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16. Juli 2014

Bundesdeutsches Bildungsprekariat

16. Juli 2014|Bildungspolitik, Politik|Kommentare deaktiviert für Bundesdeutsches Bildungsprekariat

Ausgerechnet ein ehemaliger Außenminister, Dr. Klaus Kinkel (FDP), muß der GroKo und der Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka (CDU) Rechts- und Sachhilfe i.p. ‚Kooperationsverbot‘ geben. Dieses Kooperationsverbot verbietet dem Bund, die Förderung der Bildung an sozialen Brennpunkten durch Sozialarbeiter, Sprachlehrer und -kurse sowie hierfür notwendige infrastrukturelle Maßnahmen bereitzustellen oder zu subventionieren, denn Bildung ist nun mal Sache der Länder, mit der Folge, daß wir 16 Ministerien für Unterricht und Kultus in der Bundesrepublik haben, deren Ausrichtung gleichzeitig Gegenstand politischer Konkurrenz und Machtkämpfe sind. Davon abgesehen, daß allein die Tatsache, daß Parteien und Politiker den Bildungshorizont ganzer Generationen glauben, festlegen zu dürfen, darf Bildung noch viel weniger eine Frage ideologischer Auseinandersetzungen sein.

Die nun von Frau Dr. Wanka vorgeschlagene Verfassungsänderung stellt auf eine Unterstützung der Hochschulen der Länder durch den Bund ab, von den Schulen ist dabei jedoch nicht die Rede, obwohl es gerade bei diesen an allen Ecken und Enden fehlt und zudem ein Jugendlicher zwar seine Hochschule, nicht jedoch überall auch seine Schule aussuchen und wählen kann. Nun soll eine parteiübergreifende Kooperative von Bildungsexperten und Politikern per Grundgesetzänderung dieses Kooperationsverbot in Gänze – also für alle Schultypen – beseitigen. Dem stehen jedoch der sture Egoismus und die intellektuelle Kurzsichtigkeit einiger Landesfürsten entgegen, die unbedingt die Deutungs-, Schaffens- und Finanzhoheit für ihre Schulen beibehalten wollen. Immerhin haben die Bundesländer nur noch i.S. Polizei und Bildung überhaupt eine politische Zuständigkeit, alle anderen Belange hat Berlin längst hoheitlich an sich gerissen. Gerade die Kulturhoheit soll den Ländern zwar nun nicht „gestohlen“ werden, andererseits kann, will und wird sich Berlin nicht alleine darauf beschränken, Gelder zur Verfügung zu stellen, ohne auf deren Verwendung auch nur den geringsten Einfluß zu haben. Gerade in der prekären Finanzlage einiger Länder liegt jedoch die Ursache dafür, daß diese an der für jedes Land wichtigsten Ressource spart – der Aus- und Fortbildung seines Nachwuchses. Andererseits ist die Bundesregierung laut Verfassung auch in der Pflicht, die ‚Gleichartigkeit der Lebensverhältnisse‘ über Ländergrenzen hinweg sicherzustellen. Diese ist aber bereits heute an vielen Brennpunkten der Republik höchst gefährdet; von den rund 40.000 Schulen hierzulande gelten etwa 10 bis 15% als sehr gefährdet, weitere 35 bis 40% als problematisch, bzw. mehr oder weniger reparaturbedürftig. So haben nach Untersuchungen in den Brennpunktschulen der Stadtstaaten neun von zehn Schülern große Leseprobleme. Hinzu kommen Hilferufe aus Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Hessen, die dringend (auch fremdsprachige) Lehrer benötigen, da bis zu drei Viertel der Schüler kulturfernen Migrationshintergrund haben und der deutschen Sprache weder in Wort noch in Schrift mächtig sind.

Bundesdeutsches Bildungsprekariat_1Sämtliche bisherigen Versuche, die enormen Unterschiede bei den Schulabschlüssen einigermaßen ins Gleichgewicht zu bringen, schlugen bislang fehl – bei fast zwei Dutzend Schularten gelinde gesagt eine Katastrophe. Auch die angepeilte Lösung eines Zentralabiturs – schrittweise, lediglich für fünf Bundesländer und bis 2016 ! – kann nicht wirklich überzeugen, denn erst die Pisa-Studien seit 2001 haben die Politiker überhaupt für das Thema interessiert; zu viel wird auch in diesem Punkt lieber Brüssel überlassen.

In keinem Bereich ist ein so langer Zeithorizont für die politische Arbeit gefordert, wie im Bereich der Bildung. Andererseits werden die Zeiten für Politiker und der Konkurrenzdruck um die lukrativen Posten im Staats- und Parteienapparat immer größer. Insofern kann nicht überraschen, daß sich Politiker mit dem Thema ‚Bildung‘ auch unter der Frage des Zeithorizonts am allerwenigsten und ganz zuletzt beschäftigen.
Um Politiker zu werden, ist weder ein hohes Maß an Bildung, noch ein entsprechend weiter Horizont nötig. Dies spiegelt sich nachgerade in der Misere unseres Bildungssystems und der schreienden Negligenz wider, mit der dieses Thema seit Jahrzehnten vernebensächlicht wurde und bis heute wird.
Nicht der Geldbeutel bestimmt die Qualität der Bildung – auch wenn dies ideologische Irrlichter und Politpopulisten so gerne implizieren –, sondern das geistig-emotionale Niveau der Eltern und ein weitsichtig-verantwortliches Handeln der Politik!

H.-W. Graf

2. Oktober 2013

Der Liberalismus in Deutschland ist heimatlos.

2. Oktober 2013|Bildungspolitik, Innenpolitik, Politik, Sozialpolitik, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für Der Liberalismus in Deutschland ist heimatlos.

Es hat lange gedauert, genau gesagt rund 75 Jahre und drei Generationen, bis nunmehr, am 22.9.2013, der letzte Rest politischer Liberalität endgültig beerdigt wurde. Was ehedem von freiheitlich-verantwortlichen Granden der Liberalität, wie z.B. Theodor Heuss, als politische Grundfeste (und im Sinne des ‘Vormärz’ als Gegengewicht zum Obrigkeitsstaat!) verankert wurde – “verantwortliches Handeln des Einzelnen auf kommunaler Ebene” (Heuss, 1948) –, um den Staat auf das beschränkt zu sehen, was äußere und innere Sicherheit sowie verbindliche, gesicherte Rechtsnormen bedingen, fiel spätestens seit H.-D. Genscher zunehmend schierem Machtkalkül anheim. Nun fiel der letzte Vorhang; die Posse ‘FDP – die liberale Partei Deutschlands’ ist abgesetzt.

Nachdem ich bei 11 Bundestagswahlen in nimmermüder Treue und Hoffnung meine Stimme der FDP gab, verweigerte ich mich – angewidert und erbost – der brüderröslichen Lachnummer und deren konsequentem Verrat an allem, was Liberalität ausmacht. Auf dem Altar etatistischer Überheblichkeit und antisozialer Regelungswut und Bevormundung wurde nach und nach jeder Rest individueller Lebensgestaltung geopfert – schieren Machterhalts zuliebe.

Selbst letzte glimmende Fünkchen liberaler Gesinnung, wie z.B. Frank Schäffler, der probaterweise auch innerparteilich kaltgestellt wurde, vermochten daran nichts zu ändern, und auch dem flugs als “Retter” und “Frontmann eines Neubeginns” aus dem Hut gezauberten Christian Lindner traue ich ob seines Alters und seiner karrieristischen Verquickung mit den alten Schergen antiliberaler Grundhaltung keinen grundlegenden Wandel im Sinne einer liberalen Renaissance zu.

Konkret: Weder in der Bildungs– und Sozialpolitik (die Reihenfolge ist bewußt gewählt), noch in der Steuer-, Fiskal- und Gesundheitspolitik, bei der Lösung der EURO(pa)krise, kurz: in keinem Segment, zeigte die FDP den Mut, bürgerlicher Eigenverantwortung den Vorrang vor entmündigender Staatlichkeit zu geben; sie knickte jeweils da ein, wo sie hätte Flagge zeigen müssen.
Allein die Millionen zwangsverpflichteter Kammermitglieder (incl. mitarbeitender Ehepartner und Kinder) sowie entrechteter Gaststättenbetreiber und Taxifahrer (die zwar als Selbständige das gesamte wirtschaftliche Risiko tragen, denen aber vorgeschrieben wird, daß ihre Kunden nicht rauchen dürfen) hätten – ein mutiges Engagement der “Liberalen” vorausgesetzt – die FDP am Leben erhalten.
Dem arroganten Hoheitsanspruch der SchwarzRotGrün(inn)en i.S. Bildung hat die FDP nie ein mutiges Zeichen (z.B. zur fairen Förderung privater Schulen, Kindergärten und –tagesstätten) entgegengesetzt. Der Ausverkauf staatlicher Souveränität an Brüssel/Luxemburg und die nahezu bedingungslose Preisgabe privaten Sparvermögens (und dessen betrieblichem und eigenständigem Aufbau) zugunsten einer euroklastischen Fiktion – all dies (und vieles mehr) hat nun das Schicksal einer längst entbehrlichen, ihres dialektischen Kerns restlos beraubten Partei besiegelt.
Friede ihrer Asche!

H.-W. Graf

www.cicero.de/berliner-republik/bundestags-aus-die-fdp-hat-den-liberalismus-verraten-freiheit/55935/

15. Dezember 2009

Eltern engagieren sich für eine bessere Schule

15. Dezember 2009|Bildungspolitik|Kommentare deaktiviert für Eltern engagieren sich für eine bessere Schule

Wie Bürgerengagement im brandenburgischen Woltersdorf auf eine harte Probe gestellt wurde.

