Freiheit – Illusion oder Utopie?

Unterstellen wir wort- und sinntreu ‘Utopie’ als etwas ‘nicht-Reales’ aber durchaus – zumindest von Einigen – Vorstellbares und (zumindest theoretisch) Mögliches, hingegen ‘Illusion’ als etwas vorgeblich Reales, tatsächlich jedoch ‘nicht-Existentes’ – denken Sie an den Magier, der unsere Sinne perfekt zu täuschen vermag –, so könnten wir die Frage in der Überschrift nach kurzer Überlegung etwa folgendermaßen beantworten: "Freiheit ist per se eine Illusion, und diejenigen Politiker, die uns diesen Begriff tagtäglich als real lebbar und wertvolles Gut (ihrer Politik) verkaufen, sind die Zauberer, auf deren Taschenspielertricks wir ebenso tagtäglich hereinfallen; ihnen glauben, was sie uns als so edles Ziel und bedeutsames Resultat ihrer Arbeit und Mühen – selbstredend nur im Dienste am und für das Volk – vorgaukeln."

Doch dagegen spräche die Logik und (spätestens seit Aristoteles) das Denkresultat aller Philosophie; beschränkte sich nämlich ‘Freiheit’ darauf, nur Handwerkszeug selbsternannter (oder auch real-gewählter) Führer zu sein, hätte zum einen der Nymbus des Begriffes ‘Freiheit’ nicht schon Jahrtausende überdauert, ohne als billiger Trick entlarvt zu werden, zum anderen hätte er nicht ebenso lange schon Legionen von Denkern und Philosophen beschäftigt, denen es per se nicht um die Manipulation der Massen gehen konnte, da sie weder deren Sprache benutzten, noch es ihnen um deren Wählerstimmen gehen konnte/mußte. Und noch eines verbietet eine derart schnelle Antwort auf die Titelfrage: Von ‘Freiheit’ schwadronieren ja nicht nur weltliche Politiker, sondern auch die Steigbügelhalter des Jenseits, die Chefideologen sämtlicher Religionen – nennen wir sie ‘Sakralpolitiker’ ; auch ihnen geht es darum, ihre spezifische Religion(spolitik) als die einzig wahre und heilversprechende unters Volk zu bringen – friedlich, solange sich die Gegenwehr in Grenzen hält und keine Konkurrenz interveniert, belligeristisch und brutal, wenn sie sich infragegestellt oder bedroht fühlt. [Von Philosophen kann in diesem Zusammenhang nicht gesprochen werden, denn eo ipso ist jede Religion, wort- und sinntreu verstanden, Ideologie, derer sich der wahre Philosoph per se enthält.]

Versuchen wir zusammenzufassen, was uns etwa zweieinhalb Jahrtausende der Beschäftigung mit dem Begriff ‘Freiheit’ als Resultat geliefert haben, so ist das Ergebnis recht ernüchternd: ‘Freiheit’ gilt (neben den Basisrechten auf Leben und Eigentum) als Grundrecht aller Menschen, gleich welcher Rasse, Hautfarbe, Geschlecht und Abstammung; sie gilt es zu schützen und zu verteidigen. Darin scheinen sich Herakleitosvon Ephesos und Demokrit, Kant und Hegel, aber auch Popper und Galbraith [1] völlig einig zu sein. [Zumindest von diesen Philosophen ist nicht bekannt, daß sie Nicht-Kaukasier oder Frauen als ‘Menschen zweiter Klasse’ ansahen.]

Verwunderlich ist dabei nur, daß wir nach wie vor Heere unterhalten, Kriege führen, Verbrechen – auch und nachgerade staats- und religionspolitisch motiviert – begehen, Menschen ob ihrer Andersartigkeit verfolgt, vertrieben, enteignet und getötet werden, säkulare und sakrale Führer vor keiner Lüge und Schandtat zurückschrecken, um uns in Angst und Schrecken zu versetzen, gegeneinander aufzuhetzen, uns zu verunfreien und zu entmündigen, wo immer ihnen dies möglich ist, bzw. es ihren Zwecken und Zielen dient.

