Politik

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14. März 2014

Verwirrspiel in der Ukraine

14. März 2014|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Verwirrspiel in der Ukraine

Das Verwirrspiel um die Krim-Republik, die sogar eine eigene Flagge besitzt und 1954 vom damaligen russischen Präsidenten Nikita Chruschtschow im Rahmen der als ‚ewig‘ apostrophierten ‚sozialistischen Brudergemeinschaft‘ den Ukrainern geschenkt wurde, wächst von Tag zu Tag. Nahezu stündlich überraschen uns die Medien mit neuen Enthüllungen über die politischen Hintergründe, von Washington über Luxemburg bis Moskau in die Welt gesetzten Drohungen oder Warnungen. Je nach Intention werden dabei politische oder humanitäre, wirtschaftliche oder militärische Überlegungen ins Feld geführt.

In der Tat lohnt ein näherer Blick auf diesen Konflikt: Die Ukraine ist (ohne die Halbinsel Krim) mit etwas über 600.000 km² rund 1,8 mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, dafür ist Deutschlands Bevölkerung rund 80% größer als die der Ukraine.
Wirtschaftlich ist die Ukraine überwiegend auf den Export von Primärenergieträgern und mineralischen Produkten angewiesen, leidet jedoch praktisch seit dem Zusammenbruch der sozialistischen Brudergemeinschaft unter einem jährlichen Handelsdefizit von durchschnittlich etwa 20%.
Während 78% der Bevölkerung traditionell gleichermaßen Ukrainisch und Russisch sprechen, wird in der Krim-Republik zu fast 80% Russisch und jeweils zu 10% Ukrainisch oder Krimtatarisch gesprochen.
Bildschirmfoto 2014-03-19 um 15.25.14Insofern gewinnt die Intention von Wladimir Putin, die russische Bevölkerung auf der Krim zu schützen, eine etwas andere Bedeutung, als uns dies westliche Medien und die vorlaute US-Außenministerin Clinton weiszumachen versuchen; wie würden sich wohl die US-Amerikaner verhalten, wenn die Kubaner das US-Territorium Guantanamo auf Kuba zu besetzen drohten? Wie verhielten sich die Engländer beim Falkland-„Krieg“? Und würde London eine Annexion Gibraltars durch die Spanier klaglos hinnehmen?

Was die Krise in der Ukraine so verwirrend erscheinen läßt, sind die verschiedenen wirtschafts-, finanz- und ideologie-behafteten realpolitischen Intentionen der unterschiedlichen Interessensgruppen, die sich dort hemmungs- und rücksichtslos engagieren. Wer in wessen Auftrag und mit welchem Ziel auf wen schießt und ihn des Verrats, der Lüge, ideologischer Verblendung und übelster Machenschaft zeiht, kann heute de facto niemand mehr mit Sicherheit konstatieren.
Das ganze Gerede von einem drohenden ‚Dritten Weltkrieg‘ (Egon Bahr) muß niemanden ängstigen. Es schält sich immer mehr heraus – was wir von Anfang an befürwortet haben –, daß man es den Bewohnern der Krim tunlich selbst überläßt, per demokratischem Votum darüber zu entscheiden, ob man sich der Ukraine zugehörig fühlt, oder ob man (neben Kaliningrad, dem früheren Königsberg) zur zweiten Exklave Rußlands werden möchte.

Je bewußter dieser Konflikt allerdings zwischen den Großmächten Moskau, Washington und EU sozial-, wirtschafts- und finanzpolitisch aufgeheizt wird, desto mehr wird die Bevölkerung – und um die geht es ja angeblich unseren politischen Maulhelden – darunter leiden, was wieder einmal mehr die Falschen trifft, denn mit einem Bruttoinlandsprodukt von knapp 1.400 € pro Jahr und Einwohner ist die Ukraine ohnehin eines der ärmsten europäischen Entwicklungsländer (zum Vergleich: Deutschland erwirtschaftet ein Bruttoinlandsprodukt von rund 27.000 € pro Jahr und Einwohner).

So schmerzhaft die binnen-ukrainischen Gewaltattacken auch sind, vor einem Weltkrieg muß u.E. niemand Angst haben. Und auch die nötigen Milliarden, mit denen die Weltbank und der IWF bereits zugesichert haben, die Ukraine vor dem finanzwirtschaftlichen Kollaps zu bewahren, werden weder den US-Dollar noch den Euro nachhaltig treffen.

Insofern: Hoffen wir auf Restbestände von Vernunft und menschlicher Achtung in den Hirnen und Herzen unserer Politiker, und freuen wir uns ansonsten auf den Frühling und eine zunehmend wärmende Sonne.

10. März 2014

Das dicke Ende kommt erst noch.

10. März 2014|Außenpolitik, Politik, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für Das dicke Ende kommt erst noch.

Mancher mag sich wundern, warum DAX & Co. nach einem kurzen Aufflackern zu Beginn des Jahres arg ins Straucheln gekommen und in dieser Woche sogar vor die Jahresendstandswerte 2013 zurückgefallen sind. Nun, der Grund dafür ist der gleiche, warum z.B. der DAX in den letzten zwei Jahren mehr als 55% zugelegt hat: Billionen billiger Dollars, Euros, Pfund Sterlings und Yens, die speziell von den Banken dankbar aufgenommen und auf dem Umweg über Schattenbanken, Hedgefonds und Derivate kreativster Art in den Markt gepumpt wurden. Die ebenfalls in billigem Geld schwelgenden Großkonzerne nutzten die Gunst der Stunde, um vermehrt eigene Aktien zurückzukaufen, und selbst private Investoren engagierten sich kreditfinanziert an den Wertpapiermärkten wie nie zuvor. Nun aber schlägt die ‚Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)‘, die Zentralbank der Notenbanken, Alarm, denn die Geldpolitik der westlichen Notenbanken habe (laut einer Studie vom Februar 2014) zu einer gigantischen Verschuldung der Schwellenländer geführt; 9,1 Billionen Dollar, fast das Doppelte des Kreditvolumens vor 2008 (Ausbruch der Finanzkrise), stünden, so die BIZ, auf wackligen Beinen, wobei vor allem die europäischen Banken mit Forderungen gegenüber den Schwellenländern von fast 3,4 Billionen ganz vorne in der Schlange stehen. Addiert man hierzu noch die offenen Bestände der Finanzzentren von Singapur, Hongkong, Panama und anderen exotischen Finanzparadiesen, summieren sich die Forderungen der europäischen Kreditinstitute auf über 4,1 Billionen Dollar.
So großzügig in den vergangenen fünf Jahren die Ströme billigen Geldes flossen, so ängstlich ziehen nun Private wie Institutionelle ihre Gelder aus den Schwellenländern ab, seit die US-Notenbank ein Ende des Tapering signalisiert. So flossen allein in den ersten sechs Wochen 2014 mehr als 20 Milliarden Dollar aus den Aktienmärkten der Schwellenländer ab – 35% mehr als im gesamten Jahr 2013. Brasilien und Rußland sagten Auktionen von Staatsanleihen über insgesamt 42 Milliarden Dollar ab, und nun rätseln die führenden europäischen Geldhäuser, ob sich die Krise eher auf den Anleihen- oder den Aktienmärkten auswirken wird, wobei die Situation besonders für Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika und die Türkei angespannt ist, da diese Länder aufgrund ihrer hohen Leistungsbilanz-Defizite auf verläßliche Zuflüsse von Investoren und Kreditgebern angewiesen sind.
Hinzu kommt für das Bankensystem der Euro-Zone noch die Notlage der Peripherie- Länder – Portugal, Spanien und (immer noch) Griechenland –, wobei insbesondere Portugal und Spanien aufgrund ihrer traditionell starken Kreditengagements in Südamerika mit einem Volumen von fast 500 Milliarden Dollar betroffen sind.

