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15. März 2015

Für Sie gelesen: Wir sind das Kapital

15. März 2015|Finanzen / Wirtschaft, Gesellschaftssystem, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen: Wir sind das Kapital

Erkenne den Entrepreneur in Dir – Aufbruch in eine intelligentere Ökonomie

In „Wir sind das Kapital“ geht Faltin der Frage nach, welchen Beitrag wir alle und nicht nur wenige Spezialisten zum Thema innovatives Entrepreneurship leisten können, und wie wir Potentiale erkennen und nutzen.

Autor: Günter Faltin
Verlag: Murmann Publishers, Hamburg
Preis: € 22,00
Umfang: 288 Seiten
ISBN: 978-3-86774-419-5

„Wenn wir uns darauf einlassen, Entrepreneure zu sein, steht uns die Welt offen. (…) Wir brauchen Entrepreneure, um die Problemberge, die vor uns liegen, anzugehen. Die althergebrachten Denkweisen und Institutionen haben die Probleme verursacht. Wir sollten nicht darauf vertrauen, daß die Verursacher der Probleme nun die geeigneten Lösungswege finden werden.“

Günter Faltin, überzeugter Gründer und Wegbegleiter von Start-Ups sowie Autor des Bestsellers „Kopf schlägt Kapital“ legt mit „Wir sind das Kapital – Erkenne den Entrepreneur in Dir. Aufbruch in eine intelligentere Ökonomie“ sein zweites Buch vor und entwickelt darin seine Gründungslehre entscheidend weiter.

Als Unternehmer und Initiator der Teekampagne gilt Faltin als Wegweiser, Vordenker und Vernetzer einer neuen Bewegung von Entrepreneuren, die sich eine bessere Welt und eine intelligentere Ökonomie auf die Fahnen geschrieben haben.

In „Wir sind das Kapital“ geht Faltin der Frage nach, welchen Beitrag wir alle und nicht nur wenige Spezialisten zum Thema innovatives Entrepreneurship leisten können, und wie wir Potentiale erkennen und nutzen. Er fächert minutiös eine höchst systematische Methode zur Unternehmensgründung auf und stellt dabei die Wichtigkeit eines tragfähigen Unternehmenskonzepts für erfolgreiches Entrepreneurship heraus.

Faltins Forderung an die Unternehmer: Unsere Gesellschaft benötigt einen modernen Typus des Entrepreneurs, der auf innovative Produkte setzt, die unsere Ressourcen schonen und zivilgesellschaftliches Engagement einer aggressiven, alle Bereiche unseres Lebens vereinnahmenden Ökonomie entgegensetzt. Denn die wachsenden Probleme unserer Zeit sind mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr zu lösen. „Wir müssen selbst aktiv werden. Als Entrepreneure, Künstler, als genügsame, aber zukunftsfähige Handelnde. Bescheidener, was den Verbrauch an Ressourcen angeht, anspruchsvoller, wenn es um geglücktes Leben geht.“

Über den Autor:
Günter Faltin baute den Arbeitsbereich Entrepreneurship an der FU Berlin auf. Vor 30 Jahren gründete er die Teekampagne – eine einzigartige Erfolgsgeschichte – und begleitet heute als Business Angel zahlreiche Unternehmen. Sein letztes Buch „Kopf schlägt Kapital“ war ein Bestseller, der in acht Sprachen übersetzt wurde. Er lebt und arbeitet in Berlin und Chiang Mai.

20. Februar 2015

Die Lösung der Euro-Krise – eine völlig neue Sichtweise

20. Februar 2015|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Die Lösung der Euro-Krise – eine völlig neue Sichtweise

Das auslaufende „Ultimatum“ für die neue griechische Regierung wird, kein Wunder, ausgehen wie das ‚Hornberger Schießen‘ – ohne Verlierer und Gewinner; Tsipras, Varoufakis & Co dürfen ihr Gesicht nicht verlieren und wissen zudem, daß sie niemand gewaltsam aus der EU werfen kann; Junker, Schäuble & Co sitzen zwar am Geldhahn, haben aber längst verlautbart, daß sie den EURO retten würden, koste es, was es wolle.
Dabei ist jedem politisch unabhängigen Wirtschafts- und Währungsexperten seit Jahren klar, daß der EURO irreparable Geburtsfehler in sich trägt – ein böses Erbe der Kohl-Mitterand-Ära -, schlicht mit Gewalt (und jenseits aller Demokratie!) „vereint“ werden sollte, was unter sozial-, fiskal-, steuer-, kultur- und rechtspolitischen Aspekten noch bei weitem nicht zusammenpaßte – woran sich bis heute wenig, teilweise sogar überhaupt nichts geändert hat.

Nein, der EURO (und damit die Eurozone) ist mit noch so viel Geld, blinder Wut, Verbissenheit, noch mehr Kandidaten, Märchen und leeren Versprechungen zu retten. Vielmehr bedarf es einer völlig neuen Sichtweise – jenseits aller politischer Grabenkämpfe und parteilicher Profilierungsversuche; einzig getragen von der ehrlichen Absicht, Europa zu einer zukunfts- und wettbewerbsfähigen Kraft zu formen, ohne nationale Identitäten zu zerstören.

Mit besten Grüßen

H.-W. Graf

Lesen Sie hierzu:

Die Lösung der EURO-Krise
Die EURO-Finanz-, Banken-, Wirtschafts- und Sozialkrise kann nur gesamtheitlich gelöst werden
www.d-perspektive.de/konzepte/loesung-der-euro-krise

19. Dezember 2014

Rußland – hier bahnt sich ein ernsthaftes Problem an

19. Dezember 2014|Außenpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Rußland – hier bahnt sich ein ernsthaftes Problem an

Das größte Land der Welt (13 Zeitzonen von Kamtschatka bis Kaliningrad) steht unter Schock; innerhalb von sechs Monaten verlor der russische Rubel gegenüber Euro, US-Dollar, britischem Pfund und Schweizer Franken zwischen 45% und 60% seines Wertes. Dies betrifft vor allem den ärmsten Teil der Bevölkerung, betagte Rentner, die zum Teil von Altersrenten von monatlich 150 € und weniger (über)leben sollen, sowie Klein(st)gewerbetreibende – nachgerade, wenn sie auf den Import von Waren aus dem Westen (Polen, die baltischen Länder, Skandinavien, Deutschland, Holland, die Türkei und Griechenland) angewiesen sind. Letzteres betrifft vor allem die russische Exklave Kaliningrad (das frühere Königsberg, Ostpreußen), das zwischen Litauen und Polen (beides EU-Länder) eingezwängt an der Ostsee liegt und deshalb in hohem Maße von Importen (insbesondere Lebensmittel) aus dem „Westen“ abhängig ist.

