Brüssel will – festhalten! – ein Toleranzministerium einführen; mutmaßlich, um erboste EU-Bürger von physischen Übergriffen auf Politiker abzuhalten, weil diese gerade ein Gesetz beraten, den Anbau von Obst und Gemüse im eigenen Garten zu verbieten, gleichzeitig aber den Hanfanbau – ausschließlich zur Selbstversorgung mit Haschisch – gestatten wollen.

Widersprüchliche Meldungen und gerüchteweise gestreute Falschinformationen verunsichern die Bevölkerung und verunfähigen die Menschen, klare, eindeutige und zweckdienliche Entscheidungen zu fällen. Derart irritierte Menschen sind dann leichter unter Kontrolle zu halten; sie flüchten sich in die Nischen des ansonsten ungeliebten, bisweilen gar verhaßten Systems, suchen Sicherheit und lehnen sich weniger weit aus dem berühmten „Fenster“.

Das Geheimnis der Freiheit liegt in der Bildung, während das Geheimnis der Tyrannei darin besteht, die Menschen dumm zu halten.

Maximilien de Robespierre
(franz. Politiker und Rechtsanwalt, 1758-1794)

Den eindeutigen Beweis für dieses Verhaltensmuster liefert das Hin und Her der Meldungen zu wirtschafts- und sozialpolitischen Themen, den Nachrichten über die politischen Unruheherde in Südosteuropa, dem Nahen Osten und diversen Krisengebieten in Afrika sowie vielerorts rund um den Globus.
Da ist zum einen von einer Wiederbelebung des Konsums und den ökonomischen Erwartungen der großen Konzerne die Rede, zum anderen steigt die Zahl der Privatinsolvenzen wieder, der PKW-Markt büßt in Europa zweistellige Prozentsätze ein, während die vier großen deutschen Autobauer Rekordgewinne ausweisen, obgleich ihr Absatz in China und Rußland deutlich rückläufig ist. Einerseits befürchten die Börsen- Auguren Schaden für den deutschen Aktienmarkt, wenn die Zinsen – beginnend in den USA, dann übergreifend auf Europa – wieder steigen, andererseits hat der DAX sich von seinem fast 11%igen Rückgang bis heute noch nicht erholt und droht sogar das Tief von Mitte August noch einmal zu unterschreiten. Und auch die Alternative zu seitwärts tendierenden Aktienmärkten – Edelmetalle, allen voran Gold – wollen sich einfach nicht beleben lassen.

Hochkonjunktur haben eigentlich nur die Waffenschmieden, denen im Grunde genommen egal sein kann, wen sie beliefern, denn der heutige Feind kann morgen der Freund sein; umgekehrt gilt das Gleiche. Wen man als Rebell, Terroristen oder (regierungstreuen) Verteidiger bezeichnet, hängt ausnahmslos von der Ideologie des Lagers ab, dem man sich zugehörig fühlt. Dem „guten Freund“ USA ist natürlich jegliche Einmischung in jedem beliebigen Staat verständnisvoll gestattet, wohingegen der personifizierte „Satan“ Putin handeln mag, wie er will; er bleibt der Böse. Liefert er Decken, Versorgungsgüter und Nahrungsmittel in den östlichen Teil der Ukraine, wird dies als Einmischung in fremde Angelegenheiten interpretiert. Gleichzeitig wird er unisono vom Westen aufgefordert, auf die „Separatisten“ doch bitteschön einzuwirken. Die Mitglieder der US-Privatarmee Blackwater „stabilisieren“ das rechtmäßige ukrainische System. Russische Berater in der östlichen Ukraine hingegen gelten als Brandstifter und Provokateure eines dritten Weltkriegs. Obi in Washington verlangt von der EU energische Sanktionen – die USA müssen ja Gegen-Sanktionen aus Moskau in keiner Weise befürchten; Europa hingegen sehr wohl.
Gleichzeitig zerfallen die von den USA nach der Zerstörung der früheren politischen Systeme lädierten Staaten im Vorderen Orient und drohen, in die Hände derjenigen politischen Strukturen und irren Religionsfanatiker zu fallen, die von den USA zuvor als Destabilisatoren der alten Regime aufgebaut, trainiert, ausgestattet und finanziert worden sind. Die Waffen sowie die finanzielle Ausstattung (u.a. die gesamte Logistik) dieser „Konterrevolutionäre“ werden jedoch hauptsächlich von Saudi-Arabien finanziert, dem wiederum ‚besten Freund der USA in der arabischen Welt‘ (Rumsfeld, im August 2012).

Wo kämpfend sich die Menschheit quält, hat’s meist nur an Verstand gefehlt.

Karl-Heinz Söhler
(dt. Unternehmer, Publizist und Lyriker 1923-2005)

Und wo im Gehirn des braven Medienkonsumenten noch ein freier Raum besteht, wird dieser von Zahlen, Daten und Fakten bombardiert für deren Aufbereitung öffentlich-(un)rechtlich bezahlte Wissenschaftler Zeit und Muße haben, üppige Fördergelder abzugreifen. So erfahren wir die durchschnittliche Maikäfer-Befliegung unterschiedlicher Teile der Republik und werden über die unsinnigsten Tatbestände detailliert aufgeklärt. Sinnentstellend und zumeist falsch prononciert aalen wir uns in Anglizismen und sprachlich nur noch als kriminell zu bezeichnenden Wortschöpfungen. Auch dies dient der Desinformation und Verhilflosung breiter Massen.

Einmal mehr: Werden sie sich als mündiger Bürger bitte ehestmöglich der Tatsache bewußt, daß man Sie und mich zuvorderst für zwei Belange benötigt: als Steuerzahler und Konsument. Nachrangig rangieren zwei weitere, sporadisch anfällige Tätigkeiten: als tapfere Verteidiger des hiesigen Systems in kriegerischen Zeiten sowie alle vier, bzw. fünf Jahre als Wähler zur Legitimierung eines undemokratisch ablaufenden Auswahlverfahrens unserer politischen Systemwächter.

Das Informationszeitalter hat längst Einzug gehalten, mit ihm aber auch die beinahe täglich wachsende Gefahr der Desinformationabilität. Die „Spreu“ vom „Weizen“ – veritable Informationen von verwirrendem Informationsmüll – zu trennen wird immer schwieriger, aber auch immer notwendiger, will man emotional und finanziell gesund und zukunftsfähig bleiben.

H.-W. Graf