Ist ‘Freiheit’ demnach doch nur etwas wie der heilige Gral der Sage? Etwas theoretisch Mögliches – quasi das Endziel menschlicher Entwicklung, zu dem uns bislang zwar der evolutionäre Reifegrad fehlt, das wir jedoch emotional und rational in seiner ‘utopischen Machbarkeit’ wachhalten müssen, um es irgendwann tatsächlich zu realisieren?

Damit könnte ich durchaus leben – irgendwann wird uns die Wissenschaft ja auch vieles erklären können, was heute noch im Dunkel des Nichtwissens, des Nichtverstehens liegt. Nur spricht dagegen, daß sich der Umgang der Menschen mit- und untereinander während dieser zweieinhalb Jahrtausende hehren Ringens um die Bedeutsamkeit (und immer wieder vorgebliche Realisation) des gelebten Begriffes der ‘Freiheit’ nur insofern geändert hat, als sich die Feuerkraft der heutzutage verwendeten Waffen, die Brutalität, mit der wir die Freiheit des Anderen einengen und zu verunmöglichen suchen, um viele Potenzen erhöht hat. Standen gegnerischen Heeren des Altertums noch Spieße und Speere, Pfeil und Bogen, Schleudern und eherne Rüstungen zur Verfügung, so kämpfen heutige "Freiheitshelden" mit Bomben und Raketen sowie chemischen und biologischen Waffen. Der Kampf ‘Mann gegen Mann’ wurde durch ferngelenkte Trägerwaffen ersetzt – der Krieg, das Töten und Morden von Menschen und Völkern, das Verheeren ganzer Landstriche wurde anonymisiert. An die Stelle von Herolden und Cundatores, die weise Beschlüsse und Dekrete von Fürsten und Königen, Bischöfen und Päpsten dem gemeinen Volk kundtaten (und bei Mißachtung mit Ächtung, Exil und Enteignung, Strang oder Scheiterhaufen drohten), sind im Zeitalter hochauflösender TV-Geräte, Computer und des GPS intelligente Methoden der Korruption, desinformative Medienkampagnen und Heere hochtechnisierter Spionagetrupps getreten. Die Korruption (nicht vornehmlich die monetäre, sondern die geistige und emotionale) beherrscht buchstäblich alle Bereiche unseres Lebens [2].

Und nach wie vor, ja mehr denn je verkünden uns Politiker und Parteien, Gewerkschaften und die Vertreter aller Religionen, sie hätten bei all ihrem Tun und Handeln unser aller ‘Freiheit’ im Auge; nur darum gehe es ihnen – selbstredend im klaren Gegensatz zu ‘den Anderen’, vor denen sie uns deshalb schützen müßten (weil wir dazu selbst nicht im Stande sind und deshalb ihrer benevolenten Hilfe bedürfen – gegen entsprechende Vergütung und unter unvermeidbarer Einschränkung der Rechte des Einzelnen, versteht sich!).

Und genau hier liegt des Übels Wurzel, der wahre Grund dafür, daß wir aller geistiger Mühen ganzer Heerscharen von Denkern und Philosophen zum Trotze wirklicher ‘Freiheit’ bis heute nicht wesentlich nähergekommen sind als die Menschen in grauer Vorzeit: Wir überlassen es Anderen, selbsternannten Stellvertretern, für unsere Freiheit zu kämpfen. Wir glauben in unendlicher Stupenz und grenzenloser Naivität, Politikern und Parteien, Gewerkschaften und den Bossen aller Religionen gehe es tatsächlich um uns und unsere Freiheit!

Und jetzt können wir die Eingangsfrage völlig neu beantworten: “Freiheit bleibt solange eine Utopie, wie wir es Politikern und Parteien, Gewerkschaften und öffentlich-(un)rechtlichen Organen, den Vertretern aller Sekten und Religionen, den Medien und der Werbeindustrie überlassen, unsere Freiheit zu definieren, in selbst angemaßter Arroganz festzulegen, was bzgl. unserer Freiheit rechtens und notwendig ist, bzw. zu sein hat, und wir uns – bequem zurückgelehnt, der eigenen Verantwortung enthoben und wie Zuschauer bei einem Sportfest – nicht einmal entblöden, denen auch noch frenetisch zu applaudieren, die uns am geschicktesten manipulieren, korrumpieren und hinters Licht führen.”