Da Rußland zu über 70% seines Staatshaushaltes aus Förderung, Handel und Export von Erdgas und -öl angewiesen ist, schlägt der vom Westen bewußt niedrig gehaltene Öl- und Gaspreis fatal auf den russischen Staatshaushalt durch. Da auch die verbleibenden Exportgüter – Buntmetalle, strategische Metalle und Edelmetalle sowie, in geringen Mengen, Primärenergieträger (Kohle und Holz) – ebenfalls seit nun fast zwei Jahren erhebliche Preisrückgänge verzeichnen, fehlen im russischen Haushalt für 2014 etwa 40 Milliarden US-Dollar, für 2015 wird sogar mit einem Minus von 100 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Hierbei arbeitet die OPEC auf Geheiß und in Übereinstimmung mit den USA, deren Shale-Oil- Fracking auch längst unter die Rentabilitätsgrenzen gerutscht ist, in engem Schulterschluß zusammen. Offiziell will man damit Rußland für seine Rolle in der Ukraine-Krise abstrafen und in die Knie zwingen.
Bei Licht betrachtet handelt es sich hierbei um ein einerseits verlogenes, andererseits reichlich dummes und gefährliches ‚Spiel mit dem Feuer‘; verlogen insofern, als das beständige Ausweiten der NATO nach Osten – seit 1989 (Mauerfall) um 14 Länder (demnächst 17) den russischen „Bären“ nunmehr geradezu logischerweise zum Handeln zwang. Diese strategische Einkreisung Rußlands führt auch innenpolitisch – auf wirtschaftlicher, vor allem aber auf militärischer Ebene – zu einem rasant wachsenden Druck auf Wladimir Putin.
Hinzu kommt, daß Putin auf der Krim nicht nur vertraglich vereinbarte territoriale Pachtverhältnisse verteidigt, sondern auch Leben und Existenz von Hunderttausenden von Russen (und russischen Tataren), die dort zum Teil seit Generationen leben.
Man überlege nur, was geschähe, wenn sich die mexikanische Regierung entschlösse, Bündnisverträge mit Rußland oder China einzugehen; binnen 24 Stunden würde wohl eine halbe Million US-Soldaten im Süden Kaliforniens und an der texanischen Grenze zusammengezogen, um das Leben und die Interessen von Millionen US-Bürgern zu schützen, die im südlichen Nachbarland der USA leben und wirtschaftlich tätig sind.
Rußland schiebt man die Schuld für die Ukraine-Krise in die Schuhe, daß aber private US-Truppen (‚Blackwater‘) und ‚Berater‘ bereits seit 2005 im Westen der Ukraine stationiert und tätig sind, habe ich zumindest noch in keinem westlichen Medium gelesen oder gehört.

Dumm ist das belligeristische Verhalten des Westens insofern, als sich die „Strategen“ der NATO (nicht nur, aber vor allem Washington) entweder überhaupt nicht realisieren, welche Gefahr für den Weltfrieden sie hierdurch heraufbeschwören oder sie diese Gefahren bewußt eingehen – hierbei könnte man von geradezu krimineller Dummheit sprechen.
Putin ist nämlich derzeit wohl der einzige Russe, der in der Lage ist, das eurasische Riesenreich zusammenzuhalten – nicht zuletzt durch sein intrinsisches Informationsnetz (als ehemaliger FSB- Chef) und klare Abmachungen, die er sowohl mit den Oligarchen als auch mit den Militärs getroffen hat. Eben diese klaren Regeln, die Putin auch unnachgiebig durchsetzt, verhindern bislang, daß die Rivalitäten und eifersüchtigen Intrigen, die sowohl unter den Militärs als auch unter den Oligarchen herrschen, zu einer völligen Zersplitterung des Sozial- und Wirtschaftsgefüges Rußlands führten.
Wird nun die Position Putins aufgrund der wachsenden Probleme in seinem Herrschaftsbereich, ausgelöst durch die o.g. Verlogenheit und Dummheit des Westens, nachhaltig geschwächt, und Putin unter Umständen sogar zu einem Rücktritt gezwungen, würde dieses höchst fragile System wohl binnen kürzester Zeit implodieren und zersplittern – mit unabsehbaren Folgen nicht nur in Rußland selbst, sondern auch in den angrenzenden Ländern sowie auf den internationalen Finanzmärkten, denn Rußlands Auslandsguthaben liegen bei etwa 400 Milliarden US-Dollar und westliche Banken sind mit etwa 200 Milliarden US-Dollar in Rußland und seiner Wirtschaft involviert.

In Rußland selbst spielen sich gespenstische Szenen ab: Ganze Sortimentreihen sind schlagartig aus den Kaufhäusern verschwunden; vor Billigketten und Ramschläden bilden sich lange Schlangen; der Kurs für den Euro schwankt – von Bank zu Bank verschieden – zwischen 120 : 1 und 80 : 1, wobei der Wechselkurs buchstäblich minütlich Veränderungen erfährt. Die Hälfte der Klein(st)betriebe hat erst mal den Betrieb eingestellt; man wartet wohl ab, wie sich die Verhältnisse in den nächsten Tagen entwickeln werden. Hunderte haben bereits ganz aufgegeben; sogar die Selbstmordraten steigen bereits. Offizielle Stellen, Behörden und Ämter erhielten Eildepeschen mit klaren Anweisungen, vor einem striktem Auskunftsverbot zu allem, was die politische Lage anbelangt; alle mit der inneren Sicherheit des Landes befaßten Dienste und Behörden wurden in Alarmbereitschaft versetzt, und ein besonderes Augenmerk gilt den wenigen noch verbliebenen (teil)unabhängigen Medien.

