Die derzeitige „Windstille“ im Meer nahezu aller Indizes und Börsen gleicht fatal dem Bild des berühmten Kaninchens, das in starrer Ängstlichkeit vor der Schlange kauert und darauf wartet, was dem Reptil als nächstes einfällt, statt sich mit einem beherzten Sprung (also eigenem aktivem Handeln) aus der Gefahrenzone zu begeben.

“Die Reichen müßten sehr glücklich sein,
wenn sie nur halb so glücklich wären,
wie die Armen glauben.”
Charles Tschopp

Schweizer Schriftsteller und Lehrer, 1899-1982

Und ähnlich verhalten sich derzeit private und institutionelle Anleger/Investoren an den Märkten; alles wartet darauf, was sich die Politik(er) in Berlin und Brüssel einfallen lassen. Aber die touren entweder im Wahlkampfmodus durchs Land, besuchen Kindergärten und Schulen, belämmern potentielle Wähler im eigenen Zuhause oder gehen bei medienwirksamen Kajak-Fahrten baden, wie der Grüne Tritti(h)n. Das Volk wird derweil mit Super-Cup und Audi-Cup bei Laune gehalten oder mit Zug- und Busunglücken, Erdbeben und Schreckensnachrichten aus aller Welt in Schreckstarre gehalten.

Derweil gewinnt am Firmament der EU-Illusion ein weiterer „Stern“ immer drohender an Größe – die Niederlande. Zu der sich verschärfenden Rezession – private wie gewerbliche Immobilien sinken im Preis (teilweise zweistellig) kontinuierlich; Firmeninsolvenzen nahmen im ersten Halbjahr 2013 um 14% zu (4.983), die Arbeitslosenrate steigt beängstigend; das gesamte Bankwesen gilt als höchst gefährdet (die holländische Commerzbank heißt SNS-Bank und wurde kürzlich verstaatlicht); die Autoverkäufe sanken um 36,6% gegenüber dem Vorjahr, und die Verschuldung der privaten Haushalte hat sich seit Beginn der 90er Jahre verdreifacht (auf über 280% des verfügbaren Einkommens!). Für die Öffentlichkeit unsichtbar: der Anstieg der impliziten Verschuldung (staatliche Versorgungsversprechen für öff. Angestellte und Beamte) Hollands beträgt über 260% des Bruttoinlandsprodukts (der dritthöchste Wert, hinter Luxemburg und Griechenland, innerhalb der EU). Und am Horizont taucht schon der nächste „Stern“ auf: Dänemark; hier werden demnächst auch die Krisenglocken geläutet, denn die Privat-Schulden der Dänen liegen bereits bei über 300% der verfügbaren Einkommen.

Unser Tip: Überlegen Sie in Ruhe und ganz gelassen, welche Risiken und Chancen – erstere sind weitaus geringer, als die Meisten befürchten, letztere gibt es (wie stets) immer – in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren anstehen. Das Wichtigste bei der freudvollen und erfolgreichen Bewältigung des (ohnehin viel zu kurzen) Lebens ist die innere Haltung, das Interesse und die Neugier, mit der wir unserem Leben begegnen und das Maß an Unabhängigkeit, mit Hilfe desser wir uns gegen die multiplen Versuchungen der Wirtschaft und der politischen Laienspielgruppe wappnen.

Bei Licht betrachtet müßen wir uns weder vor einer rasant steigenden Inflation fürchten, noch vor deutlich steigenden Zinssätzen – das wäre für fast alle EU-Staaten der Super-GAU –, was andererseits den Nachteil mit sich bringt, daß auch weiterhin (und noch lange) Geldwertanlagen (Lebensversicherungen, Festgeldanlagen und Sparbücher) keinen Ertrag (nach Steuern und Inflationsrate sogar ein Minus) bringen.
Die wirklichen Probleme der Zukunft – Überbevölkerung, Raubbau an den Rohstoffen und der Natur, demographische Probleme und die immer noch wachsende Freßgier des Steuerstaates – sind ohnehin Dauerphänomene, die früher oder später zum Zusammenbruch der weltweiten, pseudo-demokratischen Systeme führen müssen (und werden).

Hierzu ein Beispiel: 1950 betrugen die gesamten Steuern hierzulande (umgerechnet) 500 Millionen Euro, 63 Jahre später stehen wir bei rund 670 Milliarden Gesamt-Steuereinnahmen, was einem Zuwachs von 1.340% entspricht. Anders ausgedrückt: Mit einer durchschnittlichen Steigerungsrate von 21,27% (was einem jährlichen Zins von 12,12% entspräche) belastet der Faktor ‚Steuern‘ den deutschen Bürger mehr als jeder andere Teil seiner Ausgaben, wobei seit 1950 etwa die Hälfte aller Güter und Dienstleistungen billiger wurden, wohingegen alle staatlichen Leistungen (ausnahmslos) entweder deutlich teurer wurden oder privatisiert werden konnten. Gleichzeitig nahm die Zahl der öffentlich-(un)rechtlich Bediensteten – entgegen allem technischen Fortschritt – bis 2012 ebenso drastisch zu, wie das Geflecht der Gesetze und Verordnungen, mit denen uns das Heer der Parteien und Politiker beglückt hat, und zahlten 1950 noch rund 93% aller BundesbürgerInnen Steuern, so sind es heute gerade noch 43%.

Üben Sie sich in entspannender Bauchatmung (zumindest bis zum 22.9. d.J.); so schlimm wird es, egal, wer dann jubeln darf, schon nicht werden, denn man benötigt uns auch nach der nächsten „Schicksalswahl“ weiterhin als KonsumentInnen und SteuerzahlerInnen.

H.-W. Graf