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17. Februar 2006

Die iranische Ölbörse – Der Todesstoß für den US-Dollar?

17. Februar 2006|Wirtschaftspolitik, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Die iranische Ölbörse – Der Todesstoß für den US-Dollar?

Für Krassimir Petrov haben die aktuellen außenpolitischen Spannungen mit dem Iran einen handfesten ökonomischen Hintergrund. Die geplante iranische Ölbörse könnte den unausweichlichen Kollaps des Dollars auslösen und hat damit das Potential, der Sargnagel für das amerikanische Imperium zu werden. Der Autor erwartet weiters, daß die FED unter ihrem neuen Vorsitzenden Ben Bernanke die drohende Finanzkrise mit der Notenpresse bekämpfen werde. Nach einer hyperinflationären Phase sieht er Gold als neue, alte Weltwährungsreserve.

I. Ökonomie der Imperien

Während ein Nationalstaat seine eigenen Bürger besteuert, kann ein Imperium andere Nationalstaaten besteuern. Die Geschichte der Imperien, von den Griechen und den Römern bis zu den Osmanen und den Briten lehrt uns, daß das wirtschaftliche Fundament jedes einzelnen Imperiums die Besteuerung anderer Staaten ist. Der Fähigkeit andere Staaten zu besteuern, lag immer die größere Wirtschaftskraft des Imperiums zugrunde, und in dessen Folge, die größere Militärkraft. Ein Teil der vom unterworfenen Staat eingetriebenen Steuern diente der Erhöhung des Lebensstandards des Imperiums, während der andere Teil in die Stärkung des Militärs floß, um die Steuereintreibung durchzusetzen.

Historisch gesehen erfolgte die Besteuerung des unterworfenen Staates in verschiedenen Formen. Normalerweise wurde dort Gold und Silber verlangt, wo Gold und Silber als Geld fungierten, aber auch Sklaven, Soldaten, Getreide, Rinder oder andere landwirtschaftliche Güter oder Rohstoffe, bzw. was für Güter auch immer das Imperium verlangte und der unterworfene Staat liefern konnte, wurden als Steuer eingehoben. Historisch gesehen war die Besteuerung durch ein Imperium immer direkt: Der unterworfene Staat lieferte die Güter dem Imperium direkt ab.

Zum ersten Mal in der Geschichte konnte Amerika im 20. Jahrhundert die Welt indirekt durch Inflation besteuern. Es brauchte keinen Anspruch auf direkte Zahlungen erheben, wie es alle Vorgänger-Imperien zu tun pflegten, sondern die USA verteilen stattdessen ihr eigenes Papiergeld, den US-Dollar, an andere Länder und erhalten dafür reale Güter. Das alles geschieht mit der Absicht, den US-Dollar durch Inflationierung abzuwerten und damit jeden Dollar später mit weniger Gütern zurückzuzahlen – die Differenz entspricht der US-amerikanischen imperialen Steuer. Und so spielte sich der Prozeß ab:

Im frühen 20. Jahrhundert begann die amerikanische Wirtschaft die Weltwirtschaft zu dominieren. Der US-Dollar war an Gold gebunden, d.h. weder erhöhte noch reduzierte sich der Wert eines Dollars, sondern er entsprach fortwährend der gleichen Menge an Gold. Die Weltwirtschaftskrise mit der in den Jahren 1921 bis 1929 vorausgehenden Inflation (d.h. Ausweitung der Geldmenge; Anm. d. Ü.) und den nachfolgenden explodierenden Budgetdefiziten, erhöhte die im Umlauf befindlichen Banknoten signifikant, was die Deckung des Dollars mit Gold unmöglich machte. Folglich entkoppelte Roosevelt (US-Präsident Franklin D. Roosevelt, Anm. d. Ü.) 1932 den Dollar vom Gold. Bis zu diesem Punkt mögen die USA wohl die Weltwirtschaft dominiert haben, aus einer ökonomischen Perspektive waren die USA jedoch kein Imperium. Die Bindung an das Gold erlaubte es den Amerikanern nicht, sich auf Kosten anderer Länder zu bereichern.

Seine ökonomische Geburtsstunde erlebte das amerikanische Imperium mit dem Bretton-Woods-Abkommen im Jahre 1945. Der US-Dollar war nicht mehr voll in Gold konvertierbar, sondern nur noch für ausländische Regierungen. Das begründete den Status des Dollars als Weltwährungsreserve. Dies war möglich, weil die Vereinigten Staaten während des 2. Weltkrieges gegenüber ihren Verbündeten darauf bestanden, daß Güterlieferungen mit Gold bezahlt werden mußten, wodurch die USA einen Großteil des weltweit verfügbaren Goldes akkumulieren konnten. Die Ausbildung eines Imperiums wäre niemals möglich gewesen, wenn, wie im Bretton-Woods-Abkommen festgeschrieben, die Geldmenge des Dollars derart begrenzt geblieben wäre, daß eine Rückwechslung des Dollars in Gold möglich geblieben wäre. Allerdings entsprach die „Butter- und Kanonen“–Politik der 1960er Jahre bereits einer imperialen Politik: Die Geldmenge des Dollars wurde schonungslos erweitert, um den Vietnamkrieg und Lyndon B. Johnsons (US-Präsident von 1963 – 1968; Anm. d. Ü.)„Great Society“ zu finanzieren. Der Großteil der Dollars floß im Austausch für Güter ins Ausland, ohne daß die USA jemals ein ehrliches Interesse gehabt hätten, die US-Dollar zum selben Wert zurückzukaufen. Die ständigen Handelsbilanzdefizite führten zu einem Anstieg der Beteiligungen in US-Dollar von Ausländern und das ist gleichbedeutend mit einer Steuer – die klassische Inflationssteuer, die ein Land seinen eigenen Bürgern auferlegt, hoben dieses Mal die Vereinigten Staaten vom Rest der Welt ein.

