Steuer- und Finanzpolitik

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10. August 2011

Das Ende der Parteiend(a)emokratur (Teil 1) – Beginn einer neuen Ära –

10. August 2011|Gesellschaft, Kultur und Geschichte, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für Das Ende der Parteiend(a)emokratur (Teil 1) – Beginn einer neuen Ära –

Langsam beginnt bei Soziologen und Humanologen die Einsicht zu greifen, daß mit dem ehernen Glaubensdiktat ‘Demokratie’ als ultima ratio menschlichen Miteinander-Umgehens und -Lebens eine wirklich menschliche Zukunft nicht zu gestalten ist.

Standardinhalt humanistischer Bildung ist u.a. das Hohelied auf die Begründer des Gedankens der Demokratie und ihre Protagonisten im alten Griechenland wie Herakleitos von Ephesus, Solon, Perikles u.v.m. Doch was als Abkehr von der archaischen Führung eines Stammes (als Vorläufer dessen, was später Volk genannt wurde) durch den jeweils (ursprünglich physisch, später wirtschaftlich) Stärksten hin zu einem humanogenen Miteinander und Füreinander, einer kollektiven Herrschaft der Besten, Fähigsten und Erfahrendsten gefeiert wurde, hat sich in zweieinhalb Jahrtausenden und nach unzähligen Kriegen mit Milliarden von Toten als Irrweg erwiesen.
Nicht etwa, daß der Grundgedanke falsch gewesen wäre: An die Stelle dumpfdröger Rudelführung sollte die gemeinsame Gestaltung und in Aller Tun, Handeln und Entscheiden liegende Verantwortung für das Gemeinwohl eines Dorfes (die ursprüngliche Bedeutung des altgriechischen Begriffes ‘demos’) rücken. Dabei gab es jedoch genaue Regeln, nach denen die Mitsprache sowie das aktive und passive Wahlrecht festgelegt wurde, wobei dieser Katalog in den sich entwickelnden demoi voneinander abwich.
Grundsätzlich war aber schon das Zuzugs- und Aufenthaltsrecht klar geregelt, da man sich vor der Unterwanderung vonseiten unliebsamer Zeitgenossen, die jedwede Macht ausüben und/oder Einfluß hätten nehmen können, schützen wollte und Angst vor Erkrankungen und der Einschleppung von Seuchen hatte. Außerdem wollte man die eigene Kultur (incl. der heimischen Götterwelt) nicht verfremden lassen.
Daneben mußte man sich aber für Mitsprache und das Wahlrecht qualifizieren; neben einem Mindestalter, vielfach auch der rituellen Erhebung ins Mannesalter, galt es, männlichen Geschlechts und situierter Einheimischer zu sein (mitunter bis zu drei Generationen!), einen ehrenhaften Leumund (und Bürgen hierfür) und einen gesicherten Lebensunterhalt sowie fachliche Qualifikation in einem ‘ehrbaren Beruf’ nachzuweisen. Nach diesen Kriterien, die kaum einer der heutigen Berufspolitiker erfüllen würde, waren bereits im alten Athen nur etwa acht bis zehn Prozent der Bürger mitsprache- bzw. wahlberechtigt [in der Urform athenischer Demokratie gab es sogar überhaupt keine heute vergleichbaren Wahlen. Steuern zahlten nur Fremde mit Aufenthaltsrecht].
Aber bereits im Athen des 6. bis 4. Jhrdt. ersetzte sehr bald Vermögen die mitunter fehlende fachliche Qualifikation. Den größten Fehler (und Verrat an der Ursprungsidee) begingen die Athener, als sie – quasi als US-Amerikaner der Antike – vom eigenen wirtschaftlichen und kulturellen Vorsprung berauscht, meinten, ihr Erfolgsmodell ‘Demokratie’ in die umliegenden Kommunen und Territorien “exportieren” zu können und das von ihnen beherrschte Graecien (eigentlich ein römischer Schimpfname) unter ihrer Führung zu ‘demokratisieren’. Damit gingen nämlich zwei Grundparameter verloren, die von den Vätern der Demokratie klar formuliert wurden: Zum einen mußten Wahlberechtigte über das notwendige Fachwissen zum abzustimmenden Sujet verfügen, zum anderen vom Ausgang der Wahl (und deren Folgen) unmittelbar betroffen sein. Daraus folgte aber bereits damals logisch, daß Demokratie immer nur eine regional begrenzte Veranstaltung sein konnte.

Schon damals – die meisten Menschen der damaligen Zeit waren Analphabeten, deren Erlebniswelt und Erfahrungshorizont zumeist regional recht begrenzt waren; moderne Kommunikationsmittel standen noch nicht zur Verfügung – mißbrauchten machthungrige Zeitgenossen ihren Wissensvorsprung und manipulierten damit diejenigen, auf deren Zustimmung sie gleichwohl angewiesen waren. Begünstigt wurde, wer sich in die Nähe der Mächtigen begab, die ihrerseits mit Versprechen und Zuwendungen, Posten und Vorteilen sich Macht und Einfluß erkauften. Der Grundgedanke der Demokratie ging mit der territorialen Ausweitung innerhalb von weniger als eineinhalb Jahrhunderten faktisch verloren. Zunehmend regierten diejenigen, die, auf Macht und Imponiergehabe versessen, am unbedenklichsten ihr Umfeld korrumpierten, unter Gesetze und Observation stellten, mit Kriegen überzogen (deren Ursache sie oftmals selbst kreierten!) und sich skrupellos ihr eigenes Herrschaftsgebiet schufen, indem sie das Heer ihrer Günstlinge immer üppiger ausbauten. Das Wohl und Wehe ihrer Untertanen interessierte sie nur peripher bis überhaupt nicht; zu den Lebensumständen der Menschen, denen nach überregionaler Politik überhaupt nicht der Sinn stand, hatten die Führer der Antike praktisch keinen Kontakt mehr. Führer und Volk teilten keine Realwelt mehr.

In der gleichen Situation stehen die “Demokratien” der Neuzeit. Der Grundgedanke verantwortungsbereiter Partizipation am Geschehen – Basis realer Demokratie – ist zum verbalen Scherzartikel verkommen. Die Gedanken- und Erlebniswelt der Führer in modernen “Demokratien” leben, salbadern und agieren fernab der Realität, in der ihr Volk lebt. Ihre “Legitimation” ziehen sie aus pseudodemokratischen “Wahlen”, zu ihrem Schutz unterhalten sie zum einen Heere von Staatslakaien, die nach dem Prinzip von Strukturvertrieben organisiert sind, jeweils nur über streng-isoliertes Teilwissen verfügen und nicht wagen, über den Rand des ihnen vorgesetzten Tellerchens zu blicken, da dies sie den Posten und die gesicherte Pension kosten könnte. In enger Verquickung mit den Medien und mittels einer alles überbordenden, kontrollierenden und regelnden Bürokratie entfremden sie insbesondere diejenigen, die ihren Status nebst allem Gepränge finanzieren. Jeder Handgriff wird zertifiziert – selbstverständlich nur zum (Verbraucher-)Schutz des völlig entmündigten Bürgers! Die einzig Nicht-Zertifizierten sind die Politiker! Und jeder Schritt, jegliche Kommunikation wird paranoid überwacht. Der Bürger hat sich längst von jeglicher Mitwirkungsverantwortung verabschiedet und versucht, mehr oder weniger gewitzt, sich durch das systemische Gestrüpp der Regeln und Verordnungen, Gesetze und Vorschriften hindurchzuhangeln.

Wir haben nicht den mindesten Anlaß, uns über offen gelebte Diktaturen zu mokieren, offensichtliche Pseudodemokratien in Afrika, Südamerika oder Asien zu belächeln und dabei auszublenden, daß es realiter keinen einzigen wirklich demokratischen Staat auf diesem Planeten gibt. Zwar gibt es regionale demokratische Entitäten – z.B. in Schweden und der Schweiz, Norwegen und den USA –, aber diese fungieren immer nur sehr eingeschränkt, auf lokaler Ebene, im Sinne der o.g. Voraussetzungen und abseits der über ihren Köpfen schwebenden und agierenden Staatsapparate.

Wenn überregionale Entitäten nicht demokratisch sein können – und daran ändern auch moderne Kommunikationsmittel und sekundenschnelle Verbreitung aller Nachrichten nichts, denn der Mensch denkfühlt eben vornehmlich lokal/regional –, so gilt dies noch mehr für supraregionale Kunstgebilde – USA, GUS, EU –, hinter denen nicht nur der Größenwahn von Präsidenten, Premierministern und Kanzlern steckt, sondern klares Kalkül und hemmungslos ausgelebter Egozentrismus, die dumpfe Ahnung von Bedeutungslosigkeit (vulgo: Minderwertigkeitskomplexe).

Doch die Tage dieses pseudodemokratischen Wahnsinns skrupel- und bedenkenlos ausgelebter Machtgier sind insofern gezählt, als die ganze Show nicht länger finanzierbar ist und die Zahl derer, die dieses unwürdige Schauspiel durchblickt, ebenso zunehmend wächst wie die Anzahl der Verweigerer – die einen haben es nicht mehr nötig und kehren dem System angewidert den Rücken, die anderen reihen sich in die Schar der Bittsteller um öffentlich-(un)rechtliche Almosen ein.

Unser Steuer-, Finanz-, Wirtschafts- und Sozialwesen ist, egal, wohin man blickt, so fatal aus den Fugen geraten, daß es nur eine Frage der Phonzahl sein wird, mit der diese in 25 Jahrhunderten entwickelte Blase platzen wird, was möglicherweise zur größten Katastrophe der Menschheit aller Zeiten heranreifen wird.Von all den Figuren, die sich heute noch als systemische Politclowns gerieren und sich um die öffentlich-(un)rechtlich finanzierten Freßkörbe balgen, ist weder die Einsicht in den Ernst der Lage, noch die Erarbeitung eines mutigen (weil den systemischen Wahnsinn hinterfragenden) Alternativkonzeptes zu erwarten; sie sind heillos abhängige Junkies und weder fachlich noch menschlich dafür qualifiziert.
Nicht die Finanz- und Wirtschaftskrisen werden dieses System zerstören; es sind die machtbesessenen “Eliten” in ihrer Dummheit und Gier, die vornehmlichen Nutznießer dieses mörderischen, gnadenlosen “Spiels”. Getürkte Arbeitslosenzahlen; weltweit 40.000 täglich an Dehydrierung und (den Folgen von) Unterernährung sterbende Kinder unter 12 Jahren; eine wachsende Anzahl chancenloser Jugendlicher; sprunghaft anschwellende Zahlen von Zivilisationskrankheiten und Psychopathologien; völlig ausgemergelte Sozialkassen, deren Verpflichtungen aus den offiziellen Staatsschulden tunlichst ausgeblendet werden; immer gewaltigere Anteile der Teilaerare für angebliche “Verteidigung” (gegen wen und was?), die Staatsapparate und deren Machtsicherung; Oligopole im Finanz-, Pharma- und Medienwesen; der wachsende Sanierungsnotstand in der Infrastruktur und ein angesichts der realen Bedürfnisse völlig jämmerliches Bildungssystem – die Liste der Notstände, die dringender Abhilfe bedürfte, ist schier endlos. Aber das blendet der längst resignierte Bürger mit dem Zusammenfalten der Zeitung und dem Abschalten des TV-Gerätes aus. Dem Himmel sei Dank, Anderen geht’s noch mieser als mir. Gut, daß man sich informiert fühlen darf und darüber am Stammtisch, in der Kantine und beim Kaffeeklatsch plaudern konnte.

Den (bislang) Wenigen, die dieses Schauspiel inhumaner Korruptabilität durchblicken, bleibt nur, sich unbeirrt und permanent für eine Aufklärung der verängstigten Bürger einzusetzen – auch wenn man sie als Verschwörungstheoretiker verunglimpft – und friedliche Alternativkonzepte zu entwickeln. Ob sie deren Verwirklichung noch selbst erleben, darf dabei keine Rolle spielen.

Fortsetzung folgt …

Einige Links zu ergänzenden Gedanken – keine Kritik ohne Alternative – finden Sie hier:

Die Macht der Information

Souveränität als Lebensmaxime

Wider die Religion, für humanistische Emanzipation und gegen seelisch-geistige Korruption

… und ich beschloß, Politiker zu werden

H.-W. Graf
10. Juni 2011

Euro- und Schuldenkrise – (wie) geht es weiter?

10. Juni 2011|Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Euro- und Schuldenkrise – (wie) geht es weiter?

Als Finanz- und Vermögensberater der efv-AG haben wir schon seit jeher immer auch die Hintergründe des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, sozialen und politischen Geschehens beleuchtet und daraus gewonnene Erkenntnisse in unsere Beratungstätigkeit einfließen lassen. Seit 2008, dem Ausbruch der sogenannten Finanz- und Wirtschaftskrise, hat sich jedoch unsere Sensibilität für Hintergründiges noch einmal erheblich erhöht, denn schließlich ist seitdem tatsächlich vieles nicht mehr wie es war; oder besser gesagt, der “Blick in den Abgrund“, den uns der Ausbruch der Krise(n) gewährt hat, hat uns unmißverständlich und konkret aufgezeigt, wie marode und fragil große Teile der heutigen Wirtschafts-, Finanz- und Sozialsysteme tatsächlich sind. Wir halten es daher für unsere Pflicht (und unserer Mandanten gutes Recht), so klar und konkret wie möglich zu erklären, wie wir zu bestimmten Fragen unserer Zeit stehen.
Nachfolgend nun einige Antworten/Einschätzungen auf Fragen, die so (oder ähnlich) immer wieder – meist im persönlichen Gespräch – an uns herangetragen werden. Wem die Antworten “zu einfach“ vorkommen, dem sei versichert, daß diese auf einem langjährigen und tiefgründigen Studium der Verhältnisse basieren und wohlüberlegt sind.

I.    Was bedeutet  die Euro-Krise? Ist ein Auseinanderbrechen des Euro wahrscheinlich, und welche Folgen hat das für uns?

Die Frage, ob der Euro auseinanderbricht (das wird er höchstwahrscheinlich) ist eigentlich zweitrangig; das viel entscheidendere Problem aus unserer Sicht ist, daß die aufgetürmten Schulden der Euro-Staaten und die zwischenzeitlich faktisch vollzogene “Haftungsgemeinschaft Euroland“ nicht einmal den Hauch einer Chance auf eine einigermaßen “elegante“ Bereinigung haben – allen Beteuerungen der herrschenden Klasse zum Trotz. Hierbei handelt es sich nämlich im Wesentlichen um eine mathematische und nicht um eine politische Frage. Die Eurokrise ist in Wirklichkeit ein Schuldenkrebs im Endstadium, der sich jedoch durchaus noch in die Länge ziehen kann. Am Ende werden sich alle Kunstgriffe an dem im Schuldenkoma liegenden Patienten als erfolglos erweisen. Kurz: Wir haben jahrzehntelang über unsere Verhältnisse gelebt, den falschen Politschranzen vertraut, die in ihrem Größenwahn und unter dem Deckmäntelchen “Sozialstaat“ immer phantastischere Potemkin’sche Dörfer errichtet haben, und dafür werden wir einen hohen Preis zu zahlen haben.

Auf welche Folgen müssen wir uns also einstellen?

  1. Finanzielle Folgen: Im Rahmen einer Schuldenbereinigung (wie unter Frage II. noch genauer ausgeführt) werden sich die Staaten früher oder später entschulden und
    Leistungsversprechen (massiv) reduzieren müssen. Die Staaten werden erst dann wieder auf soliden finanziellen Beinen stehen, wenn Bürger, Steuerzahler und Sparer erhebliche Teile ihres Vermögens und ihrer Ansprüche verloren haben werden.
  2. Soziale Folgen: Der sogenannte Lebensstandard wird deutlich sinken; was heute noch
    “hipp“ und “trendy“ ist, wird all dem weichen (müssen), was für den Einzelnen wirklich
    notwendig ist. Die soziale Verrohung der Gesellschaft wird weiter
    voranschreiten. Im schlimmsten Fall drohen weitreichende soziale Unruhen, unter
    denen naturgemäß die Älteren und Schwächeren mehr zu leiden haben werden als
    die jüngere Generation.
  3. Politische Folgen: Diese sind unabsehbar, aber die entscheidende Weichenstellung wird bereits
    recht kurzfristig dahingehend erfolgen müssen, daß wir entweder auf eine
    dezentral organisierte Bürgergesellschaft oder auf eine totalitäre
    Superdiktatur (EUDSSR) zusteuern.
  4. Ökonomische Folgen: Solange es Menschen gibt, wird auch gewirtschaftet werden. Hier machen
    wir uns die wenigsten Sorgen. Unternehmen/Unternehmer werden – wie immer – die
    ersten sein, die nach erfolgtem “Schnitt“ wieder aus dem Schlamassel herauskommen
    werden.

 

II.   Wie kann/muß man sich eine Entschuldung von Staaten vorstellen?

Wenn ein Staat an seiner Schuldenlast bzw. an seinen Zahlungsverpflichtungen zu ersticken droht, gibt es mehrere Möglichkeiten der Bereinigung. Vorweggeschickt werden muß aber, daß alle Varianten eines gemeinsam haben: Die Entwertung des angehäuften Vermögens ihrer Bürger. Im Einzelnen:

Variante A:

Ein “Herauswachsen“ aus den Schulden durch Wirtschaftswachstum und damit verbunden höhere Steuereinnahmen auf die Erträge der Unternehmen und Einkommen der Arbeitnehmer. Einhergehend mit einem hohen Wachstum sind in der Regel höhere Inflationsraten, d.h. die Entwertung des Geldes erfolgt mehr oder weniger schleichend. Ein Prozeß, der z.B. in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch funktioniert hat, seither allerdings lassen die realen (mageren) Wachstumsraten und die dem gegenüber exponentiell angewachsenen Schulden eine Lösung der Schuldenprobleme auf diesem Wege als höchst unwahrscheinlich erscheinen.

Variante B:

Erhöhung der Staatseinnahmen durch Steuern und Abgaben, sowohl auf Einkommen als auch die Substanz (z.B. Vermögens-, Erbschafts- und Schenkungssteuer). Da der Staat ja bereits heute fleißig abkassiert und dann teuer umverteilt, kommt hier aber das Problem auf, daß wenn Bürgern und Unternehmen gar zu hemmungslos Steuern und Sozialabgaben abgeknöpft werden, die Variante “Herauswachsen“ auf gar keinen Fall funktionieren kann, da die Wachstumskräfte gebremst werden; d.h. die staatlichen Möglichkeiten sind diesbezüglich bereits weitgehend ausgereizt. Einem radikalen Sparprogramm steht die von der politischen Klasse allseits gefürchtete Abwahl (und ggf. soziale Unruhen) entgehen, sodaß auch auf der Ausgabenseite keine wirklichen Erfolge zu erwarten stehen.

Variante C:

Eine sogenannte Währungsreform, was in der Praxis bedeutet, daß der Staat die Verrechnungseinheiten für Schulden und Guthaben neu festsetzt. Was sich harmlos anhört, meint letztlich nichts anderes, als daß der Staat seine Schulden ganz oder teilweise annulliert und diejenigen “in die Röhre schauen“, die dem Staat direkt oder indirekt (auch über das Bankensystem, den siamesischen Zwilling des Staates in punkto Geldwesen) Geld geliehen haben. Diese Variante halten wir für sehr wahrscheinlich, lediglich der Zeitpunkt und die genaue Ausgestaltung sind unklar, weil sie nach politischen Opportunitäten willkürlich erfolgen.

Insbesondere von politischer Seite wird – je nach Lager – derzeit noch die Hoffnung geschürt, daß mit Variante A oder B (bzw. einer Mischung daraus) das Schlimmste verhindert werden kann; wir halten das für illusorisch und schlicht unseriös. Die griechische Problematik ist eine sehr präzise Blaupause für das, was bereits in vielen Industrieländern (siehe USA und Japan), aber eben künftig auch für Deutschland dem Grunde nach erwartet werden muß, nämlich ein sich immer weiter aufbauender Druck, die Schuldenfrage klären zu müssen. Während wir derzeit mit Argusaugen nach Griechenland starren, ist uns noch gar nicht hinreichend klar, daß wir prinzipiell bereits in derselben Situation stecken, nur eben auf der Zeitachse noch weiter hinten; von einigen unserer europäischen Nachbarn ganz zu schweigen.

Wir teilen die Einschätzung von Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb[1], der schlüssig und gut nachvollziehbar dargelegt hat, daß die Wahrscheinlichkeit einer Währungsreform in 2011 bei 33%, spätestens ab 2017 bei über 50% und bis spätestens 2030 bei nahe 100% liegt – wohlgemerkt: Nur auf Deutschland bezogen.

