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7. September 2013

Syrien ist gleich nebenan!

7. September 2013|Außenpolitik|Kommentare deaktiviert für Syrien ist gleich nebenan!

Ohne Ihnen das Wochenende vergällen zu wollen: Die Gefahr eines aus den Fugen geratenden Krieges (3. Weltkriegs) ist nur vergleichbar mit der Kuba-Krise im Oktober 1962, denn hier verquicken sich globale Machtansprüche, selbstherrliche Weltbeglückungsmanien, wirtschaftliche, militärische und religiöse Motive zu einer unheilvollen Melange.
Weder Rußland noch China können (und werden) einem Angriff/Einschreiten der USA schweigend und untätig zusehen – beide Länder sind nahtlos umzingelt von US-Basen; Syrien ist Rußlands letzte Bastion am Mittelmeer.
Auch ein ‘begrenzter Militärschlag’ (ohne Einsatz von Bodentruppen) vonseiten der USA, eine Art Strafaktion für den Einsatz von Giftgas (wer hat damit mehr Erfahrung seit 1945 als die USA?!) dürfte nur als Entrée zu wesentlich mehr sein, denn weder werden die Assad-Getreuen, noch (in der Folge) die Rebellen ein Bombardement ängstlich und einsichtig-reumütig hinnehmen. Vielmehr könnte (und wird) dann der “Tanz” erst richtig losgehen, den dann nicht nur die noch in Syrien verbliebene Bevölkerung von 21 Millionen (2,2 Mio Syrer sind in die Nachbarländer geflüchtet; die Hälfte davon in den Libanon, ein Land von 4 Millionen Einwohnern!) gewärtigt, sondern der auch in die fünf Nachbarländer (sowohl die Türkei als auch Israel sind auch noch Nato-Mitglieder!), überschwappen wird. Spätestens dann werden auch der US-Kongreß sowie die Briten einer Ausweitung des Krieges zustimmen – egal, wie kriegswillig US-Amerikaner und Briten sind. Und dann können sich auch die übrigen Nato-Mitglieder einem “Schulterschluß” mit den USA nicht länger verweigern – Australien, Kanada und Frankreich sind ja bereits “im Boot” Washingtons.

Wenn Sie sich nicht nur auf die gefilterten Medienberichte verlassen wollen: Hier sind einige wichtige Hintergrundinformationen:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

H.-W. Graf

5. September 2013

Es spitzt sich zu

5. September 2013|Außenpolitik|Kommentare deaktiviert für Es spitzt sich zu

Die generell und seit Monaten dröge vor sich hin plätschernde allgemeine Lage gewinnt nun doch zunehmend an Spannung.
Nein, ich spreche nicht vom bundesdeutschen Wahlk(r)ampf – hier hat die Langeweile schon ein pathologisches Niveau –, sondern vom politischen Umfeld und der Zuspitzung des Syrien-Konfliktes, der seine Schatten wirft. Immerhin sind Assad und sein Regime die letzte verbliebene militärtechnische Bastion Rußlands am Mittelmeer, und auch russischen Zeitungen ist zu entnehmen, daß Putin massiv gegen einen Militärschlag des „Westens“ aufrüsten wird, u.a. durch ein Corps, bestehend aus russischen und ukrainischen Freiwilligen; von bis zu einem Dutzend Schiffen aller Größe und drei Divisionen (insg. 50.000 Soldaten) ist die Rede.

image001Die Briten hingegen haben dem Friedensnobelpreisträger Obama bereits abgesagt – das Volk ist mehrheitlich (95%) dagegen. Öffentliche Meinungsbilder interessieren jedoch die US-Führung nicht im mindesten; nur 10% der US-Bürger stimmen ihrem Häuptling zu. Doch Außenpolitik ist Sache des White House. Soweit zum Status der Demokratie in den USA. Jetzt müßte die US-Militärführung schon wieder ein Spektakel organisieren (Lusitania – 1. Weltkrieg; Pearl Harbor – 2. Weltkrieg; Tonking-Affäre; 9/11; Massenvernichtungswaffen – Irakkrieg), um die US-Bevölkerung kriegsbereit zu machen.

Hinzu kommt aber, daß bei diesem Konflikt auch in hohem Maße fundamentalistisch-religiöse Aspekte involviert sind. Alle drei monotheistischen Religionen (nebst diversen Splittergruppen) sehen in Syrien und den fünf Nachbarstaaten ihre fundamentalen Interessen gefährdet und aufs Spiel gesetzt.
Wir könnten einen gefährlichen eurasischen Konflikt gewärtigen, der ob der vielfältigen Interessensgruppen und einer dementsprechenden Chaotik unbeherrschbar werden könnte, zumindest aber von keiner Seite zu gewinnen ist. Leidtragende können und werden hier – in möglicherweise monströsem Ausmaß – nur wieder Zivilisten und unschuldig Beteiligte sein.

H.-W. Graf

24. August 2013

Freund hört mit!

24. August 2013|Außenpolitik|Kommentare deaktiviert für Freund hört mit!

Worüber regen wir uns eigentlich auf?!?

Eifersüchtiger könnte kein Ehepartner sein; seit Jahren werden von US-Geheimdiensten weltweit Privatpersonen und Unternehmen, Staaten und Parteien auf allen Kommunikationswegen abgehört und ausspioniert – mit unterschiedlichen Zielen, ohne jegliche Unterscheidung zwischen ‘Freund’ oder ‘Feind’ und in jeglicher Weise, die technisch machbar ist. Dabei bespitzeln sich sogar die Geheimdienste emsig gegenseitig, und selbst Präsidenten (auch der US-amerikanische), Vorstände großer Konzerne, Senatoren und Gouverneure, kurz: Jeder wird belauscht, ausgespäht und verwanzt.
Begründet wird dieses Vorgehen grundsätzlich und stereotyp mit dem Schlagwort ‘Terrorbekämpfung’, obgleich dahinter auch völlig andere Beweggründe liegen, z.B. die mindestens ebenso große Angst, daß die technische “Supermacht” USA in irgendeinem Bereich international ins Hintertreffen geraten, von den kreativen Innovatoren anderer Nationen überflügelt werden könnte, den Anschluß verlieren und abgehängt zu werden droht.
Dahinter steht ein tiefverwurzeltes, seit mehr als 100 Jahren genährtes, beinahe neurotisch-manisches Selbstverständnis der Vereinigten Staaten von Amerika [schon durch die unterschiedslose Verwendung des Begriffs ‘Amerika’ weit über die USA hinaus, also ohne zwischen Nord-, Mittel- und Südamerika zu unterscheiden], mit dem selbst Kinder in den USA darauf geeicht werden, in ‘America is superior to the rest of the world’ das absolute Nonplusultra, schlechterdings den “Nabel der Welt”, das Beste, Größte, ‘God’s own Country’, kurz: das (bitte schön) Wunderbarste zu sehen, was dieser Planet seit 4,6 Milliarden Jahren hervorgebracht hat. An nichts Geringerem als diesem Selbstanspruch messen sich die USA – ob in Wirtschaft und Technik, Sport und Kultur (selbst in skurrilsten bis bizarrsten Formen), Wissenschaft und Forschung; wo immer in anderen Teilen der Welt Erfindungen gemacht, Forscher auf Neues stoßen oder Rekorde aufgestellt werden, wird dies zum schmerzhaften Pfeil im Fleische der US-Amerikaner.
Hierbei kennen die Jungs weder Freund noch Feind; der Wahrung und Verteidigung dieses selbstverordneten Nimbus wird alles untergeordnet, und kein Aufwand an Mensch, Material und Geld ist den USA zu hoch, um diesem Selbstanspruch zu entsprechen. Daß dies angesichts der Tatsache, daß die Bevölkerung der USA gerade mal 4% der Weltbevölkerung ausmacht, immer schwieriger, aufwendiger und komplizierter wird – insbesondere aufgrund der technischen Fortschritte in vielen Ländern der Welt und der globalisierten Wissensvernetzung kreativer Geister (die es tatsächlich auch außerhalb der US-Grenzen gibt) –, versteht sich von selbst. Aber eben dies schmerzt das patriotische Selbstbild der US-Amerikaner in erheblichem Maße; sie wollen nichts und niemanden neben sich auf dem Treppchen akzeptieren, und dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Deshalb unterhalten sie 36 verschiedene Inlands- und Auslands-Geheimdienste sowie in 176 Ländern Militärbasen, die jeweils größten (natürlich schwerst-bewachten) Konsulate, in 134 Ländern ‘Amerika-Häuser’ und rund 160 internationale (natürlich von US-Amerikanern geführte) Organisationen. Sie bestimmen die Politik der Weltbank, der IZB, der UNO, der UNICEF, des ‘World Council’, des ‘Atlantic Council’ des ‘Pacific Council’, des ‘World Gold Council’, des ‘Internationalen Währungsfonds’ sowie Dutzende weiterer weltweit (ko)operierender (und manipulierender) Organisationen, und selbst bei der Vergabe des Nobelpreises sind in den relevanten Kategorien – Physik, Chemie, ‘Frieden’ und Wirtschaft – US-Amerikaner ausreichend zu berücksichtigen (das wissen die Kommitteemitglieder in Stockholm und Oslo sehr wohl). “The World’s Best …, Greatest … etc.” ist der absolute Mindestanspruch, mit dem sich US-Banken, Museen, Stiftungen, Einrichtungen aller Art, das gesamte Militärwesen, Universitäten und natürlich der Sport unter ständigem Druck halten. Und der Bevölkerung wird von Kindesbeinen an suggeriert, daß sie das unendliche Privileg genießen, im großartigsten Land der Welt geboren zu sein, sich dieses Anspruchs aber auch würdig zu erweisen haben; wer das nicht schafft, wird zwar geduldet, aber letztlich ist er – der Reformator Calvin läßt grüßen – selbst daran schuld, wenn er statt in der vordersten Reihe auf hinteren Rangplätzen sitzt. Immerhin, so die unmißverständliche Botschaft, ist er wenigstens US-Bürger, darf die ‘Stars and Stripes’ ins Fenster hängen oder an den Fahnenmast im front yard.