Als die Ausländer 1970 – 1971 ihre Dollarbestände in Gold wechseln wollten, bezahlte die amerikanische Regierung per 15. August 1971 ihre Schulden nicht mehr. Während die vox populi die Geschichte von der „Trennung der Verbindung von Dollar und Gold“ erzählt, ist die Weigerung der amerikanischen Regierung, Dollar in Gold einzulösen, in der Realität eine Form des Bankrotts. Im Wesentlichen erhoben sich damit die USA zum Imperium. Die USA konsumierten eine Unmenge an ausländischen Gütern, ohne jemals die Absicht oder die Fähigkeit zu haben, diese Güter eines Tages zurückzuzahlen, und die Welt hatte nicht die Macht, ihre Ansprüche durchzusetzen – die Welt wurde besteuert und konnte nichts dagegen tun.

Um das amerikanische Imperium aufrecht zu erhalten und um den Rest der Welt weiter zu besteuern, mußten die Vereinigten Staaten seither die Welt dazu zwingen, den beständig an Wert verlierenden Dollar im Austausch für Güter zu akzeptieren und immer größere Mengen des beständig an Wert verlierenden Dollar zu halten. Die USA mußten eine ökonomische Begründung finden, warum die Welt Dollar halten sollte und diese Begründung war das Rohöl.

1971 wurde immer offensichtlicher, daß die amerikanische Regierung nicht mehr imstande war, ihre Dollar mit Gold zurückzukaufen, und so traf sie 1972/73 mit Saudia Arabien die unumstößliche Vereinbarung, daß die USA das Königshaus Saud fortan unterstützen würden, wenn dieses als Gegenleistung nur noch US-Dollar für ihr Rohöl akzeptiert. Die restlichen Mitglieder der OPEC taten es Saudi Arabien gleich und akzeptierten ebenfalls nur noch Dollar. Weil die Welt von den Arabischen Ländern Öl kaufen mußte, bestand ein Grund, Dollar für die Bezahlung des Öls zu halten. Weil die Welt immer größere Mengen an Öl benötigte, konnte die Nachfrage nach Dollar nur steigen. Auch wenn Dollars nicht mehr länger in Gold gewechselt werden konnten, waren sie nun gegen Öl wechselbar.

Die ökonomische Quintessenz dieser Vereinbarung war, daß der Dollar nun von Öl gedeckt wurde. Solange dies der Fall war, mußte die Welt Unmengen an Dollar akkumulieren, weil sie diese für den Einkauf von Öl benötigten. Solange der Dollar die einzig akzeptierte Währung im Ölgeschäft war, war die Dominanz des Dollars in der Welt gesichert und das amerikanische Imperium konnte den Rest der Welt besteuern. Falls, aus welchem Grund auch immer, der Dollar seine Öldeckung verlöre, würde das amerikanische Imperium untergehen. Der Überlebensdrang des Imperiums diktiert daher, daß Öl nur für Dollar verkauft werden darf. Er diktiert auch, daß die verschiedenen Länder mit Ölreserven nicht stark genug sein dürfen – politisch oder militärisch – um für die Bezahlung des Öls etwas anderes als Dollar zu verlangen. Falls jemand ein anderes Zahlungsmittel verlangte, mußte er entweder mit politischem Druck oder militärischen Mitteln überzeugt werden, seine Meinung zu ändern.

Der Mann, der tatsächlich Euro für sein Öl verlangte, war Saddam Hussein im Jahr 2000. Zunächst wurde seiner Forderung mit Spott und Hohn begegnet, später mit Gleichgültigkeit, aber als klarer wurde, daß er es ernst meinte, wurde politischer Druck ausgeübt, damit er seine Meinung ändert. Als andere Länder, wie der Iran, die Bezahlung in anderen Währungen, insbesondere in Euro und Yen, verlangten, war die Gefahr für den Dollar offensichtlich und gegenwärtig und eine Strafaktion stand an. (George W.) Bushs Operation „Schock und Ehrfurcht“ (shock and awe) im Irak drehte sich nicht um Saddams nukleares Potential, nicht um die Verteidigung der Menschenrechte, nicht um die Verbreitung der Demokratie und auch nicht darum, die Ölfelder zu erobern; es ging allein darum, den Dollar zu verteidigen, sprich das amerikanische Imperium. Es sollte ein mahnendes Exempel statuiert werden, daß jeder, der andere Währungen als den US-Dollar akzeptieren wollte, auf dieselbe Art bestraft würde.

