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5. Juni 2014

Für Sie gelesen: Der Crash ist die Lösung

5. Juni 2014|Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen: Der Crash ist die Lösung

– Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten –

Autoren: Matthias Weik und Marc Friedrich
Verlag: Eichborn Verlag, Köln
Preis: € 19,99
Umfang: 378 Seiten
ISBN: 978-3-8479-0554-7

Die Bestsellerautoren Matthias Weik und Marc Friedrich („Der größte Raubzug der Geschichte“) entlarven abermals die Finanzindustrie und zeigen Möglichkeiten zur persönlichen Vermögenssicherung sowie alternative Wirtschaftssysteme auf.

Es stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob der Crash kommen wird, sondern lediglich wann. Denn alle Maßnahmen zur Banken-, Länder- und Euro-Rettung laufen auf volkswirtschaftliche Schadensmaximierung und den Staatsbankrott Deutschlands hinaus. Die Enteignung der Bürger für diesen Fall wird längst vorbereitet. Staatsanleihen, Renten- und Lebensversicherungen, Konten – das sind die großen Verlierer im Falle eines Crashs, der lieber früher als später kommen soll, denn nur dann sind Politik und Wirtschaft bereit, radikal etwas zu verändern. Wie man sein Geld rechtzeitig in Sachwerte umschichtet, um sein Erspartes nicht zu verlieren, erklären die Finanzstrategen für jeden verständlich. Jedoch kann aus einem Crash auch etwas Positives und Bereinigendes hervorgehen.

Die Kernaussagen aus „Der Crash ist die Lösung“:

  • Die Finanzbranche hat nichts gelernt – die Krisenverursacher sind die Krisengewinner!
  • Unser Finanzsystem ist zum Scheitern verurteilt und wird nur künstlich am Leben erhalten.
  • Politik und Finanzsektor betreiben volkswirtschaftliche Schadensmaximierung auf Kosten der Bürger, um Zeit zu gewinnen.
  • Es werden am laufenden Band Gesetze gebrochen von oberster Stelle, um ein gescheitertes, politisches Währungsexperiment künstlich am Leben zu erhalten.
  • Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich, aber auch die Niederlande und die USA sind de facto bankrott.
  • Eine ganze Generation in Europa wird verbrannt – Rekordarbeitslosenzahlen in Südeuropa.
  • Der Euro eint nicht Europa, der Euro zerstört Europa.
  • Der Euro ist bereits gescheitert! Geld, das man retten muß, ist kein Geld.
  • Eine falsche Politik schafft einen brandgefährlichen Nährboden für Extremisten, Populisten, Separatisten und Gewalt. Die europäische Idee ist in Gefahr!
  • Vielen Ländern geht es mit dem Euro wesentlich schlechter als ohne Euro.
  • Die Mehrheit der Deutschen profitiert nicht vom Euro und ihr geht es seit Einführung des Euros sogar wirtschaftlich schlechter als zuvor!
  • Der Exportweltmeister Deutschland ist zum Niedriglohnland verkommen.
  • Der Exportweltmeister wurde teuer erkauft auf Kosten der Menschen.
  • Das Finanzsystem wird crashen, daher: raus aus Papierwerten – rein in Sachwerte.
  • Die Zeit der Rendite ist vorbei – es geht um Vermögenserhalt. Die Enteignungen in Zypern waren erst der Anfang.
  • Der Kapitalismus wurde abgeschafft.

Matthias Weik und Marc Friedrich sind Ökonomen, Querdenker, Finanzexperten, Redner und Bestsellerautoren. Ihr erstes Buch „Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“, das im Mai 2012 erschienen ist, steht seit über 20 Monaten auf der Bestsellerliste. Im ‚Manager Magazin‘ belegte es sechsmal Rang eins und beim ‚Spiegel‘ elfmal zwei. Was Weik und Friedrich über die komplexen Probleme in der Finanzwelt schreiben, ist pointiert, faktenbasiert und erstaunlich unterhaltsam. Den Autoren gelingt es, mit ihrer klaren und verständlichen Sprache ein breites Publikum zu erreichen, vom 16-jährigen Schüler bis zur Oma mit 80.
Mittlerweile ist das Buch auch in Korea, Taiwan und China erschienen. Im April 2014 erschien „Der größte Raubzug der Geschichte“ bei Bastei Lübbe als Taschenbuch.

30. Mai 2014

Inflation als Schuldentilgungs-Vehikel

30. Mai 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Inflation als Schuldentilgungs-Vehikel

Wie ein Mantra beten die Politiker – teils aus völliger Unkenntnis der Zusammenhänge, teils in bewußter Täuschungsabsicht – den Evergreen ‚Inflation ist besser als Deflation‘!
Perverserweise führen sie hierbei auch noch den mit Inflation zumeist einhergehenden Zuwachs an den jeweiligen Leitindizes der Börsen als „Beweis“ an; da der DAX in den letzten Wochen hierzu nicht wirklich taugte, mußte für diese perfide Argumentation der Nikkei herhalten. Interessanterweise ist aber gerade der Letztgenannte ein Beispiel dafür, daß eine Deflation weder die Bürger in den Wahnsinn oder in erhöhtes Suizid-Verhalten treibt, noch die absolute Schuldenquote dadurch steigt. Im Gegenteil, durch die Abwertung des Yen, der seit 2011 fast 30% seines Wertes verloren hat, hat sich der absolute Schuldenstand der privaten wie auch der öffentlichen Haushalte im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sogar leicht reduziert. Erst kürzlich (und aus völlig anderen Gründen) steigt die Staatsverschuldung Japans wieder. Einerseits werden natürlich zwar Japans Exporte billiger (sofern die Handelswährung nicht auf US-$ oder Euro lautet), andererseits verteuern sich (regelmäßig in anderen Währungen laufende) Importe, was sich speziell bei Rohstoffen – daran mangelt es Japan – besonders negativ auswirkt.
Inflation als Schuldentilgungs-Vehikel1Ein ähnliches Beispiel liefert Indien, bzw. – genau umgekehrt – Brasilien; der asiatische Subkontinent verzeichnet real ein leicht steigendes Bruttoinlandsprodukt. Durch seine stark schwächelnde Rupie steigen nun einerseits (wenngleich in überschaubarem Maße) die Exporte, gleichzeitig schwächen sich aber die Importe ab, während in Brasilien der fallende Wert des Real nur dank der steigenden Rohstofferlöse (die traditionell fast ausschließlich in US-$ abgerechnet werden) abgefedert wird und damit die bereits aufflammenden sozialen Unruhen noch einigermaßen auf bestimmte soziale Brennpunkte des größten Landes Südamerikas beschränkt werden können.