Leider geht man in der Öffentlichkeit und den Medien NATO-Europas und den USA zu ignorant und mit völlig einseitiger Schuldzuweisung gegenüber Rußland bezüglich der sich zuspitzenden Krise in der Ukraine um. Als ‚Putin-Versteher‘ wird jeder diffamiert, der sich um eine ausgewogene, beider Seiten Interesse und Situationen berücksichtigenden Weise bemüht. Wohl mangelndem Intellekt geschuldet setzt man dabei Putin-‚Versteher‘ mit Putin-‚Anhänger‘ synonym, wobei letztere dann natürlich automatisch Gegner und Feinde des Westens, Europas und der USA sind. Es geht eben nichts über ein einfaches Weltbild!

Schon im alten Rom galt der juristische Grundsatz ‚audiator et altera pars‘ 1, aber davon wollen westliche Ignoranz, Agnoranz und Arroganz – nachgerade in den offiziell gesteuerten, beileibe nicht meinungsfreien Medien – natürlich nichts wissen.
Dieser offensichtliche Mangel an Bereitschaft, in bemühtem Verständnis um Zusammenhänge und Hintergründe aufeinander zuzugehen, stellt keine sonderlich Mut machende Basis für das gerade so feierlich-beschworene Jahresend-Fest (vulgo: ‚Weihnachten‘) dar.
Vielleicht sollten wir unsere Politiker sowie alle die „Heilsbotschaft“ so innig kündenden Journalisten mal nachhaltig darauf hinweisen, daß die Bevölkerung mehr von ihren Politikern und Medien erwartet als laue Weihnachtsansprachen einer Pfarrerstochter und eines ausrangierten evangelischen „Geist“lichen.

Ich wünsche allen Zeitgenossen in West und Ost, Nord und Süd ein paar Minuten ruhigen Nachdenkens in den vor uns liegenden letzten Tagen dieses Jahres und ein möglichst friedliches nächstes Jahr – getragen von der Bereitschaft, sich den Standpunkten des jeweils Anderen mit Interesse und Neugier zu nähern; Grundlage dessen, was wir Verständnis und Vertrauen nennen.

Hans-Wolff Graf

1 Lat.: Auch die andere Seite muß gehört werden.

14. November 2014

Herbstzeit

14. November 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Herbstzeit

Mit süffisantem Lächeln und der reichlich überheblichen Bemerkung, „das hätte sich noch vor drei Jahren niemand vorstellen können“, eröffnete uns Reichsverweser Schäuble am Mittwoch in Berlin, daß das ‚Bankgeheimnis‘ ab 2017 faktisch Geschichte sei. 51 Staaten hätten schon unterzeichnet, und weitere 86 seien „quasi mit an Bord“, weil sie dem uneingeschränkten Informationsaustausch bereits zugestimmt hätten.
Nicht teilnehmen an diesem Informationskarussell werden übrigens die USA, die zwar von allen anderen Ländern Unterwerfung unter internationales Recht verlangen, sich selbst aber regelmäßig Nichteinmischung und Sonderrechte ausbedingen. Nun, für uns Normalsterbliche galt das „Bankgeheimnis“ bereits seit Jahren nicht mehr; PINs und TANs, GPS und WLan-traffic, online-banking sowie das ungezügelte aktive und passive Informationsbedürfnis hunderter Millionen rund um den Globus haben uns längst zu völlig gläsernen Bürgern werden lassen.
Nun ging es vielmehr darum, Firmen künftig zu verunmöglichen, durch Verlagerungen ihrer Zentralen, bzw. Auslagerungen gewinnträchtiger Teilbereiche in steuergünstige Drittländer Steuern zu umgehen. 37 Milliarden Euro verspricht sich allein der deutsche Fiskus, weltweit rechnen Steuerexperten mit mehr als 2,1 Billionen US-$ Mehreinnahmen – pro Jahr! Bezahlen werden diesen ‚Coup‘ wiederum die Bürger – entweder durch entsprechend höhere Preise oder durch steigende Arbeitslosenzahlen, wenn sich nämlich (durch Austrocknung der Steueroasen) viele Produktionsströme nicht mehr rechnen.

Nun droht zudem (wohl bereits im ersten Halbjahr 2015) ein sanfter, aber spürbarer Anstieg der Zinsen, da sich die neue FED-Chefin Yellen zuversichtlich zeigt, angesichts der robusten Konjunktur in den USA die seit sechs Jahren andauernde „Subventions“politik der US-Notenbank nach und nach vollends einstellen zu können.
Abgesehen davon, daß wir den Optimismus der FED-Professorin nicht teilen, könnte ein derartiges Bremsen des Schuldenrades Europa härter treffen als die USA; zum einen würde der Niedergang des Euro, der sich auf den Schuldenstand der EU-Länder positiv auswirkt, dadurch umgekehrt – was speziell die schwächeren Kandidaten (incl. Spanien, Italien und Frankreich) vor wachsende Probleme stellen dürfte –, zum anderen träfe es die (noch) starken Volkswirtschaften (D, NL, SF und A), da die Euroländer – anders als die 50 Bundesstaaten der USA – füreinander haften.
In summa: Es bleibt spannend, denn in einem Punkt laufen EU und USA stramm in die gleiche Richtung: Der Auf- und Ausbau des öffentlich-(un)rechtlichen Sektors schreitet munter voran; immer mehr Teile der Bevölkerung arbeiten völlig unproduktiv und leistungslos auf Kosten der realen Leistungserbringer ihrer Volkswirtschaften. Früher erweiterten Fürsten permanent ihren Hofstaat und versorgten ihre Klientel mit extra geschaffenen (oftmals völlig unsinnigen) Pöstchen, um Abhängigkeiten zu schaffen, die eigene Glorie sichtbar zu mehren sowie aus einem steigenden Kontrollbedürfnis – gerade in schwierigeren Zeiten. Heute tun dies Ministerien, Behörden und Ämter – aus gleichen Motiven und ebenso sinn- wie rücksichtslos. Es gilt, den Bürger immer stärker unter Kuratel zu zwingen, da man ihm mißtraut und ihn als „natürlichen“ Gefährder des staatlichen Systems ansieht.

Die Märkte scheinen noch weiter „Luft“ abzulassen (sh. die letzten Freitags-Newsletter); die politischen Unwägbarkeiten sind momentan schwer einzuschätzen und reichen von Ebola, Ukraine-Krise und zwei „ungeklärten“ Flugunfällen bis zur unsäglichen Mautdiskussion und dem europaweiten Banken-Streßtest. Insgesamt bleiben wir aber verhalten optimistisch. Ob wir an den Wertpapiermärkten einen ‚Goldenen Herbst‘ erleben oder einen frühen kalten Wintereinbruch, vermag zur Stunde niemand zu sagen. Aber da geht es uns nicht besser als den „Wetterfröschen“; auch die können sich nur auf langfristige Erfahrungswerte verlassen und kurzfristige Prognosen abgeben – womit sie oft genug danebenliegen.

