– Gedanken zum ausklingenden Jahr 2008 –

 

Den Begriff des ‚Paradigmenwechsels’ kenne ich schon aus meiner Schulzeit in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts; ‚the age of aquarius’ – (das aufkommende ‚Zeitalter des Wassermann’) – denken Sie an das Musical ‚Hair’ – die ‚Flowerpower’-Bewegung, Haight Ashbury in San Francisko und unzählige Folksongs mit ihren Protagonisten Janis Joplin, Bob Dylan, Simon & Garfunkel o.v.a. sind mir noch in guter Erinnerung.
Und wo die einen hoffnungsvolle Sehnsüchte lebten – zumeist wesentlich leiser, als wir dies heute erleben, traten gleichzeitig die Warner und Rufer in der Wüste auf, die mit geradezu apokalyptischen Szenarien vor dem Untergang der Zivilisation warnten; die einen führten als deren Auslöser die Zerstörung der Umwelt ins Feld, andere sahen den dritten, die gesamte Menschheit gefährdenden Weltkrieg, mit Atomwaffen geführt und von der Ausrottung weiter Teile der Bevölkerung (vor allem Europas) begleitet, auf uns zukommen.
In den 80er Jahren grassierte die AIDS-Phobie, und in den 90er Jahren ging`s um BSE und die ersten Fälle von Vogelgrippe, SARS und pharmakologisch nicht mehr bekämpfbare, weil längst immune Virenstämme aller Art.
Stets aktiv und kämpferisch: Die Gegner der Atomkraft und die Verfechter alternativer Energiegewinnung, Tier- und Umweltschützer, jede Menge an (oftmals „friedlicher“, aber auch sehr aggressiver) Sekten und religiös-fundamentalistischer Ideologien, die insbesondere nach dem Zusammenbruch des Sozialismus eine klaffende Leere zu füllen suchten; der Warschauer Pakt brach mit dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion (und damit seiner Führungsmacht) innerhalb von Monaten völlig zusammen.
Aber auch im Wirtschafts- und Finanzbereich mehrten sich seit Mitte der 70er Jahre die Stimmen, die vor einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft warnten; das immer hemmungsloser ausufernde Geldmengenwachstum, die immer wilder wuchernden Finanzmärkte und die sich zunehmend öffnende Schere zwischen Arm und Reich riefen Apokalyptiker auf den Plan, die vor sozialen Unruhen und Bürgerkriegen, Hungersnöten und der Verelendung von Abermillionen Menschen und mehr als der Hälfte aller Staaten, nachgerade in Afrika, warnten.
Spätestens seit Beginn der 70er Jahre gerieten die Sozialsysteme Europas in eine bedrohliche Klemme: Enorme medizinische Fortschritte hatten die Lebenserwartung in stärkerem Maße wachsen lassen als je zuvor in der Geschichte der Menschheit; gleichzeitig sank jedoch die Reproduktionsrate gerade in den Industriestaaten zunehmend. Beides führte in Kombination zu immer höheren Soziallasten, wobei den Politikern speziell in Westeuropa nichts Vernünftigeres einfiel, als sukzessive die Steuerquoten zu erhöhen, die Leistungen aus den „Füllhörnern“ sozialstaatlicher „Großzügigkeit“ einzuschränken, die Steuerquoten und -sozialabgaben ebenso zu erhöhen wie die Lebensarbeitszeiten und mit einem ausschließlich politisch motivierten Flickenteppich an „Reförmchen“ zu versuchen, ein System zu retten, das längst im Koma lag.
Kaum ein Politiker – und dies gilt beileibe nicht nur für Deutschland – hatte nämlich begriffen, daß mit dem Zerfall der Sowjetunion die wirtschaftliche Globalisierung erst richtig begonnen und damit die wirtschafts- und finanzpolitischen Ströme zur Auflösung einzelner (nationaler) Entitäten begonnen hatte, während die Politiker noch verzweifelt versuchten, ihre nationalen Sozialstaats-Phantasien zu wahren.
In dem Maße, in dem sich vor allem Großkonzerne, aber auch Mittelständler nach günstigen Produktions- und Dienstleistungsstandorten quer über den Globus umsehen konnten und auch die Finanzmärkte sich international orientierten, ging den national verhafteten Politikern die Basis verloren.