Zurück in die Euro-Zone: Letztlich vertrauen die Politiker bei ihren Märchen darauf, daß die meisten Bürger von wirtschafts- und währungspolitischen Zusammenhängen nicht die geringste Ahnung haben (zumeist ist dies bei den Politikern nicht anders) und bauen darauf, daß das „Fernziel“ der EZB – O-Ton Barroso:Mit einer Inflation von knapp 2% könnte die Euro-Zone bequem leben“ – schon irgendwie zu schaffen sein müßte, was zur Folge hätte, daß einerseits die Steuereinnahmen (allen voran die Mehrwertsteuer) steigen, andererseits die Schulden relativ geschmälert würden und sich zudem Raum für steigende Einkommen ergäbe, was dann als Erfolg der Gewerkschaftspolitik umgedeutet werden könnte. Außerdem verringerte sich auf diese Weise die europaweit gehaßte wirtschaftliche Dominanz der Deutschen, was den politischen EU-Granden besonders trefflich zupaß käme.
Inflation als Schuldentilgungs-Vehikel2Daß die kalte Progression und eine gegenüber dem April 2013 rund 1,4%ige Verteuerung des Durchschnitts-Warenkorbs keine Lösung für die immensen Schuldenberge in praktisch allen Ländern der EU(ro-Zone) sein können, müßte eigentlich jedem halbwegs Mitdenkenden klar sein.
Natürlich ist es dann eine Frage des Charakters, dies den Wählern und Konsumenten auch ehrlich zu sagen. Aber gerade Charakter ist eine nicht sonderlich hilfreiche Qualität für Politiker.

H.-W. Graf

14. April 2014

Das Finanzsystem – der Blutkreislauf des (inter)nationalen Wirtschafts-, Steuer-, Finanz- und Sozialwesens

14. April 2014|Politik, Sozialpolitik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Das Finanzsystem – der Blutkreislauf des (inter)nationalen Wirtschafts-, Steuer-, Finanz- und Sozialwesens

Das Weltfinanzsystem, zu dem neben den staatlichen Notenbanken und den privaten und öffentlichen Bankinstituten auch die gesamte Versicherungswirtschaft gehört, steht vor der gigantischen Herausforderung, teilweise völlig unterschiedliche Strukturen und gewachsene gesetzliche Fundamente aus fast 400 Jahren zu vereinheitlichen und sinnstiftend zu kompatibilisieren.
Hierbei steht im Vordergrund, 35 zum Teil noch recht unterschiedlich gestrickte Gesetzeswerke aufeinander abzustimmen, das romanische mit dem anglikanischen Rechtssystem unter einen Hut zu bringen sowie von Land zu Land teilweise recht unterschiedliche Vorstellungen davon, was staatlich geregelt und überwacht oder der privatrechtlichen Obliegenheit überlassen bleiben sollte.
Unter dieser Generalüberschrift trafen sich vom 26. bis 28. März 261 Vermögensverwalter aus 21 Nationen in Amsterdam zur 4. Morningstar Investment Conference, wobei die Liste der Referenten und die Panels der Podiumsdiskussionen mindestens ebenso hochkarätig besetzt waren wie das Teilnehmerfeld. Schon bei ihrer Eröffnungsrede verwies die niederländische Königin Maxima, die – im Gegensatz zu den EU-Finanzhäuptlingen, die hierzulande durchs politische Gehölz traben – hohen Sachverstand und trainierte Kompetenz bewies, darauf, in welch hohem Maße das internationale Finanzgeschäft praktisch jeden von uns tagtäglich begleitet und bestimmt – privat und beruflich, kommunal wie (inter)national. Die u.a. in New York, London und Frankfurt ausgebildete Finanzökonomin verwies, ohne sich auch nur im Mindesten zum Büttel einer Lobby machen zu lassen, auf die dringende Notwendigkeit, die unterschiedlichen Finanz“betriebssysteme“ in Einklang zu bringen, da hiervon zum einen die gesamte private wie kommunale/öffentliche Finanzwirtschaft, aber auch alle sozialstaatlichen Verpflichtungen, das Pensions- und Rentenwesen sowie die Infrastruktur unmittelbar abhingen. Wohlweislich ging Queen Maxima – gleiches galt übrigens für den Kreis aller anderen Referenten – weder auf die von westlichen Politikern und Medien völlig theatralisierte Krim-„Krise“ noch auf die Frage ein, ob (und wenn ja, wie lange) der Euro als künstlicher finanzieller Kitt für die historisch völlig unterschiedlichen nationalen Staatskulturen relevant sei. Beide Fragen wurden dafür umso heftiger und je nach dem Grad der Abhängigkeit des jeweiligen Sprechers von privaten oder staatlichen Instituten in sämtlichen Pausengesprächen sowie in den ebenfalls sehr kompetent besetzten Panels diskutiert.
Einig waren sich die meisten Diskutanten dahingehend, daß die Angleichung der unterschiedlichen Finanz- und Wirtschaftssysteme viel zu komplex und wichtig sind, als daß man sie Politikern und deren Ränkespielen und machtpolitischen Opportunismen überlassen dürfte.
Wer Interesse an unserer Rezension der Morningstar-Investment Conference 2014 hat, möge sich bitte bei uns melden; der Versand erfolgt umgehend und für Mandanten der efv-AG kostenfrei.

H.-W. Graf

10. Februar 2014

Die Unsicherheiten nehmen zu.

