Perspektive  
19.10.06

Von: Joachim Haller


Wird die Private Zusatzkrankenversicherung immer wichtiger?

 

Das Thema dürfte dem einen oder anderen Leser mittlerweile vertraut sein. Alle ein bis zwei Monate werden diverse Zusatzkrankenversicherungen mit Preis-/ Leistungsvergleichen in Wirtschaftsblättern oder Testjournalen als Titelstories präsentiert. Immerhin werden in Deutschland aktuell rund 18 Mio. Zusatzkrankenversicherungsverträge unterhalten.

Die Frage, die sich sicher vielen stellt, ist: „Lohnt sich das für mich, und muß ich mich hierzu extra absichern?“ Diese einfache Frage ist grundsätzlich genauso einfach mit NEIN zu beantworten, und zwar dann, wenn Sie sich wie der statistische Durchschnitt verhalten würden. Da Sie dies genauso wenig wissen können wie ihre genaue Lebenserwartung, ist die Antwort doch nicht so eindeutig. Die jedoch viel wichtigere Frage „Bin ich auf die zunehmende Eigenverantwortlichkeit für mich und meine Gesundheit vorbereitet?“ stellen sich interessanterweise die allermeisten überhaupt nicht.

Theorie und Praxis:

Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen der Tatsache, daß Menschen eigenverantwortlich handeln und der daraus resultierenden Fähigkeit, für Notfälle Rücklagen zu bilden. Das Gros der Bürger glaubt nach wie vor, daß entweder der Staat und im Falle der Gesundheitskosten die Krankenkasse, weitestgehend die Vollversorgung übernehmen. Dies ist schon lange nicht mehr der Fall und vor allem im Bereich Zahnersatz mitunter ein fataler Irrtum. Es gibt wieder eine zunehmende Tendenz, daß aufgrund der fehlenden Kostenübernahme von Seiten der Kassen Investitionen in Zahnreinigung, Zahnprophylaxe und gutem Zahnersatz aus „Kostengründen“ unterbleiben werden. Zudem zeigt die Praxis, daß es genau diejenigen Gesetzlich Krankenversicherten, die keine zusätzliche Absicherung getroffen oder die entsprechenden Rücklagen aufgebaut haben, es immer dann auch noch im (finanziell) ungünstigen Moment trifft. Z.B. wenn Ihr Zahnarzt Ihnen mitteilt, daß die Amalgamfüllungen ausgetauscht werden müssen und Sie gerade umgezogen sind, oder wenn Sie aus dem Urlaub kommend festgestellt haben, Ihre Sonnen- und Lesebrille ist zu Bruch gegangen. Für viele Versicherte ist das zwar zum Teil finanziell sehr schmerzlich, für manche Facharbeiterfamilie geht es hierbei schon ans sog. finanzielle Eingemachte. Im Gegensatz dazu sind Bezieher von Sozialhilfe und Hartz IV (noch) von Zuzahlungen weitgehend befreit. Es dürfte dem Leser aber auch klar sein, daß bei weiterer Zunahme der Lebenserwartung und der damit einhergehenden Überalterung unserer Gesellschaft die Kosten tendenziell weiter steigen und die Kostenübernahme der Krankenkassen weiter sinken wird.

Was ist mir gute medizinische Versorgung wert?

Die Frage, wieviel medizinische Leistungen man in Anspruch nehmen kann oder will, hängt unmittelbar auch vom Leistungskatalog seines Versicherers und darüber hinaus von den eigenen vorhandenen Rücklagen ab. Hierzu kann – stark vereinfacht – folgende Prioritätenskalierung vorgenommen werden:

1.)   Basisabsicherung:

Ein (gut verwaltetes) Fondsdepot in Höhe von 10.000 bis 20.000 Euro reicht mutmaßlich lebenslang für das Gros der Zuzahlungen aus, die auf Kassenpatienten zukommen können. In vielen Familien und jungen Haushalten fehlt jedoch diese Rücklage vollständig. In der Regel sind dies Zuzahlungen für Zahnersatz, Brille, Medikamente, Heil- und Hilfsmittel sowie Krankenhausaufenthalt. Vor diesem Hintergrund sind auch die recht günstigen Prämien (für junge Versicherte) zu erklären. Eine Basisabsicherung für zusätzlichen (und oftmals vernünftigen) Versicherungsschutz bewegt sich im Bereich von ca. 10 bis 20 Euro. Hierbei sollte, neben der schon sehr verbreiteten Auslandreisekrankenversicherung, absolute Priorität auf die Kostenübernahme von Zahnreinigung bzw. -prophylaxe und vor allem guten Zahnersatz gelegt werden. Darüber hinaus sollten Arbeiter/Angestellte auf die Absicherung des Kranken(tage)geldes ab der 6. Woche achten, da wenig bekannt ist, daß der Arbeitgeberanteil für die Gesetzliche Rentenversicherung aus dem Krankengeld zu bestreiten ist.

2.)   Optionale Absicherung:

Die Rücklage, die Sie bilden müssen, erhöht sich in diesem Bereich schnell auf einen Vermögenswert von 50.000 bis 100.000 Euro, wenn Sie Wert auf eine Behandlung durch einen Chefarzt legen und Wahlleistungen im stationären Bereich, privatärztliche Leistungen oder Behandlung von Heilpraktikern und anderen Dienstleistern in Anspruch nehmen wollen. Kassenseitig werden diese Aufwendungen nur in geringem Umfang oder gar nicht übernommen. Es sind zwar auch einige Zusatzversicherungsangebote im Bereich der Basisabsicherung anzusiedeln, diese sind jedoch in der Regel mit restriktiven Summenbegrenzungen versehen. Die entsprechenden Beiträge für eine Zusatzversicherung bewegen sich bei einer monatlichen Prämie zwischen 70 und 200 Euro.

 
     
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