… und ich beschloß, Politiker zu werden
- Der unfehlbare Weg ins Geschichtsbuch -
Vorwort:
In der Tat, das Leben ist hart und der Weg durch die knapp acht Jahrzehnte, die man/frau in diesem Lande als durchschnittliche Lebenserwartung gewärtigt, ist voller Schwierigkeiten, gepflastert mit Stolpersteinen aller Art; man muß tatsächlich kämpfen, um einigermaßen vernünftig zu leben.
Irgendwann ist die Zeit des Spielens und die darauf folgende Zeitverschwendung an Schulen aller Art vorbei; es gilt, sich nach einem Broterwerb umzusehen - vulgo: Beruf. Schon Nietzsche ließ uns wissen: "Der Beruf ist das Rückgrat des menschlichen Lebens".
Nun kann man es mit fleißigem Lernen und ehrlicher Arbeit tatsächlich schaffen, eine einigermaßen gemütliche Wohnung zu finanzieren und ein paar Mal pro Tag mehr oder weniger gesunde Nahrung zu sich zu nehmen, sich halbwegs sauber zu halten und adrett zu kleiden. Über die Jahre hinweg gibt`s die eine oder andere Gehaltserhöhung; man klettert - behäbig oder behende - die Stufen der beruflichen Karriereleiter nach oben - wenn man denn unbedingt will. Ansonsten gibt`s ja genügend "Sozialleistungen", also öffentlich-(un)rechtliche Versorgungstöpfchen, aus denen man, wenn man clever genug ist, die Gehaltsteile abgreifen kann, die man zu faul ist, selbst zu erarbeiten. Selbst Kinder kann man sich hierzulande so viele anschaffen, wie man möchte - ohne die hausbackene Ansicht, diese selbst ernähren zu müssen; auch für die zahlt der Staat. Tja, wir haben`s weit gebracht mit dem, was wir ‚Sozialstaat' nennen.

Daß man sich alle "Leistungen" des "Sozialstaats" im Grunde genommen auf dem Wege über Steuern und Sozialabgaben, Solidaritätszuschläge und andere Zwangsgebühren, die einem der Staat stiehlt, selbst bezahlt, oder aber andere Mitmenschen, die auf Lernen und fleißiges Arbeiten weniger Wert legen, mitfinanziert, ist den meisten Menschen weder bewußt, noch unterziehen sie sich der Mühe, darüber nachzudenken.
Der "Sozialstaat" bundesdeutscher Prägung ist also in Wahrheit nichts anderes als eine gigantische Umverteilungsmaschine, in der rund 7 % der eigentlich arbeitsfähigen Bevölkerung als öffentlich-(un)rechtliche Bedienstete beschäftigt werden, um die übrigen 93 % auszuhalten, zu berauben und kraft ihres öffentlich-(un)rechtlichen Auftrags zu schikanieren und zu bevormunden.
Wer also wirklich clever ist, verzichtet gerne auf den oben beschriebenen, beschwerlichen Weg der Gestaltung des eigenen Lebens; er geht zum Staat, also an die Quelle selbst und wird öffentlich-(un)rechtlicher Arbeitnehmer oder - noch besser - gleich Beamter. [Kluge Wehrdienstpflichtige wissen: Der beste Job bei der Bundeswehr ist in der Küche - dort, an der Quelle, ist die Verpflegung optimal!]
Noch cleverere Zeitgenossen werden Politiker. Kein anderer "Berufsstand" ist mit derartig vielen Privilegien, Vergünstigungen und steuerfreien Einnahmen gesegnet. Vor allem aber winkt eine Altersversorgung, die zu erlangen man in keinem anderen Beruf auch nur annäherend die Chance hat.

