Für Sie gelesen:

Abschied von Multikulti –

Wege aus der Integrationskrise

 

Autor: Stefan Luft
Verlag: Resch Verlag, Gräfelfing
Preis: € 19,90
Umfang: 480 Seiten
ISBN 10: 3-935197-46-2

In vielen deutschen Städten haben sich seit Beginn der 1970er Jahre „ethnische Kolonien“ gebildet. Entstanden im Zuge der Anwerbung der „Gastarbeiter“, erwiesen sie sich zunehmend nicht als Durchgangsstation, sondern als Sackgasse: Die dort lebenden Zuwanderer blieben weitgehend unter sich. Anlaß, die deutsche Sprache zu erlernen, gab es dort nicht. Schulisches Scheitern stand häufig am Anfang des Weges in Arbeitslosigkeit, Sozialhilfeabhängigkeit und Kriminalität. Die deutsche Ausländerpolitik der 70er und 80er Jahre setzte auf die Bewahrung der „kulturellen Identität“ der Zuwanderer. Damit hat sie die desintegrierenden Auswirkungen der ethnischen Kolonien völlig unterschätzt und eher gefördert. Milliardenschwere Sprach- und Integrationsangebote erzielten nicht die beabsichtigte Wirkung. Das Konzept des Multikulturalismus bestärkte darüber hinaus jene unter den Zuwanderern, die bewußt auf Abgrenzung und Absonderung setzten.

Nach „Ausländerpolitik in Deutschland“ bietet Stefan Luft in seinem neuen Buch einen illusionslosen Blick auf die Wirklichkeit. Er belegt an Hand von Statistiken über die Schulabschlüsse, die Startchancen der jungen Menschen und die Folgen, die sich aus ungenügender Ausbildung und Bildung ergeben. Der Blick zurück ist wichtig, er zeigt, wie es begann, wie aus einigen Gastarbeitern ethnische Kolonien entstanden sind und welche Interessen gerade die Türkei dabei verfolgte. An Hand des konkreten Beispiels Berlin wird die Problematik verdeutlicht. Es entwickelt sich eine Eigendynamik, aus der es für die jungen Menschen ein immer geringeres Entrinnen mit immer weniger Chancen gibt. Die Barrieren für eine Integration werden zunehmend verbaut. Die Idee der multikulturellen Gesellschaft sieht Luft an Hand der Entwicklung und der Ausweglosigkeit, in der sich die nachwachsende Generation befindet, als eindeutig gescheitert an. Deshalb belegt er, wie wichtig der schwierige Abschied aus dem Multikulturalismus ist und zeigt Wege aus der Integrationskrise auf. Das bedeutet u.a. mehr Bildung und das Schaffen der Voraussetzungen dafür; Begrenzung der Zuwanderung; alle, auch die Zuwanderer, in eine größere Verantwortung zu stellen und die Mißstände im Ausländerrecht zu beseitigen.

Luft verzichtet auf jede Polemik und jede ideologische Voreingenommenheit. Er analysiert die Situation sachlich und zieht realistische Schlußfolgerungen. Ein Buch, das notwendiger denn je ist. Wenn jetzt die richtigen Maßnahmen versäumt werden, kann der innere Frieden in Europa gefährdet sein.