10. Februar 2014|Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Die Unsicherheiten nehmen zu.

Auch nach mehr als vier Wochen im neuen Jahr spielen die Märkte mit Tendenzen, ohne jedoch bislang eine Richtung anzudeuten oder gefunden zu haben. So hat die brasilianische Börse unter der drastischen Leitzinserhöhung auf 10,5% (und weiterhin exorbitanter Korruption im Lande) zu leiden, aber den übrigen Schwellen- und Entwicklungsländern geht es nicht viel besser; Indien findet aus seiner global-wirtschaftspolitischen Isolation nicht heraus – wer nicht familiär und politisch gut vernetzt und in große Konzernstrukturen eingebunden ist, verläßt, sofern er gut ausgebildet ist, das Land und siedelt sich in Großbritannien, Neuseeland, Kanada oder den USA an. Einige Schwellenländer wissen wohl selbst noch nicht so genau, ob sie mehr zu den Industriestaaten oder zu Ländern der Dritten Welt gerechnet werden wollen – z.B. Rußland und die Türkei, aber auch Indonesien und Malaysia sowie Argentinien, das in seiner Not und wegen des drastischen Verfalls des Peso, ebenfalls seinen Leitzins von 4% auf 10,5% (!) angehoben hat.
Im letzten Quartal 2013 wurden fast 300 Milliarden Euro aus den führenden Schwellenländern (Emerging Markets) abgezogen; nach drei Jahren der Euphorie für diese Märkte hat sich das Geld, scheu wie ein Reh, lieber wieder in andere „Weidegebiete“ verzogen.
In der Euro-Zone wird ängstlich-still darauf gewartet, wann es in Frankreich zum Kollaps kommt; Monsieur Hollande ist viel zu sehr mit seinem Privatleben beschäftigt, und seine Landsleute denken gar nicht daran, mit ihrem sozialistischen Häuptling, der nun meint, den konservativen Reformkurs, den er ‚auf gutem Wege sieht‘, mitzugehen; die Franzosen haben ein ähnliches Vergnügen daran, den Staat und die Steuerbehörden zu betrügen wie die Griechen. Auch Italien denkt nach guter alter Tradition ‚von heute bis morgen‘. Nord- und Süditalien verachten einander, und irgendwie läuft es auch ohne Rom, Brüssel und Luxemburg doch ganz gut.
Die USA haben ihr Tapering um 10 Milliarden $ im Januar recht gut überstanden, und bereits für Februar steht eine weitere Kürzung der monatlichen Neuverschuldung (wiederum 10 Milliarden $) an. Noch hat dies keine Auswirkungen auf die Börse – der DOW wehrt sich tapfer knapp unterhalb der 16.000 Punkte-Marke –, und auch der Dollar hat gegenüber den meisten frei-handelbaren Währungen im Januar zugelegt, während der Euro seinen kurzen Höhenflug beendet hat und inzwischen knapp oberhalb der Marke von 1,35 zum US-$ laviert.
Eine Aufwärtsentwicklung ist hingegen bei den Rohstoffen (insbesondere den agrarischen) und den Edelmetallen zu verzeichnen, wobei Gold nach einem kurzen Ausbruch bis nahe der 1.300 US-$-Grenze (pro Unze) inzwischen wieder bei 1.250 US-$ liegt.

An allen währungs- und fiskalpolitischen Fronten (und demzufolge auch bei den Indizes) dürften wir in 2014 weitaus höhere Volatilitäten gewärtigen als im vergangenen Jahr. Die Kreditzinsen sind hierzulande bereits im Schnitt um ein halbes Prozent geklettert, wohingegen Sparer, die jegliches Risiko scheuen, nichts finden, was nach Steuern und Inflationsraten überhaupt noch ein Plus erbrächte.

Die Unsicherheiten nehmen zuEs scheint, als ob die Europa-Wahlen im Mai – so gering die Wählerbeteiligung an den bisherigen EU-Wahlen auch gewesen sein mag – ihre Schatten bereits heute werfen; immerhin lauern in der Hälfte aller Euro-Zonen-Länder kleine und größere Parteien auf ihre Chance, dem Euro-Wahnsinn und der Zwangsvereinigungsmanie der Politiker der etablierten Parteien ein Schnippchen schlagen zu können. Solange diese Parteien jedoch, wie vielfach der Fall, nur monothematisch aufgestellt sind und – anders als die etablierten, konservativen Parteien – nicht in der Lage sind, ein Zweckbündnis untereinander einzugehen, könnten wir nach dem Mai zwar eine weitere Zersplitterung im Europa-Parlament erleben – die Weimarer Republik läßt grüßen! –, grundsätzlich ändern dürfte sich dann allerdings kaum etwas.

H.-W. Graf

23. Januar 2014

Für Sie gelesen: Das Globalisierungs-Paradox

23. Januar 2014|Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen: Das Globalisierungs-Paradox

Die Demokratie und die Zukunft der Weltwirtschaft

Autor: Dani Rodrik
Verlag: C.H. Beck, München
Preis: € 24,95
Umfang: 416 Seiten
ISBN: 978-3-406-61351-7

Die bislang vorherrschende, neoliberale Globalisierungslehre hilft nicht weiter, sondern hat die jüngsten Krisen sogar mit verursacht. Das zeigt der Ökonom Dani Rodrik anhand von zahlreichen historischen Rückblicken und harten ökonomischen Fakten. Insbesondere macht Rodrik deutlich, dass die Weltökonomie von einem politischen Trilemma bestimmt ist: freier Welthandel und unbegrenzte Mobilität von Kapital und Arbeit sind nicht mit unseren Vorstellungen von Demokratie und Nationalstaat vereinbar. Dani Rodrik öffnet seinen Lesern buchstäblich die Augen: für die faktischen Schattenseiten der Globalisierung, aber auch für die ja nahezu schizophrene Kommunikationskultur der Ökonomen, die im politischen Diskurs nichts auf die Globalisierung kommen lassen wollen, im Innern ihres Elfenbeinturms jedoch ein globalisierungskritisches Forschungsergebnis nach dem anderen zusammentragen. Die Globalisierung ist für Rodrik kein Haßgegner und er wird nicht müde, auch ihre Vorteile hervorzuheben. Dennoch macht er keinen Hehl daraus, daß die Schlußfolgerung für ihn eindeutig ist: in dem besagten Trilemma muß die Globalisierung das Nachsehen haben. Statt sich die „goldene Zwangsjacke“ der Globalisierung überzustreifen, sollte sich jedes Land auf demokratischem Weg für eine eigene Kombination von Marktöffnung, Produkt- und Arbeitsstandards und sozialem Netz entscheiden.