Zweiter oder Dritter zu sein, ist für einen US-Amerikaner allenfalls auf nationaler Ebene von Belang, auf internationaler Bühne hingegen grenzwertig bis schambehaftet. Deshalb nehmen US-amerikanische Sportler in vielen Disziplinen auf internationaler Ebene überhaupt nicht teil oder stricken sich ihre eigenen Sportarten (kein Land hat mehr Sportarten kreiiert), in denen sie dann “World Championships” veranstalten (Football, Baseball, etc.).
Wer dieses Verhalten als naiv und reichlich kindlich oder kindisch bezeichnet, verkennt deren Hintergrund, vor allem aber den dahinterstehenden Ernst und den Zwang der Gesellschaft, dem buchstäblich jeder kollektiv untersteht, denn natürlich überfordert der nationale Größenwahn, dem jeder US-Amerikaner qua Geburt unterworfen ist, das Gros der Menschen in gefährlicher Weise. Kein Wunder, daß in den USA prozentual mehr BürgerInnen im Gefängnis sitzen (oder zumindest einmal im Leben einrücken) als in jedem anderen Land weltweit, und die prozentuale Wahrscheinlichkeit, durch einen kriminellen Akt ums Leben zu kommen, größer ist als in jedem anderen OECD-Land. Gleiches gilt für den Tod durch Selbstmord, den persönlichen Konkurs und die Erkrankung an Krebs sowie fast alle “Zivilisations”krankheiten (Adipositas, Diabetes, Fettleber, -zirrhose, Alzheimer, Demenz, etc). Auch die enorme Zahl an Drogen- und Medikamentenabhängigen, Asperger- und ähnlichen Autismuserkrankungen, jugendlichen Kriminellen, Obdachlosen und Desozialisierten steht in krassem Gegensatz zu den “Idealen” der ‘greatest nation on earth ever’, das medial verbreitet und moralisch vorgegeben wird.
Kein Wunder, daß man den US-Amerikanern alle Auflagen und Zwänge, die omnipräsente Kontrollmanie der staatlichen Organe, die permanente Überwachung und Ausspähung trefflich als ‘nur ihrem Wohl und ihrer Sicherheit dienliche Maßnahmen’ eines durch und durch benevolenten Staatsapparates verkaufen kann, ja, die meisten US-Amerikaner dafür sogar dankbar sind, es zumindest aber als notwendig ansehen (in New York ist jedes zweite Auto ein Taxi, aber auch jedes fünfte ein mit “Security” befaßtes).
In Wahrheit versteckt sich dahinter ein tiefverwurzeltes Gefühl der Unsicherheit und der verzweifelte, bisweilen beinahe rührende Versuch, den Bestand und Erhalt eines Systems zu sichern, das längst nicht mehr zu retten, in Teilen schon verrottet und verwest, nicht mehr finanzier- und renovierbar ist und unrettbar zu verkommen droht.

Die USA verstehen sich als moralisches Gewissen, absoluter Maßstab und alleinverantwortlicher Garant für Recht, Ordnung, Freiheit und Sicherheit, als Gralshüter von Gottes Gnaden – weltweit, für Jeden und Alles, was auf diesem Planeten kreucht und fleucht. Kein anderes Land ist dazu in annähernd gleichem Maße in der Lage, dessen sind sich (fast) alle über 325 Millionen US-Amerikaner einig. Und diese Aufgabe des weltweiten Heilsbringers, verantwortlichen Hüters und Wächters nehmen die USA als gottgegeben wahr – notfalls auch gegen den Willen der Bevölkerung anderer Nationen; besser, man beugt sich ihrer “Führung” (wenn sie schon freiwillig dieses schwere Amt übernommen haben), sonst wird es ungemütlich; nichts zuletzt stellen die USA in ihren Militärkomplex jährlich mehr öffentliche Mittel (und Spenden großer Unternehmungen, Stiftungen und Sponsoren!) ein, als die nächsten 52 Staaten zusammengenommen; mehr, als das Bruttoinlandsprodukt von 170 Nationen ausmacht. Nach dem Grundwehrdienst dienen nahezu alle Soldaten in ‘special forces’ und genießen stolzes Ansehen in ihren Familien wie auch der Öffentlichkeit. [Die ‘unehrenhafte Entlassung’ (‘dishonorable discharge’) ist das Todesurteil für nahezu jegliche spätere berufliche Karriere]. Nirgendwo ist das Bild des ‘unbeugsamen Helden’ – Urbild unzähliger Comic-Helden – so (bisweilen geradezu lächerlich) gesellschaftlich verankert wie in den USA.
Solange “Freunde” der USA diesen Allmachtsanspruch nicht in Frage stellen – wobei die USA die Regeln diktieren, sich selbst aber vielfach (und völlig selbstverständlich und bedenkenlos) über ‘Internationales Recht’ hinwegsetzen [kein US-Bürger darf vor dem ‘Internationalen Gerichtshof’ angeklagt oder dessen Auslieferung (z.B. an den ‘Haag’) gefordert werden] – werden sie gelobt und belohnt (ähnlich einem Haustier, was brav ‘Pfötchen’ gibt). Aber wehe, ein Staatschef kommt auf die Idee, seine Exporte an Rohstoffen nicht mehr in US-$ zu valutieren oder den Vasallendienst aufzukündigen, dann sollte er schon mal das Ticket ins Exil buchen. Der nächste Diktator ist, wenn er brav ‘bei Fuß’ geht, der US-Regierung genau so lieb und teuer wie sein Vorgänger, der das ihm vorgegebene Terrain verlassen und sich erfrecht hat, Washingtons Unmut zu erregen.

Und hier schließt sich ein für jeden nicht-US-Bürger völlig abstruser Gedankenkreis: Mit oben beschriebenem Selbstbild und –anspruch im Rücken “opfern” sich die USA für den Rest der Welt. Ihnen fehlt deshalb auch jegliches Verständnis für Kritik an ihrem Vorgehen; der Undank ihrer Verbündeten erfüllt sie mit Zorn, Wut und völligem Unverständnis; sie fühlen sich düpiert und mißverstanden. Kein Wunder, daß sie mit der Unberechenbarkeit sowohl ihrer Gegner und Feinde, als auch mit der ihrer Freunde und Verbündeten ständig rechnen zu müssen glauben. Sowohl um jeweils führend zu sein/bleiben als auch, um sich selbst und die Welt schützen und verteidigen zu können – wer wäre denn dazu auch sonst legitimiert, willens und in der Lage? –, haben sie (nach ihrem pathologischen Selbstbild) nicht nur das Recht, sondern nachgerade die Pflicht, Alles und Jeden, Freund wie Feind, auszuspähen, abzuhören und zu observieren, denn wann wer wie die Führungsrolle der USA infragestellen, bedrohen, boykottieren oder sabotieren könnte, weiß man ja nie. Deshalb versteht auch kaum ein US-Bürger – selbst überdurchschnittlich gebildete und US-Amerikaner mit Auslandserfahrung –, worüber sich abgehörte Ausländer und ausspionierte Unternehmen eigentlich mokieren und entrüsten. Was immer die selbst angemaßte Führungsrolle zu gefährden droht oder bedrohen könnte, muß frühzeitig erkannt und abgewehrt werden. Es geschieht alles nach Gottes Vorgaben, Wunsch und Wille sowie zum Wohle der Menschheit, die sich ohne den dienstbaren, heldenhaften Einsatz der USA längst in einem Dante’schen Inferno befände.

Das uns Europäern sehr schlicht erscheinende, zumeist höchst religiös (bis bigott) untermalte* Weltbild der US-Amerikaner sollte jedoch nicht ein Bild des ‘doofen Amerikaners’ suggerieren. US-Bürger sind kein Jota dümmer oder beschränkter als Europäer, Asiaten oder andere Erdenbürger. Vielmehr steht dahinter ein in über 400 Jahren entwickelter “nationaler Autismus”, der mit dem Niedergang der europäischen, monarchistisch geprägten Weltmächte (England, Frankreich, Preußen, dem russischen Zarenreich, Österreich, Spanien und Portugal) als blutjunge, (scheinbar) unverdorbene Demokratie auf die Weltbühne trat [auf die Entstehungswehen der jungen USA, den Kampf gegen die britische Krone, die Ausrottung von mehr als 500 Indianerstämmen, die Zwangseinverleibung weiter Teile des Territoriums der heutigen USA sowie den Kampf gegen die Spanier in Texas, im South Belt, dem südlichen California u.v.a. soll hier nicht weiter eingegangen werden].

Der ‘Kalte Krieg’ und das diesen begleitende Wettrüsten der Supermächte ist Geschichte – nur ist dies noch nicht in den USA ruchbar geworden. Dort wird der Untergang des Sozialismus als Sieg des USA-definierten Kapitalismus bis heute gelehrt und verstanden – was insoweit schon sinnfremd ist, als der (sog.) ‘Sozialismus’ ein (illusionäres) gesellschaftspolitisches “Ideal” war/ist, wohingegen der ‘Kapitalismus’ ein wirtschaftspolitisches Denkkonstrukt beschreibt.
Nun gilt es, so die Interpretation der Eliten in den USA (die den jeweiligen Bewohner des ‘Weißen Hauses’ als Grußaugust auf die Bühne stellen), diesen “Sieg” als göttlichen Beweis eigener Überlegenheit zu verstehen und den dadurch gewonnenen Vorsprung für immer und ewig zu zementieren. Daran darf teilhaben, wer sich – als tributpflichtiger Vasall und völkerrechtlich beileibe nicht wirklich unabhängig (Bundesrepublik Deutschland, Japan, Korea u.v.a.), versteht sich – den USA als Partner zur Seite stellt. Wer sich dieser Superiorität der Vereinigten Staaten von Amerika hingegen in den Weg stellt oder aufmuckt – es gibt da so einige Zeitgenossen in Lateinamerika, im Maghreb, dem Mittleren Osten und in Asien; bisweilen schmollen auch Europäer oder Balkanbewohner –, der muß mit Rüge, Sanktion, Boykott oder Invasion rechnen; notfalls wird irgendein Eklat inszeniert, der auch die grundsätzlich friedliche Bevölkerung der USA kriegsbereit werden läßt.
Aber – zurück zum Titel – um nun stets zu wissen, woran man mit dem Rest der Welt ist, muß eben Jeder ständig kontrolliert, belauscht und ausgespäht werden. So einfach ist das. Worüber regen sich denn die Parteien und Politiker (nachgerade, wieder einmal, in Deutschland) eigentlich auf?

H.-W. Graf

*In den USA gibt es ca 130.000 (zumeist protestantische) Churches – Kirchen/Sekten/Religionsgemeinschaften. Dies ist zum einen ein aus der ‘Declaration of Rights’ (1776, Virginia) abgeleiteter Anspruch auf religiöse Selbstverwirklichung, zum anderen ein perfektes Steuersparvehikel: Religionsgemeinschaften sind steuerbefreit und öffentlich-rechtlich vielfach privilegiert.

27. Juli 2013

Sieben magere Jahre

27. Juli 2013|Außenpolitik, Politik, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Sieben magere Jahre

Erklärungen von Politikern sollte man durchweg ernst nehmen – nicht das, was sie verlautbaren, sondern zumeist dessen Gegenteil, vor allem jedoch das, was sie aussparen und tunlichst verschweigen.
So betonte Finanzhäuptling Schäuble vor der griechischen Handelskammer gleich zweimal, wie beeindruckt er von den Fortschritten des griechischen Reformkurses sei – Öl auf die Seele der Helenen, aber glatt gelogen –, um dann ebenso deutlich darauf hinzuweisen, daß die 100 Millionen Euro Kredithilfe von deutscher Seite nur zur Verfügung gestellt würde, wenn deutlichere Reformschritte erkennbar würden.

Nun ist dieser Kreditfonds, eine Art KfW[1], für Unternehmer gedacht, die neue Arbeitsplätze zur Verfügung stellen sollen, was jedoch überhaupt nichts mit den staatlich verkrusteten Beamtenstrukturen zu tun hat. Dies gleicht einem Bonbon, das ein Erwachsener mit ausgestreckter Hand einem auf dem Bauch liegenden Kleinkind anbietet.