Nach der ersten Verblüffung ob dieser einfachen Überlegung erhebt sich die Frage: Warum handeln wir so grenzenlos dumm und naiv? Sind wir, geistig seit dem Schluß der Hirnbrücke vor etwa 10.000 Jahren doch so erheblich gereift, realiter nicht viel weiter als die Babylonier, Ägypter und Phöniker der Antike?

Nun, erkenntnistheoretisch, naturwissenschaftlich und technisch haben wir es erstaunlich weit gebracht; die Vordenker des Altertums und der Zeitenwende, des Mittelalters und der Aufklärung, ja selbst noch unsere Ururgroßeltern kämen aus dem Staunen nicht heraus (und würden mutmaßlich spontan den Verstand verlieren). Aber wir alle tragen ein höchst sensibles Erbe der Natur mit und in uns herum: Ökonomie ist das Zauberwort – griech.: Oeco-nomie = Lehre vom Haushalten! [3]

Mit zu den intelligentesten (und ältesten) Mustern der Natur gehört es, mit dem geringsten Einsatz an Energie ein Maximum an Ertrag/Erfolg zu generieren. Dieses Phänomen können wir bei allen Spezies der belebten (und unbelebten!) Natur, Flora und Fauna beobachten. Kein Tier würde mehr an Kraft und Energie einsetzen als unbedingt nötig ist, um seine Bedürfnisse zu befriedigen.

Und nicht anders handelt der Mensch. Das Problem ist nur, daß wir zwar – bedingt durch den schon erwähnten Schluß des Corpus Calossum, der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften – geistig allen anderen Lebewesen überlegen sind (und diese Überlegenheit noch ständig wächst – leider vielfach zum Fluche der belebten Umwelt!), gleichzeitig aber im Zuge der überdimensionierten intellektuellen Kapazitäten (und deren Bedeutung) unsere natürliche emotionale Erlebniswelt immer mehr in den Hintergrund getreten ist, an Bedeutung und Wertschätzung immer mehr verloren hat – "zugunsten" einer ‘designed reality’, die wir als Mode und Ausprägungen des ‘Zeitgeistes’ (inzwischen als deutsches Lehnwort in allen Weltsprachen verwendet!). Wir betonen zwar in regelmäßigen Abständen, wie wichtig uns ‘menschliche Werte’ sind, aber in Wahrheit sind uns ein gefülltes Bankkonto, hochkarätige Jobs, Titel und Posten wichtiger als unsere ‘Innenwelt’ [4] und die liebevolle Wertschätzung durch unsere Mitmenschen. Oft realisieren wir erst in fortgeschrittenem Alter (wenn überhaupt), welche Lebenswerte wir in unserer Hatz nach Gewinn, monetärer "Sicherheit", Pöstchen und gesellschaftlichen Rangabzeichen – eitel, selbstgefällig und gewissenlos – geopfert haben.

Und noch weit höher als bzgl. unserer emotionalen Natürlichkeit sind unsere Verluste im Bereich der natürlichen Instinkte – des ältesten Teils unseres Gehirns (Neurobiologen sprechen vom ‘Hirnstamm’). Für eine intellektuelle "Prämie", einen in Aussicht gestellten finanziellen oder "sozialen" Vorteil verdrängen und vernachlässigen wir alle Warnsignale unserer Instinkte und opfern unsere natürliche Emotionalität bis zur totalen Selbstverfremdung – wir nennen das dann euphemistisch ‘Risikobereitschaft’ oder ‘Anpassungsfähigkeit’. Wir verraten unsere Authentizität und Souveränität [5] gewissen- und bedenkenlos. Dummer Egoismus siegt über natürliche ‘Egologie’. [Deshalb werden auch beim Sport, wo wir uns für Pokale und Trophäen körperlich bis zum Maximum – also fernab jeder natürlichen Ökonomie – einsetzen, alle Anti-Doping-Gesetze nichts nützen und wirklich verändern.]