Lassen Sie sich weder die Laune oder den Appetit auf Lebkuchen und Glühwein nehmen, noch von der Herbstgrippe erwischen.
Eins ist sicher: Nichts ist sicher; und nicht mal das ist sicher!

H.-W. Graf

6. Oktober 2014

Eurokrise 2.0

6. Oktober 2014|Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Eurokrise 2.0

Einmal mehr war es Axel Weber, heute Präsident der UBS, früher Chef der Bundesbank, der die Situation trefflich umschrieb: „Die EZB entwickelt sich immer mehr zur ‚eierlegenden Wollmilchsau‘, die all die Probleme lösen soll, die Brüssel nicht lösen kann“, – und, so möchte man hinzufügen, nationale Politiker nicht lösen wollen, obwohl sie ursächlich dafür verantwortlich sind.

Während die kriegerische Wortakrobatik, mit der wir, die grundsätzlich für alles haftenden BürgerInnen, noch vor einem halben Jahr medial laufend zugeschüttet wurden, allmählich abebbt, brodelt und gärt im Untergrund weiter, was von einer Lösung meilenweit entfernt ist – die Eurokrise.
Während nämlich vor allem Irland, aber auch Spanien und Griechenland inzwischen wieder die ‚Nase über Wasser‘ haben, laufen die Volkswirtschaften Frankreichs und Italiens weiterhin ins Minus; beider Länder Politiker sehen sich nicht in der Lage, den wirklichen Gründen für den desolaten Zustand ihrer Volkswirtschaften – zu hohe Löhne, viel zu viel Bürokratie- und Verwaltungskosten, 35-Stunden-Woche (Frankreich) – mit harten Reformen konsequent zu begegnen. Kein Wunder, welchen Italiener interessiert schon, was in Rom ausgekungelt wird, und die Franzosen strafen ihre politischen Glühwürmchen geradezu hobbymäßig ab.

Nach wie vor können sich die 18 Mitgliedsstaaten nicht darüber einigen, welche (aus Sicht der Deutschen Bundesbank einzige) Lösung sie präferieren – entweder eine „Fiskalunion“, also eine Vereinheitlichung der gesamten Steuerpolitik aller beteiligten Länder, unter der Führung Brüssels, oder eine „Maastricht 2.0“-Variante, derzufolge die einzelnen Mitgliedsländer strikt die von Brüssel vorgegebenen und strafbewehrten Regeln einzuhalten haben. An letzterem darf man als wirklich probater Lösung insofern zweifeln, als bereits Maastricht I nach und nach immer mehr aufgeweicht und von immer mehr Mitgliedsländern immer unbedenklicher verletzt wurde, schlußendlich nicht mehr das Papier wert war, auf dem es verewigt wurde.

Die (unserer Meinung nach einzig vernünftige) dritte Lösung, die Rückkehr zu konkurrierenden Währungen, steht weder für Brüssel noch für die Politiker aller involvierten Länder oder deren Notenbankenchefs überhaupt zur Debatte. Einzig die ‚AfD‘ in Deutschland und Nigel Farage, der Chef der ‚UK Independence Party‘, scheinen den Schuß gehört zu haben und den wahren Kern des Problems zu verstehen. Sie werden dafür prompt als ‚rechts‘ verteufelt und gefemt.
Dabei lernt jeder Volkswirt im ersten Semester, daß die Hauptfunktion unterschiedlicher Währungen darin liegt, als Bindeglied oder Gelenk zwischen unterschiedlich strukturierten Volkswirtschaften und deren Leistungsfähigkeiten zu agieren.
[Wer sich dafür interessiert: s.o.; so sähe unser Lösungsvorschlag aus:
Die Lösung der Euro-Krise, H.-W. Graf, Sept. 2013.pdf ]

Eine größere Kluft zwischen politischer Welt (und deren „elitären“ Bewohnern – Politiker und Parteien) und den soziologischen Strukturen, die man früher als Völker und Nationen bezeichnete, bestand wohl noch nie; den etwa drei Dutzend Unabhängigkeits-bestrebungen, die wir alleine im Raum der Eurozone haben, stehen die Verfechter einer Vereinheitlichung von allem – Löhne, Gehälter, soziale Verhältnisse, Renten- und Sozialversicherung, Arbeitszeiten und -umfelder, und all dies bei gleichen Bildungsvoraussetzungen, identischen (Lebens-)arbeitszeiten, Produktabilität und Lebensstilen – gegenüber.

Ich warte nur darauf, daß nach der Vereinheitlichung der Durchlaufgeschwindigkeit von Duschköpfen irgendwann auch die Vereinheitlichung von Reproduktionsquoten für alle Frauen innerhalb der Eurozone gesetzlich manifestiert wird.

Wer die Eurokrise bereits für beendet und als historisches ‚fait accompli‘ ansieht, sollte sich auf ein böses Erwachen einrichten. Wer sich jedoch wachhält, auch vor einigen Jahren rezessiver wirtschaftlicher Entwicklung und den berühmten „japanischen Verhältnissen“ keine Angst hat, wird auch diese Krise unfähiger und unwilliger Finanz- und Wirtschaftspolitiker problemarm überstehen.

H.-W. Graf

29. September 2014

AfD – Ausgrenzung, Feindbild, Schreckgespenst!

29. September 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für AfD – Ausgrenzung, Feindbild, Schreckgespenst!

Den größten Schock erlebten am vergangenen Wochenende sicherlich die Grünen. Da marschierte doch eine ganze „Horde“ politischer Renegaten an ihnen vorbei, eroberten doppelt so viele Stimmen wie sie und besetzten sowohl in Thüringen als auch in Brandenburg den vermeintlich angestammten vierten Platz in der Wählergunst. In Thüringen hätte nicht viel gefehlt und die AfD wäre sogar noch an der SPD vorbeigezogen, und die Grünen hätten beinahe den Einzug ins Parlament verpaßt.