„Ich habe bisweilen den Eindruck, daß sich die meisten Politiker immer noch nicht darüber im Klaren sind, wie sehr sie bereits heute unter der Kontrolle der Finanzmärkte stehen und sogar von diesen beherrscht werden.“
Prof. Hans Tietmeyer

Auch „Helikopter“-Ben vermeldete bei seiner mit Spannung erwarteten Rede am 17. Juli – wie immer in sybillinischen Formulierungen verquastet – nichts Neues; man werde, so FED-Chef Bernanke, die Zuflüsse neuer Geldmengen (derzeit 85 Milliarden US-Dollar pro Monat) zurückfahren, aber erst, wenn die wirtschaftliche Entwicklung hierzu Anlaß und Chancen böte.

Über all dem manisch-phobischen Hickhack um Griechenland verliert der informationsbeflissene Bundesbürger den Blick für diejenigen Volkswirtschaften, die tatsächlich drauf und dran sind, das EURO-Debakel zu beschleunigen – vor allem: Frankreich! Hier ist ein wirtschaftspolitisch völlig inkompetenter Sozialist gerade dabei, die ökonomischen und sozialen Strukturen eines 56-Millionen-Volkes zielsicher an die Wand zu fahren. Wer heute die ‚à vendre‘-Schilder in Paris, Marseille und Bordeaux zählt – an den Schaufenstern von Kleinunternehmen ebenso wie in Vorgärten und an Häusern – ahnt, daß die Herabstufung Frankreichs auf ‚B‘ durch sämtliche Ratingagenturen nicht von ungefähr kommt. Italien und Spanien, die nächst-größeren Volkswirtschaften der Euro-Zone, werden bankintern längst als „Ramsch“ gewertet.

„Es gibt nichts Unsozialeres als den Wohlfahrtsstaat, da dieser individuelle Egoismen fördert; soziale Hilfe in Notfällen gerinnt zum puren Rechtsanspruch.“
Prof. Ludwig Erhard

Die Horror-Arbeitslosenzahlen – insbesondere die der Jugendarbeitslosigkeit, die Griechenland, Spanien und Portugal ausweisen – sind nur die Spitze des Eisbergs. In der gesamten Euro-Zone sind derzeit durchschnittlich 20% der arbeitsfähigen Menschen und über 40% der arbeitsfähigen Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren arbeitslos. Gleichzeitig liegt der durchschnittliche Schuldenstand (im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt) inkl. der bereits heute feststehenden zukünftigen Verpflichtungen der Staaten (Pensionen, Zusatzversorgung, etc.) bei zwischen 300 und 500%. Da diese ‚Kredite auf die Zukunft‘ aber insbesondere den heutigen Jugendlichen auf die Füße fallen, sei die Frage erlaubt: „Wer soll diese Schulden eigentlich bezahlen?“ Nur einer der vielen Nebenaspekte: Seit 1969 ist die Heiratsfreudigkeit der Bevölkerung in der EU-Zone von 72% auf 47% gefallen.

Lassen Sie sich weder verwirren, noch ängstigen; Deutschland muß auf Gedeih und Verderb den Status Quo erhalten, um nach der Bundestagswahl die berühmten „Hosen“ herunterzulassen. Bis dahin wird der Abnicker-Verein in Berlin buchstäblich alles goutieren. Wie sagte schon der slowenische Dichter Zarko Petan (geb. 1929): „Mit leerem Kopf nickt es sich leichter“. In den nächsten 60 Tagen wird weder an den Märkten, noch im politischen Kasperle-Theater Nennenswertes passieren; wie selten zuvor haben wir ausschließlich politische Börsen. Daran ändern auch die sich auszuweiten drohenden Konflikte in Ägypten und Syrien, die Demonstrationen in Brasilien, Spanien und Irland, Griechenland und Italien überhaupt nichts.

H.-W. Graf

[1] Kreditanstalt für Wiederaufbau

5. März 2012

Für Sie gelesen – Kleptopia: Wie uns die Finanzindustrie, Politik und Banken für dumm verkaufen

5. März 2012|Außenpolitik, Steuer- und Finanzpolitik|Kommentare deaktiviert für Für Sie gelesen – Kleptopia: Wie uns die Finanzindustrie, Politik und Banken für dumm verkaufen

Autor: Matt Taibbi

Verlag: Riemann Verlag, München
Preis: € 16,99
Umfang: 352 Seiten
ISBN: 978-3-570-50140-5

Matt Taibbis scharfzüngige Auseinandersetzung mit einem kranken System

Ausgehend von der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 begibt sich Matt Taibbi auf Spurensuche. Wie konnten die ungedeckten Immobilienkredite Amerikas die globale Wirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs bringen? Was der Redakteur des Magazins ‚Rolling Stone’ bei seinen Besuchen und Interviews mit Hedgefonds-Managern, Wallstreet-Bankern und Politikern herausfindet, hat wenig zu tun mit der offiziellen Version zum Beinahe-Kollaps des Finanzsystems. Stattdessen identifiziert der Autor ein bewußt inszeniertes Umverteilungsprogramm zugunsten der Superreichen:„In der letzten Generation hat sich eine hochkomplexe Fusion von Kriminalität und Politik vollzogen, von Diebstahl und Staat. Statt sich noch um den Rest von uns zu kümmern, sind die Finanzbosse Amerikas und ihre politischen Diener allem Anschein nach zu dem zynischen Schluß gekommen, daß unsere Gesellschaft es nicht wert ist, gerettet zu werden. Ihre neue Mission besteht nicht mehr darin, Wohlstand für alle zu schaffen, sondern sich mit dem Vermögen, das in unserer ausgehöhlten Wirtschaft noch übrig ist, aus dem Staub zu machen.“

Mit rhetorischem Schwung seziert Matt Taibbi die Tea-Party-Bewegung als medial gepushtes Konstrukt, geschaffen, um für weniger staatliche Eingriffe zu werben, und identifiziert Investmentbanken wie Goldman Sachs als „Apotheose der Abzockära“. Zentrale Bedeutung mißt der Autor dem ehemaligen Chef der US-Notenbank Alan Greenspan bei: Als „Riesenarschloch, das Amerika ins Chaos stürzte und in ein Land voller Heuchler verwandelte“ steht dieser für Matt Taibbi am Anfang der großen amerikanischen Spekulationsblasenmaschine. Nacheinander behandelt Matt Taibbi Hypothekenschwindel, Rohstoffblase, Staatsfonds und die Gesundheitsreform und findet doch immer wieder dasselbe „Labyrinth aus finanziellen Verordnungen und Statuten, in dem ein paar Tausend Banker und Händler Millionen Kunden mithilfe von Finanzinstrumenten schröpfen, die viel zu knifflig sind, um sie in den Abendnachrichten zu erklären“.

Matt Taibbis „Kleptopia“ ist ein Blick in die Abgründe eines kranken Systems und eine deutliche Warnung, wohin die Absenkung des Niveaus im politischen Diskurs führen kann. Mit seiner unverblümten Herangehensweise macht der Autor die trockene Finanzmaterie spannend und hilft, Vorgänge zu durchschauen, die für Europa dieselbe Relevanz haben wie für die USA: gelenkte Demokratie, Medienmanipulation und die enge Verquickung von Politik und Finanzwirtschaft.

„Wir haben Wähler, die die aktuelle Entwicklung nicht aufmerksam verfolgen, Medien, die wichtige Themen ignorieren oder bewußt falsch verstehen, und Behörden, die sich den Lobbyisten beugen und von Wahlkampfspenden verlocken lassen. Und wir haben den Reichtum einer Supermacht, den sich anzueignen immer noch lohnt. Nimmt man all das zusammen, hat man ein Paradies der Diebe – ein Kleptopia.“ (Matt Taibbi über sein Heimatland Amerika)

 

Matt Taibbi (geboren 1970) ist ein amerikanischer Schriftsteller und Journalist. Für seine Kolumnen und Kommentare erhielt er u.a. den National Magazin Award (2008). Er ist Stammautor der Zeitschrift ‚Rolling Stone’ und hat bisher vier Bücher verfaßt, darunter den Bestseller „The Great Derangement“. Matt Taibbi lebt in New Jersey.

1. Juli 2011

Griechenland – Hintergründe und Ausblicke

1. Juli 2011|Außenpolitik, Gesellschaft|Kommentare deaktiviert für Griechenland – Hintergründe und Ausblicke

Das uns alle derzeit wohl am meisten bewegende Thema ist die Frage: Ist das Desaster Griechenland noch abzuwenden (und wenn, wie?), oder ist Griechenland der Beginn einer Krise, die sich – weit über Europa hinaus – zu einer weltweiten, mutmaßlich der größten Finanz- und Wirtschaftskrise aller Zeiten entwickeln könnte?

Lassen Sie uns deshalb ein wenig hinter die Kulissen blicken

Wie es zur Kunstwährung EURO kam

Die meisten unserer LeserInnen beziehen ihr Gehalt in EURO, in der gleichen Währung bezahlen sie ihre Mieten, den Lebensunterhalt, das Taschengeld für die Kinder sowie die Chappi- und Whiskas-Dosen für die‚ vierbeinigen Familienmitglieder’ (politisch korrekt in den USA für Haustier).
Nun ist der EURO (wie bereits dessen Vorläufer, der ECU als theoretische Recheneinheit) eine künstliche Währungseinheit, wie es sie noch nie gegeben hat, seit Menschen nicht mehr Muscheln, Gewürze, Edelsteine, Edelmetalle und Rohstoffe, Pferde, Kühe und Esel als „Währungen“ verwendeten; zum ersten Mal gestattete man nämlich nicht Produzenten und Nachfragern, eine Währung zu verwenden, die sich als stärker als andere erwiesen hatte. Vielmehr beschlossen die politischen „Eliten“ von fünf der sechs stärksten Volkswirtschaften Europas, ihre pseudo-demokratisch erworbene „Legitimation“ dazu zu mißbrauchen, eine Wirtschafts- und Währungsunion zu konstruieren – vorgeblich (und in völliger Verkennung der historischen Entwicklung) nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten von Amerika –, um im Rahmen der fortschreitenden Globalisierung eine wichtigere Rolle spielen zu können. Verkauft wurde dies den Bevölkerungen der betroffenen Länder als ‚historischer Akt’ – mit den daraus resultierenden Vorteilen eines grenzenfreien Handelsraums, besserer Studien-, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in einem dann ‚Vereinigten Europa’, in dem künftig auch nicht mehr mit unterschiedlichen Währungen hantiert und gerechnet werden müßte.