Um einen Menschen zielsicher zu manipulieren und zu korrumpieren, gleichermaßen einzuschüchtern und in Sicherheit zu wiegen, gilt es, ihm einen emotionalen und intellektuellen Handlungskatalog überzustülpen, der genau dieser oben beschriebenen Phänomenologie entspricht, uns einerseits Bedeutsamkeit, ein hohes Potential an Lebensfühl und -freude in größtmöglicher Bequemlichkeit verheißt, andererseits aber – denken Sie an das Grundmotiv des ‘Dr. Faust’–, den Verkauf der eigenen Seele für die Gegenleistung irdischen Glücks abverlangt, dem wir Authentizität und Selbstbestimmtheit opfern.

Zu diesem Zwecke ist den Re’gier’enden so wichtig, möglichst viele Bereiche und Teilinhalte des Lebens der Masse [6] unter Kontrolle zu bekommen und diese Kontrollfunktion immer stringenter und "wasserdichter" als hoheitliche – vulgo: öffentlich-(un)rechtliche – Belange zu verfestigen. Das beginnt bei der Definition von Familie und den "Grundrechten" (an die sich alle außer den selbsternannten "Eliten" zu halten haben), setzt sich bei der (staatlichen) Schulpflicht und der Gestaltung der gesamten Lehr- und Ausbildungszeit fort, durchdringt das gesamte Berufs- und Arbeitsleben (incl. der Festlegung von Wochenarbeits- und Ladenöffnungs-/schlußzeiten), umklammert die gesamte Daseinsvorsorge – euphemistisch "Sozial"versicherung tituliert –, kurz: alles wird zum öffentlich-(un)rechtlich- staatlichen Hoheitsbereich erklärt, um damit ein Höchstmaß an Kontrollierbarkeit aufzubauen und die Entmündigung immer nachhaltiger zu vervollkommnen. Unter dem Mäntelchen der (parlamentarischen) Demokratie [7] werden wir immer mehr zu Äffchen in der Manege, die freudig applaudieren, wenn der Wärter mit Bananen winkt und neidisch in den Nachbarkäfig lugen, in dem eine Schaukel wippt, die im eigenen Gehege fehlt, auf der man aber auch so gerne säße.

Jenseits jeglicher Wort- und Sinntreue [8] kontrollieren Staat und Religion – von einer (grundgesetzlich implizierten) "Trennung von Staat und Kirche" kann nicht im mindesten die Rede sein [9]. Der bundesdeutsche Kammer- und öffentlich-(un)rechtliche Verbändestaat begleitet, kontrolliert und kujoniert Alles und Jeden, ängstlich darauf bedacht, das System am Leben zu halten – buchstäblich um jeden (längst nicht mehr finanzierbaren) Preis und zulasten der natürlichen Kreativität und generativen Kraft der heutigen Bürger und der geistigen, emotionalen und wirtschaftlichen Zukunft künftiger Generationen.

„Freiheit wird nicht durch Sicherheit bestimmt, sondern durch die Fähigkeit der Bürger, ohne den Eingriff des Staates zu leben.“

Ron Paul

Trefflich zupaß kommen dieser "Elite" moderner (Volksver-)"Führer" und ‘Parasiten falsch-verstandener Sozialität’ die zielsicher geschürten fiktiven Ängste (Krankheit, Arbeitslosigkeit, Ansehensverlust, Vereinsamung, Armut, Terror und Tod sowie – speziell im Zuständigkeitsbereich der Religionen liegend – die drängende Frage nach dem "Danach"; schaffen wir es in den erlauchten Kreis der Seeligen und Heiligen?)

Zwar folgen Kinder (teilweise auch noch Jugendliche) natürlichen Instinkten, indem sie alles zu (er)leben trachten, neugierige Fragen stellen, probieren und erforschen, was es mit dieser Welt so auf sich hat, sie werden jedoch – man nennt dies euphemistisch ‘Erziehung’ – recht schnell gesellschaftskonform zurechtgebogen und sozial-verträglich angepaßt – notfalls mit Medikamenten (ADHS), einem umfassenden Strafenkatalog (u.a. durch die Ächtung vonseiten des Umfeldes), schlechten Noten, Liebesentzug und einer öffentlichen Vorwurfshaltung.