Die Freie Schule Woltersdorf beging in diesem Jahr ein kleines Jubiläum und erlebte einen großen Erfolg in der Abwehr staatlicher Willkür. Trotz heftiger Widerstände seitens der staatlichen Schulverwaltung konnte die von Eltern gegründete und betriebene freie Grundschule ihr zweites Schuljahr im September 2009 beginnen.
Vorausgegangen war diesem Erfolg bürgerschaftlichen Engagements eine nervenaufreibende Auseinandersetzung mit dem staatlichen Schulamt und dem Brandenburger Bildungsministerium im vergangenen Sommer. Das Bildungsministerium kündigte den Eltern im Juni 2009, drei Wochen vor Ferienbeginn (!), die Schließung der erst Ende Juli 2008 genehmigten Grundschule an. Sie wurden aufgefordert, ihre Kinder an der staatlichen Schule anzumelden. Die gesamte Argumentation der Schulverwaltung basierte auf drei haltlosen und nicht gerichtsfesten Vorwürfen:

  • Die Freie Schule Woltersdorf habe den Unterricht nicht durch genehmigte Fachkräfte abgedeckt, habe keine ordnungsgemäße Schulleitung und trotz mehrfacher Aufforderungen keine qualifizierte Besetzung vorgenommen.
  • Die Freie Schule Woltersdorf habe mehrfach nicht auf Aufforderungen zur Behebung von Mängeln mit angemessener Fristsetzung reagiert.
  • Der Leistungsstand der Kinder sei nicht mit dem Leistungsstand von Schülern an staatlichen Schulen vergleichbar. Dadurch entstehe beim Besuch der Freien Schule Woltersdorf eine Gefährdung des Rechts auf Bildung der Kinder.

Im Verlaufe einer von Mitgliedern des Trägervereins sehr engagiert betriebenen und von vielen Freunden und Förderern unterstützten Verteidigung konnten diese Vorwürfe widerlegt und die Schulschließung erfolgreich abgewehrt werden:

  • Der Unterricht war jederzeit durch Fachkräfte abgesichert, dafür lagen Unterrichtsgenehmigungen der staatlichen Schulaufsicht vor, auch wenn diese befristet waren. Wir hatten die notwendig gewordene Neubesetzung der Schulleitung für das Schuljahr 2009/10 korrekt und fristgemäß angezeigt. Zugleich wurde eine kommissarische Besetzung für eine Übergangszeit von sechs Monaten angezeigt und der Schulaufsicht die Gründe für die kommissarische Besetzung erläutert. Ein hier möglicherweise zu beanstandender Mangel wurde uns gegenüber nicht kommuniziert, somit konnte er auch nicht behoben werden.
  • Wir wurden auch zu keinem Zeitpunkt von Seiten der Schulaufsicht zur ‚Behebung von Mängeln’ (mit angemessener Fristsetzung) aufgefordert. Bezeichnenderweise befindet sich auch in den Akten des Ministeriums kein einziges Dokument, das eine derartige konkrete Aufforderung belegen könnte. Es wurde vom Ministerium sogar ein genereller Verzicht auf eine Fristsetzung erwogen – um die Schule schneller schließen zu können.
  • Die Beurteilung des Leistungsstands der Kinder beruht auf einer Einschätzung der zuständigen Schulrätin während eines Schulbesuchs, in der diese ca. zwei Stunden anwesend war. Die Schulrätin hat den Morgenkreis sowie die erste Arbeitsphase erlebt, dabei aber weder mit anwesenden Pädagogen oder Schülern gesprochen, sondern lediglich am Rande beobachtet. Es stellt somit eine enorme Leistung der Schulrätin dar, in dieser kurzen Zeit und ohne jede Kommunikation Feststellungen von solcher Tragweite zu treffen. Überdies fanden überhaupt keine Evaluationen seitens des Schulamtes statt.

Letztlich konnte das Ministerium nur durch massiven öffentlichen Druck in den Medien und den rechtlichen Beistand durch RA Martin Sträßer zum Einlenken und der Anerkennung der offensichtlichen Fakten gebracht werden. In der Begründung des Ministeriums zur Rücknahme des Schließungsbescheids heißt es schließlich, daß “die sachliche Entscheidung der Obersten Schulaufsichtsbehörde [vom Juni 2009 zur Schulschließung] nicht aufrechterhalten wird”. Diese Einschätzung wurde vor allem dadurch „befördert“, daß die gesamten Akten des Ministeriums öffentlich gemacht wurden. Es ist uns damit nicht nur gelungen, die Haltlosigkeit der Vorwürfe zu belegen, sondern auch gegenüber der Öffentlichkeit zu dokumentieren, wie willkürlich und auf persönlichen Vorlieben beruhend die staatliche Schulaufsicht in Brandenburg agiert.
Eine ausführliche Dokumentation der Geschehnisse findet sich auf der Website der Schule . Der Kommentar des Woltersdorfer Bürgermeisters Wolfgang Höhne dazu fiel mit “so geht man nicht mit Bürgern um” eindeutig aus. An dieser Stelle nochmals vielen Dank für diese klaren Worte!
Auf der Webseite sind alle unsere Unterstützer aufgeführt, die uns in dieser schweren Zeit die Treue gehalten haben. Ganz besonders bedanken möchten wir uns an dieser Stelle bei H.-W. Graf u.a. für die großzügige finanzielle Unterstützung und bei Wolfgang Stock für die mediale Beratung, das Networking und die Vermittlung politischer Unterstützung. Ebenso haben Christoph Schröderund Detlef Hardorp von der AG Freier Schulen in Brandenburg uns nach eingehender Prüfung des Sachverhalts rückhaltlos unterstützt und finanzielle Unterstützung im Falle eines Rechtsstreits zugesichert – auch hierfür ein herzliches Dankeschön. Die Fülle der per E-mail und auf unserer Website eingegangenen Kommentare und Schreiben haben uns in der schweren Zeit Hoffnung und Kraft zum Durchhalten gegeben – allen Mitgliedern des Anthropos e.V. – Für die Kinder dieser Welt, insbesondere Jürgen Leiste, dafür herzlichen Dank!
Die Freie Schule Woltersdorf ist sicher ein extremes, beileibe aber nicht das einzige Beispiel für die durch das Bürgerengagement zur Verbesserung der Schulangebote ausgelöste Abwehrreaktion des Systems. Repräsentiert durch Schulaufsicht und Schulverwaltung werden Bürgern, die sich für alternative Schul- und Bildungskonzepte engagieren, im besten Falle Steine in Form von bürokratischen, pädagogische Fragen überhaupt nicht berührenden Hindernissen in den Weg gestellt. Im schlimmeren Fall wird dann schon einmal die gesamte Maschinerie staatlicher Macht als Drohkulisse angeworfen. Einen schon fast historischen Akt behördlicher Anmaßung gegenüber Eltern, die eine Alternative für sich und ihre Kinder schaffen wollen, dokumentierte Hartmut von Hentig 1985 in seinem sehr lesenswerten Gutachten zur Freien Schule Frankfurt . Hier mußten Eltern ihr Recht, ihre Kinder nach eigenen Vorstellungen und nicht denen des Staates zu unterrichten, mehrere Jahre vor Gericht durchsetzen –  zu guter Letzt erfolgreich! Hentig fand „den Wunsch der Eltern […] plausibel begründet – insbesondere solange die staatliche Schule ihre eigenen Maßstäbe so wenig erfüllt.” Das staatliche System reagiert jedoch zunehmend heftiger mit Behinderung und Gegenwehr auf Schulgründungen. In einem Bericht der ‚FTD’ vom 3.10.2009 werden die teilweise an Willkür grenzenden Maßnahmen des Staates offengelegt: “Nicht nur in Hamburg, auch in anderen Bundesländern bekommen Gründer von Privatschulen mittlerweile von Behörden kräftig Gegenwind: Verfahren werden verschleppt, finanzielle Bestimmungen verschärft. ‘Die Bedingungen verschlechtern sich’, sagt Barbara Neumann, stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes der Privatschulen (VDP), ‘es wird insgesamt schwieriger, eine freie Schule zu gründen.’”
Immer mehr Bürger spüren, daß die wachsende Nachfrage von Eltern nach Privatschulen vom Staat zunehmend als Bedrohung für das öffentliche Schulsystem angesehen wird; je mehr Privatschulen – umso mehr könnte die staatliche Einflußnahme abnehmen. Den Eltern ist bekannt, daß das deutsche Schulsystem (wohlgemerkt: das als „öffentlich“ titulierte staatliche System) eines der selektivsten der Welt ist: Unser dreigliedriges Schulsystem hat keine primär pädagogische Begründung und Rechtfertigung. Es folgt einer Logik staatlich reglementierter Zuteilung von Lebenschancen und einer Verzweckung von Bildung als Vorbereitung auf gesellschaftliche Einsatzbereiche und bildet eine fast schon militärische Ordnung ab: Hauptschule (= Soldaten, einfache Arbeiter), Realschule (= Unteroffiziere, mittlerer Staatsdienst) und Gymnasium (= Offiziere, höherer Dienst). Wer sich einmal die Mühe macht, die Lehrpläne für die Hauptschule zu studieren, wird sich des Eindrucks nicht erwehren können, daß hier gut funktionierende, nicht zu kritische, aber fleißig arbeitende Konsumenten „gebildet” werden sollen. Wer möchte das schon sein? Instinktiv spüren die Eltern, daß hier etwas falsch läuft. Nach einer Forsa-Umfrage vom Juni 2008 lehnen 91% der Eltern den deutschen Föderalismus im Schulsystem ab; etwa 54% der Eltern würden eine private Schule vorziehen, wenn sie es sich denn leisten könnten. Doch auch ein ausgrenzendes Schulgeld ist nur ein Mythos, wie eine Studie des DIW vom September 2009 belegt: “In Deutschland ist es primär nicht das Einkommen, das entscheidend ist, ob ein Kind eine Privatschule besucht oder nicht, sondern es sind die berufliche Stellung und die Bildung der Eltern.”
Hier wird mit dem Mythos eines zu hohen Schulgeldes als Instrument absichtlicher Ausgrenzung aufgeräumt, wenngleich auch die Bevorteilung bildungsnaher Schichten eine etwas voreilige Schlußfolgerung der Studie ist. Vorteilhafte Effekte für bildungsnahe Schichten erklären sich aus systemischen Rahmenbedingungen, auf die die Privatschulen wenig bis gar keinen Einfluß haben: Es ist der Staat selbst, der durch seine Rahmenbedingungen freie alternative Schulen behindert und damit selektive Prozesse auslöst und eine Aufteilung in weniger attraktive (= staatliche) und attraktive (= private) Schulen befördert! Analysen internationaler Schulvergleiche belegen, daß Schulsysteme, die mehr Schulen in nicht staatlicher Trägerschaft anbieten, bessere Schülerleistungen erzielen. Die Niederlande (etwa 70% Privatschulanteil), Großbritannien (ca. 40%) und andere europäische Staaten sind hier Deutschland weit voraus, das immer noch einem antiquierten, obrigkeitsstaatlichen und zergliederten Schulsystem anhängt, noch dazu in völlig widersinniger „föderaler“ Intransparenz! In Finnland legen die Repräsentanten der Kommune fest, welche Schule vor Ort benötigt und finanziert werden kann. Das wäre als Modell echter öffentlicher Schulen weiterzudenken.
Eine vertikale und horizontale Aufteilung müßte dann pädagogisch begründet werden – nicht organisatorisch und administrativ wie heute – und nach Maßstäben, wie etwa Hentig sie in seinem Essay “Bildung” darstellt für eine Schule, die Bildung ermöglicht und eine Befähigung zum Leben bewirkt.
Konsequenz der Studie sowie weiterer Umfragen dürfte nicht die weitere Benachteiligung des freien Schulwesens sein, sondern dessen konsequenter Ausbau: als öffentliches, nicht-staatliches Schulwesen, in dem Bürger im öffentlichen Raum einer Gemeinde ihre Schule(n) gestalten. Eine wirkliche Alternative können freie Schulen auch dann werden, wenn sie gleichberechtigt an öffentlicher Finanzierung partizipieren können.
Bisher können sie das nicht: Erst nach einer je nach Bundesland (ausser NRW) unterschiedlich langen Wartefrist von drei bis fünf Jahren können freie Schulen an der staatlichen Finanzhilfe partizipieren. Die Finanzhilfe wird jedoch nur anteilig und vom Staat, nicht von der Kommune gewährt. Dies kann durchaus als Versuch einer „Domestizierung” freier Schulen durch den Staat interpretiert werden: Sie werden durch Benachteiligung klein gehalten, das notwendige Schulgeld kann gut zur Stigmatisierung verwendet werden.
Während die Veränderung staatlicher Strukturen ein mühsames – und sehr wahrscheinlich sinnloses – Unterfangen werden dürfte, ist das Engagement von Eltern für Schulen oder mitfühlender Menschen wie beim Anthropos e.V. für die Kinder und deren Eltern ein sehr viel lohnenderes Feld aktiven Handelns. Kurzfristig motiviert der Stolz eines ‚Davids’, sich gegen den staatlichen ‚Goliath’ erfolgreich zur Wehr gesetzt zu haben. Eine dauerhafte Wirkung erreichen jedoch diejenigen, die aktiv für ihre Ideen und Überzeugungen eintreten und trotz auftauchender Schwierigkeiten mutig und konsequent handeln. Langfristig kann nur ein bürgerschaftliches Engagement eine Neudefinition des öffentlichen Sektors bewirken: Dieser ist dann nicht mehr ein staatlicher, sondern ein kommunaler, welcher von Bürgern aktiv mitgestaltet werden kann! Bildung und Schule sind Allgemeingut, kein staatliches Monopol, und können am besten vor Ort und in direkter Bürgerbeteiligung gesichert werden.