III.  Müssen wir uns auf eine hohe Inflation einstellen?

In einer Zeit, in der fast alle großen Industrienationen fleißig damit beschäftigt sind, Geld zu drucken, um kratergroße Schuldenlöcher zu stopfen, und somit der realen Gütermenge immer mehr (Papier-)Geld gegenübersteht, liegt der Schluß nahe, daß wir auf hochinflationäre Zeiten zusteuern dürften (was ja den meisten Politikern und “Experten“ die liebste Lösung wäre, siehe Variante A). Auf der anderen Seite spricht wesentlich mehr gegen eine Entschuldung (oder besser Entwertung) von Schulden und Vermögen auf diesem Wege. Der Grund dafür ist, daß inflationäre Phasen in der Vergangenheit niemals dazu genutzt wurden, um Schulden zu tilgen, sondern vielmehr dazu, neue Schulden aufzutürmen, weil man den Bürgern eine Schuldentilgung (= Sparen) gar nicht hätte “verkaufen“ können. Der Hauptgrund also, warum eine Schuldenbereinigung über diese vermeintlich “sozial gerechte“ Variante nicht funktionieren kann und wird, ist schlicht die absolute Höhe der seit 1948 (Zeitpunkt der letzten Währungsreform auf deutschem Boden) aufgetürmten Gesamtschulden im Verhältnis zur realistisch erwartbaren Wirtschaftsleistung in der Zukunft. Daher ist eine “Inflationslösung“ sowohl praktisch als auch theoretisch schlicht Unsinn.

IV. Wie kann man sein Vermögen vor den Folgen einer drohenden Währungsreform am effektivsten schützen?

Eine wirklich seriöse Antwort auf diese Frage kann es schon deshalb nicht geben, weil völlig unklar ist, wer zum Umstellungszeitpunkt “am Ruder“ ist und welche Regeln dann für eine derartige “Reform“ oder Umstellung und Neubewertung festgelegt werden. Dies ist dann wieder eine politische und eben keine mathematische Frage. Selbstverständlich gibt es gewisse Wahrscheinlichkeiten und Erfahrungen aus bereits vergangenen Währungsreformen, und man muß kein großer Prophet sein, um vorherzusagen, daß Sachwerte vermutlich besser abschneiden als reine Geldwerte. Doch wer nun glaubt, mit Immobilien und ein paar Aktien sowie einem Barren Gold im Schließfach wären alle Probleme gelöst, muß sich darüber im klaren sein, daß auch Sachwerte jederzeit für einen wie auch immer gearteten Lastenausgleich[2] mit herangezogen werden dürften. Noch einmal: Die Regeln zur Neubewertungen von Schulden und Vermögen sowie die Verrechnungseinheiten, die hierfür gelten sollen, sind nicht vorhersehbar und haben – genauso wie das Steuerrecht – mit Logik nichts zu tun. Sie werden von den Bürokraten (Bürokratie = Herrschaft der Verwaltung) erlassen, umgesetzt und kontrolliert.

V.  Kann es ein, daß wir mit unserer Einschätzung ein viel zu düsteres Bild malen?

Wir sind fest davon überzeugt, daß der “point of no return“ unseres Geld- und Schuldensystems schon seit längerem überschritten wurde, diese durch die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 einen weiteren massiven Schub erhielt und mit verzweifelten Aktionen nur vorläufig hinausgezogen wurde, dies am Ende aber zu dem von uns beschriebenen Ergebnis führen wird – ohne ’wenn’ und ’aber’.

 

VI. Wie kann man sich dann überhaupt auf ein solches Szenario vorbereiten?

Sechs Jahrzehnte relativer wirtschaftlicher und politischer Stabilität haben uns so nachhaltig die “Sinne vernebelt“, daß wir drohende Gefahren nur noch bedingt wahrnehmen und in unsere Handlungsmuster einbauen können und wollen. Um jedoch drohenden Stürmen nicht völlig schutzlos ausgeliefert zu sein, ist es dringend und zuallererst erforderlich, diese Einstellung schnellstens ad acta zu legen und sich den Realitäten zu stellen, d.h. zu akzeptieren, daß das heutige Sozial-, Wirtschafts- und Finanzsystem keine Überlebenschancen hat und vor großen notwendigen Umbrüchen steht, es also keinen Sinn macht, die Erfahrungen der letzten sechs Jahrzehnte einfach nur in die Zukunft fortzuschreiben.

Wie bereits unter Punkt IV. dargelegt, gibt es hierfür kein Patentrezept. Wir können heute zwar das “Schlamassel“ konstatieren und sein zwangsläufiges Ende vorhersagen, nicht aber den (genauen) zeitlichen Ablauf und die sich hieraus ergebenden Folgen im Einzelnen.

Darüber hinaus muß bedacht werden, daß die individuelle Ausgangsposition jedes Einzelnen sehr unterschiedlich ist – familiär, beruflich, psychologisch, vermögenstechnisch usw.

Bereits vor einigen Jahren erstellten wir eine Broschüre zum Thema ‘Altersvorsorge’ », an deren Ende wir ‘10 Grundsätze für eine kluge Altersvorsorge‘ stellten. Wir haben diese Grundsätze nun, anbetrachts der vorbeschriebenen Problematik, noch um aktuelle Einschätzungen und Anmerkungen ergänzt, in der Hoffnung, Ihnen damit einen brauchbaren Leitfaden für Ihre weiteren Überlegungen zu bieten.

    1. Machen Sie eine regelmäßige Bestandsaufnahme Ihrer Vermögenssituation.
      Die einzig wirklich relevante Meßgröße für die Frage, ob eine Altersvorsorge
      ausreicht, ist das jeweilige Nettovermögen (und dessen Verfügbarkeit).
      Es kommt also – einfach gesagt – nicht darauf an, ob Sie drei Lebensversicherungen
      haben, sondern wie hoch Ihr Nettovermögen ist.Ergänzung:
      Dies ist selbstverständlich nach wie vor wichtig. Ein noch größeres Augenmerk
      sollte jedoch auf die reale Werthaltigkeit und Verfügbarkeit des Vermögens
      gelegt werden.
    1. Vermeiden Sie Schulden jedweder Art. Denn spätestens wenn am Schluß das angesparte Vorsorgevermögen zur
      Schuldentilgung verwendet werden muß, weil ja dann das Einkommen für die
      Bedienung der Kredite fehlt, ist schon manche Altersvorsorgeillusion zerplatzt.
      Eine Ausnahme hiervon stellen eigengenutzte und vermietete Immobilien dar, doch
      auch hier gilt: Kaufen Sie nur eine Immobilie, bei der Sie davon ausgehen
      (können), daß diese im Wert steigt oder zumindest wertbeständig bleibt..Ergänzung:
      Die weit verbreitete Meinung, daß
      eine etwaige Inflation private und betriebliche Schulden “automatisch“ schrumpfen
      läßt, halten wir für gefährlich. Insbesondere im Zusammenhang mit Immobilien
      wird meist davon ausgegangen, daß hier kein Risiko droht. Wenn aber im Rahmen
      einer Währungsreform hochverschuldete Vermögensgegenstände (meist Immobilien)
      ihrerseits an Wert verlieren (und das ist zunächst einmal wahrscheinlich),
      kann dies zu äußerst unangenehmen Konstellationen führen. Bei Kreditverträgen
      wird gerne überlesen, daß wenn die Bank unterbesichert zu sein glaubt (z.B.
      aufgrund eines Wertverlustes des finanzierten Vermögensgegenstandes), sie
      einfach weitere Sicherheiten verlangt oder aber – falls diese nicht beigebracht
      werden können – Kredite auch fällig stellen kann. Entscheidend ist also, daß
      die Schulden im Verhältnis zu den vorhandenen Vermögensgegenständen bzw. den
      laufenden Einkünften deutlich unterdimensioniert sein sollten, um hier böse
      Überraschungen zu vermeiden. Es darf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
      davon ausgegangen werden, daß Schulden im Falle einer Währungsreform nicht
      einfach verfallen, sondern in einem (für den Schuldner) ungünstigen Verhältnis
      im Vergleich zu z.B. Sparguthaben neu bewertet werden.
    1. Sparen Sie Ihr Vermögen so flexibel wie möglich an. Hierzu eignen sich am besten Fondssparpläne. Bei der Auswahl
      der Fonds bzw. bei der Verwaltung dieser Sparpläne und des daraus
      resultierenden Vermögens sollten Sie sich professioneller, vor allem aber unabhängiger
      (!)
      Hilfe bedienen – was Banken und Versicherungen per se ausschließt. Der
      große Vorteil des freien Fondssparens ist, daß Sie die Sparrate entsprechend
      Ihrer aktuellen Lebenssituation immer wieder neu justieren können. In
      schwierigen Zeiten können Sie diese sogar vollständig aussetzen, ohne daß Ihnen
      dies (vertragsbedingt) zum Nachteil gereicht. Sie können aber auch jederzeit Sonderzahlungen
      leisten. Zudem haben Sie eine ständige Transparenz und wissen genau, wie
      viel Ihr Sparvermögen aktuell wert ist. Wird Ihr Vermögen außerdem aktiv – und
      ebenfalls unabhängig und professionell
      – gemanagt, wird Ihr Verwalter auch
      rechtzeitig die Fonds wechseln.Ergänzung:
      Fondssparpläne oder
      sonstige liquide Geldanlagen: Entscheidend ist nicht nur die Ansparung, sondern
      auch das Halten bereits aufgebauter Bestände in möglichst flexibler Form. Mittel-
      und langfristigen Bindungen (z.B. 5- oder 10-jährige Sparbriefe o.ä.) erscheinen
      anbetrachts der bevorstehenden Umwälzungen/Umbrüchen völlig unangebracht ist,
      da im Fall der Fälle keinerlei Möglichkeiten bestehen, ggf. noch einigermaßen
      rechtzeitig zu reagieren. Der Neuabschluß lang laufender Sparverträge, wie z.B.
      Lebens-/Rentenversicherungen, sollte gemieden werden. Bzgl. bestehender
      Verträge muß individuell abgewogen und entschieden werden, wie damit zukünftig
      zu verfahren ist. Wir helfen Ihnen hierbei gerne.
    1. Meiden Sie jegliche Form von geschlossenen
      Beteiligungen
      (geschlossene Immobilienfonds, Medienfonds,
      Schiffsbeteiligungen etc.), solange Sie Ihre “Schäfchen“ (noch) nicht “im
      Trockenen“
      haben. Die Risiken solcher Anlagen sind in der Regel deutlich
      höher als die Chancen, und lockende Steuerersparnisse sind zumeist nur teuer
      erkaufte Steuerverschiebungen.Ergänzung:
      Dem ist nichts
      hinzuzufügen, außer daß wir zwischenzeitlich der Meinung sind, daß auch diejenigen,
      die ihre “Schäfchen“ bereits im “Trockenen“ haben, geschlossene Beteiligungen meiden
      sollten. Politiker haben nicht die geringsten Skrupel, neue Gesetze auch auf
      alte Verträge anzuwenden.
    1. Trennen Sie Versicherungen und Kapitalanlagen konsequent.
      Versicherungen sollten nur Risiken (Invalidität, Tod, Unfall etc.)
      absichern– ohne “integrierte Kapitalbildung“. Meiden Sie alle kombinierten
      Angebote dieser Art.Ergänzung:
      Hieran hat sich nichts
      geändert.
    1. Bedenken Sie bei allen staatlich geförderten
      Produkten, daß einmal erhaltene Subventionen irgendwann von irgendjemanden
      (Erben, evtl. sogar von Ihnen selbst) zurückbezahlt werden müssen.
      Wie bereits ausgeführt, sind staatliche Subventionen stets mit hohen
      Verwaltungskosten und meistens mit Verpflichtungen und Gegenleistungen
      (späterer Steuerpflicht) verbunden. Überlegen Sie also lieber zweimal, ob Sie durch
      den Abschluß eines “staatlich geförderten“ Finanzproduktes alle diese
      Auflagen mit in Kauf nehmen wollen, auch wenn Ihnen Strukturvertriebe, Banken,
      Bausparkassen und Versicherungen etwas anderes vorgaukeln.Ergänzung:
      Die Wahrscheinlichkeit,
      daß zukünftig Subventionen gestrichen oder die Regeln willkürlich zu Lasten der
      “Geförderten“ geändert werden, halten wir für so hoch, daß wir diese bereits
      vor Jahren ausgesprochene Warnung mehr als bekräftigen müssen.
    1. Das beste Vorsorgeprogramm ist
      Ihre geistige, seelische und körperliche Gesundheit!

      Die Entwicklung und Bewahrung der eigenen Fähig- und Fertigkeiten sowie die
      körperliche und geistig-seelische Gesundheit des Einzelnen sind die besten
      Altersvorsorgegaranten, die sich über jede (staatlich vorgegebene) Altersgrenze
      hinwegsetzen. Wer diese Grundannahme verinnerlicht, hat bereits einen
      wesentlichen Schritt zur klugen Altersvorsorge getan, denn nichts ist
      krisensicherer als die Gesamtheit der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten,
      Kenntnisse und Ziele.Zur Erinnerung: In Deutschland kam es im 20. Jahrhundert immerhin zu zwei Währungszusammenbrüchen
      – mit verheerenden Konsequenzen für die Altersvorsorge seiner Bürger. Ohne die
      Rolle und den Zustand des Weltfinanzsystems an dieser Stelle vertiefen zu
      wollen, muß jedem klar sein, daß es immer nur eine relative Sicherheit
      bzgl. aller Geld- oder sonstiger Vermögenswerte geben kann.
      Insofern sollte die andere “Schiene“ der Altersversorgung, die Entwicklung und
      Bewahrung der persönlichen sozialen, mentalen und emotionalen Kräfte sorgsam
      gepflegt werden.Ergänzung:
      Dem gibt es nichts hinzuzufügen, es hat an Bedeutung nur noch gewonnen.
    1. Ziehen Sie die Kapitalauszahlung – wo immer möglich – der Option einer Rente vor. Die
      reichhaltigen Angebote der Versicherungsgesellschaften, Ihr Kapital zu
      vereinnahmen und Ihnen dafür eine monatliche Rente zu bezahlen, schränkt Ihre
      Flexibilität insofern ein, als es in der Regel keine Möglichkeit gibt, diesen
      Schritt wieder rückgängig zu machen. Zudem kalkulieren die
      Versicherungsgesellschaften derartig vorsichtig, daß Sie schon steinalt werden
      müssen, damit nicht die Versicherungsgesellschaft, sondern Sie – es ist
      ja Ihr Geld – daran verdienen.Ergänzung:
      U.a. die
      Versicherungsgesellschaften (als größte Kapitalsammelstellen) werden die großen
      Verlierer der Zukunft sein. Wobei – streng genommen – es nicht die
      Versicherungen selbst sind (einige davon werden untergehen, andere werden
      überleben), vielmehr ist es das Vermögen der Versicherten, das einer harten
      fortdauernden Belastungsprobe unterzogen werden wird. Die staatlichen
      Möglichkeiten, hier Auszahlungsstopps oder eine Reduktion der Leistung von Amts
      wegen anzuordnen, ist denkbar einfach; wer es nicht glaubt, möge einfach § 89 des
      Versicherungsaufsichtsgesellschaftengesetzes (VAG) lesen. Schon aus diesem
      Grund halten wir es für nicht besonders ratsam, Kapital bei (Lebens-) Versicherungsgesellschaften
      zu deponieren und darauf zu hoffen, daß da schon nichts “anbrennen“ wird.
    1. Je früher Sie mit dem Aufbau einer eigenen
      Altersvorsorge beginnen, desto besser.
      Wir alle kennen
      die Geschichte, was aus einem Cent geworden wäre, wenn man ihn bei Christi
      Geburt angelegt hätte. Im Übrigen ist der Mensch nun einmal ein
      Gewohnheitstier, und je früher er sich daran gewöhnt zu sparen, desto leichter
      tut er sich damit. Auch dieser Gedanke kann gar nicht früh genug in die
      Erziehung bei Kindern einfließen.Ergänzung:
      Auch wenn man natürlich
      zu dem Schluß kommen könnte, daß das Sparen angesichts der bevorstehenden
      Herausforderung an sich gar keinen Sinn mehr macht: Wer frühzeitig (schon als
      Jugendlicher) immer ein Quentchen weniger ausgibt als er sich leisten könnte,
      wird erfahrungsgemäß immer mehr Spielräume haben, und zwar auch und gerade dann,
      wenn die Umstände unübersichtlich und das Budget enger zu werden droht.

 

  1. Holen Sie sich qualifizierten Rat ein. Zahlen Sie lieber ein Honorar an einen unabhängigen Berater, als sich von einer Heerschar an Verkäufern mit Bildern von einer Yacht im Mittelmeer
    oder einem (gar nicht so) seniorengerechten Gefährt aus Zuffenhausen den Mund
    wässrig machen zu lassen. Sie haben es wahrscheinlich auch schon in anderen
    Bereichen Ihres Lebens gemerkt: Weniger ist manchmal mehr, und jeden Tag müssen
    sich die Marketingprofis der Finanzproduktanbieter wieder etwas Neues einfallen
    lassen, um an Ihr sauer verdientes Geld zu kommen.Ergänzung:
    Unsere Tätigkeit
    als Berater, obwohl vielleicht auf den ersten Blick nicht erkennbar, hat sich
    gravierend geändert. War es uns früher wichtig, unter den vielen
    Finanzprodukten die individuell richtigen herauszufiltern, so wird in Zukunft z.B.
    die Frage nach einem halben Prozent hin oder her für die nächsten Wochen,
    Monate und vermutlich Jahre eher nebensächlich sein. Vielmehr wird es darauf
    ankommen, die eigene (Finanz-) Architektur auf die bevorstehenden immer
    schneller wechselnden Herausforderungen konsequent anzupassen, um den drohenden
    “Stürmen“ bestmög­lich trotzen zu können. Flexible Robustheit ist die Zauberformel
    – sowohl für das eigene Finanzkonzept, als auch für die eigene körperliche,
    geistige und seelische Konstitution. Komplizierte (und komplexe) Schönwettermodelle
    aller Art haben ausgedient. Das heißt nicht, daß alles, was früher richtig war,
    nun falsch ist, aber klar sein muß, daß wir auf unabsehbare Zeit unter dem
    Damoklesschwert diverser System(-zusam­men)brüche zu arbeiten und zu leben haben.

Frank AmannSeniorberater und Aufsichtsrat der Ersten Finanz- und Vermögensberater-AG in Deutschland (efv-AG)


[1]Außerplanmäßiger Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre in Siegen

[2]Der Lastenausgleich regelte ab 1948 über diverse Gesetze, daß diejenigen denen erhebliches Vermögen verblieben war (insbesondere Immobilien), die Hälfte des Vermögens nach dem Stand vom 21.6.1948 in einen Ausgleichsfonds einzahlen mußten (in 120 vierteljährlichen Raten)

16. September 2009

Österreichische Schule – Ein alternatives Steuer-, Finanz- und Sozialkonzept

16. September 2009|Gesellschaft, Sozialpolitik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Österreichische Schule – Ein alternatives Steuer-, Finanz- und Sozialkonzept

Nachfolgender Artikel von Hans-Wolff Graf, ‘PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V.’, erschien in der Ausgabe 09/2009 im ‚Smart Investor’:

Österreichische Schule

Ein alternatives Steuer-, Finanz- und Sozialkonzept

Es gibt eine Alternative – zu einem immer totalitäreren System!

Gastbeitrag von Hans-Wolff Graf, Vermögensverwalter und Querdenker

Radikale Maßnahmen sind notwendig

Das System staatlicher Omnipotenz ist – wenige wissen es, manche fühlen es, die meisten versuchen es zu ignorieren – tatsächlich am Ende. Doch gerade diejenigen, die es ursächlich (und seit Jahren konsequent) an die Wand gefahren haben, versuchen nun, es mit allen Mitteln zu retten. Und dabei ist ihnen kein Preis zu hoch – Kunststück; sie brauchen es ja auch nicht zu bezahlen, und in ihren Händen liegt die legislatorische Macht, entsprechende Gesetze zu erlassen, vor allem jedoch das Recht, beliebig Geld zu drucken. Um die Staatsverschuldung und das Einhalten der Maastricht-Kriterien muß sich keine europäische Regierung mehr sonderlich sorgen; kein EU-Land ist noch in der Lage, sie auch nur annähernd einzuhalten. Allen Industrieländern fallen seit Jahren zunehmend ihre Sozialversicherungssysteme auf die Füße, aber diese tatsächlich radikal, also bei der Wurzel packend („radix“ lat.: die Wurzel), zu reformieren und dem wachsenden Problem der Überalterung der Gesellschaft anzupassen, fehlt den Politikern zumeist das Verständnis, in jedem Fall jedoch der Mut – der Wähler droht mit Abstrafung.