Dabei wirkt insbesonders das "Vorbild" der Eltern – sie sind die ersten und wichtigsten ‘Maßstäbe, an denen sich Kinder natürlicherweise zu Beginn ihres Lebens (schon im pränatalen Zustand!) orientieren. In welch entscheidendem Maße diese Prägungen durch die Eltern erfolgen und lebenslang wirken, ist den meisten Eltern nicht im mindesten bewußt; sie wurden ja auch nie zu Eltern ausgebildet! Je perfekter diese "Vorbilder" sozialisiert und – wiederum zuvorderst durch ihre Eltern, später durch Staat, Religion und Gesellschaft – konformisiert wurden, desto unreflektierter geben sie diese Sozialisationsmuster an ihre Kinder weiter und leben ihnen vor, wie ‘man’ zu "funktionieren" hat. Da wir als Kinder überhaupt noch keine Chance haben, das Verhalten und die Lebensweisen unserer Eltern intellektuell zu hinterfragen, und wir uns auch emotional noch völlig arglos in diese unglaublich spannende Welt hineintasten, übernehmen wir die Überzeugungen und Handlungsmuster derjenigen, die uns (mehr oder weniger viel) Liebe, Schutz und Futter bieten, ohne daß wir dessen gewahr werden. Zudem schützt unsere Eltern das "Vierte Gebot" – gar nicht erstaunlich: Alle Religionen fordern nach dem obersten Befehl, ‘Ihn’ als einzig wahren Gott als solchen anzuerkennen, als nächstes den unabdingbaren Gehorsam gegenüber den Eltern ein. Sie haben wir zu lieben und zu achten – egal, was sie (uns an-)tun und wie ethisch sauber ihre Lebensführung ist. Zwar spüren wir sehr wohl diesbezüglich bisweilen Unbehagen und einen inneren Widerstand, angesichts des Mängelkatalogs, den uns die Eltern servieren, aber dem hilft das Allerweltsargument ‘wir sind allzumal Sünder’ und ‘jeder Mensch hat nun mal Fehler’ gleich wieder ab. Notfalls zieht der Satz „wer unter Euch ohne Sünde sei, der werfe den ersten Stein“. Alles wieder o.k., könnte man meinen. Aber dem ist nicht so; wir fühlen uns regelrecht schuldig und schlecht, wenn es uns am nötigen Respekt und der göttlich eingeforderten Liebe zu Eltern, Staat und Kirche gebricht. Da hilft auch wenig, wenn wir im trauten Gespräch mit Anderen erfahren, daß sie in einem ähnlichen Dilemma stecken.

„Jeder von uns trägt seinen Teil von ‚Gesellschaft’ auf seinen Schultern; niemand ist von seinem Anteil an Verantwortlichkeit von Anderen freizusprechen. Und keiner kann für sich ein ‚Schlupfloch’ finden, wenn die Gesellschaft auf dem besten Weg ist, sich zu zerstören. Deshalb muß sich, schon in seinem eigenen Interesse, jeder mutig in dieses intellektuelle Gefecht stürzen. Keiner von uns kann unbeteiligt an der Seite stehen; die Interessen aller sind vom Resultat abhängig. Ob wir es wollen oder nicht, jeder von uns ist in diesen großen historischen Kampf eingeschlossen, die entscheidende Schlacht, in die uns unsere Epoche geworfen hat.“

Ludwig von Mises, 1927, aus seinem Werk „Sozialismus“

Entlarvend: Zu den Rechten der Kinder findet sich im gesamten Grundgesetz gerade ein Satz (und der betrifft die finanzielle Gleichstellung adoptierter Kinder), wohingegen ‘die Familie’ als kleinste Zelle des Staatswesens wiederum einen staats-hoheitlichen Schutz genießt; kein Wunder, die Eltern sollen im Konnex mit dem ebenfalls hoheitlichen Zwangs-Schulsystem Kinder und Jugendliche zu ‘guten Bürgern’ und angepaßten ‘Mitgliedern der Gesellschaft’ – ganz im Sinne des modernen Politadels – formen.