Während die US-Banken die letzten vier Jahre vor allem zum Aufbau ihrer Eigenkapitalquote verwendet haben, engagierten sich Europas Banken mit Verve und Optimismus in den Schwellenländern, nachgerade in (süd-)osteuropäischen Ländern, wohl in der Hoffnung, daß diese möglichst zeitnah in den Schoß der Euro-Zone fallen und deren Kredite damit als gesichert gelten könnten.
Mit insgesamt 66 Billionen US-Dollar ist die kumulierte Bilanzsumme der europäischen Banken fast exakt viermal so hoch wie die gesamte Wirtschaftsleistung der Euro-Zone, wobei nur fünf Jahre nach der Finanzkrise die Gier schon wieder größer zu sein scheint, als der Schmerz der Erfahrung.
Noch dramatischer stellt sich die Situation dar, wenn man die Engagements der Schattenbanken hinzurechnet – außerhalb der Bilanzen agierende Bank-Töchter, Beteiligungsfirmen und Hedge-Fonds; dort schlummern weitere 21 Billionen US-Dollar kreditierter Forderungen. Alleine die HSBC, Europas größte Bank, benötigt gemäß einer Studie des unabhängigen Research-Hauses ‚Forensic Asia‘ über 110 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital, weil sie die Vermögenswerte ihrer Engagements in der Bilanz zu hoch angesetzt hat.
Neckisches Aperçu: Vor kurzem beschränkte die HSBC Barabhebungen ihrer Kunden – vorgeblich, um ihre Kunden vor der Verführung durch Finanzbetrüger zu schützen!
Selten so gelacht.

H.-W. Graf

21. Februar 2014

Wieviel Kapital fehlt den europäischen Banken?

21. Februar 2014|Politik, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für Wieviel Kapital fehlt den europäischen Banken?

Daß es auf diese Frage keine wirklich zufriedenstellende Antwort gibt, kann sogleich an folgendem Beispiel erläutert werden:
Im Auftrag der OECD haben einige Professoren eine Studie erstellt und die 30 größten Banken Europas nach ihrem Eigenkapital bewertet. Dazu gehören in Deutschland die Deutsche Bank, die Commerzbank sowie die Landesbanken von Bayern und Baden-Württemberg. Die Professoren ermittelten einen Kapitalbedarf von insgesamt 84 Mrd. € für diese 30 Institute, eine Summe, die im Rahmen der insgesamt in der Euro-Zone ansonsten aufgerufenen Summen relativ überschaubar daherkommt. Allerdings, und jetzt wird es bereits seltsam, kamen die Professoren zu dem Schluß, daß die HSBC, eine der größten Banken der Welt (die uns ja schon in anderem Zusammenhang recht unangenehm auffiel), überhaupt gar keinen Eigenkapitalbedarf hätte. Nach Einschätzung der allermeisten Analysten aber beträgt das aktuelle Kapitaldefizit (alleine) der HSBC zwischen 45 und 111 Mrd. US $. Wie kann es zu derartigen – geradezu grotesk voneinander abweichenden – Einschätzungen kommen? Nun, obwohl man zwischenzeitlich weiß, daß übergroße, unterkapitalisierte und außer Kontrolle geratene Banken wesentliche Verursacher der Weltfinanz- und Eurozonenkrise waren, ist bis heute noch immer weitgehend unklar, was die in der Bilanz als Vermögenswerte bezeichneten (Assets) tatsächlich wert sind.
Wieviel Kapital fehlt den europaeischen Banken1

Ganz generell ist die Bewertung des ‚Vermögens‘ einer Bank naturgemäß mit erheblichen Unsicherheiten behaftet, denn niemand kann wissen, wie sich z.B. ein Kredit-Portfolio letztlich wirklich entwickeln wird, denn erst wenn der Kredit zurückgezahlt ist und ggf. unbezahlte Forderungen durch Verwertung der ggf. vorhandenen Sicherheiten abgewickelt wurden, kann abschließend beurteilt werden, ob die Wertansätze realistisch waren oder eben nicht. Schon deshalb läßt sich in eine Bankbilanz alles und nichts hineinbewerten. Es ist also – vereinfacht gesagt – von hoher Relevanz, wer bewertet und welches Ergebnis dabei herauskommen soll …
Die Schaffung einer Europäischen Bankenunion (um die es bisher in diesem Jahr verdächtig ruhig geblieben ist) dient auch dem Zweck, die Deutungshoheit über derartige Bewertungen zu vergemeinschaften und somit besser kontrollieren zu können. Manche Beobachter schreiben davon, daß die Europäische Zentralbank (EZB) als neue, allgewaltige Bankenaufsicht die letzte ‚Patrone‘ wäre, die die Politik im Lauf hätte. Was die Einen als historischen Fortschritt auf dem Weg zu einem Vereinigten Europa empfinden, werten die Anderen daher ganz nüchtern als ein neues schmutziges Manöver, um nationale Altlasten infolge der Krise nach Möglichkeit europäisch zu sozialisieren. Die EZB will z.B. binnen weniger Monate in den Bilanzen von 128 als solche definierten Großbanken Altlasten aufspüren, die nationale Aufseher in Jahrzehnten nicht zutage förderten.