Viele kritisierten Bush für seinen Angriff auf den Irak, weil sie glaubten, daß es Bush um die Eroberung der irakischen Ölfelder ging. Allerdings können diese Kritiker nicht erklären, warum Bush es überhaupt nötig hätte, diese Ölfelder zu erobern – er könnte ja einfach kostenfrei Dollar drucken und mit diesen soviel Öl kaufen, wie er benötigte. Er mußte daher andere Gründe für seine Invasion gehabt haben.

Die Geschichte lehrt uns, daß ein Imperium aus zwei Gründen in den Krieg zieht:

1. um sich zu verteidigen oder 2. um vom Krieg zu profitieren; falls nicht, wie Paul Kennedy in seinem richtungweisenden Werk „The Rise and Fall of the Great Powers“ ausführt, die militärische Überdehnung die ökonomischen Mittel erschöpft und den Kollaps des Imperiums herbeiführt. Ökonomisch betrachtet muß der Nutzen eines Krieges dessen militärische und soziale Kosten übersteigen, damit ein Imperium einen Krieg vom Zaun bricht. Der Gewinn aus den irakischen Ölfeldern ist kaum die Kosten über viele Jahre hinweg wert. Nein, Bush mußte den Irak angreifen, um sein Imperium zu verteidigen. Genau das ist in der Tat der Fall: Zwei Monate nachdem die Vereinigten Staaten in den Irak einmarschierten, wurde das „Oil-for-Food“-Programm beendet, die auf Euro lautenden irakischen Konten in Dollar-Konten rückgewandelt und das Öl wurde wieder nur für US-Dollar verkauft. Die Welt konnte nun nicht mehr irakisches Öl mit Euro erwerben. Die globale Vormachtstellung des Dollars war wiederhergestellt. Siegreich stieg Bush aus einem Kampfflugzeug aus und erklärte die Mission für vollendet – er hatte den US-Dollar erfolgreich verteidigt und damit das amerikanische Imperium.

II. Die iranische Ölbörse

Die iranische Regierung hat schlußendlich die ultimative “nukleare” Waffe entwickelt, die über Nacht das Finanzsystem zerstören kann, auf dem das amerikanische Imperium aufgebaut ist. Diese Waffe ist die iranische Ölbörse, die laut Plan im März 2006 starten soll. Die Börse wird auf einem Euro-Öl-Handelssystem basieren, was natürlich die Bezahlung in Euro impliziert. Dies stellt eine viel größere Bedrohung für die Hegemonie des Dollars dar als seinerzeit Saddam, weil es jedermann ermöglicht, Öl für Euro zu kaufen und zu verkaufen und damit den US-Dollar völlig zu umgehen. Es ist wahrscheinlich, daß fast jeder das Euro-Öl-System übernehmen wird:

  • Die Europäer bräuchten keine Dollar mehr zu kaufen und zu halten, um Öl zu kaufen, sondern würden stattdessen mit ihrer eigenen Währung bezahlen. Die Einführung des Euro für Öltransaktionen ließe die europäische Währung den Status einer Reservewährung einnehmen, was den Europäern auf Kosten der Amerikaner zum Vorteil gereichen wird.
  • Die Chinesen und Japaner werden mit besonderem Eifer die neue Börse annehmen, weil es ihnen erlaubt, ihre enormen Dollarreserven drastisch zu reduzieren und mit Euro zu diversifizieren, womit sie sich gegen die Abwertung des Dollars schützen können. Einen Teil ihrer Dollar werden sie auch in Zukunft halten wollen; einen zweiten Teil ihrer Dollarreserven werden sie vielleicht sofort auf den Markt werfen; einen dritten Teil werden sie für spätere Zahlungen verwenden, ohne diese Dollarbestände je wieder aufzufüllen, denn sie werden dafür ihre Eurobestände erhöhen.
  • Die Russen haben ein inhärentes ökonomisches Interesse an der Einführung des Euro – der Großteil ihres Handels läuft mit europäischen Ländern, mit ölexportierenden Ländern, mit China und mit Japan. Die Einführung des Euro würde mit sofortiger Wirkung den Handel mit den ersten beiden Blöcke abdecken und im Laufe der Zeit den Handel mit China und Japan erleichtern. Darüber hinaus verabscheuen die Russen offensichtlich das weitere Halten von an Wert verlierenden Dollar, weil sie seit kurzem wieder auf Gold setzen. Die Russen haben außerdem wieder ihren Nationalismus belebt, und falls die Übernahme des Euros die Amerikaner in ernste Nöte bringt, werden sie ihn mit Freude übernehmen und selbstgefällig den Amerikanern beim „Sterben“ zuschauen.
  • Die arabischen erdölexportierenden Länder werden den Euro begierig übernehmen, um auf diese Weise den Anteil ihrer steigenden Menge an an Wert verlierenden Dollar zu senken. Wie die Russen handeln sie vornehmlich mit europäischen Ländern, weswegen sie die europäische Währung sowohl wegen ihrer Stabilität als auch als Schutz gegen Währungsrisiken präferieren – ganz zu schweigen von ihrem Jihad gegen den ungläubigen Feind.
  • Nur die Briten befinden sich in der Zwickmühle. Sie haben bereits seit Ewigkeiten eine strategische Partnerschaft mit den USA, aber sie verspüren auch eine natürliche Anziehungskraft zu Europa. Bislang hatten sie viele Gründe, sich an die Seite des Siegers zu stellen. Wenn sie allerdings ihren alten Verbündeten fallen sehen, werden sie dann standhaft hinter ihm stehen oder ihm den Gnadenstoß versetzen? Wir sollten nicht vergessen, daß im Augenblick die beiden führenden Ölbörsen die New Yorker NYMEX und die in London ansässige „International Petroleum Exchange“ (IPE) sind, auch wenn beide de facto im Besitz der Amerikaner sind. Es ist wahrscheinlicher, daß die Briten mit dem sinkenden Schiff untergehen werden, denn andernfalls würden sie ihrem nationalen Interesse an der Londoner IPE zuwiderhandeln und sich ins eigene Knie schießen. Es darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, daß das gesamte Gerede über die Gründe für die Beibehaltung des Britischen Pfund die wahre Ursache verkennt; es ist sehr wahrscheinlich, daß die Briten dem Euro nicht beitraten, weil die Amerikaner sie zu diesem Verzicht drängten: Ansonsten hätte die IPE den Euro übernehmen müssen, was den Dollar und Englands strategischen Partner tödlich verwundet hätte.