Wovon also bereits Cäsar und Alexander der Große, Dschinghis Khan und Kublai Khan, Karl der Große, Maria aus Österreich und Josef aus Rußland, Napoleon und Hitler geträumt hatten – jeweils mit kriegerischen Mitteln –, das wollten nun, gründend auf den ‚Römischen Verträgen’ (1960), die „Herrscher“ dieser Länder auf politischem Wege verwirklichen. Und ebenso wie die Vorgenannten ging es diesen Politikern auch gar nicht darum, ethnisch und soziologisch völlig unterschiedliche Entitäten behutsam aufeinander zuzuführen, sondern ausschließlich darum, ihren politischen Willen umzusetzen (und sich so nebenbei ein Denkmal in der Geschichte Europas zu sichern).
Hierbei muß man vielleicht etwas tiefer blicken: Auch die unzähligen Vorfahren unserer heutigen Politiker waren ja keine Philosophen und Psychologen; ihnen ging es um Macht, Reichtum, Ruhm und „Ehre“, und dabei setzten sie jeweils auf die Waffen ihrer Zeit. Nun sind heutzutage Pfeil und Bogen, Elefanten und Reiterheere etwas aus der Mode gekommen und das Zeitalter der Okkupation fremder Länder mit schierer Waffengewalt neigt sich mit dem bereits erfolgten Niedergang des Vereinigten Königreichs, Frankreichs, Belgiens, Spaniens und Portugals und dem bevorstehenden Bankrott der Vereinigten Staaten von Amerika ebenfalls allmählich dem Ende zu. Insofern benutzten die neuzeitlichen Okkupanten – nachgerade Jacques Chirac und Helmut Kohl – eben die neuzeitlichen „Waffen“ der undemokratischen Besetzung ganzer Volkswirtschaften, um diese, ungeachtet aller soziologischen, ethnischen und kulturalen Unterschiede, zu einem Kunstgebilde namens ‚Europäische Union’ zusammenzubasteln. Sie gingen dabei in etwa so vor wie ein hyperaktives Kind bei einem Puzzle: Was nicht paßte, wurde mit dem Hammer hineingezwungen.

Ja, und nun stehen wir wie Goethes Zauberlehrling vor der Katastrophe, die sich am Fallbeispiel Griechenland ankündigt. Man muß sich dies mal praktisch vorstellen: Ein Land mit knapp 12 Millionen Einwohnern (Rang 74 unter den etwa 200 Ländern der Welt) mit einem Brutto-Inlandsprodukt von etwa 320 Milliarden ist d’rauf und d’ran, das gesamte europäische „Kartenhaus“ entweder als Potemkin’sches Dorf zu entlarven und zum Einsturz zu bringen, oder aber es wird aus politischen Gründen an die finanzielle „Herz-Lungen-Maschine“ der EZB, des IWF und der Weltbank gehängt, obwohl Fachleute – also Nicht-Politiker –, die tatsächlich wissen, wovon sie reden, Griechenland bereits für politisch-ökonomisch so verrottet erklärt haben, daß Mediziner von einem bereits erfolgten „Hirntod“ sprächen.

Wäre ‚Griechenland’ in den USA möglich?

Um die Obskurität des „Falles“ Griechenland noch plastischer darzustellen: Dieses Land entspricht in seiner wirtschaftlichen Größe etwa dem US-Bundesstaat Delaware. Könnte sich irgendjemand vorstellen, daß dieser Winzling mit seinen knapp 850.000 Einwohnern durch Mißwirtschaft in der Lage wäre, die USA in den Ruin zu führen? Nun, zum einen beträgt die Quote  der  Staatsbediensteten in Delaware nur etwa 9 %  –  in Griechenland sind es etwa 25 %; zum anderen ist es in den USA jedem einzelnen Staat überlassen, sich wirtschaftlich-finanziell selbst zu ruinieren oder notfalls eben zu sanieren. Ein weiterer Unterschied fällt zur Bildung der Vereinigten Staaten im Vergleich zur Zwangskorporation der EU auf: Seit der Declaration of Independence (am 4.7.1776) vergingen immerhin 183 Jahre, bis sich Hawaii (auch nicht ganz freiwillig) als 50. Bundesstaat den USA anschloß. Der Größenwahnsinn einiger europäischer Regierungschefs stampfte hingegen den modernen „Golem“ des heute aus 27 Ländern bestehenden Staaten“bundes“ innerhalb von knapp 40 Jahren aus dem Boden. Im Gegensatz zu den USA handelte es sich aber bei diesen Ländern jeweils um historisch einzeln gewachsene Entitäten – teilweise mit einer Geschichte von 2.500 bis 5.000 Jahren. Die sich in dieser Zeit entwickelnden Länder mit völlig unterschiedlichen soziologischen, ökonomischen und ethnischen Strukturen wurden also – fernab der Berücksichtigung all dieser Unterschiede – im ‚Hau-Ruck-Verfahren’ zwangsweise assimiliert. Den Bevölkerungen erklärte man lakonisch bis euphorisch-stolz, daß sie nunmehr bei Reisen keine Schlagbäume mehr zu fürchten hätten und der Umtausch in die jeweilige Landeswährung entfiele.
Dabei war den Einflüsterern dieser ruhmsüchtigen Politiker sonnenklar, daß man Länder wie die skandinavischen, die Niederlande, Deutschland und Österreich nicht per Dekret mit süd- und südosteuropäischen Ländern ‚vereinen’ kann, und auch die wirtschaftspolitische Beglückung von Ländern wie Irland, Spanien undPortugal konnte nur kurzzeitig wirtschaftliche Prosperität vorgaukeln, da hierfür das historische Fundament als Basis für einen lang anhaltenden Aufschwung völlig fehlt(e). Glaubt denn irgendjemand wirklich, daß Italien weniger korrupt sei als Griechenland?

„Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen.

Erasmus von Rotterdam (holländischer Gelehrter, 1465 – 1536)

 

Nein, das von der Hybris einer völlig undemokratisch entscheidenden Minorität initiierte Experiment ‚Europäische Union’ ist katastrophal gescheitert. Und nun sind Politiker nur noch emsig bemüht, diese Katastrophe zu verschleiern; statt ihren Irrtum einzugestehen, ver(sch)wenden sie Hunderte von Milliarden dazu, zu kitten und zu flicken, was sie als völlig widernatürliches Monstrum geschaffen haben. Bei dem Gedanken, welche Unsummen hierbei zur Rettung eines längst komatösen „Patienten“ in den Sand gesetzt werden, könnte jedem vernünftigen Menschen eigentlich nur schlecht werden.

Vor welcher finanztechnischen Situation stehen wir denn nun?

Die EZB hat bereits 50 Mrd Euro an Griechenbonds aufgenommen. Hinzu kommen 87 Mrd Euro an Krediten. Aber auch an andere Peripherie-Staaten hat die EZB weitere 25 Mrd Euro in Bonds investiert. Zusätzlich vergab die EZB an irische Banken 78 Mrd Euro, an portugiesische 47 Mrd Euro, an spanische weitere 44 Mrd Euro und italienische Banken erhielten 36 Mrd Euro. Griechische Banken liehen ihrem Staat knapp 86 Mrd Euro, was etwa 29% der bislang ausstehenden griechischen Staatsschulden entspricht. Deutsche Banken halten griechische Staatsanleihen im Wert von etwa 23 Mrd US-Dollar; hinzu kommen Kredite an die griechische Wirtschaft in Höhe von 34 Mrd US-Dollar.
Hierzu meint Allan Meltzer, US-Ökonom und Professor an der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburg: „Die Politik der EZB wie auch das IWF (Internationaler Währungsfonds, d.Verf.) in der Euro-Krise ist fatal. Zwar knüpfen beide Organisationen jeweils Bedingungen an die Vergabe ihrer Kredite, z.B., Wirtschaftsreformen einzuleiten, aber diese Bedingungen werden nicht durchgesetzt. Griechenland hat zwei Möglichkeiten: Entweder muß das Land die Euro-Zone verlassen, oder es muß deflationieren, also Löhne und Preise senken, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Griechenland noch mehr Geld zu leihen, hilft dem Land nicht.“ Nun, alle diese Kredite haben eigentlich nur zwei Motive: Abhängigkeiten zu schaffen und zwangsweise zu vereinen, was nicht zusammengehört.
Nicht viel anderes passiert in den USA: Sämtliche „Rettungsprogramme“ – TARP, TALF, QE1 und QE2 und die inzwischen ausgerufene ‚Nullzins’politik– waren umsonst; sie häuften damit nur weitere fünf Billionen US-Dollar an öffentlichen Schulden an.

Noch viel haarsträubender ist aber, was diese Politiker in ihrem Wahnsinn an soziologischen und psychologischen Schäden anrichten, deren Folgewirkungen sich erst in der Zukunft herauskristallisieren werden. Die nunmehr aufgewendeten Hunderte von Milliarden fehlen nämlich den einzelnen Ländern nicht nur in ihren Haushalten und für infrastrukturelle Maßnahmen, bei der Versorgung ihrer eigenen Bevölkerung und in den Bildungs- und Sozialetats, vielmehr türmen sich diese Aufwände zu einem kollossalen Schuldenberg auf, den die heranwachsenden und zukünftigen Generationen nicht im Ansatz in der Lage sein werden, wieder abzutragen. Damit führen diese Maßnahmen geradezu zwangsläufig zu sozialen, ökonomischen und psychologischen Verwerfungen, die ein Außenstehender nur noch als Irrsinn bezeichnen würde. Und unsere G7-/G8- und G20-Häuptlinge suhlen sich munter bei ihren Kaffeefahrten (zulasten der Steuerzahler) im Schein eigener Glorie.
Zwar ist selbst dem dümmsten Bürger (nicht nur hierzulande, sondern wohl weltweit) längst klar, daß es unseren „Führern“ beileibe nicht um die Menschen geht – die sollen system-adäquat funktionieren, brav konsumieren und ansonsten den Mund halten –, aber die Frage ist, wie lange sich Menschen in ein immer enger werdendes Korsett zwängen und ansonsten für dumm verkaufen lassen. Es ist, um zu Griechenland zurückzukehren, nur eine Frage der Zeit, bis die dortige Regierung (egal, welcher Couleur) den Notstand wird ausrufen lassen müssen und letztendlich eine Militärdiktatur ans Ruder kommt. Vielleicht gebiert diese dann den Begriff ‚Demokratische Militärdiktatur Griechenland’ und läßt ihre Sportler bei den nächsten olympischen Spielen unter ‚DMG’ auflaufen.
Auch unser benachbarter Sonnenkönig Sarkozy, der völlig gestörte Bunga-Trapezkünstler aus Italien, der Reichsverweser von Themsen-Liesel`s Gnaden in Großbritannien, das derzeit herrenlose Belgien und Berlin, in dem sich 600 Nicht-Demokraten um den einzig wahren Platz in der Mitte raufen, werden nicht in der Lage sein, sich dem Aufbegehren der Volksmassen zu widersetzen – sobald sich endlich herumgesprochen hat, in welch infamer Weise hier Steuern und Abgaben mißbraucht und die Zukunft der Bevölkerung, vor allem aber der nächsten Generationen, auf dem Altar politischen Irrsinns und hemmungsloser Egomanie geopfert werden.

Und was machen unsere Verantwortlichen in Berlin?