Die Bankenaufsicht der Euroländer

Ab 2014 überwacht eine gemeinsame Aufsicht unter dem Dach der EZB die Banken in der Eurozone.

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Wer allerdings glaubt, im Rahmen der Schaffung einer europäischen Bankenunion bzw. einer gemeinsamen Bankenaufsicht würden die üblichen europäischen Probleme (Topf paßt nicht auf Deckel, Schraube nicht ins Gewinde usw.) nicht erneut auftreten, wird schnell eines Besseren belehrt: Bereits jetzt soll die deutsche Finanzaufsicht (BaFin) im Falle von Anfragen immer öfter an die EZB verweisen, die bisher aber freundlich mitteilt, daß sie noch nicht zuständig sei, so der Bericht aus Bankenkreisen. Und während die deutsche Aufsicht auf dem Standpunkt steht, bankenaufsichtliche Arbeit sei nur bis zu einem gewissen Grad quantifizierbar und müsse auch qualitative Aspekte umfassen, setzt die EZB bei der Entwicklung ihres eigenen Aufsichtsmodells vermutlich auf einen vorrangig quantitativ orientierten Ansatz. Im Klartext: Zukünftig regiert die Zentrale (EZB); die Filialen vor Ort (BaFin, Bundesbank) haben sich den Erkenntnissen und Anforderungen der übergeordneten Stelle zu fügen, egal wie gut die ‚Filiale‘ vor Ort ihre Pappenheimer zu kennen glaubt.
Mit Einrichtung einer europäischen Bankenunion wird sich im Jahr 6 nach dem Kollaps von Lehmann Brothers der Erfolg der Re-Regulierung im Bankensektor in Europa entscheiden. Es stellt die ‚letzte Chance‘ dar, das Vertrauen in den Bankensektor wiederherzustellen. Das sagen nicht wir, sondern das ausgeschiedene EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen. Darauf darf sich jeder selbst seinen Reim machen.

Frank Amann

10. Februar 2014

Die Unsicherheiten nehmen zu.

10. Februar 2014|Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Die Unsicherheiten nehmen zu.

Auch nach mehr als vier Wochen im neuen Jahr spielen die Märkte mit Tendenzen, ohne jedoch bislang eine Richtung anzudeuten oder gefunden zu haben. So hat die brasilianische Börse unter der drastischen Leitzinserhöhung auf 10,5% (und weiterhin exorbitanter Korruption im Lande) zu leiden, aber den übrigen Schwellen- und Entwicklungsländern geht es nicht viel besser; Indien findet aus seiner global-wirtschaftspolitischen Isolation nicht heraus – wer nicht familiär und politisch gut vernetzt und in große Konzernstrukturen eingebunden ist, verläßt, sofern er gut ausgebildet ist, das Land und siedelt sich in Großbritannien, Neuseeland, Kanada oder den USA an. Einige Schwellenländer wissen wohl selbst noch nicht so genau, ob sie mehr zu den Industriestaaten oder zu Ländern der Dritten Welt gerechnet werden wollen – z.B. Rußland und die Türkei, aber auch Indonesien und Malaysia sowie Argentinien, das in seiner Not und wegen des drastischen Verfalls des Peso, ebenfalls seinen Leitzins von 4% auf 10,5% (!) angehoben hat.
Im letzten Quartal 2013 wurden fast 300 Milliarden Euro aus den führenden Schwellenländern (Emerging Markets) abgezogen; nach drei Jahren der Euphorie für diese Märkte hat sich das Geld, scheu wie ein Reh, lieber wieder in andere „Weidegebiete“ verzogen.
In der Euro-Zone wird ängstlich-still darauf gewartet, wann es in Frankreich zum Kollaps kommt; Monsieur Hollande ist viel zu sehr mit seinem Privatleben beschäftigt, und seine Landsleute denken gar nicht daran, mit ihrem sozialistischen Häuptling, der nun meint, den konservativen Reformkurs, den er ‚auf gutem Wege sieht‘, mitzugehen; die Franzosen haben ein ähnliches Vergnügen daran, den Staat und die Steuerbehörden zu betrügen wie die Griechen. Auch Italien denkt nach guter alter Tradition ‚von heute bis morgen‘. Nord- und Süditalien verachten einander, und irgendwie läuft es auch ohne Rom, Brüssel und Luxemburg doch ganz gut.
Die USA haben ihr Tapering um 10 Milliarden $ im Januar recht gut überstanden, und bereits für Februar steht eine weitere Kürzung der monatlichen Neuverschuldung (wiederum 10 Milliarden $) an. Noch hat dies keine Auswirkungen auf die Börse – der DOW wehrt sich tapfer knapp unterhalb der 16.000 Punkte-Marke –, und auch der Dollar hat gegenüber den meisten frei-handelbaren Währungen im Januar zugelegt, während der Euro seinen kurzen Höhenflug beendet hat und inzwischen knapp oberhalb der Marke von 1,35 zum US-$ laviert.
Eine Aufwärtsentwicklung ist hingegen bei den Rohstoffen (insbesondere den agrarischen) und den Edelmetallen zu verzeichnen, wobei Gold nach einem kurzen Ausbruch bis nahe der 1.300 US-$-Grenze (pro Unze) inzwischen wieder bei 1.250 US-$ liegt.

An allen währungs- und fiskalpolitischen Fronten (und demzufolge auch bei den Indizes) dürften wir in 2014 weitaus höhere Volatilitäten gewärtigen als im vergangenen Jahr. Die Kreditzinsen sind hierzulande bereits im Schnitt um ein halbes Prozent geklettert, wohingegen Sparer, die jegliches Risiko scheuen, nichts finden, was nach Steuern und Inflationsraten überhaupt noch ein Plus erbrächte.