Unabhängig davon, wie die Briten entscheiden: Sollte die iranische Ölbörse erfolgreich starten, sind in jedem Fall die Eigeninteressen der bedeutenden Mächte – die der Europäer, Chinesen, Japaner, Russen und Araber – so gelagert, daß diese Länder den Euro auf schnellstem Wege übernehmen werden und damit das Schicksal des Dollars besiegeln. Die Amerikaner können es niemals erlauben, daß das passiert, und, falls notwendig, werden sie auf eine Vielzahl an Strategien zurückgreifen, um die Inbetriebnahme der Börse zu stoppen oder zu behindern:

  • Sabotageakte gegen die Börse – das könnte ein Computervirus sein, eine Attacke gegen ein Netzwerk, gegen die Kommunikationseinrichtungen oder gegen den Server, verschiedenartige Angriffe auf die Serversicherheit oder eine Attacke nach dem Muster von 9/11 gegen das Haupt- oder ein Nebengebäude.
  • ein Staatsstreich – die mit Abstand beste langfristige Strategie, die den Amerikanern zur Verfügung steht.
  • Verhandlungen über akzeptable Konditionen – eine andere exzellente Lösung für die Amerikaner. Gewiß ist ein Staatsstreich die bevorzugte Strategie, weil dieser die Nichtinbetriebnahme der Börse garantiert und daher die amerikanischen Interessen nicht mehr gefährdet wären. Falls jedoch ein Sabotageversuch oder ein Staatsstreich scheitern sollten, dann sind Verhandlungen eindeutig die zweitbeste verfügbare Option.
  • eine gemeinsame UN-Kriegsresolution – die wird ohne Zweifel angesichts der nationalen Interessen der anderen Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrates schwierig zu erreichen sein. Die hitzige Rhetorik über das iranische Atomwaffenprogramm dient zweifelsohne der Vorbereitung dieser Vorgehensweise.
  • Unilateraler Angriff mit Atomwaffen – das ist aus denselben Gründen, die mit der nächsten Strategie, dem unilateralen totalen Krieg verbunden sind, eine fürchterliche strategische Wahl. Die Amerikaner werden für ihren schmutzigen nuklearen Job wahrscheinlich auf Israel zurückgreifen.
  • Unilateraler Totaler Krieg – das ist offensichtlich die schlechteste strategische Wahl. Erstens, weil die amerikanischen Streitkräfte von zwei Kriegen bereits erschöpft sind. Zweitens, weil sich die Amerikaner damit den anderen mächtigen Nationen weiter entfremden. Drittens, weil Länder mit bedeutenden Dollarreserven entscheiden könnten, still und leise Vergeltung zu üben, indem sie ihre eigenen Berge an Dollars auf den Markt werfen, um auf diese Weise die USA von der weiteren Finanzierung ihrer militärischen Ambitionen abzuhalten. Und schließlich hat der Iran strategische Allianzen mit anderen mächtigen Staaten, die bei einem Angriff auf Seiten des Irans in den Krieg eintreten könnten; angeblich hat der Iran solche Allianzen mit China, Indien und Rußland, besser bekannt als die „Shanghai Cooperative Group“, auch bekannt als „Shanghai Coop“ und einen separaten Pakt mit Syrien.