„Wenn Länder am Rande des globalen Systems, wie Thailand oder Indonesien, in eine Krise stürzen, dann werfen wir ihnen ihre Versäumnisse vor und ihr Unvermögen, die strengen Regeln dieses Systems anzuwenden. Wenn Ländern aus der Mitte des Systems das Gleiche passiert, dann geben wir die Schuld dem System und sagen, es sei an der Zeit, Korrekturen daran vorzunehmen.“ (Dani Rodrik)

Dani Rodrik, geboren 1957 in Istanbul, ist Professor für Internationale Politische Ökonomie an der Harvard University. Sein erstes Buch „Grenzen der Globalisierung“ war laut Business Week eines der besten Ökonomiebücher der 90er Jahre. Rodrik betreibt einen vielbeachteten ökonomischen Blog und schreibt für die New York Times, den Economist und die Financial Times Deutschland.

„Das Globalisierungs-Paradox ist ein provokativer Blick auf die Exzesse der Hyperglobalisierung – es sollte Pflichtlektüre sein für alle, die sich eine Welt ohne Finanzkrisen und unfaire Handelspraktiken wünschen.“

Nouriel Roubini

„Dieses Buch nimmt die wichtigste Frage unserer Zeit ins Visier: Globalisierung.“

Gordon Brown
Britischer Premierminister a.D.
18. November 2013

Hat sich der IWF verplappert?

18. November 2013|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Hat sich der IWF verplappert?

Nachdem am vorigen Dienstag der Internationale Währungsfonds (IWF) in einem offiziellen Communiqué verlautbarte, er sehe in einer (einmaligen?) ‘Besteuerung der Vermögen Reicher eine vernünftige Lösung zur Entschuldung der Staaten‘ muß/darf/kann/sollte uns nichts mehr wundern. Interessanterweise haben wir genau dieses Thema im Rahmen unserer jüngst in Stuttgart, Saarbrücken, München und Berlin abgehaltenen Vermögensverwaltungsforen thematisiert – für unsere Teilnehmer also keine große Überraschung. Banker verstehen nichts von Psychologie, Politiker nichts von Ökonomie und beide Gruppen teilen das Desinteresse an ihren Kunden/Wählern. Weder ließen die IWF-Granden anklingen, wen sie für ‘reich‘ hielten, bzw. an welche ‘Schamgrenze’ (pro Konto) sie zu denken beliebten, noch hat sich bislang auch nur ein Politiker vertrauenerweckend zu diesen Gedanken geäußert.
Wartet man nun ab, welche Reaktionen aus des Volkes Mitte kommen – um dann, wie ehedem Herr Juncker, einfach in die Tat umzusetzen, was nicht genügend Empörung hervorruft?

Natürlich sehen es Banker aus ihrem Selbstverständnis heraus nicht als ihre Aufgabe an, der Politik mit Lösungsvorschlägen an die Hand zu gehen. Umso unverständlicher mutet an, daß sie sich nun als Cundatoren* betätigen; vielleicht stellt dies einen vorfühlend benevolenten Kotau gegenüber den Politikern dar, die ihrerseits nicht den Hintern in der Anzugshose haben, dem Volk die Wahrheit (und deren bevorstehende Schrecken) einzugestehen; immerhin baumelt über Bankers Köpfen immer noch das Damoklesschwert einer Finanztransaktionssteuer. Das käme der Bankergilde schon mehr zupaß, wenn nicht ihre Gewinne abgeschöpft, sondern die Bürger um Teile ihrer Guthaben von den Politikern bestohlen würden.

Eins ist klar: Die derzeitigen Schuldenstände sind dauerhaft nicht zu tragen – selbst bei den derzeitig niedrigen Zinssätzen; umso weniger, wenn diese ihr Normalniveau (mehr als das Doppelte des heutigen) wiedererlangten. Zur Reduktion der Staatsschulden bestehen aber – an ein völlig neues Besteuerungssystem, wie wir es seit 37(!) Jahren vorschlagen, wagt sich derzeit noch kein Politiker – wenig Alternativen: Steuererhöhungen, bewußt hochgetriebene Inflation (ohne Ausgleich durch Löhne, Gehälter, Renten und Pensionen), Leistungskürzung der Öffentlichen Hand, der Zugriff auf Bankguthaben oder das Abschöpfen von Gewinnen aus bestimmten “Güterklassen” (z.B. Banken, Erbschaften und Schenkungen, Immobilien, etc.). Intelligenteres, resp. das Hinterfragen der Sinnhaftigkeit und Überlebensfähigkeit des bestehenden Systems fiel noch keinem Politiker (egal welcher Couleur) bislang ein.

Hat sich der IWF verplappert_1Nun hat letzte Woche auch noch die EZB den Leitzins auf das Rekordtief von 0,25% gesenkt, was zwar den Banken trefflich zupaß kommt, die Sparer (und nachgerade die Lebensversicherungen) aber in noch größere Bedrängnis bringt; beide müssen höhere Risiken eingehen, um überhaupt noch (wenigstens) einen Inflationsausgleich für ihre Geldanlagen zu erzielen; von einem Realgewinn (vor allem nach Steuern) ist ohnehin keine Rede mehr.

Was bisher nur ‘Verschwörungstheoretikern’ zugeschrieben wurde – der Staat wird hemmungs- und schamlos auf die Guthaben seiner Bürger zugreifen – ist nun zur sehr praktischen ‘political correctness‘ mutiert; die “Katze” ist aus dem “Sack”.

Gönnen Sie sich doch mal das “Vergnügen”, Ihren örtlichen Bundestagsabgeordneten nach seiner Meinung hierzu zu befragen.
Wir haben eine ‘Märchen- und Lügenbox‘ im Büro aufgestellt – für all das, was Ihnen die Onkels und Tanten so erzählen werden.

H.-W. Graf

* Das waren im Altertum und Mittelalter die reitenden Boten der Herrscher, die den jeweils neuesten Ukas des Chefs an die Rathaustüren nagelten und dann dem (analphabetischen) Volk den Inhalt vorlasen (Negatives wurde weggelassen oder “narrativ” verfälscht), und vom lateinischen ‘cundare‘ (= verkünden, marktschreierisch anpreisen, hinters Licht führen, täuschen) kommt unser heute so entlarvend unbedacht verwendeter Begriff ‘Kunde‘!

