Perspektive  
04.09.07

Von: Robert Soyka


Kreationismus in Deutschland

Der Deutsche Schulbuchpreis, Dieter Althaus und Karin Wolff im Kampf für religiöse Dogmen

 

Kreationismus versus Darwins Evolutionslehre

Nach neuesten Untersuchungen glauben 70 % aller US-Amerikaner über 16 an den ‚Kreationismus’, also daran, daß tatsächlich vor ca. 6.600 Jahren ein Gott den Kosmos in sechs Tagen geschaffen und dann in fröhlicher Selbstgefälligkeit einen Feiertag genossen hat. Sprachlich geschickter nennt sich diese Gedankenwelt heute ‚ID’ bzw. ‚Intelligent Design’. Die ‚Evolutionstheorie’ Darwins wird als Irrlehre verteufelt. Nun könnte man milde lächelnd statieren: „Klar, den US-Amerikanern kann man alles verkaufen“, doch die Situation ist ernster, entblöden sich doch sogar deutsche Politiker nicht, diesem ‚Kreationismus’ auch zum Einzug in deutsche Klassenzimmer den Weg zu bereiten. So verkündete Karin Wolff (CDU), Hessens „Kultus“ministerin, unlängst vor laufender Kamera, sie plädiere dafür, im Biologieunterricht parallel zu Darwins Lehre auch den ‚Kreationismus’ zu lehren („Es gibt eben unterschiedliche Ebenen des Denkens …“). Ja, Mädel, ums Denken ginge es – theoretisch!

Nun hat sich auch der thüringische Ministerpräsident (und frühere „Bildungs“minister Althaus) dafür hergegeben, die Laudatio für einen Schulbuchpreis der Kreationisten zu halten. Entweder hat der Gute das laudatierte Machwerk nie gelesen, oder er sollte auf der Stelle klinisch untersucht werden. Aber lesen Sie selbst.

H.-W. Graf

Gewinner des Deutschen Schulbuchpreises – Wer würde sein Werk nicht gern mit diesem Titel schmücken? Ich zum Beispiel nicht, denn der „Deutsche Schulbuchpreis“ ist ein „trojanisches Pferd“ der „Bibeltreuen“ (deutsch für ‚Kreationisten’). Mit seiner Hilfe sollen ihnen angenehme Werke in den Unterricht gepreßt werden. Die Entscheidung über die auszuzeichnenden Bücher trifft das ‚Kuratorium Deutscher Schulbuchpreis’, das im evangelikalen Verein ‚Lernen für die Deutsche und Europäische Zukunft (LDEZ)’ als gemeinnütziger Verein, versteht sich!, organisiert ist. Kriterien zur Verleihung sind – übrigens ganz öffentlich im Internet einsehbar (www.schulbuchpreis.de/wettbewerb2007.html ) – unter anderem:

"Gemäß dem in der Satzung festgelegten Vereinszweck sind solche Bücher auszuzeichnen, die Ehrfurcht vor Gott, Nächstenliebe, Toleranz und Dialogfähigkeit auf der Grundlage einer eigenen ethisch hohen, christlichen Überzeugung vermitteln. [...]

Dazu kommen die Verantwortung und die Dankbarkeit vor Gott. [...]

Auszeichnungswürdig sind aber auch Bücher, die den Schülern emotional durch literarische Texte die biblisch begründeten Werte und Normen, die zugleich zum wahren Menschsein gehören, nahebringen.[...]

Die Aufnahme in ein Landeslernmittelverzeichnis wird jedoch für den Deutschen Schulbuchpreis nicht vorausgesetzt, weil wir auch neue Bücher durch unsere Auszeichnung bekannt machen wollen."

2002 wurde der "Deutsche Schulbuchpreis" an das Buch "Evolution. Ein kritisches Lehrbuch" verliehen. Es vertritt kreationistische Ansichten (tritt also für eine göttliche Schöpfung des Lebens bzw. eine von Gott gesteuerte Evolution ein – "intelligent Design"), ohne jedoch das Wort Kreationismus dafür zu verwenden. Die Autoren waren Reinhardt Junker (u.a. studierter Theologe), zuvor Autor von "Leben durch Sterben? Schöpfung, Heilsgeschichte und Evolution", "Ähnlichkeiten, Rudimente, Atavismen. Design-Fehler oder Design-Signale?" sowie Siegfried Scherer, zuvor Autor von "Entstehung der Photosynthese. Grenzen molekularer Evolution bei Bakterien?" und Vorsitzender der evangelikalen Studiengemeinschaft "Wort und Wissen".

Nun fragen Sie sich vielleicht: Warum soll es uns interessieren, wenn ein religiöser Verein Kreationisten und Religiöse mit Preisen überhäuft? Ganz einfach – sie haben bereits Einfluß auf Politiker erlangt. Die Festansprache für die Verleihung hielt Dieter Althaus, Ministerpräsident und vormals "Bildungs"minister des Freistaats Thüringen.

 
     
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