Ein Schreckgespenst geht um in Deutschland, dem sämtliche anderen Parteien so gerne das braune Mäntelchen überstülpen würden. Da erfrechen sich diese politischen Hasardeure doch, an der Deutungshoheit der Etablierten zu rütteln. Immerhin steht – das weiß doch wohl jeder – die CDU für konservativ, die SPD für Soziales, die Linken fürs Sozialistische und die Grünen fürs Brave und Gute. Und noch aus der Urne erhebt die FDP den Anspruch, für Liberalität und Freiheitlichkeit stehen zu dürfen.
Da erstaunte es schon, daß in Brandenburg fast 110.000 Stammwähler der fünf bisherigen Parteien und in Thüringen fast 85.000 ihre Stimme der AfD gaben. Und das sollen alles rechtsradikale Irrlichter gewesen sein?

Anstatt sich selbstkritisch und ehrlich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, daß die BürgerInnen augenfällig aufzuwachen beginnen und sich nicht länger gängeln und bevormunden lassen wollen, die berühmte „Schnauze“ voll haben von der selbstgefälligen Bereicherung und der pfauenhaften Eitelkeit der politischen „Elite“ und nach neuen Wegen in eine andere Zukunft lugen, eint die Hofschranzen des politischen Systems die Angst vor dem Katalog von Forderungen, mit dem die AfD nach der Wahl in Sachsen nun auch in Thüringen und Brandenburg um Wählers Stimme buhlte.
Fröhlich und leichtfüßig stellen sie die Besitzansprüche der etablierten Parteien nicht nur in Frage, vielmehr entlarven sie mit kaum wiederlegbarer Logik die schwarzen (dunkel)roten und grünen Märchenerzähler. Die wiederum flüchten sich, bar besserer Argumente, in politische Drohgesänge und beschwören empört ultra-nationalistische Politgespenster. Dabei gibt es in den Reihen der CDU/CSU mehr als genügend dunkelbraune Gestalten, in der SPD und insbesondere unter den Linken kommunistische Rotkäppchen, und unter den Grünen leben beileibe nicht nur friedliche Körnchen-Fetischisten, sondern mindestens so viele Asoziale, Leistungsverweigerer und Päderasten wie in allen anderen Parteien auch.

Nur so ein Gedanke: Wenn sich CDU/CSU ihrer Worthülse „konservativ“ beraubt sehen und (Dunkel)Rote wie Grüne um ihr verbales Privileg des Sozial(istisch)en fürchten, wie wär`s denn dann mit den noch jungfräulichen Begriffen wie verantwortungsbereit, pluralistisch, tolerant, modern und zukunftsfähig? Tatsächlich ist mit der AfD eine wirkliche Alternative in die düsteren Gemäuer der deutschen Politik eingebrochen, und jeder Versuch, hieraus einen großväterlich-intellektuellen Spuk zu konstruieren oder ein dunkelbraunes Gespenst an die Wand zu malen, scheitert an der Wut, dem Frust und der Intelligenz der Bürger, die überhaupt noch bereit sind, zur Wahl zu gehen. Aber gerade durch ihre Angst- und Haßtiraden gegenüber der AfD zeigen die etablierten Parteien, wie abgehoben und realitätsfremd sie sind, wie fatal sie den gesunden Menschenverstand ihrer Wähler unterschätzen.

Das Phänomen der deutschen AfD spiegelt sich in rund drei Dutzend Bewegungen innerhalb der EU(rozone) und Ländern, die entweder in die EU(rozone) aufgenommen werden oder sie verlassen wollen; die nach Unabhängigkeit von ihren derzeitigen Hauptstädten streben und eigenständige nationale Entitäten zu errichten trachten – u.a. Belgien (gleich mehrfach) und (Nord-)Italien bzw. Südtirol, Spanien (Katalonien und das Baskenland) und Großbritannien (Schottland), Makedonien und Serbien, Slowenien und Zypern, die Ukraine, Ungarn und Slowakei. Und hinter all dem steht das Aufbegehren einer nicht mehr einseitig durch Medien desinformierten, sondern sich unabhängiger Medien im Internet bedienender Menschen, die sich auch nicht mehr durch staatliche Gewalt und politischen Zwang, übermäßige Bürokratie und monopolistische Konzentration auf politische Wasserköpfe und egozentrische Parteistrukturen in ihren Freiheitsrechten einschränken lassen wollen. Sie haben es satt, den Parteifeudalismus finanziell auszuhalten, der nichts Besseres zu tun hat, als sie in ihrer privaten und beruflichen Sphäre unablässig zu kujonieren und mit ständig neuen Gesetzen zuzuschütten.

Man mag hoffen, daß wir vor dem Beginn einer völlig neuen politischen Kultur in Europa stehen, und genau damit sollten wir auch Osteuropa beliefern, nicht mit Waffen und verlogenen Heilsgesängen.

Zwang und Gewalt wendet derjenige an, dessen Argumentation, Überzeugungskraft, natürliche Autorität und Vorbild als Macht nicht ausreichen.

J.-L. Earl

Trotz der ultimativen Senkung des Leitzinses verdüstern sich die Wolken über dem Euro und der EU, wozu nicht zuletzt das oben beschriebene politische Wechselszenario beiträgt. Sämtliche 18 Mitgliedsländer mußten ihre hoffnungsvollen Prognosen über die Entwicklung des Jahres 2014 inzwischen revidieren. Selbst „Musterknabe“ Deutschland wird seine angestrebten 1,5% Wachstum des BIP wohl kaum erreichen, und die Volkswirtschaften Nr. 2 (Frankreich) und 3 (Italien) taumeln gar einem Minus entgegen. Das weitere Abbröckeln des Euro gegenüber dem US-Dollar und allen maßgebenden Währungen der Welt mag zwar den Export befördern, Importe werden jedoch entsprechend teurer. Und wer glaubt, die enorme Schuldenlast der Euro-Zone könnte durch einen weiterhin schwächelnden Euro nachhaltig saniert werden, dem darf ins Gedächtnis gerufen werden, daß in früheren Zeiten weder die dauerhaft schwache Lira, noch der stets kränkelnde Franc den grundsätzlichen Schwächen beider Volkswirtschaften Abhilfe leisten konnten. Die bewußt gesteuerte Abwertung einer Währung kann mangelnde Leistungsfähigkeit weder kompensieren noch kaschieren. Wenn nun in absehbarer Zeit auch noch die Zinsen wieder ansteigen, könnte es für Zehntausende von Kommunen und Städte, aber auch einige Länder der Euro-Zone sehr eng werden; und mutmaßlich auch für den Euro.