Welche strategische Option auch immer gewählt wird, von einem rein ökonomischen Standpunkt aus gesehen wird die iranische Ölbörse, sollte sie jemals den Betrieb aufnehmen, von den bedeutenden Wirtschaftsmächten rasch angenommen werden und dürfte so den Untergang des Dollars einläuten. Der kollabierende Dollar wird die amerikanische Inflation dramatisch anheizen und einen starken Druck auf die Erhöhung der Zinsen am langen Ende auslösen. An diesem Punkt wird sich die FED zwischen Scylla und Charybdis wiederfinden – zwischen Deflation und Hyperinflation – sie wird entweder dazu gezwungen sein, die „klassische Medizin“ – Deflation – einzunehmen, indem sie die Zinssätze erhöht und die FED wird so eine größere Wirtschaftskrise, den Kollaps des Immobilienmarktes und eine Implosion der Anleihen- und Aktienmärkte sowie des Marktes für Derivate: kurz den totalen Zusammenbruch des Finanzsystems auslösen. Alternativ kann sie den Weg der Weimarer Regierung wählen und inflationieren, indem sie die langfristigen Zinsen festschraubt, die Helikopter aufsteigen läßt und das Finanzsystem in Liquidität ertränkt, inklusive dem bailing out von zahlreichen LTCMs und der damit einhergehenden Hyperinflationierung der Wirtschaft.

Die österreichische Theorie des Geldes, des Kredits und des Konjunkturzyklus lehrt uns, daß es keine Alternative zu Scylla und Charybdis gibt. Früher oder später muß sich das Geldsystem in die eine oder andere Richtung bewegen und die FED damit zu einer Entscheidung zwingen. Ohne Zweifel wird der „Oberbefehlshaber“ Ben Bernanke, ein renommierter Kenner der „Great Depression“ und ein versierter Black Hawk-Pilot, die Inflation wählen. „Helicopter Ben“, der Rothbards „America’s Great Depression“ nicht kennt, hat trotzdem die Lehren aus der „Great Depression“ und der vernichtenden Kraft der Deflation gezogen. Der Maestro (Alan Greenspan, Anm. d. Ü.) klärte ihn über das Allheilmittel für jedes einzelne Problem des Finanzsystems auf – die Inflationierung, egal, was auch passieren mag. Er hat sogar die Japaner seine geniale und unkonventionelle Methode gelehrt, wie sie die deflationäre Liquiditätsfalle bekämpfen sollen. Wie sein Mentor träumt er vom Kampf gegen einen Kondratieff-Winter. Um eine Deflation zu vermeiden, wird er auf die Notenpresse zurückgreifen; er wird alle Hubschrauber von den 800 amerikanischen Militärbasen im Ausland zurückbeordern; und falls notwendig wird er alles, was ihm über den Weg läuft, „monetisieren“. Seine endgültige Leistung wird die Zerstörung der amerikanischen Währung durch eine Hyperinflation sein und aus ihrer Asche wird die nächste Reservewährung der Welt emporsteigen – das barbarische Relikt Gold.

Krassimir Petrov

 

Der Autor Krassimir Petrov (Krassimir_Petrov@hotmail.com) erhielt seinen Ph. D. in Volkswirtschaftslehre von der Ohio State University und unterrichtet im Augenblick Makroökonomie, International Finance und Ökonometrie an der “American University” in Bulgarien. Er strebt eine Karriere in Dubai oder den Vereinigten Arabischen Emiraten an.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich unter dem Originaltitel “The Proposed Iranian Oil Bourse” am 18. Jänner auf www.EnergyBulletin.net.

15. Dezember 2005

Die Schulden-Bergpredigt

15. Dezember 2005|Wirtschaftspolitik, zeitreport online|Kommentare deaktiviert für Die Schulden-Bergpredigt

Unsere Chaos-Politiker sind zu den Futtertrögen der Macht zurückgekehrt. Die Altlasten aus allen Vorgänger-Regierungen sind geblieben: Das gigantisch wachsende Schuldengebirge, das Fünfmillionenheer der Arbeitslosen. Diese nationale Problematik wird Sie als weitsichtiger Anleger in ihren Entscheidungen in den nächsten Jahren zu wachsamer Skepsis gemahnen.

Schuldenlast – damals wie heute ins Bild gerückt

Aus heutiger Sicht waren die Staatsschulden Peanuts, die 1968 F. J. Strauß in seiner legendären Rede so trefflich ins Bild setzte. Es ging um 35,5 Mrd. DM. In 100-DM-Scheinen ausgedrückt, so Strauß, ist das ein Papierberg von 3.500 m Höhe mit einem Gewicht von 28.000 Tonnen. Strauß war übrigens der letzte Bundesfinanzminister, der noch einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen konnte. Die Manie zum Schuldenmachen besteht bei allen Politikern. Seit den 70er Jahren gelingt es dem Bund in keinem Jahre mehr einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, egal welche Regierung gerade an der Macht ist.