Die Unsicherheiten nehmen zuEs scheint, als ob die Europa-Wahlen im Mai – so gering die Wählerbeteiligung an den bisherigen EU-Wahlen auch gewesen sein mag – ihre Schatten bereits heute werfen; immerhin lauern in der Hälfte aller Euro-Zonen-Länder kleine und größere Parteien auf ihre Chance, dem Euro-Wahnsinn und der Zwangsvereinigungsmanie der Politiker der etablierten Parteien ein Schnippchen schlagen zu können. Solange diese Parteien jedoch, wie vielfach der Fall, nur monothematisch aufgestellt sind und – anders als die etablierten, konservativen Parteien – nicht in der Lage sind, ein Zweckbündnis untereinander einzugehen, könnten wir nach dem Mai zwar eine weitere Zersplitterung im Europa-Parlament erleben – die Weimarer Republik läßt grüßen! –, grundsätzlich ändern dürfte sich dann allerdings kaum etwas.

H.-W. Graf

23. Januar 2014

Für Sie gelesen: Das Globalisierungs-Paradox

23. Januar 2014|Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen: Das Globalisierungs-Paradox

Die Demokratie und die Zukunft der Weltwirtschaft

Autor: Dani Rodrik
Verlag: C.H. Beck, München
Preis: € 24,95
Umfang: 416 Seiten
ISBN: 978-3-406-61351-7

Die bislang vorherrschende, neoliberale Globalisierungslehre hilft nicht weiter, sondern hat die jüngsten Krisen sogar mit verursacht. Das zeigt der Ökonom Dani Rodrik anhand von zahlreichen historischen Rückblicken und harten ökonomischen Fakten. Insbesondere macht Rodrik deutlich, dass die Weltökonomie von einem politischen Trilemma bestimmt ist: freier Welthandel und unbegrenzte Mobilität von Kapital und Arbeit sind nicht mit unseren Vorstellungen von Demokratie und Nationalstaat vereinbar. Dani Rodrik öffnet seinen Lesern buchstäblich die Augen: für die faktischen Schattenseiten der Globalisierung, aber auch für die ja nahezu schizophrene Kommunikationskultur der Ökonomen, die im politischen Diskurs nichts auf die Globalisierung kommen lassen wollen, im Innern ihres Elfenbeinturms jedoch ein globalisierungskritisches Forschungsergebnis nach dem anderen zusammentragen. Die Globalisierung ist für Rodrik kein Haßgegner und er wird nicht müde, auch ihre Vorteile hervorzuheben. Dennoch macht er keinen Hehl daraus, daß die Schlußfolgerung für ihn eindeutig ist: in dem besagten Trilemma muß die Globalisierung das Nachsehen haben. Statt sich die „goldene Zwangsjacke“ der Globalisierung überzustreifen, sollte sich jedes Land auf demokratischem Weg für eine eigene Kombination von Marktöffnung, Produkt- und Arbeitsstandards und sozialem Netz entscheiden.

„Wenn Länder am Rande des globalen Systems, wie Thailand oder Indonesien, in eine Krise stürzen, dann werfen wir ihnen ihre Versäumnisse vor und ihr Unvermögen, die strengen Regeln dieses Systems anzuwenden. Wenn Ländern aus der Mitte des Systems das Gleiche passiert, dann geben wir die Schuld dem System und sagen, es sei an der Zeit, Korrekturen daran vorzunehmen.“ (Dani Rodrik)

Dani Rodrik, geboren 1957 in Istanbul, ist Professor für Internationale Politische Ökonomie an der Harvard University. Sein erstes Buch „Grenzen der Globalisierung“ war laut Business Week eines der besten Ökonomiebücher der 90er Jahre. Rodrik betreibt einen vielbeachteten ökonomischen Blog und schreibt für die New York Times, den Economist und die Financial Times Deutschland.

„Das Globalisierungs-Paradox ist ein provokativer Blick auf die Exzesse der Hyperglobalisierung – es sollte Pflichtlektüre sein für alle, die sich eine Welt ohne Finanzkrisen und unfaire Handelspraktiken wünschen.“

Nouriel Roubini

„Dieses Buch nimmt die wichtigste Frage unserer Zeit ins Visier: Globalisierung.“

Gordon Brown
Britischer Premierminister a.D.
18. November 2013

Hat sich der IWF verplappert?

18. November 2013|Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Hat sich der IWF verplappert?

Nachdem am vorigen Dienstag der Internationale Währungsfonds (IWF) in einem offiziellen Communiqué verlautbarte, er sehe in einer (einmaligen?) ‘Besteuerung der Vermögen Reicher eine vernünftige Lösung zur Entschuldung der Staaten‘ muß/darf/kann/sollte uns nichts mehr wundern. Interessanterweise haben wir genau dieses Thema im Rahmen unserer jüngst in Stuttgart, Saarbrücken, München und Berlin abgehaltenen Vermögensverwaltungsforen thematisiert – für unsere Teilnehmer also keine große Überraschung. Banker verstehen nichts von Psychologie, Politiker nichts von Ökonomie und beide Gruppen teilen das Desinteresse an ihren Kunden/Wählern. Weder ließen die IWF-Granden anklingen, wen sie für ‘reich‘ hielten, bzw. an welche ‘Schamgrenze’ (pro Konto) sie zu denken beliebten, noch hat sich bislang auch nur ein Politiker vertrauenerweckend zu diesen Gedanken geäußert.
Wartet man nun ab, welche Reaktionen aus des Volkes Mitte kommen – um dann, wie ehedem Herr Juncker, einfach in die Tat umzusetzen, was nicht genügend Empörung hervorruft?

Natürlich sehen es Banker aus ihrem Selbstverständnis heraus nicht als ihre Aufgabe an, der Politik mit Lösungsvorschlägen an die Hand zu gehen. Umso unverständlicher mutet an, daß sie sich nun als Cundatoren* betätigen; vielleicht stellt dies einen vorfühlend benevolenten Kotau gegenüber den Politikern dar, die ihrerseits nicht den Hintern in der Anzugshose haben, dem Volk die Wahrheit (und deren bevorstehende Schrecken) einzugestehen; immerhin baumelt über Bankers Köpfen immer noch das Damoklesschwert einer Finanztransaktionssteuer. Das käme der Bankergilde schon mehr zupaß, wenn nicht ihre Gewinne abgeschöpft, sondern die Bürger um Teile ihrer Guthaben von den Politikern bestohlen würden.