Die derzeitige Seitwärtsbewegung an nahezu allen Börsen ist der real- und finanzpolitischen Gemengelage (beinahe rund um den Globus) geschuldet. Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis sich nicht nur die finanzpolitischen, sondern auch die realpolitischen und realwirtschaftlichen Fronten klären und verläßliche Tendenzen zeitigen werden. Der „Verfall“ des Euro kommt unserem Währungsdepot sehr zupaß, ansonsten warten wir unaufgeregt ab.

H.-W. Graf

18. September 2014

Rekordtief des Leitzinses

18. September 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Rekordtief des Leitzinses

Nun haben wir also auch hierzulande „japanische Verhältnisse“; die EZB senkte den Leitzins auf 0,05%. Egal, welchen Alters: Das hat in Deutschland noch niemand erlebt, und wer sich noch an die 70er und 80er Jahre mit zweistelligen Hypothekenzinsen erinnern kann, hätte sich das auch wohl nie träumen lassen.

Damals hatten wir aber auch hierzulande noch Steigerungen des Bruttoinlandsprodukts von 4 und 5% sowie Preissteigerungsraten von 7 bis 8%.
Wenn man den Realzins, also den Nominalzins abzüglich der Preissteigerungsrate, als Maßstab und Faustformel nimmt, lagen wir damals auf dem gleichen Niveau wie heute, denn dieser Realzins liegt heute bei etwa 0,7%. Insofern ist des Einen Freud (niedrige Inflationsraten) des Anderen Feind (praktisch keine Rendite für kurzfristig angelegte Festgelder). Und selbst für 10-jährige Bundesanleihen liegt die Rendite inzwischen bei nur noch knapp 0,65%.

Auch wenn den EZB-Granden eine Preissteigerungsrate von 2% als ideal erscheint, so können die Konsumenten mit Preissteigerungsraten nahe der Null-Grenze hervorragend leben. Schwer tun sich nur diejenigen, die bei ihrer Geldanlage absolut jedes Risiko meiden, dennoch aber Renditen erzielen möchten. Daß dies rein logisch praktisch nicht möglich ist, zeigt sich in der Tatsache, daß die Zinsen, Renditen und Erträge des Anlegers von den Kreditnehmern und Konsumenten auf der anderen Seite bestritten werden müssen, so wie von Gewerkschaften durchgeboxte Lohnerhöhungen notwendigerweise zu Preissteigerungen der Anbieter von Waren und Dienstleistungen führen müssen.

Aber all das gehört zu dem immer wieder kolportierten Märchen, ‚nur Wachstum schafft Arbeitsplätze und Wohlstand‘, was insbesondere von Politikern in die Welt posaunt wird, die sich vor Wahlen beliebt machen und sich als ‚sozial‘ und (dennoch) ökonomisch kompetent beweisen wollen.

Die langfristigen Zinsen sind tatsächlich nur den Zinssenkungen der EZB gefolgt, und der Abstand zwischen kurz- und langfristigen Zinsen in Höhe von rund 1% entspricht durchaus dem historischen Mittelwert.
Wir könnten also mit dem derzeitigen Szenario durchaus auch längere Zeit bequem leben – Japan macht es uns seit mehr als 10 Jahren vor.

Irrational ist eigentlich nur der Anleger, der zwar im Supermarkt jedem Schnäppchen hinterher jagt, jedoch Sachwertanlagen [Aktien(fonds), Edelmetalle und andere Sachwerte] erst dann (wieder) kauft, wenn deren Preise schon wieder in luftige Höhen gestiegen sind, anstatt dann zuzugreifen, wenn sie „im Sonderangebot“, nämlich billig, zu haben sind.

Am besten geht es im derzeitigen Szenario denjenigen, die mit Sparplänen, die mit monatlich gleichbleibenden Beträgen bestückt werden, langfristig denken und handeln. Sie erwerben derzeit – ein kluges Management der Vermögensverwalter vorausgesetzt – erheblich mehr Anteile als in Phasen steigender Kurse. Dies wird sich aber gerade dann, wenn sich – und das ist auch historisch absehbar – Aktien- wie Rentenwerte wieder nach oben entwickeln werden, als sinnvoll erweisen. Denn wann die Zinsen wieder steigen, ist sekundär, daß sie es irgendwann tun werden, ist sicher.
Rekordtief des Leitzinses1
Lassen Sie sich nicht vom Geschehen an den Börsen irritieren. Viel beunruhigender ist unserer Meinung nach das (wesentlich) irrationalere Verhalten der Politiker, ob in Syrien und dem Irak, im Gazastreifen und auf den Golanhöhen, in der Türkei und Afghanistan oder im Konflikt zwischen West- und Ost-Ukraine.
Applaudierende Profiteure dieses Szenarios sind nur die Waffenschmieden. Aber auch die bieten amtsmüden oder abgehalfterten Politikern post officium lukrative Jobs!

Wirtschaft und Finanzen, Börsenkurse und Indizes müssen Sie nicht erschrecken, egal ob Sie als Konsument oder Anleger unterwegs sind (s.o.).

H.-W. Graf

8. September 2014

Deutsche im Kaufrausch – von wiederkehrenden Meldungen und ihrem Wahrheitsgehalt

8. September 2014|Gesellschaftssystem, Politik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Deutsche im Kaufrausch – von wiederkehrenden Meldungen und ihrem Wahrheitsgehalt

Unter dem Radar der sich fortlaufend zuspitzenden geopolitischen Nachrichtenlage aus dem Nahen Osten und der Ukraine rücken anderweitige – weniger spektakuläre – Entwicklungen leicht in den Hintergrund. Dennoch sollten auch diese im Auge behalten, oder – noch besser – gelegentlich unter die Lupe genommen werden. Daher geht es heute um die immer wieder aufflackernden Meldungen über den sogenannten ‘Kaufrausch‘ der Deutschen, á la: ‘Deutsche kaufen wie verrückt‘ oder ‘Konsumlaune in Deutschland: kaufen, kaufen, kaufen‘.
Als Grundlage für derartige Meldungen dient zuallermeist der sogenannte Konsumklimaindex, ein Index mit dem nicht die tatsächlich getätigten Konsumausgaben, sondern vielmehr die Stimmung der Verbraucher gemessen wird. Mit Fragen wie beispielsweise: “glauben Sie, daß es in Anbetracht der allgemeinen Wirtschaftslage derzeit günstig ist, größere Anschaffungen (Möbel/elektrische und elektronische Geräte usw.) zu tätigen?“ wird dabei Volkes pekuniäre Gemütslage erkundet und gedeutet. Der intensive Blick auf nachstehende Graphik dürfte aber so einiges erklären und relativieren.