Unter diesen Aspekten gewinnt die derzeitige ‚Finanzkrise’ völlig neue Aspekte und erweist sich bei näherem Hinsehen beileibe nicht als Ursache für die dramatischen Veränderungen, vor denen wir stehen, sondern als der Auslöser eines längst in vollem Gange befindlichen ‚Paradigmenwechsels’, den immer noch viel zu wenige Menschen zu erkennen vermögen.
Und noch immer versuchen uneinsichtige Verfechter eines längst in Agonie liegenden Systems, mithilfe neuer Regeln, Gesetze und Verordnungen sowie dem Einsatz künstlich geschaffener Billionen an US-Dollars, Euros, Yens, britischem Pfund und Schweizer Franken das System zu retten – koste es, was es wolle.

Paradigmenwechsel, also der Austausch grundlegender Basiswerte und die Neuordnung von Inhalten und Werten im Zusammenleben von Individuen, Völkern und Nationen haben eine „gefährliche“ Eigenart: Sie zeigen sich nicht in spontanen, bruchartigen Mustern – für Jeden identifizier- und nachvollziehbar –, vielmehr entwickeln sie sich schleichend, allmählich und nahezu heimlich-unbemerkt. Insofern stellen markante Geschehnisse im Verlauf der Menschheitsgeschichte – selbst der Untergang von Weltreichen, Währungsreformen, Kriege, Erfindungen aller Art und das Aufkommen oder Verschwinden von Religionen und anderen Ideologien – beileibe keine Paradigmenwechsel dar, vielmehr sind sie die offensichtlichen und markanten Einschnitte, quasi die „Begleitmusik“, eines lautlos, im Untergrund entstehenden, von den meisten Menschen überhaupt nicht wahrnehmbaren ‚Paradigmenwechsels’.

Weltliche und sakrale Systeme sind in ihren kulturellen und sozialpolitischen, wirtschafts-, bildungs- und finanztechnischen Ausprägungen immer nur Werkzeuge der von eben dieser Systemik am vorteilhaftesten profitierenden, herrschenden Minderheit. Daß diese Minderheiten die sich daraus für sie ergebenden Vorteile solange wie nur irgend möglich zu nutzen bemüht sind, erscheint uns logisch und verständlich. Aber auch dieser Schein trügt, denn in Wirklichkeit beruht das dahinter stehende Denken, was sich in Machtgier und einer völlig jenseits aller Vernunft und Notwendigkeit ausgelebten Streben nach wirtschaftlicher Macht äußert, als gigantischer Irrtum und nachgerade völlig wider-natürliches Fehldenken.
Mit anderen Worten: Jenseits aller Notwendigkeit, danach zu streben, möglichst viel an Geld und Macht anzuhäufen, und dies dann auch noch als „Beweis“ eigenen Wertes und persönlicher Qualität anzusehen, verrät sich darin im Grunde genommen nur ein erschreckendes Maß an Unsicherheit und Mangel an Selbstbewußtheit.

Sehr profan ausgedrückt: Keinem Tier käme es in den Sinn, sich selbst – zulasten seiner Umwelt und der übrigen Mitglieder seines Rudels – über das Maß hinaus zu bereichern, das es benötigt, um sich selbst ausreichend zu versorgen und gesund zu erhalten. Einzig der Mensch bemißt seinen Eigenwert und die Qualität seines Lebens danach, was er – jenseits aller wirklichen Bedürfnisse – an materiellem Reichtum und Macht über Andere anzusammeln vermag.

Ultimative Formen menschlicher Psychopathologie finden wir im Ansammeln von Milliarden – für mich der lebende Beweis dafür, daß dieser Mensch chronische Selbstwertdefizite aufweist und den Blick, das Bewußtsein und die Verantwortung dafür, wofür man Geld in vernünftiger Weise verwenden sollte, verloren hat – und dem Führen von Kriegen, mit Hilfe derer man die eigene Sicht der Dinge dem Nachbarn aufzuzwingen versucht, den eigenen Herrschaftsbereich zu vergrößern trachtet und sich ins ’Buch der Geschichte’ einzuschreiben versucht. Von diesem Größenwahn waren all die Helden, die wir heute als „Superreiche“ und Prominente feiern oder deren krankhafte Herrschsucht – von Darius I bis Bush II – wir uns im Geschichtsunterricht einprägen müssen.
An dieser Glorifizierung menschlichen Wahnsinns hat sich von der Antike bis heute nicht das Mindeste geändert – ein mehr als bedenklich stimmendes, trauriges Resümee menschlicher „Entwicklung“, ehrlicher konstatiert: Dummheit.

