Als in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts im von Pest, Cholera und Diphterie verseuchten Berlin, mit fast einer Million Einwohnern bereits eine der größten
Städte Europas, erste Pläne für eine Kanalisation erörtert wurden, schrie
die Schar derer, die bislang am Fäkalienhandel und -transport bestens verdient
hatten, lauthals auf – mit Argumenten, die an Widersinnigkeit nicht zu übertreffen
waren. Es waren intelligente, engagierte Bürger, mutige Wissenschaftler und
noch nicht korrumpierte Politiker, die sich den Lobbyisten und gestrigen Enthusiasten
in den Weg stellten und in nur wenigen Jahren Berlin zu einer der saubersten
und gesündesten Städte der Welt machten.

www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0611/magazin/0004/index.html.

Nun, knapp 140 Jahre später, bräuchten wir genau dies wieder -intelligente
engagierte Bürger, noch nicht korrumpierte Politiker und mutige Wissenschaftler,
die der politisch nihilistischen Restbevölkerung Wege in die Zukunft aufzeigen,
um den finanz-, steuer-, wirtschafts- und sozialpolitisch bis zur Deichsel
im Dreck steckenden Karren aus demselben zu ziehen. Doch daran gebricht’s
völlig: eine meinungslose, nur noch hilflos nach Mehrheiten schielende Staatsratsvorsitzende, die sich aller, ihre gebrechliche Autorität mutmaßlich gefährdenden Mitstreiter entledigt hat und einen zur Lachnummer verkümmerten Koalitionspartner
mit sich schleift ein keifendes Oppositiönchen, das nur noch die dritte Geige
im “Hohen Haus” spielen darf und froh ist, gerade nicht in der Regierung zu
sitzen ein amorphes Sammelsurium größenwahnsinniger Neu-Volksparteiler, die
politische Wut- und Protestwähler aller Couleur als Befürworter eigener Ziellosigkeit
verkennt und ein seniler Freundeskreis vorvorgestriger Linksfaschisten irren
orientierungslos im Nebel dessen umher, was uns (inter)national an Problemen
um die Ohren fliegt. Fach- und Sachkunde – Fehlanzeige. Ein gelernter Arzt
wird aus wahltaktischen Gründen flugs zum Wirtschaftsminister gekürt, während
ein Bankkaufmann aus gleichem Grunde den obersten Medizinmann der Nation spielen
darf. Das misanthropische Merkel läßt sich stolz von Oh Bama den “Freiheits”orden
ums bullige Genick wickeln und spielt die ‘entschlossene Europäerin‘, die
geläuterte Atomgegnerin‘, ohne daß irgendein Medium dieser Närrin ins Wort
fällt wie vor knapp 22 Jahren hat unser aller Ängschi mal wieder instinktsicher
die Seiten gewechselt. Gäb’s dafür einen Nobelpreis, sie hätte ihn wahrlich
verdient.

In den Maghrebstaaten, dem Vorderen Orient und Teilen der Subsahara brennt
die Welt, sämtliche Kohl’schen Lügenmärchen zum Thema EURO(päische Union)
sind zwischenzeitlich entlarvt, ein Drittel aller weltweiten Staaten weist
eine Jugendarbeitslosigkeit von 20 bis 60% auf, während ein weiteres Drittelunter
seinen Sozialsystemen kollabiert weltweit werden mehr Summen zur Rettung der
Finanzsysteme, i. e. Banken und Hypothekenfinanzierer, aufgewendet, als das
Weltbruttosozialprodukt ausmacht – das Hochmittelalter läßt grüßen, in dem
Bankendynastien trefflich kassierten, indem sie König- und Kaiserreiche vor
dem Kollaps retteten, Kriege und Kreuzzüge finanzierten und dem Klerus das
Überleben sicherten.

