Perspektive  
15.12.09

Von: Christian Grune


Eltern engagieren sich für eine bessere Schule

Wie Bürgerengagement im brandenburgischen Woltersdorf auf eine harte Probe gestellt wurde.

Die Freie Schule Woltersdorf beging in diesem Jahr ein kleines Jubiläum und erlebte einen großen Erfolg in der Abwehr staatlicher Willkür. Trotz heftiger Widerstände seitens der staatlichen Schulverwaltung konnte die von Eltern gegründete und betriebene freie Grundschule ihr zweites Schuljahr im September 2009 beginnen. Vorausgegangen war diesem Erfolg bürgerschaftlichen Engagements eine nervenaufreibende Auseinandersetzung mit dem staatlichen Schulamt und dem Brandenburger Bildungsministerium im vergangenen Sommer. Das Bildungsministerium kündigte den Eltern im Juni 2009, drei Wochen vor Ferienbeginn (!), die Schließung der erst Ende Juli 2008 genehmigten Grundschule an. Sie wurden aufgefordert, ihre Kinder an der staatlichen Schule anzumelden. Die gesamte Argumentation der Schulverwaltung basierte auf drei haltlosen und nicht gerichtsfesten Vorwürfen:
  • Die Freie Schule Woltersdorf habe den Unterricht nicht durch genehmigte Fachkräfte abgedeckt, habe keine ordnungsgemäße Schulleitung und trotz mehrfacher Aufforderungen keine qualifizierte Besetzung vorgenommen.
  • Die Freie Schule Woltersdorf habe mehrfach nicht auf Aufforderungen zur Behebung von Mängeln mit angemessener Fristsetzung reagiert.
  • Der Leistungsstand der Kinder sei nicht mit dem Leistungsstand von Schülern an staatlichen Schulen vergleichbar. Dadurch entstehe beim Besuch der Freien Schule Woltersdorf eine Gefährdung des Rechts auf Bildung der Kinder.
Im Verlaufe einer von Mitgliedern des Trägervereins sehr engagiert betriebenen und von vielen Freunden und Förderern unterstützten Verteidigung konnten diese Vorwürfe widerlegt und die Schulschließung erfolgreich abgewehrt werden:
  • Der Unterricht war jederzeit durch Fachkräfte abgesichert, dafür lagen Unterrichtsgenehmigungen der staatlichen Schulaufsicht vor, auch wenn diese befristet waren. Wir hatten die notwendig gewordene Neubesetzung der Schulleitung für das Schuljahr 2009/10 korrekt und fristgemäß angezeigt. Zugleich wurde eine kommissarische Besetzung für eine Übergangszeit von sechs Monaten angezeigt und der Schulaufsicht die Gründe für die kommissarische Besetzung erläutert. Ein hier möglicherweise zu beanstandender Mangel wurde uns gegenüber nicht kommuniziert, somit konnte er auch nicht behoben werden.
  • Wir wurden auch zu keinem Zeitpunkt von Seiten der Schulaufsicht zur ‚Behebung von Mängeln’ (mit angemessener Fristsetzung) aufgefordert. Bezeichnenderweise befindet sich auch in den Akten des Ministeriums kein einziges Dokument, das eine derartige konkrete Aufforderung belegen könnte. Es wurde vom Ministerium sogar ein genereller Verzicht auf eine Fristsetzung erwogen – um die Schule schneller schließen zu können.
  • Die Beurteilung des Leistungsstands der Kinder beruht auf einer Einschätzung der zuständigen Schulrätin während eines Schulbesuchs, in der diese ca. zwei Stunden anwesend war. Die Schulrätin hat den Morgenkreis sowie die erste Arbeitsphase erlebt, dabei aber weder mit anwesenden Pädagogen oder Schülern gesprochen, sondern lediglich am Rande beobachtet. Es stellt somit eine enorme Leistung der Schulrätin dar, in dieser kurzen Zeit und ohne jede Kommunikation Feststellungen von solcher Tragweite zu treffen. Überdies fanden überhaupt keine Evaluationen seitens des Schulamtes statt.
 
     
  Bauen wir eine PERSPEKTIVE auf
mutig, engagiert, kraftvoll