Welchen unserer Politikschranzen schenken Sie denn nur das mindeste Vertrauen? Wem würden Sie auch nur noch ein ‚Guten Morgen’ glauben? Brüderle, den man vor jedem Auftritt einer Blutprobe unterziehen sollte? Seiner Janus-köpfigen, absolut meinungsfreien Chefin? Von der Laiin, die von Hartz IV wie der Blinde von der Farbe schwafelt? Dem komödiantischen Röslein? Westerwelle, der die FDP nach Süden geführt hat und völlig de-liberalisiert zurückläßt? Schäuble, dem Zyniker, Kohl-Handlanger und Restitutionslügner? Gabriel, der ‚Fast-Food’-Werbeikone? Dem Opportunisten Cem, der so gern auf unser Aller Kosten fliegt und wenn ertappt, so grenzenlos empört spielt? Der von keiner Neurone gequälten C. Roth (beide stehen den Grünen vor!)?
Wir lästern über die Verhältnisse in Griechenland, in dessen Schulen neben ‚Schreiben’ und ‚Rechnen’ auch ‚Korruption’ auf dem Stundenplan steht, aber auch hierzulande wollen 27 % der befragten Studenten am liebsten ‚in den Staatsdienst’. Wo liegt hier der Unterschied? Wo lebt sich am wärmsten, sichersten und ruhigsten? Im öffentlich-(un)rechtlichen Dienst.

„Die „Qualifikation“ vieler Protagonisten institutioneller Souveränität reduziert sich bei genauerem Hinsehen auf die Quantität ihrer Freßwerkzeuge, eine unbeugsam ablehnende Haltung gegenüber wertschöpfender Arbeit, eine modernster Aerodynamik entsprechende Windschlüpfrigkeit, ein begnadet dickes Fell und keinerlei Ahnung (geschweige denn Wissen) von dem, was sie verlautbaren.“

J.-L. Earl

 

Mit dieser Zeichnung der realen Verhältnisse beziehen wir sehr klar Position – sicherlich nicht unbedingt zur Freude aller LeserInnen. Uns geht es dabei aber vor allem darum, Sie nicht im unklaren darüber zu lassen, was auf uns alle zukommt, denn wir alle werden von dem, was sich da in Griechenland abspielt (weitergehend in Portugal, Spanien, Irland und Italien sowie einem halben Dutzend ost- und nordosteuropäischen Staaten, die alle an die Pforten der EZB, des IWF und der Weltbank klopfen werden) betroffen sein werden. Als weitere Kandidaten lassen dann wohl Belgien – das ansonsten seit über einem Jahr eine herrlich regierungslose Zeit erlebt –, einige frankophone (ehemalige) Kolonien in der Karibik und Afrikas, letztendlich wohl auch Frankreich selbst als Bettler vor den Pforten der (noch!) sattelfesten EU-Länder – deren Anzahl mit Finnland, Holland, Österreich und Deutschland recht übersichtlich geworden ist – herzlich grüßen. Dabei war die Zahl derer, die bereits zu Zeiten ‚Helmuts, des Fürchterlichen’ Mitte der 90er Jahre vor dem von Größenwahn geprägten Lügengespinst warnten, gar nicht so klein (wir zählen uns als DBSFS in aller Demut auch dazu), nur wurde sie vom Chor der EU-Bekifften niedergebrüllt, aber Lieschen und Hänschen hierzulande haben weder Zeit noch Lust, sich wirklich tiefschürfend mit den Zusammenhängen auseinanderzusetzen. Dabei bräuchten wir intelligente, engagierte Bürger und mutige Wissenschaftler, die der politisch nihilistischen Restbevölkerung Wege in die Zukunft aufzeigen, um den finanz-, steuer-, wirtschafts- und sozialpolitisch bis zur Deichsel im Dreck steckenden Karren aus dem Sumpf zu ziehen. Doch daran gebricht`s völlig; eine meinungslose, nur noch hilflos nach Mehrheiten schielende Staatsratsvorsitzende, die sich aller, ihre gebrechliche Autorität mutmaßlich gefährdenden Mitstreiter längst entledigt hat und einen zur Lachnummer verkümmerten Koalitionspartner mit sich schleift; ein keifendes Oppositiönchen, das inzwischen nur noch die dritte Geige im „hohen Hause“ spielen darf und froh ist, gerade nicht in der Regierung zu sitzen; ein amorphes Sammelsurium euphorischer Neu-Volksparteiler, die politische Wut- und Protestwähler aller Couleur als Befürworter eigener Ziellosigkeit verkennt sowie ein seniler Freundeskreis vorvorgestriger Linksfaschisten irren orientierungslos im Nebel dessen umher, was uns (inter)national an Problemen um die Ohren fliegt. Fach- und Sachkunde: Fehlanzeige. Ein gelernter Arzt wird aus wahltaktischen Gründen flugs zum Wirtschaftsminister gekürt, während ein Bankkaufmann aus gleichem Grunde den obersten Medizinmann der Nation spielen darf. Das misantropische Merkel läßt sich stolz von Oh Bama den „Freiheits“-Orden ums zierliche Genick wickeln und spielt die „entschlossene Europäerin“, die „geläuterte Atomgegnerin“, ohne daß irgendein Medium dieser Närrin ins Wort fällt; wie vor knapp 22 Jahren hat unser aller Ängschi mal wieder instinktsicher die Seiten gewechselt. Gäb`s dafür einen Nobelpreis, sie hätte ihn wahrlich verdient.

Aber auch in den Maghreb-Staaten, dem Vorderen Orient und Teilen der Subsahara brennt die Welt;  ein Drittel aller weltweiten Staaten weist eine Jugendarbeitslosigkeit von 20 bis 60 % auf, während ein weiteres Drittel unter seinen Sozialsystemen kollabiert; weltweit werden mehr Summen zur Rettung der Finanzsysteme, i.e. Banken und Hypothekenfinanzierer, aufgewendet, als das Weltbruttosozialprodukt ausmacht – das Hochmittelalter läßt grüßen, in dem Bankdynastien trefflich kassierten, indem sie König- und Kaiserreiche vor dem Kollaps retteten, Kriege und Kreuzzüge finanzierten und dem Klerus das Überleben sicherten.

 

Wie reagieren Wissenschaft und Medien?

Und welche Rollen spielen in dieser Gemengelage eigentlich die Wissenschaftler als ‚Hüter der Wahrheit’ und die Medien als Reporteure und omnipräsente Meinungsbildner? Nun, erstere sind zum größten Teil öffentlich-(un)rechtlich versorgt und damit mehr dem parteipolitischen Dienstherren ergeben als der Wahrheit zugeneigt, letztere bangen um Einschaltquoten, Auflagen und ihre Werbeetats. Sie sind zu sensationsgeilen Unterhaltungsclowns verkommen. [Der verschwindend geringen Restmenge in Parteien, Medien und Wissenschaft, die sich diesen Schuh zu Recht nicht anziehen muß, gebührt (m)ein Kotau; wirklich zu sagen haben sie jedoch faktisch nichts.] Die Masse der BürgerInnen aber wartet, ängstlich gedrängt unter der jeweils nächstgelegenen Markise, auf besseres Wetter, genauer auf die richtige, einzig wahre Lösung, die es natürlich nicht gibt. Während sich die Parteistrategen, eskortiert von Wissenschaftlern und Medien in sinnlosem Gezänk zerfleischen, geht immer mehr die klare Einsicht verloren, daß es den Königsweg, eine alle Wunden heilende Lösung, längst nicht mehr gibt; dafür ist der „Karren“ EU (nebst EURO) längst viel zu tief im Schlamm hirnloser politischer Dummheit festgefahren. Ob sich die Griechen lieber für ein ‚Ende mit Schrecken’ oder einen ‚Schrecken ohne Ende’ entscheiden, oder Brüssel sie mit ‚sanfter Gewalt’ zum Ausstieg zwingt, indem es ihnen die Konten sperrt und weitere Kredite ablehnt, oder einige (noch zahlungsfähige) Länder, eigene Interessen schützend, die EU/den längst todkranken Währungsverbund verlassen – die Frage ist letztlich nur, welche Lösung die erfolgversprechendere und finanziell wie auch sozialpolitisch heilsamere ist. Ohne Schmerzen hingegen ist diese ‚Operation am offenen Herzen’ nicht mehr zu bewältigen. Wer dies von den Politikern erhofft oder erwartet, glaubt auch noch an Weihnachtsmänner, Osterhasen, Klapperstörche oder Götter unterschiedlicher Bauart.

Oberbuchhalter Schäuble plädiert nun für eine Verlängerung der Laufzeiten für griechische Anleihen und Rentenwerte. Was soll das aber de facto ändern? Pleite ist pleite, da hilft auch keine künstliche Beatmung.
Versicherungen und Pensionskassen dürfen Griechenland-Papiere nicht mehr im ‚gebundenen Vermögen’ (Deckungsdock) halten, da Griechenland inzwischen von der Ratingagentur Standard & Poors auf CCC (= Ramschstatus) herabgestuft wurde. Das würde notwendigerweise zu Zwangsverkäufen und einer weiteren Verschärfung der Situation führen, wenn nicht die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) eine Ausnahme gewährt. Mit anderen Worten: Um zu retten, was längst nicht mehr zu retten ist, wurden bereits der Maastricht-Vertrag und die grundsätzlichen Vereinbarungen des EU-Vertrags gebrochen, und nun folgen weitere „Ausnahmeregelungen“, da Banken und Versicherungen auch die hauptsächlichen Aufkäufer von Staatsanleihen darstellen. Es geht also beileibe nicht nur um die Sozialversicherung griechischer Staatsbediensteter, sondern auch die der im EU-Zwangsverbund befindlichen übrigen Staatsdiener. Nur haben das bislang die meisten Bürger der EU noch gar nicht bedacht.
Fazit: Für die Fehler der Politik(er) haftet in immer höherem Maße die Mehrzahl derer, die (bislang) davon noch gar nicht betroffen sind.

„Al-Qaida mit ihrem neuen Obermurkel Al-Sawahiri und die Taliban können sich getrost aufs Altenteil setzen – unsere Sozial-, Wirtschafts- und Finanzterroristen sitzen in Berlin und Brüssel, Rom und Paris, London und Washington, und deren Menschenbild ist so krank und verrottet wie das der Terroristen, die sie vorgeben zu jagen.“

J.-L. Earl

Zwar wird sich das ganze Szenario erst allmählich entwickeln, und die Bevölkerungen der zwangsvereinten EU sind von diesen künftigen Entwicklungen auch unterschiedlich betroffen, aber wer als langjähriger Leser des ‚zeitreport’ unsere Prognosen aus den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts noch im Kopf hat, wird konzidieren, daß das gesamte Schlamassel, in dem wir uns heute befinden, leider tatsächlich in erschreckender Klarheit vorhersehbar war; denken Sie an die Entwicklung der gesetzlichen Sozialversicherungen, der privaten Lebens-, Renten- und Krankenversicherungen, des Bildungs- und Gesundheitswesens u.v.m.

Das System verhindert die Lösung.

Natürlich wäre Griechenland ebenso zu „retten“ wie auch die Sozial-, Wirtschafts- und Finanzwirtschaften Dutzender Problemländer, nur eben nicht im heutigen System, mit den heute verwendeten Machtmitteln, die vor allem (bis ausschließlich) denen dienen, die sich damit den/die Staat(en) zu eigen gemacht haben und deshalb nichts mehr fürchten als einen Systemwechsel, eine wirkliche Reform.