Und welche Rollen spielen in dieser Gemengelage eigentlich die Wissenschaftler
als ‘Hüter der Wahrheit’ und die Medien als Reporteure und omnipräsente Meinungsbildner? Nun, erstere sind zum größten Teil öffentlich-(un)rechtlich versorgt und damit mehr dem parteipolitischen Dienstherrn ergeben als derWahrheit zugeneigt,
letztere bangen um Einschaltquoten und Auflagen, sie sind zu sensationsgeilen
Unterhaltungsclowns verkommen.
[Der verschwindend geringen Restmenge in Parteien, Medien und
Wissenschaft, die sich diesen Schuh zu recht nicht anziehen muß, gebührt (m)ein
Kotau wirklich zu sagen haben sie jedoch faktisch nichts.]

Und die Masse der BürgerInnen? Nun, die wartet, ängstlich gedrängt unter der
jeweils nächstgelegenen Markise, auf besseres “Wetter”, genauer: auf die richtige,
einzig wahre Lösung – die es natürlich nicht gibt. Das zeigt sich exemplarisch
bei der Frage, wie “das Griechenland-Problem” denn nun zu lösen sei. Um sich
eine Meinung zu bilden, müßte man sich wirklich tiefschürfend mit den Zusammenhängen
auseinandersetzen. Dazu haben Lieschen und Hänschen weder Zeit noch Lust.
Bleibt also nur, den Politikern bei ihren sprachlichen Entblödungen zuzuhören
oder, besser noch, wegzuhören und die Fernsehzeitung nach Unterhaltsamerem
durchzublättern. Notfalls meckert man an Stammtischen und beim opulenten Kaffeekränzchen.

Dabei dämmert es immer mehr BürgerInnen, daß nach Griechenland, Spanien,
Portugal, Irland und Italien als nächstes ein halbes Dutzend Ost- und
Nordosteuropäer an die Pforten der EZB, des IWF und der Weltbank klopfen
werden. Als nächste Kandidaten lassen dann wohl Belgien – das
ansonsten seit fast einem Jahr eine herrlich regierungslose Zeit erlebt -,
einige frankophone (ehemalige) Kolonien in der Karibik und Afrikas,
letztendlich auch Frankreich selbst als Bettler vor den Pforten der (noch!)
sattelfesten EU-Länder – deren Anzahl ist mit Finnland, Holland, Österreich und
Deutschland recht übersichtlich geworden – herzlich grüßen. Dabei war die Zahl
derer, die bereits zu Zeiten ‘Helmuts des Fürchterlichen’, Mitte der 90er Jahre
vor dem von Größenwahn geprägten Lügengespinst warnten, gar nicht so klein (wir
zählen uns als DBSFS in aller Demut auch dazu), nur wurde sie vom Chor der
EU-Bekifften niedergebrüllt, und Lieschen und Hänschen …. (s.o.).

Nun haben wir den sprichwörtlichen “Salat”, und während sich die Parteistrategen,
eskortiert von Wissenschaftlern und Medien in sinnlosem Gezänk zerfleischen,
geht immer mehr die klare Einsicht verloren, daß es den Königsweg, eine alle
Wunden heilende Lösung längst nicht mehr gibt dafür ist der “Karren” EU” (nebst
EURO) längst viel zu tief imSchlamm hirnloser politischer Dummheit festgefahren.
Ob sich die Griechen lieber für ein ‘Ende mit Schrecken‘ als einen ‘Schrecken
ohne Ende‘ entscheiden, oder Brüssel sie mit “sanfter Gewalt” zum Ausstieg
zwingt, indem es ihnen die Konten sperrt und weitere Kredite ablehnt, oder
einige (noch zahlungsfähige) Länder eigene Interessen schützend die EU/den
längst todkranken Währungsverbund verlassen – die Frage ist letztlich nur,
welche Lösung die erfolgversprechendere und finanziell wie auch sozialpolitisch
heilsamere ist. Ohne Schmerzen hingegen ist diese Operation am offenen Herzen
nicht mehr zu bewältigen. Wer dies von ‘den Politikern’ erhofft oder erwartet,
glaubt auch noch an Weihnachtsmänner, Osterhasen, Klapperstörche oder Götter
unterschiedlicher Bauart.

Hans-Wolff Graf