15. November 2013

MAI, TWP und jetzt TAFTA und TTIP

15. November 2013|Außenpolitik, Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für MAI, TWP und jetzt TAFTA und TTIP

Was Le Monde diplomatique (sh. Artikel vom 8.11.2013: „TAFTA – die große Unterwerfung“) zur geplanten “Wirtschafts-NATO” zu sagen hat, macht zarte Leser gruseln.
Noch absurder jedoch ist, daß eben diese Entwicklung bereits vor 15 Jahren absehbar war (sh. unsere Berichte von 1998 und 1999 im ‘zeitreport‘ des DBSFS, dem Vorläufer des heutigen ‘PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V.‘ und des ‘zeitreport online‘), nur wollte das damals keiner wissen; im Gegenteil: Wir wurden damals des ‚Defätismus‘ und der Panikmache geziehen. Tempora mutantur!

Es lohnt sich wirklich (vor allem für jüngere Querdenker), diese infame Entwicklung über die zeitreport-Artikel sowie den untenstehenden Artikel noch einmal nachzuvollziehen.

H.-W. Graf


Die ‘Transatlantische Freihandelszone’

Daß alles ‚im Fluß‘ ist, wußte schon der griechische Philosoph Herakleitos von Ephesos („panta rhei“) vor 2.500 Jahren. Vom gleichen Philosophen stammt der (zumeist völlig mißverstandene) Ausspruch: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“, womit er allerdings die konstante Bipolarität meinte (‚dunkel/hell‘, ‚frei/unfrei‘, ‚Tag/Nacht‘, etc.), inmitten derer sich der Mensch wiederfindet und der er sich entweder passiv ergibt oder innerhalb derer er aktiv nach Verständnis und Anpassung strebt.

Bedingt durch die rasante Zunahme an Informationen (und die Geschwindigkeit, mit der diese global verbreitet werden) steigen die Anforderungen an uns Menschen, uns in einer immer komplexer werdenden Welt (und deren Bipolarität) zurechtzufinden.
Genau damit aber sind viele Menschen überfordert; sie ergeben sich zunehmend in ihr „Schicksal“ („daran kann man sowieso nichts ändern“) und werden damit zu passiven Mitläufern der um sie herum tobenden Geschehnisse.
Wer sich jedoch die Mühe macht, hinter die Kulissen zu blicken, erlebt eine immer interessanter werdende Welt, und mit dem wachsenden Verständnis um Zusammenhänge schwindet auch die Angst vor dem, was auf uns zukommt, was uns erwartet und worauf wir uns einstellen können und sollten.
Da aber gerade diejenigen, die unser Leben in hohem Maße bestimmen und regeln – Parteien, Politiker und ihre Suborganisationen sowie Wirtschafts“experten“, die wider besseres Wissen behaupten, Wissenschaftler zu sein –, zumeist heillos überfordert sind (zum einen exekutieren sie nur höhere Weisungen, zum anderen reduziert die Sicherheit, in der sie sich erleben, ihre Bereitschaft, tiefergehend über Zusammenhänge und Folgen ihres Tuns und Handelns nachzudenken), steigt das Maß der Unverständlichkeit (und damit die Ängste, das Leben in seinen verschiedenen Phasen zu meistern) in immer größer werdenden Teilen der Bevölkerung.

So ist hierzulande noch nicht endgültig geklärt, wer den 18. Deutschen Bundestag dominieren wird. Rot/Dunkelrot/Grün wäre tatsächlich eine (wenngleich unwahrscheinliche) Option, da sich die FDP selbst disqualifiziert hat und es der AfD nicht gelungen ist, die 5%-Hürde zu überwinden. Andererseits hätte dies eine tiefe (und auf Dauer nicht tragfähige) Spaltung der gesamten Gesellschaft zur Folge, da die Unionsparteien rund 42% der Bevölkerung repräsentieren (die Nicht-Wähler mal außen vor gelassen).
Eine zweite, sehr wahrscheinliche Option bestünde in einer große Koalition (mit der SPD) oder einer kleinen Koalition (mit den GrünInnen). In beiden Fällen liefe dies jedoch auf recht ‚madige‘ Kompromisse hinaus, deren Tragfähigkeit wohl nur sehr bedingt sein dürfte, auch wenn die SPD-Basis wohl zustimmen wird. Eine dritte Option wären Neuwahlen – wohl ein Damoklesschwert für GrünInnen und SPD, hingegen durchaus eine Chance für die post-SED/PDS („die Linken“) und vor allem die AfD, die sich eines wachsenden Zuspruchs erfreut und mit der A. Merkel wohl deutlich besser zurande käme als mit Rot oder Grün, nicht zuletzt aufgrund des ökonomischen Sachverstands, den man der AfD getrost unterstellen darf.

Erweitern wir den Horizont: Innerhalb der EU ist vieles ‚im Fluß‘: Die ‚Lachnummer‘ in Italien ist dank des resigniert eingeknickten Berlusconi noch einmal vermieden worden (es wäre zur 62. Regierung seit dem 2. Weltkrieg gekommen), aber dem Land geht es finanz- und wirtschaftspolitisch immer schlechter. Frankreich (insbesondere seinem ökonomisch völlig überforderten Vorturner Hollande) geht es nicht besser. Zwar ist man in Gallien (ebenso wie in Italien) heilfroh darüber, die ehemalige eigene Währung losgeworden zu sein, aber die finanz- und wirtschaftspolitisch erdrückende Macht des östlichen (bzw. nördlichen) „PartnersDeutschland macht beiden Ländern das Leben nicht leichter; ihre Rollen auf der internationalen Wirtschaftsbühne verblassen immer mehr, und beide Länder drücken demographische Lasten sowie vor allem die impliziten Schulden (Versorgungsversprechungen an einen völlig überfressenen öffentlichen Dienst). Zudem belastet beide Länder die Überfremdung aus Nordafrika und (süd-)osteuropäischen Einwanderern.
Weder Spanien und Portugal, noch Griechenland und die (süd-)osteuropäischen Mitglieder der EU kommen wirtschafts- und finanzpolitisch auf die Beine; zumeist sind die von Brüssel geforderten „Reform“-Diktate entweder in der Bevölkerung nicht durchzusetzen, oder sie werden von den jeweiligen Verfassungsorganen gar als verfassungswidrig aberkannt.
Natürlich würde das Ausscheren von Mitgliedern der EU aus der Euro-Zone erheblich Geld kosten und einen Verfall der auf diese Länder gehaltenen Anleihen mit sich bringen. Zudem würden zwar deren Exporte billiger (und damit konkurrenzfähiger), aber Importe eben teurer (was jedoch dem Wiederaufbau eigener Produktionsstätten à la longue dienlich wäre), aber die eigentliche Gegenfrage muß lauten: „Wie viel teurer würde es (für alle Beteiligten), wenn man den heute herrschenden ‚Status quo‘ beibehielte und – nach dem Motto: „Weiter so!– das derzeitige Desaster in vielen Ländern der Euro-Zone einfach weiter“blühen“ ließe?
Genau dies geschieht jedoch im Moment: Höchst naive Politiker glauben, den bodenlosen Brunnen (die EU) mit immer noch mehr Wasser (Geld) füllen zu müssen – in der irr(ig)en Hoffnung, das Versiegen des Brunnens damit überkompensieren zu können.
[Im alten Rom des 3./4. Jahrhunderts u.Z. versuchte man, den Vasallenstaaten noch mehr Güter und Waren, Rohstoffe und Edelmetalle, Steuern und Abgaben abpressen zu können, um damit das längst nicht mehr finanzierbare römische Weltreich (und vor allem den Lebensstandard im hedonistisch verfetteten Rom) am Leben erhalten zu können. Was aus diesem ‚römischen Weltreich‘ wurde, darf als bekannt vorausgesetzt werden.]

