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03.09.09
Kindergarten, Hort, Schule (‚Sekundär’-SG)Anders stellen sich die später folgenden SGn dar. Zumeist werden wir diesen „einverleibt“, ohne dabei ein Mitspracherecht oder eine Wahl zu haben; so groß ist ja die Auswahl schon aus lokalen Gründen nicht, und zudem fehlt uns noch jede Kompetenz und Vergleichsmöglichkeit. Wir werden von Eltern, die ihrerseits der geltenden Schulpflicht genügen, in die Schule „geschickt“ und Typ, Dauer und Abschluß unserer Karriere als Schüler(in) werden zumeist mehr fremdbestimmt, als daß wir autark darüber selbst befinden. Aus der Not eine Tugend machend, versuchen wir auch dort, SGn aufzubauen. Auch im Kindergarten, -hort und in der Schule entwickeln wir zu einigen Kindern mehr Nähe als zu anderen (die wir so gar nicht leiden können). Mit unseren „Favoriten“ aber spielen wir gerne, treffen uns auch nachmittags und an Wochenenden. Wir entwickeln im Rahmen der Sozialisierung auch unsere Fähigkeiten, Solidaritäten einzugehen – mit unterschiedlichen Wertigkeiten und Inhalten. Mit dem Einen verbindet uns dies, mit dem Anderen mehr jenes Interesse. Aber auch hier bestimmt die Freiwilligkeit unsere Bereitschaft zur Solidarität. Wir teilen das Eigene, schenken gerne (auch ohne Gegenleistung), genießen die Gemeinsamkeit und verteidigen den Schwächeren. Wir schützen also diese SG, weil sie uns wichtig, wert und teuer ist. Mitunter erwachsen daraus sogar lebenslange Freundschaften. Wer – aus Gründen, auf die hier nicht tiefer eingegangen werden soll – in dieser Phase des Lebens keinerlei Bindung eingeht und Einzelgänger bleibt, sucht sich außerhalb dieser Institutionen gleichwohl Menschen, mit denen er eine SG eingehen kann. Dies entspricht einem grundsätzlichen, natürlichen Bedürfnis des Menschen nach Gemeinschaft („Rudeltier“). Hier lauert aber ein hohes Gefahrenpotential: Kommt es nämlich aufgrund von Störungen in der Primär-SG (Familie) zu einer massiven Desintegration, einer völligen Verweigerungshaltung, wird bereits der junge Mensch schnell zum Opfer von Pseudo-Solidargemeinschaften, in denen er „Gemeinsamkeiten“, „Zuwendung“, „Aufmerksamkeit“, „Anerkennung“ und „Schutz“ erfährt, nach denen er sucht, die er im Elternhaus aber nicht ausreichend und in gesunder Form erfahren und zu genießen gelernt hat. Die Jugend-Psychologie beschreibt dieses Phänomen als „Nestflüchtling“. Er/sie wird dann leicht (und oft bereits in frühen Jahren) zum Opfer von Jugendbanden oder Sekten, gerät unter den Einfluß von Drogen und Alkohol, wird psychisch, physisch/sexuell oder intellektuell mißbraucht – immer auf der Suche nach all dem, was eine SG bieten kann und sollte. Hier wird die Pseudo-Solidarität zur Notgemeinschaft (dazu später mehr) und der vermeintliche Schutz zur gefährlichen Falle, in der viele Jugendliche ihre (noch nicht voll entwickelte) Persönlichkeit verlieren können, ohne dies wahrzunehmen. Wiewohl das eigene Empfinden, die „innere Stimme“ (‚Ethik’) Einspruch einzulegen versucht, schließt sich dieser Jugendliche einer SG an, die ihm zumindest das verspricht, worauf er ansonsten völlig verzichten müßte. In dieser Zeit der Adoleszenz gibt es – je nach zuvor entwickelten Fähigkeiten, Hobbys und Interessen – jede Menge an SGn, in die wir uns einbetten (kluge Eltern vorausgesetzt – freiwillig!): Sportvereine und Chöre, kulturelle Gemeinschaften jeder Art, Bastel- und Spielgruppen. Bei Ausflügen und Reisen lernen wir Natur und die Welt kennen und bilden immer wieder weitere SGn. Zumeist sind diese (trotz anders lautender Versprechungen und dem Austausch von Adressen) nur recht kurzlebig, aber immerhin; wir hatten tolle, gemeinsame Erlebnisse und genossen diese SGn, die wir freiwillig eingegangen sind. BerufsweltAbgesehen davon, daß erstaunlich viele Menschen „ihren“ Beruf mehr zufällig finden, als daß sie ihn ganz gezielt gesucht hätten, sind wir auch hier bestrebt, möglichst rasch SGn einzugehen; immerhin stellt unser Beruf in der Regel für Jahrzehnte das existentielle Zentrum dar. Hiermit verdienen wir unser Einkommen; hierdurch bauen wir unsere wirtschaftliche Existenz auf und positionieren uns im Umfeld der Gemeinschaft. Demzufolge suchen wir die SG mit KollegInnen, werden Mitglied einer Abteilung in einem Unternehmen oder schließen uns – als Selbständige – zu Arbeits- und Projektgemeinschaften zusammen. Viele dieser kollegialen SGn weiten sich auch ins Privatleben aus – gemeinsame Interessen und Hobbys, Urlaubsreisen u.v.m. Nicht selten münden derartige berufliche SGn sogar in Freundschaften und Liebesbeziehungen, womit sich dann der Kreis (Familie als Primär-SG) schließt. Ging es bislang um echte Solidargemeinschaften, so wollen wir uns nun mit zwei weiteren Formen von SGn beschäftigen, die man als ‚Notgemeinschaften’ oder ‚Zwangssolidaritäten’ bezeichnen möchte. NotgemeinschaftenDerartige Notgemeinschaften sind wir mitunter gezwungen, einzugehen. Es muß ja nicht gleich ein Schiffsuntergang oder ein Flugzeugabsturz sein. Wo und wann immer wir in gefährliche Situationen oder Notlagen kommen, bilden wir Solidargemeinschaften, um gemeinsam schneller und effektiver ein Problem zu lösen, mit dem wir uns konfrontiert sehen. Dabei schrauben wir unsere Bedürfnisse und Ansprüche – aus Einsicht, aber un-freiwillig in dem Maße zurück, wie es die Notlage eben erfordert. Derartige Notgemeinschaften treten dann an die Stelle freiwilliger Solidaritäten und werden – mitunter sehr intensiv gelebt – solange aufrechterhalten, bis die Gefahr gebannt, das Problem erledigt ist. Je länger eine derartige Notsituation andauert und je intensiver sie sich gestaltet, desto nachhaltiger wird aber das eigene ‚DenkFühl’-Muster, der emotionale und intellektuelle Katalog, in Frage gestellt und umsortiert. In extremster Form kann es dann sogar zu einer völligen Umkehr der eigenen Gefühlswelt und bisheriger Überzeugungen kommen; aus der Not geboren ‚solidarisieren’ wir uns dann sogar aus schierem Überlebenstrieb mit Entführern und Geißelnehmern („Stockholm“-Syndrom), geben unsere natürlichen Empfindungen preis, fügen uns in das (scheinbar) Unvermeidliche – wir resignieren (dazu später mehr). |
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| Bauen wir eine PERSPEKTIVE auf mutig, engagiert, kraftvoll |
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