Heute im globalen Papiergeldzeitalter mit den Zentralbanken als Geldzauber-Anstalten, entziehen sich die Papiergeldmonster unserer Vorstellungskraft. Um sich ein Bild von unserer jetzigen Gesamtverschuldung von 1,475 Billionen Euro zu machen – ein Zahlenkoloß mit 12 Stellen hinter dem Komma – greifen wir zur größten Geldeinheit, dem 500-Euro-Schein mit 160 x 82 mm als Baustein. Hintereinander gelegt, ergeben diese Scheine eine gedachte extraterrestrische Strecke von 472.000 km; diese reicht weit über den Mond hinaus. Selbst dieses Bild kann die Schuldenfalle, in der sich unser Staat selbst gefangen hält, nicht begreiflich machen. Sachwerte als Bezugsgröße vermögen das eher. So entsprechen der deutschen Staatsschuld als Aktiva rund 59 Mio. VW Golf im Wert von jeweils 25.000 Euro. Hintereinander gereiht, reicht diese fiktive Autoschlange gut 7mal um den Erdball.

Die Schuldentilgung: selbst über Jahrhunderte ein unlösbares Problem – im heutigen System!

Zur Historie der Pro-Kopf-Verschuldung: Im Jahre 1970 lag sie erst bei 1.292 Euro, 1990 waren es schon 7.380 Euro. Mittlerweile wird jedes Neugeborene mit einer aufgebürdeten Schuldenlast von 17.500 Euro von „Vater Staat“ begrüßt. Realistischer ist es, wenn man die Gesamtverschuldung nur auf die Anzahl der Erwerbstätigen von 38,86 Mio. bezöge. Das ergibt rund 38.000 Euro pro Kopf. Jeder Haushalt müßte im statistischen Mittel also auf ein Jahreseinkommen verzichten, um den Schuldenberg abzutragen. Die Steuereinnahmen betragen rund 460 Mrd. Euro. Die Gesamtverschuldung des Staates macht demnach 320% seiner Steuereinnahmen aus, d. h. mehr als drei Jahre müßte der Staat auf sämtliche Ausgaben verzichten, um den Schuldenberg zu beseitigen. Das ist einfach unrealistisch. Wirklichkeitsnäher wäre es, wenn der Staat aus seinen Steuereinnahmen eine jährliche Tilgungsrate von 0,5% für den Schuldenabbau verwendet. Dafür würde unser Staat sage und schreibe 650 Jahre benötigen.

Ein happiger, negativer Stundenlohn sind die Zinsen auf die Staatsschulden, die uns stündlich acht Mio. Euro abverlangen. (Zum Vergleich: Die USA zahlen stündlich 55 Millionen Zinsen. Das sind 22.000 Mercedes der Oberklasse an einem einzigen Tag.) Bleibt es auf Dauer bei dieser Belastung? Nein, denn mit schrumpfender Bevölkerung und steigender Lebenserwartung wird der Schuldenabbau völlig unmöglich. Selbst ein Jahrtausend würde zur Entschuldung nicht ausreichen. Im übrigen werden die Zinsen in Zukunft eher anziehen. Mit normalen Mitteln der Sparsamkeit läßt sich das Schuldengebirge nicht abtragen.

Wie konnte sich das Schuldengebirge so gigantisch auffalten?

Der Schuldenstand steigerte sich von 1950 bis 1970 zuerst moderat auf 2,7 Mrd. Euro Neuverschuldung pro Jahr, steiler verlief die Kurve zwischen 1971 bis 1989 mit einer Verschuldungsgeschwindigkeit von 21,6 Mrd. Euro, also um Faktor 9. Zwischen 1990 und 2004 stieg die Jahresneuverschuldung exponentiell um 61,5 Mrd. Euro (Faktor 20).

Mehr als 75% der Staatsschulden sind seit 1950 durch Geldentwertung, sprich Inflation, „finanziert“ worden. Jetzt übertrifft unsere Realverschuldung den kritischen Reichsmark-Schuldenstand von 1948 um 40%, der damals zu einer Währungsreform, zur Enteignung der Bürger geführt hatte!

Verdeckte Schulden unterhalb der Sichtgrenze

Der staatliche Schuldenberg verhält sich so wie ein Eisberg: Man lamentiert über die sichtbare Spitze des Eisbergs, ignoriert aber verdeckte Probleme, die unter der Wasserlinie harren. So wuchs das Beamtenheer Ende der 50er Jahre von 1,2 Mio. auf zuletzt 2,23 Mio. Neben den offiziell ausgewiesenen Schulden gibt es nämlich Verpflichtungen der öffentlichen Hand zur Zahlung der Ruhestandsbezüge pensionierter Beamter und die Zuzahlungen zur Rentenversicherung. Außerdem bestehen nicht ausgewiesene Verpflichtungen für Kriegsschulden, für die Wiedervereinigung und Zahlungsversprechen an internationale Organisationen. Insgesamt verbraucht der Bund zwei Drittel seines Haushalts allein für die tatsächlichen Gesamtschulden. Das führt auf eine geschätzte Horrorzahl, die zwischen 3 bis 5 Billionen Euro liegt.

