Unter dem Radar der sich fortlaufend zuspitzenden geopolitischen Nachrichtenlage aus dem Nahen Osten und der Ukraine rücken anderweitige – weniger spektakuläre – Entwicklungen leicht in den Hintergrund. Dennoch sollten auch diese im Auge behalten, oder – noch besser – gelegentlich unter die Lupe genommen werden. Daher geht es heute um die immer wieder aufflackernden Meldungen über den sogenannten ‘Kaufrausch‘ der Deutschen, á la: ‘Deutsche kaufen wie verrückt‘ oder ‘Konsumlaune in Deutschland: kaufen, kaufen, kaufen‘.
Als Grundlage für derartige Meldungen dient zuallermeist der sogenannte Konsumklimaindex, ein Index mit dem nicht die tatsächlich getätigten Konsumausgaben, sondern vielmehr die Stimmung der Verbraucher gemessen wird. Mit Fragen wie beispielsweise: “glauben Sie, daß es in Anbetracht der allgemeinen Wirtschaftslage derzeit günstig ist, größere Anschaffungen (Möbel/elektrische und elektronische Geräte usw.) zu tätigen?“ wird dabei Volkes pekuniäre Gemütslage erkundet und gedeutet. Der intensive Blick auf nachstehende Graphik dürfte aber so einiges erklären und relativieren.

Die blaue Linie stellt den jeweils gemessenen Konsumklimaindex dar, die rote Linie bezieht sich auf die realen Einzelhandelsumsätze in den letzten 8 Jahren. Nun ist es zwar so, daß der Einzelhandel nur 32% der privaten Konsumausgaben wiederspiegelt, er dürfte aber die Realität dennoch ganz gut wiedergeben. Auch andere Bereiche wie z.B. die Neuzulassungen von PKW´s zeigen in den letzten Jahren bestenfalls eine ausgeprägte ‘Seitwärtstendenz‘.
Wenn es also in den letzten Jahren eine Konstante gab (bei allen wirtschaftlichen Auf und Abs) dann war es das fast schon langweilige und vor allem stagnierende Konsumverhalten der Deutschen. Es ist offensichtlich weit an der Realität vorbeigepeilt, zu unterstellen, daß aufgrund des niedrigen Zinsniveaus und der damit einhergehenden Unattraktivität von Festgeldern u.ä. mehr Geld ‘verkonsumiert‘ würde. Der reale Geldbeutel und die Stimmung der Verbraucher sind eben doch zwei verschiedene paar Schuhe.
Wie sich das Konsumverhalten entwickeln wird, wenn der Winter naht und möglicherweise ‘Energie‘ wieder einmal in den Krisenmodus rutscht (es wird ja gerade fleißig an der nächsten hausgemachten Energiekrise gearbeitet), bleibt abzuwarten. Gut möglich aber, daß dann auch das ‘Konsumklima‘ erst einmal nennenswert ins Frostige abgleitet. Nach wie vor auf dünnem Eis wandeln die globalen Aktien- und Rentenmärkte, wobei diesmal die ‘grünen‘ Vorzeichen im Wochenverlauf deutlich überwogen.

Obwohl es ja heißt ‘politische Börsen haben kurze Beine‘, dürften die nächsten Wochen weiterhin von stärkeren Schwankungen begleitet sein, denn eine Lösung/Beruhigung der geopolitischen Machtspiele scheint noch in weiter Ferne.

Frank Amann