[Wen provoziert, daß ich den (klassisch bereits als reich geltenden) ‚’Millionär’ ausschließe, der möge bedenken, daß viel mehr Menschen Millionäre sind, als dies gemeinhin vermutet wird. Zu all den Spargroschen auf der Bank, Bauspar- und Lebensversicherungsverträgen, ihren Haushaltsgegenständen und dem Inventar ihrer Behausung, Ringen, Briefmarken und Münzen gehören nämlich auch ihre Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Schon ein Beamter, der mit durchschnittlich 57 Jahren in
den Ruhestand geht und 2.500 EUR an Ruhestandsgehalt bezieht, verfügt damit, finanzmathematisch betrachtet, über ein „Guthaben“, was bei einer angerechneten Lebenserwartung von 78 Jahren dem Gegenwert von etwa 600.000 EUR entspricht. Das Problem dabei ist nur, daß er – im Gegensatz zu einem Selbständigen, der für seine Zukunft auch selbst zu sorgen hat – darüber nicht als Kapital verfügen kann, weil der Staat in seiner Allmachtsphantasie ihn (wie jeden nichtselbständigen Bürger) für zu dumm hält, selbst für sein Alter vorzusorgen.

Einen bedeutsamen Unterschied macht es auch, ob man als klein-/mittelständischer Unternehmer einen Betrieb unterhalten, für dessen Finanzierbarkeit zu sorgen hat – wenn irgend möglich: ohne Schulden! – und ein Bewußtsein von Verantwortung für seine Mitarbeiter, bzw. deren Arbeitsplätze und Einkommen Verantwortung empfindet. Hierbei ist eine oder auch mehrere Million(en) schnell beisammen.]

Betrachten wir jedoch einmal unter diesem Aspekt und aus diesem Blickwinkel die Geschehnisse der bisherigen etwa 10.000 Jahre des homo sapiens sapiens, die Historie entstehender und zerfallender Weltreiche, die jüngere Geschichte des letzten Jahrhunderts und die jüngsten Ereignisse im noch jungen 21. Jahrhundert – vom 11. September 2001 bis zur gerade geplatzten Eiterbeule im Finanzwesen – ,so drängt sich die Vermutung auf, daß wir erst dann (und in dem Maße) in der Lage sein werden, uns selbst wie auch gegenseitig in friedlicher Weise zu begegnen (statt uns selbst wie auch unserer Umwelt und diesem Globus insgesamt das Leben zur Hölle zu machen). Erst dann wird nicht mehr die Minderheit der Mächtigen und Reichen unser aller Leben bestimmen, sondern die jeweils tatsächlich Qualifiziertesten werden die Führung übernehmen.

Die derzeitigen weltweiten Probleme der Menschen – der persönlichen wie auch der jeweiligen Kommunen, Völker und Nationen – sind nichts anderes als Manifestationen starren Festhaltens an falschen Denkmustern, die dann zu einem falschen (i.e. wider-natürlichen) DenkFühlHandeln führen.

Auch mit Hunderten von Billionen künstlich geschaffener US-Dollar, Euros, Yens etc. wird der Zusammenbruch dieser kranken Systeme nicht verhindert werden können.
Die Frage ist nur, wie lange wir krampfhaft an völlig falschen „Idealen“ glauben, festhalten zu müssen und den Katalog völlig falscher Werte und Lebensinhalte aufrechterhalten und verteidigen zu können.
35.000 täglich an Hunger und Unterernährung sterbende Kinder im Alter von weniger als fünf Jahren, Tausende tagtägliche Opfer sozialpolitischer Unruhen, Kriege und Bürgerkriege, Heere von wirtschaftlich in Abhängigkeit lebende oder um ihre schiere Existenz kämpfende Menschen, bedenkenlose Verbrechen an Natur und Umwelt und das bedenkenlose Plündern der natürlichen Ressourcen dieser Welt – all dies sind Auswüchse und Belege der Unfähigkeit des Menschen, das großartige Geschenk der Natur – ich spreche von dem höchst-entwickelten Organ, dem menschlichen Gehirn – verantwortungsbewußt und sinnvoll zu benutzen.
Dabei versündigen sich diejenigen, die nach größtmöglichem, materiellem Reichtum (zu Lasten ihrer Mitmenschen) oder nach ultimativer Macht über ihre Mitmenschen streben, genauso gegen ihre Verantwortlichkeit, wie diejenigen, die entweder resignieren und ihre schiere Lebensführung in die Hände scheinbar dafür geeigneter Personen und Institutionen (Politiker, Staat und Religionen) geben, aber auch diejenigen, die sich von allen Widernissen abwenden und sich – problem-abstinent und konfliktscheu – in jedwede Nischen verkrümeln.