Hier schließt sich der Kreis: Pädagogisch schlecht bis überhaupt nicht geschulte Eltern leisten geistig-emotional sowie in funktionaler Hinsicht "perfekte" Schützenhilfe dabei, ihre Kinder zu "sozial"-staatlich genehmen Mitläufern zu erziehen, die sich dann mehr oder weniger geschickt durchs Leben wursteln und im Chor ihrer Eltern und der übrigen Volksgemeinschaft die gleichen Lieder von ‘Freiheit’ und ‘Demokratie’ singen.

Daß die ‘Freiheit des Einzelnen’ (wie auch der Menschen insgesamt) nach wie vor mehr ein philosophisches und allenfalls noch unter Juristen und speziell Staatsrechtlern diskutiertes Abstraktum statt eine von allen Menschen freudvoll gelebte Realität ist, liegt nicht in der Illusionarität des Begriffes an sich, sondern daran, daß wir sie nicht als Aktivposten und erstrebenswerte Größe unserer eigenen Lebensführung betrachten, uns nicht selbst tagtäglich und mit aller Kraft um ihre Realisation bemühen, vielmehr es falschen Propheten und selbsternannten Führern“ unseres Lebens, säkularen und sakralen Vorbetern überlassen, in unserem Namen (gesetzlich angemaßt und vorgeblich) für unsere Freiheit einzutreten, zu kämpfen und diese an unserer Stelle zu verteidigen und zu sichern.

Aus allem Vorgenannten ergibt sich nun ein gewichtiger Unterschied, den die wenigsten, wenn es um das Thema ‚Freiheit’ geht, berücksichtigen: Die klare Unterscheidung zwischen ‚äußerer Freiheit’ und ‚innerer Freiheit’. Während uns die äußere als vermeintliche Aufgabe des Staates suggeriert wird – Schutz vor feindlichen Übergriffen anderer Völker und Nationen, freier Waren- und Handelsverkehr, Reisefreiheit, Medien- und Meinungsfreiheit, etc. –, was unsere politischen „Eliten“ regelmäßig dazu nützen, das System immer hermetischer abzuriegeln und den öffentlich-(un)rechtlichen Verwaltungs- und Überwachungsstaat immer nachhaltiger zu zementieren, geht es bei der ‚inneren Freiheit’ um die individuelle emotionale und intellektuelle Freiheit, die Lösung von exogenen Sicherheitsangeboten (oder –zwängen).

„Freiheit muß für den Bürger wieder wichtiger werden als Sicherheit und materieller Komfort.“

Ron Paul

Gerade diese ‚innere Freiheit’ ist es, die wir schon als Kinder und fortfolgend als heranwachsende Jugendliche immer mehr der vermeintlichen kollektiven Sicherheit – manifestiert durch die von Politikern beschworene und in allen Verfassungen als höchstes Gut ausgelobte staatlich und gesetzlich „garantierte“ ‚äußere Freiheit’ – opfern. Es ist die „political correctness“, der wir uns beugen sollen, um im Kollektiv angepaßt zu funktionieren. Gerade mit Verstößen gegen diese political correctness machen wir uns – als Quer- und Anders-Denkende – verdächtig. Naheliegend, weil bequemer: Mehr und mehr beugen wir uns den systemischen Zwängen und werden dann vom System mit öffentlicher Anerkennung bis hin zu Orden und Verdienstkreuzen belohnt; wir genießen den „Schutz“ des Systems, übersehen dabei aber nur allzu leicht, daß wir genau durch diese Anpassung unsere ‚innere Freiheit’ mehr und mehr auf dem Altar öffentlicher Anerkennung opfern.

Doch genau in dieser systemisch suggerierten „Freiheitlichkeit“ werden Ideologien und Glaubenssätze geboren, die dann in Rassismus und Fanatismus, fundamentalistisch-faschististischen Bewegungen und einer völlig unnatürlichen Abgrenzung gegenüber anderen ethnischen Gruppen, Völkern und Nationen ihre Ausprägung finden – oftmals hinter vorgeblich hehren Zielen versteckt, aber vor keiner Brutalität zurückschreckend. Das verleiht ihnen dann ihre ‚Herrschaft des Schreckens’, denn es sind die fiktiven Ängste, die eingeübten Bannbotschaften unserer Sozialität, die einerseits deren kollektiven Zusammenhalt verdichten und zementieren, gleichzeitig aber dem Individuum seine innere Freiheit rauben, es verängstigen und so schnell zusammenzucken lassen.