Fähnchen im Wind nutzen sich schneller ab als Menschen, die Flagge zeigen.“

J.-L. Earl

Nun, „die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt ein russisches Sprichwort („Nadezhda umiraet paslednej“), und in der Tat werden die Menschen einen Weg finden, sich dieser „Sumpfblüten“ politischen Wahnsinns irgendwann zu entledigen. Die Werkzeuge, die der homo sapiens sapiens zur Entwicklung einer urdemokratischen Form des Miteinander-Lebens und -Umgehens bräuchte, sind längst vorhanden. Klar ist auch, daß für schiere Produktionszwecke immer weniger Menschen benötigt werden, wohingegen wachsende Wirtschaftsbranchen – Bildung und Kultur, Gesundheitswesen, Tourismus und Sozialdienste, Forschung und Entwicklung, Energie- und Versorgungswesen u.v.m. – Millionen von Menschen ein auskömmliches Leben und eine sorgenarme Zukunft bieten könnten.

Erlauben Sie mir hierzu, auf die ‚alternativen Konzepte’ des PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V.’www.d-perspektive.de/konzepte/ – zu verweisen.
Mut macht, daß alle Parteien (und beide „christlichen“ Kirchen) zunehmend Mitglieder verlieren; lediglich den Grünen laufen noch politisch Heimatlose und Versprengte zu. Aber auch diese Partei wird der ‚Westerwelle-Effekt’ ereilen.

Wichtig wäre vor allem, daß die Majorität der heute lebenden Bevölkerung aus ihrer Lethargie erwacht und den Mut hat, den mit Händen zu greifenden Wahrheiten ins Auge zu blicken, statt sich auf skrupellose Scharlatane und Laienspieler zu verlassen, die sich ihre Pensionen damit verdienen, ihre Wähler verbal einzuseifen und für dumm zu verkaufen.

H.-W. Graf
2. Februar 2011

Die Lunte brennt!

2. Februar 2011|Außenpolitik, Gesellschaft|Kommentare deaktiviert für Die Lunte brennt!

An Unglücke, Unfälle und andere Ungewöhnlichkeiten sind wir gewöhnt – eine ganze Industrie lebt davon, uns tagtäglich Alltägliches als wichtig und besonders zu verkaufen, medientechnisch aufzublasen, was die Sensationsgier befriedigt und unsere Gelangweiltheit in Einschaltquoten und Auflagen umzumünzen. Dann wird analysiert und gemutmaßt, in den Archiven nach Vergleichbarem gestöbert, und speziell Politiker grapschen nach jeder Chance, sich telegen, gegelt und staatstragend in Erinnerung zu bringen, zu warnen und zu mahnen, zu befürworten oder sich zu entrüsten, auch wenn sie realiter weder eine Ahnung noch irgendetwas zu sagen haben.
Doch was am 17. Dezember 2010 in Tunesien geschah, nun in Ägypten seine erste Fortsetzung findet und allsamt erst den Anfang der vielleicht mächtigsten sozialpolischen Reform der letzten Jahrzehnte zu werden droht, überrascht Medien wie Politiker gleichermaßen.

Von der Selbstverbrennung des 26-jährigen Tunesiers Mohamed Bouazizi in Sidi Bouzid, 265 km südlich von Tunis entfernt, erfuhr hierzulande niemand etwas. Kein Wunder; ein arbeitsloser Akademiker, der sich ohne Lizenz als Gemüse- und Obstverkäufer seinen Lebensunterhalt zu verdienen suchte, dessen Stand die Gewerbeaufsicht räumen und seine Waage konfiszieren läßt – das gibt medientechnisch nichts her. Doch sein Tod am 4. Januar 2011 änderte die Szenerie schlagartig. Plötzlich brachen sich an mehreren Orten des Landes – und binnen 36 Stunden auch in Algerien, Marokko und sogar Saudi Arabien – Unmut und Haß Bahn.

Dabei ging es – in dieser Region des Maghreb und Teilen der Arabischen Liga die Ausnahme – mal nicht um die “typischen” Themen (Stammesstreitigkeiten; die Kontroverse Islam/Christentum, Revierkämpfe der örtlichen Korruptionskartelle, u.ä.), vielmehr äußerte sich laut, was seit Jahrzehnten im Untergrund schwelt, von der herrschenden Clique und den von deren Geheimdiensten streng kontrollierten Presse, Militär und Polizei aber nahtlos überwacht und unter Kuratel gehalten wird: Allen diesen nordafrikanischen und arabischen Staaten gemein sind: autokratische Führungsstrukturen, ein sehr “beliebiges” Rechtswesen, eine stark islamisch geprägte Soziographie, bittere Armut, keinerlei Zukunftschancen für die Massen (während deren “Häuptlinge” als Kostgänger der internationalen Politik Milliarden auf den Privatkonten anhäufen, Gehöfte in NY, Paris und am Tegernsee erwerben und ihre Kinder westliche Universitäten besuchen), ein Durchschnittsalter der Bevölkerung zwischen 22 und 26 Jahren (Deutschland: 52) und eine Jugendarbeitslosigkeit von 40 bis 65% – je nach (unterschiedlicher) Alterszurechnung unter den Begriff Jugend (16 bis 18). Gleichzeitig ist das Volksvermögen gefährlich einseitig verteilt; so besitzen z.B. die rund 30.000 Saudis, die der Herrscherfamilie zugerechnet werden (etwa 0,03% der Gesamtbevölkerung) rund 99% des gesamten Vermögens des Landes, und dieser “Clan” hält auch sämtliche relevanten Schlüsselpositionen in Behörden, Ämtern und größeren Betrieben. Die Herrscher von 50 der 54 afrikanischen Staaten sowie faktisch aller 19 Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga sowie der nichtarabischen Staaten des Nahen Ostens mögen sich demokratisch gewählt nennen und sich unter dieser Camouflage auch nach außen gerieren, doch die Wahrheit sieht völlig anders aus. Und noch eins ist den Potentaten dieser Länder gemein; sie sitzen an den Fleischtöpfen der “Suppenküche” Internationaler Währungsfonds (IWF/IMF) und in den wichtigen internationalen Gremien (Handel, Verkehr, Finanzwesen, Militär, Gesundheits- und Bildungswesen, Transport und Logistik, Medien und Nachrichtendienste). Sie kuscheln sich unter die Fittiche der NATO, genießen das Wohlwollen der USA, denen sie im Gegenzug zumeist Stützpunkte, Überflugsrechte, logistische Unterstützung und weitestgehend Wohlverhalten gegenüber dem Patenkind der Westmächte des 20. Jahrhunderts, Israel, zusichern. Wie die absolute Majorität der Bevölkerung ihr schieres Überleben sichert, ein Minimum an Bildung akquiriert, sich medizinisch versorgt oder das Alter bestreitet, ist für die ‚crème d’etat’ ohne Belang und nicht einmal Gegenstand der Erörterung in den streng kontrollierten Medien. Insofern ist mehr als hypokritisch, wenn sich westliche Medien über russische Rechtsverhältnisse mokieren und die Zustände im Reich ihrer “Verbündeten” mit keinem Wort erwähnen.

Kein Wunder, daß spezifisch in derart autokratisch bzw. diktatorisch regierten Ländern der soziologische Untergrund einem Hochmoor gleicht und fanatische Sektierer sowie sämtliche Spielarten des Islam einen geradezu idealen Spielplatz vorfinden, in dem gefährliche Sumpfblüten heranwachsen. Kann unter diesen Umständen verwundern, daß Al Qaida und Hunderte von (trans)regionalen Bin Ladens wie ein Mycel alle Ebenen unterhalb der obersten Schicht durchziehen? Was in Lateinamerika die Drogenkartelle, in Süditalien die vier Arme der Mafia, in Osteuropa sowohl die orthodoxen Kirchen (neben dem Staat der größte Eigentümer von Bodenschätzen und Minen, der Forst-, Fleisch- und Fischwirtschaft) als auch regionale Mafias sind, in China die Triaden und in Japan die 14 Familien der Yakuza (über das japanische Handels- und Wirtschaftskartell MITI bestens mit der Regierung vernetzt!), das sind in den offiziell reichen Ölländern des Nahen Ostens und Nordafrikas die selbsternannten Vertreter und “Garanten” der Rechte des bettelarmen Großteils der Bevölkerung – die verschiedenen islami(sti)schen Strömungen.

Wer einen Blick in die Zukunft wagt, dürfte erstaunt bis erschrocken die Lippen schürzen – obwohl der DBSFS und der ‚zeitreport’ sich zu diesen Entwicklungen seit 35 Jahren immer wieder zu Wort gemeldet haben, u.a. durch die Studie ‚Unsere Welt’, 1992 und 1993. Gemutmaßt werden darf folgendes Szenario: Nach Tunesien und Ägypten – wir geben dem Diktator Mubarak noch maximal einen Monat – dürfte es zu Aufständen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen u.a. im Jemen, Algerien, Jordanien, Saudi Arabien (mindestens so überfällig wie Ägypten), Teilen der Türkei und Somalias, zunehmend auch in den Westprovinzen Chinas, dem Kaukasus und Zentral- bzw. Ostafrika (insb. Elfenbeinküste, Gabun), in Mali, Niger und Nigeria kommen.
Wenn deutschland- wie weltweit Politiker und Medien, Konzernchefs und Wirtschafts”weise” freudetrunken und albern-pfauig die Posaunen des “Sieges” über die Finanz- und Wirtschaftskrise blasen, so dürfen wir dringend warnen: Politiker und Bosse bringen ihre Schäfchen natürlich stets ins Trockene, und auch den brav nach höherem Geheiß flötenden Medien und Wirtschaftswissenschaftlern (was schaffen die eigentlich an wirklichem Wissen?!?) wird es nicht naß im Speicher werden, aber für den “Rest” der Bevölkerung – und München, Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin sind nur einen Mausklick von den Dutzenden von Krisenherden entfernt, die sich hier gerade entwickeln – könnten die wirkliche Wirtschaftskrise und, in deren Gefolge, dramatische soziologische Verwerfungen weltweit gerade kurz vor dem Ausbruch stehen.
Aber, wie so oft in der Geschichte: Das Gros der Menschen wird der Gefahr erst gewahr, wenn die “Lavaströme” dieser dann bevorstehenden Eruptionen bereits den Handtuchgarten überfluten. Auch in Pompeji, Herculaneum und Stabiae glaubte 79 n.Z. niemand den Fischern und Schafhirten, die vor dem Ausbruch des Vesuvs warnten, und Kassandra bezahlte ihre Warnung vor dem “Geschenk” der Griechen mit dem Leben. Die Nihilisten von heute ergötzen sich an DSDS, Ekelcamps, Talkshows für geistig Behinderte und Stefan Raab.

