Was Le Monde diplomatique (sh. Artikel vom 8.11.2013: „TAFTA – die große Unterwerfung“) zur geplanten “Wirtschafts-NATO” zu sagen hat, macht zarte Leser gruseln.
Noch absurder jedoch ist, daß eben diese Entwicklung bereits vor 15 Jahren absehbar war (sh. unsere Berichte von 1998 und 1999 im ‘zeitreport‘ des DBSFS, dem Vorläufer des heutigen ‘PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V.‘ und des ‘zeitreport online‘), nur wollte das damals keiner wissen; im Gegenteil: Wir wurden damals des ‚Defätismus‘ und der Panikmache geziehen. Tempora mutantur!

Es lohnt sich wirklich (vor allem für jüngere Querdenker), diese infame Entwicklung über die zeitreport-Artikel sowie den untenstehenden Artikel noch einmal nachzuvollziehen.

H.-W. Graf


Die ‘Transatlantische Freihandelszone’

Daß alles ‚im Fluß‘ ist, wußte schon der griechische Philosoph Herakleitos von Ephesos („panta rhei“) vor 2.500 Jahren. Vom gleichen Philosophen stammt der (zumeist völlig mißverstandene) Ausspruch: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“, womit er allerdings die konstante Bipolarität meinte (‚dunkel/hell‘, ‚frei/unfrei‘, ‚Tag/Nacht‘, etc.), inmitten derer sich der Mensch wiederfindet und der er sich entweder passiv ergibt oder innerhalb derer er aktiv nach Verständnis und Anpassung strebt.

Bedingt durch die rasante Zunahme an Informationen (und die Geschwindigkeit, mit der diese global verbreitet werden) steigen die Anforderungen an uns Menschen, uns in einer immer komplexer werdenden Welt (und deren Bipolarität) zurechtzufinden.
Genau damit aber sind viele Menschen überfordert; sie ergeben sich zunehmend in ihr „Schicksal“ („daran kann man sowieso nichts ändern“) und werden damit zu passiven Mitläufern der um sie herum tobenden Geschehnisse.
Wer sich jedoch die Mühe macht, hinter die Kulissen zu blicken, erlebt eine immer interessanter werdende Welt, und mit dem wachsenden Verständnis um Zusammenhänge schwindet auch die Angst vor dem, was auf uns zukommt, was uns erwartet und worauf wir uns einstellen können und sollten.
Da aber gerade diejenigen, die unser Leben in hohem Maße bestimmen und regeln – Parteien, Politiker und ihre Suborganisationen sowie Wirtschafts“experten“, die wider besseres Wissen behaupten, Wissenschaftler zu sein –, zumeist heillos überfordert sind (zum einen exekutieren sie nur höhere Weisungen, zum anderen reduziert die Sicherheit, in der sie sich erleben, ihre Bereitschaft, tiefergehend über Zusammenhänge und Folgen ihres Tuns und Handelns nachzudenken), steigt das Maß der Unverständlichkeit (und damit die Ängste, das Leben in seinen verschiedenen Phasen zu meistern) in immer größer werdenden Teilen der Bevölkerung.

So ist hierzulande noch nicht endgültig geklärt, wer den 18. Deutschen Bundestag dominieren wird. Rot/Dunkelrot/Grün wäre tatsächlich eine (wenngleich unwahrscheinliche) Option, da sich die FDP selbst disqualifiziert hat und es der AfD nicht gelungen ist, die 5%-Hürde zu überwinden. Andererseits hätte dies eine tiefe (und auf Dauer nicht tragfähige) Spaltung der gesamten Gesellschaft zur Folge, da die Unionsparteien rund 42% der Bevölkerung repräsentieren (die Nicht-Wähler mal außen vor gelassen).
Eine zweite, sehr wahrscheinliche Option bestünde in einer große Koalition (mit der SPD) oder einer kleinen Koalition (mit den GrünInnen). In beiden Fällen liefe dies jedoch auf recht ‚madige‘ Kompromisse hinaus, deren Tragfähigkeit wohl nur sehr bedingt sein dürfte, auch wenn die SPD-Basis wohl zustimmen wird. Eine dritte Option wären Neuwahlen – wohl ein Damoklesschwert für GrünInnen und SPD, hingegen durchaus eine Chance für die post-SED/PDS („die Linken“) und vor allem die AfD, die sich eines wachsenden Zuspruchs erfreut und mit der A. Merkel wohl deutlich besser zurande käme als mit Rot oder Grün, nicht zuletzt aufgrund des ökonomischen Sachverstands, den man der AfD getrost unterstellen darf.