Eins ist klar: Die derzeitigen Schuldenstände sind dauerhaft nicht zu tragen – selbst bei den derzeitig niedrigen Zinssätzen; umso weniger, wenn diese ihr Normalniveau (mehr als das Doppelte des heutigen) wiedererlangten. Zur Reduktion der Staatsschulden bestehen aber – an ein völlig neues Besteuerungssystem, wie wir es seit 37(!) Jahren vorschlagen, wagt sich derzeit noch kein Politiker – wenig Alternativen: Steuererhöhungen, bewußt hochgetriebene Inflation (ohne Ausgleich durch Löhne, Gehälter, Renten und Pensionen), Leistungskürzung der Öffentlichen Hand, der Zugriff auf Bankguthaben oder das Abschöpfen von Gewinnen aus bestimmten “Güterklassen” (z.B. Banken, Erbschaften und Schenkungen, Immobilien, etc.). Intelligenteres, resp. das Hinterfragen der Sinnhaftigkeit und Überlebensfähigkeit des bestehenden Systems fiel noch keinem Politiker (egal welcher Couleur) bislang ein.

Hat sich der IWF verplappert_1Nun hat letzte Woche auch noch die EZB den Leitzins auf das Rekordtief von 0,25% gesenkt, was zwar den Banken trefflich zupaß kommt, die Sparer (und nachgerade die Lebensversicherungen) aber in noch größere Bedrängnis bringt; beide müssen höhere Risiken eingehen, um überhaupt noch (wenigstens) einen Inflationsausgleich für ihre Geldanlagen zu erzielen; von einem Realgewinn (vor allem nach Steuern) ist ohnehin keine Rede mehr.

Was bisher nur ‘Verschwörungstheoretikern’ zugeschrieben wurde – der Staat wird hemmungs- und schamlos auf die Guthaben seiner Bürger zugreifen – ist nun zur sehr praktischen ‘political correctness‘ mutiert; die “Katze” ist aus dem “Sack”.

Gönnen Sie sich doch mal das “Vergnügen”, Ihren örtlichen Bundestagsabgeordneten nach seiner Meinung hierzu zu befragen.
Wir haben eine ‘Märchen- und Lügenbox‘ im Büro aufgestellt – für all das, was Ihnen die Onkels und Tanten so erzählen werden.

H.-W. Graf

* Das waren im Altertum und Mittelalter die reitenden Boten der Herrscher, die den jeweils neuesten Ukas des Chefs an die Rathaustüren nagelten und dann dem (analphabetischen) Volk den Inhalt vorlasen (Negatives wurde weggelassen oder “narrativ” verfälscht), und vom lateinischen ‘cundare‘ (= verkünden, marktschreierisch anpreisen, hinters Licht führen, täuschen) kommt unser heute so entlarvend unbedacht verwendeter Begriff ‘Kunde‘!

15. November 2013

MAI, TWP und jetzt TAFTA und TTIP

15. November 2013|Außenpolitik, Politik, Steuer- und Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für MAI, TWP und jetzt TAFTA und TTIP

Was Le Monde diplomatique (sh. Artikel vom 8.11.2013: „TAFTA – die große Unterwerfung“) zur geplanten “Wirtschafts-NATO” zu sagen hat, macht zarte Leser gruseln.
Noch absurder jedoch ist, daß eben diese Entwicklung bereits vor 15 Jahren absehbar war (sh. unsere Berichte von 1998 und 1999 im ‘zeitreport‘ des DBSFS, dem Vorläufer des heutigen ‘PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V.‘ und des ‘zeitreport online‘), nur wollte das damals keiner wissen; im Gegenteil: Wir wurden damals des ‚Defätismus‘ und der Panikmache geziehen. Tempora mutantur!

Es lohnt sich wirklich (vor allem für jüngere Querdenker), diese infame Entwicklung über die zeitreport-Artikel sowie den untenstehenden Artikel noch einmal nachzuvollziehen.

H.-W. Graf


Die ‘Transatlantische Freihandelszone’

Daß alles ‚im Fluß‘ ist, wußte schon der griechische Philosoph Herakleitos von Ephesos („panta rhei“) vor 2.500 Jahren. Vom gleichen Philosophen stammt der (zumeist völlig mißverstandene) Ausspruch: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“, womit er allerdings die konstante Bipolarität meinte (‚dunkel/hell‘, ‚frei/unfrei‘, ‚Tag/Nacht‘, etc.), inmitten derer sich der Mensch wiederfindet und der er sich entweder passiv ergibt oder innerhalb derer er aktiv nach Verständnis und Anpassung strebt.

Bedingt durch die rasante Zunahme an Informationen (und die Geschwindigkeit, mit der diese global verbreitet werden) steigen die Anforderungen an uns Menschen, uns in einer immer komplexer werdenden Welt (und deren Bipolarität) zurechtzufinden.
Genau damit aber sind viele Menschen überfordert; sie ergeben sich zunehmend in ihr „Schicksal“ („daran kann man sowieso nichts ändern“) und werden damit zu passiven Mitläufern der um sie herum tobenden Geschehnisse.
Wer sich jedoch die Mühe macht, hinter die Kulissen zu blicken, erlebt eine immer interessanter werdende Welt, und mit dem wachsenden Verständnis um Zusammenhänge schwindet auch die Angst vor dem, was auf uns zukommt, was uns erwartet und worauf wir uns einstellen können und sollten.
Da aber gerade diejenigen, die unser Leben in hohem Maße bestimmen und regeln – Parteien, Politiker und ihre Suborganisationen sowie Wirtschafts“experten“, die wider besseres Wissen behaupten, Wissenschaftler zu sein –, zumeist heillos überfordert sind (zum einen exekutieren sie nur höhere Weisungen, zum anderen reduziert die Sicherheit, in der sie sich erleben, ihre Bereitschaft, tiefergehend über Zusammenhänge und Folgen ihres Tuns und Handelns nachzudenken), steigt das Maß der Unverständlichkeit (und damit die Ängste, das Leben in seinen verschiedenen Phasen zu meistern) in immer größer werdenden Teilen der Bevölkerung.