Ich bin der festen Überzeugung, daß wir binnen kurzem tatsächlich einen völligen Zusammenbruch unseres Wirtschafts-, Finanz- und Sozialsystems erleben werden. Dieser Zusammenbruch wird leider enorme Schmerzen und sehr viel Leid über Hunderte von Millionen Menschen bringen und zahllose Opfer kosten.
Ich nehme andererseits aber eine starke Zunahme an Menschen wahr, deren DenkFühlen – teils bewußt, teils unbewußt – gerade eine Katharsis erfährt, die mich hoffen läßt, daß wir insgesamt – jenseits nationaler Grenzen und staatlicher wie religiöser Zugehörigkeit – tatsächlich in ein neues Zeitalter, eine Ära völlig anderer Denkmuster und Verhaltensweisen hineinwachsen.

Die heutigen Probleme der internationalen Finanzmärkte, der nationalen, politischen Systeme, der in ihrer Rigidität verbohrten Religionen, der hybriden Medienwelt, der in Inflexibilität erstarrten Bildungssysteme, der jenseits jeder Ethik agierenden Werbewirtschaft und des dumm-dreisten Agierens unserer weltlichen wie auch der sakralen „Elite“ sind pathologische Auswüchse der Gattung Mensch, die immer noch nach der „Gebrauchsanweisung“ für die sinnvolle, natürliche und (realiter) menschliche Nutzung ihrer geistigen und emotionalen Fähigkeiten sucht.

Erst wenn wir dem natürlichen Empfinden und der natürlichen Ethik wieder den gebührenden Platz einräumen und dies mit der effizienten Nutzung unseres Verstandes kombinieren, werden wir der Rolle gerecht werden, die uns die Natur zugewiesen und geschenkt hat.

Noch immer betrachtet der homo sapiens sapiens Soziologie, Ökonomie, Ökologie, Wirtschafts- und Finanzwirtschaft, Philosophie und Psychologie als singuläre Wissenschaften. Kein Wunder, daß sich deren Verzahnung, die sich gegenseitig bedingenden Interdependenzen von den allermeisten Menschen weder erkannt noch berücksichtigt werden.

Nur so ist z.B. zu erklären, wieso noch immer ein weltweiter „Glaubenskrieg“ zwischen „Sozialismus“ und „Kapitalismus“ geführt wird. Was für ein Unsinn, handelt es sich beim Sozialismus doch um ein Gesellschaftsmodell, wohingegen der Kapitalismus ein Wirtschaftsmodell ist.
Als ob eines das andere per se ausschlösse.

 

2009 – mutmaßlich ein Katastrophenjahr

Wer glaubt, daß wir mit dem Ende des Jahres 2008 das Schlimmste bereits hinter uns haben, könnte sich bald sehr böse getäuscht sehen.
Zwar handeln die Regierungen aller Länder insofern „vernünftig“, als sie zunehmend (und in noch nie dagewesener Weise) die Notenpressen anwerfen, weil sie wissen, daß ansonsten ein Zusammenbruch des gesamten, weltweiten Finanz- und Wirtschaftssystems drohte, aber realistisch betrachtet verschiebt dies nur die heutigen Probleme in die Zukunft. Auf der Strecke bleiben werden binnen kurzem vor allem Klein- und mittelständische Unternehmen, die über zuwenig Eigenkapital und zu hohe Schulden stolpern werden. dies gilt in gleichem Maße für Privatpersonen, die zuwenig Reserven aufgebaut, dafür aber um so kräftiger konsumiert und auf Pump gelebt haben.
Bei der Frage, welche Konzerne mittels Krediten, Bürgschaften oder frischem Kapital gerettet werden sollten, werden sich die „Eliten“ nur daran orientieren, wie viele Arbeitsplätze jeweils gefährdet sind, da sich kein Staat, keine regierende Partei erlauben kann, Millionenheere an Arbeitslosen aufzubauen, die dann einerseits der Sozialfürsorge anheim fallen, andererseits einen gefährlichen sozialen Sprengstoff bilden, dem dann mit noch so viel Polizei (oder sogar mit „Notstandsgesetzen“ und dem Einsatz von Militär) begegnet
werden kann.