Die demographische Entwicklung und die rauher werdende Soziallandschaft vereiteln den Schuldenabbau.

Wurden 1964 noch 1,357 Mio. Menschen bei uns geboren, so waren es im Jahre 2003 nur noch 700.000. Ein 60-jähriger Mann hat heute eine „Lebensrestlaufzeit“ von fast 20 Jahren, eine Frau von fast 24 Jahren. Als Folge dieser Überalterung wird Deutschland ab 2025 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,5% generieren. Für einen glücklichen Zwischenboom besteht kaum eine Chance. Die zunehmende Belastung der Erwerbstätigen sinkt selbst dann nicht, wenn die Einwanderungsquote steigt. Die meisten Zuwanderer drängen nicht auf den Arbeitsmarkt, sondern belasten unser Sozialsystem: Die Verarmung in der Bevölkerung nimmt zu. Geringeres Volkseinkommen bedeutet aber geringere Steuereinnahmen. Für Sparmaßnahmen des Staates ist damit kein Platz. Das Finanzieren der Staatsausgaben über Kredite wird auch in Zukunft weitergehen. Damit steigt der Schuldenstand immer stärker an. Das Ende naht, wenn kein Bürger mehr bereit ist, dem Staat Kredit zu gewähren. Die staatlichen Krakenarme erdrosseln die Eigenverantwortung und Eigenvorsorge der Bevölkerung, die Abhängigkeit vom Kollektiv nimmt zu. So werden sich die Lebensbedingungen der Bevölkerung, die zwischen 2010 und 2030 lebt, dramatisch ändern. Zur Schuldensenkung wird das staatliche Sozialsystem zwangsweise abgebaut, die politische Landschaft wird sich radikalisieren, revolutionäre Veränderungen drohen. Eine Verschärfung der Besteuerung des Privatvermögens (2004: 4,1 Bio. Euro) ist mit Sicherheit zu erwarten.

Elegante ad hoc-Entschuldung durch Inflation

Die Inflation zehrt: Bei 10% Inflation sinkt in 10 Jahren ein Schuldenbetrag von z. B. 100.000 Euro auf unter 29.000 Euro: Wer 1950 Geld in den Sparstrumpf stopfte, kann sich heute infolge der permanenten Inflation nicht einmal 25% des Warenwertes wie damals dafür kaufen. Dem Staat bietet aber die Inflation ein elegantes und zugleich zweimal erprobtes Entschuldungsszenario, das mit schleichender Enteignung seiner Gläubiger einhergeht. Dieser Wohlstand auf Pump durch Verschuldung würde im normalen Geschäftsleben strafrechtlich verfolgt. Doch davor sind Politiker grundsätzlich durch den staatlichen Führungsauftrag und ihre Immunität geschützt.

Wie ungeheuer der deutsche Staat von der Geldentwertung profitierte, zeigen die 164 Mrd. Mark Kriegsschulden des Ersten Weltkriegs, die sich durch die Währungsumstellung (1 Bio.: 1) am 15. November 1923 auf gerade einmal 16,4 Pfennig der neuen Rentenmark verringerte. Im übertragenen Sinne würde ein Supermikroskop mit einer Vergrößerung von 1 zu 1 Bio. den bisher tiefsten Blick in die kleinsten Bausteine der Materie erlauben. Eine Währungsreform – also eine Enteignung der Bürger – ist ein radikaler Befreiungsschlag von der Schuldenlast. Das rigorose Abschaffen der Altschulden wäre ein deutlicher Schritt aus der nicht bewältigten Vergangenheit hin in eine „bereinigte“ Zukunft mit wirtschaftlichem Kahlschlag. Die Wahrscheinlichkeit für eine bevorstehende Währungsreform liegt im Jahr 2010 bei 25%; sie steigt bis 2020 auf fast 70%, um bis 2030 auf 90% anzuwachsen. Wahrscheinlich wird das singuläre Ereignis zwischen 2010 und 2020 eintreten. Unternimmt die Bevölkerung rechtzeitig etwas gegen die drohende Gefahr, etwa durch Umschichten der Werte, ist sogar wesentlich früher mit einem Kollaps zu rechnen.