Christian Grune, Woltersdorf

http://www.freie-schule-woltersdorf.de/?page_id=280

Hartmut von Hentig (1985): „Wie frei sind freie Schulen?“, Gutachten für ein Verwaltungsgericht. Klett-Cotta, Stuttgart.

Hentig 1985, 21

FTD-Artikel vom 3.10.2009: http://www.ftd.de/bildung/:bildung-viele-gruender-von-privatschulen-scheitern-schon-beim-antrag/50018448.html

http://www.edumeres.net/de/information/home/post/browse/2/article/forsa-studie-bildungssystem-verbesserungswuerdig.html

Henning Lohmann, Katharina Spieß, Christoph Feldhaus (2009): Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 38/2009, S 640-646. http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.339720.de/09-38-1.pdf

Ausführlich dargestellt hier: http://www.relearn.de/?p=381

Im Bildungskonzept des Perspektive e.V. sind weitere Elemente erläutert: http://www.d-perspektive.de/konzepte/bildungskonzept/

Hartmut von Hentig (2008): “Bildung – Ein Essay”, München: Hanser.

15. Dezember 2009

Bildung ist das beste Verhütungsmittel

15. Dezember 2009|Bildungspolitik, Gesellschaft|Kommentare deaktiviert für Bildung ist das beste Verhütungsmittel

Das Kinderkriegen hat seine Natürlichkeit verloren. Je gebildeter Eltern sind, desto weniger zählen Intuition und Instinkt – Plädoyer für eine neue Unbefangenheit

Schon vor über hundert Jahren hat der russische Schriftsteller Leo Tolstoi das moderne Dilemma skizziert, das Deutschland jetzt mit stärkster Wucht getroffen hat: Bildung und Kinderkriegen treten in Konkurrenz zueinander. In der Erzählung „Die Kreutzersonate“ beschreibt der „Alte“ das Leben mit Kindern als „eine Qual“: „Kinder sind eine Plage und weiter nichts.“ Die „Mehrzahl der heutigen Gebildeten“ verhindere „künstlich die Geburt weiterer Kinder… Wozu sollte man auch Bettler aufziehen oder sich selbst der Mittel zum gesellschaftlichen Leben berauben?“ Tolstois These ist knapp, aber eindeutig: „Alle Dummheiten rühren von der Bildung her.“

Das zu lesen ist starker Tobak – ausgerechnet heute, wo Abitur samt Bachelor zur Lebensgrundausstattung zählen und Bildung das Megathema schlechthin geworden ist. Was Tolstoi, ein emsiger Vordenker reformpädagogischer Bestrebungen, beklagte, war der Verlust des Natürlichen, des Instinktiven und der Intuition. Genau das also, was Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann heute bei elterlicher Erziehung vermißt. „Bildung“ habe bewirkt, so Tolstoi, „daß Menschen sich dem Natürlichen nicht mehr natürlich nähern: Erziehungs- und Krankheits-, Kleidungs- und Ernährungsfragen rücken plötzlich in den Vordergrund. Als ob man erst gestern angefangen hätte, Kinder zu gebären. War das Kind aber nicht richtig genährt, nicht richtig gebadet worden oder nicht zur richtigen Zeit und war erkrankt, so erwies es sich, daß wir (die Eltern, Anm. d. Red.) die Schuld daran trugen, daß wir nicht das getan hatten, was nötig war.“

So und genau so ist es – leider – bis auf den heutigen Tag geblieben, nein: auf die Spitze getrieben worden. Regale mit Kinderratgebern quellen über. Kinderpsychologen entdecken ständig neue „krankhafte“ Störungen, die fachmännisch behandelt werden müssen. Die Pharmaindustrie wirft eine Pille nach der anderen auf den Markt, Therapeuten spezialisieren sich auf Bewegungs- und Sprachtherapie, Musik- und Hochbegabtenförderung. Für jedes vermeintliche Talent und jedes vordergründige Defizit haben sie etwas im Angebot, das Eltern den Himmel auf Erden verspricht. Daß die Helfershelfer für dies und das überdies nicht gerade im positiven Sinne inspirierend auf potenzielle Eltern wirken, versteht sich von selbst – genauso wenig wie das permanent intonierte Klagelied fehlender Kinderbetreuung an die Freude erinnert, die das Zusammenleben mit Kindern macht.

Auch das Elterngeld hat die natürliche Unbefangenheit, mit dem man sich des Kinderkriegens annehmen darf und sollte, eher gelähmt als befördert. Wer rechnen kann, der beendet nun erst sein Studium samt Auslandsaufenthalt und macht womöglich noch den Doktortitel. Man wartet mit dem Kindersegen so lange, bis man eine gut dotierte Stelle besetzt. Das kann dauern – oft so lange, bis für die in die Jahre gekommenen „Alpha-Mädchen“ die biologische Uhr abgelaufen ist.

Das Dienstausfallerstattungsgeld ist in dem Fall jedoch sattsam, manch ältere Akademikerin entschließt sich deshalb tatsächlich noch zu dem einen (aber eben oft nur dem einen) Kind. Dümmer steht die Studentin mit Kindern oder die junge „Nur-Hausfrau“ da: Statt zwei Jahre lang bekommen sie jetzt nur noch ein Jahr lang 300 Euro monatlich überwiesen. Die Kürzung der Leistung, von der seitens der Verantwortlichen aber nie die Rede ist, ist deshalb so schlimm, weil sie ein fatales Signal sendet – und das zu einer Zeit im Leben junger Frauen, die fürs Kinderkriegen biologisch optimal ist. Das Signal heißt: Ein Universitätsabschluß und eine gut bezahlte Stelle sind mehr wert, als bloß Kinder in die Welt zu setzen. Bildung (s)toppt Babybauch. Tolstoi sah das voraus.

Aber muß das so sein? Hat es Sinn, langwierige erziehungswissenschaftliche Doktorarbeiten zur „innerfamilialen Lernkultur“ zu verfassen und durch ein Stipendium zu finanzieren, bei denen als Fazit dann herauskommt: Eltern sind nicht nur auf sich selbst gestellt, sondern empfangen auch „Lernimpulse“ durchs Kind? Muß man Gedanken zum Windelwechseln und zu Vereinbarkeitsproblemen in komplizierte wissenschaftliche Diskurse verwandeln und aufs akademische Podest heben? Das katholische Mädchen vom Land sollte genauso Abitur machen und studieren können wie der Beamtensohn in der Stadt. Das war die Ausgangsposition. Inzwischen sind Mädchen auf der Überholspur, aber ihr Hauptinteresse gilt nach wie vor den typischen Frauenthemen. Lehramts- und Medizinstudiengänge sind weiblich geworden, die Geisteswissenschaften waren es immer schon. An gebildeten Frauen mangelt es also längst nicht mehr. Was zur Folge hat, daß die Themen Familie, Kinder, Ernährung und Gesundheit akademisch derart durchgekaut werden, daß anschließend keine Zeit und Lust mehr bleibt, all das auch selbst im eigenen Heim umzusetzen.

