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24.01.03
Was ist denn nun aber „GOTT“?Eine allgemeingültige Antwort muß ich Ihnen hier schuldig bleiben, denn jeder definiert diesen Begriff für sich selbst ganz individuell (wenn er/sie sich überhaupt die Mühe macht, darüber länger nachzudenken). Den meisten genügt es, von den Religionen ‚in Ruhe gelassen’ zu werden. Sie genießen die kalendarisch verordneten Feiertage, halten sich aber aus dem Rummel ansonsten weitestgehend heraus. Wenn die Steuerlast zu hoch wird, treten sie aus dem Verein aus (außer, sie wohnen auf Dörfern, wo die ‚political correctness’ aufjault, wenn ein ‚Schäfchen’ den Pferch verläßt). Doch zunehmend zeigen auch Kleinstädter Mut (den man in der Anonymität der Großstadt nicht benötigt), oder ihre Kirchenzwangsabgabe wächst exorbitant. Andererseits kann man als Gutverdiener mit den ‚Himmelsexperten’ auch über eine Abweichung vom üblichen Obolus verhandeln. Für Reiche geben die Kirchen, marktwirtschaftlich bestens geschult, auch Rabatt. Viele sind traditionell, von Kindesbeinen an so nachhaltig ‚gläubig’ erzogen und trainiert, daß sie Obrigkeiten institutioneller Couleur einfach das Recht einräumen, ihr DenkFühlHandeln zu regeln und zu beherrschen. Diese Menschen lieben Religionen und Staat besonders. Sie hinterfragen nicht, erweisen sich als pflegeleicht und gut handhabbar („good guy“) und, wie dereinst Luther forderte, „mit sich, dem Staat und Gott im Reinen“. Dazwischen tummeln sich alle Mischarten von halbherzig Aufbegehrenden (Feiertage werden trotzdem gefeiert), Verängstigten, die dem Thema lieber ausweichen und Kecken, die sich in die jeweils angesagte esoterische oder realphilosophische Üblichkeitsecke kuscheln. Für mich, falls das jemanden interessiert, ist Gott (und ‚Göttlichkeit’) ein Synonym für die saubere und klare Ausprägung meiner eigenen Authentizität, den Grad meiner Selbstverwirklichung auf der geistig-emotional-spirituellen Verbindungslinie[30] von ‚Geist’ und ‚Seele’, also das Maß, mit dem ich meine eigenen Fähigkeiten einsetze und zu erweitern/verbessern suche, um diese für mich und mein Umfeld dienlich zu nutzen. Je mehr ich also meine genetisch und adaptiv ‚verliehenen’ Stärken ausbaue und verantwortungsbewußt einsetze, desto mehr entspreche ich[31] dem, was ich als ‚Logik der Natur’, als ‚Gott-gemäße’ Lebensführung bezeichne. Regulativ hierbei ist für mich die Ethik, die mir endogen und unbestechlich zu jeder Zeit signalisiert, was richtig – im Sinne von authentisch, sauber und ehrenwert – ist. Man könnte dieses Moral-unabhängige ‚Ethos’ auch schlicht als ‚Gewissen’ bezeichnen. Ich nehme dabei klaglos in Kauf, daß ich bis zum Ende meiner Tage nicht alles wissen und verstehen werde, so z.B. und unter vielem anderen auch, wie und wann dieser Kosmos schlußendlich aufs Reißbrett gezogen wurde und wer/was ihn zu welchem Stichtag letztlich auflösen wird. Ich verzweifele aber auch nicht ob der Tatsache, daß mir der Aufbau von Quarks und deren Masse erhebliche Schwierigkeiten bereitet und ich mich (manchmal bedauerlicherweise) als technisches Rindvieh bezeichnen muß. Wichtig scheint mir vor allem die Bereitschaft und der Mut, Fragen zu stellen, mich nicht mit Gegebenem sanctum sanctorum zufrieden zu geben und die Gestaltung meines Lebens selbst-verantwortlich zu übernehmen, statt mich unter exogen definierte Parameter zu stellen bzw. stellen zu lassen. Wer aufhört, zu fragen und weiter zu lernen, wird zum perfekten Opfer der staatlichen und religiösen Korruption. Natürlich verzichtet man dafür auf die Ehrungen des Systems (das Bundesverdienstkreuz und die Heiligsprechung), aber damit kann ich gut leben. In diesem ‚Bild’ ist auch sehr wohl Platz für ‚Engel’. Ich rede dabei nicht von ‚himmlischen Heerscharen’, die unter der Leitung der (christlichen) vier Erzengel ihre jeweiligen Günstlinge küren und ansonsten als eine Art ‚öffentlicher Dienst’ des obersten ‚himmlischen Generalstabs’ fungieren. Meine Engel sind Menschen, die mich gedanklich liebevoll und kritisch begleiten, mir Ratgeber, Mahner und Vorbild sind, mich verstehen lassen und trösten - auch wenn sie teilweise gar nicht mehr leben und ich sie vielleicht gar nur aus Erzählungen und Biographien