Aus seiner (berufsbedingt höchst eingeschränkten) Sicht hat Keith Alexander absolut Recht; angesichts der physisch, aber auch informationell längst unkontrollierbaren Mobilität der Bürger bleibt Regierungen in ihrem Wahn, alles unter Kontrolle halten zu wollen/müssen, gar nichts anderes übrig, als sich mit allen technisch verfügbaren Mitteln auf eben diese Unkontrollierbarkeit seiner (nicht mehr so stringent zu lenkenden Bürger) einzustellen. Und dazu bedarf es Millionen staatstreuer, ideologisch eingenordeter Heloten.
Darüber entsetzt, schockiert und empört reagieren können eigentlich nur scheinheilige Politiker (und völlig zeitfremde Menschen), die nicht wahrhaben wollen, daß es finanz-, steuer-, rechts- und wirtschaftspolitisch nationale Souveränitäten längst nicht mehr gibt, da sich die Nutznießer heutiger Interglobalität – als Reisende, Investoren, Produzenten, Spezialisten, Händler, Studenten, Immobilienbesitzer und Kulturbeflissene, aber auch als religiöse oder ideologische Spinner und Terroristen – längst interglobalisiert und jenseits staatlicher Kontrollierbarkeit vernetzt und aufgestellt haben.
Für etatistische (bestens bezahlte) Frömmler wie Keith Alexander (und davon gibt es in allen Staaten Millionen) kann eine derartige geistige und physische Interglobalität nur eine höchst bedrohliche Gefährdung darstellen, und deshalb nutzen sie jede technische Möglichkeit, potentielle Feinde – und das sind in ihrer paranoiden Vorstellung ALLE (außer sie selbst!) – zu überwachen, zu kontrollieren und unter Generalverdacht zu stellen. Das schließt Politiker (auch die eigenen) selbstverständlich ein.
Die hypokritische Empörung bundesdeutscher, französischer, spanischer, italienischer, brasilianischer … Politiker und Medien ist lächerlich (und nur für sehr naive Zeitgenossen relevant), kennt man diese Art geheimdienstlicher Aktivitäten doch seit Menschengedenken. Nur die Methoden haben sich seit Johannes Gutenberg, der uns vor 560 Jahren den Buchdruck schenkte, eben dramatisch verändert – insbesondere in den letzten 10 Jahren).
Daß ein noch so akribisches Sammeln von Daten, Fakten, Bewegungsprofilen und technischen Interaktionen weder ein Unternehmen noch einen Staat oder eine Ideologie/Religion vor dem inneren Verfall bewahren kann, beweisen die Bankrotte und Kollapse von Konzernen und sakralen wie säkularen Weltreichen in jüngster und ferner Geschichte.

Die Sorgen und Ängste derer, die um ihren Bestand, ihr Überleben kämpfen, ist sicherlich allemal größer als das derer, die von ihnen belästigt, ausgespäht und verdächtigt werden. Viel mehr dauern mich diejenigen, die diesen Wahnsinn finanzieren müssen – wir Bürger!

H.-W. Graf

PS: Eine Kopie dieses Artikels geht neben unseren Politikern und Medien auch (aus Kostenersparnisgründen und mit freundlichen Grüßen) an die NSA, deren schiere Existenz das Bundesinnenministerium strikt in Abrede stellte, als wir Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts darüber im ‘zeitreport‘ berichteten. Als wir daraufhin ein Photo des NSA-Hauptquartiers nebst Adresse ans BMI schickten, erhielten wir keine weitere Antwort (sic!).

Lesen Sie hierzu folgenden Artikel:
Deutsche Wirtschafts Nachrichten | Veröffentlicht: 29.10.13
„Wir sind die Helden“: NSA-Chef Alexander weist Europäer in die Schranken