Sämtliche wirtschafts-, sozial-, finanz- und militärpolitischen Probleme, die Großbritannien, Frankreich, die USA und auch Rußland heute haben (vergessen wir China nicht; die Menetekel werden gerade an die Wand gepinselt!) – Tendenz: stark bis bedenklich steigend -, verdanken sie einer ideologieverblendeten, geschichtsvergessenen, egozentrischen Machtpolitik. Wir beginnen eben erst, die “Früchte des Zorns” zu ernten! John Steinbeck und Goethes ‚Zauberlehrling’ lassen grüßen.

Hans-Wolff Graf
30. April 2010

Griechenland – Katastrophe oder historische Chance

30. April 2010|Außenpolitik, Gesellschaft, Wirtschaftspolitik|Kommentare deaktiviert für Griechenland – Katastrophe oder historische Chance

Über die wirtschafts- und finanzpolitische Misere Griechenlands, deren Hintergründe – mentalitäts- und soziopolitisch basierte Traditionen ebenso wie zweckdienliche Ignoranz der übrigen EU-“Partner” – und mögliche Auswirkungen wird seit Wochen diskutiert. Jeder Lösungsansatz findet Befürworter und Gegner – fachkundige wie völlig dilletantische , opportunistische und radikale. Egal, welcher Weg beschritten wird, es drohen soziale Unruhen, Folgewirkungen auf weitere EU-Länder – früher oder später auch die stärksten – bis hin zum Staatsbankrott und unaufhaltsam der Niedergang des EURO (worin fröhliche Naturen prima Exportchancen sehen).
Sämtlichen Vorschlägen gemein ist hierbei das verbissene, engstirnige Verharren in systemischen Zwängen und Vorstellungen. Dabei böte sich Griechenland – zweieinhalb Jahrtausende, nachdem Athen der Welt den Archetyp der Demokratie geschenkt hat – eine historische Chance; dazu jedoch gelte es, völlig verfahrene Denkgleise zu verlassen, von systemischem in schematisches Denken überzuwechseln (siehe auch: ‘Die Macht der Information’).
Lassen Sie uns – hierzu bedarf es wenig Phantasie – konstatieren: Der Staatsgedanke in seiner bislang gültigen und von gewissen “Eliten” propagierten und verbissen verteidigten Form ist definitiv am Ende, weil ausgezehrt, nicht reformierbar und lernunfähig; er ist zu einem nicht mehr finanzierbaren Dauerreperaturbetrieb verkommen.

Statt die Griechen der Mißwirtschaft, opportunistischer “Fakelaki”-Mentalität und antieuropäischer Lebensführung zu zeihen, sollten wir es mal mit einer völlig anderen Sichtweise probieren: Wie kaum ein anderes Volk lieben die Griechen ihre natürliche Unabhängigkeit. Sie umgehen in nachbarschaftlichem DenkFühlHandeln und obrigkeitsaverser Autonomie geschickt alles, was sich ihnen in staatsautoritärer Weise in den Weg stellt. Sie haben schlichtweg satt, etatistisch programmiert und bürokratisch gegängelt zu werden – ehedem von Athen, nun zunehmend von Brüssel, Luxemburg und Straßburg. Im Gegensatz zu Deutschen, Österreichern, Niederländern und Nordeuropäern (nicht unähnlich hingegen Süditalienern, Spaniern und Portugiesen!) lehnen die Griechen omnipräsente staatliche Gouvernance ab; sie wollen ihr Leben in frei gewählter Akkordanz mit Freunden und Nachbarn, bitteschön, selbst gestalten. Daß sie dabei – kreativ, mitunter gar schlitzohrig – immer wieder Mittel und Wege suchen und finden, systemische Barrieren zu umgehen, kann ihnen, bei Verzicht auf teutonische Staatsgläubigkeit und scheinheilige Polit-Rhetorik, niemand verargen.
Wer je mit Griechen zu tun hatte, kennt sie als hilfsbereit, großzügig und gastfreundlich, ein wenig verspielt und herzlich (na gut, nicht immer pünktlich).

Lassen Sie mal folgendes Gedankenexperiment zu – ohne gleich nach dem Arzt oder Geheimdiensten zu rufen:

Wie wäre es, wenn Griechenland seine staatliche Entität auflöste und sich kommunal/regional völlig neu aufstellte?

Dies könnte in folgender Weise geschehen:

  • Städte und Gemeinden erklären ihre Autonomie – mit allen Konsequenzen
    (siehe: http://www.d-perspektive.de/konzepte/demokratie-und-rechtskonzept/);
  • sie treten damit in freie Konkurrenz zu- und miteinander;
  • sie beschließen autark und autonom über eine eigene Steuer-, Finanz-, Rechts- und Verwaltungsordnung, aber auch über transkommunale
    Zusammenschlüsse jedweder Art;
  • sie wählen – real-demokratisch – wirkliche Fachleute(!) als Entscheider,
    statt sich parteipolitisch vergewaltigen zu lassen;
  • alle bislang öffentlich-(un)rechtlichen Besitztümer gehen in den Aerar und
    die Pflegschaft der jeweiligen Gemeinde/Stadt über – sofern diese daran Interesse
    hat – und gegen eine Ablösegebühr, die in einen ‘Griechenland-Abwicklungsfonds’
    fließt, aus dem – unter Aufsicht eines internationalen Fachgremiums
    – die bisherigen Schulden Griechenlands beglichen werden;
  • wer sich wo niederlässt – Private wie Konzerne/Unternehmen/Institute, etc -, entscheiden die Kommunen (auch darüber, zu welchen Bedingungen und unter welchen Voraussetzungen).

Erscheint Ihnen dies als Utopie oder Illusion? Nun, ersteres wäre gut, denn eine Utopie (griech.: u-topoin; u-topos) ist keine Spinnerei, sondern etwas bisher eben noch nicht in der Üblichkeit Gesehenes/Verstandenes, wohingegen eine Illusion eine Vorspiegelung, etwas Irreales beschreibt – das Handwerkszeug derer, die uns heutzutage das Märchen von ‘Demokratie’und ‘Sozialstaatlichkeit’ vorgaukeln.

Daß dies das Ende staatlicher Allmacht und parteipolitischer “Adels”herrschaft wäre, ist offensichtlich, und umso vehementer werden dies diejenigen zu verhindern trachten, die – in Griechenland wie anderswo – von der bisherigen Systemik glänzend profitieren, ohne die geringsten Skrupel, klandestin-korrupt und zumeist ohne die geringste Qualifikation.

2.500 Jahre nach Herakleitos, Solon und Perikles wäre es wiederum Griechenland, das der Menschheit aus einer existenziellen Problematik heraushülfe – jenseits festgefahrener Ideologien, Illusionen und systemischem Denken!

Griechenland könnte damit – einmal mehr – zur Wiege einer neuen Sozialstruktur, eines neuen Denkens werden (sic!).

H.-W. Graf
21. Januar 2009

Gaza-Krieg: Ein weiterer Schachzug der globalen Elite?

21. Januar 2009|Außenpolitik|0 Comments

Gaza-Krieg: Ein weiterer Schachzug der globalen Elite?

 

Der Krieg im Gaza-Streifen ist für die globale Elite ein Riesenerfolg. Zum einen konnte sie im Zuge ihres verschleierten Völkermordes schon wieder Hunderte von Palästinensern „legal“ töten und neues Territorium erobern, um damit ihrem völkerrechtswidrigen Ziel „Großisrael“ einen Schritt näher zu kommen. Zum anderen mehren sich durch diesen Krieg weltweit die gewalttätigen Übergriffe auf Juden, was die politische Lage in den einzelnen Nationen weiter destabilisiert. Ferner spitzt sich durch diesen Krieg die Situation im Nahen Osten dramatisch zu.

„The Clash of Zivilisation“ ist das, was die globale Elite wirklich will. Sie möchte nicht Stabilität schaffen und Frieden in die Welt bringen. Nein, sie setzt auf Instabilität und Krieg, um die eigenen (treudoofen) Bevölkerungen immer stärker zu unterjochen und ihre Ziele immer rigoroser durchsetzen zu können.

Wichtig zu wissen ist, daß die globale Elite einst die Taliban und die Al Kaida im Kampf gegen die Sowjetunion aufbaute und unterstützte. Sie baute Hitler und die Nazis als Bollwerk gegen den Bolschewismus auf. Genauso geschah es mit Mussolini in Italien. Sie baute Hussein und dessen Familienclan als Bollwerk gegen den Iran und die Schiiten auf. Sie baute den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und dessen Bande auf, um der westlichen Welt ein perfektes Feindbild im Iran präsentieren zu können. Die globale Elite baute einst auch die Hamas im Kampf gegen die Fatah-Partei auf, um sie hinterher zu bekämpfen, genauso wie sie einst die Nazis, Mussolini oder den Hussein-Clan bekämpft hat und heute die Taliban in Afghanistan und Ahmadinedschad im Iran bekämpft. Daß dabei Millionen von unschuldigen Menschen starben und immer noch sterben, ist der globalen Elite – pardon – scheißegal.

Diese globale Elite geht somit immer wieder nach dem selben Strickmuster vor. Sie setzt in den zu eroberndenden Ländern faschistische Tyrannen ein, die sie hinterher unter dem Deckmantel von Freiheit, Demokratie und Sicherheit wieder mit einem Krieg beseitigen kann. Dies läßt den Schluß zu, daß es sich bei der globalen Elite selbst um Faschisten handeln könnte.

Schauen wir doch einmal näher hin:

Wer regiert denn die Welt? Die Welt wird überwiegend von mächtigen Dynastien regiert, die vor allem aus der Großfinanz, den Königshäusern und dem Adel stammen. Ich rede von den Warburgs, DeBeers, Morgans, Rockefellers, Rothschilds, von der britischen, niederländischen und spanischen Krone, vom schwarzen Adel in Genua und Venedig etc. Diese Dynastien arbeiten wiederum mit den mächtigsten Clans und Familien in den sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern zusammen. So wird zum Beispiel das große Inselreich Indonesien gerade mal von einem Dutzend Familien beherrscht. Man teilt sich mit den jeweiligen Strippenziehern in den Ländern die Pfründe, indem man „deren“ Staaten wirtschaftlich ausbeutet und ihnen hilft, die eigenen Bevölkerungen zu unterdrücken. Das geschieht in Hunderten von Ländern dieser Welt – übrigens auch in Deutschland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die globale Elite Deutschland komplett nach ihren Vorstellungen geschaffen. Sie hat dort als Staathalter Parteien eingesetzt, die heute immer noch an der Macht sind. Adenauer war ein Werkzeug der globalen Elite, genauso Kohl und Brandt (Brandt bekam sogar Geld von der CIA). Merkel führt dieses Erbe heute fort. Die globale Elite ließ die SPD durch den CIA unterwandern. Die großen „Volks“Parteien wurden auf breiter Front finanziell unterstützt. Dabei wurde vereinbart, daß die Teilung Deutschlands absichtlich bestehen bleiben sollte. Unliebsame Organisationen wurden unterwandert und gespalten (z.B. die Grünen). Rechtsextreme Organisationen wurden vom CIA aufgebaut und gefördert – heute noch. Diese führten eine „Todesliste“ kritischer Politiker. Es erfolgte eine in der Menschheitsgeschichte einmalige Indoktrinierung: Hauptzielgruppe waren Intellektuelle und kulturelle Meinungsführer. Dabei sollten die Alliierten stets als „Freunde und Befreier“ dargestellt werden. Ferner wurde die Gewerkschaftsbewegung im großen Stil unterwandert. Mit dem Schumann-Plan und mit gezielter Bestechung betrieb die globale Elite die Gründung der EU (damals EG) voran. Die deutsche Bevölkerung wurde durch all dies vollständig unterjocht und für Jahrzehnte mundtot gemacht. Bis heute, denn jedwede öffentliche Kritik an der globalen Elite wird sofort mit den Totschlagargumenten „Verschwörungstheorie” oder „Antisemitismus” niedergemacht.

