Perspektive  
19.10.06

Von: Frank Amann


Im Labyrinth der (Betrieblichen) Altersvorsorge

Teil II

 

Bereits in der letzten Ausgabe des zeitreport berichteten wir über die äußerst kompliziert gestalteten Formen der staatlich geförderten bzw. betrieblichen Altersvorsorge und deren unübersehbare Mängel.

Was aber wäre nun eine vernünftige Alternative zum heutigen rechtlichen, steuerlichen und formalistischen Wirrwarr?

Zunächst einmal müßte von dem Gedanken Abschied genommen werden, daß Betriebliche oder sonstige staatlich geförderte Vorsorgeangebote (Rürup, Riester), jeweils verschiedene „Paar Schuhe“ sein müssen.

Eine vielfältige Angebotslandschaft, verknüpft mit einigen wenigen – für alle verbindliche – Regeln, würden völlig ausreichen, um das heutige Tohubawohu zu beenden. Wie das funktionieren kann, haben die Briten nun vorgemacht:

Am 6. April 2006 nämlich, dem sogenannten „a-day“, trat dort eine radikale Reform der Privaten- und Betrieblichen Altersvorsorge in Kraft. Acht unterschiedliche Systeme wurden durch ein, für alle Bürger geltendes und leicht verständliches Regelwerk ersetzt. Anbieter von förderfähigen Pensionssparplänen können sowohl Arbeitgeber als auch Fondsgesellschaften, Versicherungen und Banken sowie Vermögensverwalter sein. Alle Bürger können unter identischen Förderbedingungen an einem oder mehreren Privaten oder Betrieblichen Sparplänen teilnehmen. Für deutsche Verhältnisse kaum zu glauben, es gelten nur zwei Höchstgrenzen: Der Gesamtwert der Vorsorgeansprüche darf maximal 1,5 Mio. Pfund, die jährlichen Beiträge und Erträge maximal 215.000 Pfund betragen. Jeder Einzelne kann bis zum Eintritt in den Ruhestand „brutto für netto“ aus seinem Einkommen oder durch Zahlungen des Arbeitgebers in den Pensionssparplan einzahlen. Woher das Geld also stammt, ist völlig irrelevant. Die Auszahlungsmodalitäten sind ebenfalls recht überschaubar, je nach Wunsch des Einzelnen können die Rückflüsse (die dann wieder zu versteuern sind) ab dem 50. Lebensjahr abgerufen werden. Spätestens mit Vollendung des 75. Lebensjahres muß die Leistungsphase begonnen haben.

Der Bürger entscheidet also innerhalb eines großzügigen Rahmens selbst, wann seine Altersvorsorge beginnen soll. Der (Vorsorge-)Sparer kann sich sogar bis zu 25% des angesparten Kapitals auszahlen lassen (z.B. um ein Baudarlehen abzulösen). Im Gegensatz zur „Riester-Rente“ (die eine solche Teilauszahlungsoption ebenfalls beinhaltet) ist eine solche Einmalauszahlung allerdings steuerfrei!!!

Stirbt der Sparer vor Eintritt in die Bezugsphase, erben die Angehörigen die gesamten Ersparnisse (ebenfalls steuerfrei). Verstirbt er nach Beginn des Leistungsbezugs, aber vor Vollendung des 75. Lebensjahres, wird der verbleibende Sparbestand unter Abzug einer Steuerbelastung von 35% ausgezahlt.

Kleiner Wermutstropfen: Wenn der Bezugsberechtigte nach Vollendung des 75. Lebensjahres stirbt, gibt es keine Kapitalrückzahlung mehr (der Pensionsplan kann jedoch optional eine Hinterbliebenenversicherung beinhalten).

Was sich hier anhört wie ein Märchen aus „Tausend und einer Nacht“ ist Realität, und zwar nicht in irgend einem fernen exotischen Zwergstaat, sondern bei unserem EU-Nachbarn Großbritannien. Warum in Deutschland niemand auf die Idee kommt, verhältnismäßig einfache Regeln für sämtliche Formen der kapitalgedeckten Altersvorsorge, mit höchstmöglicher Flexibilität zu finden, bleibt vordergründig im Dunkeln. Möglicherweise sind die meisten Marktteilnehmer einfach zu sehr auf die bestehenden Verhältnisse fixiert und weigern sich standhaft, über den Tellerrand hinauszuschauen. Vielleicht spielt auch eine mächtige Versicherungslobby (die dann Teile der bisherigen „Pfründe“ abgeben müßte) eine unselige Bremserrolle. Ganz sicher jedoch ist, daß die politische Klasse überhaupt noch nicht begriffen hat, daß ein entkompliziertes Regelwerk für die hiesige Altersvorsorgelandschaft einen Befreiungsschlag darstellen würde, der auch – entgegen allen Beteuerungen des immer seniler erscheinenden Ex-Ministers Blüm – das Auslaufmodell „Gesetzliche Rentenversicherung“ mittel- bis langfristig sogar ersetzen könnte.

 
     
  Bauen wir eine PERSPEKTIVE auf
mutig, engagiert, kraftvoll