Tolstoi hatte recht: Bildung, womit man landläufig ja nur noch die Anhäufung theoretischen Wissens meint, verträgt sich nicht mit den Untiefen familiärer Lebenswirklichkeit. Hauswirtschaftliche Kenntnisse und Fähigkeiten stehen nicht mehr auf dem Stundenplan der Schulen. Auch technisch-handwerkliches Können genießt lange nicht mehr den Stellenwert, den es verdient hätte. Ein Vater sagt zu seinem Sohn, als sie an einem Haus vorbeikommen, das gerade von einem Maler neu getüncht wird: „Wenn du weiter so schlechte Noten in der Schule schreibst, wirst du enden wie der Mann da.“ So weit ist es gekommen mit der Nichtwertschätzung nicht-akademischer Tätigkeiten – zu denen das Elternwerden und –sein in letzter Konsequenz ja auch zählen.

Mann kann ein Leben mit Kind, erst recht mit mehreren Kindern, nicht planen wie einen Bachelor-Abschluß. Es handelt sich nicht um ein „Soft skill“-Modul und auch nicht um ein stundenweises Abschalten vom Berufsalltag, das fortschrittliche Familienforscher gern als „quality time“ verklausulieren. Die Bereitschaft zum Kinderkriegen verlangt eine andere, nämlich gegenteilige innere Haltung als die zur Karriereplanung. Loslassen können, Demut und Hoffnung wären Begriffe, die sich am ehesten damit verbinden. Doch welche Schule lehrt das und welche Akademikerin will, geschweige denn kann das noch, wenn sie jahrelang anders gepolt wurde? Wie lernt man, sich auf etwas zu freuen, von dem man nicht weiß, wie es aussieht, was es mag, was es kostet, was mal aus ihm wird?

Tolstoi stritt nicht umsonst für eine freie Schule à la ‚Summerhill’, für eine Bildung, die nicht nur intellektuelle Inhalte fördert und fordert. Die Nazis machten in Deutschland die ersten reformpädagogischen Bestrebungen jedoch gründlich zunichte. Auf der Nordseeinsel Juist mußte beispielsweise vor 75 Jahren die ‚Schule am Meer’, eines der ersten Reformprojekte, das gegen die „Verkopfung“ des Menschen angehen wollte, schließen, weil die vorwiegend gut betuchten jüdischen Eltern ihre Kinder durch die aufkeimenden Nazi-Parolen bedroht sahen und aus dem Internat abmeldeten. Viele gingen da schon ins Ausland. In der ‚Schule am Meer’ sollte die Jugend wieder den Kontakt „zur gesunden Natur“ finden. Werken, Zeichnen, Musik, Handarbeiten, Laienspiel und Sport spielten eine herausragende Rolle. Die Schule ist später nie wieder eröffnet worden.

Es scheint, als habe sich Deutschland von der ideologischen Gleichschaltung durch die Nazis nie wieder richtig erholt. Einzelne, meist private Schulkonzepte knüpfen zwar an die Reformpädagogik an, das Privatschulwesen hinkt aber Nachbarländern wie Holland oder Dänemark – beide Länder haben deutlich höhere Geburtenziffern – nach wie vor meilenweit hinterher.
Das europaweit einzigartige ‚Homeschooling-Verbot’ reiht sich ein in die unselige Sonderstellung. Meine Freundin Rina hat Deutschland im Sommer verlassen und ist zurück in ihre irische Heimat gezogen. Irland hat in Europa die höchste Geburtenziffer: 16,9 Neugeborene kommen dort auf 1000 Einwohner. Deutschland trägt mit einer Geburtenziffer von 8,3 die rote Laterne. Das Hickhack mit der hiesigen Bildungsbehörde war Rina leid: Ihre vier Kinder wollte die studierte Lehrerin selbst unterrichten, so wie sie es zuvor in Italien und den USA getan hatte. Dort hatte die Familie auch schon gelebt und in Irland selbstverständlich auch. Der Beruf des Familienvaters – ein Flugzeugingenieur – macht häufige Umzüge notwendig. Nicht im Traum habe sie daran gedacht, jemals für ihr Tun, das andere Länder – auch das Familienvorzeigeland Frankreich – wie selbstverständlich respektieren, kriminalisiert zu werden.

Wichtig wäre auch hierzulande endlich mal die Geste: Wir trauen Euch zu, liebe Mütter und Väter, daß ihr es schon richtig machen werdet. Auch ohne staatliche und sonstige Ratgeber! Ein Stipendienvergabestop für erziehungswissenschaftliche Doktorarbeiten könnte nebenbei ein wichtiger Schritt zum Weg aus der Babyflaute sein.

Birgitta vom Lehn
21. Mai 2009

Presseinformation: Nachhilfe ist erfolgreich – Bildungsbarometer bestätigt den Erfolg von Nachhilfe.

21. Mai 2009|Bildungspolitik|0 Comments

Presseinformation

Nachhilfe ist erfolgreich – Bildungsbarometer bestätigt den Erfolg von Nachhilfe.

 

In 90 Prozent der Fälle wird dem Nachhilfeunterricht ein positiver Effekt bescheinigt. Dabei verbessern sich über 90 Prozent der Schüler um ein bis zwei Notenstufen. Dies sind zwei zentrale Ergebnisse des neuesten Bildungsbarometers zur Nachhilfe. Die bundesweite Befragung bestätigt damit zugleich die Ergebnisse einer anderen Studie zur Wirkung von Nachhilfeunterricht.

 

Nachhilfe, so die Aussage von über 1800 Befragten, sei vor allem als punktuelle Unterstützung angebracht, zum Schließen entstandener Wissens­lücken (z. B. nach Krankheit) oder aber zur gezielten Vorbereitung auf Prüfungen und Tests. Nicht ganz so deutlich stimmen die Befragten der Aussage zu, daß die Nachhilfe auf in der Schule selbst begründete Defizite (z.B. schlechte Unterrichtsgestaltung) abziele oder aber der Nach­hilfe eine eher allgemeine „Stützfunktion“ unterstellt werde (z.B. den Spaß am Lernen wieder entdecken, Motivation für Schule wecken, Vorbeugen von Leistungsschwächen).

„Nachhilfeunterricht ist erfolgreich“, zieht Prof. Dr. Reinhold S. Jäger, geschäftsführender Leiter des Zentrums für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, das positive Fazit aus der Befragung und ergänzt: „Nachhilfeunterricht erfüllt – auch durch seine positive Wirkung – eine wichtige Funktion im Bildungssystem. Nachhilfe ist damit ein wichtiges Stützsystem zur Wahrung der Chancengerechtigkeit, wenn Schule die Förderung nicht selbst leisten kann“.

Jäger weist zugleich darauf hin, daß Nachhilfe im Ausland eine weitaus höhere Anerkennung erfährt als in Deutschland. Dabei müsse davon ausgegangen werden, daß es sehr große Unterschiede zwischen einzelnen Anbieterinstitutionen und einzelnen Nachhilfelehrern gebe. „Dies entspricht aber auch der Situation in den Schulen. Es ist daher die Aufgabe der Eltern, die Qualität dort ebenso einzufordern wie in den Schulen. Nur einen Unterschied gibt es: Ein Nachhilfelehrer kann abgewählt werden, eine Lehrkraft in den Schulen nicht! Gerade deshalb muß es das Ziel sein, die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule im gegenseitigen Vertrauen so zu fördern, daß Nachhilfe als Miteinander verstanden wird!“

 

Der aktuelle Newsletter zum Thema kann als kostenloser Download unter der folgenden Adresse bezogen werden:

http://www.vep-landau.de/Bildungsbarometer.htm

 

Kontakt:

Prof. Dr. Reinhold S. Jäger
Geschäftsführender Leiter
zepf – Zentrum für empirische pädagogische Forschung

Universität Koblenz-Landau, Campus Landau
Bürgerstraße 23
D-76829 Landau
Telefon: +49-(0)6341-906-175
Telefax: +49-(0)6341-906-166

E-Mail: jaeger@zepf.uni-landau.de

 

Weitere Informationen:

http://www.zepf.uni-landau.de

http://www.bildungsbarometer.de

20. November 2008

Das Bildungssystem muss die Chancengerechtigkeit wahren – macht es aber nicht!

20. November 2008|Bildungspolitik|0 Comments

Pressemeldung:

Das Bildungssystem muss die Chancengerechtigkeit wahren – macht es aber nicht!

Ergebnisse des Bildungsbarometers zum Thema Chancengerechtigkeit

 

Landau, November 2008.

 

Wo und worin besteht Chancengerechtigkeit und welche Grenzen sind ihr gesetzt, so lautete die Hauptfrage des letzten Bildungsbarometers. Im Durchschnitt besehen kamen bzw. kommen die Befragten in den verschiedensten Phasen ihrer Ausbildung eher gut bis sehr gut mit den Lehrkräften zurecht, allerdings mit fallender Tendenz: Das Zurechtkommen ist in der Grundschule am größten und fällt bis zum Studium ab. Hier wird fast nur noch eine mittlere Ausprägung bescheinigt.

Die erfahrene Gerechtigkeit korrespondiert hierbei sehr stark mit dem Zurechtkommen in der Schule. Und es gilt: Je geringer der Bildungsabschluss, desto größer wird die Diskrepanz zwischen dem Zurechtkommen und der gerechten Behandlung eingeschätzt. Bei Personen unterhalb eines Hochschulabschlusses wird das Zurechtkommen regelmäßig weit höher eingeschätzt als die gerechte Behandlung.

Die befragten Eltern wurden auch um eine Einschätzung der gerechten Behandlung ihrer Kinder gebeten. Das Ergebnis lautet hierbei: Eltern schätzen die Behandlung ihrer Kinder durch Lehrkräfte als gerecht ein. Gleichwohl: Immerhin 13% der Eltern glauben, dass ihr einziges oder erstgenanntes Kind (im Falle von mehr als einem Kind) eher ungerecht bis nicht gerecht behandelt wird.

Und worauf sind solche erlebten Ungerechtigkeiten zurückzuführen? Eltern nennen an erster Stelle die nicht gegebene fachliche Qualifikation mancher Lehrkräfte (34%) und die fehlende angemessene individuelle Unterstützung (23,9%).