So ist hierzulande noch nicht endgültig geklärt, wer den 18. Deutschen Bundestag dominieren wird. Rot/Dunkelrot/Grün wäre tatsächlich eine (wenngleich unwahrscheinliche) Option, da sich die FDP selbst disqualifiziert hat und es der AfD nicht gelungen ist, die 5%-Hürde zu überwinden. Andererseits hätte dies eine tiefe (und auf Dauer nicht tragfähige) Spaltung der gesamten Gesellschaft zur Folge, da die Unionsparteien rund 42% der Bevölkerung repräsentieren (die Nicht-Wähler mal außen vor gelassen).
Eine zweite, sehr wahrscheinliche Option bestünde in einer große Koalition (mit der SPD) oder einer kleinen Koalition (mit den GrünInnen). In beiden Fällen liefe dies jedoch auf recht ‚madige‘ Kompromisse hinaus, deren Tragfähigkeit wohl nur sehr bedingt sein dürfte, auch wenn die SPD-Basis wohl zustimmen wird. Eine dritte Option wären Neuwahlen – wohl ein Damoklesschwert für GrünInnen und SPD, hingegen durchaus eine Chance für die post-SED/PDS („die Linken“) und vor allem die AfD, die sich eines wachsenden Zuspruchs erfreut und mit der A. Merkel wohl deutlich besser zurande käme als mit Rot oder Grün, nicht zuletzt aufgrund des ökonomischen Sachverstands, den man der AfD getrost unterstellen darf.

Erweitern wir den Horizont: Innerhalb der EU ist vieles ‚im Fluß‘: Die ‚Lachnummer‘ in Italien ist dank des resigniert eingeknickten Berlusconi noch einmal vermieden worden (es wäre zur 62. Regierung seit dem 2. Weltkrieg gekommen), aber dem Land geht es finanz- und wirtschaftspolitisch immer schlechter. Frankreich (insbesondere seinem ökonomisch völlig überforderten Vorturner Hollande) geht es nicht besser. Zwar ist man in Gallien (ebenso wie in Italien) heilfroh darüber, die ehemalige eigene Währung losgeworden zu sein, aber die finanz- und wirtschaftspolitisch erdrückende Macht des östlichen (bzw. nördlichen) „PartnersDeutschland macht beiden Ländern das Leben nicht leichter; ihre Rollen auf der internationalen Wirtschaftsbühne verblassen immer mehr, und beide Länder drücken demographische Lasten sowie vor allem die impliziten Schulden (Versorgungsversprechungen an einen völlig überfressenen öffentlichen Dienst). Zudem belastet beide Länder die Überfremdung aus Nordafrika und (süd-)osteuropäischen Einwanderern.
Weder Spanien und Portugal, noch Griechenland und die (süd-)osteuropäischen Mitglieder der EU kommen wirtschafts- und finanzpolitisch auf die Beine; zumeist sind die von Brüssel geforderten „Reform“-Diktate entweder in der Bevölkerung nicht durchzusetzen, oder sie werden von den jeweiligen Verfassungsorganen gar als verfassungswidrig aberkannt.
Natürlich würde das Ausscheren von Mitgliedern der EU aus der Euro-Zone erheblich Geld kosten und einen Verfall der auf diese Länder gehaltenen Anleihen mit sich bringen. Zudem würden zwar deren Exporte billiger (und damit konkurrenzfähiger), aber Importe eben teurer (was jedoch dem Wiederaufbau eigener Produktionsstätten à la longue dienlich wäre), aber die eigentliche Gegenfrage muß lauten: „Wie viel teurer würde es (für alle Beteiligten), wenn man den heute herrschenden ‚Status quo‘ beibehielte und – nach dem Motto: „Weiter so!– das derzeitige Desaster in vielen Ländern der Euro-Zone einfach weiter“blühen“ ließe?
Genau dies geschieht jedoch im Moment: Höchst naive Politiker glauben, den bodenlosen Brunnen (die EU) mit immer noch mehr Wasser (Geld) füllen zu müssen – in der irr(ig)en Hoffnung, das Versiegen des Brunnens damit überkompensieren zu können.
[Im alten Rom des 3./4. Jahrhunderts u.Z. versuchte man, den Vasallenstaaten noch mehr Güter und Waren, Rohstoffe und Edelmetalle, Steuern und Abgaben abpressen zu können, um damit das längst nicht mehr finanzierbare römische Weltreich (und vor allem den Lebensstandard im hedonistisch verfetteten Rom) am Leben erhalten zu können. Was aus diesem ‚römischen Weltreich‘ wurde, darf als bekannt vorausgesetzt werden.]

Was aber steckt nun hinter diesem aberwitzig-verzweifelten Versuch der Parteien und Politiker, diesen babylonischen Irrsinn um jeden Preis am Leben erhalten zu wollen?
Nun, längst (in Washington) beschlossene Sache ist es, den aufstrebenden Schwellenländern (China, Indien, Brasilien, Indonesien) sowie den Ländern, die, vom Joch des Sozialismus/Kommunismus befreit, in den Kreis der Schwellenländer oder gar der Industrienationen aufgenommen werden wollen, ein geschlossenes Bündnis entgegen zu stellen, um damit den Zugriff auf Rohstoffe (Edelmetalle, strategische- und Industrie-Metalle, Öl-/ Gasvorkommen) und die Macht über Handels-, Transport- und Absatzwege zu wahren.
Genau hierzu wurde 1948 das GATT-Abkommen (‚General Agreement on Tariffs and Trade‘; allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) gegründet, das 1995 durch die WTO (‚World Trade Organization‘; ‚Welthandels-Organisation‘) ersetzt wurde. Zwar hat die WTO ihren Sitz in Genf, doch die Entscheidungen werden ausschließlich in Washington D.C. gefällt. 1997 erfolgte die Gründung des PNAC (‚Project for the New American Century‘; ‚Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert‘), die im gleichen Gebäude wie das AEI (‚American Enterprise Institute‘; ‚Amerikanisches Institut für Unternehmen‘) in Washington D.C. gelegen ist, und 2009 wurde daraus, als Nachfolgeorganisation, die FPI (‚Foreign Policy Initiative‘; ‚Initiative für Auslandspolitik‘). Dazu schrieb Thierry Meyssan 2009: „Die Schaffung eines transatlantischen Marktes ist lediglich eine Komponente eines größeren Projekts, einschließlich der Schaffung einer tatsächlich supra-institutionellen Regierung mit einem transatlantischen Wirtschaftsrat, einem transatlantischen politischen Rat und einem transatlantischen Parlament.