kenne und verinnerlicht habe. Der „natürliche“ (in Wahrheit von menschlichem Ungeist gezeugte) Feind der ‚Ethik’ ist hingegen die ‚Moral’, das Komplexum exogen oktroyierter „Pflichten“, vorgegebener Denk- und Handlungsmuster, denen sich der ‚brave’ Bürger – unter Verrat seiner Ethik – zu unterstellen habe, um damit im Sinne des Systems zu handeln. Dem sich zu verweigern ist oftmals schwierig, unbequem und bisweilen mit erheblichen Nachteilen, Konfrontation, Ablehnung und Vorwurf verbunden, da es nicht dem ‚mainstream’, der ‚social’ und ‚political correctness’ entspricht. Für mich ist das aber eine Frage der Authentizität, individueller Selbstverantwortlichkeit und souveräner Lebensgestaltung. Angemaßte, institutionell vorgegebene Autorität hat dann natürlich keinen Platz mehr, umso mehr aber Treue, Mut und Klarheit. Ich stelle mich damit, ich weiß, außerhalb der konventionellen ‚Moral’, dafür halte ich hingegen sehr viel von ‚Ethik’, dem natürlichen Regulativ in jedem von uns, das uns ganz genau und unüberhörbar signalisiert, was ‚richtig’ und ‚falsch’, ‚sauber’ und ‚ehrlich’ ist. Von exogen verordneter Göttlichkeit, heilsversprechender „Erlösung“ bei einer dem System dienlichen Lebensweise und zugunsten einer Kaste von Psychoterror verbreitenden Korrupteuren – seien sie weltlich oder jenseitig – halte ich weniger als gar nichts[32]. Summa summarum: Ja, ich halte die Religionen für die ältesten, menschenfeindlichsten und inhumansten Korruptionskartelle der menschlichen Geschichte. Jetzt habe ich mich ‚geoutet’! Die Sklaverei fesselt viele Menschen, doch weitaus mehr Menschen fesseln sich in Selbstversklavung. Seneca Solange es Religionen gibt, wird es keinen Frieden geben.Spätestens mit dieser These werde ich es mir mit einigen LeserInnen gründlich verderben, aber lassen Sie mich zumindest erläutern, was ich damit meine. Jede der Religionen – und das gilt nicht nur für die monotheistischen – wähnt sich im Besitz des alleinseligmachenden ‚Grals’, des einzig wahren Glaubens. Diese egozentrische, geradezu obsessive ‚Überzeugung’ äußert sich in einer pathologischen Überhöhung des eigenen Wertekatalogs, einer egomanen Intoleranz jeder anderen Religiösität gegenüber und einer unbeugsamen Versperrtheit, die sich, jedem wirklich ökumenischen Denken zum Hohn, auf keinerlei Kompromisse einläßt. So ruft der ‚Heilige römische Stuhl’ regelmäßig zum ‚Frieden in der Welt’ auf, nicht ohne gleichzeitig den römisch-katholischen als den ‚einzig wahren Glauben’ zu postulieren und einzufordern. Wundert uns da noch, daß dies Islam, Judentum und sämtliche Orthodoxen, aber auch Hindus und Sikhs in gleicher Weise und mit gleicher „Berechtigung“ tun? Auch ein „eucharistischer Generalkonvent“, auf dem sich alle Religionen (selbst wenn nur die großen) auf ein ‚religiöses Grundkonzept’ einigen sollten, wie dies der von Rom geschaßte orthodoxe Querdenker (eigentlich ein Paradoxon in sich!) Hans Küng fordert, ist zum einen naiver Kinderglaube, zum anderen würde dies das Problem gar nicht lösen, da jede Religion auf die zutiefst korrupte (emotionale und seelische) Vergewaltigung und Manipulation der Menschen angewiesen ist, um überhaupt überleben zu können. Welche Religion wäre dazu bereit, würde sie sich doch damit selbst das Lebenslicht ausblasen! Mit der katholischen Kirche ist es ähnlich, wie mit deren weltlichem Pendant, den USA; auch die Vereinigten Staaten sehen sich als die Nr. 1 der Welt. Der amerikanische Präsident muß sich nicht um seine Wähler scheren, die sind mit ein paar Eimern Popcorn, hübschen cheerleaders, Paraden und Show-haftem Gepränge bei Laune zu halten – notfalls stimmt man die Nationalhymne an. Aber neben der fest in chasarisch-jüdischer Hand [33] befindlichen Finanzwelt darf er es sich um alles in der Welt nicht mit den christlichen Kirchen, dem Jewish World Council und mit den Mormonen verderben. Jede andere ‚Schweinerei’ wird ihm eher verziehen. Die Religionen beherrschen in eifersüchtiger, weltlich-hiesiger Weise Schulen und Universitäten, das Finanz- (und damit das Börsen-) Wesen, die schreibenden/sendenden Medien und sie unterhalten sogar ihre eigenen Geheimdienste. Das Kanzelwort, den Spruch des Imam und den gewährten (oder