Ein Weltreich an Wahrheit scheitern lassen

 

Winston Churchill hätte Gandhi verhungern lassen

Wie wenige englische Politiker verkörpert Winston Churchill den Zynismus und die Menschenverachtung des Imperialismus und Kolonialismus des britischen Weltreichs. Das dokumentiert die ungefähr 200 Jahre währende Herrschaft Londons über Indien generell: Die exzessive Ausbeutung des Subkontinents hat dem Empire ganz wesentlich die Möglichkeit zu fast unbegrenzter Finanzierung von Kriegen eröffnet. In Mahatma Gandhi aber, den als nackten Fakir zu verhöhnen und dessen möglichen Tod als Belanglosigkeit zu akzeptieren der britische Premier die Vermessenheit besaß, fand er seinen Lehrmeister.

Gandhi hat als überzeugter Pazifist mit Gewaltlosigkeit und Gerechtigkeitssinn nicht etwa lediglich Indien vom britischen Imperialismus befreit, sondern durch die Unabhängigkeit des Subkontinents auch den definitiven Untergang des Empire eingeleitet. Aus seiner Friedfertigkeit heraus hat Gandhi die geschichtliche Leistung erbracht, ein Weltreich mit dessen Anmaßung schlicht an Wahrheit und Gerechtigkeit scheitern zu lassen. Der Befreier Indiens war wesentlich vom Friedensangebot der Bergpredigt inspiriert. Er hat damit all jene Politiker widerlegt, die unbelehrbar behaupten, mit der Bergpredigt sei keine Politik zu machen. Zugleich hat Gandhi bewiesen, daß Freiheit und Demokratie ohne Krieg möglich sind.

Gewalt und Krieg betrachtete Gandhi als das völlig ungeistige und verabscheuungswürdige Charakteristikum westlicher Staaten. Besonders während des Zweiten Weltkriegs kritisierte Gandhi die kriegführenden Staatsmänner aufs Schärfste, wobei er Roosevelt, Churchill und Hitler in einem Atemzug nannte. Die schlimmste Verirrung der westlichen Welt, den Gipfel der Gewaltbereitschaft und Kriegsversessenheit, sah Gandhi in der Entwicklung der Atombombe; sie hielt er für absolut verwerflich.

Es ist unverzeihlich, daß ausgerechnet in Deutschland die Sentenz „In Dresden und in Hiroshima hat man Hitler mit Hitler besiegt“ als „Gandhi-Zitat“ in Umlauf gebracht wurde. Dieses ständig wiederholte „Zitat“ in deutschen Gazetten ist erwiesen eine Fälschung. Gandhi hat Dresden nie erwähnt (Gandhi-Informations-Zentrum Berlin). Außerdem hat Gandhi weder die Zerstörung Hiroshimas durch den Abwurf der amerikanischen Atombombe als einen Sieg über Hitler mit Hitler bezeichnet, noch gar als militärisches Erfordernis ethisch legitimiert: All dergleichen schließt der Pazifismus Gandhis, sein Prinzip der Gewaltlosigkeit und der Achtung des Menschen, grundsätzlich aus.

Prof. Dr. Helmut Saake, Hamburg