Dabei werden nun wahre Horrorszenarien entwickelt: Bereits die heute fest zugesagten weltweiten zusätzlichen Finanzmittel von über 10 Billionen USD – fast ein Drittel des Welt-Bruttosozialproduktes (!) – werden nicht annähernd ausreichen, um die bisherigen, noch viel mehr aber die noch gar nicht aufgedeckten Verluste und notwendigen Abschreibung und drohenden Verlustposten zu kompensieren. So wird das Volumen der weltweit ausgegebenen Derivate und Zertifikate auf bis zu 600 Billionen USD geschätzt. Faillieren davon nur 10 %, entspräche dies der aber-witzigen Summe von 60 Billionen USD – rund dem Doppelten des Welt-Bruttosozialproduktes.
Noch überhaupt nicht abzuschätzen sind die Verluste der weltweiten Pensionsfonds, die vor allem in den anglikanischen Ländern die Rolle der staatlichen Sozialversicherungssysteme Westeuropas inne halten. Viele dieser Pensionsfonds werden erst in den kommenden Monaten und Jahren ihre Bilanzen vorlegen und dann um (staatliche) Hilfe rufen.

Interessant ist hierbei, daß die kommende Weltwirtschaftskrise auf unterschiedliche Wirtschaftsideologien keinerlei Rücksicht nehmen wird; weltweit brechen die Märkte ein; weltweit igeln sich Unternehmen – je größer, desto mehr – ein, bauen Arbeitsplätze ab
und reduzieren ihre Tätigkeits- und Produktionsfelder auf das sogenannte „Kerngeschäft“. Und ebenso weltweit zeigen sich die Regierungen machtlos und überfordert. Dabei macht auch Barak Obama, die neue Lichtgestalt am politischen Himmel der (militärischen) Führungsnation, keine Ausnahme – von unseren europäischen Narren und Simpeln auf dem politischen „Olymp“ ganz zu schweigen.

In ihrer Not und Hilflosigkeit sammeln nun Banken Tages- und Festgelder – mit Zinsversprechen, die sie auf den Kapitalmärkten überhaupt nicht in der Lage sind, zu erzielen. Sie tun dies in der Hoffnung, damit die eigenen Unternehmenszahlen zu schönen, um sich im internationalen Kampf ums Überleben zu stärken.
Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller fallen darauf aber in einer Mischung aus Gier und Dummheit prompt herein; alternativ decken sie sich mit Staatsanleihen und Schuldverschreibungen ein, die gerade noch mit 2,5 bis 3,5 % (je nach Laufzeit) „rentieren“; subtrahiert man hiervon nämlich Steuern und die (ohnehin geschönten) Inflationsraten, erweisen sich diese vermeintlich sicheren „Häfen“ als reines Verlustgeschäft.

Wir sind – so unangenehm, weil endgültig, dies klingen mag – an einem Wendepunkt der Geschichte angelangt, und alle Versuche, den Zeitpunkt der ultimativen ’Zeitenwende’ hinauszuzögern, verschärft das aufziehende Krisenszenario nur umsomehr.

 

Welche Alternativen gibt es denn überhaupt noch?

Notwendig wäre ein völliges Umdenken. Der bislang gefeierte Fortschrittsglaube und ein hemmungsloser Konsum um jeden Preis ist endgültig zu Ende. An die Stelle des eigenen Besitzes als Maßstab eigenen Wertes muß künftig die Einsicht rücken, daß nicht nur unsere Lebenszeit sehr beschränkt (und endlich) ist, sondern daß jedes Mehr an Eigentum und Macht dann schädlich ist, wenn es zu einem Weniger für andere führt. Dies gilt (in unterschiedlichen Maßstäben) weltweit und schließt auch den Mißbrauch und die hemmungslose Ausbeutung von Rohstoffen sowie den Mißbrauch von Natur und Umwelt ein.
Ebenso wichtig wäre jedoch auch eine völlig neue Betrachtungsweise der Funktion des Geldes (egal, welcher Währung). Geld ist kein Wert für sich, und insofern entspricht dessen Ansammlung entweder zum schieren Aufbau von Sicherheit weder dem Sinn einer Währung, noch kann es als Beweis eines höheren Eigenwertes, eigener Mehrleistung – jeweils im Vergleich mit Anderen – dienlich sein.