verweigerten) Segen des jeweiligen Religionsführers fürchtet(e noch) jeder weltliche Herrscher. So würde weder hierzulande, noch in den USA, anderen Ländern Europas, Asiens, des Nahen Ostens oder Australiens ein erklärter Atheist zu höheren politischen Ämtern oder Würden gelangen. Die Religionen mischen – teils offensichtlich, teils subtil und heimlich, aber immer bestens informiert und ohne die geringsten Skrupel – in der nationalen und internationalen Politik mit. An ihrem ‚Placet’ kommt keine weltliche Macht vorbei. Ob es um die Verteidigung eigener Landesgrenzen oder die Annektierung eines fremden Gebietes – mit Blick auf dessen Bodenschätze oder Märkte, strategische Allianzen oder die Ablenkung von innenpolitischen Problemen – geht, ohne Zustimmung der Religionen läuft gar nichts. Hierbei achten die Religionen sehr argwöhnisch darauf, daß über den weltlichen Motiven auch ihre ureigenen Interessen bedient, ihre Vorteile gewahrt werden und lauern, was für sie dabei herausspringt. Von gierigem Machthunger geprägte Interessen sind jedoch Gift für jeden wirklichen Frieden und ein tolerantes Miteinander, nur aus dem heraus ein gegenseitiges Verstehen, von-einander-Lernen und wahrer Humanismus erwachsen können. Drohungen und Rache, Brutalität und giftiger Neid, arrogante Selbstherrlichkeit und ein gnadenloser(!) Machthunger, unbeugsame Intoleranz und zynische Menschenverachtung sind die fundamentalen ‚Bausteine’ aller existierenden Religionen - mögen sie auch noch so inbrünstig schmachtend von seligmachender Nächstenliebe, Frieden und Freiheit faseln. Erst mit der Befreiung von den Ängsten, auf denen die Macht der Religionen allsamt fußt, wird der Mensch in der Lage sein, sich wirklich zu dem zu entwickeln, was – als Geschenk der Natur – in ihm schlummert. Erst in der friedlichen Koexistenz seiner geistig-rationalen Fähigkeiten einerseits und seiner seelisch-spirituellen, emotionalen Kräfte andererseits – beides gilt es liebevoll, angstfrei und nach den Prinzipien von Neugier, Interesse und Lust zu fördern – sowie aus einer daraus entwickelten Kooperation kann eine wirklich authentische, angstfreie Zukunftsfähigkeit der Spezies ‚Mensch’, der Völker und Nationen und ein verantwortungsvoller Umgang mit der gesamten belebten und unbelebten Natur entstehen. Erst das Ende des ‚Zeitalters der Religionen’ wird uns Menschen zukunftsfähig werden lassen. Und dafür gibt es deutliche Anzeichen der Hoffnung – sowohl auf weltlicher als auch auf religiöser Basis: Religiös motivierter Fanatismus, Fragen unterbindende Ideologien und profane Gier werden à la longue dem wachsenden Informationsbedürfnis, enger vernetzten Kommunikationsmöglichkeiten und dem damit einhergehenden Wandel des Selbstbildes kommender Generationen Rechnung tragen müssen, wozu sie aber per definitionem nicht in der Lage sind. Der heute diskutierte ‚clash of civilizations’ wird zu einem Überlebenskampf der staatlichen und religiösen Gestrigkeit. Auch die zahlenmäßigen Verschiebungen der Rassen und Völker (Geburtenraten in den nicht-europäischen Ländern und Kontinenten, speziell in den Entwicklungsländern) und eine noch zunehmende Migration aus den armen in die reichen Länder werden Religionen wie weltliche Kartelle vor wachsende Probleme stellen, für die sie allesamt keine Lösungen parat haben. Die generelle Friedensunwilligkeit und -unfähigkeit sämtlicher heutiger Religionen (und ihrer weltlichen Äquivalente) wird zu einem unweigerlichen Zusammenbruch der derzeit noch so uneinsichtigen Machtstrukturen führen – ähnlich (und so relativ überraschend schnell) wie wir dies bei früheren Weltreichen (und jüngst am Beispiel des ‚real existierenden Sozialismus’ und der DDR) erleben konnten. Dies wird das längst versprochene Zeitalter des ‚Neuen Denkens’ des ‚Age of Aquarius/Wassermann’ sein und eine Chance zu einem Aufbruch in eine Zukunft bieten, die nur der zu fürchten hat, der heute noch Anderen das Denken und Handeln überläßt, weil er selbst dafür zu feige und zu bequem ist. Tempora mutantur! H.-W. Graf Auch als Broschüre erhältlich gegen eine Übersendung von 5,-€ inkl. Porto an den PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V. |
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