Glauben Sie den politischen Marktschreiern, die am 27. September wieder „Die Wahl“ aufführen, kein Wort; hier werden Listen gewählt, aus denen dann parteiintern Heloten delegiert werden, die verzweifelt ein komatöses System zu retten versuchen.

Katastrophe droht

Was weltweit derzeit als „Rettungsmaßnahmen“ ergriffen wurde, mag zwar ordnungspolitisch verständlich und systemisch gesehen „logisch“ sein, wirtschaftspolitisch ist es ein Wahnsinn ohnegleichen, und die Konsequenz dieser hemmungslosen Verschuldung wird eine sozial- und finanzpolitische Katastrophe für die gesamte nächste Generation werden. Die der Hypotheken-, Finanz- und Wirtschaftskrise folgende Sozialkrise wird die Phantasie und Intelligenz nahezu aller Politiker übersteigen.

Bei der Suche nach Alternativen, um die wir nicht herumkommen, gibt es nun verschiedene Wege, von denen die meisten jedoch Sackgassen sind, weil deren Protagonisten nicht das System verlassen dürfen, können und wollen. So hängen die sechs großen wirtschaftswissenschaftlichen Institute allesamt am öffentlich-(un)rechtlichen [1] Tropf; sie werden den Teufel tun und sich allzu deutlich gegen ihre Alimentierer wenden. Gleiches gilt für die in den Diensten der Parteien stehenden öffentlich-(un)rechtlichen Stiftungen, und von den Parteien und den auf ihre Benevolenz (Wahllisten) angewiesenen Politikern wird sicherlich kein sinnstiftender Vorschlag kommen, der Wähler verschreckt, Abgeordnetenmandate gefährdet und damit Privilegien, die parlamentarische Altersvorsorgung und nach der politischen Karriere winkende Posten im Lobbyistenkarussell in Frage stellt.

Die „Österreicher“ haben die Lösung

Mut macht da ein kleiner, elitärer Kreis von Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern, vereinzelt auch Rechtsgelehrten und Philosophen, die sich der „Österreichischen Schule der Nationalökonomie“ verschrieben haben. Nun gibt es seit der Gründung der Österreichischen Schule durch Carl Menger (1840–1921), der eigentlich Jura studierte und als Wirtschaftsjournalist in Wien arbeitete, gar keine einheitliche Denkrichtung, allen Vertretern der Österreichischen Schule ist jedoch gemein, daß [2] sie dem freien Unternehmertum, der strikten Regelung der Märkte durch ein möglichst ungehindertes Wechselspiel von Angebot und Nachfrage, der Privatisierung der Währungen und einer Beschränkung staatlicher Eingriffe auf ein Minimum das Wort reden. Bei ihnen herrscht auch (weitgehend) Einigkeit darüber, daß es einen Gegensatz von Sozialismus und Kapitalismus per se nicht geben kann, da ersterer eine verführerische Gesellschaftsideologie, letzterer jedoch ein (weniger bequemes) Wirtschaftssystem ist. Insofern gehen die politischen Auseinandersetzungen, die seit fast 100 Jahren den Machtkampf der Parteien kennzeichnen, völlig am Thema vorbei; ja, sie unterbinden durch diese Scheindebatte sogar jeden Ausweg aus einer Krise, die sie nachgerade selbst verursacht haben und die nun ihr „finale furioso“ erleben dürfte.

Sehr eng verbunden der Österreichischen Schule der Nationalökonomie fühle ich mich aber vor allem deshalb, weil es allen ihren Vertretern noch um etwas anderes geht: Steuer-, Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik können und dürfen nicht separate Wege gehen und voneinander getrennt behandelt und verstanden werden. Vielmehr bilden sie eine sich ständig und in allen Belangen durchdringende Einheit. Demzufolge muß eine nachhaltige Reform auch all diese unterschiedlichen Parameter unseres täglichen Lebens – auf nationaler wie auf internationaler Ebene – umfassenden Bereiche in einer Ganzheitlichkeit erfolgen, da ansonsten Besserungen an einer Stelle grundsätzliche Verschlechterungen an anderer Stelle mit sich bringen. Jede Hausfrau kennt das Problem eines zu stopfenden Sockens; Zug an einer Stelle bewirkt Spannungen an anderer Stelle.

 

Ein alternatives Steuer-, Finanz- und Sozialkonzept

Unabhängig davon, wie praktisch umsetzbar eine Grund- und Bodenreform oder die Wiedereinführung privater Währungen (gold- oder silbergedeckt) sein mögen, wichtig wäre in jedem Fall, den gesamten Wirtschaftskreislauf, zu dem selbstredend auch die eigene Daseins- und Zukunftsvorsorge gehört, völlig zu überdenken.

  1. Sämtliche Steuern (und damit natürlich auch alle steuerbefreienden Tatbestände) werden abgeschafft;
  2. als einzige Steuer dient eine gestaffelte Konsumsteuer, wobei
    a) Grundgüter (z.B. Lebensmittel, private Alters- und Zukunftsvorsorge) mit 0% Konsumsteuer,
    b) Basisgüter (Güter des täglichen Lebens) mit 20%,
    c) höherwertige Wirtschaftsgüter mit 40% und
    d) Luxusgüter mit 60% Konsumsteuer belegt werden.
    e) Ressourcen und Umwelt erheblich schädigende Güter könnten mit  einem noch höheren, variablen
    Konsumsteuersatz versehen werden. (Benzin enthält bereits heute einen Steueranteil
    von über 250%.)
  3. Für einen Übergangszeitraum von etwa 30 Jahren könnte zudem eine Vermögensteuer in Höhe von etwa 0,5%
    eingeführt werden, um damit einen Ausgleich für in reichen Familien gehortete
    Vermögen zu schaffen, die erst innerhalb der nächsten Generation transferiert würden
    und somit erst dann in den Kapitalmarkt flößen.

Preise würden sinken

Bevor Sie sich nun, liebe(r) Leser(in), nach Luft ringend an den Kopf fassen: Sämtliche Güter würden damit erheblich billiger als heute. Hierzu ein Beispiel: Ein Mercedes der obersten Kategorie kostet heute etwa 200.000 Euro. Inkl. 19% Mehrwertsteuer bezahlen Sie dafür also 238.000 Euro. Die reinen Produktionskosten belaufen sich jedoch nur auf weniger als die Hälfte. Alles Übrige sind Steuern, Sozialabgaben und versteckte Steuern (Gebühren etc.). Belegen Sie nun diese 100.000 mit 60% Konsumsteuer, kostete dieses Gefährt nur noch etwa 160.000 Euro, wäre also um rund 1/3 billiger als bisher.

Gleichzeitig würden jedoch die Grund- und Basisgüter sogar um bis zu zwei Drittel billiger, was insbesondere die finanziell schwächeren Mitglieder der Gesellschaft besonders begünstigen würde (ohne daß irgendeine Sozialneid-Debatte aufkäme). Das wäre tatsächlich sozial!

Grundgedanke: Ganz im Sinne der Österreichischen Schule würde damit derjenige in höherem Maße zum (stark reduzierten) notwendigen Steueraufkommen beitragen, der es sich leisten kann und will, höherwertige Güter aus der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung abzurufen.

Über wahre soziale Verantwortung

Da gleichzeitig der „alles versorgende“ Wohlfahrtsstaat weitestgehend reduziert würde – Daseins- und Zukunftsversorgung würden wieder in private Hände und die eigene Verantwortung gelegt –, erhielten Arbeitnehmer wesentlich höhere Nettogehälter, und es läge an ihnen, über ein vorgeschriebenes Minimum hinaus ihre Kranken-, Pflege- und Altersversorgung selbst einzudecken. Damit könnten zumindest künftige Generationen eine tatsächlich tragfähige, individuelle (statt einer auf völlig überholten Prämissen basierende) Altersversorgung aufbauen – mit unterschiedlichen Zeit- und Risikofenstern, flexibel in Einzahlung und Dauer, mit weniger Verwaltungstara. Bestehende Ansprüche müssen selbstverständlich gewahrt werden, könnten aber (wahlweise) vorzeitig abgezinst abgefunden werden, und mit der Entmündigung – vorgeblich „sozial“, in Wahrheit billigster Stimmenfang – wäre endlich (in diesem Bereich) Schluß. Strukturverkäufer mit „Riesterplänen“ sichern keine Altersversorgung – auch wenn Frau Merkel persönlich die Laudatio bei ihren Meetings hält!

Der dadurch entlastete Staat kann nun endlich wieder wirklich – auf Gemeindeebene – seiner sozialen Verantwortung für tatsächlich Bedürftige (Alte, Kranke, Kinder und Behinderte) nachkommen.

 

Und was das Konzept noch beinhaltet

Gleichzeitig plädieren wir [3] für eine kategorische Abschaffung des ScheinselbständigenGesetzes, der Zwangsmitgliedschaft in IHKs, HWKs und Berufsverbänden (siehe Artikel 9 GG, in dem von einem Recht, nicht jedoch von einer Pflicht die Rede ist), die unbotmäßige Subventionierung der christlichen Religionen (> 50% der Deutschen sind konfessionslos) sowie den kategorischen Rückzug des Staates aus allen Belangen des öffentlichen Lebens, die nach dem strikten Prinzip von Angebot und Nachfrage auf privater Basis schneller, effektiver und vor allem weitaus kostengünstiger erledigt werden könnten. Eine wirklich soziale Gesellschaft und tatsächliche Demokratie kann logischerweise nur auf kommunaler Ebene funktionieren.

(siehe: www.d-perspektive.de/konzepte/demokratie-und-rechtskonzept/)

Insbesondere die Bildung darf nicht länger eine (fast) ausschließlich öffentlich-(un)rechtliche Veranstaltung bleiben, da Ziel der Bildung auf allen Ebenen nicht angepaßtes Systemdenken und -verhalten sein darf, sondern Menschen befähigen soll, eigenverantwortlich und zukunftsfähig ihr Leben selbst zu gestalten.

(siehe: www.d-perspektive.de/konzepte/bildungskonzept/)

Daß dieszu einem drastischen Abbau von Beamten und öffentlich-(un)rechtlich Bediensteten führte, versteht sich von selbst; immerhin finanziert dieses Land mehr öffentlich-(un)rechtlich Bedienstete als es an Selbständigen und Freiberuflern (exkl. sog. „Ich-Ags“) hat.

(Weiteres hierzu unter: www.d-perspektive.de/konzepte/steuer-wirtschafts-und-sozialkonzept/

Daß Deutschland damit ad hoc international wesentlich wettbewerbsfähiger würde, kein Unternehmen dann noch Arbeitsplätze ins Ausland verlagerte und niemand mehr ob höherer Löhne und besserer Chancen ins Ausland abwanderte, liegt auf der Hand.

Mit den wohl bekanntesten Vertretern der Österreichischen Schule, Friedrich von Hayek, Ludwig von Mises und Murray Rothbard, kann ich diese alternativen Konzepte nicht mehr diskutieren, wohl hingegen mit Ihnen als Lesern eines Ausnahme-Magazins wie Smart Investor. Kontaktieren Sie mich gerne.

 h.-w._graf

Hans-Wolff(H.-W.) Graf, Jahrgang 1950, studierte zunächst Anglistik, Amerikanistik und Sport fürs Lehramt, wandte dann jedoch einer „Karriere“ im öffentlich-(un)rechtlichen Bildungswesen den Rücken zu. Als Finanz- und Vermögensberater (seit 1972), lizensierter Vermögensverwalter, Unternehmensberater, Wirtschaftsjournalist sowie Dipl.-Psychologe und Dipl.-Pädagoge ist Graf in vielfacher Weise aktiv. Mit dem von ihm 1987 gegründeten gemeinnützigen Verein Anthropos e.V. – Für die Kinder dieser Welt ist er seit 1993 zunehmend beim Aufbau von Sozialwaisenhäusern in Kaliningrad (dem früheren Königsberg) tätig. Mit dem PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V. gründete er 2006 eine alternative politische Bewegung. Er schrieb bislang vier Bücher sowie mehrere Studien und verfaßte etwa 1.500 Artikel zu wirtschafts-, sozial-, bildungspolitischen und psychologischen Themen. Wohl sein wichtigstes Buch: „Korruption – Die Entschlüsselung eines universellen Phänomens“, ISBN 3-8267-4544-2. Empfehlenswert auch seine Satire: „… und ich beschloß, Politiker zu werden – Der unfehlbare Weg ins Geschichtsbuch“. Kontakt: hw.graf@efv-ag.de


[1]Erklärung zu ‚öffentlich-(un)rechtlich’ : Aus Gründen der Wort- und Sinntreue erlaube ich mir den Luxus der freien Meinungsäußerung. Behörden sind (cum grano salis) nur sehr eingeschränkt öffentlich, allzu oft (im Sinne des Grundgesetzes) eben nicht rechtlich, und von einem Dienst(leister) kann im Sinne eines marktwirtschaftlichen Wettbewerbs keine Rede sein.

[2] Ja, wir stehen zur alten Rechtschreibung. Sprache lebt in und aus sich selbst!

[3] der PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V. (siehe: www.d-perspektive.de)

6. Juli 2009

Wenn die Bank zum Wettbüro wird

6. Juli 2009|Steuer- und Finanzpolitik|0 Comments

Wenn die Bank zum Wettbüro wird

 

Als ich vor 53 Jahren, erwartungsfroh und mit einer Tüte voller Süßigkeiten zwecks Bildungserwerb eingeschult wurde, erwartete uns bereits am dritten Tag eine nette, etwas vollschlanke Tante von der Sparkasse, die jedem von uns, der in der Lage war, rhythmisch seinen Namen zu nennen, ein dralles Sparschwein (meines war gelb, was mir irgendwie unnatürlich erschien) übergab; und für die richtige Antwort auf die Frage, was eine Bank sei, steckte ‘Tante Sparkasse’ ein Zehnpfennigstück in den Schlitz.

Damit war ein stiller Pakt besiegelt: Geld gewinnt nur an Wert, wenn man es spart und der Tante anvertraut. Die weiß, wie man mehr d’raus macht, und sie tut das ausschließlich zu unserem Wohl; wer spart, der hat was für später!

So wurde ein ewiges Verhältnis aufgebaut, dem frühere Generationen mitunter lebenslang die Treue hielten.

Zehn Jahre später wurde das Girokonto – damals kostenlos! – großflächig eingeführt; immer mehr wurden Arbeitslöhne, Gehälter und Renten, innerhalb von weiteren zehn Jahren praktisch der gesamte Zahlungsverkehr, unbar und zunehmend anonym über Konten abgewickelt, womit die reale Existenz des Gegenwertes in Mark und Pfennig eine entscheidende Wandlung erfuhr.

Aber immer noch wähnte man die Bank als verläßliche Verwahr- und Sammelstelle für das eigene Vermögen. Wer clever war, hatte nicht nur ein Giro-, sondern parallel auch noch ein Sparkonto, da es nur auf letzteres Zinsen gab. Das Sparbuch ließ man in unregelmäßigen Abständen zinslich auf den neuesten Stand bringen und freute sich ob des Zuwachses.

Dann kostete das Girokonto, just nachdem praktisch kein Leben mehr ohne möglich war, Gebühren – für dessen schiere Existenz, später für jede damit verbundene Tätigkeit und insbesondere für dessen Überziehung. Aber wir vertrauten  immer noch den monetären Medizinmännern; man kannte und grüßte sich und glaubte an den fairen Austausch von Ware und Dienstleistung.

Da der Sparzins immer mehr die für alles geforderten Gebühren nicht ansatzweise aufwog, stieg die Nachfrage nach rentierlicheren Geldanlagen logischerweise, und wer nicht danach frug, dem galt es, sie „nahezubringen“, was euphemistisch als „Beratung“ verkauft wurde. Dabei zogen die zu ‘angestellt’ denkenden Banker anfangs nicht so recht. Also galt es, sie zu „schulen“ – als Verkäufer von Finanzprodukten. Sie sollten von den freien Finanzvertrieben lernen, die mit geringstem Fachwissen, aber hoch motiviert und bedenkenlos aggressiv seit Anfang der 70er Jahre wie die Heuschrecken das Land überzogen.

O tempora mutantur, o tempora o mores! Wie sich die Zeiten und (noch viel mehr) die Sitten doch ändern.

Heute ist die Bank zum natürlichen Feind des Geldes ihrer Kunden mutiert. Die auf Umsatz und Produktverkauf dressierten Banker sind zu Drogendealern im Auftrag ihrer Geschäftsstellenleiter mutiert, die ihrerseits die von den Kartellwächtern erarbeiteten Margenpläne zu erfüllen haben, wenn sie verwegenerweise Karriere machen und aufsteigen wollen. Ihre Entlohnung richtet sich nach der Anzahl der unterschiedlich wertvollen Segmentkunden, denen man „höherwertige“ Finanzprodukte andrehen kann. Insofern besteht zwischen Strukturvertrieben und Bankern faktisch kaum noch ein Unterschied, außer daß letztere, mit Rücksicht auf ihren Angestelltenstatus, etwas vorsichtiger taktieren – der Kunde könnte ja wiederkommen –, wohingegen die Strukkis nach dem Prinzip ‘AUA’ (‘Anhauen, Umhauen, Abhauen’) handeln. Heute gibt’s davon etwa 400.000 – mit einem "Umsatz", der (pro Mitarbeiter) zehnfach über dem der Banker liegt.

Beiden gemein ist aber, daß sie ihre Opfer als schiere Lieferanten von Sprossen der Leitern ihrer Karrieren (v)erachten. Der gemutmaßte ‚Dienstleistungsgedanke’ hat im Denken und Handeln dieser korsettierten Systemheloten nicht mehr den mindesten Platz.

Wenn nun unsere politischen Heerführer von eigene Gnaden genau diesen Vergewaltigern unserer Spargroschen wieder ‚Moral’ beizubringen vorgeben, das System auf ‚neue, sichere Füße zu stellen’ versprechen, dann haben sie entweder nicht die geringste Ahnung, wovon sie faseln, oder – gehen sie ruhig davon aus, denn so unwissend kann auch der debilste Politiker nicht sein – sie handeln in vollem Wissen, längst unters Joch der allmächtigen Finanzinstitute (bzw. ihrer Mehrheitsbesitzer) geschirrt, nur als Erfüllungsgehilfen; immerhin winken in Vorständen und Aufsichtsräten  von Landesbanken sowie (halb-)privaten und öffentlich-(un)rechtlichen Kreditinstituten jede Menge höchst lukrativer Posten – womöglich nach der politischen Karriere.

Banken sind längst zu finanziellen Ramschläden, Wettbüros für alles, was nach Provision, Gebühren, Umsatz und Profit riecht – für sie selbst, nicht für Sie – verkommen. Täglich wurden vor Anbruch der Krise etwa 3,5 Billionen US-$ in Finanztransaktionen um die Erde gepumpt – etwa 1,3 Billiarden pro Jahr, was etwa dem Dreifachen des Weltbruttosozialproduktes entsprach. Das heißt im Umkehrschluß: Mehr als 97% des Finanzschwindels waren durch keinerlei Leistung (Produktion, Handel, Dienstleistung, Konsum) gedeckt. Es handelt sich um Kunstprodukte (‚Derivate’) menschlicher Gier und Phantasie – finanziert von ebenso künstlichem Geld („Fiat-Money“),geschaffen von den Notenbanken und Politikern, die nicht die geringste Ahnung haben, was in diesem Markt läuft.

Und jetzt soll die US-Notenbank (FED), die beileibe nicht den USA, sondern einer Handvoll großer US-Banken gehört (!), die Aufsicht über einen „strenger regulierten Finanzmarkt“ übernehmen? Braver Obama! Du hast wahrlich die „Böcke“ zu „Gärtnern“ gemacht und Dich zum Volltrottel für das Team, an dessen Strippen Du hängst.

Seit (und trotz) Ausbruch der Finanzkrise hat sich praktisch nichts verändert – weder hierzulande noch anderswo. Mit inzwischen mehr als drei Billionen Steuergeldern wurde weltweit ‚das Kartell’ vor dem Zusammenbruch gerettet; wer nicht zum harten Kern gehört(e), wurde geopfert. Die „systemrelevanten“ (sic!) Finanzinstitute können sich zu Mickey-Mouse-Zinsen Geld leihen, über Querbeteiligungen damit sogar die Eigenkapitalquoten erhöhen und ihre in blinder Gier geramschten, verrotteten Engagements an ‚bad banks’ abschieben (wie wär’s mal mit einer ‚good bank’?).

