Perspektive  
14.01.09

Von: Hans-Wolff Graf


werden kann.

Dabei werden nun wahre Horrorszenarien entwickelt: Bereits die heute fest zugesagten weltweiten zusätzlichen Finanzmittel von über 10 Billionen USD – fast ein Drittel des Welt-Bruttosozialproduktes (!) – werden nicht annähernd ausreichen, um die bisherigen, noch viel mehr aber die noch gar nicht aufgedeckten Verluste und notwendigen Abschreibung und drohenden Verlustposten zu kompensieren. So wird das Volumen der weltweit ausgegebenen Derivate und Zertifikate auf bis zu 600 Billionen USD geschätzt. Faillieren davon nur 10 %, entspräche dies der aber-witzigen Summe von 60 Billionen USD – rund dem Doppelten des Welt-Bruttosozialproduktes.
Noch überhaupt nicht abzuschätzen sind die Verluste der weltweiten Pensionsfonds, die vor allem in den anglikanischen Ländern die Rolle der staatlichen Sozialversicherungssysteme Westeuropas inne halten. Viele dieser Pensionsfonds werden erst in den kommenden Monaten und Jahren ihre Bilanzen vorlegen und dann um (staatliche) Hilfe rufen.

Interessant ist hierbei, daß die kommende Weltwirtschaftskrise auf unterschiedliche Wirtschaftsideologien keinerlei Rücksicht nehmen wird; weltweit brechen die Märkte ein; weltweit igeln sich Unternehmen – je größer, desto mehr – ein, bauen Arbeitsplätze ab und reduzieren ihre Tätigkeits- und Produktionsfelder auf das sogenannte „Kerngeschäft“. Und ebenso weltweit zeigen sich die Regierungen machtlos und überfordert. Dabei macht auch Barak Obama, die neue Lichtgestalt am politischen Himmel der (militärischen) Führungsnation, keine Ausnahme – von unseren europäischen Narren und Simpeln auf dem politischen „Olymp“ ganz zu schweigen.

In ihrer Not und Hilflosigkeit sammeln nun Banken Tages- und Festgelder – mit Zinsversprechen, die sie auf den Kapitalmärkten überhaupt nicht in der Lage sind, zu erzielen. Sie tun dies in der Hoffnung, damit die eigenen Unternehmenszahlen zu schönen, um sich im internationalen Kampf ums Überleben zu stärken.
Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller fallen darauf aber in einer Mischung aus Gier und Dummheit prompt herein; alternativ decken sie sich mit Staatsanleihen und Schuldverschreibungen ein, die gerade noch mit 2,5 bis 3,5 % (je nach Laufzeit) „rentieren“; subtrahiert man hiervon nämlich Steuern und die (ohnehin geschönten) Inflationsraten, erweisen sich diese vermeintlich sicheren „Häfen“ als reines Verlustgeschäft.

Wir sind – so unangenehm, weil endgültig, dies klingen mag – an einem Wendepunkt der Geschichte angelangt, und alle Versuche, den Zeitpunkt der ultimativen ’Zeitenwende’ hinauszuzögern, verschärft das aufziehende Krisenszenario nur umsomehr.

 

Welche Alternativen gibt es denn überhaupt noch?

Notwendig wäre ein völliges Umdenken. Der bislang gefeierte Fortschrittsglaube und ein hemmungsloser Konsum um jeden Preis ist endgültig zu Ende. An die Stelle des eigenen Besitzes als Maßstab eigenen Wertes muß künftig die Einsicht rücken, daß nicht nur unsere Lebenszeit sehr beschränkt (und endlich) ist, sondern daß jedes Mehr an Eigentum und Macht dann schädlich ist, wenn es zu einem Weniger für andere führt. Dies gilt (in unterschiedlichen Maßstäben) weltweit und schließt auch den Mißbrauch und die hemmungslose Ausbeutung von Rohstoffen sowie den Mißbrauch von Natur und Umwelt ein.
Ebenso wichtig wäre jedoch auch eine völlig neue Betrachtungsweise der Funktion des Geldes (egal, welcher Währung). Geld ist kein Wert für sich, und insofern entspricht dessen Ansammlung entweder zum schieren Aufbau von Sicherheit weder dem Sinn einer Währung, noch kann es als Beweis eines höheren Eigenwertes, eigener Mehrleistung – jeweils im Vergleich mit Anderen – dienlich sein.

 
     
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