Natürlich haben unterschiedliche Aktivitäten der Menschen unterschiedliche Wertigkeiten, nur lassen sich diese Unterschiede nur sehr unzureichend mit unterschiedlichen Einkommen und Verdiensten darstellen.
Die vornehmliche Aufgabe von Geld ist es, als Tauschmittel zu dienen, da – im Gegensatz zu früheren Epochen der Menschheit – im Rahmen der Arbeitsteilung die Menschen unterschiedlichen Berufen nachgehen.
Zum Zwecke des Aufbaues eigener „Sicherheit“ Geld zu horten, heißt, dessen Funktion als schieres Tauschmittel zu unterbinden. Insofern würde es durchaus Sinn machen, gehortete Gelder mit einem Negativzins zu versehen, um einerseits dessen Funktion nicht zu behindern und andererseits, um auch Sicherheit mit einem volkswirtschaftlichen Leistungskoeffizienten zu versehen, der dessen Wert widerspiegelt.
Mit anderen Worten: Wer Geld hortet und damit seiner Funktionalität beraubt, muß dafür einen entsprechenden Preis bezahlen – den Negativzins.

Nun ist der Gedanke des Negativzinses nichts radikal Neues. Bislang wurde er jedoch zumeist als „Strafzins“ verstanden, mit Hilfe dessen eine Art ’sozialer Ausgleich’ zwischen arm und reich realisiert und ideologisch unterfüttert werden sollte.
Hiervon spreche ich aber nicht. Vielmehr geht es darum die Funktion des Geldes als Tauschmittel neu zu definieren: Wird Geld als funktionales Leistungsinstrument eingesetzt – für den Erwerb von Gütern und Dienstleistungen oder als Risikokapital zur Errichtung neuer Arbeitsplätze und zum Aufbau von Firmen, bzw. im Bereich von Forschung und Entwicklung – , so erfüllt es seinen originären Nutzen, Sinn und Zweck. Wer hingegen Geld als Sicherheitsvehikel hortet (i.e. zweckentfremdet), soll für diese Sicherungsverwahrung eine Leistungsprämie entrichten – in Form des Negativzinses.

 

Negativzins – der Rückbau des „(Finanz)Turms zu Babel“

Sie alle kennen die Analogie: Hätte man im Jahre 0 unserer Zeitrechnung einen EURO-Cent zu einem stetigen Zins von 5 % angelegt, so besäße man – Währungsreformen und pleite gehende Banken ausgeschlossen – heute einen Goldklumpen vom 50-fachen Gewicht der Erde. Dies veranschaulicht in drastischer Weise die exponentielle Funktion des Zinses.

Wer nun Geld besitzt hat vier Möglichkeiten:

  • er vernichtet es – dafür wird man heute in Sicherheitsverwahrung genommen und in eine geschlossene Anstalt eingeliefert;
  • er konsumiert es – kauft alles, was er entweder wirklich braucht oder sich von der korruptiven Werbemaschinerie anpreisen läßt (ohne es zumeist wirklich zu benötigen und/oder zu nutzen);
  • er investiert es (direkt oder indirekt) in die Wirtschaft, beteiligt sich also am Sinn, Zweck und Risiko (!) des Aufbaus von Produktionsstätten, Dienstleistungsunternehmen, in Forschung und Entwicklung bzw. zu kulturellen Zwecken;
  • er hortet es – zum Zwecke des Aufbaus von (vermeintlicher) Sicherheit.

Entsprechen der zweite und dritte Weg der Verwendung von Geld dessen eigentlichem Zweck, wird für den vierten Verwendungszweck des Geldes von der Bank, zu der man sein Geld bringt, ein „Belohnungszins“ erwartet und verlangt – je höher, desto lukrativer. Dabei dient diese Bank eigentlich nur als Aufbewahrungsort für das ihr anvertraute Geld, und dafür sollte der sicherheitsbewußte Zeitgenosse eigentlich eine Aufbewahrungsgebühr (eben den Negativzins) bezahlen, denn ansonsten müßte er seine Gelder zu Hause (unter der berühmten Matratze) selbst aufbewahren, was angesichts des Diebstahls- und Vernichtungsrisikos (Brand etc.) ab einer gewissen Höhe reichlich unsinnig ist.