Die Gier der Banker, die Lügen der Ratingagenturen, deren Mehrheitseigner übrigens die Banken sind, die sie „raten“, und unverschämte Bonus-Zahlungen sind nur die Symptome; it’s the system, stupid!

Bei klein- und mittelständischen Firmen, Häuslebauern und Umfinanzierern kommen diese Steuerdiebstahlsmilliarden beileibe nicht an. Hier werden unter Berufung auf ‚Basel-II’ und ‚die unsichere Wirtschaftslage’ noch mehr Sicherheiten als je zuvor gefordert. Der vor 50 Jahren initiierten Abhängigkeit entkommt nur der, der sich leisten kann, ohne Bank und Schulden zu leben – ein eherner Grundsatz meiner Unternehmens-/Finanzberatung seit 37 Jahren.

Wer sich hingegen auf Ethik und Moral, faires Geschäftsgebaren oder Partnerschaft verlassen zu können hofft, dem sei gesagt: „Ganz schnell vergessen!“ Die wirklich unabhängigen Vermögensverwalter und Berater im Finanzmarkt werden nämlich ganz gezielt aus dem Markt gedrängt – mit immer mehr Bürokratie, Auflagen und Kosten.

Und auf unseren Finanzclown, die Hängebackentante und den öligen Wirtschaftsbaron dürfen Sie genausowenig hoffen, wie auf den gesamten Bundessaftladen.

Wer die Entwicklung des heutigen Bankwesens nüchtern nachvollziehen möchte, der öffne den u.a. link.

H.-W. Graf

www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/es-werde-geld-es-werde-krise;2386105;0

21. Januar 2009

Offener Brief an den Bundespräsidenten Köhler – Gründe der Verfassungswidrigkeit der Erbschaftsteuer

21. Januar 2009|Steuer- und Finanzpolitik|0 Comments

Offener Brief an den Bundespräsidenten Köhler

Gründe der Verfassungswidrigkeit der Erbschaftsteuer

Sie stellen sich auf die Seite schwersten kommunistischen Unrechts und führen es rechtsstaatswidrig fort

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Köhler,

wenn nun auch der Bundesrat das neue Erbschaftsteuergesetz passieren lässt, dann haben nur noch Sie die Möglichkeit, das Erbschaftsteuergesetz aus Gründen der Verfassungswidrigkeit zu kippen.

Das Verfassungsgericht fordert die Gleichbehandlung aller Vermögensarten bei der Erbschaftsteuer. Heute wird aber verkannt, dass weitere nicht genannte Ungleichbehandlungen existieren:

Unterschiedliche Erbschaftsteuerbelastung in Familien in der Abhängigkeit der Sterbehäufigkeit:

Denn es gibt einerseits Erblasser, die über 90 Jahre alt werden können und es gibt andererseits Familienschicksale, in denen Erblasser wegen Unfälle oder Krankheiten möglicherweise in kürzeren Abständen wie beispielsweise 20 Jahre sterben. Da kann man sich leicht ausrechnen, nach wie vielen Sterbefällen in einer vom Schicksal geschlagenen Familie aus einer Teilenteignung eines Erbschaftsteuerfalls scheibchenweise eine Totalenteignung werden wird. So werden Familienvermögen mit der Erbschaftsteuer in der Abhängigkeit der Sterbehäufigkeit in Familien ungleich behandelt. (Ein Trost für die heute langsame Enteignung?:  Die Kommunisten haben nach dem Krieg in Mitteldeutschland die kalten Enteignungen mit einer wahrheitswidrigen Unterstellung von angeblich vorliegenden Straftaten als Staatsverbrecher schneller vollzogen, die heute noch immer zu Gunsten unseres Fiskus wirken, weil die Verfolgung dieser Unschuldigen wegen gerichtlicher Rehabilitierungsverweigerung bei uns bis heute noch nicht beendet worden ist.)

Wettbewerbsverzerrung wegen der Erbschaftsteuer zu Lasten der Privatvermieter:

Bei der Vermögensart Mehrfamilienhäuser gibt es aber noch weitere Ungleichbehandlungen. Denn es gibt in Deutschland vier Arten von Vermietern von Wohnungen: 1. die Kommunen, 2. die Genossenschaften, 3. die Kirchen und 4. die Privatvermieter. Da bei den ersten drei Arten von Wohnungseigentümern keiner stirbt, wird bei denen auch keine Erbschaftsteuer anfallen. Aber alle Vermieter arbeiten auf demselben Markt. Somit erfolgt mit dem Aderlass Erbschaftsteuer nur bei den Privatvermietern eine Wettbewerbsverzerrung zu Gunsten der nicht privaten Wohnungsvermieter. Denn bei einem Sterbefall wird den betroffenen Privatvermietern vom Staat so viel Erbschaftsteuer abgenommen, dass in deren Mehrfamilienhäuser auf Jahre hinaus nicht so investiert werden kann, als wenn die Erbschaftsteuer wie bei den anderen Vermietern nicht erhoben würde. Somit würden auch bestimmte betroffene Mieter benachteiligt werden, weil die staatliche Geldabschöpfung mit der Erbschaftsteuer die sonst üblicherweise erfolgten Investitionen im Wohnungsbestand verhindern.

Erbschaftsteuer bewirkt eine höhere Einkommensteuer nur bei den Betroffenen:

Weiter wird verkannt, dass die zur Zahlung der Erbschaftsteuer mitbenutzten Mieteinnahmen nicht mehr für die sonst üblichen steuermindernden Investitionen zur Verfügung stehen können. Damit erwachsen dem Privatvermieter wegen nicht mehr getätigter Investitionen nicht gewollte steuerliche Gewinne, die der Einkommensteuer unterliegen. Somit bewirkt die Erbschaftsteuer für den Fiskus auf Jahre hinaus auch noch eine zusätzlich höhere Einkommensteuer, die sich außerdem auch noch zusätzlich investitionshemmend auswirkt. Das Mietobjekt verliert an Marktwert. Es existiert somit auch noch eine Unleichbelastung bei der Einkommensteuer wegen einer angefallenen Erbschaftsteuer.

Erbschaftsteuer bewirkt eine geschmälerte Kreditwürdigkeit nur bei den Betroffenen:

Durch die hohe Belastung der Erbschaftsteuer wird auch noch die Kreditwürdigkeit der betroffenen Privatvermieter geschmälert,  um beispielsweise die Finanzierung von Wärmedämmmaßnahmen an den Objekten zu ermöglichen.

Erbschaftsteuer bewirkt eine nach dem EU-Recht nicht zulässige Verfälschung des Wettbewerbs:

So wird offensichtlich auch verkannt, dass in diesen Fällen der Erbschaftsteuer schon heute eine nach dem EU-Recht nicht zulässige Verfälschung des Wettbewerbs in einem besonderen Marktsegment zum Nachteil der privaten Wohnungsvermietung vollzogen wird (Art. 81 EVG). Zusätzlich ist eine nicht erhobene Steuer nur bei ganz bestimmten Marktteilnehmern (Kommunen, Genossenschaften und Kirchen) im selben Markttätigkeitsbereich für die Bevorzugten eine mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbare Beihilfe im Wettbewerb (Art. 87 EVG).

Wollte unser Verfassungsgericht nicht die Ungleichbehandlung bei der Erbschaftsteuer verhindern?

Ist eine Erbschaftssteuer nicht auch eine Vermögenssteuer, die doch verfassungswidrig sein soll?

Ich bitte Sie, dem anstehenden Gesetz der Erbschaftsteuer wegen der Verfassungswidrigkeit der offensichtlichen Ungleichbehandlung aller Steuerzahler nicht zuzustimmen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Heeren

14. Januar 2009

Zeitenwechsel – Gedanken zum ausklingenden Jahr 2008 –

14. Januar 2009|Editorial, Gesellschaft, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für Zeitenwechsel – Gedanken zum ausklingenden Jahr 2008 –

 

– Gedanken zum ausklingenden Jahr 2008 –

 

Den Begriff des ‚Paradigmenwechsels’ kenne ich schon aus meiner Schulzeit in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts; ‚the age of aquarius’ – (das aufkommende ‚Zeitalter des Wassermann’) – denken Sie an das Musical ‚Hair’ – die ‚Flowerpower’-Bewegung, Haight Ashbury in San Francisko und unzählige Folksongs mit ihren Protagonisten Janis Joplin, Bob Dylan, Simon & Garfunkel o.v.a. sind mir noch in guter Erinnerung.
Und wo die einen hoffnungsvolle Sehnsüchte lebten – zumeist wesentlich leiser, als wir dies heute erleben, traten gleichzeitig die Warner und Rufer in der Wüste auf, die mit geradezu apokalyptischen Szenarien vor dem Untergang der Zivilisation warnten; die einen führten als deren Auslöser die Zerstörung der Umwelt ins Feld, andere sahen den dritten, die gesamte Menschheit gefährdenden Weltkrieg, mit Atomwaffen geführt und von der Ausrottung weiter Teile der Bevölkerung (vor allem Europas) begleitet, auf uns zukommen.
In den 80er Jahren grassierte die AIDS-Phobie, und in den 90er Jahren ging`s um BSE und die ersten Fälle von Vogelgrippe, SARS und pharmakologisch nicht mehr bekämpfbare, weil längst immune Virenstämme aller Art.
Stets aktiv und kämpferisch: Die Gegner der Atomkraft und die Verfechter alternativer Energiegewinnung, Tier- und Umweltschützer, jede Menge an (oftmals „friedlicher“, aber auch sehr aggressiver) Sekten und religiös-fundamentalistischer Ideologien, die insbesondere nach dem Zusammenbruch des Sozialismus eine klaffende Leere zu füllen suchten; der Warschauer Pakt brach mit dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion (und damit seiner Führungsmacht) innerhalb von Monaten völlig zusammen.
Aber auch im Wirtschafts- und Finanzbereich mehrten sich seit Mitte der 70er Jahre die Stimmen, die vor einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft warnten; das immer hemmungsloser ausufernde Geldmengenwachstum, die immer wilder wuchernden Finanzmärkte und die sich zunehmend öffnende Schere zwischen Arm und Reich riefen Apokalyptiker auf den Plan, die vor sozialen Unruhen und Bürgerkriegen, Hungersnöten und der Verelendung von Abermillionen Menschen und mehr als der Hälfte aller Staaten, nachgerade in Afrika, warnten.
Spätestens seit Beginn der 70er Jahre gerieten die Sozialsysteme Europas in eine bedrohliche Klemme: Enorme medizinische Fortschritte hatten die Lebenserwartung in stärkerem Maße wachsen lassen als je zuvor in der Geschichte der Menschheit; gleichzeitig sank jedoch die Reproduktionsrate gerade in den Industriestaaten zunehmend. Beides führte in Kombination zu immer höheren Soziallasten, wobei den Politikern speziell in Westeuropa nichts Vernünftigeres einfiel, als sukzessive die Steuerquoten zu erhöhen, die Leistungen aus den „Füllhörnern“ sozialstaatlicher „Großzügigkeit“ einzuschränken, die Steuerquoten und -sozialabgaben ebenso zu erhöhen wie die Lebensarbeitszeiten und mit einem ausschließlich politisch motivierten Flickenteppich an „Reförmchen“ zu versuchen, ein System zu retten, das längst im Koma lag.
Kaum ein Politiker – und dies gilt beileibe nicht nur für Deutschland – hatte nämlich begriffen, daß mit dem Zerfall der Sowjetunion die wirtschaftliche Globalisierung erst richtig begonnen und damit die wirtschafts- und finanzpolitischen Ströme zur Auflösung einzelner (nationaler) Entitäten begonnen hatte, während die Politiker noch verzweifelt versuchten, ihre nationalen Sozialstaats-Phantasien zu wahren.
In dem Maße, in dem sich vor allem Großkonzerne, aber auch Mittelständler nach günstigen Produktions- und Dienstleistungsstandorten quer über den Globus umsehen konnten und auch die Finanzmärkte sich international orientierten, ging den national verhafteten Politikern die Basis verloren.

Unter diesen Aspekten gewinnt die derzeitige ‚Finanzkrise’ völlig neue Aspekte und erweist sich bei näherem Hinsehen beileibe nicht als Ursache für die dramatischen Veränderungen, vor denen wir stehen, sondern als der Auslöser eines längst in vollem Gange befindlichen ‚Paradigmenwechsels’, den immer noch viel zu wenige Menschen zu erkennen vermögen.
Und noch immer versuchen uneinsichtige Verfechter eines längst in Agonie liegenden Systems, mithilfe neuer Regeln, Gesetze und Verordnungen sowie dem Einsatz künstlich geschaffener Billionen an US-Dollars, Euros, Yens, britischem Pfund und Schweizer Franken das System zu retten – koste es, was es wolle.

Paradigmenwechsel, also der Austausch grundlegender Basiswerte und die Neuordnung von Inhalten und Werten im Zusammenleben von Individuen, Völkern und Nationen haben eine „gefährliche“ Eigenart: Sie zeigen sich nicht in spontanen, bruchartigen Mustern – für Jeden identifizier- und nachvollziehbar –, vielmehr entwickeln sie sich schleichend, allmählich und nahezu heimlich-unbemerkt. Insofern stellen markante Geschehnisse im Verlauf der Menschheitsgeschichte – selbst der Untergang von Weltreichen, Währungsreformen, Kriege, Erfindungen aller Art und das Aufkommen oder Verschwinden von Religionen und anderen Ideologien – beileibe keine Paradigmenwechsel dar, vielmehr sind sie die offensichtlichen und markanten Einschnitte, quasi die „Begleitmusik“, eines lautlos, im Untergrund entstehenden, von den meisten Menschen überhaupt nicht wahrnehmbaren ‚Paradigmenwechsels’.

Weltliche und sakrale Systeme sind in ihren kulturellen und sozialpolitischen, wirtschafts-, bildungs- und finanztechnischen Ausprägungen immer nur Werkzeuge der von eben dieser Systemik am vorteilhaftesten profitierenden, herrschenden Minderheit. Daß diese Minderheiten die sich daraus für sie ergebenden Vorteile solange wie nur irgend möglich zu nutzen bemüht sind, erscheint uns logisch und verständlich. Aber auch dieser Schein trügt, denn in Wirklichkeit beruht das dahinter stehende Denken, was sich in Machtgier und einer völlig jenseits aller Vernunft und Notwendigkeit ausgelebten Streben nach wirtschaftlicher Macht äußert, als gigantischer Irrtum und nachgerade völlig wider-natürliches Fehldenken.
Mit anderen Worten: Jenseits aller Notwendigkeit, danach zu streben, möglichst viel an Geld und Macht anzuhäufen, und dies dann auch noch als „Beweis“ eigenen Wertes und persönlicher Qualität anzusehen, verrät sich darin im Grunde genommen nur ein erschreckendes Maß an Unsicherheit und Mangel an Selbstbewußtheit.

Sehr profan ausgedrückt: Keinem Tier käme es in den Sinn, sich selbst – zulasten seiner Umwelt und der übrigen Mitglieder seines Rudels – über das Maß hinaus zu bereichern, das es benötigt, um sich selbst ausreichend zu versorgen und gesund zu erhalten. Einzig der Mensch bemißt seinen Eigenwert und die Qualität seines Lebens danach, was er – jenseits aller wirklichen Bedürfnisse – an materiellem Reichtum und Macht über Andere anzusammeln vermag.

Ultimative Formen menschlicher Psychopathologie finden wir im Ansammeln von Milliarden – für mich der lebende Beweis dafür, daß dieser Mensch chronische Selbstwertdefizite aufweist und den Blick, das Bewußtsein und die Verantwortung dafür, wofür man Geld in vernünftiger Weise verwenden sollte, verloren hat – und dem Führen von Kriegen, mit Hilfe derer man die eigene Sicht der Dinge dem Nachbarn aufzuzwingen versucht, den eigenen Herrschaftsbereich zu vergrößern trachtet und sich ins ’Buch der Geschichte’ einzuschreiben versucht. Von diesem Größenwahn waren all die Helden, die wir heute als „Superreiche“ und Prominente feiern oder deren krankhafte Herrschsucht – von Darius I bis Bush II – wir uns im Geschichtsunterricht einprägen müssen.
An dieser Glorifizierung menschlichen Wahnsinns hat sich von der Antike bis heute nicht das Mindeste geändert – ein mehr als bedenklich stimmendes, trauriges Resümee menschlicher „Entwicklung“, ehrlicher konstatiert: Dummheit.

[Wen provoziert, daß ich den (klassisch bereits als reich geltenden) ‚’Millionär’ ausschließe, der möge bedenken, daß viel mehr Menschen Millionäre sind, als dies gemeinhin vermutet wird. Zu all den Spargroschen auf der Bank, Bauspar- und Lebensversicherungsverträgen, ihren Haushaltsgegenständen und dem Inventar ihrer Behausung, Ringen, Briefmarken und Münzen gehören nämlich auch ihre Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Schon ein Beamter, der mit durchschnittlich 57 Jahren in
den Ruhestand geht und 2.500 EUR an Ruhestandsgehalt bezieht, verfügt damit, finanzmathematisch betrachtet, über ein „Guthaben“, was bei einer angerechneten Lebenserwartung von 78 Jahren dem Gegenwert von etwa 600.000 EUR entspricht. Das Problem dabei ist nur, daß er – im Gegensatz zu einem Selbständigen, der für seine Zukunft auch selbst zu sorgen hat – darüber nicht als Kapital verfügen kann, weil der Staat in seiner Allmachtsphantasie ihn (wie jeden nichtselbständigen Bürger) für zu dumm hält, selbst für sein Alter vorzusorgen.

Einen bedeutsamen Unterschied macht es auch, ob man als klein-/mittelständischer Unternehmer einen Betrieb unterhalten, für dessen Finanzierbarkeit zu sorgen hat – wenn irgend möglich: ohne Schulden! – und ein Bewußtsein von Verantwortung für seine Mitarbeiter, bzw. deren Arbeitsplätze und Einkommen Verantwortung empfindet. Hierbei ist eine oder auch mehrere Million(en) schnell beisammen.]

Betrachten wir jedoch einmal unter diesem Aspekt und aus diesem Blickwinkel die Geschehnisse der bisherigen etwa 10.000 Jahre des homo sapiens sapiens, die Historie entstehender und zerfallender Weltreiche, die jüngere Geschichte des letzten Jahrhunderts und die jüngsten Ereignisse im noch jungen 21. Jahrhundert – vom 11. September 2001 bis zur gerade geplatzten Eiterbeule im Finanzwesen – ,so drängt sich die Vermutung auf, daß wir erst dann (und in dem Maße) in der Lage sein werden, uns selbst wie auch gegenseitig in friedlicher Weise zu begegnen (statt uns selbst wie auch unserer Umwelt und diesem Globus insgesamt das Leben zur Hölle zu machen). Erst dann wird nicht mehr die Minderheit der Mächtigen und Reichen unser aller Leben bestimmen, sondern die jeweils tatsächlich Qualifiziertesten werden die Führung übernehmen.

Die derzeitigen weltweiten Probleme der Menschen – der persönlichen wie auch der jeweiligen Kommunen, Völker und Nationen – sind nichts anderes als Manifestationen starren Festhaltens an falschen Denkmustern, die dann zu einem falschen (i.e. wider-natürlichen) DenkFühlHandeln führen.

Auch mit Hunderten von Billionen künstlich geschaffener US-Dollar, Euros, Yens etc. wird der Zusammenbruch dieser kranken Systeme nicht verhindert werden können.
Die Frage ist nur, wie lange wir krampfhaft an völlig falschen „Idealen“ glauben, festhalten zu müssen und den Katalog völlig falscher Werte und Lebensinhalte aufrechterhalten und verteidigen zu können.
35.000 täglich an Hunger und Unterernährung sterbende Kinder im Alter von weniger als fünf Jahren, Tausende tagtägliche Opfer sozialpolitischer Unruhen, Kriege und Bürgerkriege, Heere von wirtschaftlich in Abhängigkeit lebende oder um ihre schiere Existenz kämpfende Menschen, bedenkenlose Verbrechen an Natur und Umwelt und das bedenkenlose Plündern der natürlichen Ressourcen dieser Welt – all dies sind Auswüchse und Belege der Unfähigkeit des Menschen, das großartige Geschenk der Natur – ich spreche von dem höchst-entwickelten Organ, dem menschlichen Gehirn – verantwortungsbewußt und sinnvoll zu benutzen.
Dabei versündigen sich diejenigen, die nach größtmöglichem, materiellem Reichtum (zu Lasten ihrer Mitmenschen) oder nach ultimativer Macht über ihre Mitmenschen streben, genauso gegen ihre Verantwortlichkeit, wie diejenigen, die entweder resignieren und ihre schiere Lebensführung in die Hände scheinbar dafür geeigneter Personen und Institutionen (Politiker, Staat und Religionen) geben, aber auch diejenigen, die sich von allen Widernissen abwenden und sich – problem-abstinent und konfliktscheu – in jedwede Nischen verkrümeln.