Was aber steckt nun hinter diesem aberwitzig-verzweifelten Versuch der Parteien und Politiker, diesen babylonischen Irrsinn um jeden Preis am Leben erhalten zu wollen?
Nun, längst (in Washington) beschlossene Sache ist es, den aufstrebenden Schwellenländern (China, Indien, Brasilien, Indonesien) sowie den Ländern, die, vom Joch des Sozialismus/Kommunismus befreit, in den Kreis der Schwellenländer oder gar der Industrienationen aufgenommen werden wollen, ein geschlossenes Bündnis entgegen zu stellen, um damit den Zugriff auf Rohstoffe (Edelmetalle, strategische- und Industrie-Metalle, Öl-/ Gasvorkommen) und die Macht über Handels-, Transport- und Absatzwege zu wahren.
Genau hierzu wurde 1948 das GATT-Abkommen (‚General Agreement on Tariffs and Trade‘; allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) gegründet, das 1995 durch die WTO (‚World Trade Organization‘; ‚Welthandels-Organisation‘) ersetzt wurde. Zwar hat die WTO ihren Sitz in Genf, doch die Entscheidungen werden ausschließlich in Washington D.C. gefällt. 1997 erfolgte die Gründung des PNAC (‚Project for the New American Century‘; ‚Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert‘), die im gleichen Gebäude wie das AEI (‚American Enterprise Institute‘; ‚Amerikanisches Institut für Unternehmen‘) in Washington D.C. gelegen ist, und 2009 wurde daraus, als Nachfolgeorganisation, die FPI (‚Foreign Policy Initiative‘; ‚Initiative für Auslandspolitik‘). Dazu schrieb Thierry Meyssan 2009: „Die Schaffung eines transatlantischen Marktes ist lediglich eine Komponente eines größeren Projekts, einschließlich der Schaffung einer tatsächlich supra-institutionellen Regierung mit einem transatlantischen Wirtschaftsrat, einem transatlantischen politischen Rat und einem transatlantischen Parlament.

Hierum geht es also in Wahrheit. Aus dem ehemaligen Militärbündnis NATO, dessen eigentlicher Gründungszweck sich inzwischen ziemlich überholt hat, soll nun [nachzulesen in den inzwischen freigegebenen „geheimen Klauseln“ des Marshall-Plans (Grundlage der NATO, 1946)] ein transatlantisches Handels-, Produktions- und Investitions-Bündnis der USA (nebst Kanada) und Europas – nach Osten so weit wie möglich erweitert – werden.
Hierin liegt die gedankliche Grundlage dessen, was uns Parteien und Politiker (auf Geheiß der dahinterstehenden Organisationen) als ‚Europäische Union‘ – inkl. einer gemeinsamen Währung, transnationaler Rechtsvorschriften und Handelsmaximen –, als segensreiche freie Handelszone verkaufen wollen – natürlich zu unser aller Wohl und Gedeih.
Daß dies das Gros der Bevölkerung natürlich nicht in dieser Klarheit erfahren soll, liegt auf der Hand. Daß dies aber auch die überwältigende Mehrheit der europäischen Politiker weder weiß, noch zu begreifen vermag, ist hingegen geradezu erschütternd.

Daß hierüber in den Medien kaum oder nur unzusammenhängend berichtet wird, liegt an zweierlei: Zum einen liegen sämtliche schreibenden und sendenden Medien der „westlichen“ Welt in den Händen etwa eines Dutzends an Großkonzernen; die wenigen noch unabhängigen Medien leiden allsamt unter Finanznot, da sie auch kaum werblich gestützt und politisch geschaßt werden, und die Zahl der unabhängigen Redakteure und Journalisten, die derartiges Material veröffentlichen wollen, sinkt nahezu täglich. Zum anderen fördert das Desinteresse der breiten Bevölkerung an denkintensivem Erkennen von Zusammenhängen die klandestinen Strukturen, hinter denen sich die Machtmonopole auf unserem Planeten wunderbar verstecken können; mit anderen Worten: Der hedonistische Zeitgeist blockiert bei den meisten Menschen die Einsicht, daß man sich schon tiefer mit Hintergründen befassen muß, um sie zu verstehen und sich dann entsprechend wappnen zu können. Das Gros will lieber leicht und seicht unterhalten werden, statt in eigener Verantwortung die Inhalte und komplexen Größen, die unser Leben bestimmen, verstehen zu lernen.
Und genau darauf bauen die “Architekten” der ‘Neuen globalen Wirtschaftsordnung‘ als Herzstück der ‘New World Order‘(NWO), der ‘Neuen Weltordnung‘, selbstverständlich unter der absoluten Ägide der USA.

H.-W. Graf

Lesen Sie hierzu folgenden Artikel:

Le Monde diplomatique, deutsche Ausgabe, 8.11.13 TAFTA – die große Unterwerfung
Zeitreport Juni 1998 _ MAI Die Weltwirtschaft wird verteilt
Zeitreport Juni 1999 _ Das MAI ist tot_es lebe die TWP

5. November 2013

„Viel Lärm um nichts“ …

5. November 2013|Außenpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für „Viel Lärm um nichts“ …

… geißelte William Shakespeare („Much ado about nothing“) bereits vor fast 400 Jahren in einer seiner schönsten Komödien einerseits die Tendenz der Bevölkerung, sich über nichtssagende Geschehnisse zu echauffieren, andererseits, um die arrogante Abgehobenheit der herrschenden Adelsklasse zu demaskieren.