Verschuldungsweltmeister USA und das weltweite Schulden-Szenario

Die Gesamtschulden der USA in Höhe von 36 Bio. US-$ sind höher als das gesamte Welt-Sozialprodukt von 32 Bio. US-$. Würde man diese gigantische Summe im Sekundentakt Dollar für Dollar durchzählen, dann hätten bereits die frühen Hominiden vor 1 Million Jahren mit der Zählprozedur beginnen müssen. Eine weitere unfaßbare Zahl: Die US-Neuverschuldung frißt 70% der Weltersparnisse auf. Von 1995 bis Ende 2002 stieg die Gesamtverschuldung der USA von 10,28 auf insgesamt 38 Bio. US-$. Das ist Faktor 4 des Sozialprodukts (BIP). Man stelle sich bloß vor, daß ein Dollar einem Liter Wasser entspräche, dann könnte man mit dieser gigantischen „Liquidität“ den 51 Kubikkilometer fassenden Bodensee zu 70% in seinem Wasservolumen nachbilden. Für eine Billion Dollar Neuverschuldung benötigte die US-Volkswirtschaft im Jahre 2003 gerade mal 17 Wochen; das ist das Fünffache des Sozialprodukts. Um also einen Dollar mehr Sozialprodukt zu erzeugen, machen die USA sechs Dollar neue Schulden. Durch die Liquiditätsschwemme sind die Sachwerte enorm inflationiert und damit überbewertet, sowohl die Aktienmärkte als auch die Immobilien. Das in Jahrtausenden geförderte Gold der Menschheit hat einen Gesamtwert von rund 1,5 Bio. US-$. Finanzgaukler Alan Greenspan hat für die Erzeugung der gleich hohen Schein- und Kreditgeldsumme gerade mal zwei Jahre gebraucht.

Die physische Weltgeldmenge wurde in nur drei Jahren über 90% ausgeweitet! Das globale Derivate-Volumen liegt bei 300 Bio. US-$: das 27fache des jährlichen BIP der USA. Als Aktivaposten könnte man damit jedem der 6,3 Mrd. Weltbürger ein Mittelklasseauto schenken.

Gegen das fiat money (Geld aus dem Nichts) ist kein Kraut gewachsen

Wir, die wir uns sorgen um unsere Zukunft, können uns auf eine „Währungsharmonisierung“ vorbereiten, indem wir rechtzeitig aus Geldanlagen aussteigen und in Sachanlagen umschichten. Der Staat wie auch die Banken wissen genau, daß mit gutgläubigen Naivlingen, die bis zum bitteren Ende vertrauen, die größten Enteignungsgeschäfte zu machen sind. Die Anleger von Staatsanleihen zahlen ihre Zinsen indirekt selber – nämlich als Steuerbürger; obendrein müssen sie noch Zinsertragssteuer abführen. Letztlich führen permanente Inflation, endlose Aufschuldung, zunehmende Wachstumsschwäche und anhaltender Kapitalverzehr zum finalen Bankrott im Sozialsystem. Die Abhängigkeit der Bürger vom Staat steigt, die Bürokratie wuchert in der Umverteilungsgesellschaft. Wenn „der Staat“ Bankrott macht, verlieren wir unser Vermögen; wir haften, nicht der Staat. Der eigentliche Betrug der Staaten heißt fiat money: das aus dem Nichts geklonte Geld ohne echte Wertschöpfung. Die Crux ist ohne Zweifel das staatliche Geldmonopol. Dieses Falschgeld wird per Edikt zum „gesetzlichen Zahlungsmittel“ erklärt. Nicht der schlechteste Lösungsansatz wäre es, wenn es der Bürger der staatlichen Kontrolle entzöge, um es als Privatgeld den privaten, konkurrierenden Marktkräften zu überlassen. Nur privates Gold als ehrliches Geld und strenger Eigentumsschutz böten einen dauerhaften Bann vor Inflation. Ein radikaler Systemwechsel wäre dazu vonnöten, denn der eingeschlagene Weg führt in die Irre, führt ins Chaos. Der Staat würde sich selbst ad absurdum führen, wenn er diesen ketzerischen Gedanken zuließe und es in der Tat freie, eigenverantwortliche Bürger gäbe. Fehler und Sünden der Vergangenheit werden also fleißig fortgesetzt. Wie sagte schon Mephisto im Faust:

„So erben sich Gesetz’ und Rechte (hier die Schulden) wie eine ewige Krankheit fort/ sie schleppen von Geschlecht sich zu Geschlechte (Regierungen) und rücken sacht von Ort zu Ort/Vernunft (Sparsamkeit) wird Unsinn, Wohltat (Sozialstaat) Plage/ weh dir, daß du ein Enkel (Bürger) bist! Vom Rechte, das mit uns geboren ist, von dem ist leider nie die Frage“.

Fazit: Die „ordentliche Entsorgung“ des Schuldengebirges ist ohne einschneidende Änderung in Politik und Gesellschaft eine Illusion. Schminken Sie sich das soziale Schlaraffenland Deutschland ab. Die Politik des leichten Geldes (Liquiditätsschwemme durch Manipulationen der Papiergeldsysteme) führte weltweit zu einer ausweglosen Schieflage auf der Titanic. Die billionenschwere US-Immobilien- und Derivate-Blase kann jederzeit platzen. Amerika könnte in eine Stagflation von noch nie gesehenem Ausmaß fallen. Dramatisch werden die Zinsen steigen. Man wird weiterhin hemmungslos Geld drucken, Steuern erhöhen und letztendlich militärische Abenteuer um die Ölquellen als Ausrede für das Desaster suchen.

Hans Jörg Müllenmeister