Ich bin der festen Überzeugung, daß wir binnen kurzem tatsächlich einen völligen Zusammenbruch unseres Wirtschafts-, Finanz- und Sozialsystems erleben werden. Dieser Zusammenbruch wird leider enorme Schmerzen und sehr viel Leid über Hunderte von Millionen Menschen bringen und zahllose Opfer kosten.
Ich nehme andererseits aber eine starke Zunahme an Menschen wahr, deren DenkFühlen – teils bewußt, teils unbewußt – gerade eine Katharsis erfährt, die mich hoffen läßt, daß wir insgesamt – jenseits nationaler Grenzen und staatlicher wie religiöser Zugehörigkeit – tatsächlich in ein neues Zeitalter, eine Ära völlig anderer Denkmuster und Verhaltensweisen hineinwachsen.

Die heutigen Probleme der internationalen Finanzmärkte, der nationalen, politischen Systeme, der in ihrer Rigidität verbohrten Religionen, der hybriden Medienwelt, der in Inflexibilität erstarrten Bildungssysteme, der jenseits jeder Ethik agierenden Werbewirtschaft und des dumm-dreisten Agierens unserer weltlichen wie auch der sakralen „Elite“ sind pathologische Auswüchse der Gattung Mensch, die immer noch nach der „Gebrauchsanweisung“ für die sinnvolle, natürliche und (realiter) menschliche Nutzung ihrer geistigen und emotionalen Fähigkeiten sucht.

Erst wenn wir dem natürlichen Empfinden und der natürlichen Ethik wieder den gebührenden Platz einräumen und dies mit der effizienten Nutzung unseres Verstandes kombinieren, werden wir der Rolle gerecht werden, die uns die Natur zugewiesen und geschenkt hat.

Noch immer betrachtet der homo sapiens sapiens Soziologie, Ökonomie, Ökologie, Wirtschafts- und Finanzwirtschaft, Philosophie und Psychologie als singuläre Wissenschaften. Kein Wunder, daß sich deren Verzahnung, die sich gegenseitig bedingenden Interdependenzen von den allermeisten Menschen weder erkannt noch berücksichtigt werden.

Nur so ist z.B. zu erklären, wieso noch immer ein weltweiter „Glaubenskrieg“ zwischen „Sozialismus“ und „Kapitalismus“ geführt wird. Was für ein Unsinn, handelt es sich beim Sozialismus doch um ein Gesellschaftsmodell, wohingegen der Kapitalismus ein Wirtschaftsmodell ist.
Als ob eines das andere per se ausschlösse.

 

2009 – mutmaßlich ein Katastrophenjahr

Wer glaubt, daß wir mit dem Ende des Jahres 2008 das Schlimmste bereits hinter uns haben, könnte sich bald sehr böse getäuscht sehen.
Zwar handeln die Regierungen aller Länder insofern „vernünftig“, als sie zunehmend (und in noch nie dagewesener Weise) die Notenpressen anwerfen, weil sie wissen, daß ansonsten ein Zusammenbruch des gesamten, weltweiten Finanz- und Wirtschaftssystems drohte, aber realistisch betrachtet verschiebt dies nur die heutigen Probleme in die Zukunft. Auf der Strecke bleiben werden binnen kurzem vor allem Klein- und mittelständische Unternehmen, die über zuwenig Eigenkapital und zu hohe Schulden stolpern werden. dies gilt in gleichem Maße für Privatpersonen, die zuwenig Reserven aufgebaut, dafür aber um so kräftiger konsumiert und auf Pump gelebt haben.
Bei der Frage, welche Konzerne mittels Krediten, Bürgschaften oder frischem Kapital gerettet werden sollten, werden sich die „Eliten“ nur daran orientieren, wie viele Arbeitsplätze jeweils gefährdet sind, da sich kein Staat, keine regierende Partei erlauben kann, Millionenheere an Arbeitslosen aufzubauen, die dann einerseits der Sozialfürsorge anheim fallen, andererseits einen gefährlichen sozialen Sprengstoff bilden, dem dann mit noch so viel Polizei (oder sogar mit „Notstandsgesetzen“ und dem Einsatz von Militär) begegnet
werden kann.

Dabei werden nun wahre Horrorszenarien entwickelt: Bereits die heute fest zugesagten weltweiten zusätzlichen Finanzmittel von über 10 Billionen USD – fast ein Drittel des Welt-Bruttosozialproduktes (!) – werden nicht annähernd ausreichen, um die bisherigen, noch viel mehr aber die noch gar nicht aufgedeckten Verluste und notwendigen Abschreibung und drohenden Verlustposten zu kompensieren. So wird das Volumen der weltweit ausgegebenen Derivate und Zertifikate auf bis zu 600 Billionen USD geschätzt. Faillieren davon nur 10 %, entspräche dies der aber-witzigen Summe von 60 Billionen USD – rund dem Doppelten des Welt-Bruttosozialproduktes.
Noch überhaupt nicht abzuschätzen sind die Verluste der weltweiten Pensionsfonds, die vor allem in den anglikanischen Ländern die Rolle der staatlichen Sozialversicherungssysteme Westeuropas inne halten. Viele dieser Pensionsfonds werden erst in den kommenden Monaten und Jahren ihre Bilanzen vorlegen und dann um (staatliche) Hilfe rufen.

Interessant ist hierbei, daß die kommende Weltwirtschaftskrise auf unterschiedliche Wirtschaftsideologien keinerlei Rücksicht nehmen wird; weltweit brechen die Märkte ein; weltweit igeln sich Unternehmen – je größer, desto mehr – ein, bauen Arbeitsplätze ab
und reduzieren ihre Tätigkeits- und Produktionsfelder auf das sogenannte „Kerngeschäft“. Und ebenso weltweit zeigen sich die Regierungen machtlos und überfordert. Dabei macht auch Barak Obama, die neue Lichtgestalt am politischen Himmel der (militärischen) Führungsnation, keine Ausnahme – von unseren europäischen Narren und Simpeln auf dem politischen „Olymp“ ganz zu schweigen.

In ihrer Not und Hilflosigkeit sammeln nun Banken Tages- und Festgelder – mit Zinsversprechen, die sie auf den Kapitalmärkten überhaupt nicht in der Lage sind, zu erzielen. Sie tun dies in der Hoffnung, damit die eigenen Unternehmenszahlen zu schönen, um sich im internationalen Kampf ums Überleben zu stärken.
Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller fallen darauf aber in einer Mischung aus Gier und Dummheit prompt herein; alternativ decken sie sich mit Staatsanleihen und Schuldverschreibungen ein, die gerade noch mit 2,5 bis 3,5 % (je nach Laufzeit) „rentieren“; subtrahiert man hiervon nämlich Steuern und die (ohnehin geschönten) Inflationsraten, erweisen sich diese vermeintlich sicheren „Häfen“ als reines Verlustgeschäft.

Wir sind – so unangenehm, weil endgültig, dies klingen mag – an einem Wendepunkt der Geschichte angelangt, und alle Versuche, den Zeitpunkt der ultimativen ’Zeitenwende’ hinauszuzögern, verschärft das aufziehende Krisenszenario nur umsomehr.

 

Welche Alternativen gibt es denn überhaupt noch?

Notwendig wäre ein völliges Umdenken. Der bislang gefeierte Fortschrittsglaube und ein hemmungsloser Konsum um jeden Preis ist endgültig zu Ende. An die Stelle des eigenen Besitzes als Maßstab eigenen Wertes muß künftig die Einsicht rücken, daß nicht nur unsere Lebenszeit sehr beschränkt (und endlich) ist, sondern daß jedes Mehr an Eigentum und Macht dann schädlich ist, wenn es zu einem Weniger für andere führt. Dies gilt (in unterschiedlichen Maßstäben) weltweit und schließt auch den Mißbrauch und die hemmungslose Ausbeutung von Rohstoffen sowie den Mißbrauch von Natur und Umwelt ein.
Ebenso wichtig wäre jedoch auch eine völlig neue Betrachtungsweise der Funktion des Geldes (egal, welcher Währung). Geld ist kein Wert für sich, und insofern entspricht dessen Ansammlung entweder zum schieren Aufbau von Sicherheit weder dem Sinn einer Währung, noch kann es als Beweis eines höheren Eigenwertes, eigener Mehrleistung – jeweils im Vergleich mit Anderen – dienlich sein.

Natürlich haben unterschiedliche Aktivitäten der Menschen unterschiedliche Wertigkeiten, nur lassen sich diese Unterschiede nur sehr unzureichend mit unterschiedlichen Einkommen und Verdiensten darstellen.
Die vornehmliche Aufgabe von Geld ist es, als Tauschmittel zu dienen, da – im Gegensatz zu früheren Epochen der Menschheit – im Rahmen der Arbeitsteilung die Menschen unterschiedlichen Berufen nachgehen.
Zum Zwecke des Aufbaues eigener „Sicherheit“ Geld zu horten, heißt, dessen Funktion als schieres Tauschmittel zu unterbinden. Insofern würde es durchaus Sinn machen, gehortete Gelder mit einem Negativzins zu versehen, um einerseits dessen Funktion nicht zu behindern und andererseits, um auch Sicherheit mit einem volkswirtschaftlichen Leistungskoeffizienten zu versehen, der dessen Wert widerspiegelt.
Mit anderen Worten: Wer Geld hortet und damit seiner Funktionalität beraubt, muß dafür einen entsprechenden Preis bezahlen – den Negativzins.

Nun ist der Gedanke des Negativzinses nichts radikal Neues. Bislang wurde er jedoch zumeist als „Strafzins“ verstanden, mit Hilfe dessen eine Art ’sozialer Ausgleich’ zwischen arm und reich realisiert und ideologisch unterfüttert werden sollte.
Hiervon spreche ich aber nicht. Vielmehr geht es darum die Funktion des Geldes als Tauschmittel neu zu definieren: Wird Geld als funktionales Leistungsinstrument eingesetzt – für den Erwerb von Gütern und Dienstleistungen oder als Risikokapital zur Errichtung neuer Arbeitsplätze und zum Aufbau von Firmen, bzw. im Bereich von Forschung und Entwicklung – , so erfüllt es seinen originären Nutzen, Sinn und Zweck. Wer hingegen Geld als Sicherheitsvehikel hortet (i.e. zweckentfremdet), soll für diese Sicherungsverwahrung eine Leistungsprämie entrichten – in Form des Negativzinses.

 

Negativzins – der Rückbau des „(Finanz)Turms zu Babel“

Sie alle kennen die Analogie: Hätte man im Jahre 0 unserer Zeitrechnung einen EURO-Cent zu einem stetigen Zins von 5 % angelegt, so besäße man – Währungsreformen und pleite gehende Banken ausgeschlossen – heute einen Goldklumpen vom 50-fachen Gewicht der Erde. Dies veranschaulicht in drastischer Weise die exponentielle Funktion des Zinses.

Wer nun Geld besitzt hat vier Möglichkeiten:

  • er vernichtet es – dafür wird man heute in Sicherheitsverwahrung genommen und in eine geschlossene Anstalt eingeliefert;
  • er konsumiert es – kauft alles, was er entweder wirklich braucht oder sich von der korruptiven Werbemaschinerie anpreisen läßt (ohne es zumeist wirklich zu benötigen und/oder zu nutzen);
  • er investiert es (direkt oder indirekt) in die Wirtschaft, beteiligt sich also am Sinn, Zweck und Risiko (!) des Aufbaus von Produktionsstätten, Dienstleistungsunternehmen, in Forschung und Entwicklung bzw. zu kulturellen Zwecken;
  • er hortet es – zum Zwecke des Aufbaus von (vermeintlicher) Sicherheit.

Entsprechen der zweite und dritte Weg der Verwendung von Geld dessen eigentlichem Zweck, wird für den vierten Verwendungszweck des Geldes von der Bank, zu der man sein Geld bringt, ein „Belohnungszins“ erwartet und verlangt – je höher, desto lukrativer. Dabei dient diese Bank eigentlich nur als Aufbewahrungsort für das ihr anvertraute Geld, und dafür sollte der sicherheitsbewußte Zeitgenosse eigentlich eine Aufbewahrungsgebühr (eben den Negativzins) bezahlen, denn ansonsten müßte er seine Gelder zu Hause (unter der berühmten Matratze) selbst aufbewahren, was angesichts des Diebstahls- und Vernichtungsrisikos (Brand etc.) ab einer gewissen Höhe reichlich unsinnig ist.

Kostete nun die Aufbewahrung der finanziellen Sicherheit seinen Preis, den Negativzins, so hätte dies drei Effekte:

  • Banken könnten Kredite, die sie an Dritte vergeben, weitaus günstiger anbieten, als dies bislang der Fall ist; immerhin müssen sie ja bislang für die ihnen anvertrauten Gelder auch noch eine Prämie, den Guthabenszins, entrichten;
  • Der immense Schuldenturm (denken Sie an o.g. Analogie) könnte nach und nach abgebaut werden. Hierzu wäre allerdings zusätzlich noch notwendig, daß Banken nicht mehr bis zum Zehnfachen der Guthaben, über die sie verfügen, Kredite ausleihen dürfen. Berücksichtigt man zusätzlich noch die Wirkung der ’Hebelgeschäfte’, bei denen (im ’Optionshandel’) nur eine Prämie von 10% des eigentlichen
    Ordervolumens als „Optionsprämie“ hinterlegt werden muß, dann ergibt dies eine weitere Verzehnfachung der in den Geldkreislauf gepumpten Geldmenge, also (etwas verkürzt dargestellt) das Hundertfache der jeweils tatsächlich eingelegten Guthaben;
  • Der dritte Effekt der Einführung eines Negativzinses wäre, daß freie, also derzeit nicht benötigte Gelder, tatsächlich wieder in dem originären Sinne des Geldes entsprechender Weise investiert und damit der zweckdienlichen Funktion des Geldes im Wirtschaftskreislauf zugeführt würden.

Dies würde sicherstellen, daß Geld seine Funktion innerhalb des wirtschaftlichen und sozialen Gefüges einer Gemeinschaft zurückerhält.

Dementsprechend würde Geld seine vornehmliche Funktion als Tauschmittel zurückgewinnen und im Umlauf gehalten, statt – wie bisher – mithilfe von ’Guthabenszinsen’ einen leistungslosen Mehrertrag aufzubauen. Diese Zweckentfremdung des Geldes führte uns nämlich genau in die Schuldenspirale, die wir in Form des exponentiell gesteigerten Geldvolumens heute weltweit als eigentliche Ursache der Finanz-, Wirtschafts- und (in naher Zukunft) als Sozialkrise erleben.

Nun wäre es mit einem philosophisch und psychologisch neuen Bewußtsein bezüglich unseres DenkFühlHandelns und einer „Neudefinition“ des Tauschmittels Geld nicht getan.

Vielmehr bedarf es auch einer völligen Neuorientierung in Bezug auf das Zusammenwirken und Ineinandergreifen sozialer, wirtschaftlicher, steuerlicher und finanzpolitischer Aspekte im Rahmen dessen, was wir als Volkswirtschaft bezeichnen.

Hierzu liegt seit immerhin 32 Jahren ein Gesamtkonzept (www.d-perspektive.de/konzepte/steuer-wirtschafts-und-sozialkonzept/) vor, das allerdings einen fundamentalen „Nachteil“ hat: es würde bei konsequenter Anwendung die bislang gültigen systemischen Machtverhältnisse der politischen Parteien und aller weltlicher wie auch sakraler „Eliten“ gründlich durcheinanderwirbeln bzw. auf den Kopf stellen.
Daß daran die derzeit herrschenden Macht“eliten“ nicht das geringste Interesse haben, ist unschwer nachzuvollziehen.
Ich bin jedoch davon überzeugt, daß wir – und damit sind wir bei der Überschrift dieser Ausarbeitung – vor einer elementaren Zäsur unseres gesamten Wirtschafts- , Finanz- und Sozialwesens stehen, der die heute herrschenden „Eliten“ auch unter Einsatz noch so vieler Milliarden und Billionen an USD, EUR, Yen oder CHF nicht mehr zu entwischen vermögen.
Die Frage ist nur, wie lange wir uns von den weltlichen und sakralen „Eliten“ noch an der Nase herumführen lassen.

H.-W. Graf
27. Oktober 2008

Die Retter und ihr Werk

27. Oktober 2008|Steuer- und Finanzpolitik|0 Comments

Die Retter und ihr Werk

 

Es gibt Staaten, denen von Privatseite keine Kredite mehr gewährt werden (Island, Kalifornien).

Einige große Banken müssen ihre Schalter schließen. Selbst einige Lebensversicherungsgesellschaften rutschen in die Pleite.

Was geht hier vor?

Die USA unter George W. Bush zogen in den Krieg. Das kostete Geld, mehr als der Haushalt hergab. Er ließ sich nur über das Aufnehmen von Schulden ausgleichen. Das erzwang, die Steuern zu erhöhen.

Der vermehrte Umlauf verknappte das Bargeld. Das Fed druckte neues. Das brachte die Inflation ins Traben.

Als Folge davon wogen für den amerikanischen Bürger die Gehaltserhöhungen die Geldentwertung und Abgabenbelastung nicht mehr auf. Ob er das hätte vorherzusehen müssen oder falsch beraten wurde, ist ohne Belang. Jedenfalls konnte er seine Kredite nicht mehr bedienen.

Den Banken flossen infolgedessen zunehmend Immobilien zu, für die sich in den Versteigerungen (trotz ständig verringerter Preise) keine Käufer fanden. Statt auf flüssigem Kapital sitzen sie nun auf Sachen, die sich nicht zu Geld machen lassen. Das überfordert jede Bank.

Die Staaten, schuldig an der Misere, geben jetzt vor(und die Presse kolportiert es), das Finanzsystem gerettet zu haben.

Dies wollen sie bewirkt haben, indem sie weiteres Geld auf den Markt werfen.

Das hat zweierlei Folgen:

Da sie das Geld nicht haben, von dem sie so großzügig Gebrauch machen, zahlt die Zeche erneut der kleine Mann. Ihm wird das staatliche Manko vom Gehalt abgeknöpft und er erlebt obendrein, daß die Scheine und Münzen in seinem Beutel zunehmend weiter an Wert verlieren.

Überdies werden die nachrangig Schuldigen, die Bankinhaber, aus der Haftung genommen.

Da es sich hier vorwiegend um Kapitalgesellschaften handelt, müßten, griffe der Staat nicht ein, die Gesellschafter und Aktienbesitzer für das Verhalten ihrer Unternehmen geradestehen. Die von diesen gewählten Aufsichtsräte indessen und die von diesen wiederum bestellten Vorstände haben nicht nur versagt, sondern obendrein kräftig in die Kasse gegriffen – was nun ohne die Folgen bleibt, die es haben müßte.

Sodann wollen die Staaten die Überwachung der Banken erweitern und verbessern.

Nun gibt es in den meisten Staaten bereits eine hoheitliche Bankenaufsicht. Ihr entging weitgehend, was sich in den abhörsicheren Büros abspielte. Wird es jetzt gelingen, jedem gierigen Banker einen wiefen Beamten in den Nacken zu setzen?

Und was die Regeln anbelangt, so waren die meisten Gesetzgeber in den letzten Jahren durchaus nicht faul. Gegen weitere Verordnungen, ja gegen Verordnungen insgesamt darf man Bedenken hegen.

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, das, so unkonkretisiert, wie es ist, dennoch von jedem auf dem Markt gekannt wird, das des ehrbaren Kaufmanns. Seit Jahrtausenden stellt sich immer wieder die Frage, ob es notwendig oder nützlich ist, diese Norm in Gesetzesform zu gießen. Denn jeder, der auf den Markt geht, weiß, daß, wenn er sich auf den schmalen Grat zwischen Gut und Böse begibt, er in Gefahr gerät zu stürzen. Ist es da der Sache dienlich, ein paar Barrieren zu errichten, wohl wissend, daß Schwindelfreie unversehens eine Umgehung finden (unterstützt von eigens darauf angesetzten Wissenschaftlern)?

Der Markt allein straft unerbittlich, wie sich zeigt – wenn man ihn denn ließe -, ohne daß ihm vorgeschrieben wäre, was er strafen soll.

