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15.01.07
Editorial Korruption der Scheinheiligen
Was schlugen die Wellen medialen Entsetzens hoch, als bekannt wurde, daß drei Siemens-Mitarbeiter mittels Korruption – noch dazu aus extra dafür angelegten (!) ‚Schwarzgeld’-Kassen – Aufträge in Milliardenhöhe erschlichen und dabei nicht nur „Provisionen“ in dreistelliger Millionenhöhe vergaben, sondern auch für den eigenen Verbrauch abgezweigt haben sollen. Inzwischen sitzen gar sechs Angestellte des Konzerns in U-Haft, und sogar Mitglieder des Vorstands seinen informiert und involviert gewesen. Reflexartig empören sich politische Gutmenschen ob dieses schändlichen Treibens. Aber halt, was war da mit Herrn Hartz, dem Namensstifter des „Meisterstücks“ der Renten-„Jahrhundertreform“, und was war mit VW? Gab`s da nicht diese Vorwürfe gegen Vodafone und Mannesmann bzw. den Deutsche Bank-Chef Ackermann und Konsorten? War da nicht auch sogar irgend so ein Gewerkschaftsboß involviert? Und just im geeigneten Moment gibt Transparency International seine neueste Hitliste der korruptivsten Länder heraus, auf der sich Deutschland inzwischen nicht mehr unter den zehn „saubersten“ Ländern wiederfindet, sondern auf Platz 14 abgerutscht ist. Lassen Sie sich durch diese scheinheilige Empörung bitte nicht noch weiter verunsichern – zur gängigen Geschäftspraxis gehört(e schon immer) Bestechung dazu. Dem Westen gewogene Potentaten aus Dutzenden Ländern in Lateinamerika und Afrika verdanken ihre Milliardenvermögen den internationalen Konzernen, die in deren Ländern alles an Bodenschätzen fördern und vermarkten, was sie nur ergattern können. Dabei arbeiten Industrie und Politik bestens Hand in Hand. So kam es dem Westen gerade recht, wenn die Söhne der Staatschefs jener Länder, die für den Westen strategische Bedeutung hatten, in Paris, London oder New York studierten, um dann möglichst zuverlässig die Politik ihrer vom Westen abhängigen Väter in den geostrategisch und an Bodenschätzen reichen Ländern der Welt fortsetzten. Gefährlich wurde es allenfalls dann, wenn einer dieser Sprößlinge sich mit dem Vater überwarf, sein Herz für das gequälte Volk zu Hause entdeckte und sich dem bösen Ostblock zuwandte. Mitunter wechselte aber auch Papi die Seiten – es ist eben alles eine Frage des Preises. In diese Korruption waren westliche Konzerne (je globaler und größer, desto intensiver auch ihr Engagement) genauso verwickelt wie die jeweils herrschenden Parteien und Politiker. Und auch das Militär profitierte von den Deals der Konzerne und Politiker wie auch der Waffenlobby in hohem Maße. Wer hierzu, in besonderer Form verdichtet, nähere Informationen wünscht: www.anthropos-ev.de/Bilder/kongobericht.pdf Regelmäßig empören sich dann die gerade nicht an der Macht befindlichen Politiker über den geradezu unglaublichen Machtmißbrauch der jeweils regierenden Partei – verständlich, wenn man, vom „Buffet“ der Korruption ausgesperrt, zugucken muß, wie sich Andere laben. Deshalb war es schon immer wichtig für die Schmierer und Geschmierten, sensibel auszuloten, wem man die ölige ‚Hand zum Bunde’ reichte; notfalls wurden alle beteiligten Parteien gleichermaßen bedient und pflegedienlich geschmiert. Als ich bei einem Besuch in Gabun zufällig einen Topmanager von Elf Aquitaine traf, erklärte mir dieser (gegen das Versprechen, seinen Namen nicht zu nennen) frank und frei: „In allen Konzernen der Welt existieren umfassende Dateien zu jedem Land, aus denen die politischen Verquickungen genauestens zu ersehen sind. Jedes Land hat dabei seinen spezifischen ‚Korruptionsfaktor’. Ausgetauscht werden jeweils fallweise die politischen Parvenues, die es zu bestechen gilt, sowie deren Verbindungsleute – zumeist Verwandte der jeweiligen Regierungschefs.“ Auf meine Frage, von welchen Bestechungsquoten innerhalb der Gesamt-Erschließungs- und Akquisitionskosten wir hier sprächen, lächelte er: „Zwischen 25 und 40 % des gesamten Budgets!“ Erschreckend ist eigentlich nur das Ausmaß, mit dem beileibe nicht nur die Konzerne, sondern auch (und insbesondere) die politischen Machthaber – egal, ob Ost oder West – die Bevölkerung hinters Licht führen, also geistig und emotional korrumpieren. Ich erinnere noch sehr gut, als der zeitreport als erste deutschsprachige Zeitung über die Geheimgesellschaft Gladio, den streng geheimen US-Nachrichtendienst NSA (National Security Agency) und das Abhör-System Echelon berichtete. Auf Anfragen verneinten offizielle Behörden in (damals noch) Bonn die schiere Existenz dieser Organisationen – gegen besseres Wissen, aber mit voller Absicht. Als ich Jahre später anläßlich eines Treffens des Weltwirtschaftsforums in München einen ehemaligen Staatssekretär des Innenministeriums just darauf ansprach, entgegnete er mit hochtrabender Geste und süffisant grinsend: „Wir können eben nicht immer sagen, was wir wissen – schon zum Schutz der uns anvertrauten Bevölkerung.“ Soeben gab der Sonderausschuß des Europa-Parlaments bekannt, daß laut eben abgeschlossener Recherchen Deutschland und mindestens zehn weitere EU-Länder von den CIA-Praktiken geheimer Auslandsgefängnisse (auch in Europa!) genauestens Bescheid wußten. Erinnern Sie sich noch an das aufgeregte Flügelschlagen der Medien und die Empörung der Politiker – allen voran des smarten Bundeskanzlers Schröder? Kein Mensch wollte von nichts irgendwas gar nichts gewußt haben.
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