Erweitern wir den Horizont: Innerhalb der EU ist vieles ‚im Fluß‘: Die ‚Lachnummer‘ in Italien ist dank des resigniert eingeknickten Berlusconi noch einmal vermieden worden (es wäre zur 62. Regierung seit dem 2. Weltkrieg gekommen), aber dem Land geht es finanz- und wirtschaftspolitisch immer schlechter. Frankreich (insbesondere seinem ökonomisch völlig überforderten Vorturner Hollande) geht es nicht besser. Zwar ist man in Gallien (ebenso wie in Italien) heilfroh darüber, die ehemalige eigene Währung losgeworden zu sein, aber die finanz- und wirtschaftspolitisch erdrückende Macht des östlichen (bzw. nördlichen) „PartnersDeutschland macht beiden Ländern das Leben nicht leichter; ihre Rollen auf der internationalen Wirtschaftsbühne verblassen immer mehr, und beide Länder drücken demographische Lasten sowie vor allem die impliziten Schulden (Versorgungsversprechungen an einen völlig überfressenen öffentlichen Dienst). Zudem belastet beide Länder die Überfremdung aus Nordafrika und (süd-)osteuropäischen Einwanderern.
Weder Spanien und Portugal, noch Griechenland und die (süd-)osteuropäischen Mitglieder der EU kommen wirtschafts- und finanzpolitisch auf die Beine; zumeist sind die von Brüssel geforderten „Reform“-Diktate entweder in der Bevölkerung nicht durchzusetzen, oder sie werden von den jeweiligen Verfassungsorganen gar als verfassungswidrig aberkannt.
Natürlich würde das Ausscheren von Mitgliedern der EU aus der Euro-Zone erheblich Geld kosten und einen Verfall der auf diese Länder gehaltenen Anleihen mit sich bringen. Zudem würden zwar deren Exporte billiger (und damit konkurrenzfähiger), aber Importe eben teurer (was jedoch dem Wiederaufbau eigener Produktionsstätten à la longue dienlich wäre), aber die eigentliche Gegenfrage muß lauten: „Wie viel teurer würde es (für alle Beteiligten), wenn man den heute herrschenden ‚Status quo‘ beibehielte und – nach dem Motto: „Weiter so!– das derzeitige Desaster in vielen Ländern der Euro-Zone einfach weiter“blühen“ ließe?
Genau dies geschieht jedoch im Moment: Höchst naive Politiker glauben, den bodenlosen Brunnen (die EU) mit immer noch mehr Wasser (Geld) füllen zu müssen – in der irr(ig)en Hoffnung, das Versiegen des Brunnens damit überkompensieren zu können.
[Im alten Rom des 3./4. Jahrhunderts u.Z. versuchte man, den Vasallenstaaten noch mehr Güter und Waren, Rohstoffe und Edelmetalle, Steuern und Abgaben abpressen zu können, um damit das längst nicht mehr finanzierbare römische Weltreich (und vor allem den Lebensstandard im hedonistisch verfetteten Rom) am Leben erhalten zu können. Was aus diesem ‚römischen Weltreich‘ wurde, darf als bekannt vorausgesetzt werden.]