Der Staat hat nun erneut einigen Gratwanderern (großen, mächtigen) vermittelt, daß er sie auffängt, unabhängig davon, was sie auf jenem schlüpfrigen Pfad anstellten. Diese Staatsgarantie ist in der Vergangenheit schon mehrfach den Verantwortlichen einiger vom Zusammenbruch bedrohter großer Firmen zuteil geworden (und wird jetzt schon wieder in den Blick genommen). Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß die Banker bei all ihrem Tun sie in Rechnung stellten.

In den Aufsichtsräten im übrigen sitzen schon seit eh und je auch Politiker. Nachdem der Staat nun gegebenenfalls in großem Stil Aktien aufkaufen will, somit Anspruch auf verstärkte Mitwirkung an der Kontrolle erlangt, werden sich noch mehr Politiker in jenen Gremien tummeln. Daß dies der Sache dienlich sei, wird von der Erfahrung nicht bestätigt.

Hinzu kommt, daß es auf dem Markt nicht allein um Gut und Böse, sondern in starkem Maß auch um Richtig oder Falsch geht. Schuld und Unschuld richten sich auch danach, ob die Marktsituation richtig erkannt wurde. Nicht allein Ehrlichkeit und Fleiß sind gefragt. Wesentlich sind auch Überblick und Mut. Und da stellt sich nun die Frage, ob die Kontrolleure, Politiker und Beamte, sich als sehr hilfreich erweisen werden, den besseren Durchblick haben, wenn es gilt, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen oder ein altes zu verteidigen.

Viel bedeutender indessen an der ganzen Sache ist, daß die Manipulationen der Banker, die so sehr in den Vordergrund geschoben werden, für das Entstehen der Krise völlig unerheblich sind. Denn bei den Wetten, um die es sich dabei vorwiegend handelt, lassen die Gewinner und Verlierer die umlaufende Geldmenge und ihren Wert konstant. Es findet eine Umschichtung des Kapitals statt, wobei es keineswegs immer moralisch und gerecht zugeht. Daran mag die Gesetzgebung sich reiben, sie mag einige unschuldige Verlierer entschädigen und das Aufkommen weiterer vermeiden können, für die Wirtschaft aber ist dies ohne tiefgreifende Bedeutung.

Das also, worauf sich die Kontrolle richten soll, ist für die Stabilität des Finanzsystems gänzlich irrelevant. Die nämlich hängt davon ab, wieviel dem Bürger netto von seinem Verdienst erhalten bleibt und wieviel das Geld wert ist, das in seinen Taschen klingelt.

Die Kaufkraft ist maßgebend. Die aber wird erneut geschmälert. BMW und Opel lassen schon mal für ein paar Wochen ihre Bänder stehen.

Die Politiker schieben den Bankern die Schuld an der Misere zu, unterstützt von den ihnen Hörigen. Gewiß, die Zocker in den Banken haben mit lockerem Geld verführt. Doch den Kollaps haben letztlichdie geplatzten Kredite der Häuslebauer verursacht. Und die Wirtschaft stagniert nicht, weil einige Banken ihre Zahlungsfähigkeit verloren haben(und nun ein paar Schlipsträger auf der Straße stehen), sondern weil der Normalbürger sich kein neues Auto kaufen kann.

Die beiden Präsidentschaftskandidaten der USA versprechen unisono, die Steuern senken zu wollen. Bei einem Haushaltsdefizit in der Rekordhöhe von 455 Milliarden Dollar (die aktuellen Finanztransaktionen noch unberücksichtigt) ließe sich das realiter nur über eine weitere Erhöhung des Schuldenbergs bewerkstelligen, wobei eine Belastung von 100 Prozent des Bruttosozialprodukts entstehen dürfte. Die Situation wird sicher nicht erleichtert dadurch, daß fast die Hälfte der amerikanischen Staatschulden von asiatischen Staaten, darunter ein großer Anteil von China, gehalten wird.

Die Marktwirtschaft habe versagt, singen Politiker
und Mainstream-Medien im Chor. Der Markt indessen verhält sich, wie es ihm geziemt. Wer seine Gesetze verletzt, bleibt auf der Strecke..

Die Mechanismen des Marktes bewirken, daß stets am Ende überlebt, wessen Angebot abgenommen wird, wer in der Käufer Gunst verbleibt. Diese Gesetzmäßigkeit wird aus den Angeln gehoben, wenn ein Marktteilnehmer nicht befürchten muß, daß er auf einer Ware sitzen bleibt, die niemand haben will oder die sich zu wenige leisten können oder von der sich herausstellt, daß sie nichts taugt. Der Markt verliert seinen Vorzug, wenn einige seiner Teilnehmer für Fehleinschätzungen oder Vergehen nicht haften müssen.

Würden die Aktionäre damit rechnen müssen, daß niemand ihr Unternehmen auffängt, wenn es in Konkurs gerät, würden sie vermutlich ihre Aufsichtsräte nach strengeren Kriterien auswählen und von diesen verlangen, daß die geschäftsführenden Angestellten Verträge erhalten, die eine persönliche Haftung vorsehen.

Den Bankern einige Wetten und Termingeschäfte zu verbieten, ist reine Augenwischerei. Denn diese Transaktionen mögen einige Banken in den Ruin getrieben haben. Aber für den Markt, für die Wirtschaft ist das ohne jede Bedeutung. Wenn schlechte Banken die Bühne verlassen, machen die guten um so bessere Geschäfte. Die Staaten lähmen die gesunde Auslese, sie nehmen den tüchtigen Teilnehmern auf dem Markt sonst vorhandene Chancen, sie hemmen Erneuerung und behindern das Aufkommen eines besseren Angebots zu einem günstigeren Preis.

Der Markt hat nicht versagt. Nicht der Markt schreit nach der Politik. Wer da barmt, das sind diejenigen, die gegen die Gesetze des Marktes verstoßen haben. Doch indem der Staat deren Wehklage erhört, setzt er die Vorzüge des Marktes außer Kraft – mit verhängnisvollen Folgen für seine Bürger.

Der Aktionismus der Staaten mithin vergrößert und verschlimmert die Krise.

Man kann doch Banken und Versicherungen nicht einfach pleite gehen lassen, heißt es. Das schmälert doch das Vertrauen. Und die Unternehmen erhielten keine Kredite mehr.

Abzuwarten indessen bleibt, ob eine beständig sinkende Valuta und der Verlust vieler Arbeitsplätze das Vertrauen in das Funktionieren des Systems wiederherstellt.

Und was die Geldausstattung der Unternehmen anbelangt, dafür blieben stets genügend gesunde Banken auf dem Markt (In Deutschland freuen sich die Sparkassen und Genossenschaftsbanken über jeden neuen Kunden. Sie haben just viel neues Geld in die Kassen gekriegt).

Was hätten die Staaten tun sollen? Aktuell nichts! Sie müßten ihre Haushalte in Ordnung bringen und halten (nicht mehr Geld ausgeben, als sie mit erträglichen Steuern einnehmen) und ihre Währungen wieder an den Goldstandard binden.

Beliebig vermehrtes (wertloses) Geld schafft kein Vertrauen. Es fördert statt dessen die zu recht beklagte Manipulation mit ihm.

Unsere Vorrechner machen uns weis, daß man trotz zunehmender Staatsschulden die Steuern und Abgaben senken kann. Sie lassen sich durch Sätze der Algebra bei ihren Versprechungen nicht irre machen. Und Vorsorge über die nächste Legislaturperiode hinaus zu treffen, betrachten sie als Überforderung ihrer Zuständigkeit.

Zusätzlich zu den gigantischen gesellschaftlichen und Umweltproblemen, die der Lösung harren, laden wir unseren Kindern gewaltige Schuldenmengen auf. Gott gnade ihnen, wenn diese Blase platzt.

Karl-August Hansen
10. Oktober 2008

Das Geld, die Gier und der Hebel

10. Oktober 2008|Steuer- und Finanzpolitik|0 Comments

Das Geld, die Gier und der Hebel

Quelle: Selenz`Kommentar, 8. Oktober 2008

 

Die Börsen-Zuckungen weltweit erinnern mittlerweile an Fieberkurven eines Todkranken. Tagesverluste im zweistelligen Prozentbereich sind keine Seltenheit. In kurzer Zeit lösten sich Milliardenwerte in Wohlgefallen auf. Zunehmend ist Panik im Spiel. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die geplatzte US-Immobilienblase. Die Finanzkrise kriecht über Grenzen und Ozeane und greift nun auch auf die Realwirtschaft über. Gründe sind unkontrollierte Gier sowie Struktur-Defizite des globalen Finanzgebäudes. Erste Not-Reparaturen zeigten bis dato noch keine erkennbare Wirkung. Das wird verständlich, wenn man die fragile Statik des Gebäudes betrachtet. Die Finanzprodukte, aus denen es erbaut ist, sind selbst vielen so genannten Finanzexperten nicht bekannt. Klaus-Peter Müller, Ex-Commerzbank-Chef und aktueller Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, bekennt freimütig, es gäbe Finanzprodukte, die selbst er nicht verstanden habe. Da geht es ihm wie vielen seiner Kunden. Die bangen nun um ihre sauer ersparten Einlagen. Was war geschehen?

Um Renditen von 20 Prozent und mehr einzufahren – und zwar Jahr für Jahr – war konventionelles Handeln mit Wertpapieren für einen modernen Banker schon lange nicht mehr ausreichend. Zu einem der wichtigsten Werkzeuge innovativer Finanzakrobaten entwickelte sich daher der Hebel. Mit seiner Hilfe kann man mit geringen Kräften gewaltige Massen bewegen. Merke: „Gewaltig ist des Werkers Kraft wenn er mit dem Hebel schafft.“ Mit dem Hebel erschufen die alten Ägypter bereits die Pyramiden. Der Hebel hat die Entwicklung der Menschheit entscheidend beeinflußt. Zum Positiven. Doch schon der antike Mensch wußte, daß man mit dem Hebel vorsichtig zu Werke gehen muß. Läßt man ihn zur Unzeit los, teilt er schwere Schläge aus. Das kann sogar tödlich enden. An diesem Phänomen hat sich nichts geändert. Daher ist es auch heute noch wichtig, einen Hebel erst dann loszulassen, wenn sich die zu bewegende Masse in einer stabilen Position befindet.

Moderne Finanzhebel wie Optionsgeschäfte ermöglichen es beispielsweise, große Aktienmengen mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz zu bewegen. Der Kunde erwirbt dabei das Recht, Aktien an einem definierten Termin zu einem bestimmten Wert zu kaufen oder zu verkaufen. Der finanzielle Einsatz beträgt lediglich einen Bruchteil des Aktienwertes. Je nach Kursverlauf kann ein solches Geschäft zu hohen Gewinnen führen. Verläuft der Kurs jedoch anders als vorgestellt, kann am Ende einer solchen Börsen-Wette auch der Totalverlust stehen. Bei Turbo-Bankgeschäften mit Derivaten ist zudem nicht nur für Laien die zu bewegende Finanzmasse bisweilen schwer erkennbar. Ebenso derjenige, der den Finanzhebel final in der Hand hält. Folge globaler „Risikostreuung“. Das globale Finanzgebäude steht in der Folge auf einer Vielzahl derartiger Hebel, die sich gegenseitig stützen und mit deren Hilfe sich einzelne Banker Milliarden in die eigene Tasche geschoben haben. Kommen die Finanzmassen am anderen Ende des Hebels allerdings in Bewegung, wie in den letzten Wochen geschehen, so schlägt der Hebel zu, wird gleichsam zur Brechstange. Spätestens hier wird klar, daß viele unserer Banker im Physik-Unterricht nicht aufgepaßt haben. Denn bereits der alte Grieche Archimedes wußte, daß man mit einem Hebel und einem festen Punkt die Welt aus den Angeln heben kann. Genau das proben nun die Banker. Weltweit. Zwischenzeitlich sind so viele Finanzmassen in Bewegung, daß man den schlagenden Hebeln gar nicht mehr ausweichen kann. Erste Opfer unter Bankern selbst sind zu beklagen. Die beginnen derweil schon nach dem Staat zu rufen. Noch vor Monaten ein schlechterdings undenkbares Szenario. Man fordert Steuermilliarden, um das Finanzgebäude zu retten. Das zeigt bedenkliche Schieflagen. Statt das Geld in Bildung, Infrastruktur und damit in Zukunft zu investieren, soll die mutwillig außer Kontrolle geratene Statik der Finanzbranche stabilisiert werden. Der Bürger zahlt.

Die deutsche Kontrollinstanz, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin, tat derweil das, was sie immer tat – sie versagte. Das tat sie bereits beim Neuen Markt. Dort gab es Fälle offener Organisierter Kriminalität, wie im Fall NordLB/Metabox. Die BaFin schaute zu. Ohne Konsequenzen. Sie begleitete die mehr oder weniger offene Kriminalität im Bereich der West LB. Der Einstieg von Porsche bei VW harrt seiner juristischen Aufarbeitung und auch die Krisen bei IKB, KfW und HRE sind Folgen systematisch ungenügender Arbeit der BaFin. Sie ist trotz bestehender Gesetze nicht in der Lage, das Geld, die Gier und die Finanzhebel zu kontrollieren.

Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Selenz
9. Oktober 2008

Der Welt-Geldbetrug

9. Oktober 2008|Steuer- und Finanzpolitik|0 Comments

Der Welt-Geldbetrug

 

Dieser Artikel wurde zwar bereits im März 2005 von uns im zeitreport veröffentlicht, er ist heute jedoch aktueller als je zuvor. Es ist ein Auszug aus dem gleichnamigen Buch, herausgegeben von Prof. Dr. Eberhard Hamer, Mittelstandsinstitut Niedersachsen, Augustinerweg 20, 30419 Hannover, Tel/Fax: 0511-791303, e-mail: mittelstandsinstitut@gmx.de. Über diese Adresse können Sie das Buch auch bestellen.

Der grösste und weitreichendste Wirtschaftsskandal unserer Tage findet zurzeit durch die Manipulationen an den Geld- und Währungssystemen statt. Der Geldbetrug hat erstmalig eine globale Dimension, weil er sich weltumspannend abspielt, von keiner nationalen Regierung deshalb mehr kontrolliert, gestoppt oder verhindert werden kann, und weil er sogar nach den veralteten nationalen Gesetzen formell legal stattfindet. Sicher ist aber, daß der Geldbetrug wie jeder andere Betrug auch nicht langfristig zur Bereicherung der Täter durch Entreicherung der Opfer führen kann, weil kein freies Geldsystem auf Dauer missbraucht werden kann.

Nach der Finanztheorie ist Geld ein legalisiertes Tauschmittel, welches auch zur Wertaufbewahrung dienen soll. Die Ausgabe von Geld war deshalb früher staatliches Privileg (Münzhoheit). Die als Geld umlaufenden Gold-, Silber- und Kupfermünzen hatten staatliche Prägung. Der Staat garantierte also die Reinheit des Metalls und das Gewicht der Münzen, so dass man nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland jederzeit wusste, wieviel jedes Geldstück wert war. So waren die Metallmünzen zugleich Tauschmittel und Dauerwert.

Der Staat musste aber, um Geld ausgeben zu können, Gold und Silber haben. Deshalb war es wichtig, dass zum Beispiel Silberbergwerke in staatlicher Hand waren (Rammelsberg bei Goslar) und auf diese Weise der Staat das Silber für zusätzliche Prägemünzen einsetzen konnte. Umgekehrt wussten die Bürger, dass der Staat nur soviel Geld ausgeben konnte, wie er über Edelmetall verfügte. Der Edelmetallvorrat war also die Basis für das in Edelmetall umlaufende Naturalgeld (Goldumlaufwährung).

Vom Realgeld zum Nominalgeld

Immer wieder haben Fürsten allerdings versucht, sich mehr Geld zu verschaffen, als sie Edelmetall hatten, indem sie den Anteil des Edelmetalls bei den Münzlegierungen verminderten («kippen und wippen»). Das Ergebnis war jeweils, dass die Kaufleute und Bürger das schlechte Geld weitergaben, das gute aber behielten, bis alle Bescheid wussten und das schlechte Geld wieder eingeschmolzen werden musste. Goldumlaufwährungen gab es noch bis zum Ersten Weltkrieg.

Jede Goldumlaufwährung hat allerdings den Nachteil, dass Gold nicht so stark vermehrbar ist, wie die Wirtschaft wächst, dass also eine gewisse deflatorische Geldknappheit stärkeres Wirtschaftswachstum behindern könnte. Deshalb gingen viele Staaten zu einer indirekten Goldwährung über: Sie hatten einen bestimmten Goldschatz und gaben auf dieser Basis staatliche Zentralbanknoten aus, die im täglichen Gebrauch leichter zu transportieren, zu zählen und auch in höheren Summen aufzubewahren waren. Ihr Wert beruhte darauf, dass man die Geldscheine jederzeit bei der Zentralbank vorlegen und in entsprechendes Gold oder Silber umtauschen konnte (Goldkernwährung). Auf diese Weise konnte der Staat sogar mehr Nominalgeld ausgeben, als er an Edelmetall verfügbar hatte, denn üblicherweise bestanden nur wenige Geldscheininhaber auf dem Umtausch ihrer Scheine in Gold. Normalerweise reichte also ein Volumen von weniger als 10% Gold für ein Währungsvolumen einer um 90% höheren Geldscheinmenge.

Das System funktionierte weltweit, weil auch Länder, die selbst keinen Goldschatz hatten, den Inhabern ihrer nationalen Geldscheine einen festen Umtauschkurs zu anderen Währungen garantierten, die ihrerseits wieder einen Goldkern hatten. Solange diese Umtauschgarantie bestand, konnten die Bürger darauf vertrauen, dass sie – wenn auch über doppelten Umtausch – die Geldschein-Nominalwerte in Münzrealwerte umtauschen konnten (Golddevisenwährung), hatten also eine zumindest indirekte Geldwertgarantie.

Vom staatlichen zum privaten Geld – Der EURO vor dem Kollaps ?

Der entscheidende Schritt weg vom Staatsgeld war 1913 die Gründung des Federal Reserve System in den USA. Obwohl nach der amerikanischen Verfassung eigentlich nur Gold und Silber gesetzliches Geld sein dürfen, hat sich ein von privaten Banken gegründetes Kartell unter Führung der beiden Grossfinanzgruppen Rothschild und Rockefeller eine private Zentralbank geschaffen mit dem Recht, eigenes Geld auszugeben, welches gesetzliches Zahlungsmittel wurde und für welches anfangs noch die amerikanische Zentralregierung garantierte. In dieser privaten Bank wurden nach dem Ersten Weltkrieg die Goldreserven der Welt zusammengekauft, mit der Folge, dass viele andere Währungen ihren Goldstandard nicht mehr halten konnten und in der Deflation zusammenbrachen (erste Weltwirtschaftskrise).

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde deshalb 1944 in Bretton Woods wieder die Einführung eines neuen Golddollarstandards beschlossen. Während des Weltkrieges verlangten die USA für die Bezahlung von Rüstungsgütern Gold von den kriegführenden Nationen. Auch das Gold Deutschlands musste als Kriegsbeute abgegeben werden. So sammelten sich über 30.000 Tonnen Gold der Welt allein in den USA – mehr als alle anderen zusammen hatten. Dieses Gold diente als Deckung für die Dollars. Da aber ein grösserer Teil der Dollars in den Zentralbanken der Welt als Reservewährung gehalten wurde, konnten die USA mehr Dollars ausgeben als sie an Goldbasis hatten. Die Länder der Welt brauchten nämlich Dollars, um die Rohstoffe dafür zu kaufen, die nur auf Dollarbasis gehandelt wurden. Neben dem Gold wurde deshalb der Dollar immer stärker in den anderen Zentralbanken zur Hauptwährungsreserve. Die Dollarherrschaft über die Welt hatte begonnen.

1971 kündigte US-Präsident Nixon die Einlösungspflicht des Dollars in Gold (Golddollarstandard) und zugleich die Haftung des Staates für den Dollar auf. Seitdem sind die Dollarnoten weder real durch Gold noch durch Staatshaftung gedeckt, also eine freie private Währung der Federal-Reserve-Bank (FED). Der Dollar und alles andere Geld der Welt sind seitdem nicht mehr werthaltig, sondern nur noch gedrucktes, legalisiertes Zahlungspapier.