Hierum geht es also in Wahrheit. Aus dem ehemaligen Militärbündnis NATO, dessen eigentlicher Gründungszweck sich inzwischen ziemlich überholt hat, soll nun [nachzulesen in den inzwischen freigegebenen „geheimen Klauseln“ des Marshall-Plans (Grundlage der NATO, 1946)] ein transatlantisches Handels-, Produktions- und Investitions-Bündnis der USA (nebst Kanada) und Europas – nach Osten so weit wie möglich erweitert – werden.
Hierin liegt die gedankliche Grundlage dessen, was uns Parteien und Politiker (auf Geheiß der dahinterstehenden Organisationen) als ‚Europäische Union‘ – inkl. einer gemeinsamen Währung, transnationaler Rechtsvorschriften und Handelsmaximen –, als segensreiche freie Handelszone verkaufen wollen – natürlich zu unser aller Wohl und Gedeih.
Daß dies das Gros der Bevölkerung natürlich nicht in dieser Klarheit erfahren soll, liegt auf der Hand. Daß dies aber auch die überwältigende Mehrheit der europäischen Politiker weder weiß, noch zu begreifen vermag, ist hingegen geradezu erschütternd.

Daß hierüber in den Medien kaum oder nur unzusammenhängend berichtet wird, liegt an zweierlei: Zum einen liegen sämtliche schreibenden und sendenden Medien der „westlichen“ Welt in den Händen etwa eines Dutzends an Großkonzernen; die wenigen noch unabhängigen Medien leiden allsamt unter Finanznot, da sie auch kaum werblich gestützt und politisch geschaßt werden, und die Zahl der unabhängigen Redakteure und Journalisten, die derartiges Material veröffentlichen wollen, sinkt nahezu täglich. Zum anderen fördert das Desinteresse der breiten Bevölkerung an denkintensivem Erkennen von Zusammenhängen die klandestinen Strukturen, hinter denen sich die Machtmonopole auf unserem Planeten wunderbar verstecken können; mit anderen Worten: Der hedonistische Zeitgeist blockiert bei den meisten Menschen die Einsicht, daß man sich schon tiefer mit Hintergründen befassen muß, um sie zu verstehen und sich dann entsprechend wappnen zu können. Das Gros will lieber leicht und seicht unterhalten werden, statt in eigener Verantwortung die Inhalte und komplexen Größen, die unser Leben bestimmen, verstehen zu lernen.
Und genau darauf bauen die “Architekten” der ‘Neuen globalen Wirtschaftsordnung‘ als Herzstück der ‘New World Order‘(NWO), der ‘Neuen Weltordnung‘, selbstverständlich unter der absoluten Ägide der USA.

H.-W. Graf

Lesen Sie hierzu folgenden Artikel:

Le Monde diplomatique, deutsche Ausgabe, 8.11.13 TAFTA – die große Unterwerfung
Zeitreport Juni 1998 _ MAI Die Weltwirtschaft wird verteilt
Zeitreport Juni 1999 _ Das MAI ist tot_es lebe die TWP

5. November 2013

Für Sie gelesen: Big Data – Die Revolution, die unser Leben verändern wird

5. November 2013|Finanzen / Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Technik|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen: Big Data – Die Revolution, die unser Leben verändern wird

Autoren: Viktor Mayer-Schönberger, Kenneth Cukier
Verlag: Redline Verlag, München
Preis: € 24,99
Umfang: 304 Seiten
ISBN: 978-3-86881-506-1
Seit dem Einzug des Computers in die Gesellschaft ist etwas mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen und die Welt ist so voll von Informationen wie nie zuvor. Terabyte, Petabyte, Exabyte – das weltweite Datenvolumen, das unsere Informationsgesellschaft generiert, verdoppelt sich alle zwei Jahre. Eine wahre Datenexplosion: Big Data!

Durch die technologischen Innovationen, vorangetrieben durch die großen Internetanbieter, ist es nun möglich, diese riesigen Datenmengen zu sammeln, zu bündeln, blitzschnell zu verarbeiten und konkret nutzbar zu machen. So konnte Google im Jahre 2009 die Verbreitung der Vogelgrippe H1N1 besser vorhersagen als die amerikanische Seuchenbekämpfungsbehörde. Allein aufgrund der Suchbegriffe wurden verläßliche Vorhersagen für das gesamte Land, eine Region, ja sogar für einzelne Bundesstaaten getroffen und das unmittelbar, in Echtzeit.

Big Data bedeutet eine Revolution für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Es wird die Art und Weise, wie wir über Gesundheit, Innovation und vieles mehr denken, völlig umkrempeln. Es wird Vorhersagen möglich machen, die bisher undenkbar waren.

Die Experten Viktor Mayer-Schönberger und Kenneth Cukier beschreiben in ihrem Weltbestseller, was Big Data ist und welche Möglichkeiten sich eröffnen. Auch die dunkle Seite dieser Entwicklung, wie etwa der immer weiter voranschreitende Verlust von Privatsphäre, wird dabei nicht verschwiegen.

Viktor Mayer-Schönberger gründete im Jahr 1986 die Software-Firma Ikarus mit Entwicklungsschwerpunkt in der Datensicherheit und entwickelte Virus Utilities, eines der am meisten verkauften österreichischen Software-Produkte. Heute ist er Professor am Oxford Internet Institute und berät zudem Unternehmen, Regierungen und internationale Organisationen.

Kenneth Cukier ist Daten-Editor bei ‚The Economist‘ und einer der prominentesten Experten für Entwicklungen im Bereich Big Data. Er hat 2010 einen der frühesten Artikel über diese Entwicklung geschrieben.

5. November 2013

„Viel Lärm um nichts“ …

5. November 2013|Außenpolitik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für „Viel Lärm um nichts“ …

… geißelte William Shakespeare („Much ado about nothing“) bereits vor fast 400 Jahren in einer seiner schönsten Komödien einerseits die Tendenz der Bevölkerung, sich über nichtssagende Geschehnisse zu echauffieren, andererseits, um die arrogante Abgehobenheit der herrschenden Adelsklasse zu demaskieren.

Viel Laerm um nichts1Nun, heutzutage empört sich der politische Adel medienbefeuert über die Unverfrorenheit, mit der die US-amerikanische NSA – einer von 39 (!) Geheimdiensten der vorgeblich letzten ‚Weltmacht‘ USA – schamfrei den (sicherlich besonders wichtigen) SMS-Verkehr von Angela I. und ihren KollegInnen aus Frankreich, Venezuela, Brasilien und der Türkei belauscht – das Abhören der übrigen Staatsoberhäupter ist einfach noch nicht entdeckt worden. Und Aufreger Nr. 2 ist ein größenwahnsinniger Bischof, der allzu offensichtlich dem seit 1.100 Jahren üblichen Pomp der religiösen Weltmacht ‚Katholizismus‘ frönte, und den sein Chef in Rom klugerweise erst `mal aus der Schußlinie genommen und in Demuts-Vakanz geschickt hat.