Was aber steckt nun hinter diesem aberwitzig-verzweifelten Versuch der Parteien und Politiker, diesen babylonischen Irrsinn um jeden Preis am Leben erhalten zu wollen?
Nun, längst (in Washington) beschlossene Sache ist es, den aufstrebenden Schwellenländern (China, Indien, Brasilien, Indonesien) sowie den Ländern, die, vom Joch des Sozialismus/Kommunismus befreit, in den Kreis der Schwellenländer oder gar der Industrienationen aufgenommen werden wollen, ein geschlossenes Bündnis entgegen zu stellen, um damit den Zugriff auf Rohstoffe (Edelmetalle, strategische- und Industrie-Metalle, Öl-/ Gasvorkommen) und die Macht über Handels-, Transport- und Absatzwege zu wahren.
Genau hierzu wurde 1948 das GATT-Abkommen (‚General Agreement on Tariffs and Trade‘; allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) gegründet, das 1995 durch die WTO (‚World Trade Organization‘; ‚Welthandels-Organisation‘) ersetzt wurde. Zwar hat die WTO ihren Sitz in Genf, doch die Entscheidungen werden ausschließlich in Washington D.C. gefällt. 1997 erfolgte die Gründung des PNAC (‚Project for the New American Century‘; ‚Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert‘), die im gleichen Gebäude wie das AEI (‚American Enterprise Institute‘; ‚Amerikanisches Institut für Unternehmen‘) in Washington D.C. gelegen ist, und 2009 wurde daraus, als Nachfolgeorganisation, die FPI (‚Foreign Policy Initiative‘; ‚Initiative für Auslandspolitik‘). Dazu schrieb Thierry Meyssan 2009: „Die Schaffung eines transatlantischen Marktes ist lediglich eine Komponente eines größeren Projekts, einschließlich der Schaffung einer tatsächlich supra-institutionellen Regierung mit einem transatlantischen Wirtschaftsrat, einem transatlantischen politischen Rat und einem transatlantischen Parlament.

Hierum geht es also in Wahrheit. Aus dem ehemaligen Militärbündnis NATO, dessen eigentlicher Gründungszweck sich inzwischen ziemlich überholt hat, soll nun [nachzulesen in den inzwischen freigegebenen „geheimen Klauseln“ des Marshall-Plans (Grundlage der NATO, 1946)] ein transatlantisches Handels-, Produktions- und Investitions-Bündnis der USA (nebst Kanada) und Europas – nach Osten so weit wie möglich erweitert – werden.
Hierin liegt die gedankliche Grundlage dessen, was uns Parteien und Politiker (auf Geheiß der dahinterstehenden Organisationen) als ‚Europäische Union‘ – inkl. einer gemeinsamen Währung, transnationaler Rechtsvorschriften und Handelsmaximen –, als segensreiche freie Handelszone verkaufen wollen – natürlich zu unser aller Wohl und Gedeih.
Daß dies das Gros der Bevölkerung natürlich nicht in dieser Klarheit erfahren soll, liegt auf der Hand. Daß dies aber auch die überwältigende Mehrheit der europäischen Politiker weder weiß, noch zu begreifen vermag, ist hingegen geradezu erschütternd.

Daß hierüber in den Medien kaum oder nur unzusammenhängend berichtet wird, liegt an zweierlei: Zum einen liegen sämtliche schreibenden und sendenden Medien der „westlichen“ Welt in den Händen etwa eines Dutzends an Großkonzernen; die wenigen noch unabhängigen Medien leiden allsamt unter Finanznot, da sie auch kaum werblich gestützt und politisch geschaßt werden, und die Zahl der unabhängigen Redakteure und Journalisten, die derartiges Material veröffentlichen wollen, sinkt nahezu täglich. Zum anderen fördert das Desinteresse der breiten Bevölkerung an denkintensivem Erkennen von Zusammenhängen die klandestinen Strukturen, hinter denen sich die Machtmonopole auf unserem Planeten wunderbar verstecken können; mit anderen Worten: Der hedonistische Zeitgeist blockiert bei den meisten Menschen die Einsicht, daß man sich schon tiefer mit Hintergründen befassen muß, um sie zu verstehen und sich dann entsprechend wappnen zu können. Das Gros will lieber leicht und seicht unterhalten werden, statt in eigener Verantwortung die Inhalte und komplexen Größen, die unser Leben bestimmen, verstehen zu lernen.
Und genau darauf bauen die “Architekten” der ‘Neuen globalen Wirtschaftsordnung‘ als Herzstück der ‘New World Order‘(NWO), der ‘Neuen Weltordnung‘, selbstverständlich unter der absoluten Ägide der USA.

H.-W. Graf

Lesen Sie hierzu folgenden Artikel:

Le Monde diplomatique, deutsche Ausgabe, 8.11.13 TAFTA – die große Unterwerfung
Zeitreport Juni 1998 _ MAI Die Weltwirtschaft wird verteilt
Zeitreport Juni 1999 _ Das MAI ist tot_es lebe die TWP