Wer aber kompensiert die fehlende Unterstützung, damit Chancengerechtigkeit gewahr wird? Es werden an erster Stelle die Eltern (42%) genannt, an zweiter Stelle einige Lehrkräfte (24,2%), an dritter Stelle Geschwister (9,6%) und an vierter Stelle Nachhilfeangebote (9,6%).

Prof. Dr. Reinhold S. Jäger vom Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, das gemeinsam mit der Schülerhilfe das Bildungsbarometer realisiert, betont hierzu. „Wennm außerschulische Stützungssysteme nicht in dem Maße funktionieren würden, dann wäre es offensichtlich um die Chancengerechtigkeit in unserem Schulsystem schlecht bestellt. Kinder und Jugendliche aus schlecht funktionierenden Familien haben Probleme, weil hier keine Kompensation geleistet wird. Damit benachteiligt das Bildungssystem gerade diese Gruppe.“ Und er ergänzt: „Das Bildungssystem geht an vielen Personen vorbei, weil es ihnen nicht gerecht wird. Damit werden Lebenschancen vertan. Die Grundaufgabe eines demokratischen Staates besteht aber gerade in der Wahrung dieser Chancen. Nur eine veränderte und kompetenzbasierte Ausbildung von Lehrkräften kann hier Abhilfe leisten!“

Am Bildungsbarometer zum Thema Chancengerechtigkeit haben 2142 Personen aus der ganzen Bundesrepublik teilgenommen.

Der aktuelle Newsletter 2008-3 zum Thema Chancengerechtigkeit steht unter folgendem Link zur Verfügung:

 

http://www.vep-landau.de/Bildungsbarometer.htm

 

Kontakt:

Prof. Dr. Reinhold S. Jäger
Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf)
der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau
Bürgerstraße 23
76829 Landau

 

Tel.: 06341-906-175
Fax: 06341-906-166
Email: jaeger@zepf.uni-landau.de
URL: www.zepf.uni-landau.de
www.bildungsbarometer.de
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5. November 2008

Pressemeldung: Bildungsgipfel: Ein Flop!

5. November 2008|Bildungspolitik|0 Comments

 

Pressemeldung:

Bildungsgipfel: Ein Flop!

Ergebnisse der Blitzumfrage des Bildungsbarometers

 

„Als Tiger gestartet und als Bettvorleger geendet“oder aber auch „Der Berg kreißte und gebar eine Maus“ – waren Kommentare zum Bildungsgipfel am 22.10 2008 in Dresden. Wie aber denken die Betroffenen in der Bundesrepublik Deutschland über den Bildungsgipfel? Das Positive ist, daß die Menschen glauben, daß der Bildungsgipfel notwendig war (96%). Das Negative: Nur 8% der Befragten gehen davon aus, daß die Ergebnisse des Bildungsgipfels ein Meilenstein sind.

 

Die Menschen in der Bundesrepublik bewegt das Thema Bildung. Ganz oben steht aber die Forderung nach mehr Geld für die Bildung, gefolgt von Bildung für die Kleinen und gemeinsame Bildungsstandards. Der Bedeutung solcher Themen steht die Wahrscheinlichkeit einer Umsetzung gegenüber. Gemessen an der Bedeutung und der Wahrscheinlichkeit der Umsetzung werden am positivsten beurteilt die Themen „Ausbau der Ganztagsangebote“, ein „Mehr an Betreuungsangeboten für Kleinkinder“ sowie ein „Mehr an Akademikern“.

Der Bildungsgipfel hat konkrete Themen vereinbart, die nachfolgend von einer Arbeitsgruppe angegangen werden sollen. Auch diese Themen waren Gegenstand der Befragung. Die Befragten sollten angeben, ob sie sich etwas Konkretes vorstellen können und ob sie eine Umsetzung des genannten Ziels in naher Zeit für möglich halten.

Ein Zentralabitur, das können sich ca. 81% der Befragten konkret vorstellen, nur ca. 46% gehen davon aus, daß dies in naher Zeit möglich sein wird. Ähnliches zeigt sich bei Sprachtests vor der Einschulung: 82% können sich darunter etwas vorstellen, die Realisierung sehen aber nur 45%. Ähnliches gilt für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren: 73% haben davon eine Vorstellung, nur 20% glauben an eine zeitnahe Umsetzung. Auch hinsichtlich der Weiterbildung zeigen sich ähnliche Diskrepanzen: Unter Erleichterung der Weiterbildung können sich 61% etwas vorstellen, nur 26% glauben an eine Umsetzung in time.

Die Bundeskanzlerin Merkel war mit der Notwendigkeit an die Öffentlichkeit getreten, Bildung zur Chefsache zu machen. Diese Aussage nehmen ihr jetzt nur noch 31% ab. Die Glaubwürdigkeit dieses Bildungsgipfels insgesamt wird kritisch hinterfragt, wenn 66% der Ansicht sind, daß die Ergebnisse des Gipfels als ein Sammelsurium längst beschlossener Maßnahmen angesehen werden.

Drei Stunden Zeit für das wichtigste Thema der Zukunft wird von 94% der Befragten als nicht ausreichend betrachtet, und Resignation unter den Befragten macht sich breit, wenn 82% davon ausgehen, daß sich an den Problemlagen in den Schulen in Deutschland nach dem Gipfel nichts ändert.

„Bund und Länder hätten die gleiche Aufgabe wie bei der konzertierten Aktion zur Lösung der Finanzkrise gehabt. Diese Chance wurde vertan. Noch ist es an der Zeit, Bildung wirklich zur Chefsache zu machen. Wenn aber nicht bald reagiert wird, dann sind die Weichen falsch gestellt: Wir werden die Verwerfung in unserer Gesellschaft auf Grund fehlender Bildung und Qualifizierungen in einer globalisierten Welt deutlich zu spüren bekommen. Der volkswirtschaftliche Schaden – weiß man heute schon – wird immens sein. Das kann sich die Bundesrepublik Deutschland nicht eisten“, so Prof. Dr. Reinhold Jäger, der Verantwortliche des Bildungsbarometers.

An dieser Blitzumfrage haben 2629 Personen teilgenommen, von denen 1538 die online-Befragung vollständig beantwortet haben.

Das Bildungsbarometer wird in Kooperation zwischen dem Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) und der Schülerhilfe (Gelsenkirchen) realisiert.

 

Die bisherigen Ergebnisse des Bildungsbarometers sind nachzulesen unter:

http://www.vep-landau.de/Bildungsbarometer.htm

 

Prof. Dr. Reinhold S. Jäger
Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf)
der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau
Bürgerstraße 23
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Tel.: 06341 – 906 – 175
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27. Oktober 2008

Pressemeldung: Bildung ist politische Chefsache!

27. Oktober 2008|Bildungspolitik|0 Comments

Pressemeldung:

Bildung ist politische Chefsache!

Forderungen anläßlich des Bildungsgipfels

 

Am 22.10.2008 lädt Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Bildungsgipfel nach Dresden ein. Aus diesem Anlaß fordert Bildungsforscher Prof. Dr. Reinhold S. Jäger Bund und Länder auf, die Grenzen der föderalen Strukturen zu überwinden und Bildung zur Chefsache zu machen. Die derzeitigen Bedingungen führten zwar zu durchaus anregenden Konkurrenzen zwischen den Bundesländern, jedoch auch zu erheblichen individuellen Benachteiligungen und verschärften zugleich die Chancenungerechtigkeit.

 

„Bund und Länder haben die gleiche Aufgabe wie bei der konzertierten Aktion zur Lösung der Finanzkrise. Wenn wir heute die Bildung vernachlässigen, werden wir die Erschütterungen in der Gesellschaft sehr bald zu spüren bekommen. Zu wenig an Bildung führt zu einem unübersehbaren volkswirtschaftlichen Schaden und zu Chancenungerechtigkeit. Das kann sich ein demokratischer Staat nicht leisten. Bildung ist deshalb politische Chefsache!“, so der Appell von Bildungswissenschaftler Jäger.

Bei seinen Wünschen und Forderungen stützt sich der Bildungsforscher insbesondere auf die Ergebnisse des Bildungsbarometers (www.bildungsbarometer.de). Er fordert unter anderem:

  • Die Bildungspolitiker müssen ihre Aufgabe ernst nehmen, sie mit Nachdruck und zugleich nachhaltig umsetzen: Bildung in der Bundesrepublik Deutschland wird nach wie vor nur mit der Note vier plus bewertet. Das betrifft sowohl das Bildungsniveau als auch das Bildungswesen insgesamt. Wenn zugleich ca. 51% der Befragten die Schuld für die Bildungsmisere den Bildungspolitikern geben, dann ist es an der Zeit, Bildung auch in den Ländern zur Chefsache zu machen.
  • Eine drastische Erhöhung der Bildungsausgaben von Bund und Ländern: Mehr als 90% der Befragten des Bildungsbarometers stehen hinter dieser Forderung. Diese Mehrausgaben könnten, so die Befragten, aus Einsparungen in der Öffentlichen Verwaltung sowie aus Einsparungen im Wehretat finanziert werden. Die Bevölkerung ist aber auch eher bereit (55% Zustimmung) – etwa in Form eines Bildungssoli –, einen finanziellen Beitrag zu leisten, wenn dieses Geld direkt in die Bildung einfließt.
  • Eine Verstärkung der vorschulischen Bildung: Im Kindergarten werden die wichtigsten Weichen gestellt. Um nachhaltig Veränderungen in diesem Kontext angehen zu können, muß auch bei den Erzieherinnen und Erziehern sowie den pädagogischen Fachkräften eine Professionalisierungsinitiative in Gang kommen. Nur 3% der Befragten gehen davon aus, daß die Förderung ausreichend sei.
  • Das allgemeinbildende Schulwesen darf kein Spielball beliebiger bildungspolitischer Spielwiesen sein: 53% der Befragten sehen in diesem Bildungsbereich den größten Veränderungsbedarf. Die Bevölkerung verspürt die Notwendigkeit für eine echte Förderung. Sie betrifft die guten Schüler ebenso wie diejenigen mit Leistungsdefiziten. Voraussetzung hierzu ist eine Professionalisierung der Lehrkräfte durch eine veränderte Aus- und Fortbildung analog den Standards der Lehrerbildung. 96% der Bevölkerung unterstützt diese Orientierung. Nur unter dieser Perspektive kann davon ausgegangen werden, daß die Benachteiligung von Kindern aus sozial schwächeren Elternhäusern – von ca. 66% der Befragten gefordert – überwunden werden kann. Die Förderung ist der Schlüssel für individuelle und nachhaltige Veränderungen. Keine noch so gut formulierten Etiketten für neue und zugleich nicht erprobte Schulformen können als Ersatz echter Förderungen dienen.
  • Bildung muß sich an der Lebensrealität der Lernenden orientieren: Deshalb fordern 96% der Bevölkerung eine stärkere Praxis- und Lebensnähe von Bildung.
  • Bildung muß nachhaltig sein: Um Nachhaltigkeit beim Lernen und Wissen zu erzeugen, ist nicht nur die Ganztagsschule ein probates Mittel, damit Lernen und Entspannen gut aufeinander abgestimmt werden, sondern auch ein an modernen didaktischen und lernpsychologisch fundierten Methoden orientierter Unterricht.