Diese globale Elite zeichnet sich somit dadurch aus, daß sie Land für Land überfällt, sich an deren Ressourcen und Know-how rechtsgrundlos bereichert und dabei auf Grenzen und Nationen keinerlei Rücksicht nimmt. Da sie sich selbst als Auserwählte bezeichnen und uns Otto-Normal-Verbraucher verschmähen, als moderne Sklaven und Versuchskaninchen mißbrauchen und gar millionenfach töten, ist diese globale Elite in hohem Maße als faschistoid und kriminell zu bezeichnen.

Das Gefährliche daran ist, daß diese faschistische Clique zur Zeit mehr politische Macht denn je hat. Mit Berlusconi, der übrigens aus der CIA-nahen Loge P2 stammt, mit Sarkozy, Brown und Merkel führen sie die wichtigsten Länder von Europa unmittelbar an. Dies verheißt nichts Gutes. Wir sollten uns daher auf einiges gefaßt machen.

Zurück zum Gaza-Krieg: Dieser Krieg wird nicht von Israel oder dem Judentum geführt. Dieser Krieg wird – so wie alle anderen Kriege auch – von einer faschistischen globalen Elite geführt, die nahezu alle Länder dieser Welt vereinnahmt hat (so auch Israel). Sie verspricht sich dadurch, die Situation im Nahen Osten (und in der Welt) weiter destabilisieren zu können, um die Welt auf den großen Showdown vorzubereiten: einen Krieg gegen den Iran, der die Welt in den Abgrund reißen wird.

Ich habe im Internet ein schönes Zitat gefunden:

„Sie sagen, der Terrorismus muß bekämpft werden und produzieren ihn selber! Sie sagen, Atomwaffen müssen bekämpft werden und haben sie selber! Sie sagen, Diktaturen müssen bekämpft werden und sind selber eine! Sie sagen, Demokratie muß verbreitet werden und bauen sie bei sich ab! Sie sagen, sie wollen Frieden und verbreiten aber Krieg! Sie sagen, sie kämpfen für Menschenrechte und foltern ohne Reue! An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!“

(Quelle:„Alles Schall und Rauch“ – Freeman)

 

Dem gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen.

Wer mehr über die Absichten der globalen Elite wissen möchte, sollte sich unbedingt den Film ‚Endgame’ ansehen.

 

Dominik Storr, Rechtsanwalt
27. Oktober 2008

Was Russland will

27. Oktober 2008|Außenpolitik|0 Comments

Was Russland will

 

Dieser Artikel will informieren unter Verwendung von Aussagen, die in Europa völlig unbekannt sind. Es sind die Pressekonferenz, die Putin noch als Präsident am 06.06.2007 anlässlich der G8-Konferenz gab und der Artikel„Die USA sind keine Supermacht, sondern eine bankrotte Farce“ von Paul Craigh Roberts, stellvertretender US-Finanzminister a. D., auf der www.counterpunch.org vom 13. August 2008. Beide Dokumente sind auf der Homepage unserer Zeitung (www.artikel-eins.com) anmoderiert und dort im vollen Umfang nachlesbar.

 

Allenthalben liest man im Blätterwald, dass ein neuer „Kalter Krieg“ drohe und Russland sei daran schuld. Wenn schon ein neuer „Kalter Krieg“ bemüht wird, ist es ratsam, an das Ende des alten „Kalten Krieges“ zu erinnern. Mit seinem Ende starben die Sowjetunion als Supermacht und ihre „sozialistischen Bruderländer“. Der Warschauer Vertrag löste sich auf. Die NATO, gegründet als „Verteidigungsorganisation nordatlantischer Staaten“ gegen die „kommunistische Bedrohung“, blieb bestehen. Gorbatschow schloss noch mit Reagan ein Abkommen, welches festschrieb, dass die NATO ihre damalige Grenze nicht überschreiten werde. (Deutschland bildete eine Ausnahme, weil man das Territorium eines Staates militärisch nicht teilen mochte.) Damals waren Vereinbarungen zur Abrüstung und Nichtweiterverbreitung von Waffen in Kraft, um Kriegsgefahren zu vermindern. Die Sowjetarmee wurde aufgeteilt auf die Nachfolgestaaten. Atomwaffen verblieben bei Russland, alle Mittelstreckenraketen hinter dem Ural. Die Nachfolgestaaten vereinbarten weiter, die Grenzen gemeinsam zu bewachen von einer Friedenstruppe, die Russland unterstellt blieb. Der russische Präsident Jelzin ließ zu, dass Einzelpersonen sich aus dem „Volkseigentum“ bereicherten und riesige wirtschaftliche Imperien schufen. Danach versank die Russische Föderation in ein Chaos. Russland verschuldete sich hoch. Lebensstandard und Lebenserwartung der Russen sanken dramatisch.

Russische Autoren jener Zeit schrieben, dass die Jelzin-Jahre der „Schmuda“ glich. In der russischen Geschichte ist das die Zeit zwischen der Befreiung von der Mongolenherrschaft bis zur Staatsfindung. Sie endete mit Iwan, dem Schrecklichen. Danach stieg Russland mit Peter, dem Großen und später der anhaltinischen Prinzessin Sophie (besser bekannt als Zarin Katharina, die Große) in die Reihe europäischer Großmächte auf. So kommt es wieder, schrieben damals russische Autoren, Russland ist stark. Hatten sie recht?

Als Putin von Jelzin die Macht übernahm und solche „Schmuda“ im Lande herrschte, hielt der alte Partner USA seine Verträge mit Russland nicht mehr ein. Die NATO, eigentlich überflüssig geworden, war an Russlands Grenzen gerückt. Im Lande handelte Putin mit seinen „Oligarchen“ ähnlich wie weiland Iwan, der Schreckliche mit den Bojaren. Er rief sie zusammen und stellte klar: Über eure Reichwerdung reden wir nicht mehr. Bedingung: Der Staat erfüllt, was des Staates ist, und ihr hindert ihn nicht. Ihr handelt, wie ihr als Kapitalisten handeln müsst, und erkennt die regelnde Rolle des Staates an. Bis auf einen unterwarfen sich alle Oligarchen. Seitdem hat Russland

  • jährlich 6,9% Wachstum,
  • alle Schulden getilgt und Guthaben bei anderen Staaten,
  • die drittgrößten Gold- und Währungsreserven der Welt (90 Mild. US-Dollar),
  • den 9. Platz in der Weltwirtschaft,
  • die Armutsgrenze von 30% der Bevölkerung auf 15% vermindert und
  • das Realeinkommen der Bevölkerung jährlich um 12% gesteigert.

Und daraus resultiert der Zuspruch der russischen Bevölkerung für die herrschenden Zustände! Denn die Russen erleben heute: Es geht ihnen, langsam aber stetig, immer besser.

Und außenpolitisch? Russland sieht sich einer NATO und USA gegenüber, die nichts mehr einhalten. Während es noch immer treu und brav seine Mittelstreckenraketen hinter dem Ural hat und sie nicht weiter entwickelt, tun das viele Länder. Pakistan, Indien und Israel haben inzwischen Atomwaffen, Nordkorea behauptet es. Amerikanische Stützpunkte bestehen in Nachfolgestaaten der Sowjetunion, „bunte Revolutionen“ betreiben deren Anschluss an die NATO in der Ukraine und Georgien. In Polen und Tschechien soll ein „Raketenabwehrsystem“ gegen iranische Raketen gebaut werden, die es noch gar nicht gibt. Dazu sagt Putin, dass er „… nicht gewählt (wurde), um mein Land an den Rand der Katastrophe zu führen …“ Denn das Gleichgewicht in der Welt wird verändert und Russland soll nichts tun.

Versetzen Sie sich in die Lage eines Russen. Eine geschichtliche Erfahrung wird keiner vergessen: Ein Land schließt mit ihm einen Nichtangriffspakt für 10 Jahre – und überfällt es nach 2 Jahren. Ist aus russischer Sicht die heutige Situation nicht ähnlich der damaligen nach einem Jahr? Auch mit Hitlerdeutschland gab es Verträge, und die Sowjetunion hielt sie ein.

Alte Kamellen? Wirklich?

In jüngerer Zeit war Russland uneins mit „dem Westen“ über die Perspektiven des Kosovo. Das kleine Land ist schon immer serbisch. Auf dem „Kosovo Polje“, dem „Amselfeld“, unterlagen Serben den Osmanen bei deren Expansion nach Europa. Für die Serben hat dieses Gebiet die historische Bedeutung wie für uns Deutsche der Teutoburger Wald. Russland wollte die Serben nicht als Nation demütigen und vertrat die territoriale Integrität aller existierenden Staaten. Putin verwies damals auf viele solcher Probleme in Europa. Stellt man das Selbstbestimmungsrecht nationaler Minderheiten höher als die territoriale Integrität der Staaten, entstehen viele Probleme. Putin zählt auf. In Osteuropa: Osseten, Abchasier, Transnistrier. In Westeuropa: Basken, Katalanen, Schotten. Ich füge hinzu: In Belgien wollen sich Wallonen und Flamen „scheiden“. Gibt man einmal nach, kann eine Kettenreaktion folgen. So warnte er vor der Unabhängigkeit des Kosovo.

Nun ist der Kosovo von NATO und USA in die Unabhängigkeit entlassen worden. Und in Georgien soll nun gelten, was Russland im Kosovo vertrat und dem man nicht folgte? Nun handelt Russland so, wie im Kosovo real geschehen und man „verurteilt“ die „Überreaktion Russlands“ in Georgien? Gilt in der Welt zweierlei Maß? Und das übergeordnete ist stets das Maß der USA?

„Die USA sind keine Supermacht …“titelt Paul Craigh Roberts, stellvertretender US-Finanzminister a. D., auf einer Website einen Artikel und begründet es ausführlich. Der Mann ist nicht irgendwer. Er war unter anderem in Reagans Kabinett. Muss Russland, ein Land mit mehr als 150 Millionen Einwohnern und dem größten Landgebiet der Erde, nach George Bushs Pfeife tanzen?

Putins Russland sorgt für seine Bürger. Es will geachtet werden. Wir sollten nicht mit Häme, sondern mit Achtung seinen Weg aus der „Schmuda“ verfolgen. Zu bemängeln haben wir im eigenen Haus genug.

Klaus Buschendorf

www.artikel-eins.com