebung gesetzt, in der sie leben und arbeiten. Ob beispielsweise in der Schweiz
durch einen Anstieg des Schweizer Franken zum Euro die Preise steigen,
interessiert meist nur im Falle eines geplanten Urlaubs im schönen Alpenland.
Schon anhand dieses geläufigen Beispiels stellen wir fest, daß es auf unserem
Planeten verschiedenartiges Geld gibt, gemeinhin Währungen genannt. Der Schweizer Franken,
der US-Dollar, der
japanische Yen sind natürlich auch nichts anderes als ‚Papiergeld’, auch wenn ihnen in täglich schwankenden Kursen ständig
neue Bewertungen zuteilwerden.
„Starke Volkswirtschaften = starke Währungen, schwache Volkswirtschaften
= schwache Währungen“, so lautete in etwa die simple Gleichung der Volkswirte - natürlich
immer im Verhältnis zueinander, womit auch schon ein Dilemma unseres
derzeitigen Multi-Kulti Geldes, des EURO, angesprochen wäre, einem Mix aus
schwachen und weniger schwachen Volkswirtschaften in der Euro-Zone. Dabei stört
vor allem die Unmöglichkeit, über die Bewertung
einer Währung ein einigermaßen zutreffendes Bild von der volkswirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit eines Landes abzugeben. Gelegentlich bezeichnen übrigens
Menschen, die sich für Fachleute halten, den Euro als „künstliche“ Währung; das
löst insofern Heiterkeit aus, als jedes Geld künstlich ist. Es wächst
nicht auf Bäumen und Äckern, sondern wird von Menschen konzipiert und von
Maschinen gedruckt.
Unübersehbar haben aber
nun in den vergangenen Jahrzehnten viele Staaten und deren kongeniale Partner - die Banken -
reichlich über ihre Verhältnisse
gelebt. Die Staaten, indem sie chronisch mehr ausgaben als einnahmen -
aus politischem Opportunismus und in der Manie verfangen, die Bürger unter dem
Deckmäntelchen „sozialer Fürsorge“ immer mehr zu entmündigen - sich das
(fehlende) Geld auf den nationalen und internationalen Kapitalmärkten liehen
und damit einen gigantischen Schuldensaldo aufbauten. Die Banken, die sich in
den vergangenen 300 Jahren weit über das hinaus entwickelten, was ihren ursprünglichen
Daseinszweck begründete - Geld für diejenigen zu verwahren, die es gerade
nicht brauchen und es denen zu leihen, die es benötigen, um Handel und
Zahlungsverkehr zu organisieren. Banken mischten nämlich schon lange in
allerlei Geschäften mit, wo es vermeintlich etwas zu verdienen gab. Worin viele
dieser Geschäfte bestanden, davon konnte sich spätestens seit Ausbruch der
Finanzkrise im Jahr 2008 auch der unbedarfteste Bürger ein umfassendes Bild
machen - wenn er denn
wollte.
Jedenfalls stellte sich
heraus, daß die Banken in ihren monströsen Bilanzen jede Menge uneinbringbare
Forderungen und andere zweifelhafte Assets
(= Werte aller Art) angesammelt bzw. aufgetürmt hatten (und bis heute noch haben).
Überschuldete Staaten
und ebenso überschuldete Banken - Betrunkene, die im Schuldenrausch nach
Hause torkeln und sich mühsam gegenseitig stützen. Doch: Wo torkeln sie hin,
und wann werden sie wieder nüchtern? Das fragt sich der Beobachter dieser
Tragikkomödie.
Der EURO jedenfalls,
ursprünglich als Allzweckkleber für die Vision eines ‚Vereinten Europas’
gedacht, entpuppt sich zwischenzeitlich als gefährlicher Spaltpilz. ‚Mitgefangen, mitgehangen’
lautet die derzeitige Parole der
Eurofreunde.