„Alle Berufe im weiten Feld der Bildung gehören zu den wichtigsten Berufen in der Bundesrepublik Deutschland. Sie tragen dazu bei, daß junge Menschen in Kooperation mit dem Elternhaus geformt und mit dem notwendigen Wissen sowie den erforderlichen Kompetenzen ausgestattet werden. Nur unter diesen Voraussetzungen werden sie den Anforderungen einer globalisierten Welt Stand halten. Bund und Länder müssen alles dafür unternehmen, daß diese Berufe die notwendige Professionalisierung erfahren. Ich erwarte daher, daß die Verantwortlichen beim Bildungsgipfel die entsprechenden Voraussetzungen dafür schaffen“,erklärt Jäger sein Anliegen.

 

Die bisherigen Ergebnisse des Bildungsbarometers sind nachzulesen unter:

http://www.vep-landau.de/Bildungsbarometer.htm

 

Prof. Dr. Reinhold S. Jäger
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29. August 2008

Behörde contra Wirtschaft

29. August 2008|Bildungspolitik|0 Comments

Einleitender Kommentar von Hans-Wolff Graf:

Deutscher Bildungsmoloch

 

In kaum einem Bereich unserer Politik zeigt sich der hoheitsrechtliche Herrschaftsanspruch so massiv wie im Bildungswesen, also bei der Frage, wer darf welche Teilbereiche der Bildung in Konkurrenz zum Staat (und seinen öffentlich-(un)rechtlichen Ablegern) anbieten.

In keinem Bereich wirkt sich das “wilhelminisch” verstaubte Denken wirtschaftsferner Platzhalter eines absolut beratungsresistenten und einsichtsunfähigen Systems so verheerend auf die Zukunftschancen von Kindern, Jugendlichen und später berufstätigen Menschen aus, die damit ihrer eigenen Chancen in erheblichem Maße beraubt werden, aber auch – und daran denken unsere Systemheloten noch weniger – die primäre (familiäre) Basis für die nächste Generation legen; Eltern, die die ‘Aufnahme von Bildung, Schule, ‘das Lernen’ als etwas Qualvolles, als pseudo-pädagogischen Hürden- oder Spießrutenlauf empfinden, überfrachtet mit vorgestrigen Paukeinheiten statt mit lebensnahen, zukunftsweisenden und interesseweckenden Inhalten angereichert, werden sich dem Thema Bildung künftig weitestgehend verweigern, sobald sie ihren Abschluß erkämpft/erlitten haben und offiziell als “ausgebildet” (ein verräterisches Wort, das es so nur im Deutschen gibt!) gelten dürfen.

Wer einmal miterlebt hat, wie unglaublich hoch, ja geradezu bösartig-willkürlich schon die Hürden für einen privaten Kindergarten geschraubt wurden, wie unendlich mühselig, zeit- und kostenaufwendig die Errichtung einer privaten Grund-/Hauptschule oder gar eines Gymnasiums oder einer nicht-staatlichen (nicht-konfessionellen!) Universität ist, kann nur noch staunen oder verzweifeln – vor allem, wenn er die Verhältnisse in allen anderen Industrienationen kennt.

Hier behindern – dem völlig wert- und inhaltslosen Geplapper unserer Politiker zum Hohn – Bürokraten, die nicht den mindesten Horizont eines Pädagogen haben, in ihrer panischen Paranoia (Machtverlust)”jeden Ansatz einer Alternative, der diesem Land einen realen Ausweg aus der jammervollen Bildungsmisere, in der sich Deutschland bereits seit Jahrzehnten befindet, schenken könnte.

Auch wenn Sie keine Kinder haben und heilfroh sind, die freudlose Zeit der Schule längst hinter sich zu haben – es geht um unsere Jugend, die Qualität der Bildung als Basis der Zukunftschancen dieses Landes.

Die vielbedauerte Entwicklung eines ständig wachsenden Prekariats ist das sichtbare Ergebnis unserer Schul- und Bildungspolitik – der schreiende Beweis der völligen Inkompetenz unserer Schul- und “Bildungs”politiker!

Bildung ist viel zu wichtig, als daß man sie Sesselpupern, inkompetenten Politikern und arroganten Systemvasallen überlassen darf!

 

Lesen Sie im folgenden den Erfahrungsbericht eines seit 20 Jahren für wirkliche Alternativen kämpfenden Querdenkers!

H.-W. Graf

Behörde contra Wirtschaft

 

In diesem Jahr hatten 22 Bildungs-Unternehmen ihre Anträge auf eine gewerberechtliche Erlaubnis bei der zuständigen Behörde eingereicht, um pünktlich im Herbst ihren Geschäftsbetrieb aufnehmen zu dürfen. Die ersten gaben ihre Anträge bereits im Herbst 2007 ab. Jeder Betrieb will mit 5 bis 10 akademischen Mitarbeitern starten und sich binnen 7 bis 8 Jahren auf 20 bis 35 Mitarbeiter vergrößern. Der Jahresumsatz wird bereits im 3. Geschäftsjahr bei umgerechnet ca. 200.000 Euro liegen. Die Geschäftsperspektiven können langfristig als hervorragend bezeichnet werden. Die Kunden sind sogar bereit, überdurchschnittliche Preise, d.h. als Stammkunden jährlich 2.000 bis 3.000 Euro mehr als bei anderen Wettbewerbsunternehmen zu zahlen. Ein weiterer Vorteil dieser Unternehmen ist, daß sie zum Teil in strukturschwachen Regionen ihren Betrieb eröffnen möchten und damit in besonderer Weise zur Standortsicherung beitragen und der Landflucht entgegenwirken können.

Das Problem ist jedoch, daß auch nach einem ¾ Jahr (Stand Juli 2008) kein einziger Antrag von der zuständigen Behörde positiv beschieden wurde, obwohl alle Betriebe zumindest mehrere Wochen Vorlaufzeit benötigen, um Personal einstellen, Werbung betreiben und die Geschäftsräume einrichten zu können. Dies interessiert jedoch die zuständige Behörde bitter wenig.

Vielmehr denkt sich die zuständige Behörde ständig neue Hürden aus, die von den Betrieben erfüllt werden müssen. Ein Unternehmen hatte bereits vor drei Jahren einen Antrag gestellt, der seinerzeit auch positiv beschieden wurde. Doch aus irgendwelchen Gründen konnte der Betrieb seinerzeit nicht aufgenommen werden und die Genehmigung verfiel. Der identische und neuerlich eingereichte Antrag wird nunmehr von der Behörde abgelehnt und mit weiteren Hürden belegt, obwohl es zwischenzeitlich gar keine gesetzlichen Änderungen gegeben hat.

In einem anderen Fall beklagt die Behörde, permanent überlastet zu sein und fragt beim Antragsteller an, ob die Betriebsaufnahme nicht in das Jahr 2009 verschoben werden könne, damit die Behörde mehr Zeit für das Genehmigungsverfahren habe. Außerdem sei der Gutachter krank und könne erst in einigen Monaten ein Gutachten erstellen. Auf die Frage, ob dies heißen solle, daß mit einer rechtzeitigen Genehmigung in diesem Jahr dann nicht mehr zu rechnen sei, wird der Antragssteller angepöbelt, was ihm überhaupt einfiele, Kritik an der Arbeit der Behörde zu üben. Immerhin könne der Antrag jetzt sofort abgelehnt werden. Dann wäre der Fall vom Tisch.

In einem anderen Fall wird der Antragsteller aufgefordert, das künftige Personal namentlich mit allen Qualifikationen nachzuweisen. Die Behörde gibt deren interne Personaldaten sogleich und ohne ausdrückliche Erlaubnis der Betroffenen an ihre derzeitigen Arbeitgeber weiter und fragt dort an, ob bekannt sei, daß deren Mitarbeiter sich beruflich verändern wollen und ob sie überhaupt zur Verfügung stehen würden. Prompt werden die Mitarbeiter zu ihrer Noch-Geschäftsführung zitiert und mit peinlichen Fragen konfrontiert, weshalb sie sich denn anderweitig bewerben.

Ein anderer Antragsteller muß nachweisen, in welchen Räumlichkeiten er sein Gewerbe betreiben möchte. Die Behörde prüft daraufhin, ob der Vermieter — es ist die Stadt, in der dieser Betrieb eröffnet werden soll — solche Räumlichkeiten überhaupt an private Unternehmen vermieten darf. Ohne eine solche Prüfung wird die Betriebsgenehmigung konsequent abgelehnt.

Und dann war da noch der Fall, daß ein Antragssteller gewarnt wurde, auf politischem Wege zu versuchen, die überlange Bearbeitungszeit zu beschleunigen — das würde nur zur Konsequenz haben, daß der Antrag noch länger liegen bleibt.

Nun hat das Unternehmen bereits feste Kunden für Herbst 2008 und muß langsam anfangen, das Geschäft vorzubereiten. Doch auch nach acht Monaten vergeblicher Wartezeit verbietet die Behörde jegliche Aktivität: Es dürfen keine Mitarbeiter eingestellt werden, keine Werbung betrieben und auch keine Verträge mit Kunden geschlossen werden.