Das Beste aber ist, daß man für eine Karriere als Politiker völlig talentfrei sein kann; weder muß man sich (wie Sportler) tagtäglich im Training abschwitzen, noch (wie Showstars) singend, tanzend oder Instrumente quälend durchs Leben quälen.
Nein, wer tatsächlich ohne mühsamen Wissenserwerb oder wunder Hände Werk, das Drangsalieren seiner Neuronen und profane, ehrliche Arbeit durchs Leben marschieren möchte und der intelligenten Prämisse folgt: größtmöglicher Ertrag aus geringstmöglichem Einsatz, der wird Politiker.
Nun besinnen Sie sich mal kurz und überprüfen, ob diese Überlegungen Ihren eigenen Gedanken, Ihrer Idee von einem weitgehend bequemen und angenehmen Leben entsprechen. Wenn nein, unterziehen Sie sich nicht der Mühe, die nächsten Seiten zu lesen. Wenn ja, dann gehen Sie ganz ehrlich mit sich selbst ins Gericht:
- Haben Sie das Gefühl, mit keinerlei Talenten ausgestattet zu sein?
- Überkommt Sie schon bei dem Gedanken, die nächsten 40 Jahre mindestens 40 Stunden pro Woche mit profaner Arbeit Ihren Lebensunterhalt selbst verdienen zu müssen, ein unwiderstehlicher Brechreiz?
- Wollen Sie mit möglichst wenig intellektuellem und physischem Einsatz dennoch ganz nach oben, ins Rampenlicht der Bedeutsamkeit, aus der Mittelmäßigkeit der Masse heraus und an die Fleischtöpfe, die gefälligst Andere mit harter Arbeit zu füllen haben?
- Wollen Sie berühmt und mächtig werden - auf Kosten und mithilfe Anderer?
Wenn Sie alle diese Fragen aus tiefster Seele und
ehrlichen Herzens mit einem fröhlichen Ja beantworten können, so sind Sie genau
aus dem Holz, aus dem Politiker geschnitzt sein müssen. [Wenn ich im folgenden
geschlechtsneutral von Politiker schreibe, dann aus zwei Gründen: Zum
einen bin auch ich zu faul, mich der Mühe zu unterziehen, ständig zwischen
männlichem und weiblichem Politiker zu unterscheiden, zum anderen ist ein
wirklich tief ins politische System verstrickter Mensch ohnehin
geschlechtsneutral. Ob Sie also männlich oder weiblich, schwul oder lesbisch,
Transvestit oder Transgender sind, ist mir völlig egal. Es gilt ja heutzutage
geradezu als chic, als bekennender Homosexueller Parteivorsitzender oder
Oberbürgermeister, Minister oder sogar Bundespräsident zu werden.]

Seien Sie konsequent: Lassen Sie die Drecksarbeit von
Anderen erledigen; Ihre Vorgänger haben dafür gesorgt, daß 99 % der Bevölkerung
im Schatten Hunderttausender von Gesetzen, Verordnungen, Vorschriften und einem
dichten Netz an Zwängen und Durchführungsbestimmungen dafür sorgen, daß die
politische „Elite“ bestens versorgt und umsorgt ein angenehmes Leben führen
kann. Schminken Sie sich ganz schnell jedes eventuell aufkommende Mitleid für
diejenigen ab, die für Ihr künftiges Luxusleben als Politiker
tatsächlich hart arbeiten müssen; Bauernopfer gibt`s in jedem Krieg.
Sie müssen nur lernen, sich die Masse dieser Komparsen von
der Wiege bis zur Bahre devot und gefügig zu halten. Aber das lernen Sie auf
dem Weg nach oben ganz automatisch von den erfahrenen Politikern in Ihrer
Partei.
Außerdem lesen Sie dafür ja gerade dieses Brevier!
Schärfen Sie Ihren politischen Instinkt und lernen Sie,
Ihre Ziele rücksichtslos und unbeugsam zu gehen.
Sie gelten dann als konsequent, und solche Führer
braucht die dröge Masse, die selbst zu feige ist, politische „Verantwortung“ zu
übernehmen.
So, und nun wollen wir uns Ihrer Karriere als systemisch
angepaßter Nutznießer der Freuden der bundesdeutschen Parteiendemokratur
widmen.
Wohlan, hurtig aufs Pferd gesetzt, und los geht`s – Ihre
Karriere als Politiker hat soeben begonnen.