„Es gibt keine Grenzen – nicht für die Gedanken, nicht für die Gefühle. Die Angst setzt die Grenzen.“

Ingmar Bergmann

Und genau mit diesem Verlust an innerer Freiheit geht dem Individuum mehr und mehr natürliche Lebensfreude, kreative Energie, Neugier auf ‚das Leben’ und das Interesse daran, das eigene Leben kraftvoll zu gestalten (um es zu er-leben) verloren.

„Freiheit ist die Quelle aller kreativer Energie.“

Ron Paul

Zu dieser individuellen Freiheit gehört natürlich auch, den Verlockungen emotionaler und intellektueller Art zu widerstehen, sich quasi gegen die „Versprechungen“ des Systems zu auto-immunisieren, die uns tagtäglich um die Ohren fliegen, mit denen wir per euphemistischer Worthülsen in Bild und Ton zugemüllt werden – ich spreche von inhaltsleeren, nur auf den Konsum abstellenden Botschaften der Werbeindustrie, aber auch von den Schallmeienklängen der Sekten und Religionen, der Politiker und Gewerkschaftler, die ja allsamt nur „unser Bestes“ wollen und uns die „Bequemlichkeiten“ und „Errungenschaften“ eines modernen Staatswesens, einer das persönliche Image fördernden Technik, eines unfall- und sorgenfreien Lebens in materiellem Reichtum und Wohlstand zu suggerieren suchen. Wer auf all diese ‚Lockrufe bequemer Lebensführung’ unreflektiert (aber bestens angepaßt) hereinfällt, darf und muß sich nicht darüber wundern, wenn uns eben diese Hingabe der eigenen inneren Freiheit teuer zu stehen kommt. Wir zahlen exorbitante Preise für im Grunde sinnlose „Bereicherungen“ unseres Lebens; wir zahlen freiwillig Kirchensteuern und Abgaben an Verbände und Organisationen, die unserer inneren Freiheit nicht im mindesten dienlich sind; letztlich unterhalten wir mit unseren Steuern und steuerähnlichen Dauerbelastungen Millionen von Menschen, deren einzige Aufgabe darin besteht, die eingehenden Gelder zum eigenen Lebensunterhalt zu verwenden oder – nach system-manifestierenden Gesichtspunkten – wieder unters Volk zu streuen, den alles kontrollierenden Umverteilungs-„Wohlfahrts“-Staat.

In der Tat: Der Staat und sein Heer von Heloten und Parasiten ist der größte Feind der inneren – und einzig wahren – Freiheit seiner BürgerInnen. Aber der enorme Einfluß von Eltern auf das DenkFühlHandeln ihrer Kinder wird immer noch völlig unterschätzt. Verschanzt hinter dem „göttlichen“ Befehl und flankiert von dem moralischen Impetus der Gesellschaft, die ‚Eltern zu achten und zu ehren’ (egal, wie sie handeln!), untergräbt bereits im Kindesalter unser mutiges und kreatives Vertrauen in uns selbst – mit dem Ergebnis, daß wir spätestens nach Abschluß der Schulausbildung und Lehre mehr oder weniger ängstlich nach unserem Platz im System lugen, statt uns der inneren Freiheit zu bedienen und zu denkfühlen, wie wir die nächsten Jahrzehnte unseres Lebens sinn- und freudvoll gestalten könnten.

Nie als Pädagogen ausgebildete Eltern sind auch regelmäßig damit überfordert, ein natürliches DenkFühlHandeln zu vermitteln. Stattdessen sehen sie ihre elterlichen Pflichten darin, ihren Kindern einen möglichst angepaßten Weg ins System zu vermitteln. Welch (bisweilen) irreparable Schäden sie damit an der ‚Seelen- und Gedankenwelt’ anrichten, ist/wird den meisten Eltern nie bewußt – allenfalls dann, wenn ihre Kinder eben ob dieser Verzwängungen irgendwann klinisch auffällig (also krank) werden oder aus den Normungen der Sozialität ausbrechen, also zu „Aussteigern“ werden oder Amok laufen.