Eine durch nichts gedeckte Währung kann zwar durch Gesetz zum amtlichen Tauschmittel erzwungen werden, nicht jedoch zum Mittel der Wertaufbewahrung. Hierzu bedarf es des Vertrauens der Geldinhaber, dass sie ihr Geld langfristig wertgesichert sehen. Der langfristige Kurswert – das Vertrauen – einer freien Quantitätswährung hängt wiederum allein von der Knappheit des Geldes bzw. der Geldmenge ab. Das Problem: Während sich in den letzten 30 Jahren die Gütermenge der Welt nur vervierfachte, hat sich die Geldmenge vervierzigfacht.

Geldmengenvermehrung bedeutet nämlich immer Inflation. Und Inflation bedeutet Geldentwertung. Für dieses Problem wurden drei Lösungswege beschritten:

Die deutsche Finanzwissenschaft hatte schon bei der Bundesbankgründung eine staatsunabhängige neutrale «vierte Gewalt» für die Bundesbank gefordert, damit diese den politischen Pressionen zum Geldmengenmissbrauch widerstehen könne, damit der Bürger sich also auf die Werthaltigkeit des Geldes verlassen könne. Tatsächlich ist die Bundesbank gesetzlich zur Werthaltigkeit der D-Mark verpflichtet gewesen (Neutralgeldtheorem) und war weitgehend staatsunabhängig. Dies hat dazu geführt, dass die D-Mark als stabilste Währung der Welt immer mehr auch Währungsreserve und bevorzugte Wertanlage wurde.

Die meisten anderen Staaten haben eine «orientierte Quantitätswährung» bevorzugt. Sie verpflichteten ihre Zentralbanken, die Geldmenge an bestimmten Zielen zu orientieren, wie zum Beispiel Wachstum, Vollbeschäftigung oder anderen. Dies gab der nationalen Politik ausreichend Einflussmöglichkeiten auf die Zentralbank und auf das Geld und hat regelmässig dazu geführt, dass der politische Missbrauch zu entsprechender Inflationierung der Währungen geführt hat. (Beispiel: Frankreich, Italien, Spanien usw.)

Die meisten Diktaturen der unterentwickelten Länder und das private FederalReserve-System dagegen bevorzugten eine «freie Quantitätswährung», also eine Währung, deren Missbrauch durch die Politik oder durch die privaten Zentralbankeigentümer nicht gesetzlich beschränkt wurde. «Freie Quantitätswährung» hat immer «Freiheit zum Missbrauch der Währung» bedeutet und nie langfristig funktioniert.

Vor allem führt ein Nebeneinander von Währungen, die teils von einer unabhängigen Staatsbank in ihrem Wert gehalten werden – wie die D-Mark – oder andererseits von abhängigen Staatsbanken oder sogar von Privatbanken nach deren jeweiligen Zwecken frei manipuliert werden, zu erheblichen Kursspannungen: Weil die Deutsche Mark durch die Bundesbank relativ wertstabil gehalten wurde, andere wichtige Währungen sich dagegen durch Geldmengenvermehrung und Inflation immer stärker wertminderten (Abwertung), versuchen die Geldwertbesitzer naturgemäss, mit ihren längerfristigen Dispositionen in harte Währungen zu gehen und weiche zu meiden.

So wurde die Deutsche Mark in Konkurrenz zum Dollar immer stärker auch Währungsreserve von Wirtschaft und Zentralbanken in der Welt. Vor allem aber wurde an der «harten» Währung deutlich, wie weich eine ständige Geldmengenvermehrung die inflationierten Privat- oder Staatswährungen gemacht hatte. Die der Geldwertstabilität verpflichtete Bundesbank wurde so zum gemeinsamen Störer im Chor der Geldmengenvermehrer und Inflationisten des Weltwährungssystems – kein Wunder, dass dieser Störer durch Abschaffung der Deutschen Mark und Einbindung in eine wieder mehr von der Politik gesteuerte, nicht mehr souveräne Europäische Zentralbank ausgeschaltet werden musste. Kohl hat dafür gesorgt, dass dies «im kleinen Kreise» entschieden wurde, dass die deutsche Bevölkerung über den Verlust ihrer werthaltigen Währung nicht abstimmen durfte («Wo kommen wir hin, wenn die Bevölkerung über so wichtige Dinge selbst entscheiden sollte?»). Die Bevölkerung hätte nie freiwillig die solide D-Mark geopfert.

Inzwischen hat also keine Währung der Welt noch irgendeine reale Wertgrundlage, hat sich das Geld der Welt von jedem zugrundeliegenden Sachwert gelöst, wird es als Papier hemmungslos neu gedruckt und durch ständige Vermehrung ständig entwertet. Dass die Leute immer noch glauben, das Geldpapier, welches sie in der Hand haben, habe einen festen Wert, liegt daran, dass durch geschickte Manipulation der Devisenkurse ein scheinbares Wertverhältnis vorgespiegelt wird. Diese Devisenkurse werden nämlich von genau den gleichen Gruppen manipuliert, die auch die Geldmengenvermehrung produzieren.

Praktisch hat inzwischen das von der US-Grossfinanz gesteuerte und ihnen gehörende private Federal-Reserve-System Welt-Geldbedeutung erlangt:

Das FED-Privatgeld Dollar ist schon von der Geldmenge her in der Welt dominierend. Mehr als 75% aller Geldquantitäten sind Dollars.

Die US-Grossfinanz hat auch die von ihnen kontrollierten Rohstoffmärkte gezwungen, nur in Dollars zu verkaufen. Wer sein Öl nicht gegen wertlose Dollars, sondern gegen Euro verkaufen will, wird zum Terroristen erklärt (Saddam).

Auch die Zentralbanken der übrigen Länder werden gezwungen, die Dollars in immer stärkerem Masse (Euro-Bank über 90%) als Währungsreserven anzunehmen. Die übrigen Währungen, wie zum Beispiel der Euro, beruhen also in ihrem Wert zu über 90% auf wertlosen, nur durch die Macht und den Willen der US-Grossfinanz gehaltenen Dollar-Papieren.

Inzwischen wurden sogar die Nationalbanken sanft oder hart(Schweiz) gedrängt, ihre Goldvorräte gegen Dollars abzugeben oder «auszuleihen». Das Gold der Welt hat sich dadurch wiederum wie vor der ersten Weltwirtschaftskrise bei den Eigentümern des Federal-Reserve-Systems konzentriert, so dass ein neuer Goldstandard nur mit deren Willen und nach deren Diktat wieder einzuführen wäre und die FED-Eigentümer mit einer Neufestsetzung des Goldpreises (Greenspan: «Möglicherweise bis 6000 Dollar.») allein dadurch im Falle einer Währungsreform ein Jahrhundertgeschäft machen würden.

Die US-Grossfinanz steuert also über die ihr gehörende FED letztlich das Geld und die Währungen der ganzen Welt. Der Dollar ist privates Geld dieser US-Grossfinanz, von niemandem ausser von ihr garantiert, aber nach Kräften missbraucht, vermehrt und zum Instrument ihrer Weltherrschaft und zum Hilfsmittel für den Raub aller wichtigen Rohstoffe und Sachwerte der Welt missbraucht.

Durch ungehemmte Vermehrung des Dollars hat natürlich die ausgebende US-Grossfinanz unbegrenzte liquide Mittel, mit denen sie die ganze Welt kaufen kann. Aber auch der amerikanische Staat kann durch die Dollarvermehrung mehr ausgeben, als er einnimmt (Schuldenreiterei). Missbrauch des Dollars durch Geldmengenvermehrung ist also sowohl für die herrschende US-Finanz als auch für die von ihr beherrschte US-Administration einseitiger Vorteil. Deshalb hat sich das Dollarvolumen in den letzten 10 Jahren immer schneller vermehrt. Ebenso haben sich die Schulden des amerikanischen Staates gegenüber dem Ausland drastisch vermehrt. Der US-Staat lässt sich also in immer grösserem Ausmass von der Welt Sachgüter gegen wertlose Scheinchen liefern – die moderne Form der Tribute.

Dass diese ungehemmte Dollarvermehrung nicht längst den Dollarabsturz und zur Zurückweisung des Dollars durch die Kunden geführt hat, ist kluger Regie und Erpressung zu verdanken: Die US-Grossfinanz und die US-Administration zwingen seit Jahren wirtschaftlich und politisch die wichtigen Zentralbanken der Welt (Eurobank, Japan, China und andere), die bei ihnen sich für Exporterlöse oder als Kaufpreise für den Aufkauf von Sachgütern ansammelnden wertlosen Dollars zu behalten und als angeblich werthaltige Devisenreserve zu halten. Praktisch heisst das: Die Zentralbanken in China, Japan und Europa sammeln die für die Sachwertlieferungen ihrer Bürger einkommenden wertlosen Dollars in immer grösseren Beständen als angeblich werthaltige Währungsreserve an. Die Währung der Satellitenstaaten wird also und ist bereits mit immer wertloseren Dollars unterlegt – also praktisch ebenso wertlos geworden. Somit sind alle im gleichen Geldentwertungsboot: Die Urheber der Geldmengenvermehrung in New York und Washington ebenso wie die Helfer der Geldmengenvermehrung in den Zentralbanken der Satellitenstaaten.

Damit aber hat es der Schuldner USA selbst in der Hand, wie stark er durch offizielle Abwertung des Dollars schliesslich seine Gläubiger entreichern – betrügen – und sich auf deren Kosten wieder entschulden will. Jede Abwertung des Dollars wird vor allem das 80% aller Dollars haltende Ausland entreichern. Dem Schuldner steht es frei, wie stark er seine Schulden abwerten und damit seine Gläubiger betrügen will. Dem Publikum wird inzwischen allerdings mit manipulierten Kursen und Kurspflege suggeriert, die missbrauchten Währungen und das hemmungslos vermehrte Geld hätten immer noch einen soliden Kurswert.

Würden die Geldbesitzer wissen, dass sie eigentlich nur Papierwert in den Händen haben, alles andere aber von den Manipulationen, den Missbräuchen, der Macht und den Zwecken der US-Grossfinanz abhängt, würde die Geldumlaufsgeschwindigkeit wegen Zurückweisung des Geldes stärker steigen, würde eine Flucht in die Sachwerte einsetzen, und damit eine dramatisch steigende bis galoppierende Inflation beginnen, würde die längst geschehene Entwertung der Geldwertanlagen der Bürger (Geldpapiere, Renten, Fonds und andere) sich in einem zweiten Börsencrash auflösen und zusammenbrechen, und würden ganze Branchen der Finanzindustrie und Finanzdienstleistung unter Haftungsprozessen wegen der Entwertung zusammenbrechen, so dass eine Währungsreform unvermeidlich wird.

Noch wird die Illusion des Geldwertes trotz dramatischer Entwertung durch den Zwang eines gesetzlichen Zahlungsmittels künstlich aufrechterhalten. Nutzniesser dieses Systems sind nicht nur die US-Grossfinanz, welche durch ihre FED immer hemmungsloser Dollarmengen in die Welt jagt, sondern auch die dieses Spiel mitbetreibenden Zentralbanken, wie zum Beispiel die Eurobank, die Banque of Japan und andere. Die Vorstände dieser Banken wissen genau, wie wertlos der Dollar inzwischen ist, stützen aber immer noch die gesetzliche Illusion der Zahlungsmittelfunktion des Dollars, haben sogar aus politischen Gründen geschwiegen und die eigene Währung nahezu ausschliesslich mit wertlosen Dollars in ihrer Währungsreserve unterlegt, also ihre Währung praktisch ebenso wertlos gemacht. Würde eine Währungsreform kommen, stünde zum Beispiel die Eurobank ohne Werte da. Das Gold –  auch das deutsche Gold – ist mutmasslich nur noch als blosser schuldrechtlicher Rückgabeanspruch vorhanden, nicht mehr aber als Realgold. Es ist zumeist angeblich naturaliter an die private Federal Reserve Bank und von dieser weiter verliehen, also im Zusammenbruch nicht mehr greifbar. Das System lebt davon, dass ein Missbrauch nicht diskutiert und nicht veröffentlicht wird.

Tatsache 1: Die wichtigsten Währungen der Welt sind so hemmungslos vermehrt worden und stehen auf so tönernen Füssen, dass ihre Währungen (Dollar, Euro, Yen und andere) keine echte Wertaufbewahrungsfunktion für die Bürger mehr haben.

Tatsache 2: Auch die Tauschfunktion der Währungen wird nur durch Manipulation und Täuschung über einen angeblichen – aber nicht vorhandenen – Kurswert künstlich aufrechterhalten und ist längst nicht mehr echt.

Tatsache 3: Das Privatgeld (Dollar) der US-Grossfinanz ist längst von allen Bindungen an Sachwerte (Gold) oder einer Geldmengenbindung befreit, hat also nicht nur seine Wertaufbewahrungsfunktion verloren, sondern täuscht auch die Welt nur noch durch weltweite Kursmanipulation über einen scheinbaren Tauschwert des durch hemmungslose Vermehrung entwerteten Privatgeldes. Nur durch diese Täuschung und die Macht der US-Grossfinanz wird noch künstlich «Vertrauen» der Welt in den Dollar suggeriert. Wüssten die Marktteilnehmer dagegen, dass sie mit dem Nominalwert des Geldscheins nur ein wertloses Wertversprechen von Privatleuten in den Händen haben, denen längst nicht mehr zu trauen ist, die ständig ihre Macht, den Geldwert zu manipulieren, missbrauchen, so würde auch das Vertrauen in diese Privatwährung Dollar zusammenbrechen.

Mit dem Geld ist es so wie mit den Aktien. Auch die meisten Aktien sind keine Substanzwerte, sondern nur Hoffnungswerte. Wer in der grossen Aktienhausse glaubte, viel gewonnen zu haben, wurde beim Aktiencrash darüber belehrt, dass die Aktie ausser dem Papierwert nur noch Hoffnung trägt, diese aber leicht schwinden kann. Gewinn oder Verlust im Börsenspiel sind reine Hoffnungswerte, keine Sachwerte. Ebenso ist es mit dem Geld. Einziger Sachwert ist der Wert des Papiers. Alles andere ist Hoffnungswert im Vertrauen auf die korrupten, aber stärksten Finanzmächte der Welt.

Mit Scheingeld zu Sachwerten

Würden die Marktteilnehmer wissen, dass unser Geldsystem letztlich am Privatgeld Dollar und dieses Geld ohne jeden Wertbezug allein an den Manipulations- und Missbrauchswünschen der grossen Finanzoligarchie hängt, dann würden die Menschen ihr Währungsvertrauen verlieren, ihr Geld nicht mehr als Wertaufbewahrungsmittel betrachten, sondern der laufenden Geldentwertung durch Flucht in die Sachwerte zu entgehen versuchen.

Genau dies tun die hinter der FED stehenden Täter der grössten Geldvermehrung aller Zeiten: Sie kaufen mit dem immer wertloser werdenden Geld seit Jahrzehnten alle Sachwerte auf, die sie noch erwischen können: Rohstofflager, Industriekomplexe, Immobilien und jede einigermassen intakte ausländische Kapitalgesellschaft in freundlicher oder feindlicher Übernahme zu fast jedem Preis. Und nicht nur die US-Grossfinanz sammelt die Sachwerte der Welt ein, sondern auch der amerikanische Staat importiert für Fiat-Money (gedrucktes, eigentlich wertloses Geld) seit Jahren mehr Sachgüter aus der Welt, als er bezahlen kann, und verschuldet sich dafür hemmungslos im Ausland – solange die ausländischen Gläubiger noch an den Wert des Dollars glauben oder mit politischer Erpressung gezwungen werden können, die faulen Dollars in ihre Währungsreserven anzunehmen.

Mit Sachwerten zu Monopolen

Die hinter der FED stehende Grossfinanz hat auf diese Weise durch gezielte Sachwertpolitik ganze Marktsegmente mit ihren faulen Dollars aufgekauft und zu Marktmonopolen bzw. -oligopolen entwickelt: Diamanten, Gold, Kupfer, Zink, Uran, Telekommunikation, Gasfaserleitungsnetze, Print- und Fernsehmedien, Nahrungsmittel (Nestlé, Coca-Cola), grosse Teile der Rüstungsindustrie und der Luftfahrt usw.

Zurzeit läuft ein Monopolisierungsversuch mit Hilfe der Gen-Manipulation. Genmanipulierte Tiere und Pflanzen sind selbst unfruchtbar. Wenn man also die Genmanipulation flächendeckend durchsetzen kann, müssen alle Bauern einer Firma mit einem Patentmonopol das Gen-Saatgut zu dem von ihr festgesetzten Monopolpreis abkaufen, können sie nicht mehr ihr selbst geerntetes Getreide zur Saat verwenden.

Ein anderes Monopolisierungsspiel läuft zurzeit auf dem Zuckermarkt: Die EU hat ihren Zuckermarkt durch eigene Marktordnung geregelt, um den Bauern die Rübenzuckerproduktion zu erhalten, die für viele von ihnen existenznotwendig ist. Der Rübenzucker ist aber teurer als der in den Tropen wachsende Rohrzucker des US-Kartells. Die der US-Grossfinanzgruppe gehörenden Firmen Nestlé und Coca-Cola verlangen nun gemeinsam mit von ihr abhängigen Wissenschaftern und Politikern eine «Liberalisierung des Zuckermarktes» und betreiben dies über die internationalen Gremien (GATT, Mercosu ). Sobald diese Liberalisierung durchgesetzt ist, kann sich der teurere Rübenzucker gegen den billigeren Rohrzucker nicht mehr halten, bricht die europäische Zuckerproduktion endgültig zusammen und wird der Zuckermarkt – anfangs billiger, nachher aber teurer – durch das von der US-Grossfinanz beherrschte Rohrzuckerkartell überschwemmt.

Mit welchen kriminellen Methoden die US-Grossfinanz dabei ganze Branchen in ihre Hand bekommt, zeigt der Fall Primacom: Dieser Kabelnetzbetreiber operiert höchst lukrativ, steht aber schon länger im Visier der US-Grossfinanz (Telekommunikations-Monopolisierung). Diese hat deshalb erst den Vorstand von Primacom unterwandert und dann diesem Vorstand ein Darlehen mit mehr als 30% Jahreszinsen oktroyiert, so dass die eigentlich gut operierende Firma wegen der Zinslasten in Schwierigkeiten geriet und nach Ansicht der US-Bank «jetzt billigst übernahmereif» wurde. Das Spiel geht gerade in die letzte Runde.

Ein ähnliches Spiel hat der Abgesandte der US-Grossfinanz Ron Sommer mit der Deutschen Telekom versucht. Die US-Grossfinanz sammelt alle Telekommunikations-Gesellschaften, um sie weltweit zu monopolisieren. Der Abgesandte Sommer hat dazu eine kleine US-Firma der Telekom zum dreissigfachen Preis (30 Mia. US-Dollar) von der US-Grossfinanz gekauft, damit diese aus eigenem Vermögen der Telekom diese aufkaufen konnte. Der zweite Schritt war, die Telekom-Aktien billig zu machen, damit der US-Investor sie billig bekam. In diesem Spiel ist allerdings Ron Sommer über seine Grenzen gegangen und gescheitert. Dies wird aber die US-Grossfinanz in ihren Übernahmeplanungen nur zurückwerfen, nicht hindern. Privatisierung und Aufkauf der Telecom gehen planmässig weiter.

Ein gleiches Spiel vollzieht sich auch auf dem Welt-Energiemarkt, in Deutschland offensichtlich mit EON und RWE, wobei die US-Grossfinanz bereits eigene Vertrauensleute in die für die Übernahmekandidaten entscheidenden Banken und Vorstände entsandt hat. In 20 Jahren will die US-Grossfinanz auch das Wasser der Welt – nach Aussage ihres Vertreters Brzezinski – monopolisiert haben.

Mit Sachwerten zur Währungsreform

Deutet man den Fahrplan der Welt-Grossfinanz richtig, so soll die Geldmenge so lange vermehrt und entwertet werden, bis damit alle wichtigen Sachwerte der Welt aufgekauft und monopolisiert worden sind. Die Grossfinanz ist klug genug zu wissen, dass ihre Geldmengenvermehrung nicht unerkannt bleibt und irgendwann das Vertrauen in den inflationierten Dollar schwindet. Ein Ausbruch der Vertrauenskrise wird die jetzt noch beherrschte, schleichende Inflation zur galoppierenden offenen Inflation machen, die zwangsläufig in eine Währungsreform einmünden muss.

