Nun ist exakt das eingetreten, wovor wir (und die meisten unabhängigen Ökonomen) seit langem gewarnt haben: Unter dem Vorwand, die schwächeren (südeurop.) Länder unterstützen und vor einem weiteren Verfall ihrer Wirtschaften zu schützen, entschloß sich die EZB dazu, ein Anleihen-Kaufprogramm von März 2015 bis (vorläufig) September 2016 von monatlich 60 Milliarden € aufzulegen. Daß Japan damit (bereits zum dritten Mal!) keinen Schritt weiterkam, die schleichende Deflation in den Griff zu bekommen, kümmert Draghi & Co nicht im mindesten.
Der EURO ging prompt ebenso auf Talfahrt, wie die europäischen Aktienmärkte nach oben schossen, was insoweit zwar verständlich, aber ökonomisch geradezu pervers ist, als sich durch eine Aufblähung der monetären Basis einer Ökonomie weder seine Quantität, noch seine Qualität verbessert, und noch weniger seine Produktabilität und Wettbewerbsfähigkeit.
100-Euro-Frage: Welches Motiv sollen Italien, Griechenland und Frankreich jetzt noch haben, ihren Staatshaushalt in Ordnung zu bringen und die völlig überbordende Beamtenschar nachhaltig abzubauen?
Man erinnere sich an die 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts – wenn die Währung allzu desaströs wird, streicht man einfach drei Nullen! Während sich die Bundesbank dieser südeuropäischen Finanz“philosophie“ – dazumal noch autark – entziehen konnte, sitzen wir nun in einem Boot mit Volkswirtschaften, die finanz- und währungspolitisch gänzlich anders „ticken“.
Und um die Schweiz, die gerade noch rechtzeitig die Reißleine gezogen hat, müssen wir uns ebenso wenig sorgen, wie um Schweden oder Norwegen. Denen geht es, autark wie sie sind, prächtig.
Die Verlierer dieses Husarenritts werden Rentenwerte, Lebensversicherungen und Pensionskassen sowie die Versorgungskassen der Freiberufler (und damit Rentner und Sparer) sein – auf lange Sicht!

H.-W. Graf

Lesen Sie hierzu:

Deutsche Wirtschaftnachrichten | Veröffentlicht: 21.01.15
Endspiel in der EZB: Die Staatskrise Deutschlands als Revolution von oben
www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/21/endspiel-in-der-ezb-die-staatskrise-deutschlands-als-revolution-von-oben/

Rottmeyer.de | Veröffentlicht: 22.01.15
1.140.000.000.000 Euro. Fürs Erste.
www.rottmeyer.de/1-140-000-000-000-euro-fuers-erste