Vor allem sollte sie andere Staaten zum Nacheifern anspornen. England, so meinte Cobden, sei als Nation dazu bestimmt, eine Vorreiterrolle in Sachen Freiheit und Freihandel für ganz Europa zu spielen. Schon deshalb befürwortete er einerseits für England eine unilaterale Politik der Zollsenkung, sorgte aber zusammen mit Gladstone für einen im Kern multilateralen Mechanismus innerhalb des Vertrages mit Frankreich, nämlich die Aufnahme von „Meistbegünstigungsklauseln“. Dahinter steckte die Idee, nationalstaatliche Willkür (die bei einem unilateralen Ansatz durchaus noch Nahrung finden kann) in der Außenwirtschaftspolitik einzudämmen. Zollsenkungen sollten demnach nicht nur bilateral zwischen Einzelstaaten stattfinden, sondern „weitergegeben" werden. Jeder Vertragspartner sei also verpflichtet, den anderen Ländern alle die gleichen Zollvergünstigungen zu gewähren, die es dem durch den Vertrag „meistbegünstigten“ Land einräumt. Bis heute ist dieses Prinzip der „Meistbegünstigungsklauseln“ die tragende Säule moderner multilateraler Handelspolitik (GATT, WTO etc.).
Der „Cobden Treaty“ war deshalb zugleich auch so etwas wie ein Signal zur Ausbreitung der Freihandelsbewegung. Zwar erreichte die Stärke der europäischen „Manchesterliberalen“ nie die Stärke und Verankerung der englischen (vor allem auch in der Arbeiterschaft), aber sie übte dennoch einen enormen Einfluß auf die Handelspolitik auf dem Kontinent aus – etwa im Deutschen Zollverein. Der heutige (an das oberflächliche und negative Bild vom „Manchestertum“ gewöhnte) Betrachter wird das Ausmaß an Inspiration, welche der Idealismus Cobdens und Brights in ganz Europa vermittelte, kaum verstehen. Die Zeitgenossen hingegen wußten um die Größe des Anliegens dieser Bewegung.
In Deutschland wurde der gebürtige Engländer John Prince-Smith der geistige Anführer der von ‚Manchester’ inspirierten Freihandelsbewegung. Als Abgeordneter des Preußischen Landtags und, nach der Reichsgründung 1871, des Deutschen Reichstages verschaffte er der Freihandelsbewegung politisches Gewicht. Wie Cobden und Bright es mit ihrer „League“ in England getan hatten, versuchte auch er (allerdings in wesentlich kleinerem Maßstab) ‚außerparlamentarische’ Kräfte zu mobilisieren. Dazu gründete er 1858 den „Kongreß Deutscher Volkswirte“, der es über Jahrzehnte verstand, die wirtschaftspolitische Agenda des Liberalismus in Deutschland zu bestimmen. Prince-Smith war auch publizistisch tätig, wobei er nicht nur die Schriften Bastiats und anderer europäischer „Manchester-Liberaler“ in deutscher Sprache herausgab, sondern auch selbst Bücher verfaßte. Besonders in seinem Werk „Über Handelsfeindseligkeiten“ von 1843 nahm er sich des pazifistischen Grundthemas der Bewegung Cobdens und Brights an.
In Frankreich zeigte sich der junge Ökonom Frédéric Bastiat so begeistert vom Wirken der „Anti-Corn Law League“, daß er kurz nach der Abschaffung der Getreidezölle ein Buch mit dem Titel „Cobden et la Ligue“ herausgab, in dem er minutiös den Verlauf der Kampagne gegen die Getreidezölle in England als Muster zur Nachahmung schilderte und die wichtigsten Reden Cobdens, mit dem ihn bald eine enge persönliche Freundschaft verband, dazu übersetzte. Bastiat wurde bald zum politischen und publizistischen Anführer der Freihandelsbewegung in Frankreich. Während der Revolution von 1848 wurde er sogar Abgeordneter der Verfassungsgebenden Versammlung in Paris, doch erstreckte sich sein Wirken eher auf die außerparlamentarische Sphäre. Immerhin war es Jahre nach seinem frühzeitigen Tod im Jahre 1850 einer seiner politischen Zöglinge, Michel Chevalier, der die Verhandlungen mit Cobden zum englisch-französischen Freihandelsabkommen führte.