Und selbst wenn die Genehmigung noch rechtzeitig zum Herbst 2008 erteilt werden sollte, behält sich die Behörde vor, daß das Unternehmen für die staatlichen Aufträge volle drei Jahre lang keine Rechnungen stellen darf. Die Behörde ist erst nach drei Jahren vorbildlicher Arbeit ohne Bezahlung bereit, weitere Aufträge zu bezahlen. Aber auch diese Bezahlung wird noch konsequent gekürzt: Weil die Behörde eigene Unternehmen betreibt, die sie vollständig finanziert, erhalten die privaten Betriebe nur einen Bruchteil der Zuwendungen für exakt die gleichen Aufträge und müssen zudem noch unter erschwerten Genehmigungsbedingungen arbeiten. Auf diese Weise spart die Behörde tatsächlich hohe Millionenbeträge pro Jahr ein und verwendet diese Gelder zurSicherung ihrer eigenen maroden Betriebe.

Ohnehin gestaltet sich das Genehmigungsverfahren äußerst kompliziert: Es gibt keine Formanträge, wie sie z.B. in deutschen Gewerbeämtern üblich sind, nach denen sich die Antragsteller richten können. Auch werden keine Fragen hinsichtlich der richtigen Ausführung des Antrages beantwortet. Bemerkt die Behörde, daß der Antragssteller einfach einen Antrag eines früheren Bewerbers übernommen hat, moniert sie dies wegen fehlender Kreativität, obwohl dieser Umstand ganz und gar nichts mit dem künftigen Gewerbe zu tun hat. So bleibt dem Antragsteller nur die Hoffnung, daß die Behörde seinen Antrag wohlwollend behandelt und damit auch irgendwann einmal fertig werden könnte.

Besonders mißgelaunt reagiert die Behörde, wenn ein Betrieb in einer strukturschwachen Region tätig werden möchte. Sogar der zuständige Minister kritisiert solche Unternehmen öffentlich. Dabei kann deren Tätigkeit eigentlich als höchst ehrenwert, sozial und ausdrücklich zukunftsorientiert bezeichnet werden. Es wird auch keine Umweltverschmutzung verursacht, weder Kriegswaffen noch Atomenergie oder ähnliche unerwünschten Leistungen erbracht. Im Gegenteil: Die Bürger des Landes wollen die Leistungen dieser Unternehmen und fordern öffentlich mehr und neue solcher Betriebe – nur die Behörde blockt, wo sie nur kann.

In unserem besagten Lande haben in den letzten Jahrzehnten deshalb auch nur 69 Unternehmen eine entsprechende Genehmigung erhalten, obwohl der Bedarf problemlos bei 500 Unternehmen liegen dürfte. Und diese Betriebe arbeiten derart zuverlässig, daß in den letzten Jahren lediglich zwei Unternehmen die Zulassung aufgrund von tatsächlichen Unregelmäßigkeiten wieder entzogen wurde. Alle anderen Unternehmen werden erfolgreich betrieben. Der Jahresumsatz beläuft sich pro Unternehmen umgerechnet auf zwischen 300.000 und 5 Mio. Euro – Tendenz kontinuierlich steigend. Allein in der größten Stadt des Landes sind 12 solcher Unternehmen tätig, deren Marktanteil zusammen bei fast 30 % liegt. Trotzdem müssen Kunden mit Wartezeiten von 3 bis 4 Jahren rechnen. Eigentlich böte der Markt allein in dieser Stadt noch Potential für weitere 10 Unternehmen mit weiteren 100 bis 200 krisensicheren akademischen Arbeitsplätzen. Trotzdem werden Neugründungen behindert, schikaniert, öffentlich denunziert und sogar deren Schließung und Verbot gefordert.

Zu allem Überfluß erspart jede Neugründung der Behörde allein in den ersten drei Jahren bis zu 300.000 Euro – Geld, das die Unternehmen nicht erhalten, trotzdem aber ihre Kunden voll und ganz beliefern müssen. Auf diese Weise wird die Behörde für alle 22 Unternehmen allein im Jahr 2009 über 2 Mio. Euro, 2010 ca. 3 Mio. Euro und 2011 sogar 4 Mio. Euro einsparen.

Die willkürliche und vorsätzliche Behinderung durch die Behörde ist so offenkundig, daß jeder Marktteilnehmer dies sofort bestätigen kann. Auch die betroffenen Kunden wissen dies. Viele Bürgermeister im Lande und sogar die meisten Politiker des Landes wissen es, dulden es und ändern nichts. So gilt es als offenes Geheimnis, daß die Behörde alles unternimmt, um private Betriebe zu be- und verhindern, und jedes betroffene Unternehmen Angst hat, sich öffentlich zu äußern, um nicht Repressalien der zuständigen Behörde ausgesetzt zu werden.

Andere Staaten z.B. im freien Europa haben sich demgegenüber vollkommen anders entwickelt. Einige Länder sind sogar schon so weit gegangen, daß sie ihre vergleichbaren Behörden fast vollständig abgeschafft haben, weil man feststellen mußte, daß erst eine solche staatliche Regulierung die Probleme schafft, die man in Wahrheit beseitigen will. Im freien Europa werden solche Unternehmen zügig genehmigt. Sie erhalten die gleichen fairen Preise wie ihre staatlichen Nachbarbetriebe, und alle Bürger können frei wählen, von welchem Betrieb – staatlich oder privat – sie gerne beliefert werden möchten.

Appell für eine freie Welt

Wenn Sie, verehrter Leser, jetzt glauben sollten, daß sich diese Geschichte in irgendeinem diktatorischen Dritte-Welt-Land abspielt, so muß ich Sie bitter enttäuschen. Im Gegenteil: Dieses Land behauptet von sich selbst, sehr demokratisch, frei, sozial und marktwirtschaftlich zu sein und das Wohl seiner Bürger über alles zu stellen. Ja, es geißelt sogar regelmäßig andere Länder, in denen es keine Gewerbefreiheit oder Marktwirtschaft für seine Bürger gibt und prangert solche Staaten öffentlich an, in denen Behördenwillkür an der Tagesordnung ist.

Doch letztendlich könnte sich diese Geschichte in jedem deutschen Bundesland so abgespielt haben, es stammt jedoch konkret aus dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, das eigentlich solche unternehmerischen Initiativen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze besonders dringend nötig hätte. Das ganz Schauspiel ist real, findet tatsächlich im Jahre 2008 statt und schildert die mühevollen Anstrengungen von Unternehmen, die lediglich eine private Schule für die Kinder ihrer Stadt eröffnen wollen, weil der Staat seine Schulen schließt und den Bürgern ihre Schule im Ort wegnimmt. Die Großstadt heißt Rostock, wo die Eltern – wie an allen anderen Orten auch – schon längst mit den Füßen abstimmen. Sie zahlen freiwillig Schulgeld, obwohl dies eigentlich nicht notwendig wäre, wenn der Staat alle Kinder gleich behandeln und Privatschüler nicht durch weniger Zuwendungen diskriminieren würde. Dann müßte auch keine Familie Schulgeld zahlen. So aber zwingt der Staat die armen Familien, ihre Kinder auf eine staatliche Schule zu schicken; private Schulen sind nach dem Willen des Ministeriums mit einem „Strafgeld“, kurz Schulgeld genannt, belegt, welches die Bürger zahlen müssen, wenn sie sich dem Diktat der staatlichen Belieferung von Schule nicht unterordnen wollen.

Auf diese Weise sind alle Beteiligten frustriert: Bürger, Eltern, die private Wirtschaft, ja sogar die Lehrer an den staatlichen Schulen, die allesamt auf Teilzeitarbeit gesetzt wurden und deshalb zum Teil ihre Familien nicht mehr ernähren können. Und das alles nur, weil die zuständige Behörde mit aller Macht ihre Kontrolle behalten will. Man lobt sich selbst, daß man vom PISA-Gewinner Finnland lernen will, verheimlicht aber, daß gerade die nordischen Staaten deshalb so erfolgreich sind, weil sie ihre Bildungsministerien fast vollständig abgeschafft haben. Es gibt zentrale Prüfungen, aber niemand käme dort noch auf die Idee, jede Unterrichtsstunde und jeden Lehrer doppelt und dreifach zu bewachen: Entweder prüft man das Ergebnis oder den Weg. Beides zu kontrollieren ist unsinnig, aber tägliche Realität in Deutschland. In den Niederlanden sind 70 % aller Schulen privat, in Dänemark darf jedermann eine private Schule eröffnen, wenn er knapp 50 Schüler nachweist, weshalb die Privatschulquote mittlerweile in Richtung 50 % geht. Keine Familie zahlt dort Schulgeld, sondern kann ihren Bildungsgutschein bei jeder Schule ihrer Wahl einlösen. Und bezeichnend ist: Staatliche wie private Schulen werden durch den Wettbewerb besser. Hierzulande wird die Entstehung von Wettbewerb behindert.

Hätten wir in Deutschland eine solche Lösung, hätten wir zugleich den Vorteil, daß unsere Kinder, die zu gut 95 % später in der freien Wirtschaft ihrem Broterwerb nachgehen, nicht mehr allein von wirtschaftsfernen Staatsdienern, sondern von Angestellten ausgebildet werden, die die Marktwirtschaft bereits aus ihrem eigenen Berufsleben kennen und somit auch aus eigener Erfahrung berichten können. Man darf sogar sagen: Auf diese Weise könnten wir die momentane Tendenz, daß junge Menschen der Freiheit und der Marktwirtschaft eher negativ gegenüberstehen, umkehren und in konstruktivere und realitätsnähere Bahnen lenken.

Eine unerhörte Vision? Keineswegs, wenn man alle Schulen wirklich verselbständigen und in eine eigene Gesellschaftsform – wie z.B. eine gemeinnützige GmbH – übertragen würde, gleich, ob der Träger staatlich, öffentlich, kommunal oder privat ist. Die öffentlichen Schulen könnten problemlos weiterhin ihren staatlichen Träger behalten oder in kommunale Verantwortung überführt werden oder an einen privaten Träger zur Fortführung des Betriebes. Und da die Lehrer in MV glücklicherweise nicht verbeamtet sind, ließe sich auch die Personalfrage einfacher lösen. Man bräuchte auch keine „Feigenblätter“, wie z.B. die „selbständige Schule“, die in Wahrheit doch nur eine staatlich gelenkte Fortführung der Planwirtschaft ist, weil wirkliche Freiheit in Sachen Personal, Finanzen oder inhaltlicher Gestaltung ja ohnehin nicht erlaubt wird. Mit Hilfe einer gesellschaftsrechtlichen Verselbständigung könnte man alle Schulunternehmungen (allein mit diesem Begriff könnte man die Jugend wieder an Marktwirtschaft heranführen) gleich behandeln und ein wirklich freies, modernes, soziales und der Marktwirtschaft zugewandtes Bildungssystem errichten, auf das wir in Deutschland wahrhaft stolz sein können, weil alle Lehrer mehr Freiheit bekommen und ihre eigene Kreativität zum Wohle unserer Jugend einsetzen können.