Derweil schwelgen die Aktienmärkte und deren Indizes in lustvoller Euphorie, schielen nach täglich neuen Rekordständen. Öffentlich-rechtliche Prognostiker sehen die USA, die Eurozone und sogar Japan im ökonomischen Aufwind, wohingegen unabhängige Experten vor der zunehmenden Verwahrlosung etlicher Volkswirtschaften – insbesondere im EU[ro(zonen)]-Raum – warnen und bereits für 2014 das Schreckgespenst eines Fiaskos an die Wand malen.
Begleitet wird dieses Szenario vom wachsenden Aufbegehren rechtsverorteter Parteien in Frankreich, Finnland, der Slowakei und Slowenien, Italien, den Niederlanden, Österreich und Deutschland sowie Großbritannien, die den transnationalen Übergriffen Luxemburgs und Brüssels nicht länger tatenlos zusehen und die nationale Souveränität ihrer Länder nicht länger aufs Spiel gesetzt sehen wollen. Hinzu kommt das Schachern um Posten und Pöstchen in neu zu formierenden Regierungsteams in der Bundesrepublik und Italien.

All dies wird medienwirksam aufgepäppelt und dem verwirrten Volk in großteils unverdaulichen Happen um die Ohren gehauen und aufs Auge gedrückt. Kein Wunder, daß sich Otto und Lieschen Normalverbraucher lieber mit seichter Medienkost und fröhlichem Alltagstand beschäftigen als mit Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik.

Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit waren die Möglichkeiten, sich nahezu in Lichtgeschwindigkeit mit allen Informationen zu versorgen, die wirklich relevant sind, größer als heutzutage. Doch geklickt und verlinkt wird zumeist Nebensächliches und Banales, was Neurobiologen und Psychologen schon als ‚pathologische Neurosklerose‘ diagnostizieren, wofür man unter dem modernen Begriff des ‚financial behaviorism‘ aber bereits zum zweiten Mal den Nobelpreis verliehen hat.

Lassen Sie sich vom medialen Getöse nicht beeindrucken: Wir alle sind viel zu wichtig für Politiker und die Wirtschaft – als Wähler und Konsumenten –, als daß wir realiter Angst vor der Zukunft haben müßten.

H.-W. Graf

1. November 2013

Die (supra-)nationale Souveränität ist ein Phantom!

1. November 2013|Außenpolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Die (supra-)nationale Souveränität ist ein Phantom!

Aus seiner (berufsbedingt höchst eingeschränkten) Sicht hat Keith Alexander absolut Recht; angesichts der physisch, aber auch informationell längst unkontrollierbaren Mobilität der Bürger bleibt Regierungen in ihrem Wahn, alles unter Kontrolle halten zu wollen/müssen, gar nichts anderes übrig, als sich mit allen technisch verfügbaren Mitteln auf eben diese Unkontrollierbarkeit seiner (nicht mehr so stringent zu lenkenden Bürger) einzustellen. Und dazu bedarf es Millionen staatstreuer, ideologisch eingenordeter Heloten.
Darüber entsetzt, schockiert und empört reagieren können eigentlich nur scheinheilige Politiker (und völlig zeitfremde Menschen), die nicht wahrhaben wollen, daß es finanz-, steuer-, rechts- und wirtschaftspolitisch nationale Souveränitäten längst nicht mehr gibt, da sich die Nutznießer heutiger Interglobalität – als Reisende, Investoren, Produzenten, Spezialisten, Händler, Studenten, Immobilienbesitzer und Kulturbeflissene, aber auch als religiöse oder ideologische Spinner und Terroristen – längst interglobalisiert und jenseits staatlicher Kontrollierbarkeit vernetzt und aufgestellt haben.
Für etatistische (bestens bezahlte) Frömmler wie Keith Alexander (und davon gibt es in allen Staaten Millionen) kann eine derartige geistige und physische Interglobalität nur eine höchst bedrohliche Gefährdung darstellen, und deshalb nutzen sie jede technische Möglichkeit, potentielle Feinde – und das sind in ihrer paranoiden Vorstellung ALLE (außer sie selbst!) – zu überwachen, zu kontrollieren und unter Generalverdacht zu stellen. Das schließt Politiker (auch die eigenen) selbstverständlich ein.
Die hypokritische Empörung bundesdeutscher, französischer, spanischer, italienischer, brasilianischer … Politiker und Medien ist lächerlich (und nur für sehr naive Zeitgenossen relevant), kennt man diese Art geheimdienstlicher Aktivitäten doch seit Menschengedenken. Nur die Methoden haben sich seit Johannes Gutenberg, der uns vor 560 Jahren den Buchdruck schenkte, eben dramatisch verändert – insbesondere in den letzten 10 Jahren).
Daß ein noch so akribisches Sammeln von Daten, Fakten, Bewegungsprofilen und technischen Interaktionen weder ein Unternehmen noch einen Staat oder eine Ideologie/Religion vor dem inneren Verfall bewahren kann, beweisen die Bankrotte und Kollapse von Konzernen und sakralen wie säkularen Weltreichen in jüngster und ferner Geschichte.

Die Sorgen und Ängste derer, die um ihren Bestand, ihr Überleben kämpfen, ist sicherlich allemal größer als das derer, die von ihnen belästigt, ausgespäht und verdächtigt werden. Viel mehr dauern mich diejenigen, die diesen Wahnsinn finanzieren müssen – wir Bürger!

H.-W. Graf

PS: Eine Kopie dieses Artikels geht neben unseren Politikern und Medien auch (aus Kostenersparnisgründen und mit freundlichen Grüßen) an die NSA, deren schiere Existenz das Bundesinnenministerium strikt in Abrede stellte, als wir Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts darüber im ‘zeitreport‘ berichteten. Als wir daraufhin ein Photo des NSA-Hauptquartiers nebst Adresse ans BMI schickten, erhielten wir keine weitere Antwort (sic!).

Lesen Sie hierzu folgenden Artikel:
Deutsche Wirtschafts Nachrichten | Veröffentlicht: 29.10.13
„Wir sind die Helden“: NSA-Chef Alexander weist Europäer in die Schranken