Die blaue Linie stellt den jeweils gemessenen Konsumklimaindex dar, die rote Linie bezieht sich auf die realen Einzelhandelsumsätze in den letzten 8 Jahren. Nun ist es zwar so, daß der Einzelhandel nur 32% der privaten Konsumausgaben wiederspiegelt, er dürfte aber die Realität dennoch ganz gut wiedergeben. Auch andere Bereiche wie z.B. die Neuzulassungen von PKW´s zeigen in den letzten Jahren bestenfalls eine ausgeprägte ‘Seitwärtstendenz‘.
Wenn es also in den letzten Jahren eine Konstante gab (bei allen wirtschaftlichen Auf und Abs) dann war es das fast schon langweilige und vor allem stagnierende Konsumverhalten der Deutschen. Es ist offensichtlich weit an der Realität vorbeigepeilt, zu unterstellen, daß aufgrund des niedrigen Zinsniveaus und der damit einhergehenden Unattraktivität von Festgeldern u.ä. mehr Geld ‘verkonsumiert‘ würde. Der reale Geldbeutel und die Stimmung der Verbraucher sind eben doch zwei verschiedene paar Schuhe.
Wie sich das Konsumverhalten entwickeln wird, wenn der Winter naht und möglicherweise ‘Energie‘ wieder einmal in den Krisenmodus rutscht (es wird ja gerade fleißig an der nächsten hausgemachten Energiekrise gearbeitet), bleibt abzuwarten. Gut möglich aber, daß dann auch das ‘Konsumklima‘ erst einmal nennenswert ins Frostige abgleitet. Nach wie vor auf dünnem Eis wandeln die globalen Aktien- und Rentenmärkte, wobei diesmal die ‘grünen‘ Vorzeichen im Wochenverlauf deutlich überwogen.

Obwohl es ja heißt ‘politische Börsen haben kurze Beine‘, dürften die nächsten Wochen weiterhin von stärkeren Schwankungen begleitet sein, denn eine Lösung/Beruhigung der geopolitischen Machtspiele scheint noch in weiter Ferne.

Frank Amann

25. Juli 2014

Willkommen zurück in der Realität

25. Juli 2014|Außenpolitik, Innenpolitik, Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Willkommen zurück in der Realität

Nach vier Wochen der Regentschaft einer Lederkugel, die Milliarden von Menschen in 200 Staaten der Welt in ihren Bann zog, und nach einer Woche des Siegestaumels hierzulande, gewinnt allmählich die Realität wieder Raum. Rente mit 63, die Maut im fortgeschrittenen Embryonalstadium, Juncker als neuer EU-Chef und Martin Schulz als Kommissionspräsident – das Mauscheln um die lukrativen Brüsseler Chefposten ist noch in vollem Gange.

Nun taucht auch wieder die NSA-Ausspähaffaire, der Bürgerkrieg in der östlichen Ukraine, der seit drei Jahren tobende Stellvertreterkrieg Syrien und das erneute Aufflammen des seit 65 Jahren andauernden Kriegs im Nahen Osten (Israel/Palästinenser) auf den vorderen Seiten der Presse sowie als ‚Breaking News‘ in den sendenden Medien auf. Interessant dabei ist vor allem, wie völlig unterschiedlich die „westliche“ Welt ihren BürgerInnen die Zu- und Umstände in den jeweiligen Krisengebieten erläutert. So wird die Wahl in Syrien (mit immerhin 73% Beteiligung) zur „Farce“ erklärt (bei der Wahl zum EU-Parlament im Mai betrug die deutsche Wählbeteiligung weniger als 48%), weil den NATO-Staaten, vor allem den USA, der wiedergewählte syrische Präsident Baschar al-Assad als erklärter Feind dient. Interessant: In Frankreich und Deutschland durften die Auslands-Syrer in den jeweiligen Botschaften nicht wählen, da es sich aus Sicht der Regierungen in Paris und Berlin um ‚keine demokratisch legitimierte Wahl‘ handelte. In der Ukraine hingegen (die Wahlbeteiligung lag bei etwa 43%; viele Wahllokale in überwiegend russisch bewohnten Gegenden blieben geschlossen) wurde der Schokoladen-Oligarch Petro Poroschenko binnen 24 Stunden von den USA und Großbritannien als neu-gewählter Präsident einer ‚wichtigen demokratischen Wahl‘ gefeiert und anerkannt.

Kann sich irgendeiner vorstellen, was geschähe, wenn ein Medium dem US-amerikanischen Präsidenten so unverhohlen die Einmischung in fremde Staatsangelegenheiten, Verstoß gegen Kriegs- und Völkerrecht, Kriegshetze u.ä. vorwürfe, wie dies derzeit gegenüber Vladimir Putin geschieht? Und dazu bestünde jeder Anlaß.
Wäre es nicht hohe Zeit, den USA mit drastischen wirtschaftlichen Konsequenzen zu drohen (wie dies die USA von den Europäern gegenüber Rußland fordern)? Angesichts der Tatsache, daß für Washington der Umgang mit Verbündeten und Freunden nachgerade darin besteht, sie rücksichtslos und flächendeckend zu verdächtigen, auszuspionieren und nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen, sollte Frau M. aus B. mal darüber nachdenken.

Mag die Dame getrost ihren 60. Geburtstag feiern – Onkel Barack schickte ihr gerade ein neues Handy – und mag sich Deutschland unter der Führung seiner GroKo auch auf der Sonnenseite der Welt sehen, die sozialen, finanziellen und wirtschaftlichen Probleme, in denen die Majorität der Länder auf diesem Planeten stecken, wächst allen Hurra-Rufen der westlichen Welt zum Trotze immer weiter.
Wir sagten in unserer Studie „Unsere Welt“ bereits 1992 genau das Szenario voraus, dem sich heute (vor allem) der Süden Europas gegenüber sieht: Millionen chancenloser Afrikaner, die in Europa einfallen – um jeden Preis und in der verzweifelten Hoffnung, hier überleben zu können.