Die (fiktive) Angst des Menschen vor der eigenen inneren Freiheit beruht vor allem darauf, daß wir keine Gewißheit dafür haben (oder von dritter Seite erhalten), was daraus erwächst, wenn wir – aus wirklicher innerer Freiheit – das tun, was wir eigentlich gerne täten. Mit anderen Worten: Die von derartigen fiktiven Ängsten geschürte Scheu vor den nicht absehbaren Folgen unseres Handelns hemmt unser DenkFühlHandeln und läßt uns bisweilen regelrecht erschaudern, wenn sich in uns Gedanken und Gefühle regen, von denen wir „gelernt“ haben, daß sie ‚böse’, ‚unnormal’ oder ‚anders’ sind. Und genau aus diesem Grunde fallen wir – quasi aus einem Gefühl ‚innerer Notwehr’ – so leicht auf Ideologien (Sekten oder Religionen), falsche politische Propheten und heilverkündende Rattenfänger herein.

Fazit generalis:

Solange wir ‘Freiheit’ nicht als höchstpersönliche Angelegenheit begreifen, die wir – auf geistiger, emotionaler und funktionaler Ebene – auch nur selbst erarbeiten und wahren können, um diese Fähigkeit dann auch pädagogisch wertvoll an unsere Nachkommen sowie unsere Umwelt weiterzugeben, solange werden wir auch als angepaßte Opfer staatlicher und religiöser Korruption und Willkür in einer illusionären (Schein-)Freiheit gehalten, unter freiheitlichen Defiziten leiden und im Banne der dies begründenden (fiktiven) Ängste leben.

Erst wenn wir (wieder) lernen, daß wir selbst es in der Hand haben und uns auch das Recht zusteht, unsere eigene innere Freiheit emotional, geistig und auch physisch zu entwickeln und auszuleben, finden wir auch auf den Pfad eigener innerer Freiheit’ zurück. Dieser Weg ist weder bequem, noch bietet uns irgendjemand Garantien dafür, daß wir immer gleich und sofort ans Ziel unserer Wünsche, Gedanken und Überlegungen kommen. Aber in dem Maße, wie wir unsere innere Freiheit zur obersten Richtschnur unseres DenkFühlHandelns machen, finden wir zu originärer Authentizität und Souveränität zurück und haben auch keine Angst davor – ähnlich einem Kind, das solange angstfrei immer und immer wieder ausprobiert, bis es mit dem erzielten Ergebnis selbst zufrieden und glücklich ist. Nicht „die Anderen“ sollten wir bestimmen lassen, was wir gut und richtig bewerkstelligen, vielmehr sollten wir uns selbst wieder zum Gewährer und Richter unseres eigenen Denkens, Fühlens und Handelns ernennen.

Wir selbst sind die Verantworter unserer eigenen inneren Freiheit, und kein Mensch hat das Recht, sich anzumaßen, diese unsere ureigene Aufgabe zu übernehmen und uns unserer eigener ‚inneren Freiheit’ zu berauben.

„Das wahre Gegenmittel gegen Rassismus ist Freiheit.“

Ron Paul
H.-W. Graf

[1] John Galbraith, “Anatomie der Macht”

[2] H.-W. Graf, “Korruption – die Entschlüsselung eines universalen Phänomens”, München

[3] Ludwig von Mises, “Nationalökonomie” (engl. Original: “Human Action”)

[4] PfI – Partnerschaft für Innenweltschutz n.e.V. – gegründet am 1.1. 2000

[5] H.-W. Graf, „Souveränität als Lebensmaxime“, München

[6] LeBon, “Psychologie der Masse”

[7] zu tatsächlicher Demokratie: http://www.d-perspektive.de/konzepte/demokratie-und-rechtskonzept/

[8] H.-W. Graf, “Macht der Information”, München

[9] H.-W. Graf, “Wider die Religion, für humanistische Emanzipation und gegen seelisch-geistige Korruption”, München