Kostete nun die Aufbewahrung der finanziellen Sicherheit seinen Preis, den Negativzins, so hätte dies drei Effekte:

  • Banken könnten Kredite, die sie an Dritte vergeben, weitaus günstiger anbieten, als dies bislang der Fall ist; immerhin müssen sie ja bislang für die ihnen anvertrauten Gelder auch noch eine Prämie, den Guthabenszins, entrichten;
  • Der immense Schuldenturm (denken Sie an o.g. Analogie) könnte nach und nach abgebaut werden. Hierzu wäre allerdings zusätzlich noch notwendig, daß Banken nicht mehr bis zum Zehnfachen der Guthaben, über die sie verfügen, Kredite ausleihen dürfen. Berücksichtigt man zusätzlich noch die Wirkung der ’Hebelgeschäfte’, bei denen (im ’Optionshandel’) nur eine Prämie von 10% des eigentlichen
    Ordervolumens als „Optionsprämie“ hinterlegt werden muß, dann ergibt dies eine weitere Verzehnfachung der in den Geldkreislauf gepumpten Geldmenge, also (etwas verkürzt dargestellt) das Hundertfache der jeweils tatsächlich eingelegten Guthaben;
  • Der dritte Effekt der Einführung eines Negativzinses wäre, daß freie, also derzeit nicht benötigte Gelder, tatsächlich wieder in dem originären Sinne des Geldes entsprechender Weise investiert und damit der zweckdienlichen Funktion des Geldes im Wirtschaftskreislauf zugeführt würden.

Dies würde sicherstellen, daß Geld seine Funktion innerhalb des wirtschaftlichen und sozialen Gefüges einer Gemeinschaft zurückerhält.

Dementsprechend würde Geld seine vornehmliche Funktion als Tauschmittel zurückgewinnen und im Umlauf gehalten, statt – wie bisher – mithilfe von ’Guthabenszinsen’ einen leistungslosen Mehrertrag aufzubauen. Diese Zweckentfremdung des Geldes führte uns nämlich genau in die Schuldenspirale, die wir in Form des exponentiell gesteigerten Geldvolumens heute weltweit als eigentliche Ursache der Finanz-, Wirtschafts- und (in naher Zukunft) als Sozialkrise erleben.

Nun wäre es mit einem philosophisch und psychologisch neuen Bewußtsein bezüglich unseres DenkFühlHandelns und einer „Neudefinition“ des Tauschmittels Geld nicht getan.

Vielmehr bedarf es auch einer völligen Neuorientierung in Bezug auf das Zusammenwirken und Ineinandergreifen sozialer, wirtschaftlicher, steuerlicher und finanzpolitischer Aspekte im Rahmen dessen, was wir als Volkswirtschaft bezeichnen.

Hierzu liegt seit immerhin 32 Jahren ein Gesamtkonzept (www.d-perspektive.de/konzepte/steuer-wirtschafts-und-sozialkonzept/) vor, das allerdings einen fundamentalen „Nachteil“ hat: es würde bei konsequenter Anwendung die bislang gültigen systemischen Machtverhältnisse der politischen Parteien und aller weltlicher wie auch sakraler „Eliten“ gründlich durcheinanderwirbeln bzw. auf den Kopf stellen.
Daß daran die derzeit herrschenden Macht“eliten“ nicht das geringste Interesse haben, ist unschwer nachzuvollziehen.
Ich bin jedoch davon überzeugt, daß wir – und damit sind wir bei der Überschrift dieser Ausarbeitung – vor einer elementaren Zäsur unseres gesamten Wirtschafts- , Finanz- und Sozialwesens stehen, der die heute herrschenden „Eliten“ auch unter Einsatz noch so vieler Milliarden und Billionen an USD, EUR, Yen oder CHF nicht mehr zu entwischen vermögen.
Die Frage ist nur, wie lange wir uns von den weltlichen und sakralen „Eliten“ noch an der Nase herumführen lassen.

H.-W. Graf