Der kleine Bub zum Vater spricht: “Wann hast Du Zeit für mich?
Ich möchte spielen, raufen, laufen und dazu brauch’ ich Dich!
Laß doch die Arbeit Arbeit sein, die ist doch nicht so wichtig.
Schenk mir die Zeit und spiel mit mir, erst dann nutzt Du sie richtig.”
Die Welt, das Geld – was kümmert ihn die Politik, der Staat,
Afghanistan und der Iran, solang er Papi hat.

Der Sohn zu seinem Vater spricht: “Was ist das – Politik?
Warum schießt der denn gegen den – was ist denn ein Konflikt?
Warum sind Schwarze nicht viel wert und Juden eine Plage?
Warum ist dort ein Bürgerkrieg und was heißt Ost-West-Frage?
Warum ist in der dritten Welt denn ständig Hungersnot?
Warum wirft man denn tonnenweise Obst und Kartoffeln fort?
Warum muß der, der spart, bezahlen? Was sind denn schwarz’ und rote Zahlen?
Was sind denn Grüne, Schwarze, Rote? Warum gibt’s dort so viele Tote?
Was ist denn besser: Moslem – Christ? Warum frißt uns der Kommunist?
Du nanntest dies ein Krisenjahr. Ist Tag nicht Tag und Jahr nicht Jahr?”
Zu Weihnachten und im Advent schmilzt Fröhlichkeit die Herzen:
“Papi – hat jetzt auf dieser Welt kein Mensch mehr Leid und Schmerzen?”

Der Mann zu seinem Vater spricht: “Wie konnte das geschehen?
Hast Du und Deine Generation das Unheil nicht gesehen?
Schau in den Fluß, schau in die Welt – nur Dreck und Schmutz und Krieg,
Angst, Not und Hunger, Korruption, Intrige, welch ein Sieg
des eitlen Homo sapiens – der ganzen Erde Segen –
wie sollen wir auf diesem Schrott, den ihr gesät, noch leben?”

Der Mann ergründet seine Zeit, lebt, zahlt und strebt nach mehr,
nach vielen Jahren kehrt er heim, den Kopf von Träumen leer.

Der Greis am Grab zum Vater spricht: “Heut’ kann ich Dich verstehen.
Als Bub und Sohn hab’ ich den Wald vor Bäumen nicht gesehen.
Du warst ein Mensch – ich bin es auch – wir alle sind dies nur,
nicht mehr, doch auch nicht weniger – ein Rädchen der Natur.
Wir sind die Zwerge, deren Macht viel größer als ihr Geist.
Dies wissen, heißt zu ahnen nur, was Weisheit wirklich heißt.”

Wie lange wird es dauern, bis es Menschen gibt, die leben.
Und nicht sich selbst in Zwänge legen, um g’rad’ zu über-leben.

Hans-Wolff Graf

für Christian-Wolff
zum 1. Geburtstag, 1982