Viel Laerm um nichts1Nun, heutzutage empört sich der politische Adel medienbefeuert über die Unverfrorenheit, mit der die US-amerikanische NSA – einer von 39 (!) Geheimdiensten der vorgeblich letzten ‚Weltmacht‘ USA – schamfrei den (sicherlich besonders wichtigen) SMS-Verkehr von Angela I. und ihren KollegInnen aus Frankreich, Venezuela, Brasilien und der Türkei belauscht – das Abhören der übrigen Staatsoberhäupter ist einfach noch nicht entdeckt worden. Und Aufreger Nr. 2 ist ein größenwahnsinniger Bischof, der allzu offensichtlich dem seit 1.100 Jahren üblichen Pomp der religiösen Weltmacht ‚Katholizismus‘ frönte, und den sein Chef in Rom klugerweise erst `mal aus der Schußlinie genommen und in Demuts-Vakanz geschickt hat.

Derweil schwelgen die Aktienmärkte und deren Indizes in lustvoller Euphorie, schielen nach täglich neuen Rekordständen. Öffentlich-rechtliche Prognostiker sehen die USA, die Eurozone und sogar Japan im ökonomischen Aufwind, wohingegen unabhängige Experten vor der zunehmenden Verwahrlosung etlicher Volkswirtschaften – insbesondere im EU[ro(zonen)]-Raum – warnen und bereits für 2014 das Schreckgespenst eines Fiaskos an die Wand malen.
Begleitet wird dieses Szenario vom wachsenden Aufbegehren rechtsverorteter Parteien in Frankreich, Finnland, der Slowakei und Slowenien, Italien, den Niederlanden, Österreich und Deutschland sowie Großbritannien, die den transnationalen Übergriffen Luxemburgs und Brüssels nicht länger tatenlos zusehen und die nationale Souveränität ihrer Länder nicht länger aufs Spiel gesetzt sehen wollen. Hinzu kommt das Schachern um Posten und Pöstchen in neu zu formierenden Regierungsteams in der Bundesrepublik und Italien.

All dies wird medienwirksam aufgepäppelt und dem verwirrten Volk in großteils unverdaulichen Happen um die Ohren gehauen und aufs Auge gedrückt. Kein Wunder, daß sich Otto und Lieschen Normalverbraucher lieber mit seichter Medienkost und fröhlichem Alltagstand beschäftigen als mit Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik.

Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit waren die Möglichkeiten, sich nahezu in Lichtgeschwindigkeit mit allen Informationen zu versorgen, die wirklich relevant sind, größer als heutzutage. Doch geklickt und verlinkt wird zumeist Nebensächliches und Banales, was Neurobiologen und Psychologen schon als ‚pathologische Neurosklerose‘ diagnostizieren, wofür man unter dem modernen Begriff des ‚financial behaviorism‘ aber bereits zum zweiten Mal den Nobelpreis verliehen hat.

Lassen Sie sich vom medialen Getöse nicht beeindrucken: Wir alle sind viel zu wichtig für Politiker und die Wirtschaft – als Wähler und Konsumenten –, als daß wir realiter Angst vor der Zukunft haben müßten.

H.-W. Graf

15. Oktober 2013

Spiel mit dem Feuer

15. Oktober 2013|Außenpolitik, Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Spiel mit dem Feuer

Auf flüchtigen Augenschein hin und sofern man die sendenden und druckenden Medien gläubig rezipiert, scheint „alles in Butter“ zu sein; die USA veranstalten wieder ihr Budget-Kasperletheater – zum 78. Mal in 50 Jahren!; der postsenile Berlusconi bequemt sich nun, angesichts der Tatsache, daß ihm sogar enge Verbündete inzwischen von der Fahne gehen, den italienischen Ministerpräsidenten in der Vertrauensfrage doch zu unterstützen (statt die drittgrößte Volkswirtschaft Continental-Europas rachsüchtig in Geiselhaft zu nehmen); die Euro-Zone wird 2013 mit einem Haushaltsüberschuß von etwa 2% glänzen [hauptsächlich vom deutschen Überschuß (ca.6%) getragen]; der Euro steigt – zumindest im Verhältnis zum US-Dollar, und Mario Draghi beläßt es gütigerweise beim Rekord- Zinstief für die EZB. Wer will da noch von Krise reden?
Nun, das Ganze ähnelt dem elf Monate lang in verwöhnter Glückseligkeit schwelgenden Truthahn, der sich dann, im November, unversehens im Bratrohr verschwinden sieht – extrem dumm gelaufen!
Die Wahrheit sieht etwas anders aus: Die US-Amerikaner haben ihre Importe um durchschnittlich 8% zurückgefahren (wodurch die Außenhandelsbilanz automatisch besser erscheint) und ihre Sparquote von 6% (2010) auf inzwischen wieder unter 4% reduziert;
Spiel mit dem Feuer_1die deutschen und europaweiten Groß- und Weltkonzerne streichen Stellen (vor allem im Inland), wo sie nur können (darüber darf auch die Anstellung von 70.000 Mitarbeitern bei Amazon nicht hinwegtäuschen; hier geht es, wie jedes Jahr, ausschließlich um Zeitverträge für das Weihnachtsgeschäft). In 14 EU-Ländern gehen sowohl die Exporte als auch die Industrieproduktion zurück (in den Problemländern sogar zweistellig), und nur die Reduktion der Importe hübscht auch hier das Bild etwas auf. Unter diesen Ländern sind erstmals nun auch die Niederlande und Belgien.