Hinderungsgründe? Es gibt keine wirklichen. Widersacher, werden lediglich behaupten, daß der Staat – anders als in anderen europäischen Staaten – eine ‚Pflicht zur Sicherstellung einer Schulbildung’ habe, doch verheimlichen diese Widersacher, daß nirgendwo geschrieben steht, daß der Staat die Schulen auch selbst zu betreiben hat. Andere Nationen haben sich auch eine solche Pflicht auferlegt und lassen trotzdem oder gerade deshalb private Schulen zu.

Es hätte nur einen wirklich gravierenden Nachteil: Das Bildungsministerium samt Schulämtern und allen anderen staatlichen Einrichtungen, die die Schulen dirigieren, hätten einen dramatischen Personalüberhang zu kompensieren, der schlichtweg überflüssig geworden ist.

Wohl dem Politiker, der sich wirklich traut, für ein Bildungssystem einzutreten, das in erster Linie für die Bürger und nicht für die Kontrolleure da ist.

Peter L. Pedersen
1. Mai 2008

Wider jede Vernunft, aber systeminhärent

1. Mai 2008|Bildungspolitik|0 Comments

Wider jede Vernunft, aber systeminhärent

 

Das Folgende gilt für sämtliche Schultypen, incl. Universitäten/(Fach-) Hochschulen, und national wie international – ausnahmslos und in sämtlichen Studien einhellig belegt!

 

Auch in der Bildung geht es den Politikern nur um Kontrolle und Macht, mag dies auch Millionen von jungen Menschen wertvolle Zukunftschancen und den Staat, i.e. uns Steuerzahler, völlig sinnlos verschwendete Milliarden kosten.

Längst bewiesen (und auch den dümmsten/desinteressiertesten Politikern bewußt) ist, daß

  • private Schulen kostengünstiger arbeiten – trotz halb so großer Klassenstärken;
  • private Schulen pädagogisch bedeutend intelligenter und unter humaneren/kindgerechteren Bedingungen unterrichten;
  • der “Gewaltquotient” an Privatschulen ungleich niedriger liegt als an staatlichen;
  • Privatschulen bei den PISA-Studien regelmäßig deutlich besser abschnitten;
  • das Engagement der Lehrkräfte an Privatschulen erheblich über dem der staatlichen Lehrkörper liegt;
  • der soziale Zusammenhalt und das “Betriebsklima” in Privatschulen erheblich besser ist;
  • die Kommunikation von Lehrern, Schülern und Elternschaft in Privatschulen deutlich höher liegt und
  • die Lerninhalte privater Schulen wesentlich zukunftstauglicher sind als an staatlichen Paukinstituten.

Kein Wunder, die Motivation aller Beteiligten ist eine völlig andere, wohingegen Eltern, Lehrkörper und Schülerschaft an öffentlich-(un)rechtlichen Wissensvermittlungszentralen sehr häufig in einem wenig dienlichen Gegeneinander stehen, was sich u. a. in steigenden ‚burn-out’-Zahlen bei Lehrern äußert.

Nun haben auch die jüngsten Studien zur Rentabilität privater und staatlicher Schulen eindeutig belegt, daß erstere zwischen 15% und mehr als 35% günstiger wirtschaften, der Staat also – unabhängig von o.g. Vorteilen – Milliarden sparen könnte. Nichtsdestoweniger beharren die Etatisten und Systemwahrer auf der öffentlich-(un)rechtlichen Bildungshoheit.
Lieber schließen Kommunen und Bildungsbehörden in verwaisenden Regionen Schulen (und Kindergärten) und setzen Schüler und Lehrer längeren Schulwegen aus, als daß die Inhumanität und ökonomische Widersinnigkeit des bundesdeutschen “Bildungs”wesens infragegestellt wird.
Lieber wird inkaufgenommen, daß bessergestellte Eltern ihre Sprößling ins Ausland oder auf Internate schicken. Auch die ehemalige bayerische “Bildungs”ministerin Hohlmeier, Tochter des früheren Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß, wußte sehr wohl, warum sie ihre Kinder lieber privat unterrichten ließ. Speziell in Bayern ist es schier unmöglich, private Schulen aufzubauen (von weiterführenden Schulen und Universitäten ganz zu schweigen), aber auch in bildungstechnischen Notstandsgebieten im Norden der Republik wird privates Engagement mit allen Mitteln politisch be- und verhindert.

Wir durften diese Erfahrung sowohl mit der ‚pAS – private Akademie für die Selbständigkeit’, als Berater mehrerer Gründungsversuche von Privatschulen sowie beim Aufbau der ersten privaten Universität (‚Hanse-Uni’ in Rostock) machen. Den gleichen “Geist” politisch paranoider Systemwahrung atme(te)n traditionell sämtliche Bildungs”reformen” – das erinnert fatal an die Problemfelder Gesundheit, Steuern, Mittelstand, die Unternehmensbesteuerung und das mittelalterliche Zwangs-Kammerwesen hierzulande, aber auch das Meisterstück politischen Schwachsinns, die Rechtschreib”reform”.

Aus der jüngsten Studie:

Indem die öffentliche Hand für Schulen in freier Trägerschaft weniger aufwendet als für öffentliche Schulen, spart sie rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Die Freien Schulen erhielten 2005 im Durchschnitt 3.646 Euro Finanzhilfe pro Schüler und Jahr, wohingegen sich die Schülerkosten an staatlichen Schulen auf durchschnittlich 6.622 Euro beliefen (siehe auch die Studie von Helmut E. Klein: “Privatschulen in Deutschland, Regulierung – Finanzierung – Wettbewerb”, IW-Analysen Nr. 25, Köln 2007). So vor einem Jahr dargestellt von Dr. Benediktus Hardorp vom Institut für Bildungsökonomie des Bundes der Freien Waldorfschulen

(www.bildungsoekonomie-waldorf.de/pdfs/aktuelles/Presse_M_07.pdf)

“In Deutschland gebe es ein gutes Angebot an staatlichen Schulen – der Steuerbonus für Privatschüler wolle dem Ministerium nicht einleuchten”. Es ist schon kurios, wie wenig fiskalisch die Spitze des Bundesfinanzministerium denkt. Denn dieses “Angebot an staatlichen Schulen” kostet den Steuerzahler Geld – sehr viel Geld. Diese Kosten sind aber proportional zu der Anzahl der Schüler, die das staatliche Schulsystem nutzen. Weniger Schüler im staatlichen Schulsystem bedeuten weniger Kosten. Somit kann der Staat volkswirtschaftlich am besten Kosten sparen, indem Schüler im Ausland zur Schule gehen. Denn dann fallen diese Kosten für die mit Steuergeldern gefüllte Staatskasse gar nicht an. Besuchen Schüler Schulen in freier Trägerschaft innerhalb Deutschlands, gilt dasselbe, wenn die Schulen noch keine Finanzhilfe erhalten (meistens drei Jahre lang nach ihrer Gründung). Danach ersparen diese Schüler dem Staat immer noch Milliarden, weil freie Schulen in Deutschland weit unter dem Standard von staatlichen Schulen bezuschußt werden. Ist man also nicht ideologisch so blind, um den allergrößten Kostenfaktor, nämlich das staatliche Schulwesen, einfach auszublenden, würde man im Finanzministerium darauf kommen müssen, Eltern mehr steuerliche Anreize zu geben, ihr Kind auf Schulen im Ausland bzw. auf Schulen in freier Trägerschaft zu schicken, um unterm Strich Kosten zu senken. Das wäre einleuchtend. Daß man an der Spitze des Bundesfinanzministeriums genau in die gegenteilige Richtung denkt und damit volkswirtschaftliche Realitäten entweder nicht kennt oder ausblendet, zeugt von einer erschreckenden fiskalischen Inkompetenz.

(www.waldorf.net/html/aktuell/schulgeld_absetzen.htm)

Getrieben von der panischen Angst, Kontrolle und Macht (incl. lukrative Posten) zu verlieren und jenseits jeglichen Verantwortungsbewußtseins gegenüber den Menschen ihres Herrschaftsbereichs weigern sich derzeit die Machtinhaber Birmas, die aus aller Welt angebotene Hilfe von kompetenten Fachleuten, Spendern und Katastrophenhelfern zu- und ins Land zu lassen. Der (zugegebenermaßen weniger spektakulären, aber zuhauf vorhandenen) Katastrophen im eigenen Lande sind wir uns aber gar nicht bewußt. Und hier reagieren unsere Machthaber nicht weniger korrupt und schamlos: Kontroll- und möglicher Gesichtsverlust, politische Behördenkungelei, ein bedenklich schwach entwickeltes Verantwortungsbewußtsein sowie die (berechtigte) Angst vor der öffentlichen Entlarvung ihrer fachlichen Inkompetenz und ein pathologisches Verständnis von Stolz auf die eigene Arbeit bilden für unsere – nicht aufgrund fachlicher Qualifikation gewählten, sondern parteiintern ausgeklüngelten – Bildungspolitiker unüberwindliche Hürden, zulasten unserer Jugend und deren Zukunftskompetenzen (und -chancen), des Steuerzahlers und des menschlichen Klimas in diesem herrlichen Land.

“Bildung, also die intelligente Entwicklung und Nutzung geistiger Ressourcen, ist viel zu wichtig, als daß man sie Politikern überlassen dürfte, denen es ja zumeist gerade daran fehlt!”

J.-L. Earl, Aphoristiker, *1950

Klicken Sie doch mal rein: www.d-perspektive.de/konzepte/bildungskonzept/ (‚Grundzüge eines modernen Bildungskonzeptes’)

H.-W. Graf