Nein, ohne Fatalist zu sein: unsere Politiker sind weder bereit noch in der Lage, die sich abzeichnende Wirklichkeit auch real zu erfassen. Aber wir BürgerInnen werden uns damit befassen müssen, auch wenn derzeit die Märkte (und sogar das Wetter) nichts zu trüben scheint.

Im Newsletter Nr. 24 (vor der WM) hatten wir Mutmaßungen darüber angestellt, was uns wohl während der medialen Euphorie „heimlich, still und leise“ an Gesetzesentscheidungen politisch untergeschoben würde. Leider kam es schlimmer als befürchtet: Beim Erreichen der Zwischenrunde genehmigte der Bundesrat das Fracking; in der Woche des Sieges gegen Algerien erhielt das angeblich „sanierte“ Griechenland nochmals eine Milliarde Euro überwiesen; und, ganz heftig – bisher waren es nur Planspiele, doch jetzt wird es ernst: Während der Finalrunde hat mit Spanien der erste EU-Staat für alle (!) Bürger eine „Sparersteuer“ durchgesetzt, und zwar sogar rückwirkend zum 01.01.! Damit werden alle Spanier (gesetzlich legitimiert) mit ihren Bankeinlagen einen Beitrag zur Konsolidierung „ihrer“ enormen Staatsschulden leisten.

H.-W. Graf

13. Juni 2014

Blasenwerfer und Schaumschläger

13. Juni 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Blasenwerfer und Schaumschläger

Das Ergebnis der „Schicksalswahl“ vom 22. bis 25. Mai kann durchaus als Paukenschlag bezeichnet werden. Zum einen lag die Wahlbeteiligung durchschnittlich deutlich höher als beim letzten Mal, andererseits immer noch unter 50%.
Blasenwerfer und Schaumschlaeger_1Die höhere Bereitschaft, bei diesem pseudodemokratischen Polit-Zirkus mitzumachen, ist sicherlich auf die alternativen Parteien zurückzuführen – die Stammwähler der saturierten Alphatiere im konservativen und „sozial“istischen Lager zeigten sich so desinteressiert wie vor fünf Jahren. Läßt dies schon (ein wenig) hoffen, so macht umso mehr Mut, daß der Anteil kritischer Bürger, die sich auch vom Feme-Geheul der etablierten Parteien sowie der lakaienhaften Medien nicht irritieren ließen, erfreulich gewachsen ist und damit erstmals vernehmlich gegen die hemmungs- und rücksichtslose Usurpation eines ganzen Kontinents durch die etablierten Parteien protestierte. In Brüssel, Luxemburg und Straßburg hat sich nämlich ein Sammelbecken von ebenso machthungrigen wie (zumeist) inkompetenten Blasenwerfern und Schaumschlägern etabliert, die – unter dem benevolent anmutenden, mit rosa Wölkchen umrahmten Aushängeschild ‚Vereintes Europa‘ – einfach frech ausprobieren, inwieweit sich Hunderte von Millionen Menschen einseifen, in ihren Lebens- und Arbeitsgewohnheiten beschränken und kasernieren, mit Vorschriften überfrachten und uniformieren lassen.
Doch dabei haben diese selbsternannten Europa-Parlamentarier die Leidensfähigkeit und Duldungsbereitschaft ihrer in immer größere Abhängigkeit geratenden Steuerzahler gründlich überschätzt und allzu hemmungslos malträtiert. Dafür gab`s nun (und beileibe nicht nur in den jungen „Demokratien“ Osteuropas und den bevölkerungsmäßig kleinen Ländern der EU) erfreulich derbe Prügel für das Establishment der europaweiten Parteiend(a)emokratur, vor allem in Frankreich, dem Vereinigten Königreich und – man höre und staune – in der Bundesrepublik. Die Bevölkerung verweigerte den vollmundigen Versprechen der politischen Platzhirsche das ohnehin längst arg lädierte Vertrauen und entlarvte ihre jahrelangen Sprüche als das, was sie realiter sind: Seifenblasen und inhaltsloser verbaler Schaum. In Frankreich, England und Dänemark waren die jeweils alternativen Parteien sogar deutliche Wahlsieger!
Blasenwerfer und Schaumschlaeger_2Zwar ist der Kelch eines Martin Schulz als EU-Präsident (dank des Ergebnisses der SPE-Fraktion) noch einmal an uns vorbeigegangen, aber mit Jean-Claude Juncker – sofern Mutti Merkel doch noch huldvoll nickt – haben wir zwar einen fachlich deutlich kompetenteren, aber vor allem dem wirtschaftlichen Establishment (VEP) verpflichteten und in seiner Verläßlichkeit höchst „biegsamen“ Kandidaten für diesen Posten.
Gefahr für den Schaumschläger-Club droht jedoch von ganz anderer Seite; der ‚Front National‘ (FN), die ‚United Kingdom Independence Party‘ (UKIP) sowie die alternativen Parteien Nordeuropas, der BRD (AfD) und Österreichs, der Niederlande, Belgiens und Südosteuropas werden zwar in Brüssel selbst keine nennenswert mächtige Opposition bilden und gemeinsam agieren können, sehr wohl aber in ihren eigenen Ländern nachhaltig für Unruhe sorgen und damit die Gesamtgemengelage dessen erschüttern und gefährden, was die Draghis, Barrosos, Schäubles und Merkels, Camerons und Hollandes längst als fait accompli (zu Deutsch: ‚gemähte Wiese‘) betrachtet hatten.
Das „Spielfeld“ ‚Vereintes Europa‘ mit 500 Millionen braver Konsumenten, Steuerzahlern und Wählern ist längst nicht so sicher umzäunt und hermetisch abgeriegelt, wie das die politischen Monopolisten glauben zu dürfen meinten; die Karten werden neu gemischt, und die Völker melden sich mit eigenen Bedürfnissen, Ängsten und Gedanken vehementer zu Wort, als ihnen dies ihre politischen Leithammel (und -hammelinnen ☺) zugetraut haben.
Langsam macht sich die Erkenntnis breit, daß echte Demokratie per se nur eine regionale Veranstaltung sein kann. Ein zwangsvereintes Europa als wirtschafts-, sozial-, steuer-, kultur-, finanz- und bildungspolitisches Einheitskorsett braucht und will niemand.

H.-W. Graf