Perspektive  
27.10.08

Von: Karl-August Hansen


Die Retter und ihr Werk

 

Es gibt Staaten, denen von Privatseite keine Kredite mehr gewährt werden (Island, Kalifornien).

Einige große Banken müssen ihre Schalter schließen. Selbst einige Lebensversicherungsgesellschaften rutschen in die Pleite.

Was geht hier vor?

Die USA unter George W. Bush zogen in den Krieg. Das kostete Geld, mehr als der Haushalt hergab. Er ließ sich nur über das Aufnehmen von Schulden ausgleichen. Das erzwang, die Steuern zu erhöhen.

Der vermehrte Umlauf verknappte das Bargeld. Das Fed druckte neues. Das brachte die Inflation ins Traben.

Als Folge davon wogen für den amerikanischen Bürger die Gehaltserhöhungen die Geldentwertung und Abgabenbelastung nicht mehr auf. Ob er das hätte vorherzusehen müssen oder falsch beraten wurde, ist ohne Belang. Jedenfalls konnte er seine Kredite nicht mehr bedienen.

Den Banken flossen infolgedessen zunehmend Immobilien zu, für die sich in den Versteigerungen (trotz ständig verringerter Preise) keine Käufer fanden. Statt auf flüssigem Kapital sitzen sie nun auf Sachen, die sich nicht zu Geld machen lassen. Das überfordert jede Bank.

Die Staaten, schuldig an der Misere, geben jetzt vor(und die Presse kolportiert es), das Finanzsystem gerettet zu haben.

Dies wollen sie bewirkt haben, indem sie weiteres Geld auf den Markt werfen.

Das hat zweierlei Folgen:

Da sie das Geld nicht haben, von dem sie so großzügig Gebrauch machen, zahlt die Zeche erneut der kleine Mann. Ihm wird das staatliche Manko vom Gehalt abgeknöpft und er erlebt obendrein, daß die Scheine und Münzen in seinem Beutel zunehmend weiter an Wert verlieren.

Überdies werden die nachrangig Schuldigen, die Bankinhaber, aus der Haftung genommen.

Da es sich hier vorwiegend um Kapitalgesellschaften handelt, müßten, griffe der Staat nicht ein, die Gesellschafter und Aktienbesitzer für das Verhalten ihrer Unternehmen geradestehen. Die von diesen gewählten Aufsichtsräte indessen und die von diesen wiederum bestellten Vorstände haben nicht nur versagt, sondern obendrein kräftig in die Kasse gegriffen - was nun ohne die Folgen bleibt, die es haben müßte.

Sodann wollen die Staaten die Überwachung der Banken erweitern und verbessern.

Nun gibt es in den meisten Staaten bereits eine hoheitliche Bankenaufsicht. Ihr entging weitgehend, was sich in den abhörsicheren Büros abspielte. Wird es jetzt gelingen, jedem gierigen Banker einen wiefen Beamten in den Nacken zu setzen?

Und was die Regeln anbelangt, so waren die meisten Gesetzgeber in den letzten Jahren durchaus nicht faul. Gegen weitere Verordnungen, ja gegen Verordnungen insgesamt darf man Bedenken hegen.

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, das, so unkonkretisiert, wie es ist, dennoch von jedem auf dem Markt gekannt wird, das des ehrbaren Kaufmanns. Seit Jahrtausenden stellt sich immer wieder die Frage, ob es notwendig oder nützlich ist, diese Norm in Gesetzesform zu gießen. Denn jeder, der auf den Markt geht, weiß, daß, wenn er sich auf den schmalen Grat zwischen Gut und Böse begibt, er in Gefahr gerät zu stürzen. Ist es da der Sache dienlich, ein paar Barrieren zu errichten, wohl wissend, daß Schwindelfreie unversehens eine Umgehung finden (unterstützt von eigens darauf angesetzten Wissenschaftlern)?

 
     
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