Dies aber ist genau der Vorteil sowohl der Grossfinanz als auch der USA:

Die Grossfinanz hat mit den faulen Dollars vorher ausreichend Sachwerte gekauft, wird also von der Währungsreform mit ihren Sachwerten nicht mehr betroffen, hat sich rechtzeitig aus dem faulen Geld in werthaltiges Vermögen verlagert. Da sie in vielen Bereichen inzwischen Weltmonopolstellungen erreicht hat, kann sie sogar die Welt jederzeit mit Monopolpreisen zu Sonderabgaben heranziehen. Nicht mehr Steuern sind dann das Einkommen der Welt-Herrscher, sondern Monopolerträge. Niemand kann die Grossfinanz hindern, die Preise für Gold, Diamanten, Kupfer, Zink, Eisenerz, Wasser, Saatgut oder Energie um 10, 20 oder 30% anzuheben und auf diese Weise die gesamte Weltbevölkerung zu Sonderabgaben heranzuziehen. Noch nie hat es eine solche Finanzmacht der Welt gegeben, noch nie war sie für die Gesamtbevölkerung der Welt so gefährlich.

Listigerweise hat die US-Grossfinanz die faulen Dollars überwiegend ins Ausland gebracht. Mehr als Dreiviertel der gesamten Dollarbestände sind nicht mehr in den USA, sondern sind bei den Gläubigerstaaten der USA. Die USA haben sich nämlich in den vergangenen Jahren immer kräftiger gegenüber dem Ausland verschuldet. Das Ausland hat Güter geliefert (Sachwerte), dafür aber wertlose Dollars bekommen. Alle Zentralbanken sind voll mit faulen Dollars. Werden diese nun plötzlich entwertet, trifft der Schaden zu mehr als Dreiviertel die Zentralbanken, Banken, Staaten und Marktteilnehmer ausserhalb der USA. Dann rächt sich, dass die Europäischen Zentralbanken ihr Gold gegen faule Dollars abgegeben und dafür immer ausschliesslicher Fiat-Money als Basis (Währungsreserve) für die eigene Währung, zum Beispiel Yen oder Euro, eingesetzt haben. Bricht also die Leitwährung Dollar zusammen, werden zwangsläufig auch die Satellitenwährungen mit zusammenbrechen, deren einzige Basis ein Bestand an faulen Dollars ist. Mit anderen Worten: Die sich abzeichnende Währungsreform des Dollars zieht zwangsläufig eine Weltwährungsreform aller Währungen nach sich, für welche der faule Dollar jetzt noch Hauptwährungsreserve darstellt.

Dass aber jede pausenlose Vermehrung eines Privatgeldes – des Dollars – durch die der US-Grossfinanz gehörende Federal Reserve Bank zur Aufweichung der Dollar-Währung zu immer stärkerer Inflation und schliesslich zur Währungsreform führen muss, ist finanzwissenschaftliches Grundwissen und dürfte nicht einmal Greenspan und seinen Mittätern zweifelhaft sein.

Durch Währungsreform zur Weltwährung

Greenspan hat in einer Rede unvorsichtigerweise geäussert, dass «wohl bis 2007 eine grundsätzliche Dollar-Korrektur anstehe und dass man dann zweckmässigerweise den Dollar und den Euro zum ‘Euro-Dollar’ einer neuen Welt-Währung vereinigen könnte». Das macht aus Sicht der US-Grossfinanz Sinn, denn längstens bis 2007 sind die Dollar-Missbräuche noch durchzuhalten, bis dahin dürfte längstens das Vertrauen der Welt in diese hemmungslos vermehrte, immer wertloser gewordene und nur noch künstlich aufrechterhaltene Privatwährung der US-Grossfinanz halten. Irgend etwas wird also in nächster Zeit mit dem Dollar geschehen. Würde dann der Dollar mit dem Euro zur Welteinheitswährung, würden damit für die US-Grossfinanz wichtige Ziele erreicht:

Das Hauptziel der US-Grossfinanz ist aber, auf diese Weise eine Weltwährung zu erreichen, über die sie wiederum selbst herrschen. In einem Euro-Dollar-System würde zwangsläufig das der US-Grossfinanz gehörende Federal Reserve System eine Mehrheit haben, also die US-Grossfinanz dann auch mehrheitlich das neue Währungssystem beherrschen. Dazu auserwählt ist die BIZ (Bank für internationalen Zahlungsausgleich), eine private Organisation, deren Anteile mehrheitlich bereits von der US-Grossfinanz heimlich aufgekauft worden sind. Würde also die BIZ neue Zentralbank der Euro-Dollar-Währung, sind zufälligerweise wieder die gleichen Privateigentümer Haupteigentümer dieser neuen Zentralbank, die vorher auch Eigentümer der FED waren. Sie könnten dann das gleiche Spiel freier Geldausgabe nach eigenem Belieben, das sie mit dem Federal Reserve System bisher machen, wieder auf höherer Ebene – und dazu auch noch durch Währungsreform entschuldet – erneut betreiben. Die bisherige Welt-Geldmengenvermehrung, der grosse Geldbetrug, geht dann in der Währungsreform unter. Ein neues System würde den alten Tätern wieder eine neue Währung in die Hände spielen und ihnen damit das neue Spiel mit der Weltwährung Euro-Dollar 20 bis 30 weitere Jahre erlauben.

Die US-Grossfinanz hätte also auf diesem Wege durch Geldbetrug nicht nur die Sachwerte der Welt bei sich monopolisiert – darunter so existenzwichtige Bereiche wie Saatgut, Nahrungsmittel, Wasser, Energie und Metalle, sondern darüber hinaus wiederum ein Währungsmonopol zur eigenen Bedienung, nach eigenem Belieben geschaffen – eine Geldvermehrungsmaschine wie den Dukatenesel im Märchen. Auch mit Veröffentlichung dieses Geldbetrugssystems wird kein Aufschrei durch die Welt gehen. Man wird dies als «Verschwörungstheorie» oder als «Antiamerikanismus» oder sogar als «Antisemitismus» (Rothschild) abtun oder solche Veröffentlichungen ganz zu verhindern versuchen, denn immerhin gehören der US-Grossfinanz auch wesentliche Teile der Print- und Bildschirmmedien überall in der Welt.

Das Spiel zu durchschauen ist aber wichtig für Menschen, die durch dieses Spiel Verluste erleiden könnten. Wer also Finanzvermögen hat, sollte zuhören bzw. lesen. Verlierer bei dem grossen Spiel der Finanzoligarchie sind solche Marktteilnehmer in der Welt, welche dem Geld zuviel Vertrauen entgegenbringen, welche immer noch glauben, dass Geld über seine blosse Tauschfunktion hinaus auch noch Wertaufbewahrungsmittel sei. Die laufende Geldentwertung der vergangenen 40 Jahre hat offenbar die Menschen nicht klug gemacht. Sie wird in den nächsten Jahren galoppieren bis zum bitteren Ende, weil sie nämlich ein einseitiger Vorteil der Täter ist. Wer also auf langfristige Werterhaltung seines Vermögens Wert legt, kann nicht in Geldwerten, nicht in Versicherungsverträgen, nicht in Renten und nicht in Bargeld bleiben, er muss in Sachwerte gehen, wie dies die Grossfinanz selbst vorgemacht hat.

Strategieziel des Welt-Geldbetruges

Soweit von aussen her erkennbar, hat die US-Grossfinanz ursprünglich nur das Ziel gehabt, die US-Währung zu beherrschen und damit den US-Markt nach eigenem Willen manipulieren zu können. Diesem Ziel diente das private Zentralbanksystem FED. Als US-Präsident Kennedy ein Gesetz eingebracht hatte, dieses Privatfinanzsystem zu verstaatlichen, starb er eines plötzlichen Todes. Wer immer an diese Privatgeldmöglichkeiten der US-Grossfinanz rührte, verlor dabei Vermögen oder Leben. Inzwischen aber sind die strategischen Ziele der US-Grossfinanz über die nationale Dimension weit hinausgewachsen. Ihr Ziel ist das globale private Geldsystem, welches sie mit der Vorherrschaft ihres Privatdollars und seiner Durchsetzung als Hauptwährungsreserve überall in der Welt weitgehend erreicht haben und nur noch mit einer Weltwährung – Euro-Dollar – formalisieren müssen.

Wenn wir also einen zweiten Missbrauch des Welt-Geldsystems zugunsten privater Grossfinanzgruppen und überhaupt den Missbrauch der Geldmengenwährungen verhindern wollen, muss jede Währung vor jedem öffentlichen oder privaten Missbrauch, vor jeder Deflations- und Inflationsmanipulation gesichert werden. Das ist sicher nicht erreichbar, wenn man die Währung der privaten Grossfinanz überlässt. Sie wird die Missbrauchsmöglichkeit wieder nutzen und wieder zum eigenen Vorteil mit Geldmengenvermehrung die Welt betrügen und ausbeuten. Die Erfahrungen haben aber auch gezeigt, dass die meisten Regierungen ihre Währungen ebenso missbrauchen, wenn sie die Möglichkeiten dazu haben, wenn sie also Einflussmöglichkeiten auf die Zentralbank und ihre Geldmengenpolitik haben. Es gilt also, aus den Missbräuchen der öffentlichen Hände und der privaten Gross-finanz die Währungen so unabhängig zu machen, dass privater und öffentlicher Missbrauch ausgeschlossen werden.

Sicher ist eine auf Gold basierende Währung nicht so leicht zu manipulieren wie eine blosse Quantitätswährung. Die Probleme jeder auf Gold basierenden Währung liegen aber in der Verfügbarkeit von Gold, nachdem die US-Grossfinanz den grössten Teil des Weltgoldvorrates in ihre Hände bekommen hat. Sie würde also mit jeder Art einer auf Gold basierenden Währung wiederum Gewinner und Ausbeuter werden können. Bleibt also nur die Lösung einer Quantitätswährung. Diese Quantitätswährung darf aber nicht frei, willkürlich bestimmbar bleiben, sondern muss an dem Neutralgeldziel orientiert werden. Die Geldmenge darf also nicht stärker wachsen als die Gütermenge. Aus dem monetären Sektor dürfen nicht wieder inflatorische oder deflatorische Effekte auf die Währungen und die Weltwirtschaft ausgehen. Dies ist nur mit streng neutralen und so unabhängigen Zentralbanken erreichbar, dass sie gleichsam die «vierte Gewalt» darstellen, nicht in privater Hand liegen und nicht durch Regierungen beeinflusst werden können. Das Urmodell der Deutschen Bundesbank vor ihrer Kastration in die Euro-Bank kam dieser Unabhängigkeit sehr nahe.

Die kommende Währungsreform bietet eine einmalige Chance, die Täter, ihre Währungsmanipulationen und ihre Missbräuche zu brandmarken und damit eine allgemeine öffentliche Zustimmung zu einem weder von der privaten Grossfinanz noch von den Regierungen mehr beeinflussbares Zentralbankensystem zu schaffen. Dies wäre eine Jahrhundertchance. Verhindert werden könnte ein unabhängiges Zentralbankensystem vor allem von der Grossfinanz, welche über die ihr schon gehörende BIZ bereits die Weichen für eine neue Übernahme des nächsten Zentralbanken- und Währungssystems gestellt hat. Deshalb tut Aufklärung not, um der Bevölkerung, Wirtschaft und Politik die Gefahr des Monopolkapitalismus nicht nur für die derzeitige Währung, sondern auch für ein neues Währungssystem aufzuzeigen.

Prof. Dr. Eberhard Hamer
1. August 2008

Deutschland 2008 – nur ein Sommeralbtraum?

1. August 2008|Gesellschaft, Sozialpolitik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|0 Comments

Deutschland 2008 – nur ein Sommeralptraum?

 

Was haben Afghanistan und die Ausweitung der Riester-Förderung für Eigenheime gemeinsam? Nun, die Auslandseinsätze der Bundeswehr und diese steuerpolitische Mißgeburt wurden von den selben Dilettanten beschlossen. Aha, werden Sie denken, aber es gibt noch einiges mehr, worüber es sich nachzudenken lohnt, wenngleich nachfolgende Aufzählung beileibe keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

Der Ölpreisanstieg

sowie die ausufernden sonstigen Lebenshaltungskosten machen inzwischen immer mehr Bürgern schwer zu schaffen. Die politische Klasse ist leicht beunruhigt und versucht dies wahlweise den Ölkonzernen, der OPEC, den Chinesen oder sonstwem in die Schuhe zu schieben.

Daß die Saudis möglicherweise seit Jahrzehnten viel größere Ölreserven vortäuschen als tatsächlich vorhanden sind (nichts Genaues weiß man nicht), kann man nun wahrlich nicht den deutschen Politikern in die Schuhe schieben. Die im Sprit enthaltenen Steuern (Mineralöl – Öko – Mehrwert usw.), die etwa dem Dreifachen des eigentlichen Benzinpreises (!) entsprechen, kassieren jedoch weder Ölkonzerne noch Förderländer.

Die Immobilien- und Bankenkrise in den USA

(und Großbritannien, Spanien, Irland, Island und noch einigen anderen Ländern) hat natürlich auch nicht unmittelbar mit der deutschen Misere zu tun. Gleichwohl nimmt es (nicht wirklich) Wunder, daß insbesondere staatliche Landesbanken kräftig dabei waren, als es darum ging, den gesunden Menschenverstand völlig auszuschalten, stattdessen in blinder Gier überbezahlten Ratingagenturen zu vertrauen und in wertlose Schrottkreditforderungen zu investieren und damit das Geld der Steuerzahler in schierem Größenwahn zu verbrennen. Gar nicht auszumalen, auf wieviel Ölsteuern (siehe oben) wohl verzichtet werden könnte, wenn die Allgemeinheit die dort gemachten Verluste nicht hätte via Steuern ausgleichen müssen.

In Afghanistan,

wo „nach Aussagen älterer Dorfbewohner“ der Schlafmohnanbau von 500 Tonnen im Jahr 2001 auf inzwischen wieder 8.000 Tonnen angestiegen ist (das sind 93 % des Weltmarktes!) und wo ein paar tausend deutsche Soldaten herumlümmeln (die gelegentlich auch mal ins Umland fahren), war im Prinzip von Anfang an klar, daß eine Mission am Hindukusch, wo ja nach Herrn Schäuble die „deutsche Sicherheit auf dem Spiel steht“, niemals erfolgreich sein konnte. Der ehemalige Oberkommandierende der ISAF wurde unlängst bei einem Vortrag in den USA gefragt, wie viele Soldaten denn benötigt würden, um so etwas wie Stabilität herstellen zu können. Seine Antwort: 500.000 Soldaten. Folgefrage: Und was ist, wenn es keine 500.000 Soldaten sind, sondern z.B. nur 250.000? Antwort: Dann gibt es keine Stabilität.

Das Leben kann so einfach sein.

Dem Lissabonvertrag

(auch bekannt als 95% der von allen demokratischen Plebisziten abgelehnten „EU-Verfassung“) haben die Iren und hoffentlich vielleicht auch noch die Tschechen und vielleicht sogar noch Deutschland (selten hat man Horst Köhler derart entschlossen dreinblicken sehen) einen vorläufigen Strich durch die Rechnung gemacht. Angesichts dieses Vertragswerks, das nun wirklich kein Mensch – auch kein Bundestagsabgeordneter mehr versteht, kann man wohl kaum von einer erfolgreichen Europa-Politik sprechen. Nun ist der französische Mini-„Herkules“ Sarkozy am Wirken und versucht – mutmaßlich ebenso erfolglos – irgendwoher den Leim aufzutreiben, mit dem die politischen Scherben gekittet werden sollen.

Dieses Verhalten ist rational durchaus nachzuvollziehen; zum einen spart sich der „politisch korrekt“ Argumentierende unliebsame Kontroversen und die Ausgrenzung einer nach Harmonie schreienden Masse, zum anderen ist es bequemer, medial und in der Allgemeinheit transportierte „Meinungen“ zu übernehmen; man erspart sich eigene Recherchen und den tiefergehenden Erwerb von wirklichem Wissen um Hintergründe.

Verbraucherschutz

steht ja auch ganz oben auf der Agenda unserer Bundesregierung. Insofern wurde der Vertrieb von Versicherungen auf völlig neue Grundlagen gestellt, bereits 2007 durch Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie in nationales Recht sowie durch Inkrafttreten des neuen Versicherungsvertragsgesetzes ab 1.1.2008. Neben einigen nützlichen Regelungen (man muß nur genau hinschauen) für die Versicherten und dem Umstand, daß einer Heerschar von Versicherungsvermittlern die Existenzgrundlage entzogen wird, kann jedoch bereits jetzt konstatiert werden, daß der Gesetzgeber hier – vor allem in logistischer Hinsicht – auch den unabhängigen Finanz- und Vermögensberatern bzw. Versicherungsmaklern derartig viele Fall­stricke und bürokratische Hemmnisse auferlegt hat, daß man getrost davon sprechen kann, daß (wieder mal) das „Kind mit dem Bade ausgeschüttet“ wurde. Nun, vermutlich haben die Damen und Herren Gesetzgeber einfach nur nicht so recht verstanden, worum es eigentlich geht bzw. gehen sollte. Kann man ihnen das zum Vorwurf machen?

Die Abgeltungssteuer

– oft gehört und nur wenig verstanden: Es dürfte ein gigantisches Bürokratiemonster werden, das da in wenigen Monaten auf uns zukommt. Ursprünglich und vorgeblich zur Vereinfachung des Steuerrechts hinsichtlich Erträgen/Gewinnen auf Kapitalerträge geplant, stellt es sich bei genauer Betrachtung als EU-weit härteste Besteuerung von Gewinnen aus Kapitalanlagen dar und löst außerdem eine Bürokratieflut von beispiellosem Ausmaß aus. Sie zweifeln daran? Gerade eben haben die Banken in einem Brandbrief an das Finanzministerium erklärt, daß sie für die Pannen, die bereits jetzt ab 2009 vorherzusehen sind, aufgrund der Komplexität des Unterfangens nicht verantwortlich gemacht werden können.
Unter dem Stichwort „Abgeltungssteuer“ und „Bürokratie“ findet man bei Google aber „erst“ 40.000 Einträge, warten Sie mal bis Mitte 2010; bis dahin dürften noch ein oder zwei Nullen dazugekommen sein.

Dem „Gesundheitsfonds

und den vielen Reformen rund um die Gesundheit wird aber wohl die Goldmedaille in der Disziplin „Chaos-Gesetzgebung“ nicht zu nehmen sein. Bedenkt man, daß es Angela Merkel war, die diesen bürokratisch-sozialistischen Schwachsinn im Quadrat gemeinsam mit der einstigen Bardame aus dem Rotlichtmilieu (Ullala) zur politischen Reife gebracht und durchgesetzt hat, stellt man sich schon etwas beklommen die Frage, warum Angela die mit Abstand beliebteste Politikerin zu bleiben droht. Oder wie sehen Sie das?

Riester/Rürup/Eigenheim

Nachdem die größte – weitgehend staatsfinanzierte – Werbeagentur für die Riesterrente namens Stiftung Warentest im Sommer 2008 festgestellt hat, daß Millionen von Bestätigungen/Berechnungen, Kontoauszügen usw. für dieses, ebenfalls etatistischen Hirnen entsprungene „Altersvorsorge“produkt völlig intransparent, unübersichtlich und irreführend, kurz: völlig verbraucherunfreundlich sind, hatte unsere Bundesregierung nichts Besseres zu tun, als endlich einmal wieder etwas Gutes für die Wohnungskäufer und Häuslebauer zu tun und ‚den Riester’ quasi noch aufs Eigenheim d`raufzusatteln. Es gibt tatsächlich Fachleute, die behaupten, zu verstehen, wie das im Detail (und vor allem auf lange Sicht) funktionieren soll. Die haben aber noch nicht erklärt, wer den tapferen Sparern in 20 oder 30 Jahren dann erklären soll, daß für die selbstgenutzte und abbezahlte Immobilie ein fiktiver Mietanteil zu versteuern ist. Falls Sie schon das nicht verstanden haben, lassen Sie bitte die Finger von der „Eigenheim-Riester“-Geschichte!

Das Beste zum Schluß

Das ‚Steuerbürokratieabbaugesetz’ wurde nun ebenfalls von der Bundesregierung beschlossen: Was vielleicht im ersten Moment einen Erleichterungsseufzer auslöst, macht bei näherer Betrachtung nur noch fassungslos.
Statt weniger komplizierter Gesetze geht es dabei hauptsächlich darum, vor allem die staatlichen Einnahmen dauerhaft und verläßlich sicherzustellen – mit einer Entlastung ausschließlich für den Fiskus. Aber am besten spähen Sie mal selbst bei Google nach, dann wissen Sie, was ich meine.
Die Herrschaft der Verwaltung (= Bürokratie) dilletiert munter vor sich hin. Nur schade, daß es hierfür noch keine olympische Disziplin gibt, die Chancen auf Gold könnten für den deutschen Bundestag nicht besser stehen.

Frank Amann