Derweil hat China seine Goldbestände seit 2001 von 700 auf über 6.000 Tonnen erhöht und trennt sich auf diese Weise (sowie durch rege Beteiligungskäufe in den USA, Canada und Europa) ganz leise von seinen US-Dollar-Beständen.
Interessant: Noch 2005 wurden 45% des chinesischen Welthandels in US-Dollar abgewickelt, hingegen nur 25% in Renminbi (der internationalen Version des Yuan). Heute laufen gerade noch 15% des chinesischen Außenhandels über den US-Dollar, hingegen 70% bereits in Renminbi bzw. Konsortial-Währungen (ähnlich dem früher geltenden ECU in Europa); China, Indonesien, Brasilien, Rußland und Südafrika stricken nämlich an einem Währungsverbund, mithilfe dessen sie US-Dollar-unabhängig werden wollen; man traut der US-Währung immer weniger.
Wenn nun das US-$/EURO-Verhältnis seit Wochen um die Marke von 1,35 pendelt, verheißt dies für die beiden führenden Welt-Währungen (in denen immer noch fast 75% des Welthandels denominiert werden) nicht wirklich Gutes.
Die wohl ehrlichste Antwort auf meine Frage an den Europa-Manager einer der größten Kapitalanlagegesellschaften weltweit, wie sein Haus die Zukunft des Euro sehe, lautete (begleitet von einem breiten Grinsen): „Die auf höheres Geheiß(!) handelnden Politiker werden den Euro rücksichtslos und um jeden Preis verteidigen, egal, was es kostet und egal, wie lange es dauern mag. Einige Wenige wissen genau, was vorgeht, kümmern sich aber nicht um die Folgen, da kein Mensch sie jemals zur Verantwortung ziehen wird. Die meisten – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa – haben jedoch nicht den Hauch einer Ahnung von wirtschafts- und währungspolitischen Zusammenhängen; sie stimmen meinungslos, aber unterwürfig ab, wie ihnen dies die Parteidoktrin vorgibt. Die Märkte sind davon längst unabhängig; nationale Politiken beantworten sie schnell und flexibel.

Nun, irgendwann wird uns – dies sei ohne Häme oder Panikmache gesagt – die „Rechnung“ präsentiert werden, und es wird ein bunter Mix aus Leistungskürzungen, höheren Inflationsraten, Renditeeinbußen bei Geldwerten (lang laufenden Anleihen- und Rentenwerten, Festgeldern und Lebensversicherungen) und höheren Verbrauchs- und Mehrwertsteuersätzen sowie punktuellen steuerlichen Eingriffen sein (die Japaner erhöhten jüngst ihren Mehrwertsteuersatz um glatte 100% – von 5% auf 10%!).
Spiel mit dem Feuer_2Das Tauziehen um die Macht in Berlin könnte sich bis ins Jahr 2014 hineinziehen – Belgien, das immerhin 14 Monate ohne real-existente Regierung auskommen durfte, läßt grüßen –, und, wer weiß, vielleicht werden wir bereits im Winter 2013/2014 erneut zur Urne gerufen.

Lassen Sie sich den (hoffentlich) ‚Goldenen Oktober‘ nicht vermiesen; wir Bundesdeutsche jammern auf wesentlich höherem Niveau als Griechen und Italiener, Portugiesen und Spanier, Zyprioten und Iren, Franzosen und Slowaken.

H.-W. Graf

1. Oktober 2013

Mit Volldampf nach Europa?

1. Oktober 2013|Außenpolitik, Innenpolitik, Politik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Mit Volldampf nach Europa?

Das Handelsblatt will herausgefunden haben, daß die alte und neue Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Wahltag bedeutsame Änderungen in der Europapolitik plant: „Nach Recherchen im Umfeld der Regierungschefin“ soll sie die Kompetenzverlagerungen auf die EU-Kommission und andere Gemeinschaftseinrichtungen beenden und dem Nationalstaat wieder mehr Gewicht beimessen. Der Weg nach Europa führe nicht länger über Brüssel, sondern über Paris, Rom und Berlin!
Auch wenn es sich bei dieser Meldung um eine dem Wahlkampf geschuldete bzw. geschickt lancierte ‚Ente‘ handeln sollte, ist es in der Tat eine der interessantesten Fragen, in welche Richtung sich der Flottenverbund Europa weiter entwickeln wird. Werden die einzelnen Schiffe zu einem einzigen großen Supertanker verschmolzen, oder aber werden die Bande zwischen den einzelnen Flottenbestandteilen neu geordnet, gelöst oder sogar teilweise durchschnitten? Vor allem aber: Wer bestimmt und dominiert diesen Prozeß? Etliche politische Kräfte aus den Nachbarländern melden bereits – über eine Banken- und Haftungsunion hinaus – weitere ‚Vereinigungswünsche‘ an. So will der französische Finanzminister Pierre Moscovici beispielsweise eine ‘Gemeinsame europäische Arbeitslosenversicherung’, in die Einzahlungen aus der gesamten Eurozone erfolgen sollen. Er sprach sich dabei für die Einrichtung eines ‚’starken supranationalen Haushalts‘ aus, woraus Teile dieser Arbeitslosenunterstützung finanziert werden sollen, frei nach dem Motto: Die Grande Nation war gestern, morgen kommt die Supranation; irgendwer muß ja die Arbeitslosen zahlen (z.Zt. 12,1% in Frankreich). Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was die Südländer, bzw. deren politische Klasse nach dem 22.09. nun fordern werden. Und bei den jetzt zu erwartenden Auseinandersetzungen werden die aufgelaufenen Rechnungen erneut und massenhaft auf den Tisch flattern. Der “Profiteur” des Euro – Deutschland – soll endlich seinen gerechten Anteil zahlen. Aber eines ändert sich auch nach der gelaufenen Bundestagswahl bestimmt nicht: der Anstieg der Schuldenpegel – laut Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Investmentgesellschaft Allianz-Global-Investors, „das drängendste Wirtschaftsproblem unserer Zeit“.

Nachfolgende Graphik illustriert noch einmal eindrücklich die Zunahme der Schulden einiger Euroländer (nicht in absoluten Zahlen, sondern deren prozentuale Zunahme seit 2000).

Mit Volldampf nach Europa_1

 

Derweil hat die amerikanische Notenbank, für die meisten „Experten“ ziemlich überraschend, angekündigt, ihre Gelddruckmaschinen auch zukünftig (mindestens bis 2015) auf vollen Touren laufen zu lassen. Für 85 Mrd. US-$ monatlich wird sie weiter US-Staatsanleihen aufkaufen, die sonst offenbar nicht an den Mann zu bringen wären. Die Aktienmärkte feierten diese Entscheidung zunächst (wieder) einmal, ist doch das billige Geld nach wie vor eines der Hauptschmiermittel für die Finanzmärkte.

Frank Amann